Alina Bermudez über lokale Netzwerke und kommunaler Klimaschutz

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast ist Alina Bermudez meine Gesprächspartnerin. Wir unterhalten uns über lokale Netzwerke und kommunalen Klimaschutz, sowie den jährlichen Nachhaltigkeitstag der Stadt Schwäbisch Hall.

Im Gespräch über die Arbeit der Klimaschutzmanagerin der Stadt Schwäbisch Hall. Die Kommune hat viele aktive lokale Netzwerke, die eng bei den Klimaschutzaktivitäten kooperieren. Die vielen Akteure stellen eine Vielzahl Aktionen auf die Beine, insbesondere beim jährlichen Nachhaltigkeitstag. Wir gehen auf Inhalte, Erfahrungen und Herausforderungen ein und sprechen über erste Schritte für andere Kommunen, die Vergleichbares vorhaben.

Alina Bermudez
Foto: Stadt Schwäbisch Hall

Über

Alina Bermudez ist Klimaschutzmanagerin von Schwäbisch Hall.  Sie hat einen Master of Science in Natural Resources Management and Development (TH Köln) und einen Master in Umweltwissenschaften von der Universidad Autónoma de San Luis Potosí (UASLP), Mexiko. Seit Februar 2020 arbeitet sie als Klimaschutzbeauftragte der Stadt. Ihre Aufgaben sind die Geschäftsführung des Klimaschutzbeirats, die Umsetzung und Aktualisierung des Klimaschutzkonzepts sowie die Organisation von Aktionen und Veranstaltungen rund um die Themen Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

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Transkript

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Klaus Reichert: Meine Gesprächspartnerin heute ist Alina Bermudez, Sie ist die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Schwäbisch Hall. Eine Stadt mit vielen aktiven lokalen Netzwerken, die eng bei den Klimaschutzaktivitäten kooperieren. Diese Akteure stellen eine Vielzahl von Aktionen auf die Beine, und über einen dieser Klimaschutztage bin ich auch auf das Thema aufmerksam geworden. Deswegen bin ich sehr froh, dass sich Alina Bermudez heute die Zeit genommen hat für unser Gespräch. Hallo, Alina.

Alina Bermudez: Hallo, Klaus, freut mich, heute hier zu sein.

Klaus Reichert: Du, wir haben uns sozusagen kennengelernt über einen riesigen Klimaschutztag oder Klimaschutzwochen bei euch, darüber wollen wir uns gleich auch unterhalten, das fand ich nämlich ziemlich beeindruckend, was ihr als kleinere Stadt alles auf die Beine gestellt habe. Aber ich würde gern anfangen mit deiner Aufgabe erst mal, auch mit dir.

Alina Bermudez: Ja, sehr gerne.

Klaus Reichert: Du bist jetzt die Klimaschutzbeauftragte, was mich interessieren würde ist, wie wirst du Klimaschutzbeauftragte? Also was hast du zum Beispiel studiert oder wie ist es dazu gekommen, dass du dieses Thema für dich so gewählt hast?

Alina Bermudez: Also ich muss gleich vorweg sagen, es gibt nicht den einen Weg, Klimaschutzbeauftragte zu werden beziehungsweise Klimaschutzmanager, was der eigentliche Jobtitel ist. Bei uns in der Stadtverwaltung nennt man das nur Beauftragte, weil es auch andere Beauftragtenstellen gibt sozusagen als Stabsstellen, aber der eigentliche Fachbegriff ist Klimaschutzmanager. Genau, also es gibt nicht den einen Werdegang, es gibt inzwischen ganz viele Studiengänge, die in diese Richtung abzielen. Und auch ich habe so einen Masterstudiengang gemacht, war ein Masterstudiengang auf Spanisch und auf Englisch und nennt sich National Resources Management and Development.

Klaus Reichert: Wow!

Alina Bermudez: Ja, ganz spannend, das war ein Doppel-Master, da war ich ein Jahr in Mexiko und dann ein Semester in Köln und ein Semester war ich dann noch, also ich jetzt persönlich in Wien und bei den Vereinten Nationen, weil ich mit denen meine Masterarbeit geschrieben habe. Und, ja, das war ein super interessanter Master, multidisziplinär auch, das hat mir sehr gut gefallen. Ganz viele Studienkolleginnen, die auch aus anderen Fachbereichen kamen, mit denen wir dann gemeinsam auch Projekte gemacht haben, was total bereichernd war, weil jeder aus seinem Background halt andere Sachen mitgebracht hat. Als ich dann fertig war, hatte ich erst einen Job in einer großen internationalen Organisation, wo ich in der Projektentwicklung war für ganz normale Mitigationsprojekte. Ja, dann habe ich, nachdem ich diesen Job gemacht habe eine Weile, dachte ich mir so, okay, ist ganz spannend, aber das dauert ewig, so diese Projekte zu entwickeln. Auf internationaler Ebene zieht sich das immer ziemlich, die Gespräche mit den Partnerländern, mit den Regierungen, bis dann solche Projekte mal anlaufen. Ja, dann dachte ich mir, okay, dann schaue ich doch mal, wie macht man eigentlich hier in Deutschland Klimaschutz? Und dann bin ich auf dieses Ausgabenfeld der Klimaschutzmanager gestoßen auf kommunaler Ebene und habe mich dann beworben in Schwäbisch Hall. Und, ja, bin total glücklich mit dieser Entscheidung, weil man einfach so viel Handlungsspielraum hat und einfach, wie du auch grade schon gesagt hast, wenn dann so tolle Akteure auch vor Ort sind, so viel erreichen kann gemeinsam und wo man einfach auch direkt die Wirkung sieht. Ja, das fand ich total spannend und das hat sich für mich auch total erfüllt, ja, das heißt, ich bin sehr glücklich mit dieser Wahl und diesen Weg, den ich da gegangen bin.

Klaus Reichert: Das heißt also, du hast auf mehreren Sprachen studiert, das ist ja auch schon mal ziemlich spannend, ja, sowas überhaupt hinzukriegen. Das heißt, du sprichst neben Schwäbisch auch noch andere Sprachen?

Alina Bermudez: Richtig, ja.

Klaus Reichert: Und war das jetzt, ich sage mal, schon am Anfang des Studiums klar, dass das auf sowas hinausläuft oder ging das erst für dich ein bisschen allgemeiner los? Also weißt du, das ist ja schon, du hast gesagt, es gibt da verschiedene Möglichkeiten natürlich, Klimaschutzmanagerin zu werden, es gibt sicher auch viele Studiengänge dazu, da muss man sich dann schon auch mal entscheiden für einen Teil. Aber was war so der Ausgangspunkt, dass du gesagt hast, damit beschäftige ich mich, das ist so mein Berufsziel?

Alina Bermudez: Ja, also am Anfang war das noch sehr allgemein, es gibt auch viele Berufsfelder, in die man einsteigen kann. Ich hatte auch eigentlich einen technischeren Hintergrund, also mein Schwerpunkt war erneuerbare Energien. Also da kann man dann durchaus auch in technischere Richtungen gehen, sage ich jetzt mal. Aber mich hat irgendwie schon immer bewegt, wie man Menschen auch für dieses Thema sensibilisieren kann. Das passiert natürlich auch auf globaler Ebene mit großen Projekten, nur, wie ich dann halt festgestellt habe, in einem sehr größeren Zeithorizont. Ja, dann fand ich das halt total spannend, dieses Aufgabenfeld einfach mal so ein bisschen von nicht Top-Bottom, sondern halt von unten nach oben praktisch anzugehen und zu schauen, was passiert denn wirklich auf der lokalen Ebene? Weil, auch die Stadt ist ja eigentlich der erste Akteur sozusagen. Also die Bürgerinnen und Bürger sind die Leute, die ihr Verhalten auch ändern müssen und auch ganz viel erreichen können, indem sie ihr Verhalten ändern, denn wir sind alle Bürgerinnen und Bürger von einer Stadt oder von einer Kommune. Und, ja, deshalb fand ich das total spannend, wem man auf dieser Ebene ansetzt, dass man da dann einfach auch schon total viel erreichen kann mit kleinen Schritten, wenn halt viele Leute mitmachen.

Klaus Reichert: Ich glaube, das vergessen wir sehr häufig in vielleicht politischen Diskussionen oder generell in unserer Wahrnehmung, dass wir zu allererst in einer Kommune leben, in einer Stadt, in einem Dorf, ja. Das heißt, das ist diese Ebene, wo wir sehr nah dran sind, wo wir wählen gehen, wo wir uns freuen, wenn Straßen gemacht werden und sowas. Das ist quasi das, was uns so organisatorisch politisch auch am nächsten ist, um es mal platt zu sagen.

Alina Bermudez: Ja, genau.

Klaus Reichert: Das ist eingebunden in Kreise und in Bundesländer und so weiter, ja. Also das heißt, der erste Einstieg, also die Basis, wenn man so sagen möchte. Jetzt gibt es ja da ziemlich viel, was man da vor Ort machen kann, du hast ja auch ziemlich viele Aufgaben erst mal. Klimaschutzmanagerin, da gehören, ja, verschiedenste Aufgaben dazu. Kannst du uns kurz erläutern, was du so über das Jahr hinweg zum Beispiel immer machst?

Alina Bermudez: Eine Kernaufgabe der Klimaschutzmanagerin oder des Klimaschutzmanagers ist natürlich, das Klimaschutzkonzept umzusetzen. Das haben inzwischen eigentlich alle Kommunen, die auch einen Klimaschutzmanager haben, haben ein Konzept erarbeitet, in dem dann praktisch aufgezeigt ist, wie viel Emissionen möchten wir reduzieren in der Stadt und was ist unser Weg dahin. Und da gibt es dann natürlich einen Maßnahmenkatalog dazu, wo dann ganz verschiedene Maßnahmen aufgelistet sind und die Umsetzung dieser Maßnahmen liegt dann in der Hand des Klimaschutzmanagers beziehungsweise vielleicht auch einfach der Anstoß der Umsetzung dieser Maßnahmen. Vieles können wir nicht direkt umsetzen, aber mit den Kolleginnen und Kollegen dann, dass wird das dann umsetzen, gemeinsam, das ist eine große Aufgabe. Und, ja, dann eine andere große Aufgabe ist natürlich die Öffentlichkeitsarbeit und die Sensibilisierung unserer Bürgerinnen und Bürger und das passiert auf ganz verschiedenen Wegen. Also ich habe zum Beispiel, wie du vorher schon gesagt hast, diesen Nachhaltigkeitstag ins Leben gerufen. Ich gehe aber auch zum Beispiel in die Schulen oder in die Kitas und halte da Vorträge oder lese den Kleineren so kleine Geschichten vor und erkläre denen zum Beispiel wie man Wasser spart. Oder, es gibt eine ganz süße Geschichte mit einem Eisbär, warum es wichtig ist, auf die Umwelt zu achten. Das passiert auf ganz vielen Ebenen. Ja, dann gibt es noch andere Aufgabenfelder, zum Beispiel auch Klimaanpassung ist jetzt ein großes Thema, wo dann auch drunter fällt zum Beispiel, das man Hitzeinseln in der Stadt vermeidet. Und da arbeite ich dann zum Beispiel zusammen mit den Kollegen der Stadtplanung, das wir vielleicht mehr Bäume pflanzen oder das wir, ja, einen kleinen Raum bepflanzen oder das Straßenbegleitgrün anders gestalten, das nicht so viel gemäht wird, sondern die Biodiversität irgendwie gesteigert wird und Lebensräume für Insekten geschaffen werden. Also da gibt es wirklich ganz, ganz breite Aufgabenfelder. Man hat viel Gestaltungsfreiraum und da muss man dann auch natürlich sich so ein bisschen immer drauf konzentrieren, okay, was möchte ich dieses Jahr denn erreichen und vielleicht, wo setze ich dieses Jahr meinen Schwerpunkt und dann kann nächstes Jahr ja auch ein anderer Schwerpunkt gesetzt werden. Ja, man kann sich da auch in Details verlieren, sage ich jetzt mal, man muss dann schon so ein bisschen den Überblick behalten. Aber es macht auch total viel Spaß, wenn man halt die Projekte sich so selber auch, ja, zusammenschneidern kann, wie man grade findet, dass es wichtig ist.

Klaus Reichert: Aber das findet ja im Rahmen dieses Klimaschutzkonzeptes eben statt. Das ist natürlich auch ein lebendiges Konzept, muss man schon auch sagen, ein lebendiges Dokument, es wird sich immer wieder weiterentwickeln, da kommen Ergänzungen dazu, Veränderungen und so weiter, finde ich auch sehr, sehr spannend. Und gestaltet wird das dann ja, oder auch mit ausgeführt, von dem Klimaschutzbeirat, den ihr habt.

Alina Bermudez: Genau. Also wir haben jetzt auch seit letztem Jahr einen Klimaschutzbeirat in der Stadt, der besteht zum Teil aus Gemeinderäten, zum größeren Teil aber aus Akteuren. Also zum Beispiel Wirtschaft, wir haben aber auch Vereine, die aktiv sind in dem Bereich oder Interessensvertretungen. Ja, die können jetzt auch, was ich super finde, ganz direkt Themen einbringen. Und wenn der Klimaschutzbeirat praktisch über ein Thema abstimmt, dann kommt es auch in den Gemeinderat. Also das ist wirklich eine super direkte Form auch eigentlich der Bürgerbeteiligung, wo wirklich Sachen diskutiert werden können, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind zu diesem Thema und die dann wirklich auch direkt in den Gemeinderat rein getragen werden. Dieser Klimaschutzbeirat, der unterstützt und gestaltet natürlich auch das Klimaschutzkonzept mit.

Klaus Reichert: Es ist schon ein Instrument, um diese Gestaltung des Klimaschutzkonzeptes auch in der Stadt zu verankern, bei den Akteuren zu verankern, sodass es eben auch zu Aktionen führen kann, dass eben was passieren kann, dass es auch ein Bewusstsein für die Themen dann auch gibt natürlich.

Alina Bermudez: Ja, definitiv, also dieses Bewusstsein und auch dieses Aktive ist super wichtig. Weil, ich meine, es gibt immer aktuelle Themen und es ist grade ein ziemlich aktuelles Thema aber trotzdem auch, dieses Bewusstsein. Und auch den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder bewusst zu machen, hej, wir sind immer noch dran, es ist immer noch ein wichtiges Thema, gleichzeitig aber auch ein Instrument oder auch einen Weg aufzuweisen, wie man denn selber was machen kann. Das sind, glaube ich, ganz wichtige Aufgaben auch. Ich höre auch immer von vielen, vor allem auch Aktiven, die sagen: “Oh Gott, ich bin total überwältigt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Oder, es gibt so viel, was man machen kann. Wenn ich jetzt nur das mache, dann mache ich doch eigentlich gar nichts.” Also man kann sich da sehr schnell irgendwie verlieren in so ein bisschen, ja, in einer verzweifelten Lage und irgendwie sagen: “Oh Gott, uns rennt die Zeit davon.” Und ich glaube, da ist auch immer ganz wichtig, einfach den Bürgerinnen und Bürgern Instrumente an die Hand zu geben und zu sagen: “Okay, hier, Schritt für Schritt. Klar, das ist nur ein kleiner Beitrag, aber wenn du noch fünf Bekannte dazu bringst, es auch zu machen, dann habt ihr schon was geleistet.” Genau, das war auch so ein bisschen die Idee hinter diesem Nachhaltigkeitstag, den ich da ins Leben gerufen habe.

Klaus Reichert: Da hatte ich ja den Eindruck, das wirklich viele, viele verschiedenste Akteure, also teilweise auch Unternehmen, teilweise Gruppierungen, teilweise also vielleicht feste Gruppierungen wie auch Vereine oder sowas, aber auch vielleicht so ad-hoc-Gruppierungen dazu beigetragen haben, zu diesem Nachhaltigkeitstag. Das war ja wirklich bunt, das Angebot, also richtig riesig bunt.

Alina Bermudez: Ja, richtig. Ja, das hat mich auch total gefreut. Also letztes Jahr war das der zweite Nachhaltigkeitstag, den haben wir in Kooperation mit der Biomusterregion gemacht, Hohenlohe, auch sehr interessanter Partner. Ja, ich habe da Fahrradläden zum Beispiel eingeladen zum Thema Mobilität. Wir haben unser Car-Sharing, was wir in Schwäbisch Hall haben, dazu eingeladen, den ADFC zum Beispiel, Kreisverkehr, das ist unser ÖPNV, der den ÖPNV bei uns macht, so zum Thema Mobilität. Dann gab es Gruppierungen oder auch Vereine, es gab die solidarische Landwirtschaft, Urban Garden, Vegan Schwäbisch Hall. Und es gab auch einige Firmen, die dabei waren, es war auch zum Beispiel der DM dabei, es war auch zum Beispiel ein Architekturbüro dabei und der Bezirksimkerverein zum Beispiel, also wirklich total bunt. Und dann noch die Partner von der Biomusterregion, wo sich dann das Thema natürlich um Ernährung dreht und um nachhaltige biologische Erzeugung, also es war wirklich eine sehr, sehr bunte Mischung an Akteuren. Und, ja, das Ziel war davon eigentlich, dass ich gesagt habe, es gibt so viele tolle Akteure und so viele tolle Aktionen in Schwäbisch Hall und zum Teil wissen die aber nichts voneinander oder sie wissen es vielleicht, aber haben sich noch nicht vernetzt, oder die Bürgerinnen und Bürger wissen nichts von diesen tollen Aktionen. Und, ja, ich wollte einfach jedem die Möglichkeit geben, sich auf so einer Plattform einfach mal zu präsentieren und einfach auch den Bürgerinnen und Bürgern damit nochmal zu sagen, hej, hier habt ihr eine riesen Auswahl an ganz verschiedenen Schwerpunkten und praktisch bei jedem Stand könnt ihr was für euren ökologischen Fußabdruck tun und könnt ihr zum Klimaschutz beitragen. Wenn es jetzt ist, dass ihr mehr Fahrrad fahrt oder vielleicht ein Wachstum, ein Bienenwachstum herstellt und keine Frischhaltefolie mehr verwendet, also es geht ja wirklich komplett durch alle Bereiche des täglichen Lebens. Und das einfach mal so konzentriert an einem Ort darzustellen, das war eigentlich mein Anliegen, dass man, ja, sich da einfach inspirieren lassen kann und vielleicht sagt ja auch der eine so, Fahrradfahren in Schwäbisch Hall mit der Topographie ist jetzt vielleicht nix für mich, aber das mit dem Bienenwachstuch finde ich total super. Und, ja, darum geht es ja auch. Es geht auch nicht darum, den Leuten vorzuschreiben, hej, du darfst jetzt nur noch Fahrradfahren, sondern zu zeigen, hej, das sind die Möglichkeiten, such dir aus, mit was du dich am wohlsten fühlst, wo du vielleicht mit anfangen kannst und dann geht es ja auch weiter.

Klaus Reichert: Einfach auch Alternativen aufzeigen, Möglichkeiten, etwas anders zu machen und dann kann man für sich immer noch entscheiden, ob man das weitermacht, aber wichtig ist, dass man mal davon weiß und das man es vielleicht auch mal ausprobiert, um dann zu merken, ob es was für einen ist oder nicht.

Alina Bermudez: Ja, genau, richtig, ja.

Klaus Reichert: Okay. Also das heißt, du bist dann los, es war der zweite Tag, also das zweite Mal, das heißt, vorher gab es schon gewisse Erfahrungen. Dann muss man natürlich die Leute angehen, man muss vorher mal sagen, okay, wir machen XY, das passiert da ungefähr und dann die vielen verschiedenen Gruppierungen angehen. Das war ja sicher auch eine Menge Arbeit, jetzt so viele Gruppen, Menschen, Firmen und so weiter zu bewegen.

Alina Bermudez: Für den ersten Nachhaltigkeitstag, den habe ich auch schon super früh angefangen und habe verschiedene Leute angeschrieben beziehungsweise ich habe auch mit vielen Gruppen mich getroffen und habe halt gefragt: “Hej, besteht überhaupt Interesse von eurer Seite an so einer Sache?” Und dann war beim ersten Nachhaltigkeitstag eigentlich relativ schnell klar, okay, das Interesse ist total da. Dann haben wir den ersten Nachhaltigkeitstag noch auf dem Marktplatz gemacht und gegen Ende musste ich dann sogar Leuten absagen, weil ich keinen Platz mehr hatte. Also das war wirklich sehr überwältigend, die Reaktionen. Und, ja, dann im zweiten Jahr haben wir gesagt: “Okay, das hat so super geklappt, wir weiten das sogar noch aus, wir gehen auf den Hall-Platz, da haben wir viel mehr Platz. Wir holen uns einen Partner dazu mit der Biomusterregion.” Ja, es war auch dieses Mal, war der komplette Platz voll, also wir hätten auch niemanden mehr untergebracht im Endeffekt. Und, ja, das hat mir einfach gezeigt, dass die ganze Arbeit sich auch gelohnt hat. Ich meine, natürlich ist es viel Arbeit, alle anzuschreiben und das Ganze zu koordinieren. Wir hatten natürlich auch ganz viele Corona-Auflagen letztes Jahr, die wir bedenken mussten und, ja, dann so praktische Sachen, wie den Platz einzeichnen und die Schilder bestellen, dass da keine Autos mehr drauf parken. Und, ja, die ganzen Formulare, was braucht ihr, braucht ihr Wasser, braucht ihr Strom? Das ist natürlich ein sehr großer organisatorischer Aufwand, aber ich glaube, wenn man ein so ein Event hat im Jahr, dann kann man das auch stemmen. Ich glaube, es lohnt sich auch, weil, es hat wirklich viele Leute auch erreicht. Wir waren total überwältigt von, wie viele Leute trotz den hohen Auflagen auch, die wir hatten, gekommen sind. Also wir mussten sogar so eine Hygieneschleuse praktisch machen mit 3G. Und eigentlich war die Idee, dass man halt so über dieses Marktähnliche durch schlendern kann, das auch die Hürde einfach nicht so groß ist. Weil, ich hatte auch das Gefühl, wenn man halt so einen abgezäunten Bereich hat, was wir im Endeffekt haben mussten wegen Corona, das halt wirklich auch immer nur die Leute kommen, die es wirklich interessiert und ich wollte das eigentlich ein bisschen offener gestalten, was dann leider letztes Jahr aufgrund der Auflagen nicht ging. Aber wir waren trotzdem dann total überwältigt, wie viele Leute trotzdem gekommen sind und sich haben nicht abschrecken lassen, zum Glück, von den Eingangskontrollen.

Klaus Reichert: Ja, aber da braucht man ja, um sowas auf die Beine zu stellen, schon jemand, der gerne nach draußen geht, der gerne mit Menschen spricht. So wie du es eingangs ja auch gesagt hast, das war etwas, was dich sehr stark angesprochen hat. Das ist jetzt kein reiner Schreibtischjob, den du da hast.

Alina Bermudez: Ja, definitiv, definitiv. Man muss auf jeden Fall offen sein und, ich glaube, kommunikationsfreudig schadet nicht. Ich glaube, ja, das ist auch ein Job, wo man viel auf Menschen zugehen muss und sich vielleicht auch viele konträre Meinungen anhören muss, auch von Leuten, die das gar nicht böse meinen, aber die vielleicht manche Sachen einfach nicht irgendwie einsehen oder nicht verstehen. Ja, ich glaube, da muss man schon ein sehr offener und kommunikativer Typ sein, um so einen Job zu machen.

Klaus Reichert: Ja, klar. Vieles ist ja auch so, was man nicht gewohnt ist, das nimmt man vielleicht auch erst mal als feindlich an, was so an neuen Dingen, oder wenn es dann auch heißt, Mensch, es gibt eine Veränderung außen, da können wir eigentlich nichts dagegen tun und die bringt uns dazu, dass wir uns selber irgendwie verändern müssen. Das ist dann doch auch immer schon recht schwierig zu erklären, ja. Ich kenne das ja auch aus der Innovationsberatung, da muss man die Leute dann ja manchmal auch dazu bewegen, sich sozusagen zu bewegen. Und da gibt es dann Menschen, die sind dann eher bereit dazu und die machen dann wahrscheinlich auch schneller bei sowas mit, ja oder die kommen dazu und andere, die brauchen eben ein kleines bisschen länger.

Alina Bermudez: Ja.

Klaus Reichert: Verstanden. Das heißt also, ihr habt euer Klimaschutzkonzept, das wird auch getragen von dem Klimaschutzbeirat. Du bist Klimaschutzmanagerin, damit hast du jetzt eine Querschnittfunktion im Grunde eigentlich auch in der Stadtverwaltung, die ist natürlich auch nach innen gerichtet, aber hauptsächlich nach außen. Und ihr macht einmal im Jahr diesen großen Nachhaltigkeitstag. Das wird wahrscheinlich wieder stattfinden, denke ich mal, wenn es so erfolgreich war?

Alina Bermudez: Ja, richtig. Ja, definitiv.

Klaus Reichert: Vielleicht schaffen wir es dieses Mal dann halt auch ohne Zaun, ja, das ist dann ein bisschen leichter. Dann sagst du, du gehst in Schulen zum Beispiel, liest vor. Finde ich toll, mache ich auch immer wieder. Grad bei Grundschülern ist das wirklich herzig und man kann ja doch was auslösen. Was sind denn sonst noch weitere Aufgaben, die du jetzt als Klimaschutzmanagerin denn hast oder tägliche Dinge, die du da tust?

Alina Bermudez: Nach innen gerichtet, gibt es natürlich auch einige Aufgaben, zum Beispiel habe ich bei uns jetzt das Kernsortiment überarbeitet. Also das Kernsortiment bedeutet bei uns, es gibt einen Katalog mit praktisch allen Büromaterialien, die jeder von uns bestellen kann, also über Stifte zum Block bis hin zu, weiß nicht, Druckerpatronen oder so. Und dieses Kernsortiment gibt es dann in jedem Fachbereich und über das Sekretariat können dann im Kernsortiment Sachen bestellt werden. Und als ich angefangen habe, war das Kernsortiment von meinem Vorgänger schon mal überarbeitet worden, ich habe dann aber festgestellt, da sind noch total viele doppelte Sachen drin, also war zum Beispiel ein Block mit Recycling-Papier und einer ohne. Dachte ich mir so, warum brauchen wir diesen Block ohne Recycling-Papier, den möchte ich da eigentlich nicht drin haben. Ja, dann habe ich das nochmal überarbeitet, natürlich strikter, wie jetzt so mancher sagen würde. Und ich habe mir dann natürlich schon auch anhören müssen so, ah, ich hatte früher immer so schöne bunte Postits, jetzt gibt es nur noch die gelben. Ja, tut mir leid, jetzt gibt es nur noch die Gelben.

Klaus Reichert: Wobei, es gibt ja auch bunte Postits in Recycling-Format, das nutze ich dann auch für Workshops.

Alina Bermudez: Ja, also tatsächlich bei unserem Anbieter, der hat die. Also wir müssen ja auch immer einen Anbieter nehmen, wir haben ja eine Ausschreibung.

Klaus Reichert: Ja, stimmt, ja.

Alina Bermudez: Solche großen Sachen müssen wir natürlich ausschreiben. Und der Anbieter, der halt bei uns die Ausschreibung gewonnen hat, der bietet halt Recycling-Postits nur in Gelb an und nicht in Pink und nicht in Grün und nicht in Orange. Und, ja, das sind halt so manche Sachen, wo man auch intern dann Aufklärungsarbeit leisten muss und meinen Kolleginnen und Kollegen erklären muss, warum es jetzt keine pinken Postits mehr gibt. Aber ja, das sind dann auch immer Chancen, um nochmal mit Leuten ins Gespräch zu kommen und einfach auf solche Sachen hinzuweisen. Das war vielen dann auch gar nicht bewusst, die dachten dann so, ach, wusste ich gar nicht, dass das eine Recycling ist und das andere nicht, vielleicht hat man da halt noch nie drauf geachtet. Ja und jetzt haben wir das Kernsortiment überarbeitet, es sind alle nicht-Recycling-Produkte rausgeflogen. Zum Beispiel, das ist eine Sache, die ich intern in der Arbeit mache. Dann haben wir jetzt auch ein neues Stadtoberhaupt bekommen, also wir haben einen neuen Oberbürgermeister seit letztem Jahr. Der neue Oberbürgermeister hat den Klimaschutz auch zur Chefsache erklärt, also der ist sehr an diesem Thema interessiert und setzt sich dafür sehr stark ein. Das heißt, ich habe auch intern dann immer die Rolle, mit ihm Rücksprachen zu halten, zu schauen, was für Themen er noch priorisieren möchte. Plastikfrei zum Beispiel ist ein sehr großes Thema für ihn. Da werden wir jetzt auch eine Kampagne entwickelt beziehungsweise auch in Zusammenarbeit mit den Läden wahrscheinlich in Schwäbisch Hall was entwickeln. Ja, so gibt es dann halt immer noch Themen, die da dann auch aufploppen, sage ich jetzt mal, ja, mit denen wir uns dann beschäftigen intern sowie extern.

Klaus Reichert: Und die dann auch relativ aufwendig werden können, also dieses Thema Plastikvermeidung zum Beispiel bei take away und was weiß ich noch so alles, ja, das ist ein dickes Brett, das man da bohrt. Das ist nicht einfach mal so eine Vorschrift und dann ist es gut, sondern da muss im Grunde die Stadt wieder auch zusammenarbeiten, also die Beteiligten in der Stadt, die Bürger in der Stadt. Spannend eigentlich, also wirklich spannend. Also das ist so eine richtige operative Ebene, wo was passiert, was ihr da macht und wo das dann natürlich auch toll skaliert, das, was du quasi, was ihr da auch mit vordenkt, was ihr aufnehmt, wofür ihr eine Plattform liefert, dass dann wieder in die Stadt rauszugeben. Da lernt ihr ja auch voneinander, also jetzt die Gruppierungen aus diesem großen Netzwerk und du jetzt, die Stadtverwaltung dann selber auch.

Alina Bermudez: Definitiv, ja. Wir sind auch unterhalb oder zwischen den Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanagern sehr vernetzt. Also wir haben jetzt zum Beispiel eine neue Kollegin in Öhringen, die ist die erste Klimaschutzmanagerin in ihrem Kreis, in ihrem Landkreis. Das war also auch per Zufall, aber ein guter Zufall, also unsere Stadtwerke, die arbeiten mit den Stadtwerken in Öhringen zusammen. Und der Kollege, der mit den Kollegen von den Stadtwerken zusammenarbeitet aus Schwäbisch Hall, der hatte ihr dann gesagt so: “Hej, sprech doch mal mit der Alina.” Und dann haben wir uns getroffen und ich habe mit ihr gesprochen. Sie ist jetzt auch Berufseinsteigerin und da tauschen wir uns dann auch aus und geben uns Tipps. Also das Netzwerk auch zwischen den Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanagern ist total super. Das ist eine super Zusammenarbeit, also da lernen wir auch total von den Projekten, die andere gemacht haben. Da gibt es auch kein Neid, das ist einfach eine offene Arbeit und wir erzählen uns, hej, ich habe das Projekt gemacht, das lief total super, versucht es doch auch mal. Das ist ein total angenehmes Arbeitsumfeld, auch wenn man dann die Kolleginnen aus anderen Städten oder von Landkreisen mal anrufen kann und da die Erfahrungen abgreifen, das macht total viel Spaß. Und ich meine, wenn ein Projekt gut funktioniert hat, dann ist es doch umso besser, wenn es woanders auch nochmal implementiert wird. Und, ja, also zum Beispiel mit dem Landkreis, gibt es auch eine Klimaschutzmanagerin, die viele Projekte macht und mit der arbeite ich auch sehr eng zusammen. Ja, da gibt es dann natürlich Sachen, die man abskillen kann oder die sie auch initiiert und die wir dann praktisch auf Stadtebene implementieren. Das ist auch eine sehr gute Vernetzung, die da stattfindet.

Klaus Reichert: Wie würdest du das einschätzen, du hast es jetzt grade, das hört sich jetzt so an, als ob das zumindest bei euch in der Region schon so ist, dass es relativ normal ist, das eine Gemeinde, eine Kommune, eine Stadt, einen Klimaschutzmanager oder Managerin hat. Wie ist da so die Verbreitung, kann man das sagen, wie viele Städte sowas haben, in Prozent zum Beispiel?

Alina Bermudez: Also in Prozent weiß ich es nicht, aber dadurch, dass wir immer mal wieder so jährliche Treffen haben auch, weiß ich, dass es schon ziemlich viele sind. Es gab auch so ein Förderprogramm, ein bundesweites Förderprogramm, das lief 2015 an, war auf drei Jahre, also die Stelle wurde auch drei Jahre gefördert und dann nochmal für zwei Jahre verlängert. In diesem Förderprogramm haben halt total viele Klimaschutzmanager angefangen. Also das war so, glaube ich, der Startpunkt, wo wirklich viele Kommunen gesagt haben: “Okay, wir machen das jetzt.” Inzwischen, also ich glaube, es wurde sehr, sehr, sehr wenige Stellen davon wieder gestrichen, sind die Allermeisten entfristet und es ist ein ganz normaler Job geworden. Also immer, wenn es da diese Jahrestreffen gibt oder so, es gibt total viele Klimaschutzmanager im ganzen Land. Also, ja, es gibt schon viele Erfahrungen, es gibt total viele Kollegen. Vor allem auch in größeren Städten gibt es auch sogar ganze Teams schon. Also da gibt es Umweltteams zum Beispiel, die haben drei, vier Leute. Oder auch zum Beispiel im Landkreis, die haben jetzt drei neue Mobilitätsleute dazu bekommen, was echt super ist, also das Aufgabenfeld ist so groß. Auch bei uns, also wir könnten noch mindestens zwei andere Leute beschäftigen, wir hätten genug Arbeit. Und, ja, das ist auch das Spannende an diesem Job, das Aufgabenfeld ist einfach so riesig und gibt so viele Chancen und Möglichkeiten zur Weitergestaltung, das, ja, man da einfach total viel machen kann in der Zukunft noch.

Klaus Reichert: Also es gibt keine Knappheit an Aufgaben sowieso nicht, aber auch Klimaschutzmanagern und Klimaschutzmanagerinnen in den Städten. Ist ein Thema, was quasi normal mittlerweile fast schon ist, ja, okay.

Alina Bermudez: Ja, ja.

Klaus Reichert: Beeindruckend.

Alina Bermudez: Würde ich so sagen, definitiv, ja.

Klaus Reichert: Für mich ist das jetzt auch eine ganz neue Nachricht, mir war nicht klar, dass es schon so weit verbreitet ist, diese Aufgabe der Klimaschutzmanagerin, ich habe natürlich schon von gehört. Und ich glaube, es hat auch einfach unterschiedliche Ausprägungen schon, wie du es grade gesagt hast. Grade in größeren Städten wird man natürlich mehrere Menschen haben, die dann auch spezialisierter sind, der eine vielleicht mehr dann auf so Themen wie Energie, Abfall, also natürlich Mobilität, solche Sachen, Akteure.

Alina Bermudez: Ja, ich glaube, ganz viele haben auch angefangen, also ich glaube, die Allermeisten, so war das auch in Schwäbisch Hall, waren Energiemanagement praktisch, also waren Energiemanger. Weil natürlich, Energieeffizienz ist natürlich auch ganz ein einfaches Thema, das rechnet sich einfach. Also ich habe auch einen Kollegen, den Energiebeauftragten in der Stadt und, ich meine, der ganz mit ganz nackten Zahlen berechnen, dass sich seine Stelle halt wirklich rechnet. So hat es in ganz vielen Kommunen angefangen, glaube ich, aber diese Stelle des Energiemanagers, das ist natürlich ein Teil vom Klimaschutz. Klar ist Energieeffizienz und Ressourceneffizienz ein riesen Thema, aber da kommt natürlich noch ein ganz, ganz anderes großes Arbeitsfeld dazu. Und das hat, glaube ich, in den letzten, ja, guten fünf Jahren einfach noch mehr an Bedeutung gewonnen, auch einfach mit der internationalen Aufmerksamkeit, die dem Thema inzwischen geschenkt wird.

Klaus Reichert: Angefangen hat es natürlich sehr leicht mit Energie, wie du schon sagst, weil sich das sehr schnell rechnet. Das ist wahrscheinlich sogar, ja, das ist schon auch relativ alt als Thema. Zum Glück setzt es sich ja langsam auch soweit durch, dass man sagen kann, es ist normal, dass man Energie spart, das man Energie aus der Sonne oder aus Wind gewinnt und das man dann das vielleicht sogar vor Ort auch dann macht, da gibt es ja auch wieder lokale Initiativen.

Alina Bermudez: Ja.

Klaus Reichert: Alina, wenn du schaust, wie toll das geklappt hat bei euch mit dem Nachhaltigkeitstag, mit diesem  Netzwerk aus den vielen Gruppierungen, aus den vielen Unternehmen auch, dem hohen Interesse auch, dass ihr eben habt, was würdest du denn da anderen Städten empfehlen, das habt ihr besonders gut gemacht, in Schwäbisch Hall, was kann man da weiterempfehlen, damit es andere Städte auch so oder so ähnlich auf die Beine stellen können?

Alina Bermudez: Ich glaube, was in Schwäbisch Hall wirklich sehr gut funktioniert, was natürlich aber auch an den Akteuren selber liegt, es gibt sehr viele Akteure in dem Bereich, es gibt eine große Bandbreite an verschiedenen Interessen. Und was ich glaube, was bei uns wirklich gut funktioniert hat, war einfach diese Vernetzung und auch den Akteuren untereinander, also da gibt es natürlich auch verschiedene Ausprägungen, wie stark sie in das Thema investiert sind beziehungsweise wie eng man auch dieses Thema sieht. Also es gab zum Beispiel bei uns auch Stimmen, die am Anfang nicht so ganz glücklich damit waren, dass da manche Läden jetzt mitgemacht haben an diesem Nachhaltigkeitstag, weil sie sagen: “Naja, Konsum und hm, eigentlich ist das ja jetzt nicht das Thema des Nachhaltigkeitstags.” Wo ich aber eine ganz starke Meinung auch zu habe und eine ganz starke Haltung dazu dann auch gezeigt habe und gesagt habe: “Naja, also wenn sich doch jemand engagiert, dann möchte ich das doch aber trotzdem zeigen.” Also, klar ist es natürlich ein Laden, der auf Konsum aus ist, logisch, aber Leute konsumieren trotzdem. Also die werden nicht morgen aufhören zu konsumieren, auch wenn wir uns zu 100 auf die Straße stellen und sagen, hört auf zu konsumieren, die werden morgen nicht aufhören zu konsumieren. Und wenn jetzt da jemand, ein Laden, eine Lösung für hat, Produkte nachhaltiger zu gestalten oder weniger Plastik zu benutzen oder Plastikflaschen aus 100 Prozent recycelten Plastik herzustellen, dann ist das doch super und dann sollten die es auch zeigen können. Da gab es natürlich dann schon so ein paar, ja, Meinungen, die am Anfang so ein bisschen konträr waren und dann aber eigentlich auch den Akteuren untereinander gezeigt hat am Ende des Tages so, hej, wir wollen eigentlich alle das Gleiche, obwohl wir vielleicht nicht das Gleiche tun. Ein Veganer tut nicht das Gleiche wie ein Bezirksimkerverein und ein Bezirksimkerverein tut auch nicht das Gleiche wie jetzt ein Fahrradgeschäft, aber im Endeffekt wollen wir doch alle eigentlich eine bessere Welt und die Welt für unsere nachfolgende Generation erhalten. Und ich glaube, das war auch so eine schöne take-home-message, wie man sagt, am Ende dieses Nachhaltigkeitstags, weil, ich glaube, auch die Akteure selber gemerkt haben so, hej, wir sind eigentlich total unterschiedliche Akteure, aber wir möchten eigentlich das Gleiche und hej, wir könnten doch vielleicht mal was gemeinsam tun. Und ich glaube, diese Vernetzung hat dadurch super funktioniert, dass man halt auch, ja, diesen Akteuren die Möglichkeit gegeben hat, einfach mal rumzulaufen, sich alle Stände anzuschauen und auch mal mit den Leuten zu sprechen. Weil, ganz oft ist das auch so, ach, ja, die oder, ne, man redet halt dann nicht miteinander oder man kennt sich vielleicht nicht. Und wenn man dann halt mal so die Möglichkeit hat, auch in so einer ungezwungenen Atmosphäre zu sprechen einfach über Themen, merkt man halt, ach, wir sind gar nicht so unterschiedlich, obwohl wir komplett andere Sachen machen, aber wir sind eigentlich gar nicht so unterschiedlich. Und, ja, ich glaube, diese Vernetzung hat dadurch wirklich richtig gut funktioniert. Ich glaube, das würde ich jeder Stadt empfehlen, vielleicht sowas versuchen zu tun, irgendwie einen Klimaschutztag, einen Nachhaltigkeitstag, wie auch immer, aber einfach den Akteuren untereinander, nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern, das ist natürlich auch wichtig, aber auch den Akteuren, die selber aktiv sind, die Möglichkeit bieten, einfach nochmal neue Netzwerke aufzubauen.

Klaus Reichert: Ich finde das jetzt toll, wie unideologisch du vorgehst, flexibel bist, aber firm in der Sache bleibst.

Alina Bermudez: Ja, ich meine, also ich habe immer den Eindruck oder ich habe immer so ein bisschen das Gefühl in dem Job, wenn man sich zu sehr versteift auf eine Sache und so sagt, okay, wir müssen jetzt aber 100 Prozent, da kommt man nicht arg weit. Und ich habe das Gefühl, wenn man kleine Schritte geht und damit aber mehrere Leute mitnehmen kann, dann erreicht man meistens mehr, wie wenn man alleine versucht, jetzt für die 100 Prozent zu kämpfen. Ja, das war so ein bisschen meine Philosophie auch bisher, das hat eigentlich ganz gut geklappt. Und man muss die Leute ja auch mitnehmen, man kann die nicht vor den Kopf stoßen. Ich kann niemanden was vorschreiben, möchte ich auch gar nicht und ich möchte aber Leute mitnehmen und ich möchte Leuten Hintergründe erklären und erklären, warum vielleicht was anderes eine bessere Alternative ist. Wenn wir versuchen, auch andere Leute zu verstehen und offen zu sein für andere Meinungen, ja, ich glaube, damit fährt man, ich glaube, meistens am besten.

Klaus Reichert: Alina, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen hast für unser Gespräch.

Alina Bermudez: Sehr, sehr gerne.

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