André Freidler über Innovation und Nachhaltigkeit bei Nudeln

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast spreche ich mit André Freidler aus der Geschäftsführung des Nudelherstellers Alb-Gold in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg.

Andre Freidler
(c) Alb-Gold

Nudeln sind ein Grundnahrungsmittel. Nudeln können aber auch etwas Besonderes sein, emotional. Elemente wie guter Geschmack sowie Nachhaltigkeit und regionale Zutaten spielen dabei eine große Rolle. Hier ist Platz für viele Innovationen. Im Podcast Gespräch geht es um das Aufkommen und die Umsetzung dieser Themen und die dabei gemachten Erfahrungen im Familienunternehmen Alb-Gold.

André Freidler ist in der Geschäftsführung der ALB-GOLD Teigwaren GmbH in Trochtelfingen. ALB-GOLD stellt außergewöhnliche Nudeln her.

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Transkript

Das Transkript wurde manuell erstellt.

Klaus Reichert: Willkommen beim Smart-Innovation-Podcast. Mein Name ist Klaus Reichert, ich bin Unternehmensberater und Business-Coach für Innovation. Mein Gast heute ist André Freidler aus der Geschäftsführung des Nudelunternehmens ALB-GOLD in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb. Hallo André, willkommen zum Podcast.

André Freidler: Hallo, Klaus. Ich freue mich sehr, hier zu sein und vielen Dank für die Einladung.

Klaus Reichert: Sag mal, André, bei uns gab es heute ALB-GOLD-Spaghetti zu Mittag, die aus der Papierpackung. Und bei dir?

André Freidler: Ich hatte heute tatsächlich einen Caesar-Salad, mit Tomaten-Chili-Nudeln angereichert, direkt in unserer Betriebskantine hier am Standort.

Klaus Reichert: Cool. Isst du gerne Nudeln?

André Freidler: Ich liebe Nudeln. Die Frage wird mir tatsächlich sehr oft gestellt, ob ich das nach so vielen Jahren überhaupt noch sehen kann und meine Antwort ist immer, bei mir ist es eher so, dass ich Entzugserscheinungen bekomme, wenn ich mal zu lange keine Nudeln esse. Also ich bin ein totaler Nudelfan und mache es mir auch gerne privat lieber als Kartoffeln, muss ich ehrlich sagen. Und von dem her, glaube ich, bin ich im richtigen Unternehmen gelandet.

Klaus Reichert: Ja, das kann ich nachvollziehen. Und ich weiß auch, dass die Frage nach diesen Nudeln nicht so wahnsinnig originell ist, ja, also das war mir schon klar. Aber, ich meine, das wäre natürlich blöd, wenn du dir mittlerweile da andere Gedanken gemacht hättest, und, aber gut, das wäre dann vielleicht eine Diversifizierung des Unternehmens, die daraus sich ergeben könnte dann och.

André Freidler: Ja, auch das, stimmt, wir wollen ja heute viel über Innovationen sprechen, von dem her gehört auch sowas dazu, sich mal links und rechts umzuschauen. Aber tatsächlich bin ich der Meinung oder sind wir der Meinung, dass die Welt der Nudeln noch bei Weitem nicht ausgeschöpft haben und, ja, folgen da eher dem Motto, Schuster bleib bei deinen Leisten und glauben, dass im Nudelbereich noch ganz viel Neues möglich ist. Die Entwicklung unserer Firma, ja, im landwirtschaftlichen Bereich gestartet als Hühnerhof, von meinem Großvater und die Entwicklung wollen wir gerne konsequent weitergehen. Also wir hatten schon einen Richtungswechsel von der Eiererzeugung zur Nudelerzeugung und dabei bleiben wir und machen da aber lieber in der Breite weiter.

Klaus Reichert: Ja, das ist mir aufgefallen auch, ihr habt einen echten tollen Fokus auf Nudeln, das sieht man sofort, ja. Man sieht auch einfach, wie viel Aufmerksamkeit in das Thema reingeht. Und man könnte da alles Mögliche gleich noch dazu machen, das habt ihr jetzt so nicht, da müssen wir aber gleich mal noch drauf zu sprechen kommen. Was mich noch vorher interessieren würde, ist, von was reden wir eigentlich grade, also zum Beispiel wie viel Nudeln produziert ihr denn so am Tag? Was sind so die Größenordnungen, wie groß ist euer Unternehmen ungefähr?

André Freidler: Ja, also wir sind ein ganz klassisches Familienunternehmen, mittlerweile in dritter Generation. Mein Bruder und ich sind beide in der Geschäftsführung zusammen mit unserer Mutter, 100 Prozent familiengeführt und in Familieneigentum, haben mittlerweile an zwei Standorten knapp über 400 Mitarbeiter. Und wir produzieren, um mal eine Größenordnung zu geben, pro Tag so 120 Tonnen Nudeln. Das heißt, das sind, ja, im Jahr 50.000 Tonnen Nudeln, die wir herstellen und natürlich auch verkaufen, hauptsächlich in Deutschland, aber auch in andere Länder, bis in die USA, China und Co.. Und das aber in ganz unterschiedlichen Facetten, wirklich von der klassischen Spaghetti, die du vorhin angesprochen hattest, dein heutiges Mittagessen. Bis zu Spätzle mit Ei, Walznudeln, frischen Nudeln, Maultaschen, also hier haben wir wirklich die komplette Bandbreite im Angebot. Und das ist auch der Anspruch unserer Firma, da wirklich die, ja, die Breite zu zeigen und im Sinne der Diversifizierung und auch unseres Bio-Diversitätsanspruchs. Also bei uns geht alles so rund um das Thema Vielfalt und das zeigen wir auch in unseren Angeboten.

Klaus Reichert: Du hast jetzt grade gesagt, Nudeln nach Asien exportieren, das ist so ein bisschen wie Eulen nach Athen tragen. Sind das denn zum Beispiel Spätzle, die ihr da exportiert?

André Freidler: Ja, also tatsächlich sind Spätzle unser meist exportiertes Produkt. Wir exportieren Spätzle sehr viel nach Nordamerika, also USA, Kanada, dort schon seit vielen, vielen Jahren, auch in Asien werden mittlerweile Spätzle gegessen. Wobei der Exportschlager nach Asien, sind tatsächlich eher solche Tierfiguren, also kinderfreundliche Nudeln, Bauernhof, Dino-Nudeln, alles, was mit vielen bunten Bildchen und Förmchen verbunden ist, kommt dort einfach gut an, ein bisschen verspielter.

Klaus Reichert: Hattet ihr nicht auch vielleicht zur WM, Fußball und sowas, Nudeln? Ich bin grade am überlegen.

André Freidler: Ja, auch das machen wir, genau, Fußballnudeln zur WM, dann wirklich aktionsbezogen oder auch in Landesfarben, mal eine schwarz-rot-gold-Edition auch zur Fußball-WM. Und, ja, so lassen wir uns eigentlich immer was einfallen, anlassbezogen. Zum Valentinstag gibt es klassischerweise Herznudeln, gefärbt mit rote Beete, die dann wirklich auch ein bisschen Liebe ausströmen. Ja und so sind da eigentlich der Vielfalt und, ja, des Einfallsreichtums keine Grenzen gesetzt.

Klaus Reichert: Ja, super, wenn man es dann so einfach umsetzen kann, wenn man die Ideen aber erst mal dazu hat, ja, die Bereitschaft, tatsächlich dann auch da mehr zu machen als einfach ein, zwei Sorten, das ist ja schon was Außergewöhnliches. Also du hast auch grade gesagt, ihr seid ein Familienunternehmen, ich finde, es ist außergewöhnlich, was ihr so an Entwicklung hinter euch habt. Du hast auch schon angedeutet, wie ALB-GOLD entstanden ist, aus dem Hühnerhof der Großeltern. Ihr seid etwas außerhalb auch angesiedelt. Wenn du jetzt so rausguckst aus deinem Fenster, aus dem Bürofenster, was siehst du da?

André Freidler: Also ich sehe momentan den Innenhof und unsere Solaranlagen auf den Dächern unserer Produktion. Wenn ich jetzt aber in die andere Richtung gehe, in ein anderes Büro, dann sehe ich viele Kilometer blühende Wiesen und irgendwo am Horizont dann Wald und das Ganze natürlich in der charakteristischen Hügellandschaft der Schwäbischen Alb. Und, ja, das ist unser Standort, der mitunter auch unser großes Kapital ist, dass wir hier in so einer exponierten Lage überhaupt Nudeln produzieren dürfen, das, wie du schon angedeutet hast, geht auf die Historie der Firma zurück, hier angesiedelt als landwirtschaftlicher Betrieb, als Hühnerhof. Und dann eben im Laufe der Jahre bis zu den, ja, Mitte der 90er-Jahre, haben wir hier tatsächlich auch Hühner gehalten, bis mein Vater sich dann irgendwann überlegt hat, na, wir kriegen nicht jeden Tag die Eier tagesfrisch verkauft, was könnten wir denn mit den Eiern machen, um die wirklich haltbar zu halten? Und, ja, da ist natürlich für uns Schwaben die Spätzle eine naheliegende Lösung. Und gesagt, getan, hat mein Vater dann aus den übrigen Eiern Spätzle produziert, eben mit einem Hartweizengrieß vermischt, die getrocknet und somit waren die Eier haltbar. Damals haben wir oder haben mein Großvater und mein Vater zusammen, noch ganz viel über eigene Verkaufsfahrzeuge wirklich in die Ortschaften des Umkreises ausgefahren und so war es eigentlich kein Problem, auch Spätzle oder Nudeln dann mit auf diese Fahrzeuge zu nehmen. Und so haben wir angefangen, die Produkte dann zu vermarkten. Also tatsächlich war also die Spätzle eine Problemlösung, die dann aber so gut ankam, dass sie ganz schnell mindestens einen gleichwertigen Anteil an der Firma hatte wie die Eier. Und, ja, in der Konsequenz dann weiter gewachsen ist und, ja, bis mein Vater dann irgendwann Mitte der 90er-Jahre vor der Entscheidung stand, ja, Fokus, hopp oder topp, Eier oder Nudeln? Und er hat sich dann für die Nudeln entschieden. Und, ja, jetzt komme ich wieder zu dem Thema Firmenstandort, das war dann eben der Grund, warum wir auch hier bleiben durften. Gott sei Dank haben uns das auch die Ämter erlaubt, hier am Standort weiter zu produzieren. Und, ja, hier sind wir, vor den Toren Trochtelfingen, wunderschön in der Natur eingebettet. Und, ja, um dem auch irgendwo gerecht zu werden, haben wir auch angefangen, wirklich unserer Firmenareal in besonderer Art und Weise zu pflegen, haben einen großen Kräutergarten angelegt. Haben hier einen kleinen Tourismuspunkt geschaffen, dass Kunden uns besuchen können, sich überzeugen können von uns als Firma, von unseren Produkten und sich einfach hier auch aufhalten können einen halben Tag oder einen Tag und sich alles angucken und vor allem auch viel genießen können. Und, ja, das ist die Firma ALB-GOLD heute und, ja, gründet eben auf sehr viel Pioniergeist von meinem Vater damals.

Klaus Reichert: Ein Familienunternehmen baut ja immer auf den Generationen sozusagen auf, die davor auch da sind. Das ist wie in der normalen Gesellschaft auch, ist jetzt auch in dem Sinne natürlich nix Neues. Aber ich habe den Eindruck, wie du grad gesagt hast, es gab also dieses Problem, mit dem ihr dann angefangen habt, auf die Nudeln umzusteigen, dann gab es den Fokus drauf und dann hatte ich den Eindruck, so vor circa 20, 25 Jahren, also so Anfang der Nullerjahre, gab es nochmal irgendwie so einen Auslöser, ging nochmal irgendwie ziemlich stark was weiter. Gibt es da noch einen besonderen Punkt, der quasi für euch wichtig war?

André Freidler: Ja, also die Geschichte nahm da natürlich weiter ihren Lauf, der Fokus auf die Nudeln wurde dann gesetzt, es wurde dann auch investiert in neue Technologien zur Teigwarenherstellung. In dem Zusammenhang wurde auch nochmal ausgebaut, also ein Gebäude hinzugefügt. Und dann kam natürlich auch die Frage, gut, jetzt sind wir an dem Punkt und jetzt müssen wir auch was tun, um unsere Marke bekannt zu machen. Und die Marke steht natürlich im Mittelpunkt eines jeden Premiumproduktes, der Name muss bekannt sein und muss vor allem auch vertrauenswürdig sein. Dann, auf der anderen Seite stand natürlich eine damals schon relativ, ich sage mal, zentralisierte Handelslandschaft. Also der Handel hatte jetzt nicht freie Regalplätze und hat hurra geschrien, als ALB-GOLD kam. Und, ja, da war meinem Vater eben schon klar, wir können uns auch nicht in so eine Abhängigkeit begeben und mit diesem Kapital hier an dem Standort produzieren zu dürfen, gehen wir einen anderen Weg und gehen auch hier wieder ein stückweit zurück zu unseren Wurzeln der Direktvermarktung. Wir sind früher mit den Eierautos zu den Kunden gefahren und mein Vater hatte dann die Idee, und jetzt sollen die Kunden zu uns fahren. Und wir versuchen, unsere Kunden zu uns zu holen, um hier wirklich, ja, einen direkten Kontaktpunkt zu schaffen, um auch die Möglichkeit zu haben, den Kunden was zu erzählen über unsere Firma, über unsere Produkte und aber eben auch so einen stückweiten, wir nennen das immer gern einen Marktplatz der gesunden Ernährung anzubieten, also wirklich rund um das Thema Ernährung hier einen zentralen Dreh- und Angelpunkt zu schaffen. Und, ja, aus dieser Idee entstand unser sogenanntes ALB-GOLD-Kundenzentrum. Großes Gebäude mit einem eigenen Restaurant, mit einem großen Einkaufsladen mit regionalen Produkten, aber auch mit einem Kochstudio, in dem wir verschiedene Veranstaltungen anbieten. Entweder kommen bekannte Köche aus der Umgebung und machen eine Kochvorführung oder wir führen selber einen Kochkurs durch in verschiedenen Themenbereichen. Ja, das war 2002 und im Jahr 2005 haben wir das Ganze dann noch erweitert um einen Kräutergarten. Der erstreckt sich auf zwei Hektar Fläche, also, ja, ungefähr zwei Fußballfelder groß, mit über 2.000 verschiedenen Pflanzen und Gewürzsorten. Damals eben, ja, der folgerichtige Schritt, weil wir gesagt haben: “Wir bieten die Vielfalt an, wir wollen auch unsere Heimat irgendwie darstellen.” Und wollten zeigen, was kann denn auf den vermeidlich so kargen Böden auf der Schwäbischen Alb denn alles wachsen und was kann man da wirklich auch in seinem eigenen Garten anbauen. Und da sind dann tatsächlich 2.000 verschiedene Pflanzen, Gewürze, ja, Heilkräuter rausgekommen, die wir jetzt, ja, seither mit durchschnittlich sechs Gärtnern in Vollzeit auch bewirtschaften, und das Ganze auch jederzeit kostenfrei zugänglich für jeden Besucher. Und, ja, hier eben der Tourismuspunkt, ich muss dazu sagen, mein Vater wurde damals, ja, stark belächelt, um es dezent auszudrücken, soweit weg von jeglicher Großstadt, da kommt doch kein Mensch. Und tatsächlich haben wir es geschafft, vor Corona muss ich jetzt einschränkend dazu sagen, bis zu 300.000 Besucher im Jahr hier bei uns willkommen zu heißen, und, ja, das wurde absolut angenommen. Und wir waren damals auch sicherlich einer der Vorreiter der Lebensmittelindustrie, denn, ja, damals war eher noch das Credo, ja, niemand rein lassen, lieber hinter verschlossenen Türen unser Ding machen. Und wir sind den anderen Weg gegangen, haben gesagt: “Wir öffnen uns, wir haben nix zu verstecken, wir arbeiten ehrlich” und das wurde uns Gott sei Dank gedankt.

Klaus Reichert: Ja, es ist eine beeindruckende Anlage, ja. Und du hast auch grad gesagt und horche da vielleicht kurz auf, dass man einen halben Tag, vielleicht einen Tag in der Gegend verbringt, aber es gibt eben tatsächlich diesen schönen Kräutergartenpark, es gibt die Firmenführungen, man kann sehr lecker bei euch essen, ja. Ich weiß gar nicht, ob es auch Kartoffelsalat im Restaurant gibt, aber in jedem Fall alle Nudeln. Ist wirklich, das ist alles toll, da kommt man hin und freut sich einfach. Ihr macht ja auch viele Veranstaltungen in dem Bereich und du hast grad vorhin auch gesagt, so einen kleinen Tourismusdestination, also ich glaube, das ist schon ganz schön außergewöhnlich, was ihr da macht und was da wahrscheinlich auch so ein bisschen Auftrieb gab, war dann so diese Biosphärengebietsgeschichte und die Schwäbische Alb als Naherholung für den Raum Stuttgart, der immer wichtiger geworden ist. Also Tourismus ist einfach auch in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden für die Schwäbische Alb.

André Freidler: 100 Prozent Übereinstimmung. Also die Entwicklung, und das muss ich auch ausdrücklich sagen, was verschiedene Interessensgemeinschaft, an denen wir teilweise auch mitwirken, Verbände oder auch die Behörden da an Angeboten geschaffen haben wirklich über das Biosphärengebiet, über verschiedene, ja, Wanderstrecken. Da ist die Schwäbische Alb, hat da schon sehr, sehr große Fortschritte gemacht in den letzten zehn Jahren, 15, vielleicht auch 20 Jahre, weil es einfach hier sehr rührige Unternehmen gibt, sehr rührige Verbände und so alles, diese Gesamtgemengelage hat schon dazu geführt, dass die Schwäbische Alb grad für Stuttgarter auch zu einem Naherholungsgebiet geworden ist und man gerne herkommt. Ja, die Landschaft ist sowieso toll. Da bin ich jetzt ein bisschen eingefärbt logischerweise, ich komme ja hierher, aber ich denke, ja, hier kann man es schon gut aushalten.

Klaus Reichert: Ja, ich glaube auch. Jetzt hast du grad ein paar Stationen eben der Entwicklung aufgezeigt, also der Start quasi auf einem bestehenden Gewerbe aufgebaut, dann einige Beobachtungen, ein Problem, das quasi etwas Neues herbeigeführt hat. Dann merken, dass das ankommt, das ist ja auch immer wichtig beim Experimentieren, dass man merkt, dass es funktioniert, ne und dann eben der Fokus da drauf. Und dann natürlich entsprechende Investitionen und ein Dranbleiben in einer Zeit, die durchaus auch positiv der Entwicklung so ein bisschen Rückenwind gegeben hat und dann das Thema Marke. Finde ich toll, dass du das grade so angesprochen hast, weil, das vergessen so viele Produktunternehmen, das eben das Thema Marken Branding enorm wichtig ist für Innovation, also es geht einfach nicht anders. Was man aber auch sieht, ist, dass all das Zeit braucht. Also wir haben jetzt grade in null Komma nix ungefähr 30 Jahre beschrieben, ne. Also diese Zeit muss man haben, die muss man sich auch mal geben und, ja, das geht wahrscheinlich nur im Familienunternehmen. Jetzt hast du aber auch gesagt, Mensch, es gibt auch noch andere Unternehmen bei euch in der Gegend, die da sozusagen viel dran arbeiten. Jetzt habe ich mich gefragt, was macht ihr denn so besonders noch darüber hinaus, was macht euch so besonders an der Stelle? Ist es, weil ihr ein Unternehmen der Schwäbischen Alb seid, das machen alle so, könnte ja sein, oder gibt es noch irgendwas anderes, was bei euch da mit reinspielt?

André Freidler: Ja, also ich glaube, unser Schlüssel ist, dass wir unserer Linie treu bleiben, dass wir unseren roten Faden gefunden haben. Du hast grad gesagt, jetzt haben wir 30 Jahre abgespult, sozusagen eigentlich waren es 50 Jahre. Wir waren immer irgendwo also im Premiumbereich unterwegs, haben immer dran gearbeitet, dass unsere Marke nicht zu kurz kommt. Haben auch mit unkonventionellen Maßnahmen, wie ich es eben beschrieben habe, hier ein Kundenzentrum mitten im nirgendwo zutreiben, auch Maßstäbe gesetzt und folgen eben dieser Vision, die von unserem Vater sehr maßgebend geprägt wurde, muss ich sagen. Die versuchen wir eben in dieser Konsequenz auch weiter zu verfolgen. Wir sind bodenständige Unternehmen, sage ich immer so gerne. Wir sind unter den Leuten und wir hören einfach genau hin, wir gucken genau, wo ergeben sich Entwicklungen, ja, was tut in manchen gesellschaftlichen Leben und versuchen da einfach mit entsprechenden Angeboten dann auch drauf zu reagieren. Und vor allem scheuen wir uns nicht davor, ein Risiko einzugehen. Wir haben gemerkt, wenn wir immer warten, bis irgendeine Marktforschung uns ein stückweit eine Maßnahme bestätigt, ist es schon lang zu spät. Deshalb, man muss einfach mit offenem Ohr unterwegs sein und wir tun das, in dem wir einfach präsent sind, in dem wir auch Lust auf das haben, was wir tun und ich glaube, das ist das, was unseren Erfolg letztendlich begründet. Ich möchte damit aber nicht sagen, dass wir da die Einzigen sind, weil, ich hatte es vorhin gesagt, speziell hier in unserem Umkreis gibt es so viele Unternehmen, die einen so tollen Job machen und das ergänzt sich dann auch teilweise mit uns und, ja, das Umfeld gibt es dann eben auch her.

Klaus Reichert: Mit dieser Flut hebt sich für alle sozusagen Boote, der Wasserstand, ne, muss man schon auch sagen. Grade der Food-Bereich ist ja voller Innovationen, vielleicht geht es für manche nicht schnell genug, das kann man auch sagen. So ein paar Beispiele sind mir eingefallen oder vor allem auch sehr deutlich geworden, wie ich das letzte Mal in San Francisco war, wo viele so einen Mix aus Kultur und dann auch sofort neue Rezepte oder neue Richtungen eben rausbringt, ne, also so ein Mix aus verschiedenen Kulturen quasi dann zusammenfinden, aber was man natürlich auch findet, ist neue Zutaten. Da müssen wir auch gleich bei euch nochmal drüber sprechen, da habt ihr ja auch ein paar abgefahrene Sachen, ne. Dann gibt es sowas wie neue Verpackungen oder andere Verpackungen, nachhaltigere oder, wie auch immer man es nennen mag, Verpackungen. Dienstleistungen vielleicht um das Thema Nahrung herum. Mir fallen jetzt grade diese ganzen Rezeptboxen, diese Dings ein, die das Essen direkt Nachhause liefern und man kocht es selbst. Neue Restaurantkonzepte gibt es auch immer wieder, ne, die Art und Weise, wie man bedient wird oder nicht bedient wird, ist da ein wichtiges Thema. Und auch sowas wie Lieferservice, das Essen kommt dann zu mir Nachhause anstatt dass ich selber koche. Finde ich manchmal ein bisschen zweifelhaft, schmeckt meistens nicht gut und ist auch nicht mehr warm, aber es ist etwas, was sich ziemlich weit verbreitet. Ihr nehmt solche Sachen auf, mir scheint, dass ihr euch dafür interessiert. Wo kriegt ihr denn diese Ideen her, die ihr jetzt dann umsetzt? Also ich weiß, es gibt da viele Strömungen in dem Bereich, aber ihr müsst davon ja auch mitbekommen zum Beispiel.

André Freidler: Ja, das ist eben genau das, was wir uns auf die Fahnen schreiben, dass wir unsere Augen und Ohren sehr nah am Markt haben. Einerseits haben wir natürlich einen riesen Vorteil dadurch, das 300.000 Leute pro Jahr zu uns kommen. Wir haben somit direktes Feedback, wir haben nicht diese Hürde eines zweistufigen Handels, um mit unseren Endverbrauchern in Kontakt zu sein, dadurch bekommen wir sehr, sehr viele Informationen und Wünsche eben auf direktem Wege mit. Thema Restaurantkonzepte können wir auch selber testen, wir haben ja hier vor Ort unser Restaurant. Und ansonsten geht es aber tatsächlich drum, ja, die Scheuklappen aufzumachen und mit offenen Antennen durch die Welt zu gehen, ob es jetzt Food-Messen sind oder ob es im privaten Bereich ein Biergartenbesuch ist, man kriegt einfach mit, wo Trends liegen, man kriegt mit, ja, wo vielleicht neue Bewegungen entstehen. Und das ist einfach sehr eng mit unserem Geschäft verbunden, weil, wir produzieren Teigwaren, wir produzieren Lebensmittel und die sind ja im Zentrum eines jeden Endverbrauchers. Und somit ist unser agieren eigentlich direkt mit dem Alltag eines jeden Menschen verbunden. Und wenn man sich dessen bewusst ist, dann kann man eigentlich in jeder Information, die man irgendwo aufschnappt, auch was ableiten für das Geschäft und eventuell halt Entwicklungen frühzeitig erkennen. Und das ist unsere Aufgabe, da versuchen wir auch, unsere Mitarbeiter drauf zu sensibilisieren. Und, wie gesagt, sind einfach mit offenen Visier unterwegs und scheuen uns dann auch nicht, einfach mal was auszuprobieren. Auch wenn, das soll auch dazu gesagt sein, vielleicht aus zehn Ideen nur zwei was werden. Ja, das gehört dann eben dazu. Als Firma haben wir uns in unser Leitbild geschrieben, wir wollen die Ernährung prägen. Man soll sich da ja immer ein sehr hochgestecktes Ziel setzen, wo man auch nie fertig ist. Und das passt, denke ich, sehr gut zu uns, über die Bereiche Nachhaltigkeit wirklich eine enkelgerechte Zukunft auch zu schaffen und über die Bereiche Innovation verschiedene Trends, verschiedene Verbrauchererwartungen, ja, immer als erste zu bedienen, Stichwort Papierverpackung, Stichwort proteinreiche Ernährung aus Hülsenfrüchten. Stichwort, du hattest, glaube ich schon angedeutet, Insektennudeln, was ganz Neues. Ja und das sind eben dann die Ergebnisse aus diesen Bemühungen.

Klaus Reichert: Auch wenn es jetzt total eine Herausforderung ist, da nicht drauf einzugehen, möchte ich gerne noch Folgendes fragen. jetzt hast du grade gesagt, ihr seht da was, das kannst du sein, dein Bruder zum Beispiel, das kann jemand im Unternehmen sein, ihr findet es erst mal gut, das leuchtet euch irgendwie ein und ihr habt vielleicht noch eine Idee dazu, wie man das dann mit Nudeln machen und so weiter. Wie geht es dann weiter bei euch, was sind so die wichtigen nächsten Schritte, damit das zumindest mal zu einem Produkt werden könnte, dass ihr dann anbietet? Was macht ihr denn da so? Habt ihr eine Vorgehensweise, so einen festen Prozess zum Beispiel?

André Freidler: Ja, also so pauschal kann man das jetzt natürlich nicht sagen, weil Entwicklungen oder solche Projekte sind dann ganz unterschiedlicher Natur. Also wenn wir beispielsweise bei dem Thema Papierverpackung bleiben, also Teigwaren in nachhaltigen plastikfreien Beuteln, das ist dann ein Thema, als wir uns darauf festgelegt haben, wir wollen da was machen, ging es natürlich sehr schnell in eine technische Entwicklung, in verschiedene Maschinenbauergespräche, um da eine entsprechende Maschine herzustellen, ein Austausch mit Papierherstellern, um ein reißfestes Papier zu bekommen. Das ist ein Beispiel und jetzt an einem Beispiel, wenn es wirklich in eine neue Nudelsorte geht, also aus alternativen Rohstoffen beispielsweise, da gibt es dann einen definierten Produktentwicklungsprozess bei uns intern, der von verschiedenen Ernährungswissenschaftlern und Ernährungstechnologen erst mal im Labor aufgebaut wird. Also verschiedenartige Versuche in unterschiedlichen Größen, bis es dann wirklich auf eine Maschinenreife geht, wo dann größere Chargen auch getestet werden können. Und so ein Prozess dauert, ja, bis zu einem Jahr, bis da wirklich ein marktreifes Produkt rauskommt. Aber uns ist es auch schon gelungen, das Ganze in einem halben Jahr durchzuziehen. Also, ja, das ist auch eine Philosophie, wir wollen da nicht zu viel standardisieren. Na klar gibt es immer Schritte, die eingehalten werden müssen, aber um uns da nicht einzuschränken in der Art und Weise, wie nachher das Ergebnis ist, soll da natürlich auch die Möglichkeit bestehen, im Laufe eines solchen Entwicklungsprojekts dann verschiedene Richtungen einzuschlagen und deshalb wollen wir da auch unseren Leuten entsprechende Freiheit geben, um dann zum besten Ergebnis zu kommen.

Klaus Reichert: Man sieht ja, was da alles rauskommt, ihr habt eine riesige Vielfalt, eine sehr große Produktfamilie, um mal so ein Wort noch dazu zubringen. Wie viel Nudelsorten habt ihr denn aktuell ungefähr im Angebot?

André Freidler: Wenn ich in unser Warenwirtschaftssystem schaue, sind es weit über 600 verschiedene Nudelartikel, die wir im Sortiment führen. Ja, das ist eine Vielfalt, die natürlich auch bewältigt werden muss. Die müssen hergestellt werden, die müssen eingeplant sein, das ist eine sehr komplexe Herausforderung. Und deshalb verstehe ich auch manche Unternehmen, die sagen: “Nee, wir konzentrieren uns lieber auf fünf, sechs, Massenartikel, die wir dann ohne großen Aufwand und sehr effizient produzieren.” Aber das ist eben dann anderen überlassen, für uns gilt einfach, die Vielfalt anzubieten und hier auch den Neuentwicklungen keine Grenzen zu setzen.

Klaus Reichert: Ich meine, man wird ja dann auch irgendwann merken, wenn zum Beispiel eine Sorte nicht mehr so läuft, dass man dann entsprechend das halt nur noch an ein, zwei Tagen oder sowas produziert und dann das einfach trotzdem haben kann, wenn es gekauft wird, aber man eben den Fokus nicht mehr drauf hat. Jetzt habt ihr neue Sachen grad vorgestellt, also das Thema Insektenpasta, ja, habe ich tatsächlich auch gemeint, ja, dann gibt es eben viel Protein oder wenig Kohlenhydrate. Das sind ja alles so Sachen, die dem Zeitgeist sehr nahe sind, ne, interessante Zutaten zum Teil dann auch oder andere Rezepturen. Jetzt würde man doch vielleicht auch sagen, okay, das kommt vielleicht gleich ein bisschen komisch an. Wie kamt ihr zum Beispiel zur Insektenpasta?

André Freidler: Na, Insektenpasta liegt eigentlich relativ nahe, wenn man sich ein bisschen mit der Zukunft der Ernährung beschäftigt, was wir ja tun dürfen oder auch müssen, ich sehe es eher als ein dürfen. Ja, wir reden über eine Verknappung der bewirtschaftbaren Feldflächen weltweit, gleichzeitig reden wir über eine Flächenkonkurrenz, natürlich über Kraftstoffe, aus nachwachsenden Rohstoffen produzierte Kraftstoffe und auf der anderen Seite über ein Bevölkerungswachstum von neun Milliarden Menschen, die wir 2050 auf unserem Planeten erwarten. In manchen Teilen der Erde gibt es noch Hungersnöte. Also es gibt Statistiken, die sagen, dass der Bedarf an Ernährung in den nächsten 30 Jahren um 70 Prozent zunimmt und da muss man sich natürlich Gedanken machen, wie sollen wir das schaffen? Wie sollen wir, ja, entsprechend die Proteine, die ein Mensch ja einfach braucht, wie können wir das für diese Vielzahl an Menschen bewerkstelligen, wenn gleichzeitig unsere Felder noch für eine andere Nutzung genutzt werden sollen? Und da ist eine Pasta aus Insekten, eben aus professionell und natürlich auch hygienisch bewirtschafteten Insektenfarmen ist da, ich will nicht sagen, die einzige Lösung, mit Sicherheit nicht, aber es ist eine mögliche Lösung. Und es gibt ja mittlerweile auch schon verschiedene Produkte auf Insektenbasis, sei es Cracker, Kekse und so weiter und da haben wir für uns gesagt, das ist jetzt ein Thema, was sicherlich noch weiter in der Zukunft liegt, aber das Angebot schon jetzt aufzumachen, ist eigentlich das, was der Kunde von uns erwartet als Unternehmen, die sich auf die Fahne schreiben, einen Schritt voraus zu sein. Und dementsprechend haben wir auch hier gesagt, keine großen Marktforschungen, Absatzpotenziale, sondern hier geht es tatsächlich drum, das Angebot zu schaffen und natürlich versuchen, auch das Thema ein bisschen, wie soll ich es formulieren, jetzt muss ich es hart formulieren, den Ekelfaktor rauszunehmen, der beim ein oder anderen da vielleicht noch mitschwingt. Genau, das ist unsere Aufgabe. Und eigens dafür, eben für diese Insektennudeln und aber auch die Protein- und Low-Carb-Nudeln haben wir ein eigenes Sortiment aufgemacht, das nennt sich ALB-GOLD Next. Next steht für nächste Generation, nächste Nudelgeneration oder auch Ernährung für die Enkelgeneration, wie man es interpretieren will. Und unter dieser Linie haben wir uns zum Ziel gesetzt, mindestens einmal im Jahr wirklich ein ungewöhnliches Neuprodukt eben zu bringen, das solche Megatrends bedient. Und, ja, auch wenn sie noch fern in der Zukunft liegen, einfach zu beobachten, zu begleiten und darüber zu sprechen, ja.

Klaus Reichert: Ja, klar, das ist natürlich ein gutes Gesprächsthema, ja, das kann man auch gut aufgreifen und drüber erzählen. Ihr macht es ja auch so, dass ihr das gleich als Marke anmeldet, ja, dann ist das auf der einen Seite gesichert, entwickelt einen Markennamen dann zum Beispiel auch dafür. Finde ich auch persönlich sehr, sehr toll, verstehe ich sehr gut. Jetzt kam grade hier noch die Frage von einer Zuhörerin, kommen auch die Insekten aus der Region, die ihr da verwendet?

André Freidler: Das ist uns leider noch nicht gelungen. Wir waren da natürlich relativ früh in dieser Entwicklung und haben dann den Fokus draufgelegt, auch die Versorgungssicherheit herzustellen und uns natürlich auch persönlich von dem Lieferanten dann zu überzeugen, und haben uns dann aufgemacht, mögliche, ja, Insektenzuchtpartner zu besuchen. Und sind fündig geworden in Holland bei einer Insektenfarm, die sich spezialisiert haben auf den sogenannten Buffalo-Wurm. Und, ja, jetzt stellt sich wahrscheinlich jeder einen Wurm vor, ist es aber gar nicht, es ist die Larve eines Käfers. Also es ist im Prinzip also eine Larve, die dann geröstet wird, vermahlen wird und das Ganze passiert in Holland.

Klaus Reichert: Okay. Wie ist es mit dem Geschmack, schmeckt es anders?

André Freidler: Definitiv, es schmeckt anders. Aber, ich kann jedem nur raten, da vorbehaltlos reinzubeißen und wirklich auch den Geschmackstest mal zu machen, weil, man wird erstaunt sein, das schmeckt nämlich sehr, sehr gut. Es schmeckt ein bisschen nussig, ein bisschen volumiger wie jetzt eine klassische Weizennudel und hat deshalb eigentlich einen sehr angenehmen Geschmack. Dadurch, dass das Mehl noch geröstet wird, bevor es vermahlen wird, kommt dieses Röstaroma auch nochmal raus. Also wer sich traut, kann ich nur empfehlen.

Klaus Reichert: Da kommt noch einiges auf uns zu, denke ich.

André Freidler: Absolut.

Klaus Reichert: Innovation im Produktbereich macht ihr ziemlich viel, ihr habt eine Vorgehensweise, die euch Freiheiten genug lässt. Ihr seid schnell am Markt, wenn ihr davon überzeugt seid, dass es richtig ist. Ihr lasst euch auch nicht einfach mal von irgendwelchen Befragungen zurückhalten. Natürlich habt ihr ein Ohr am Markt, das macht es natürlich viel leichter und da kommen wir dann auch zu diesem Bereich so Innovation, ich sage mal, im Business-Bereich. Natürlich verkauft ihr eure Nudeln über gute Supermärkte, die werden nicht alle 600 Sorten haben, ja, das geht ja natürlich gar nicht, deswegen habt ihr auch euren Landmarkt vor Ort, wo ihr Nudeln verkauft, aber auch viele andere Produkte aus der Region. Aber ihr habt auch einen Online-Shop, wo ihr die Sachen verkauft, ne. Das ist jetzt ja auch schon wieder was Besonderes, wenn man so will, das gibt euch ja jetzt dann auch den besonderen Kontakt oder den direkten Kontakt zum Kunden. Dann habt ihr das Restaurant, klasse Sache, die Führungen, ihr seid eine Tourismusattraktion, es gibt Seminarräume und es gibt noch sehr, sehr, sehr viel mehr. Ihr macht ein Erlebnis im Grunde draus auch, aus eurem Besuch, indem ihr dann vor allem auch Sportevents zum Beispiel dazu macht, Mountainbike, Winterlauf, ich weiß nicht, was es noch so alles gibt. Also da passiert eigentlich schon ziemlich viel rund um dieses Thema Nudel herum.

André Freidler: Das ist genau richtig, wir setzen einfach darauf, dass wir uns auch als Mitglied oder als Unternehmen aus der Mitte der Gesellschaft präsentieren, wir bieten deshalb verschiedene Veranstaltungen an. Alle passen natürlich ein stückweit auch zum Thema Nudeln. Ein Mountainbike-Rennen, das wir seit 25 Jahren veranstalten, die ALB-GOLD-Trophy. Die ist natürlich im Thema Kohlenhydrate und Nudeln sehr passend und verwandt. Unsere Sportevents von Stöckles-Cup, also Nordic-Walking über unsere Laufserie, den Winterlauf-Cup, alles so eben mehr der körperliche Ausgleich. Aber dann eben auch kulinarische Events wie Märkte bei uns, Adventsmärkte, Frühlingsmärkte, Sommermärkte, die wir bei uns am Standort anbieten. Ja und so, wie gesagt, wollen wir einfach auch zeigen, dass wir etwas tun, dass wir was für den Umkreis tun, dass wir uns auch öffnen. Und das Gleiche, und das ist jetzt natürlich eine sehr spannende Frage, das Gleiche versuchen wir auch in der digitalen Welt anzubieten. Da sind natürlich andere Herausforderungen, wie erreiche ich die Konsumenten? Weil, es ist ja dann nicht mehr so lokal, sondern deutlich nationaler, wenn nicht sogar internationaler. Einerseits eine Chance, andererseits muss man natürlich seine Themen ein bisschen darauf anpassen und betreiben deshalb also mit sehr großem Erfolg unseren Online-Shop, wo wir natürlich die riesen Chance haben, die diese Vielfalt unserer Produkte anzubieten und zu zeigen. Wir bieten ja auch Geschenksets an, auch das ist ein Service, den wir aufgebaut haben und verstehen jetzt unseren Online-Shop nicht einfach als, ja, digitaler Supermarkt, sondern ein stückweit, ja, als Feinkostladen. Wir bieten ja noch verschiedene Weine, Biere und so weiter mit an, machen da schöne Geschenksets draus. Und das wird sehr gut angenommen erfreulicherweise, aber hier sind wir, glaube ich, erst am Anfang. Denn, du hattest vorhin irgendwann auch schon mal gesagt, so Servicethemen wie Zustellung oder Abholthemen, das ist vor allem im urbanen Bereich natürlich jetzt schon riesig und mit solchen Themen müssen auch wir uns beschäftigen, wenn wir unser Konzept der direkten Verbrauchernähe auch für zukünftige Generationen aufrechterhalten wollen, denn dort wird, glaube ich, sehr, sehr viel und auch mit vermehrter Tendenz, über das Smartphone, ja und über digitale Kanäle sich informiert. Und, ja, wir sehen das nicht als Last, sondern als Chance, uns auch als, ich sage mal, als Standardgrundnahrungsmittelhersteller da ein Standbein aufzubauen und schrecken jetzt auch nicht zurück vor solchen Riesen wie Amazon oder so. Mit denen messen wir uns nicht, weil, wir besetzen da Nischen und das ist das, was, glaube ich, ALB-GOLD auch ausmacht, ja.

Klaus Reichert: Und ihr habt die Flexibilität, die kurzen Wege, um solche Sachen tatsächlich dann auch anzufangen, auszuprobieren und dann eben gezielt auszubauen.

André Freidler: Ja.

Klaus Reichert: Thema Nachhaltigkeit, ich meine, das ist erst mal ein Thema wirtschaftliche Nachhaltigkeit, das ist zentral, ne. Also wenn ich es mir nicht leisten kann, bestimmte Maßnahmen zum Beispiel zu machen, dann hilft das nix, ich muss als Unternehmen bestehen. Da hat man den Eindruck, 50 Jahre ALB-GOLD, in Anführungszeichen, das funktioniert. Dann gibt es noch weitere Komponenten, das wären jetzt so Stichworte, die Zutaten natürlich, der Anbau der Zutaten, die Herkunft der Zutaten, die Zusammenarbeit mit den Zulieferern, mit den Partnern, Verpackungen, sozial in der Umgebung, Arbeitsplätze. Dann sicher auch so Sachen wie bei der Produktion, ich sage mal, Mehrwegsysteme, ihr habt eine Holzhackschnitzelanlage. Thema Energie, Photovoltaik ist da wichtig, Energieeffizienz natürlich auch, ist ein bisschen unsexy, aber ist einer der zentralen Punkte. Und natürlich auch sowas wie Förderung von Bio-Diversität, des Wissens darum, bei den Bauern zum Beispiel, mit denen ihr zusammenarbeitet. Also ihr macht ja ziemlich viel, das ist ein ziemlich breitgehendes Programm, das ihr da habt. Wie macht ihr das? Also wie kriegt ihr das alles hin, so viel auf einmal zu machen?

André Freidler: Ja, also ist natürlich nicht irgendwo, hängt nicht alles an einer Person, wir haben uns auch wieder natürlich über viele Jahre dorthin entwickelt. Unser Vater hat schon angefangen, eben sehr früh mit solchen Projekten und Themen auch anzufangen und da, denke ich, haben wir einfach jetzt 30 Jahre Erfahrung gesammelt und da ist eins nach dem anderen entstanden und entsprechend ist natürlich auch unsere Organisation gewachsen. Wir haben eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung, die sich wirklich um solche Projekte kümmert. Ja, Vertragslandwirtschaft mal als Beispiel, wir beziehen unseren Hartweizen, den wir für die Produktion unserer Nudeln brauchen, ja, komplett aus Deutschland, aus Vertragsanbau eben direkt mit Landwirten. Und wir arbeiten wir dann gemeinsam in dem Fall mit der Bodensee Stiftung zusammen, um Bio-Diversität auf dem Acker auszubauen, um beispielsweise einen Ackerblühstreifen zu integrieren, damit sich dort Bienen ansiedeln können. Und das sind Themen, wo wir uns natürlich auch punktuell Partner mit reinholen, die wir aber einfach aus voller Überzeugung auch betreiben, wo wir mit Sicherheit auch einen deutlichen Mehraufwand betreiben. Denn man kann Hartweizen oder einen Weizen generell natürlich auch in irgendwelchen Weltmärkten kaufen und kann es sich da relativ einfach machen, kriegt da sicherlich auch eine gute Qualität, aber eben nicht diese Tiefe und auch das Verständnis, was passiert denn draußen, was passiert auf den Äckern? Das ist eben das, was uns wichtig ist. Weil, nochmal, da kommen wir auch her, Landwirtschaft ist der Ursprung unserer Firma und das wollen wir uns auch beibehalten, ja. Und, ja, wie machen wir das? Das kann ich so pauschal nicht beantworten, wir machen es halt.

Klaus Reichert: Ja, ich meine, wenn man das mal so anguckt, man hört ja sehr viel solche Sätze wie, wir haben einen ganzheitlichen, einen nachhaltigen Ansatz, es ist Teil unserer Unternehmensphilosophie, langfristig zu denken und zu handeln und so. Das sind so Satzfragmente, die hört man doch sehr viel und man nimmt es nicht immer so ernst. Bei euch hat man den Eindruck, es ist halt, ihr sagt das ja und bei euch scheinen diese Worte tatsächlich Bedeutung zu haben und tatsächlich nicht nur gesagt zu werden, sondern eben auch in Aktionen umgesetzt zu werden.

André Freidler: Ja, ich glaube, das hängt einfach damit zusammen, dass wir angefangen haben, diese Dinge zu tun aus einem Selbstverständnis heraus. Eben, da sind wir wieder beim Thema Natur, unser Standort hier, uns war es wichtig, der Natur auch was zurückzugeben. Da haben wir den Kräutergarten angesiedelt, wo wir Artenvielfalt, Bio-Diversität auch zeigen. Die Vertragslandwirtschaft war uns wichtig eben, um den direkten Draht zu den Landwirten zu pflegen, die unsere, ja, eigentlich die Grundzutat unserer Lebensmittel anbauen. Unser Kundenzentrum haben wir gebaut, um unsere Kunden herzuholen, um im direkten Kontakt zu bleiben. Unsere Radveranstaltungen haben wir angefangen, ja, weil wir dachten, naja, Nudeln und Kohlenhydrate passen zusammen und nicht weil wir dachten, wir müssen jetzt irgendwie uns gesellschaftlich engagieren. Und so sind halt viele, viele Themen über all die Jahre gewachsen und auch erfolgreich gewachsen, zum Glück und erst dann haben wir uns irgendwann oder kam dieses Thema der Nachhaltigkeit auf, wo jeder angefangen hat, über Nachhaltigkeit zu sprechen. Und wir waren dann tatsächlich vor, sagen wir, das war vor vier, fünf Jahren, mal an einem Punkt, wo wir uns gefragt haben, okay, wie gehen wir denn eigentlich so mit diesen Thema Nachhaltigkeit um? Und da ist uns aufgefallen, wir machen ja eigentlich alles schon und erst dann haben wir eben alles, was wir tun, mal versucht zu ordnen und in eine Struktur, diese drei Säulen, Ökologie, Ökonomie und Soziales, zu packen. Aber da war einfach schon so viel da und wir kommen nicht daher, dass wir sagen, wir wollen jetzt was für die Nachhaltigkeit tun, was könnten wir denn da tun, um sozialer zu werden? Das ist nicht unser Ansatz, sondern wir tun irgendwie aus einem Selbstverständnis heraus und überlegen dann, ja, in welchen Bereich der Nachhaltigkeit das passen würde.

Klaus Reichert: André, für den Podcast ist es wichtig, vom Zuhören ins Machen zu kommen und da geht es natürlich sehr häufig darum, dass man zum Beispiel mal was ausprobieren kann, eine Software testen kann oder so. Jetzt seid ihr ein Nudelunternehmen, ihr seid eine innovative Firma, ihr habt natürlich ganz tolle neue Produkte, hast du uns auch ein Godi für die Zuhörenden vorbereitet?

André Freidler: Das habe ich und ich würde mich auch sehr freuen, wenn das rege in Anspruch genommen wird. Und zwar jeder, der hier zuhört, kann mit dem Code, mit dem Coupon-Code NEXT, großgeschrieben, in Großbuchstaben, sich bei uns, wenn man in den Warenkorb in unserem Online-Shop ist und das Wort NEXT in den Coupon-Kasten eingibt, bekommt man eine Gratisprobe unserer drei Neuprodukte aus Proteinnudeln, Insektennudeln und Low-Carb-Nudeln gratis mit dazu. Wie gesagt, ich würde mich sehr freuen, wenn es rege in Anspruch genommen wird.

Klaus Reichert: Toll! Also wir werden das Ganze dann in den Shownotes verlinken, sodass man da dann eben mit einem Klick eben gleich dazu kommt. Vielen Dank, danke für dieses tolle Angebot. André, ich finde, unser Gespräch heute ist ein ganz tolles Fallbeispiel für tatsächlich, wie Innovationen, wie nachhaltiges Handeln, wie nachhaltige Elemente sozusagen in einem Familienunternehmen auf- und ausgebaut werden können. Das heißt also, wir werden natürlich hoffen, dass viele Leute oder wir schauen, dass möglichst viele Leute sich das anhören und da was draus lernen, aber wenn du es jetzt mal noch ganz kurz zusammenfassen müsstest, sagen wir mal, die wichtigsten drei bis fünf Punkte, was wären denn die wichtigsten Tipps deiner Meinung nach zur Integration von Innovation, Nachhaltigkeit im Food-Bereich, eben basierend auf euren Erfahrungen, für einen Unternehmer oder Unternehmerin, die da vielleicht am Anfang steht, die da grade loslegen möchte, was ist der Start für diese Themen?

André Freidler: Ich denke, das es ganz wichtig ist, von einem gesunden Menschenverstand, also am besten von einem selber auszugehen und sich zu fragen und immer wieder zu fragen, was würde ich denn erwarten von den Menschen, die letztendlich mir mein Essen auf den Tisch legen? Und da einfach auch ehrlich zu sein und, wie ich es auch eingangs gesagt habe, mit offenen Scheuklappen durch die Welt sich zu bewegen, ganz wichtig, sich immer wieder Input zu holen, rauszufahren, mit vielen Menschen in Kontakt sein und daraus natürlich dann die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und, ja, als Unternehmen würde ich sagen, das Thema Innovation und Nachhaltigkeit, das ist auch eine kleine Anekdote aus einem Vorstellungsgespräch, das ich mal hatte, da wurde ich gefragt: “Ja, was ist denn jetzt euer Fokus, Innovation oder Nachhaltigkeit?” Und das fand ich dann ganz spannend, dass das so als zwei Themenfelder gesehen wird, denn für uns gehört das sehr eng zusammen. Und, ja, ich glaube, da muss man sich einfach klar sein, wo will man mit seiner Firma stehen? Möchte man die Sperrspitze sein oder möchte man irgendwo den Otto Normalverbraucher, ist nicht despektierlich gemeint, bedienen? Und einfach konsequent bleiben, ja, konsequent bleiben und auch mal Durchhaltevermögen haben, wenn es hart wird. Ja, auch die Zeiten gibt es.

Klaus Reichert: Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit für dieses Gespräch genommen hast.

André Freidler: Vielen Dank, Klaus, hat mir große Freude bereitet.

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