Virgin Galactic

Best Practice Beispiel Innovationsmanagement: Galaktische Beförderung

2010 habe ich diesen Artikel geschrieben, Virgin Galactic hat damals erste Flüge ins All gestartet. Auf dem Weg haben sie schmerzliche Rückschläge erlitten. 2021 fand der erste Flug mit Passagieren statt.

2021: Ergebnis – erster Flug mit Passagieren in “VSS Unity”

2010: Innovationsmanagement bei Virgin Galactic.

https://youtube.com/watch?v=mDUVe3a496Y

Ein Mann – eine Vision. Was für manche wie Zukunftsmusik oder gar Spinnerei klingen mag, lässt das Unternehmen eines Pioniers wie Sir Richard Branson, Unternehmer und Abenteurer, Realität werden. Was liegt für einen solchen Unternehmer also näher, als die erste private Raumschiff-Flotte zu gründen, die Touristen zu erschwinglichen Tarifen einen mehrstündigen Aufenthalt im All ermöglicht? Virgin Galactic heißt das Unternehmen, und Ende 2009 soll es losgehen.

„My interest in life comes from setting myself huge, apparently unachievable challenges and trying to rise above them…from the perspective of wanting to live life to the full, I felt that I had to attempt it.” (Mein Interesse am Leben kommt daher, dass ich mir große und scheinbar unerreichbare Herausforderungen setze und versuche, noch über sie hinauszuwachsen … In Hinblick darauf, das Leben voll auskosten zu wollen, hatte ich das Gefühl, dass ich es versuchen müsste.)

Space – The Final Frontier?

Der Weg von der Vision, der Idee, zum tatsächlich vermarktbaren und Gewinn bringenden Projekt braucht Weitsicht, Struktur und eine saubere Finanzierung. Ein Beispiel für einen gelungenen Innovationsprozess ist Sir Richard Bransons „Virgin Galactic“, die erste private Raumschiff-Flotte, die Ende 2009 kommerziell ins All starten soll.

Virgin: Eine starke Marke

Die Virgin Group ist ein internationaler Firmenverbund, der mittlerweile aus rund 200 Unternehmen in den Bereichen Musik-Megastores, Luftfahrt, Mobilfunk, Finanzen, Einzelhandel, Musik, Internet, Getränken, Eisenbahn, Hotels und Freizeit besteht. Das Virgin-Logo ist weltweit bekannt, unter diesem Dach versammeln sich einzelne Unternehmen, die über die gleiche starke Marke eine starke Verbindung haben. Die Unternehmen sind untereinander gut vernetzt im Informations- und Erfahrungsaustausch und durch die Bildung von Synergien über die Geschäftsfelder hinweg. Dies ermöglicht gut gesteuerte Planungsprozesse für neue Projekte. Identifikationsfigur für die Virgin Group ist Sir Richard Branson, der mit einer Schülerzeitung und einem Schallplattenversand vor Jahrzehnten den Grundstein für ein weltumspannendes Firmenimperium legte.

Tourismus ist eines dieser Geschäftsfelder. Die Gründung von Virgin Galactic – das Angebot, Privatleuten Kurzreisen in die Schwerelosigkeit in rund 120 Kilometern Höhe zu ermöglichen – treibt diesen Zweig in neue Dimensionen voran. Aber nicht ins Blaue hinein, sondern konkreten Vorüberlegungen zur Zukunft des eigenen Geschäfts folgend: Wohin will man in den nächsten Jahren kommen, welche Zweige werden sich auch weiterhin als rentabel erweisen, welche Risiken ist man bereit einzugehen?

Und es gab ganz konkrete Problemstellungen, mit denen man sich zu beschäftigen hatte. Wie geht es mit dem Geschäft weiter, wenn der Ölpreis bei 100 US-Dollar pro Barrel steht? Wie entwickelt sich die Transport- bzw. die Ferienindustrie weiter? Welche Bedürfnisse haben unsere Kunden morgen – oder übermorgen? Darüber hinaus gedacht: Wäre es nicht eine tolle Sache, ins All zu fliegen? Aber: Finden wir genügend Interessenten, die eine nicht unerhebliche Summe dafür bezahlen, so dass sie die ersten privaten Reisenden ins All sein können? Potenziellen Investoren musste bewiesen werden, dass es für diese Idee auch einen Markt gibt. Und tatsächlich fanden sich über eine Website – noch bevor das Produkt oder gar ein geeignetes Raumschiff überhaupt vorhanden war – schon die ersten einhundert Kunden. Die Tragfähigkeit des Konzepts war bewiesen.

Sich der Eroberung des Weltalls zu widmen, erinnert an den Pioniergeist vergangener Zeiten. Diese Pioniere hatten allerdings mit Problemen zu kämpfen, die durch die technologischen Fortschritte heute wesentlich leichter gelöst werden können. So hat beispielsweise die NASA wissenschaftliche Vorarbeit betrieben, konnte aber durch den Mangel an passenden Materialien oder leistungsfähigen Computern Forschungsergebnisse nicht in die Praxis umsetzen. Früher verwendete Raketen waren mit veralteter Technik ausgestattet. Mit den Möglichkeiten von heute konnten Ideen aus der Vergangenheit aufgegriffen und auf die Erfahrungen von früher aufgebaut werden.

Es bedarf also einer starken Vision, um innovative Prozesse in Gang zu setzen. Für Richard Branson heißt das, dass mehr im Weltall passieren muss. Zum Gelingen seines Konzepts trugen entscheidende Erfolgsfaktoren bei: hoher finanzieller Anreiz für Investoren, ein starkes Netzwerk, gutes Marketing, das nötige technische Know-How und vor allem Weitsicht.

Finanzieller Anreiz

Die Flotte soll aus zwei Mutterschiffen (Launch-Systemen) und zunächst fünf Raumschiffen bestehen, die in Linienflügen Tausende von Weltraumtouristen ins All bringen. Die Gesamtkosten werden in der Luft- und Raumfahrt als vergleichsweise niedrig angesehen und voraussichtlich bei 350 Millionen Dollar liegen. Bis Ende 2008 wurden 120 Millionen unter anderem in die Entwicklung von SpaceShip Two und WhiteKnight Two gesteckt.

Vor dem Start lautete die Vorgabe des Investmentboards von Virgin, zehn Millionen Dollar in sechs Monaten einzuholen, damit das Projekt grünes Licht erhalten konnte. Die vom Board geforderten ersten einhundert Kunden im Vorfeld sicherten die Summe mehr als deutlich ab – bis Ende 2008 lagen im Übrigen 268 Buchungen vor.

Man kann also als Investor davon ausgehen, dass sich mit Virgin Galactic Geld verdienen lässt; der Beweis, dass es einen Markt gibt, wurde hinlänglich angetreten. Die Weltraumflüge lassen Profit im ersten Jahr erwarten, daraus ergibt sich Potenzial für einen frühen Börsengang des Unternehmens. Und auch die noch nicht ausgebauten Geschäftsfelder lassen auf weitere gewinnträchtige Möglichkeiten hoffen, so im Tourismus bei Fernreisen, im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Experimenten oder beim kommerziellen Transport von Satelliten. Die Firma ist weiter offen für Investitionen und Anleger.

Netzwerk

Der Abenteurer Steve Fosset gehörte zu den Gesprächspartnern, Technologieaustausch und Kooperationen ist mit Boeing und General Electric entstanden. Der Vorteil eines solchen starken Netzwerks ist, dass keine Abhängigkeit von der Finanzierung aus öffentlicher Hand entsteht.

Marketing

Noch einmal sei daran erinnert, dass die Website und die weiteren Kommunikationsmaßnahmen bereits vor dem Start des eigentlichen Unternehmens die ersten einhundert Kunden brachten. Die spürbare Begeisterung von Leitung und Mitarbeitern übertrug sich auf diese enthusiastische Kunden. Von diesen ersten 100 wiederum konnte profitiert werden, indem sie als Fokusgruppe befragt wurden. Ihre Anforderungen und Wünsche wurden in das Programm integriert, um weitere Kunden zu generieren. Und die Bereitschaft, für das Privileg, einer der ersten einhundert Weltraumtouristen zu sein, 200.000 Dollar zu zahlen, beeinflusste die kontinuierliche Weiterentwicklung des Businessplans.

Technologie

Die beste Idee und der Markt dafür nützen nichts, wenn die Technik und das Wissen fehlen. Denn die Raumschiffe müssen – mindestens zu einem großen Teil – wieder verwendbar sein und die Passagiere geeignet vor der enormen Hitzeentwicklung beim Wiedereintritt in die Atmosphäre schützen können. Mit Burt Rutan und seinem Team sind bei Scaled Composites hochqualifizierte Luft- und Raumfahrtingenieure mit dem Bau der Schiffe betraut. Sie verwenden moderne Materialien, so sind die Schiffe beispielsweise nicht aus Metall sondern aus Verbundstoffen gebaut. Darüber hinaus ist für die Schiffe und Launch-System heute Technik verfügbar, die die Ingenieure in die Lage versetzt, ihre Konzepte auch umzusetzen.

Das erlangte Wissen soll geteilt werden: Zum einen über das Anmelden von Patenten, zum anderen durch die Vermarktung der Technologien und Materialien. Aber auch mittels so genannter „Open Architecture“-Programme wie Linux, um neue industrielle Nutzungsmöglichkeiten im Weltraum hervorzubringen: „Have open architecture like Linux to allow other people to develop new vehicles and revolutionize new industrial uses of space”, so Will Whitehorn, der Präsident vonVirgin Galactic. Und nicht zuletzt können die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich des reduzierten Treibstoffverbrauchs auch im konventionellen zivilen Luftverkehr eingesetzt werden.

Weitsicht

Der Weltraum ist die nächste (industrielle) Grenze: Effizienzsteigerung im bestehenden Projekt ist ebenso wichtig wie die Erschließung neuer Geschäftsfelder auf der Grundlage eines starken Research. Unternehmensbereiche können und sollen weiter vernetzt werden. Schon in der aktuellen Phase sind die Weiterentwicklungsmöglichkeiten eingeplant. Dies gilt für kleine Dinge wie die Gestaltung der Kabinen nach Kundenwünschen über die Vermarktung als Transporter für Minisatelliten bis hin zu den Möglichkeiten als Technologieplattform über das touristische Unternehmen hinaus.

Vision

Wenn wir das mal einfach wörtlich nehmen – ohne Hintergedanken – was Richard Branson im Video sagt, dann kommt schon eine Art Vision dabei zu Tage.

Fazit

Erfolgreiches Innovations-Management unterscheidet den – möglicherweise waghalsigen – Visionär vom Spinner. Mag eine Idee noch so weit hergeholt scheinen, sie kann Realität werden. Ein Visionär vom Schlage Sir Richard Bransons wird dafür sorgen, dass sie solide umgesetzt wird und kein „Wolkenkuckucksheim“ bleibt. Wichtig ist, im Vorfeld sauber zu recherchieren, ob es wirklich einen Markt für diese innovative Idee gibt, wie das Projekt strukturiert, möglicherweise mit starken Partnern organisiert und koordiniert werden muss. Eine saubere Finanzierung ist unabdingbar. In unserer Zeit – und das zeigt Virgin Galactic ganz deutlich – ist das Internet ist ein wertvolles Medium zur Vermarktung. Die Flüge waren buchbar, bevor das SpaceShip Two überhaupt gebaut wurde, die Idee konnte ohne großen Aufwand kommuniziert werden, die Rückmeldungen gaben den Pionieren von Virgin Galactic recht. Die ersten Weltraumtouristen werden aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr ins All starten!

Informationen zu Virgin Galactic und Flugbuchung unter http://www.virgingalactic.com

Weitere Infos unter

Aktualisiert 24.11.18 & 12.7.21

Shopping Cart
Scroll to Top