Verhalten von Menschen, Teams und Führung im Neuerungsprozess, Kommunikation & Wissenstransfer.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Unternehmerpersönlichkeit die Unternehmenskultur maßgeblich prägt. Der oder die Unternehmer/in ist durch sein Vorbild verantwortlich für das Verhalten der Mitarbeitenden. Gegenüber anderen im Unternehmen und mit Kunden und Partnern. Doch wie erreicht man eine außergewöhnliche Unternehmenskultur? Durch eine außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit! Hier ein Beispiel.

Selten wird so deutlich, welchen Einfluß die Persönlichkeit des oder der Unternehmer/in auf die Innovationsfähigkeit des Unternehmens hat, wie beim Gründer US-Fluggesellschaft Southwest Airlines. Herb Kelleher erzählt im „How I Build This“ Podcast mit Guy Raz sehr unterhaltsam die Geschichte seines Unternehmens seit Anfang der 70er Jahre. Zusammen mit Colleen Barrett und vielen weiteren Menschen baute er ein kundenorientiertes Unternehmen mit heute (2019) über 46.000 Mitarbeitenden auf. Der Podcast zeigt neben vielen anderen Videos, wie außergewöhnlich die Mitarbeitenden der Fluggesellschaft sind. Und welch beeindruckende Menschen Kelleher und Barrett. Damit vor allem der Kundenbezug so bleibt, ist es bei Southwest normal, dass alle in der Verwaltung regelmäßig im eigentlichen Betrieb mitarbeiten, beim Ticketverkauf, beim Check-in, beim Reinigen und Beladen von Flugzeugen. Und es ist üblich, Erfolge groß zu feiern.

Herb Kellerher im Podcast

Vortrag

Mit dem Fokus auf Beispiele für gute Innovationskultur für meine Workshops habe ich den Podcast als Auslöser für weitere Recherchen genommen zu Herb Kelleher und Colleen Barrett und die Entwicklungen bei Southwest. Ein gemeinsamer Vortrag der beiden an der Notre Dame Business School gibt weitere Einblicke.

Unkonventionelle Methoden

Um die unkonventionellen Methoden etwas besser zu verstehen, oder verwirrter zu sein, empfehle ich noch dieses doch sehr spezielle Southwest PR Video „Malice in Dallas“, das zeigt, wie die Firma Anfang der 90er Jahre einen Copyright Streit mit einer anderen Fluggesellschaft auf eine sehr schräge Art löst: durch Armdrücken in der Sportarena 🙂

Lernen für die eigene Unternehmenskultur

Erfahrene Unternehmer wie auch Gründer können von Herb Kelleher viel lernen, der Anfang 2019 im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Es braucht die Bereitschaft, sich auf einen Rückblick einzustellen und die Prinzipien von der Mode der Zeit zu trennen. Dann ist Herb Kelleher eine Unternehmerpersönlichkeit voller Inspiration für heutige Unternehmen.

Wie führt man ein Unternehmen, in dem die besten Ideen gewinnen? Fehleinschätzungen, die zu einem wirtschaftlichen und wahrscheinlich auch emotionalen Tiefpunkt im Leben geführt haben, haben den Investment Manager Ray Dalio dazu gebracht, vor über 25 Jahren seine Firma komplett umzukrempeln. Statt nur auf seine eigene Einschätzung zu setzen und die anderer zu ignorieren, setzt er auf radikale Transparenz und eine Entscheidung der besten Ideen. Seine Einstellung zur „Ideen Meritokratie“ und der darauf aufgebauten transparenten Unternehmenskultur werden durch Tools nutzbar gemacht und haben zu einer rasanten ökonomischen Entwicklung seines Unternehmens beigetragen.

„Rather than thinking, ‘I’m right.’ I started to ask myself, ‘How do I know I’m right?’”

Ray Dalio

Am Anfang stand die Frage nach einer Grundlage für geschäftliche Partnerschaften: „Wie gehen wir als Partner miteinander um?“ Darauf aufbauend entwickelte sich ein langjähriger organischer Evolutionsprozess, dessen Ergebnisse heute auch bei großen Silicon Valley Firmen gefragt ist, die Vorteile im Bereich Crowdsourcing für die Entscheidungsfindung sehen, wie Ray Dalio im Interview sagte. Er war nicht spezifisch, welche Firmen interessiert sind, ich persönlich tippe auf Google. 

Wie sieht die Nutzung im Firmenalltag aus?

Seine Firma Bridgewater hat mittlerweile Programme, die die Meinungen aller im Team deutlich machen und über die Zeit daraus lernt. So entscheiden in einer bestimmten Situation die aggregierten Einschätzungen der Personen, die objektiv eine Glaubwürdigkeit in dieser speziellen Sache haben. So werden sowohl autokratische Einzelentscheidungen als auch demokratische Mehrheitsentscheidungen ersetzt. Algorithmen helfen bei der Auswertung und geben Empfehlungen für diese Entscheidungen, aber auch für die Kombination von Menschen in Teams. So entstehen Gruppen von Menschen, die sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Jede/r muss sagen können, was er oder sie in einer Situation glaubt. Unabhängig vom Status und Alter. Und muss auch erkennen können, dass es sich um eine individuelle Einschätzung handelt, die im Kontext der Einschätzungen aller anderen in der Gruppe steht. Diese Mehrdimensionalität ergibt die Chance, sich zu hinterfragen und die eigene Perspektive zu verändern. Es bringt auch die Unterhaltung weg vom Streiten über individuelle Meinungen hin zum Finden von Kriterien für Entscheidungen.

„Different people always have different opinions. And who knows, who is right?“

Ray Dalio

Schlußendlich hilft dieses Vorgehen dadurch, diese arrogante und naive Haltung zu beseitigen, falsche Meinungen zu behalten und durchzuziehen und liefert ganz im Sinne von Lean Startup die Gelegenheit zur Verprobung der Meinung mit anderen. Die Betroffenen lernen Dinge durch die Augen aller zu sehen, gemeinsam mehrdimensionaler zu sehen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

Video

Wie Ray Dalio mit dieser Methode seit 25 Methoden sehr großen Erfolg hat, zeigt sein TED-Talk, hier die Transkription und das Video:

Dot Collector App

Das Vorgehen der sogenannten „Dot Collectors“ App kann im Video und hier zusammengefasst nachvollzogen werden.

Einfache erste Umsetzung

Ein interessanter erster Vorschlag zur Einführung des Transparenz Prinzips und der einfachen Nutzung via Slack ist hier zu finden.

Fazit

  • Transparenz und Offenheit bringt große Verantwortung aller mit sich
  • Konstruktive Kritik muss man geben können und auch aushalten
  • Die Gewöhnung daran braucht Zeit
  • Daten und Algorithmen unterstützen beim Sehen von Daten und Erstellen von Zusammenhängen. Sie können bei der Entscheidungsfindung unterstützen
  • Klar gestellte Fragen, bringen klare Antworten
  • „Wahrheiten“ sind nicht singular, sondern kommen durch die Einschätzung mehrerer erfahrener Beteiligter ans Licht
  • ganz praktisch: jede/r hat einen Laptop oder Tablet im Meeting mit dabei

Ein neues Projekt, ebenso wie ein neues Jahr, braucht eine bildliche Darstellung der Ziele bzw. des zu erreichenden Zustandes. Ein Leitbild. Ich meine damit aber nicht eine Sammlung von Text, das ist nur der Einstieg. Sondern ein echtes Bild, welches die Essenz zusammenfasst und die betroffenen Menschen auf einer anderen Ebene als Text anspricht.

Dieses Bild sagt nicht nur mehr aus als drei (1.000) Worte, sondern kann auf vielfältige Weise benutzt werden:

  • zur Orientierung als Poster für das Team
  • als Hintergrundbild auf dem Smartphone zur Erinnerung
  • als zentrales Element des Vision Boards in Ergänzung mit weiteren Bildern

Wer für das nächste Jahr noch kein Bild hat, sollte jetzt noch eines finden. Diese drei Fragen können dabei helfen, das richtige Bild zur Vision zu finden:

  • Welche Veränderung soll ausgelöst werden?
  • Für wen soll es Bedeutung haben?
  • Wo soll es genutzt werden?

Das Finden des richtigen Bildes kann etwas dauern. Je klarer die bereits formulierten Ziele, desto einfacher wird es. Hat man das richtige Bild gefunden, begleitet es das Projekt oder das eigene Jahr und hilft enorm bei der Umsetzung. Eine weitere Hilfe: Visioning.

Kontinuierliche Innovation wird häufig auf Organisationen eingeschränkt. Doch getrieben wird Innovation in Firmen von Menschen, die selbst innovativ sind. Die Kunst dabei ist, innovativ zu bleiben. Tom Kelley von der Designfirma IDEO wendet sich an ein junges Publikum und zeigt ihnen, wie sie Gewohnheiten eines Innovators aufbauen können, um lebenslang innovativ zu sein.

Ganz nach dem Zitat von Picasso:

„Jedes Kind ist ein Künstler. Die Herausforderung ist es, als Erwachsener ein Künstler zu bleiben.“

It’s okay to be an innovator – Tom Kelley im Stanford Podcast:

Weihnachten steht vor der Tür. Eine Zeit, in der man sich etwas wünschen darf. Ein Riesenwunsch von mir sind bessere Räume für gemeinsame Kreativität und miteinander Arbeiten. Das ist mir als Innovationsberater und ehemaligem Architekt sehr wichtig. Die Stanford d.school ist ein Klasse Beispiel.

Ich sehe viele Besprechungsräume und die sehen meist so aus:  Ein viel großer Tisch steht in der Mitte. Mit eingebauten Steckdosen und Kabel in den Fussboden. Das Konferenztelefon in der Mitte funktioniert nicht richtig. Drumherum meist zu viele und zu sperrige schwere Stühle. Kaum Platz, um drum herum zu gehen. Irgendwo in der Ecke steht ein verwaistes Flipchart, meist fehlt das Papier, die Stifte sind ausgetrocknet. Alte Flips liegen noch irgendwo herum Ein Beamer ohne Lautsprecher. Das Kabel zu kurz, um es einfach zu nutzen. Mehr Equipment wie Kamera, Mikrofone? Fehlanzeige. Häufig ohne natürliches Licht, fast immer ohne Aussicht.

Und natürlich ist das Phänomen nicht auf Besprechungsräume beschränkt. Der „normale“ Arbeitsplatz sieht fast überall immer noch gleich aus: zu große, rechteckige Tische, immobil aufgestellt. Selbst Firmen die sich Agilität auf die Fahnen schreiben, kommen an diesen Punkten nicht weiter. Viele Möbelhersteller sind dabei auch keine Hilfe, traditionelle Konzepte sind weit verbreitet. Die Möbelauswahl kommt bei Neubauprojekte immer zuletzt und wird dann nur den Regeln des Einkaufs unterworfen.

Freude am gemeinsamen Arbeiten, am Austausch, an gemeinsamer Kreativität, kommt dann selten auf. Wie sieht also ein Raum aus, der Kreativität fördert, zu gemeinsamen Arbeiten einlädt? Was macht also gute Räume für kreatives Miteinander aus?

1. Basics

  • Sie bringen Menschen zusammen
  • halten beweglich
  • dienen der Sache

2. Flexibilität im Raum fördert Flexibilität im Kopf

  • Sie haben flexible Konfigurationen
  • Möbel lassen sich leicht verstellen
  • Wände, sofern vorhanden, sind ein Whiteboard
  • Es gibt ausreichend Material zum Ausprobieren und die Firma hat eine Innovationskultur, die deren Nutzung fördert
  • Möbel lassen Bewegung und Austausch zu, laden nicht zum Einschlafen ein
  • Stehtische statt Konferenzplätze

3. Zentrale Bestandteile

  • Das sind meines Erachtens die zentralen Bestandteile. Fast nichts davon hat erst einmal etwas mit besonderen Möbeln zu tun:
  • integriert, leicht erreichbar
  • einfach und kurzfristig verfügbar
  • leicht anpassbare Konfiguration der Einrichtung
  • sauber
  • geeignete Farben
  • angenehmer Klang, z.B. keine Reflektionen
  • gutes Licht
  • Aussicht
  • Material zum Ausprobieren von Ideen wie Lego, Bastelkram, Bauklötze
  • Regeln bzw. Vereinbarungen für die Nutzung

4. Technik ist wichtig, aber nur, wenn sie zusammenbringt

  • Technik unterstützt und funktioniert problemlos
  • Ein oder mehrere Bildschirme sind drahtlos von allen Geräten der Teilnehmenden nutzbar
  • Kamera, Mikrofon und Lautsprecher für den Raum verbinden den Raum mit anderen Räumen, auch am anderen Ende der Welt

5. Klasse Beispiel

Die Räume der Stanford d.school, hier in wenigen Bildern:

6. Unternehmenskultur der Innovation formt diese Räume

Zu Beginn steht die ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema. Jede Organisation hat eigene Bedingungen, jedes Gebäude seine eigenen Herausforderungen. Die gilt es zu berücksichtigen. Aber schon das Thema Regeln oder Vereinbarungen zeigt die Komplexität der Aufgabe. Sind sie doch Teil einer Unternehmenskultur, die auch geformt werden will. Ganz wichtig ist die Zielsetzung der Räume: Begriffe wie Atelier, Werkstatt, (Gründer-) Garage sind meines Erachtens wichtige Ausgangspunkte für Überlegungen. 

7. Investition in Innovation

Und natürlich reden wir nicht einfach nur von einem Raum. Notwendig ist eine gute Auswahl an solchen Räumen und die Integration in den klassischen Arbeitsplatz. Kostet das Geld? Ja, für den Extraraum. Wenn uns Themen wie Innovation und gemeinsames Arbeiten im Team wichtig sind, wir müssen aufhören, uns mit dem subminimalen Standard zufrieden zu geben, der sich die letzten Jahrzehnte verbreitet hat. Räume, die zum gemeinsamen Schaffen einladen, die Freude bei der Nutzung machen, sind eine sinnvolle Investition, die sich rasch auszahlt.

PS: All diese Punkte gelten übrigens auch für alle Bereiche in, um und auf einem Gebäude, inkl. Räume, die „repräsentativ“ sein sollen…

Kann ein Unternehmen zu erfolgreich und gleichzeitig blind für Innovation sein? Natürlich. Interessant ist in diesem Zusammenhang, warum viele etablierte Unternehmen nicht sehen, was andere offensichtlich erkennen.

Bei Recherchen bin ich auf einen Artikel des GFK-Vereins gestossen, der das Thema im Zusammenhang mit Digitalisierung deutlich macht. Hier ein kurzer Auszug:

„Wie man Innovationsblindheit bekämpft

  • Überprüfen Sie die grundlegenden Annahmen Ihres Geschäftsmodells mit dem „Sicherlich-Alarm“
  • Vermeiden Sie einen “digitalen Cargo Kult” –  Marktrealität muss Vorrang vor dem schönen Schein haben
  • Nutzen Sie Design Thinking für schnelles Prototyping und eine offene Kultur des „schnellen Scheiterns“
  • Ändern Sie Ihre Entscheidungsabläufe, um rechtzeitig digitale Nachwuchskräfte anzuziehen“

Hier geht es zum vollständigen Artikel.




Wir sprechen häufig von der Etablierung einer Innovationskultur, vor allem wenn wir bei bestehenden Unternehmen über dringend anstehende tiefgreifende Veränderungen in der Produktstruktur oder dem Geschäftsmodell reden. Praktisch auch, wenn ein Umzug oder Neubau ansteht, dann denken wir über die Zukunft der Arbeit nach und wie wir sie im Unternehmen gestalten. Schnell sind Vorstellungen von Kreativräumen, Open Space Ansätzen und Coworking auf der Agenda – „New Work“ verlangt danach.

In guten Unternehmen werden dann die Mitarbeitenden einbezogen und gemeinsam Wege gefunden, die Planungen der Geschäftsleitung zu ergänzen und umzusetzen. Heraus kommen interessante Konzepte und Räumlichkeiten, im Idealfall mit positiven Auswirkungen auf die Firmenkultur.

Doch braucht es einen Neubau für Innovation? Ich weiß, das hört sich nach einer eigenartigen Frage für einen ex-Architekten an. Die kurze Antwort lautet: „nein“. Gerade in einer Zeit, in der wir (idealerweise) gemeinsam mit einer Reihe von Kooperationspartnern, unseren Kunden und einem Netzwerk von Externen unsere Leistungen erbringen, in der wir Standorte und Menschen weltweit miteinander verbinden, verliert das einzelne Gebäude seine Notwendigkeit. Ikonische Gebäude haben weiterhin ihre Strahlkraft, inspirierende Orte für das gemeinsame Arbeiten der Menschen, die zusammen kommen können sind auch wichtig.

Doch es ist nicht mehr das Büro, welches die Beteiligten im Innovationsprozess verwebt. Vielmehr ist es die Motivation und die Einstellung der Beteiligten, die Energie, die sie mitbringen. Natürlich haben nicht alle im Unternehmen und in seinem Netzwerk den gleichen Antrieb. Schon garnicht die Begeisterung für spezielle Themen.

Umso wichtiger ist es, zu „seinem“ Thema die passenden und verstreuten „Einzelnen“ zusammen zu bringen. Es gilt eine Bewegung zu starten! Wie? Eigentlich ganz einfach, sagt Derek Sivers in seinem TED-Talk (3 Min., Abschrift):

Begleitung bei der Bewegung?