Daniel Gottschald TUM HN

Daniel Gottschald über Netzwerk Innovationen mit der Hochschule

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast ist Daniel A. Gottschald mein Gesprächspartner. Er ist Geschäftsführer der TUM Heilbronn. Wir unterhalten uns über Aktivitäten und Pläne der TUM Heilbronn, gemeinsam mit der Industrie an Bildungsaufgaben und Innovationen zu arbeiten. Hochschulen finden zunehmend neue Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen der digitalen Transformation, denen auch sie selbst ausgesetzt sind. Die TUM Heilbronn ist auf dem Bildungscampus Heilbronn als Außenstelle der Technischen Universität München (TUM) präsent. Sie arbeitet dabei sehr intensiv mit Partnern sowohl auf dem Bildungscampus als auch aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um aus den akademischen Silos herauszutreten und Angebote sowohl für Unternehmen als auch für lebenslanges Lernen zu schaffen. Gefördert wird der Bildungscampus Heilbronn von der Dieter-Schwarz-Stiftung.

Daniel A Gottschald

Über

Dipl.-Kfm. Daniel A. Gottschald ist seit 2021 Geschäftsführer der TUM Campus Heilbronn gGmbH. Davor war er Geschäftsführer der TUM International GmbH und in Doppelfunktion Direktor des Siemens Center of Knowledge Interchange an der Technischen Universität München. Daniel A. Gottschald hat zahlreiche internationale Clusternetzwerke aufgebaut und war Mitglied und Vorsitzender verschiedener Clustermanagement-Gremien wie beispielsweise der Cluster-Exzellenz-Expertengruppe der Europäischen Kommission.

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Transkript

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Klaus Reichert: Mein Gesprächspartner heute ist Daniel Gottschald. Er ist seit 2021 Geschäftsführer der TUM Campus Heilbronn gGmbH. Wir unterhalten uns heute über Netzwerkinnovationen mit der Hochschule an dem Beispiel in Heilbronn. Willkommen Herr Gottschald! Schön, dass Sie heute mit dabei sind. 

Daniel Gottschald: Vielen Dank, herzlichen Dank für die Einladung! Ich freue mich auf das Gespräch.

Klaus Reichert: Herr Gottschald, es tut sich viel in Heilbronn, in Neckarsulm und auch in der Region Heilbronn-Franken. Die letzten Jahre hat sich die Region unglaublich entwickelt, hat immer mehr Profil bekommen und Teil davon sind natürlich auch Sie mit der TUM mit dem Start in Heilbronn. Das ist spannend, wie sich hier gerade Player verbinden. Wir werden uns heute darüber unterhalten, wie wichtig die Netzwerke für die Verbindungen von Unternehmen und der Hochschule sind und was daraus entstehen kann. Aber zuerst würde ich gerne darauf eingehen: Sie haben selbst auch durch Ihre berufliche Laufbahn schon große Erfahrung im Netzwerken gesammelt. Was war denn bisher Ihre größte Herausforderung in diesem Zusammenhang?

Daniel Gottschald: Ich versuche, die Frage sowohl allgemein als auch an einem konkreten Beispiel zu machen. Die allgemeine Herausforderung ist nie ein Netzwerk aufzubauen. Das ist heute eine fast banale Aufgabe. Wenn Sie Netzwerk definieren als Visitenkarten, die Sie erhalten haben bei einem Abend oder auch nur als Adresseinträge in Ihrem Handy, dann ist das nicht schwierig. Mein Mantra dabei ist immer, es geht nicht darum, ob ich die Handynummer von Bill Gates gespeichert habe, es geht darum, ob er auch den Hörer abnimmt, wenn ich ihn anrufe. Also die Herausforderung ist nicht der Netzwerkaufbau, sondern ein aktivierbares Netzwerk, ein nutzbares Netzwerk, ein Netzwerk, mit dem Sie arbeiten können. Und zwar so, dass alle Netzwerkteilnehmer in dem Maße partizipieren und profitieren, indem sie sich (unv. #00:03:43.7# drauf einlassen?). Das habe ich an verschiedenen Stellen in meinem Berufsl schon ganz spannend ausprobieren können. Vielleicht war eine der spannendsten Tätigkeiten meine siebenjährige Arbeit als Geschäftsführerin des Chemie Clusters Bayern. Ich kam damals als Nichtbayer und Nichtchemiker in die Leitung eines Netzwerks von Chemieunternehmen. Was sollte ich machen? Der erste Schritt war, dass wir gesagt haben, schreib mal komplett über den Tellerrand. Wir gehen mit den Chemieunternehmen nach Seattle und reden mit Boeing über neue Flugzeugbeschichtungen. Wir brechen unser Silo auf und denken in Wertschöpfungsketten und Lösungssystemen. Das hat sich eigentlich wie ein roter Faden durch meine Arbeit gezogen und ist sicher auch Teil der Missionen, die TUM hier am Standort Heilbronn verfolgt. 

Klaus Reichert: Also das heißt, Sie gehen gerne neue Wege, Sie schauen gerne auch über den Tellerrand hinaus?

Daniel Gottschald: Ja, das gilt für mich persönlich, das gilt für die Universität. Aber auch da ist die Frage der Qualität, um die Ecke denken, „Out of the Box“-Denken. Das ist auch jetzt nicht zwingend ein Wert an sich, kann ja auch mal in die falsche Richtung denken oder um die falsche Ecke biegen. Also welche Mission steht dahinter. Und das, was mich selber motiviert und genauso DNA der TU München ist, wir möchten Impulsgeber, Taktgeber, Unterstützer für gesellschaftlichen Wandel sein. Wir wollen gesellschaftlichen Wandel positiv gestalten. Und das war immer schon mein Traum. Auch als Uni-Abgänger, dieses Gesamtsystem, das unseren Lebensraum, unser sozioökonomisches Übersystem, furchtbarer Begriff, ausmacht, wie kann nich das unterstützen, daran teilhaben. Das ist ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit geblieben. Und wie gesagt, auf den Arbeitsauftrag, warum die TU München hier am Bildungscampus in Heilbronn ist. 

Klaus Reichert: Da kommen gerade auf diesen Bildungscampus sehr viele Player zusammen unter der großen Unterstützung von der Schwarz Stiftung, die da große Pläne verfolgen. Ich finde das faszinierend zuerst mal, dass Sie jetzt hier mit dabei sind, aber auch diese Vielzahl der Player, die da zusammenkommen und gemeinsam an etwas arbeiten. Wenn wir uns aber jetzt auf Ihren Teil konzentrieren, Sie sind schon lange als TUM in Verbindung mit der Wirtschaft, Sie haben schon lange Dependancen, Sie haben schon lange eine Tradition der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Jetzt haben Sie wahrscheinlich in Heilbronn einen gewissen Fokus. Für wen würden Sie sagen ist denn das Angebot hauptsächlich ausgerichtet? 

Daniel Gottschald: Die TU München, wie jede Universität, unterliegt natürlich dankenswerterweise der Freiheit der Wissenschaft, der Freiheit von Forschung (unv. #00:06:30.0#), das heißt, wir sind hier nicht als Dienstleister tätig, sondern wir sind hier, um in unserem Teil auf dem Bildungscampus, einen Universitätsstandort aufzubauen, an dem sich hochtalentierte Persönlichkeiten entscheiden können, an dem Spitzenforschung stattfindet, hervorragende Lehre stattfindet. Aber das ist natürlich nicht im Elfenbeinturm, nicht im luftleeren Raum. Das zeichnet die TU München aus und auch die Erfolgsgeschichte, für die sie steht, dass wir es geschafft haben, exzellente Wissenschaft, auch exzellente Grundlagenforschung zu verbinden mit Relevanz. Also der Relevanzbegriff ist hier, glaube ich, ein sehr wichtiger. Es ist immer die Frage, welche Werte, welche Qualität haben die Ergebnisse meiner Forschung und wie kann ich sie möglichst weit in einen Dialog mit allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen bringen? Das klingt jetzt sehr abstrakt und theoretisch, das bedeutet für uns aber, dass etwa die Einbindung von Industriepartnern, Wirtschaftspartnern, auf allen Ebenen stattfindet. Nicht nur im Bereich der angewandten Forschung, wo es darum geht, konkrete Lösungen zu implementieren, da gibt es auch eine Vielzahl von Akteuren, die genau das als Mission haben, sondern auch schon im Bereich der Grundlagenforschung. Jetzt kann man das in sehr, sehr vielen Bereichen statuieren. Hier in Heilbronn bauen wir einen Pilotcampus auf für die TU München seit 2018, der den englischen Slogan hat „For The Digital Age“, „Für das digitale Zeitalter“. Jetzt kann man sagen, das digitale Zeitalter hat vielleicht schon eine Weile begonnen, hinken wir also der Zeit hinterher. Es geht darum, dass wir alle wirklich qualifiziert sind für dieses digitale Zeitalter. Und das, was wir heute machen, Videokonferenzen, Videogespräche, denke ich, hat uns alle insbesondere in der Pandemie gelehrt, wo wir auch noch digitale Fähigkeiten erwerben müssen. Was ist der Unterschied zwischen einer Onlinegesprächssituation und einer realen? Wen betrifft das besonders? Und da sind wir stolz und froh, dass wir hier in Heilbronn sind, in einer Region, das habe ich gelernt, mit der höchsten dichte der Weltmarktführer, also im Herzen des deutschen Mittelstands. Das ist für uns eine ganz gravierende Zielgruppe. Dieser deutsche Mittelstand, der steht für vieles. Der steht nicht nur für unsere Wirtschaftsstärke, sondern der steht auch für die Werte, die wir vertreten, für die Art, wie wir arbeiten. Manchmal vielleicht ein bisschen konservativ, manchmal springen wir nicht so schnell auf jedes Pferd, wie das in anderen Kulturen und Ländern sein mag, aber dafür hat es auch Bestand. Dafür haben wir hier ganz traditionelle Unternehmen. Und diesen Spagat, fit für Digitalisierung, fit für eine sich wandelnde Globalisierung, fit für die Zukunft der Arbeits-(unv. #00:09:19.0#), und dies aber auf dem Wertesystem und auf den Strukturen, die traditionell gerade hier in der Region und in Heilbronn die Unternehmenslandschaft ausmachen, dort mittendrin als Universität tätig zu sein, das ist eine ungeheuer spannende, aber auch ungeheuer wichtige Aufgabe. Der haben wir uns verschrieben. 

Klaus Reichert: Das Thema digitale Transformation ist wirklich seit schon ziemlich langer Zeit eigentlich, wie Sie gesagt haben, ein Thema, aber man hat den Eindruck, dass das jetzt gerade bei vielen Playern eine neue Stufe erreicht, wo man sich auch professionalisieren möchte, wo man über das ursprüngliche Studium, das man zum Beispiel auch mal hatte, hinaus vielleicht noch was lernen möchte, wo man Forschung braucht, wo man die Kooperation mit Menschen braucht, die andere Blickwinkel haben. Das sind häufig Wissenschaftler auf der einen Seite, aber vielleicht einfach auch ganz normale Kooperationspartner anderer Firmen. Was ich verstehe, ist, dass Sie da eigentlich einen ziemlich großen Teil ansprechen, natürlich Studierende, der Einstieg, dann aber auch irgendwie der Bereich, wo man dann als gestandener Mensch dann wieder zurückkommen kann zu Ihnen und gleichzeitig aber auch natürlich das Thema Forschung, Forschungskooperationen, um neue Innovation entstehen zu lassen, eben auch haben. 

Daniel Gottschald: Die TU München verfolgt diesen Ansatz hier in Heilbronn auf der Grundlage der wissenschaftlichen Center, die wir eingerichtet haben. Das sind drei im Moment, das ist schon unser Center für Familienunternehmen, Family Enterprise, das Center für digitale Transformation, und das ist seit Sommer letzten Jahres ganz neu, das Center für Information Engineering. Information Engineering ist mehr eine ganzheitlichere Betrachtung als bloß irgendwie Format. Aber auch da die Frage: Warum habe ich diese Center, wie wirken die zusammen und wie fügen die sich in eine, wie soll man sagen, gesamtgesellschaftliche Wertschöpfungskette? Digitalisierung ist ein sehr abstrakter Oberbegriff. Aber wir haben ein paar sehr konkrete Megatrends, auf die sie sich herunter-(unv. #00:11:31.2#) lässt. Das ist die Zukunft der Arbeit, die ist nicht nur mehr Homeoffice, die beinhaltet ganz andere Berufsprofile, auch ganz andere Erwartungen junger Menschen an den eigenen Karriereweg. Wir wollen nicht nur die Kaderschmiede sein, ein exzellentes Studienprogramm durchlaufen, um hinterher ihren Bachelor- oder Masterabschluss zu haben und dann eine gute Karriere zu machen. Wir möchten Persönlichkeiten ausbilden. Das ist damit einhergehend auch ein neues Bewusstsein, das ich in Unternehmen habe, aber auch bei den jungen Leuten, Nachhaltigkeit. Also früher, wenn ich Bewerber für Stellen hatte und habe dann die Interviews geführt, dann kam immer irgendwann die Frage nach einem Firmenwagen. Heute habe ich manchmal Situationen, in denen, wenn wir einen Firmenwagen anbieten, das fast schon als unmoralisches Angebot verstanden wird. Da hat sich das Bewusstsein gravierend geändert. Das ist aber auch die Thematik, woran fehlt’s uns noch. Und das hat uns die Pandemie gezeigt, wo sind Schwächen der Globalisierung, wo sind auch Schwächen der Digitalisierung oder in unserem Umgang mit der Digitalisierung. Und nochmal: Digitale Kommunikation ist nicht nur die Fähigkeit, eine Videokonferenz zu nutzen. Das ist ein ganz anderer Bewertungshintergrund. Diese verschiedenen Aufgaben in die Anwendung zu tragen, sie so wissenschaftlich zu kombinieren, dass ich den gesellschaftlichen Wandel positiv begleite, funktioniert nur an der Schnittstelle Management, Technologie, unsere School of Management hat diesen Anspruch, Management und Technologie zu verbinden, und Informatik, IT, spezielles Thema mit Sicherheit Künstliche Intelligenz, die hier stark ausgebaut werden wird, nicht nur bei uns, sondern bei vielen Akteuren in der Region, wenn ich das zusammenbringe, dann baue ich Systemkompetenz auf. Nicht nur hier in Heilbronn, sondern eingebettet in ein internationales Netzwerk, das wir aber sehr sichtbar und sehr präsent auf dem Bildungscampus in Heilbronn machen möchten. 

Klaus Reichert: Vor vielleicht 25, 30 Jahren wurde der Wirtschaftsingenieur an deutschen Hochschulen eingeführt, vielleicht auch etwas früher, ich bin da jetzt nicht ganz der Fachmann dafür. Das ist noch gar nicht so lange der. Das heißt, (unv. #00:13:49.0#) die eigentlich abbilden, ist sozusagen der Wirtschaftsinformatik-Ingenieure, diese Zusatzkompetenz, die da noch mit dazukommt?

Daniel Gottschald: Ja, das ist wahr. Natürlich kann sich diese Interdisziplinarität jetzt in den einzelnen Studienprogrammen nicht zu 100 Prozent abbilden. Wobei wir dennoch mit den Studienangeboten, die wir hier haben, Management und Technologie, Information Engineering, in der Tat, das Beispiel Wirtschaftsingenieur in vielen Bereichen ganz passend, was wir hier machen, geht noch darüber hinaus, das ist Interdisziplinarität, ein stückweit tatsächlich auch Individualisierbarkeit von akademischen Ausbildungsprofilen auf einem ziemlich hohen Standard. Am Ende der Fahnenstange sind wir damit noch nicht. Wir sind Experimentiercampus, wir sind Pilotcampus, wir werden also auch hier vor Ort langfristig und dauerhaft neue Studienformate ausprobieren. Es ist keine Frage, in Fachsilos alleine kann niemand denken, weder Wissenschaftler noch Manager. Wo immer wir wissenschaftliche Fragestellungen auf reale Anwendungen herunterbrechen, habe ich automatisch die Interdisziplinarität. Und die wollen wir abbilden. 

Klaus Reichert: Sie haben gesagt, Sie wollen auch weiter experimentieren. Was sind denn so aktuell für Sie als Universität die wichtigsten Transformationsthemen, mit denen Sie sich beschäftigen oder beschäftigen müssen? 

Daniel Gottschald: Das ist natürlich die Fülle der Themen, die eine technische Universität an vielen Ecken und Enden bewegt. Wenn ich es hier für den Standort Heilbronn konkret mache, dann ist es mit Sicherheit die Frage, wie nutze ich optimal die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz? Wir haben auch wieder einen Anglizismus dort im Fokus „Human Centric Artificial Intelligence“, also ganz klar, wir nutzen diese Systeme nicht wegen der Algorithmen, um eine künstliche Welt zu erschaffen, wir nutzen diese Systeme, um das Alltagsleben von Menschen und Personen, Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen besser zu machen. Das dann tatsächlich heruntergebrochen auf konkrete Anwendungen, wie gestalte ich Systeme der Zukunft. Zum Beispiel ist die Frage, wie funktionieren alternative Mobilitätsmodelle, Konzepte in Deutschland? Elektromobilität, Wasserstoffversorgung, wie funktionieren die in einem neu aufzubauenden und zu steuernden System? Das ist eine Frage, die Sie an der Schnittstelle von Managementtechnologie und Informatik beantworten. Aber auch die Frage, wie stelle ich Nachhaltigkeit sicher und mache sie messbar? Wie gehe ich mit Klimaschutz um an der Verbindung mit konkreten Unternehmenskennzahlen? Wie kriege ich eine neue werthaltige Form von Finanzierungsthemen? Also wie kann ich den gedanklichen Wandel, den wir in der Gesellschaft haben, nachvollziehen im Management und in der Fähigkeit entsprechende Tools, Künstliche Intelligenz, Software nachzubauen? Dazu gehören natürlich eine Reihe von Hochtechnologie-Themen bis hin zu Einsatzmöglichkeiten von Quantencomputern, dazu gehören aber auch neue Formen in der Didaktik, in der Lehre. Wir sind stolz darauf, dass wir hier am Bildungscampus ein XR Lab haben, also ein Labor zur Nutzung virtueller Realität, und dass wir nun auch hier sehr spannende Versuche starten können hinsichtlich des Einsatzes virtueller Realität in der Lehre, in Lehrveranstaltungen. Diese Experimentierfreude, muss man auch sagen, die wollen wir hier in Heilbronn ausleben. 

Klaus Reichert: Also habe ich das richtig verstanden? Im Grunde haben Sie die gleichen Herausforderungen wie das Unternehmen landläufig da draußen und meistern das aber in jedem Falle durch Experimente, durch Labore, durch alle möglichen Wege natürlich auch, um damit dann natürlich auch Erkenntnisse gleich zu haben, die man wiederum konkret anwenden kann. 

Daniel Gottschald: Eine Herausforderung, die vielleicht für uns speziell dazukommt, wir arbeiten kontinuierlich daran, wie ich die Universität der Zukunft baue. Und mittlerweile wird dieser Begriff …. der Zukunft …

Klaus Reichert: Schwierig. Ja. 

Daniel Gottschald: … Uni der Zukunft, was weiß ich, ich versuche ihn zu vermeiden. Denn wenn ich immer diesen Zukunftsbegriff wähle, dann verschiebe ich Dinge solange in irgendeine abstrakte Zukunft, bis mich die Gegenwart überholt hat, und dann muss ich mir einen neuen Zukunftsbegriff definieren. Davon reden wir (unv. #00:18:19.0# nicht?), wir reden davon, welche Trends und Entwicklungen ich jetzt schon in der Gegenwart ausprobieren kann und das betrifft die Form, wie ich Universitäten denke und auslebe ganz zentral hinsichtlich der Organisationsform. Hier am Standort Heilbronn kommen verschiedene Fakultäten der TU München, Informatik und Management in der jetzigen Phase zusammen, um in einer Matrixfunktion etwa ein Hub, ein Center für Künstliche Intelligenz aufzubauen. Wir müssen unsere Organisationsformen neu denken. Wir müssen die Art, wie wir lehren, neu denken. Wie können wir unsere Studierenden in neue Karrierepfade bringen, die eine stärkere soziale Komponente haben? Und wie stellen wir umgekehrt sicher, dass die Unternehmen, bei denen solche Karrierepfade stattfinden, auch die entsprechende Erwartungshaltung haben. Dass man voneinander lernt. Also diese Art von Universitätsgestaltung, ein gutes Beispiel sein bis hin zu ganz praktischen Fragen, wie ich modernes Campusmanagement leiste, denen gehen wir hier vor Ort eben so nach. 

Klaus Reichert: Finde ich faszinierend, gerade dieses Experimentelle, das man auch von einer Hochschule im Grunde erwartet, dieses ausprobieren müssen, ausprobieren dürfen, experimentieren, teils Teil der wissenschaftlichen Arbeit, das ist ganz normal, aber eben als Teil dann der Organisation als solchen, das ist schon eine große Chance, finde ich. 

Daniel Gottschald: Absolut! Es ist natürlich auch eine Chance dieses Experimentieren in Partnerschaft mit lokalen Akteuren zu machen. Was wir dazusagen müssen, ist, dass wir dort, wo die TU München herkommt, die gegründet wurde in München vor 152 Jahren, wir eine traditionell gewachsene Struktur haben, ein Ökosystem, das mit der TU München zusammengewachsen ist. Sie ist damals gegründet worden noch zu königlichen Zeiten, um sicherzustellen, dass die Flamme der Wissenschaft den wirtschaftlichen Geist entfacht und stärkt. Wenn wir nun hierherkommen nach Heilbronn auf den Bildungs-(unv. #00:20:31.9#) experimentiert hier mit uns, probiert was aus, ob das ein neues Berufsprofil ist, eine Ausschreibung, ein Forschungsprojekt, eine Studienarbeit, profitiert von uns, nicht nur von uns alleine, sondern von uns durchaus im Verbind mit den Partnern und Bildungscampus, mit denen wir uns auch noch ein bisschen enger und besser vernetzen können. Also Aufgaben für die Zukunft kurz-, mittel- und langfristig haben wir hier tatsächlich genug. 

Klaus Reichert: Einem ungeduldigen Menschen geht’s nie schnell genug. Manchmal sind aber auch die wirklich feinen Fortschritte die wichtigen Fortschritte. Sie haben das jetzt gerade angesprochen, Sie sind als neuer Player mit aufgetaucht, die Dieter Schwarz Stiftung ist zentraler Partner. Das ist schon erst mal ein gutes Zeichen, finde ich. Sie kooperieren viel mit den Playern dann auch vor Ort. Gibt’s denn da eine Art Anlaufstelle, Kontaktstelle, die sowas dann vielleicht auch kanalisiert, wo sich ein Unternehmen direkt bei Ihnen melden kann? 

Daniel Gottschald: Wir sind dabei, diese Stellen aufzubauen und sie zu professionalisieren. Wir haben, das vielleicht als ganz spannende interne Information, in unseren Teams eine ganze Weile eine Diskussion gehabt: Wo verorten wir die Aufgabe Netzwerken? Da gibt’s manchmal die Vorstellung, ein bisschen altertümlich, ich brauche dann auch eine Netzwerk-Stelle, ich brauche eine Transferstelle und ich habe eine Person, die macht Netzwerken und koordiniert dann Partnerschaften. Das, was wir heute erleben, ist eine andere Aufstellung. Ich habe selbst in meiner Campusverwaltung kaum ein Stellenprofil, bei dem nicht Netzwerken dazugehören würde. Selbst für eine Praktikumsstelle erwarte ich ein gewisses Maß an Netzwerk-(unv. #00:22:24.8#). Das kann ich also nicht in eine Abteilung, in eine Verantwortung packen. Jeder netzwerkt in seinem Bereich. Was ich aber dann umkehrt brauche, ist auch inhouse die Intelligenz dieses Netzwerks, ich hab‘s eingangs gesagt, nutzbar zu machen. Das heißt, wir schaffen bei uns tatsächlich jetzt eine zentrale Intelligenzstelle, um sagen zu können, wer an der TUM Heilbronn redet mit wem über was, wo ergeben sich Synergien, wo kann ich Themen zusammenbauen. Das ist fast eine künstlerisch gestalterische Aufgabe. Wie nutze ich das System, das ich habe, wie stelle ich sicher, dass verschiedene Partner gemeinsam komplementär an einem Ziel arbeiten? Haben wir diese Strukturen schon perfekt vorhanden? Sicher nicht. Wir werden sie, denke ich, haben bis Anfang nächsten Jahres. Da arbeiten wir dran. Neben all den wissenschaftlichen Kapazitäten, die wir weiter aufbauen, möchten wir eine Professionalisierung dieser Transferstrukturen unbedingt anstreben. Ich muss aber auch eindeutig dazusagen, das können wir nicht allein und nicht inhouse. Solche Netzwerkstrukturen funktionieren immer im Verbund mit anderen Akteuren. Denn wir haben starke Netzwerke. Wir haben am Bildungscampus (unv. #00:23:41.9#) e.V., ein Verein, der diese Aufgabe hat, übergeordnet die Partner zusammenzubringen. Wir haben im wirtschaftlichen Bereich spannende Cluster-Initiativen der Wirtschaftsverbände. Wir haben das Bündnis für Transformation. Es ist nicht so, dass es der Stadt und der Region an Netzwerkinitiativen fehlen würde. Es fehlt ihr nicht an Know-how, an tollen Partnern. Es fehlt ihr generell an nicht so viel. Aber unsere Rolle kann vielleicht tatsächlich darin bestehen, die TU München mit all dem, was sie mitbringt, zu einer erweiterten Bühne für all diese Netzwerke zu machen. Ein Ort, an dem sich Netzwerke treffen und gemeinsam etwas Größeres vorhaben. Wir haben schon auch in aller Bescheidenheit eine internationale Strahlkraft, die uns hilft, das, was hier pilotartig schon entstanden ist und noch entstehen wird, in die Welt hinauszutragen. Und das tun wir in Gesprächen mit Universitäten wie der Oxford University. Die auch mit Spannung auf das schauen, was wir hier tun. Wir haben noch eine Reihe von Schätzen in Heilbronn, im Umfeld des Bildungscampus insbesondere, die wir viel mehr zum Strahlen bringen lassen. Ich bin heute Abend ein bisschen zu spät, weil ich gerade von der Experimenta und mir dort die Infrastruktur angeschaut habe, an einer der Shows teilgenommen habe. Ungeheuer faszinierend! Selbst an dieser Schnittstelle, Experimenta, TU München in Heilbronn haben wir ganz, ganz viel Kooperationspotenzial auch an der Schnittstelle Schüler und Studierende in Kooperation mit den Unternehmen. Das gemeinsam nutzbar zu machen bei allen individuellen Strategien und teilweise auch institutionellen Hürden, die wir nicht immer komplett überwinden können, das ist bei einer großen öffentlichen bayerischen Universität in Heilbronn manchmal besonders kompliziert und schwierig, werden wir diese Kooperationspotenziale nutzen, so gut wir nur können. Das ist vielleicht der wichtigste Teil meines eigenen Stellenprofils und meiner Mission in Heilbronn. 

Klaus Reichert: Sie haben die Experimenta angesprochen, ein wirklich spannendes Beispiel. Das kennt man auch aus anderen Orten und in Vor-Corona-Zeiten hat man auch erlebt, wie wirkungsvoll das Ganze wirklich ist, wenn nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen anfangen zu spielen und Physik und Elektrik und ich weiß nicht was noch so alles ganz, ganz konkret und hautnah zu erleben und dabei dann sofort natürlich die Begeisterung für diese Themen dann auch aufzubauen. Das Deutsche Museum in München ist da ein Vorreiter natürlich. Deswegen freut mich das, dass Sie da auch diese Verbindung dann herstellen können. Wie würde beziehungsweise andersrum, wenn jetzt ein Unternehmen gezielt Kontakt mit der TUM aufnehmen wollte, für welche Themen wäre das denn dann idealerweise? 

Daniel Gottschald: Das ist immer die Waage von Push und Pull, womit fange ich an. Die TUM in Heilbronn ist auch ein Tor zum gesamten Universum der TU München. Das heißt, wir haben eine ziemlich breite Themenpalette, all das, was eine technische Universität bewegt. Wobei die Schwerpunktthemen hier vor Ort auf dem Campus, ich habe sie genannt, digitaler Wandel, digitale Transformation, Unternehmenswandel, insbesondere das Thema Familienunternehmen mit einer Reihe von spannenden Schwerpunktfragen, Betriebsübergang, welche Optionen gibt es, aber auch Verhandlungsstrategien, die ich anwenden kann, Marketingfragen, Künstliche Intelligenz, der Aufbau neuer digitaler Systeme, das klingt alles nach den großen Themen. Und ich möchte auch ein wenig Berührungsängste nehmen, dass jetzt eine große öffentliche Universität im Umgang solcher Kooperationen besonders kompliziert ist. Jede große öffentliche Einrichtung hat auch eine komplizierte Bürokratie. Aber die TU München ist im Besonderen erfahren darin solche Kooperationen einzugehen. Hier vor Ort würden wir uns wünschen, dass wir noch intensiver in eine ganz unkomplizierte und niederschwellige Art der Zusammenarbeit eintreten können. Das können Projektstudien sein, das kann die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen sein, die wir jedes Jahr im Bereich des Wissenstransfers am Bildungscampus machen, TUM Talk, TUM Connect, eine Reihe von Formaten. Das kann natürlich das gemeinsame Forschungsthema sein, das können aber auch ganz andere Aktivitäten sein, bei denen wir vielleicht gemeinsam mal in die Gesellschaft hineinwirken. Ein Thema, ich habe es erwähnt, das uns besonders bewegt, ist auch die Frage der Berufsbilder der Zukunft, wie stelle ich sicher, dass ich hier optimal die Bedürfnisse zukünftiger Arbeitnehmer und Arbeitgeber befriedigen kann. Dazu denken wir gerade darüber nach, so etwas wie Job Labs aufzubauen. Labore, in denen ich Berufsfelder messen und entwickeln kann. Es gibt immer solche Statistiken, so und so viel Prozent der heutigen Schüler werden später mal in einem Berufsbild arbeiten, das es heute noch gar nicht gibt oder das noch nicht definiert ist. Und je nach Statistik sind das mal (unv. #00:29:00.9#) oder mal 80 Prozent. So oder so haben wir dort einen gravierenden Wandel. Ist das nicht eine Notwendigkeit daran zu forschen und ganz praktisch über Jobsituationen daran zu arbeiten, wie solche zukünftigen Berufsfelder aussehen und wie ich die mitgestalten kann? Diese Aufgabe ist für uns besonders wichtig, denn wir sind als TUM in Heilbronn vermutlich einer der internationalsten Universitätsstandorte in Deutschland. 80 % unserer Studierenden kommen aus dem Ausland. Viele davon, die meisten aus dem nichteuropäischen Ausland. Das liegt an den Studiengängen, die wir anbieten, sie sind auch alle in englischer Sprache. Das liegt aber, glaube ich, auch an dieser Anziehungskraft „Made in Germany“, deutscher Mittelstand, traditionelle Unternehmenswerte, für die wir hier stehen. Und vieles, was an Jobangeboten, die es hier gibt, dem deutschen oder westeuropäischen Arbeitnehmer, Arbeitnehmerin vielleicht ein bisschen langweilig oder altbacken oder nicht hip und smart genug erscheint, kann ja durchaus hochattraktiv sein für Personen, die aus einem Land und einem Kulturkreis kommen, in dem ich nicht diese traditionellen sozialversicherungspflichtigen Jobs in Hülle und Fülle habe. Diese beiden Seiten zusammenzubringen und sicherstellen, dass viele dieser internationalen Studierenden hier in Heilbronn dann auch hinterher Arbeit finden in der Region, Unternehmen zusammenarbeiten, das ist für uns eine sehr, sehr wichtige Aufgabe im Transfer. Dazu arbeiten wir nicht nur mit den Unternehmen zusammen, sondern mit der Agentur für Arbeit Heilbronn, mit der Wirtschaftsförderung, mit anderen Akteuren, stehen aber auch hier noch am Anfang. Und freuen uns, hoffentlich in den nächsten Jahren ganz spannende Statistiken präsentieren zu können, wie viele Studierende aus Indien, aus Pakistan, aus Lateinamerika und sonst wo den Weg nach Heilbronn gefunden haben und hier zur Weiterentwicklung (unv. #00:31:00.1#) beitragen. 

Klaus Reichert: Das hört sich sehr vielfältig an. Mir war das mit den 80 % nicht bewusst. Aber wenn wir jetzt gerade auf das Thema Gesellschaft, Verbindung zur Gesellschaft angesprochen haben, dann kam mir eine passende Frage von der Barbara Schmucker. Sie fragt: Im Wissenschaftsjahr 2022 soll sich viel um Bürgerbeteiligung drehen. Haben Sie für Bürger auch Angebote neben den vielen Angeboten für Studierende und Unternehmen?

Daniel Gottschald: Ja, und auch da will ich gerne selbstkritisch einschränken: noch nicht genug. Wir haben hier die (unv. #00:31:33.8#)-Uni als ein Format, in dem wir tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnisse nach außen tragen wollen. Aber das ist ein in größeren Abständen stattfindendes Vortrags- und Frageformat, das ist nicht ausreichend, um in die breite Gesellschaft zu kommunizieren. Wir haben deshalb heute etwa mit der Experimenta begonnen zu sprechen, was können wir gemeinsam tun, um alle Altersgruppen auch zusammen abzuholen? Wir wollen Wissenschaft, Forschung, auch Spitzenforschung erlebbar und begreifbar machen, weil sich nichts davon in irgendeinem hochwissenschaftlichen Paralleluniversum abspielt. Gerade heute ist der Weg von der Grundlagenforschung zur praktischen Anwendung teilweise extrem kurz. Also müssen wir neue Formate finden. Das werden wir tun, indem wir neue Ausstellungsaktivitätsprogramme am Campus tatsächlich entwickeln. Und da sind wir gerade dabei. Das wollen wir tun, indem wir die Verbindung zwischen Bildungscampus und Stadt Heilbronn stärken. Ich will nicht, dass das wie zwei verschiedene (unv. #00:32:35.0#), das muss ineinandergreifen. Das werden wir tun durch Roadshows, durch andere Formen der Kommunikation. Wir möchten es insbesondere tun, indem wir Geschichten erzählen. An Geschichten mangelt es uns nicht bei der Fülle von Studierenden. Wir haben jetzt damit angefangen, jede Woche einen (unv. #00:32:53.7#)-Abend für Studierende zu machen. Erstmal unabhängig von den akademischen Themen in den Studiengängen, die diese Studierenden wahrnehmen. Die sollen uns ihre Geschichten erzählen, was haben sie schon erlebt in Indien, in Mexiko, wo auch immer. Dazu gehören dann auch Geschichten vom Scheitern. Wir sind oftmals mit unserem strahlenden Exzellenzanspruch vielleicht auch ein bisschen erdrückend. Ich möchte nicht, dass alle unsere Studierenden denken, mein Maßstab ist, der nächste Elon Musk zu werden, das nächste Milliarden-Start-up zu gründen, der Exzellenz-Performer sein. Vielleicht setze ich andere Schwerpunkte, vielleicht sind mir soziale Themen oder die Familie wichtiger. Die Universität muss auch dafür einen Raum bieten. Deshalb denken wir gerade darüber nach, wie wir unsere Studierenden auch in der Stadt und der Region besser für soziale Projekte, Nachbarschaftsprojekte engagieren und einspannen können. Da haben wir nämlich eine sehr, sehr hohe Motivation. Also nicht nur Wissenschaft nach außen kommunizieren, sondern auch unsere Studierenden, weil sie aus aller Welt kommen, in die Wirklichkeit der Region und der Stadt bringen. Da sind wir dran, noch einmal zu sagen, wir haben doch schon alles und können uns zufrieden zurücklehnen, das werde ich wahrscheinlich nie tun können, aber es ist ganz oben auf unserer Agenda. 

Klaus Reichert: Für den Podcast ist es wichtig, vom Zuhören ins Machen zu kommen. Was mich hier interessieren würde, ist: Wie nimmt ein Unternehmen am besten Kontakt zu Ihnen auf mit seinen Fragen, mit seinen Themen? Was wäre das im Idealfall aus Ihrer Sicht auch für eine Frage? Was wäre das vielleicht eine Branche oder eine Unternehmensgröße? Gibt’s vielleicht da irgendetwas, wo Sie Vorlieben haben, wo Sie sich am wohlsten fühlen? Und die zweite Frage wäre: Was wären denn so die wichtigen ein, zwei, drei Schritte, um in diesen Kooperationsmodus, in diesen Miteinander-Modus zu kommen mit der TUM in Heilbronn? 

Daniel Gottschald: Zum ersten Teil der Frage: Wir haben keine Vorlieben. Weil wir einfach für so eine diverse Gruppe von Forschern, von Wissenschaftlern, von möglichen Aktivitäten stehen, dass ich sagen würde, es ist schwierig das Unternehmen zu finden, das von seinem Profil her nicht geeignet ist für eine Kooperation mit der TU München. Was ich ausdrücklich betonen will, ist, man sollte nicht den Eindruck haben, ich bin zu klein, um mit einer großen Universität zusammenzuarbeiten. Es ist häufig sogar ganz leicht für uns und ganz angenehm, wenn wir jetzt ein 10-Personen-Ingenieurbüro oder ein kleineres Familienunternehmen haben, bei dem ich nicht ein dreiviertel Jahr lang mit verschiedenen Rechtsabteilungen aushandeln muss, wie ich die Geheimhaltungsvereinbarung gestalte, bevor ich überhaupt über konkrete Themen reden kann. Wir wünschen uns Praktiker und Pragmatiker. Wir müssen mit den kleineren Unternehmen nicht gleich das große Forschungsprojekt starten. Aber ich glaube durchaus auch, dass unsere Studierenden davon profitieren, wenn sie sehen, die zukünftigen Arbeitgeber in der Region, das sind nicht nur die Groß-(unv. #00:36:01.0#), das ist eine Vielzahl von kleinen, mittleren Unternehmen. Also nochmal: Sowohl im Bereich, man nennt das auf Neudeutsch Employers Branding, ich präsentiere mich auf dem Campus als attraktiver Arbeitgeber. Ich kann mich als Unternehmen einbringen, unsere Alumni-Netzwerke, als Partner, als Mentor. Ich habe ein ganz konkretes Thema, wünschen wir uns, dass sich Unternehmen aller Art an uns wenden, auch durchaus aus allen Branchen, denn die Themen, die uns hier bewegen, digitale Transformation, neue Trends, insbesondere Familienunternehmen, die sind branchenunabhängig, die gelten überall, die gelten für den Weinanbau wie für die Automobilindustrie. Und überall dort können wir tatsächlich zusammenarbeiten. Etwas, was ich als Anspruch hierher mitgenommen habe, ist, dass wir uns dort auch als guter Nachbar unserer Partner im Bildungscampus verstehen. Es gibt bestimmt Projektthemen, die mal an uns herangetragen werden, bei denen wir sagen, da ist ein anderer Akteur am Bildungscampus noch geeigneter als (unv. #00:37:00.7#) aufgrund seiner Struktur, seiner Strategie oder was auch immer. Und wir freuen uns natürlich immer, wenn das auch umgekehrt ist. Das heißt auch, andere wissens- und forschungsbasierte Akteure in der Region können uns gerne mit an (unv. #00:37:17.7#). Die tun bei uns nicht immer die erste Geige spielen, sie muss aber auch nicht immer ganz oben auf der Liste stehen, sie weiß gleichzeitig, was sie kann und wie gut sie ist. Ich glaube, da finden wir schon Kooperationsmöglichkeiten und Projektthemen wirklich nahezu an jeder Ecke. 

Klaus Reichert: Wir werden eine Episoden-Webseite haben, da werden die ganzen Links mit dabei sein und auch natürlich der Link zur Webseite mit den Kontaktdaten, so dass man sich an Sie wenden kann für Anfragen. 

Daniel Gottschald: Was ich vielleicht noch mal besonders betonen möchte, ist, dass diese Vernetzung bei uns sowohl auf dem Campus als auch außerhalb des Campus stattfindet und dass wir dort immer korrespondierende Tätigkeiten haben. Wir kriegen es auf dem Campus hin, Studierende verschiedener Fakultäten und verschiedener Bereiche ebenso wie die Wissenschaftler miteinander ins Gespräch zu bringen. Manchmal auch zu ganz simplen Themen, indem man einen Kochkurs organisiert oder einfach einen Referenten aus einer ganz anderen (unv. #00:38:17.7#), einen Fußballvertreter oder jemand anderen einlädt. Wir müssen dieselbe Form von Vernetzung über Branchengrenzen hinweg auch außerhalb des Campus. Wir werden, ich hatte vorhin unser AI Hub, unser zukünftiges Zentrum für Künstliche Intelligenz erwähnt, dort ein hochkarätiges Netzwerk internationaler Partneruniversitäten haben. Und meine Vision für den TUM Standort am Bildungscampus Heilbronn ist der einer realen physischen wie auch virtuellen Agora. Ein Campus, auf den ich gehe und ich fühle mich gleichzeitig in Heilbronn, aber auch auf dem Campus in Oxford oder in München oder sonst wo, ich schaffe das durch digitale Unterstützung. Wir möchten dieselbe Form von lokaler und internationaler Vernetzung auch in Heilbronn und der Region befördern und unterstützen. Wir bauen dazu an allen Ecken und Enden und müssen noch deutlich mehr erzählen, wie das passiert. Aber diesen Anspruch haben wir und wir werden niemanden wegschicken, der kommt und sagt, ich möchte Teil dieses Netzwerks sein und dazu beitragen. 

Klaus Reichert: Da wird dann sehr viel natürlich auch als Zusammenhalt eben gemeinsame Geschichten sein, die Sie versuchen zu erzählen, wenn ich das richtig verstanden habe, um damit natürlich eine Vision noch deutlicher zu machen. 

Daniel Gottschald: Geschichten zu erzählen, idealerweise auch Geschichten zu schreiben, sozusagen Geschichte zu schreiben in Heilbronn nach innen und nach außen. Wir sind wirklich in einer außergewöhnlichen Lage hier in Heilbronn. Wir haben hochkompetente Wissensträger, wir haben eine Unterstützung durch die Dieter Schwarz Stiftung, die uns ganz, ganz viel ermöglicht. Wir haben einen Standort mit einer hohen Tradition, mit tollen Unternehmen, der wirklich sinnbildlich für vieles steht, was Deutschland stark macht. Dort, wo all diese Dinge zusammenkommen, müssen wir doch bei hochrelevanten Fragen sagen: Wer soll das tun, wenn nicht wir? Haben wir nicht eine außergewöhnliche Chance? Ich möchte an der Stelle noch erwähnen, das ist vielleicht bekannt, dass Heilbronn einen Innovationspark bekommen wird für Künstliche Intelligenz. Ist sicher ein ganz zentrales Werkzeug in einem Ökosystem für Künstliche Intelligenz, der auch die internationale Sichtbarkeit nochmal deutlich unterstützen wird und allen Akteuren, uns, der TU München auch, noch mal neue Arenen, Tätigkeitsfelder an die Hand gibt. Also ich freue mich ungeheuer auf die Entwicklung, die dort stattfindet. Ich glaube, wir haben an dieser Stelle kaum die Möglichkeit zu groß zu denken. Wir müssen nur den Visionen auch konkrete Taten folgen lassen. Und es, ich hatte es gesagt, dauert manchmal bei einer öffentlichen Uni leider ein bisschen länger als bei anderen (unv. #00:41:10.9#)

Klaus Reichert: Wir haben noch eine Frage von der Daniela Bamberg: Wie kommuniziert die TUM das innovative Angebot in Heilbronn? Wie gelingt es uns, Talente für Heilbronn zu begeistern? Gibt es dafür eine Initiative der TUM oder eine andere, die Sie kennen und begleiten? 

Daniel Gottschald: Mein spontaner Kommentar dazu wäre: Es ist aus meiner Sicht eher das Problem, dass wir viele parallele Initiativen haben, viele parallele Kommunikationskanäle, die in manchem vielleicht noch ein bisschen zu kleinteilig sind. Das betrifft uns selber als Universität, wir kommunizieren auf der Ebene von Lehrstühlen und Centern, wir kommunizieren auf der Ebene von Fakultäten, wir sind jetzt gerade dabei, für den Standort Heilbronn ein eigenes Kommunikationspaket aufzubauen, das ist eine neue Website, eine stärkere Nutzung unserer Social Media Kanäle, mit (unv. #00:42:07.9#) zu arbeiten. Und heute Abend bin ich dank Ihrer Einladung da auch ein gutes Beispiel für neue Kommunikations-(unv. #00:42:16.3#). Wir möchten Heilbronner Storys erzählen, das ist wahr, aber wir wollen sie auch nicht nur aus der TUM Perspektive erzählen. Wir haben ungeheuer viele Dinge, die am Bildungscampus an anderer Stelle passieren, und wir haben dort auch eine ganze Reihe von spannenden (unv. #00:42:31.7#). Wir möchten uns gerne intensiver im Wissensstadt e.V. einbringen, in den Verein, der für das Bündeln dieser Storys zuständig ist. Wir möchten aber auch aus diesen Geschichten was machen, Leute binden an den Standort Heilbronn. Und ich komme noch mal zurück auf die Internationalität unserer Studierenden. Wir können nicht erwarten, dass die Mehrzahl der internationalen Studierenden alle in Heilbronn bleiben und hier arbeiten. Die meisten werden schon wieder zurückgehen nach Indien, in die USA, irgendwo anders hin. Aber auch, wenn sie das tun, möchte ich ihnen Plattformen bieten, dass sie dem Unistandort und dem Standort Heilbronn verbunden bleiben. Und vielleicht geht ein Rumäne zurück nach Rumänien und wir haben ein Heilbronner Unternehmen, das dort eine Filiale hat. Und dann kann er dort auch ein Stück weit als Heilbronner Botschafter tätig sein. Oder wir haben eine Studentin, die zurückgeht nach Florida und von Florida aus ihr Start-up gründet, das ganz spannend mit Heilbronner Firmen zusammenarbeiten kann. Diese Netzwerke zu begleiten, zu kommentieren, wo immer das geht, manchmal gibt’s dazu auch rechtliche Hürden, dass wir nicht alles kommunizieren können, das müssen wir bestärken. Und auch hier, wir können es nicht alleine, wir können es nur im Verbund der Partner, je mehr kritische Masse ich erzeuge an Geschichten, an Projekten, an Themen, umso mehr bringe ich die ganze Region voran. 

Klaus Reichert: Und Angebote tatsächlich nutzen, die schon da sind, und besser miteinander zu verketten und zu verbinden. Ich fand das heute sehr spannend. Es gibt einen ganz anderen Blick auch auf das Thema Innovation, auf das Thema Arbeiten mit der Wissenschaft, mit der Hochschule zusammenkommen und etwas Neues zu bewegen. Und es zeigt dann doch sehr schnell, dass auch sehr viele Player am besten gut zusammenarbeiten, wenn es auf ein gutes Ergebnis ankommt, dass die Vision dabei auch stimmen muss, aber auch natürlich das Menschliche, das Miteinander. Vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben! 

Daniel Gottschald: Ich danke Ihnen und freue mich auf weitere Gespräche. 

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