Ana Selina Haberbosch über Konsumentenvertrauen & Nachhaltigkeit

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast ist Ana Selina Haberbosch meine Gesprächspartnerin. Sie ist Co-CEO, Impact & Finance Manager von Seedtrace, einer digitalen Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, Informationen entlang der Lieferkette zu managen, zu beweisen und zu kommunizieren. Wir unterhalten uns über Konsumentenvertrauen & Nachhaltigkeit und ihre Lösung für den Food Bereich. So wird die fehlende Verbindung zwischen der Herkunft eines Produktes und uns als Konsumenten und Konsumentinnen aufgebaut und Vertrauen geschaffen.

Ana Selina Haberbosch

Über

Ana Selina Haberbosch

  • 27 Jahre jung, Freiburgerin aus dem 3-Länder-Eck
  • gelebt in Frankreich, Deutschland und Spanien
  • studiert: International Management in Paris und Berlin (Int. Finance Master und franz. Pendant in Entrepreneurship)
  • Tänzerin und Tanztrainerin seit dem 16. Lebensjahr
  • Dozentin für Corporate Finance an der HWR Berlin
  • Spezialisierung seit 5 Jahren auf Impact Investing und Sozialunternehmertum
  • Erfahrungen als Immobilienmaklerin (RCS Spain), im Business Development (Altares Paris) und Risikomanagement (Myos, Berlin)
  • Bei Seedtrace: Geschäftsführung mit Fokus auf Business Dev, Finance und Sales

Seedtrace

Seedtrace ist eine digitale Plattform, die es Unternehmen ermöglicht Informationen entlang der Lieferkette zu managen, zu beweisen und an Konsumenten und Konsumentinnen zu kommunizieren. Dadurch wird Vertrauen aufgebaut und sowohl Loyalität als auch die Zahlungsbereitschaft gesteigert; soziale und ökologische Wirkung wird zum USP.

Seedtrace wurde aus einer einfachen Problemstellung heraus geboren: Die fehlende Verbindung zwischen der Herkunft eines Produktes und uns als Konsumenten und Konsumentinnen. Obwohl der Trend eindeutig ist, sind wir oft überfordert und misstrauen, manchmal aus guten Gründen, den Informationen, die uns zur Verfügung stehen. So sind wir unsicher, für welche Produkte wir uns entscheiden sollen, ob das nun im Supermarkt oder im Bekleidungsgeschäft ist.

Durch die Arbeit der Seedtrace Co-Gründerin Katharina Davids mit wirkungsorientierten Farmen in Afrika und Co-Gründerin Ana Selina Haberbosch’s Erfahrungen im Social-Enterprise-Sektor in Europa wuchs der Wunsch, dieses Problem anzugehen. Der Entschluss stand fest, eine digitale Plattform aufzubauen, die sich darauf konzentriert, Transparenz entlang der Lieferketten von Konsumgütern zu schaffen und insbesondere aufzuzeigen, wie es um die soziale und ökologische Wirkung eines Produktes bestellt ist.

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Transkript

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Ana Selina Haberbosch: Für uns selber als Team, und ich glaube, da haben wir gar keine Probleme, wir sind alle so überzeugt davon, dass es mehr Transparenz braucht, dass wir mehr erfahren wollen, dass wir bewusstere Kaufentscheidungen treffen wollen und vor allem auch Unternehmen enablen, die genau das tun, die wirklich auch Wirkung erzielen, positive, die zu unterstützen, diese Brücke zu schlagen und auch irgendwie das Ganze in einen USP zu verwandeln. Also ich glaube, da sind wir alle sehr intrinsisch motiviert.

Willkommen beim Smart Innovation Podcast! Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin Unternehmensberater und Businesscoach für Innovationen. Von Baden-Württemberg aus begleite ich zukunftsorientierte Unternehmer und Unternehmerinnen sowie ihre Teams remote. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovationen, über Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels. Es geht um innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie, sowie den passenden Vorgehensweisen Neues auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte und digitale Dienstleistungen. Bei den Live-Aufnahmen haben die Teilnehmenden Gelegenheit sich einzubringen, Fragen zu stellen und mitzureden. Neue Episoden erscheinen dann zum Wochenende. Die aktuellen Termine und alle bisherigen Folgen sind auf klausreichert.de/podcast. In jeder Folge gibt es ein kurzzeitig verfügbares Angebot. So wird Innovation für die Teilnehmenden lebendig und gleich umsetzbar. Der direkte Link zur Episode ist in den Shownotes. Dort gibt es auch weiterführende Informationen, Videos und ein Transkript.

Klaus Reichert: Meine Gesprächspartnerin heute ist Ana Selina Haberbosch. Sie ist Co-CEO, Impact & Finance Manager von seedtrace. seedtrace ist eine digitale Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, Informationen entlang der Lieferkette zu managen, zu beweisen und zu kommunizieren. Ziel ist es, eine Verbindung zwischen der Herkunft eines Produktes und uns als Konsumenten und Konsumentinnen aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Willkommen Ani! Hallo!

Ana Selina Haberbosch: Hallo Klaus! Freut mich, dass ich heute da sein darf.

Klaus Reichert: Ich freue mich schon auf unser Gespräch. Du, sag mal, Ani, Vertrauen, ihr sprecht davon, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen ist ja jetzt tatsächlich eine ganz, ganz wertvolle Angelegenheit, die man lange Zeit auch aufbauen muss, die sehr viel Zeit braucht, die sehr viel positive Aktionen braucht, die vielleicht im Kundenvertrauen nicht ganz so wichtig ist wie ein direktes Vertrauen zwischen zwei Menschen zum Beispiel, die verheiratet sind. Aber wie kamt ihr auf das Thema Vertrauen? Warum ist das so wichtig? Und was bedeutet denn jetzt Vertrauen auch vielleicht für dich persönlich?

Ana Selina Haberbosch: Wir mit seedtrace sind eigentlich zu dem Thema gekommen, weil meine Mitgründerin in Afrika, in Kenia, Malawi, Südafrika vor allem, mit Farmen kooperiert hat und dort die Heilpflanze Moringa nach Deutschland oder beziehungsweise nach Europa bringen wollte und dort einfach gesehen hat, was für eine Wahnsinnsarbeit, die vor allem Farmerinnen dort machen. Auf der anderen Seite dann wir als Konsument oder Konsumentin, die in Deutschland sitzen, das vielleicht kaufen, das steht zwischen hunderten anderen Produkten im Supermarkt. Und wir wollen immer bewusstere Kaufentscheidungen treffen. Es gibt einen starken Trend dahingehend zu sagen, ich möchte nicht mehr irgendwas kaufen, ich möchte wissen, sind die Menschen dahinter fair bezahlt, was sind die Bedingungen und so weiter, aber bei uns gibt’s eine absolute Überforderung. Diese Brücke zu schlagen zwischen Produktursprung, dem, was dort passiert, und den bewussten Entscheidungen, die wir treffen wollen und oft nicht können, das ist so unser Ziel, das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Und das ist auf jeden Fall ein großes Ziel und ein komplexes Ziel. Und dazu gehört eine unheimliche Vielschichtigkeit der Wirkung, also sei das jetzt sozial oder ökologisch. Und wir versuchen dahinter einfach Hand und Fuß zu geben und zu sagen: Welche Behauptungen kann ein Unternehmen machen? Wie kann man die nachweisen? Wie kann man transparent kommunizieren? Und wo muss man starten, wenn man wirklich in die Rückverfolgbarkeit reingehen möchte?

Klaus Reichert: Das heißt also, ihr habt einen starken Antrieb das zu tun, aus eigenem Erlebnis heraus, kann man ja dann schon sagen. Und ihr habt erfahren eigentlich auch, dass es eine Notwendigkeit gibt, eine Brücke zu schlagen zwischen einem Produzenten, Produzentin und Konsumenten. Jetzt ist es aber natürlich so, das Vertrauen, das man dabei aufbauen muss, ist ja gar nicht so einfach zu machen. Also das heißt, das braucht jetzt schon auch viel Zeit. Du hast gesagt, die einzelnen Schritte, die da zum Beispiel entstehen, dass die dann irgendwie dokumentiert werden. Was bedeutet das dann? Also sind das dann die Schritte, die helfen, dieses Vertrauen zu schaffen in das Produkt zum Beispiel?

Ana Selina Haberbosch: Ja, also ich glaube, es ist auf jeden Fall wichtig, dass man sich bewusst wird, dass es ein Prozess ist. Wir haben häufig die Situation, dass wir mit Unternehmen sprechen, die dann sagen, wie sollen wir denn von heute auf morgen alles wissen und kommunizieren? Das geht natürlich nicht. Was wichtig ist, ist, dass man sich kritische Punkte vorknöpft und sich anschaut. Also zum Beispiel arbeiten wir viel in der Schokoladenindustrie, und da ist zum Beispiel das Thema faire Bezahlung unheimlich wichtig. An Kakaoanbauende ist das Thema faire Bezahlung ein riesiges Thema. Wir arbeiten zum Beispiel gerade in Ghana mit einem Unternehmen zusammen, um das nachzuweisen und dann oft am Ursprung anzufangen. Also welche kritischen Komponenten kann ich mir genauer anschauen und durchleuchten, und mit welchen kann ich starten, ist, glaube ich, ein sehr, sehr wichtiger Punkt. Aber auch offen dann zu kommunizieren, wir starten jetzt vielleicht mit einer Zutat oder mit einer Komponente aus folgenden Gründen und dann gehen wir weiter. Also praktisch, es ist immer eine schwierige Balance, und oft hat man natürlich das Risiko, dass man mit Greenwashing assoziiert wird, wenn man sich auf eine kleine Komponente fokussiert und dann darüber praktisch so ein bisschen so tut, als würde man alles schon perfekt lösen. Das darf man natürlich nicht machen. Und das macht aber auch keiner, und ich glaube, auch jeder Konsument und jede Konsumentin ist sich dessen bewusst, dass es ein Prozess ist. Deshalb sagen wir immer, dieses Vertrauen kann dadurch auch geschaffen werden, dass man klar kommuniziert: Warum starten wir mit Projekt X? Warum starten wir mit der Rückverfolgung von einem bestimmten Inhaltsstoff? Und was ist der Plan, um dann praktisch die Lieferkette weiter aufzuarbeiten?

Klaus Reichert: Kannst du uns ein kurzes Beispiel geben, wie das jetzt funktioniert? Also wie würde ich damit interagieren? Du sagst, da wird irgendwie eine Lieferkette deutlich gemacht, da werden Dinge gezeigt, da wird irgendwas nachvollziehbar gemacht. Wenn ich jetzt so ein ganz normaler Mensch bin, wir haben von Produkten gesprochen, Schokolade gerade, finde ich ja super, ich gehe also in den Supermarkt, schaue mir die Schokolade an und wie finde ich jetzt das heraus, von dem du gerade gesprochen hast?

Ana Selina Haberbosch: Vielleicht kann ich einmal ganz kurz erklären, wie das bei uns so allgemein funktioniert in den verschiedenen Ebenen und dann können wir uns das ein bisschen besser vorstellen. Die seedtrace Plattform bietet im Grunde unterschiedliche Tiefen an, wie man da reingehen kann. Unser erster Ansatzpunkt war damals eigentlich, dass wir gesagt haben, wir müssen erstmal vor allem kleineren Unternehmen auch ermöglichen, die Lieferkette abzubilden, die Informationen einzuspeisen und einfach von A bis Z praktisch alle Punkte zu kommunizieren. Dann war das so, dass man bei uns Produktseiten, so nennen wir das, oder Produktreisen entlang der Lieferkette erstellen konnte über die Plattform und diese Informationen entlang der Lieferkette managen. Dann klickt man im Grunde am Ende einen Knopf und dann wird ein QR-Code generiert, man kann es in den Webshop integrieren und dann platziert man das zum Beispiel auf der Verpackung. Und dann kann man als Konsument oder Konsumentin, wenn man jetzt zum Beispiel die Schokolade in der Hand hält, diesen QR-Code scannen und sehen, die Schokolade kam da und daher, das und das sind die Prozesse, das sind die Menschen dahinter. Das war unser allererster Schritt. Dann haben wir gesagt: Jetzt ist es ein Tool, mit dem man transparent kommunizieren kann auf Produktebene, aber eigentlich müssen wir darüber hinausgehen, wenn es wirklich um Vertrauen geht. Dann haben wir angefangen, eigentlich ein Netzwerk aufzubauen und zu sagen: Welche Organisation, welche Dokumentation kann bestimmte Behauptungen untermauern oder sogar verifizieren? Und da gibt’s jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder man sagt, wir legen praktisch offen und sind vollkommen transparent. Wir sagen zum Beispiel genau, wie viel wir an wen bezahlen. Dann wäre das für uns, nennen wir dann Confirmed Claim, sozusagen eine untermauerte Behauptung. Oder es gibt tatsächlich eine unabhängige Drittorganisation, die diese Behauptung dann über die seedtrace Plattform bestätigen kann. Das kann eine verifizierende Organisation sein, das kann aber auch eine NGO sein zum Beispiel, mit der kooperiert wird. Und das letzte, was wir machen, ist dann sehr projektbezogen, wenn wir wirklich ins Echtzeit-Tracing reingehen und die Daten dann in Echtzeit abfangen und an den Konsumenten oder die Konsumentin kommunizieren. Auch wieder über den QR-Code oder über eine Webshop-Integration zum Beispiel.

Klaus Reichert: Das heißt also, ihr macht eine technische Lösung, eine Plattform, eine Onlineplattform, in die ein Kunde von euch diese Produktreise, diese Produktschritte sozusagen vom Acker zum Supermarkt eben darstellen kann, da wichtige Punkte kommunizieren kann, bestimmte erstmal Behauptungen auch aufstellen kann, die selber verifizieren kann durch zum Beispiel Fotos oder sowas, die aber auch von Dritten wiederum verifiziert werden können. Und da seid ihr quasi dann offen für unterschiedlichste Labels oder andere, oder den TÜV oder wer immer auch das sein kann, der sowas dann zertifizieren würde.

Ana Selina Haberbosch: Genau! Da haben wir praktischen einen Wirkungskatalog, nennen wir das. Das heißt, da kann nicht einfach dann irgendwas hochgeladen werden, sondern es gibt praktischen einen Katalog mit circa 100 unterschiedlichen Behauptungen, sozial und ökologisch, und zu jeder dieser Behauptungen gibt es bestimmte Arten von Dokumentationen oder Organisationen, die das dann bestätigen können und die da auch legitim sind, das zu tun. Der entwickelt sich natürlich immer weiter, aber den werden wir eben auch publizieren. Wir haben es so, dass praktisch jeder Konsument oder Konsumentin wirklich sehen kann: Warum ist da jetzt ein kleines Häkchen? Warum ist das bestätigt? Was steckt dahinter? Und das ist auch so eine sehr wichtige Komponente für uns, Wirkung und dieses Vertrauen zu schaffen. Wirkung ist nun mal zum gewissen Grad subjektiv, weil jedem von uns ist etwas anderes wichtig oder wichtiger. Mir ist vielleicht besonders wichtig, wie der Fußabdruck ist, der ökologische Fußabdruck von einem Produkt, das ich kaufe. Jemand anderem ist vielleicht die faire Bezahlung besonders wichtig. Das heißt, wir versuchen da wirklich einen Überblick zu geben. Das heißt, wenn man die QR-Codes, als Beispiel, scannt, sieht man erstmal: Welche Behauptungen sind untermauert oder bestätigt? Und wenn man dann mehr erfahren möchte, kann man praktisch draufgehen und sagen: Ich möchte jetzt wissen, warum ist diese faire Bezahlung bestätigt. Und dann kann man theoretisch auch die Transaktionen einsehen, die auf der Blockchain gespeichert sind, wenn man dann so tief gehen möchte.

Klaus Reichert: Also das heißt, ihr schafft Transparenz für den Konsument oder die Konsumentin, aber ihr sorgt selbst auch dafür, dass ihr in dem Sinne transparent seid, A durch zum Beispiel die Definition, die ihr veröffentlicht, aber auch, du hast das Thema Blockchain gerade angesprochen, eben auf technischer Ebene über die Nutzung eines Blockchain-Ansatzes.

Ana Selina Haberbosch: Absolut! Das sind zwei sehr, sehr wichtige Punkte für uns. Der erste ist, dass wir wirklich offen kommunizieren wollen: Warum sagen wir bestimmte Punkte sind bestätigt? Warum gibt es bestimmte Dokumentation, die hinterlegt wird? Und was bedeutet das auch? Also wenn wir jetzt sagen, faire Bezahlung, muss man erstmal definieren: Was soll das überhaupt heißen? Bedeutet, du hast irgendwie eine Bezahlung über Mindestlohn, ist wahrscheinlich zu kurz gedacht. Das heißt, da wollen wir wirklich ganz transparent sein, genauso wie auch unser Ansatz und das, was wir lösen wollen in unserem eigenen Ansatz nach außen. Und das zweite ist natürlich die Blockchain-Technologie. Da arbeiten wir auch mit einem wirkungsorientieren Blockchain as a Service Provider zusammen, die da drauf spezialisiert sind, mit auch einem sehr, sehr niedrigen Carbon Footprint. Also mit allen, mit denen sie arbeiten, die produzieren nicht mehr CO2 als ein normaler Haushalt. Das ist was anderes – ist ja immer ein großes Thema – als bei zum Beispiel Ethereum und so weiter. Und da ist natürlich für uns wichtig, dass das eine offene Blockchain ist und dass es irreversibel gespeichert wird. Das heißt, nicht alle Informationen schmeißen wir da drauf, um Gottes willen, sondern wirklich nur die kritischen Punkte. Und um nochmal auf das Schokoladen-Beispiel zurückzukommen.

Klaus Reichert: Sehr gerne!

Ana Selina Haberbosch: Da ist das Beispiel so, dass wir in Ghana und der Schweiz arbeiten mit einem Unternehmen. Die haben gesagt: Wir legen eigentlich schon ganz lange offen, wie viel wir bezahlen. Also die kommunizieren schon lange komplett transparent, wie viel sie an Kakao anbauen und in Ghana bezahlen. Aber sie wollten darüber hinausgehen und sagen: Wir wollen es eigentlich auch verifizieren. Und was wir da machen, ist, dass wir mit deren Datensystem sozusagen integrieren. Das heißt, wir bekommen immer Echtzeit eine Benachrichtigung, wenn die behaupten, dass sie bezahlt haben. Dann wird erstmal noch eine Rechnung hinterlegt, die von beiden Parteien unterschrieben wird. Und sobald wir das dann haben, integrieren wir mit dem Mobile Payment Provider und gucken: Sind diese Transaktionen wirklich angekommen? Haben die stattgefunden? Und wenn all das bestätigt ist und wir dieses Matching praktisch gemacht haben zwischen den Daten, dann wird die Transaktion auf der Blockchain gespeichert und dann kann auch der Konsument oder die Konsumentin am Ende sehen: Aha, es wurde wirklich bezahlt an die und die Person für die Schokolade, die ich jetzt kaufe.

Klaus Reichert: Wow! Das heißt, ihr habt jede Menge Schnittstellen beziehungsweise ihr plant immer mehr Schnittstellen natürlich aufzubauen, um all diese Dinge dann tatsächlich abbilden zu können.

Ana Selina Haberbosch: Ja.

Klaus Reichert: Also technisch ist das ja wahnsinnig aufwendig. Da habt ihr euch ja ein richtig dickes Brett vorgenommen zu bohren. Wow! Da bin ich schon sehr gespannt.

Du sagst gerade, faire Bezahlung um andere Dinge, die abgebildet werden können. Gibt’s auch eine Möglichkeit zum Beispiel in eurer Lösung, sowas wie die Standardproduktdaten abzufragen? Dass man zum Beispiel die Kalorienangaben oder sowas auch abfragen kann als Konsument? Oder beschränkt ihr euch auf die Dinge, die du vorhin erwähnt hast?

Ana Selina Haberbosch: Wir fokussieren uns auf jeden Fall ganz stark auf die soziale und ökologische Wirkung und auf die allgemeinen Daten entlang der Lieferkette, die damit zusammenhängen. Unsere Plattform gibt aber trotzdem auch die Möglichkeit für die Unternehmen allgemeine Informationen zur Verfügung zu stellen. Das heißt, wir haben natürlich diese Wirkungs- oder Impact Claims, wie wir sie nennen, die Behauptungen und die Echtzeitdaten, die reinfließen können, wenn es dann größere Tracing Projekte sind wie jetzt bei der Schokolade als Beispiel. Aber wir haben auch die Möglichkeit natürlich dagelassen, dass die Unternehmen noch weitere Informationen kommunizieren über die Produktseiten. Das ist uns auch sehr wichtig gewesen, weil am Ende ist ja doch die Geschichte von jedem Produkt sehr, sehr individuell. Man kann nicht immer nur alles anhand von verifizierten Daten kommunizieren. Und deswegen ist es uns wichtig, da auch ein bisschen Freiraum zu geben. Man kann zum Beispiel auch Feedback einholen über unsere Produktseiten. Das heißt, wenn das Unternehmen das möchte, können Sie eine Feedback-Funktion einstellen über unsere Plattform und kriegen dann auch direktes Feedback zu bestimmten Fragen, die Sie stellen wollen, zum Beispiel über die Plattform. Das ist dann auch nicht öffentlich oder so, aber das wird auf Produktebene zurückgespielt, genauso wie auch andere Datenanalysen. Also so, dass wirklich die Kunden, unsere Kunden, die Unternehmen auch sehen können: Wer scannt das eigentlich? Wie viele Leute gucken sich das an? Für was interessieren sie sich vielleicht besonders? Damit man eben auch tiefer gehen kann in den richtigen Punkten, die dann am Ende auch ankommen.

Klaus Reichert: Das heißt, ich kann auch als Produktmanager zum Beispiel oder als Innovationsmanagerin dann auch auf solche Daten zugreifen und kann entsprechend auch mein Produkt besser steuern.

Ana Selina Haberbosch: Genau! Ja, das ist das Ziel.

Klaus Reichert: Coole Sache! Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen blöd an, aber diesen Wunsch nach dieser einen Seite für jedes Produkt, dass jedes Produkt seine eigene Seite hat, das ist so ein wirklich tiefer Wunsch, den ich schon seit sehr langer Zeit habe. Deswegen freut mich das so richtig, dass ihr sowas gerade baut. Mir ist schon auch klar, dass Amazon zum Beispiel sowas aufbaut aus einer etwas anderen Richtung heraus und dass das mittlerweile, eigentlich schon deren Katalog fast ein Standard ist. Aber bei denen fehlen ja eben sehr, sehr viele Teile, die du jetzt gerade angesprochen hast. Also deswegen freue ich mich da richtig drüber, das dann auch ausprobieren zu können. Jetzt hast du ja schon gesagt, es gibt da verschiedene Produkte oder verschiedene Unternehmen, mit denen ihr zusammenarbeitet, eine Schokoladenfirma, die Kakao einkauft, zum Beispiel in Afrika. Muss es denn immer Afrika sein? Würde auch Schwarzwald gehen?

Ana Selina Haberbosch: Na klar! Schwarzwald sowieso. Also beide Geschäftsführerinnen kommen aus dem Schwarzwald.

Klaus Reichert: Yeah!

Ana Selina Haberbosch: Genau! Nein, wir arbeiten vor allem aktuell in der Lebensmittelbranche und mit ganz unterschiedlichen Unternehmen. Also wir haben zum Beispiel auch, Grosbusch ist einer unserer Kunden, das ist ein Obst- und Gemüsehändler aus Luxemburg, der auch in Frankreich ist und in Deutschland präsent ist, der hauptsächlich regional zum Beispiel beschafft. Afrika ist so ein bisschen unser Hintergrund, vor allem der Hintergrund von meiner Mitgründerin Katharina, die eben dort viel gearbeitet hat früher. Daher kommt so ein bisschen die Verbindung. Aber das bietet sich natürlich über die ganze Bandbreite an. Also natürlich egal, wo man ist, es ist das gleiche Problem. Wir arbeiten auch gerade zum Beispiel noch mit Conflictfood zusammen, aus Berlin. Falls noch nicht gehört, auf jeden Fall mal gucken, ist ein ganz, ganz spannendes Unternehmen, die direkten Handel in Konfliktregionen aufbauen. Die sind zum Beispiel auch in Afghanistan, in Myanmar, und machen dort unheimlich tolle Bildungsarbeit und bilden auch ihre Lieferketten mit seedtrace ab. Wir sprechen auch mit der Kosmetikindustrie, mit der Textilindustrie, auch viel mit Verpackungsherstellern. Also gerade, wenn es so um recycelte Verpackungen geht, nachzuvollziehen, woher kommt das Material, wie wird das produziert. Aber das ist so ein bisschen unser nachgelagerter Fokus, muss man ehrlich sagen. Also es bietet sich natürlich an, es lässt sich viel übertragen, aber unser Fokus gerade ist die Lebensmittelbranche, weil wir da einfach am meisten Erfahrung haben, und da ganz unterschiedliche Produkte.

Klaus Reichert: Das ist ja auch ein ganz, ganz großes Feld, wo vor allem Nachvollziehbarkeit und Vertrauen sehr, sehr wichtig ist, wo das heute schon im Grunde jeder Konsument auch abfragen können sollte oder nachfragen wollte. Ich bin mir jetzt bewusst, dass es vielen egal ist, woher das kommt, was sie da essen, aber es wird immer wichtiger. Und ich glaube auch, die Menschen bauen, zumindest bei uns in Deutschland, ein stärkeres Bewusstsein zu dem Thema auf. Ein zweites Feld, das du angesprochen hast, fand ich da sehr parallel, ist so Kleidung, Baumwolle, Mode und so weiter, wo man tatsächlich auch bei der Nachvollziehbarkeit im Grunde sehr viel tun kann. Wenn man sich darum kümmert, kann man sehr viel bewegen durch Modekauf, durch gezielten Modekauf. Oder sehr viel kaputtmachen, wenn es einem ganz egal ist. Spannend! Da darf man sich nicht verzetteln. Arbeitet ihr da auch mit zum Beispiel Demeter oder Naturland oder sowas zusammen?

Klaus Reichert: Aktuell noch nicht, aber das sind auf jeden Fall auch Partner, die bei uns super-willkommen wären. Gerade arbeiten wir vor allem mit sieben, acht ausgewählten Unternehmen und sind da aber immer offen. Und gerade auch, ist natürlich unterschiedliche Ebene, es gibt Produkte, die unheimlich viele Inhaltsstoffe haben, die sehr komplex sind. Also zum Beispiel gerade sind wir dabei, in der Kosmetikindustrie mit einigen zu sprechen. Und da muss man dann ganz anders rangehen als jetzt zum Beispiel bei einem Obst- und Gemüsehändler oder auch beim Kakao-Sirup-Produzenten. Weil wir da wirklich kritische Inhaltsstoffe uns rauspicken müssen und die erstmal durchleuchten und eigentlich nicht eine komplette Transparenz für das gesamte Produkt sofort aufbauen können. Aber was wir auf jeden Fall machen, ist, dass wir sowohl B2B- als auch B2C-Kunden haben. Das ist vielleicht noch ganz spannend. Weil man denkt immer, das ist ja eigentlich dann nur für das Unternehmen interessant, was B2C direkt am Kunden ist. Das stimmt aber gar nicht unbedingt, vor allem zum Beispiel auch der Kakao-Sirup-Produzent, mit dem wir arbeiten, hauptsächlich B2B im Vertrieb. (unv. #00:21:01.1#) gesagt, die Kunden von uns brauchen ja dieses Verkaufsargument und brauchen ja diese Informationen, um das Ganze attraktiv an Konsumenten und Konsumentinnen zu tragen. Und deswegen kann das auch für B2B-Unternehmen unheimlich spannend sein. Und das ist dann natürlich besonders schön, weil man direkt am Ursprung sitzt und an die Informationen rankommen kann.

Klaus Reichert: Ich finde das vor allem auch wichtig, weil gerade in dem Bereich gibt’s ja doch sehr viele mittelständische Unternehmen, die nicht die Ressourcen haben wie ein Riesenunternehmen alles vielleicht selber nachprüfen zu können. Die müssen sich ja auf irgendwas verlassen können, wenn sie selber auch wieder Aussagen darüber treffen in ihrer eigenen Kommunikation.

Ana Selina Haberbosch: Absolut!

Klaus Reichert: Jetzt hast du gerade immer wieder gesagt, wir machen das, wir verifizieren das. Bietet ihr also auch diese Dienstleistung an, zum Beispiel das Ganze aufzusetzen und vielleicht auch eben zum Beispiel solche Verifikationen zu machen? Oder ist das dann wiederum einfach immer nur eine Kooperation mit Dritten?

Ana Selina Haberbosch: Da trennen wir ganz bewusst. Wir würden uns niemals platzieren als weitere verifizierende Organisation. Ich glaube, in den letzten paar Jahren hat sich die Anzahl von Labeln und Verifizierungen schon verzehnfacht. Da wollen wir uns nicht auch noch platzieren. Was wir aber machen, ist, dass wir eben in die Rückverfolgbarkeit reingehen. Also das sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Das heißt, auf Projektbasis gucken wir uns an: Welche Daten können wir abgreifen? Wo können wir, wie jetzt zum Beispiel in dem Fall in Ghana, durch die Daten, die erhoben werden, wirklich auch noch mehr Transparenz schaffen und bestimmte Behauptungen bestätigen? Wir gehen aber nicht hin und sind eine verifizierende Organisation, die jetzt nach Ghana fliegen würde und sich angucken würde, wie die Bedingungen vor Ort sind. Das machen wir nicht. Das heißt, wir haben auf Projektbasis wirklich diese datengetriebenen Tracing-Projekte. Wir sagen: Eventuell unterstützen wir den Kunden auch noch dabei, die Daten zu erheben. Je nachdem wie weit die schon sind, wie deren Systeme sind, müssen wir da mal mehr mal weniger Unterstützungsarbeit leisten. Das machen wir dann auch noch, um das einmal initial aufzusetzen das Tracing. Und für die andere Komponente, also wirklich Verifizierungen, da sind wir eigentlich die Plattform, die das zusammenführt, aber nicht noch eine weitere Organisation.

Klaus Reichert: Gut! Es wäre ja dann auch irgendwann eine Vermischung und das würde wahrscheinlich auch dem Vertrauen, der Glaubwürdigkeit dann schaden. Jetzt baut ihr damit im Grunde einen Katalog auf von Produkten, Lebensmittelprodukte jetzt im ersten Schritt. Das ist so ähnlich wie, wenn ich dann in eine Bibliothek zum Beispiel gehen würde online oder auf die Webseite der Bibliothek, dort recherchiere. Da gibt’s dann bestimmte Standardbeschreibungen, da gibt’s ISBN-Nummern zum Beispiel, da gibt’s feste Felder. Also ich sag mal, einfach Datenstandards, die da mal auch offen und allgemein entwickelt worden sind. Wie haltet ihr das für euch? Gibt’s da einen Standard, der zum Beispiel einen Austausch erleichtert? Schafft ihr vielleicht gerade sogar einen neuen Standard für diese Art von Datensätzen?

Ana Selina Haberbosch: Wir orientieren uns natürlich an globalen Standards, um den Wirkungskatalog aufzubauen. Das heißt, wir clustern zum Beispiel alles nach den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den Sustainable Delevopment Goals. Das ist, glaube ich, so der gängigste Framework, den man so kennt, um sich an Nachhaltigkeitszielen zu orientieren. Und das sind ja tatsächlich nicht nur die 17 Ziele, die man kennt, sondern noch deutlich mehr, die dahinterstecken und die tiefer gehen und so weiter. Anhand davon clustern wir zum Beispiel unsere unterschiedlichen Behauptungen, die man machen kann, jede Behauptung zahlt sozusagen auf eines dieser Ziele ein, und hat dann bestimmte Unterkategorien. Und wir versuchen eben da so weit wie möglich uns an internationalen Standards zu orientieren, anstatt da jetzt irgendwie für uns nochmal ein ganz neues Modell aufzubauen. Das wäre ja Quatsch. Und sind auch tatsächlich gerade auf der Suche nach einer Kooperation noch mit einem Institut, wir sind schon im Austausch mit einigen, um da auch nochmal tiefer zu gehen und das einfach stetig weiter zu bauen. Das ist so wie das Thema Nachhaltigkeit überall, es ist halt ein immerwährender Prozess. Und genauso ist das mit unserem Wirkungskatalog auch.

Klaus Reichert: Das heißt also, ihr schaut schon, dass ihr den Austausch leicht macht, dass es Verbindungen zu anderen Datenbanken dadurch natürlich auch geben kann, dass ich Daten auch mal wieder rausnehmen kann und das irgendwo anders zum Beispiel nutzen kann.

Ana Selina Haberbosch: Ja, absolut! Was ich durch deine Frage auch noch gerade im Kopf hatte, das ist so ein Gedanke, mit dem wir immer wieder spielen, das ist aber sehr Zukunftsmusik, würde ich sagen, ist, dass wir dadurch eigentlich eine Datenbank auch erstellen an Produkten, die man filtern kann nach bestimmten Wirkungskriterien. Und das, was Katharina und ich schon lange vermissen, ist einfach, dass man eine Plattform hat, wo man nach bestimmten Wirkungseinstellungen, Kriterien, Behauptungen filtern kann und sagen kann, ich möchte eigentlich aktiv XY unterstützen und auf dieser Basis dann Produkte finden. Das wäre natürlich auch noch ein Ziel von uns zu sagen, wenn wir eine groß genug Masse an Produkten haben, das auch anzubieten.

Klaus Reichert: Da braucht man natürlich tatsächlich eine große Auswahl, damit das gut funktioniert. Ich habe gerade überlegt, ob es nicht so aus diesen Diätprogrammen irgendwelche Datenbanken gibt, die öffentlich zugänglich sind, die man einfach quasi mal einlesen kann und dann vielleicht durch so ein bisschen auch Crowd-Unterstützung zumindest mal erste Kriterien irgendwie machen kann. Ist nur so eine Idee. Ich weiß noch nicht, wo das gerade hingeht. Aber spannend, also ich glaube, so eine Datenbank ist überfällig. Ich komme wieder zurück zu dem Punkt, jedes Produkt, finde ich, braucht seine eigene Seite, seinen eigenen Punkt sozusagen, ihre Heimat im Internet, wo man all diese Dinge, die du aufgezählt hast – und wahrscheinlich noch viel, viel mehr – eben dann dazu speichern kann. Im Idealfall sogar Open Source, sodass natürlich jeder darauf zugreifen kann und was damit machen kann.

Ana Selina Haberbosch: Ich glaube, man kennt das auch, so diese Frustration, man möchte mehr erfahren, es gibt ja schon einige QR-Codes auf vielen Produkten, wenn man so im Supermarkt ist, und dann scannt man das und man wird immer auf die allgemeine Unternehmens-Webseite weitergeleitet.

Klaus Reichert: Ja genau!

Ana Selina Haberbosch: Und da sieht man dann irgendwie hier ein schönes Rezept und da eine Aktion und hier Rabatte, und eigentlich will man aber wissen, woher genau diese Banane jetzt kommt, die man kauft, oder was man damit bewirkt. Ich glaube, das ist auch ein Punkt, um wieder die Brücke zu schließen irgendwie zu dem Vertrauen, von dem wir am Anfang gesprochen haben. Das führt natürlich dazu, dass die Leute das auch erwarten, also dass man da eben nicht die Informationen bekommt, die man braucht oder die man möchte. Und ich glaube, ich bin da ganz bei dir, dass wir wirklich eine produktbasierte Kommunikation brauchen.

Klaus Reichert: Was ich auch spannend finde und wo ihr, glaube ich, auch noch ein Problem löst, ist das Problem, dass man viele Informationen mittlerweile auf eine Packung draufmachen muss, die Packungen im Idealfall immer kleiner werden oder anders werden, sodass sie auch ökologisch nachhaltiger sind. Das bedeutet in den meisten Fällen im Augenblick, dass einfach alles immer kleiner wird. Das heißt also, selbst ich mit meinen 50 Jahren kriege so langsam Probleme die winzigsten Schriften auf einer Packung dann zu lesen. Und man sich natürlich einschränken muss in der Story, die man als Produzent für sein Produkt ja hat, aber auch eben in den Informationen, die man liefern möchte. Und wenn ich da dann einfach schnell gucken kann, was da dahintersteckt, oder das in aller Ruhe zu Hause dann mache, dann ist da tatsächlich noch mal ein extremer Mehrwert, jetzt nicht für Sich-, Sehbehinderte, sondern einfach für ganz normale Menschen.

Ana Selina Haberbosch: Total! Es ist natürlich ein Riesenproblem: Wie kriegt man all diese Informationen irgendwie auf die Produktverpackungen, kommuniziert am richtigen Ort, im richtigen Moment? Das ist unheimlich schwierig und das versuchen wir natürlich dadurch auch zu lösen und vor allem auch zu ermöglichen, dass dann die Person, die das scannt, auch entscheiden kann, was sie sehen möchte, wo sie tiefer reingehen möchte. Weil wenn man natürlich alles kommunizieren möchte, ist oft der Fall, führt zu einer kompletten Überwältigung erstmal. Man weiß gar nicht, wo soll ich überhaupt anfangen? Und deswegen eben versuchen wir, das so übersichtlich wie möglich zu schaffen und da dann eben immer die Möglichkeit zu geben, tiefer zu gehen, wo man möchte, wo man selber Interesse hat. Und was du auch angesprochen hast, witzigerweise haben wir immer gedacht, das muss ein Thema sein für den Point of Sale, also für den Moment der Kaufentscheidung, sei das jetzt online oder im Supermarkt. Aber tatsächlich informieren sich unheimlich viele Leute, ungefähr, also fast 50 % unserer Scan-Raten sind nach dem Kauf. Das heißt, ganz oft beschäftigen sich natürlich die Kunden oder Kundinnen dann am Ende mit dem Produkt zu Hause, wenn man sich irgendwie die Zeit nimmt, nochmal genauer hinschaut. Und deswegen ist nicht nur das Thema Zahlungsbereitschaft für uns da enorm wichtig, sondern natürlich auch die Kundenloyalität im Nachgang. Weil ich glaube, also man sieht das ja, die Menschen sind immer mehr gewillt, die Marke sehr, sehr schnell zu wechseln. Also wenn irgendwie das Vertrauen nicht da ist und es kommt eine Alternative um die Ecke, dann sind wir sehr schnell gewillt, das auch zu ändern, unser Verhalten oder vielleicht das Produkt, was wir normalerweise kaufen, nicht mehr zu kaufen. Und entsprechend ist das für uns auch ein sehr wichtiges Thema.

Klaus Reichert: Das geht mir auch bei vielen Produkten so, zum Beispiel bei Milch, du kennst das wahrscheinlich, Schwarzwaldmilch aus Freiburg, aus dem Schwarzwald, die haben verschiedene Milchsorten. Und seit ich die Videos von den Bauernhöfen gesehen habe und den glücklichen Kühen auf der Weide, von dieser speziellen Milch, bin ich wirklich gerne bereit, diese teurere Milch zu kaufen. Und ich halte das sogar für einigermaßen glaubwürdig, auch wenn ich weiß, dass es eine Werbekampagne war, die ich da natürlich erlebt habe. Aber wenn diese euren Service nutzen würden, dann wäre das natürlich nochmal ein extra Bonus, finde ich. Müssen wir unbedingt anschreiben und das denen mal vorschlagen.

Ana Selina Haberbosch: Machen wir direkt.

Klaus Reichert: Okay, gut! Du, aber sag mal, das Thema Lieferkette, und es gibt ja auch ein Lieferkettengesetz und, und, und, ist natürlich schon irgendwie ziemlich trocken. Also ich weiß, dass es natürlich einen extra Bonus bekommt, wenn man in Richtung Circular Economy arbeitet, Kreislaufwirtschaft und so weiter und so weiter. Aber Lieferkette hört sich erstmal ziemlich trocken an. Wie kriegt ihr für euch das hin, dass ihr da dann tatsächlich auch noch viel Spaß dabei habt?

Ana Selina Haberbosch: Für uns selber als Team, und ich glaube, da haben wir gar keine Probleme, wir sind alle so überzeugt davon, dass es mehr Transparenz braucht, dass wir mehr erfahren wollen, dass wir bewusstere Kaufentscheidungen treffen wollen und vor allem auch Unternehmen enablen, die genau das tun, die wirklich auch Wirkung erzielen, positive, die zu unterstützen, diese Brücke zu schlagen und auch irgendwie das Ganze in einen USP zu verwandeln. Also ich glaube, da sind wir alle sehr intrinsisch motiviert.

Aber was uns hilft, dem Konsument oder der Konsumentin gegenüber, ist, dass wir diese Balance fahren zwischen, wir haben irgendwie harte Fakten, die wir kommunizieren, die vielleicht ein bisschen trockener sind, Daten entlang der Kette, aber das Ganze eben auch so weit wie möglich noch mit individuellen Informationen, Medien und so weiter zu bereichern. Also dass man, wenn man jetzt zum Beispiel die Lieferkette anschaut, also man scannt irgendwie, jetzt nehmen wir wieder die Schokolade als Beispiel, man scannt die Schokolade und dann sieht man, da gibt’s vielleicht fünf Schritte entlang der Lieferkette, dann wird das irgendwie geerntet und dann wird das erst mal weiterverarbeitet und dann kommt noch Zutat X und Y dazu und dann wird das verschickt und so weiter, dem Ganzen halt auch den menschlichen Aspekt zu geben. Ich glaube, dass das unheimlich wichtig ist und dass es auch dazu führt, dass es einfach wirklich Spaß macht, sich das anzugucken. Und das versuchen wir zu lösen. Bisher ist es natürlich oft so, also es gibt da auch andere Anbieter, die in die Richtung gehen, die dann so wirklich ein Tracing etablieren und dann kannst du halt sehen, wie warm ist das Wasser, in dem der Fisch geschwommen ist, den ich jetzt esse und so weiter, aber das ist natürlich nichts, was uns jetzt emotional mit dem Produkt verbindet. Während eben solche Komponenten, vor allem auch die soziale Wirkung, da schon ganz, ganz anders aufgestellt sind. Und gerade, wenn man von den Farmen und so weiter wirklich auch Videos, vielleicht Interviews einspeist und Fotomaterial, dann gibt es dem Ganzen einfach noch mal einen anderen Wert und macht einfach viel, viel mehr Spaß, sich auch damit zu beschäftigen. Ich glaube, was uns ausmacht, ist wirklich, dass wir sagen, es muss ökonomisch attraktiv sein, das Ganze transparent zu machen, es muss hinten ankommen beim Konsumenten oder Konsumentin. Was noch unheimlich viel vergessen wird einfach in diesem ganzen Thema, dass es am Ende auch Spaß machen muss. Genauso wie du gerade gesagt hast, dass, wenn ich mir das anschaue, dass das irgendwo subjektiv ist, dass es dynamisch sein muss, dass man sich in die einzelnen Schritte so tief einlesen kann, wie man selber das möchte. Und dass es ein Schritt-für-Schritt-Prozess ist, ist, glaube ich, auch noch so die Schlüssel-Message, die wir rüberbringen müssen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber irgendwo muss man starten. Und ich glaube, die meisten Unternehmen machen schon unheimlich viel in dem Bereich, aber die Brücke zwischen dem, was sie tun, und dem Konsumenten oder Konsumentin zu schlagen, das kommt noch deutlich zu kurz.

Klaus Reichert: Ihr seid ein Start-up. Braucht ihr irgendwas?

Ana Selina Haberbosch: Brauchen wir irgendwas? Wir brauchen gerade unbedingt Verstärkung im Sales-Bereich. Also wir wachsen gerade unheimlich schnell, wir sind jetzt gerade zehn Leute, und wir suchen immer nach Verstärkung. Und vor allem natürlich im Bereich, also gerade, wenn sich Personen viel mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und da auch einfach intrinsisch motiviert sind, Lust haben, was zu machen, was sie bewegt, dann freuen wir uns da immer. Und wir sind auch offen für noch Projekte, die ähnlich sind wie gerade das (unv. #00:34:53.6# Core?)-Projekt, also mit dem Schokoladenhersteller, gerade solche tieferen Probleme, Projekte anzugehen, sind wir auch viel im Austausch mit der GZ zum Beispiel und Organisationen, die einfach Probleme lösen wollen.

Klaus Reichert: Wir machen eine Episoden-Webseite, wo all diese Links, diese Themen, die wir gerade angesprochen haben, nochmal auftauchen werden, verlinkt sind, und dann auch ein Transkript von unserem Gespräch miterscheinen wird, so dass wir da dann auch den Link zu dir machen für mögliche Interessierte, die da vielleicht mitmachen wollen.

Ana Selina Haberbosch: Das klingt gut.

Klaus Reichert: Jetzt geht’s hier im Smart Innovation Podcast auch immer darum, vom Zuhören ins Machen zu kommen. Da habe ich verstanden, dass ihr tatsächlich auch ein Angebot habt, das hilft, jetzt Unternehmen bei euch starten zu lassen. Was macht ihr denn da?

Ana Selina Haberbosch: Wie gesagt, ist für uns unheimlich wichtig, dass man das eben so Schritt für Schritt aufarbeiten kann und dass man erstmal einfach starten kann. Das heißt, den Zugang zur Plattform geben wir immer gerne als Probezugang aus. Man kann dann einfach mal gucken: Wie könnte man das jetzt darstellen? Was bedeutet das eigentlich, wenn ich die Informationen über mein Produkt hier darstellen möchte? Und dann kann man das ausprobieren und kann sich mal angucken, wie das funktioniert. Dann werden automatisch Produktseiten generiert, QR-Codes generiert, und dann kann man da im Grunde direkt mal aktiv werden und hat auch direkt eine Beispiel-Lieferkette abgelegt, damit man sich anschauen kann, wie das funktionieren könnte, wenn man die ganzen Daten hat. Und das bieten wir immer super-gerne an. Ansonsten kann man natürlich auch sich immer sehr, sehr gerne melden und dann zeige ich einfach mal, wie das konkret funktioniert.

Klaus Reichert: Gut! Den Link dazu machen wir auch in der Episoden-Webseite. Wunderbar, Ani! Ich finde, wir hatten ein tolles Gespräch heute. Ich finde seedtrace toll. Ich freue mich schon darauf, wenn sich’s auf immer mehr Verpackungen jetzt in Zukunft wiederfindet und vor allem auch immer mehr Unternehmen sich auf die Reise machen ihre Produkte bei euch zu beschreiben und mir als Konsumenten dann auch tatsächlich mehr Hilfestellung geben bei der Auswahl von Dingen, die ich täglich im Supermarkt einkaufe. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast heute mit dabei zu sein. Vielen Dank für deine Arbeit! Und hoffentlich auf bald wieder.

Ana Selina Haberbosch: Vielen Dank! Hat Spaß gemacht. Auf bald!

Das war der Smart Innovation Podcast. Er wurde mit einem interessierten Publikum live aufgenommen. Vielen Dank fürs Dabeisein und Zuhören! Diese Episode gibt es auch zum Lesen. Der direkte Link ist in den Shownotes. Noch kein Abonnent? Die Show ist überall zu finden, wo es Podcasts gibt. Weitere Informationen zum Podcast und meine Kontaktdaten sind bei klausreichert.de/podcast. Dort gibt es auch eine Übersicht der nächsten Liveaufnahme-Termine. Ich bin Klaus Reichert und das war der Smart Innovation Podcast.

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Klaus Reichert

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Mit dem Innovationscoaching begleite ich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ernsthaft eine nachhaltige Zukunft für ihr Unternehmen, seine Menschen & Leistungen zu entwerfen & umzusetzen – kreativ, gemeinsam, smart - Kontakt

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Dr. Klaus Reichert

Unabhängiger, kreativer & konstruktiver Vision zu Innovation Coach / ex-Architekt/Pilot/Tech-Gründer / Calder/Giacometti/Technik-Museum Fan

Über 25 Jahre Erfahrung in der kreativen Innovationsberatung, bei digitalen und realen Innovationsprojekten. 89+ Projekte als Coach, Unternehmensberater, Beirat und Interim Manager in den Bereichen Telco, Technologie, Digital, Software, Produktion, Pharma, Bau. Beratene Unternehmen zwischen 228.000 und 1 MA. Praxisnahe & geförderte Leistungen für mittelständische Unternehmen.

Als Innovation Coach bin ich unabhängiger externer Gesprächspartner mit Impulsen und dem oftmals so wichtigen erfahrenen Blick von außen.