Eckhard Breuer über Zeppeline

In der 37. Episode des Smart Innovation Podcast ist Eckhard Breuer mein Gesprächspartner. Wir unterhalten uns über Zeppeline. Inkl. Video Hangar Tour.

Eckhard Breuer

Ein lockeres Gespräch über Zeppeline, über Zeppelinflüge und über das Arbeiten mit einem so außergewöhnlichen und einzigartigen ikonischen Produkt. Und vor welchen Herausforderungen die Luftschiffe heute stehen. Ergänzt wird die Audio Episode durch einen Video Rundgang durch den Hangar vom Goodyear Wingfoot 3 Luftschiff in Akron, Ohio, in den USA. 

Der Bau von Luftschiffen ist mit vielen Anfängen verbunden. Graf Zeppelin war ein aus heutiger Sicht visionärer Gründer, der entgegen großer Widerstände in der “Gründerzeit” Anfang des 20. Jahrhunderts “sein Ding” durchgezogen und bei der Gründung auch viel Glück hatte. Die Entstehung der Zeppeline war auch durch eines der ersten Crowdfundings möglich. 1997 flog dann der neue Zeppelin NT zum ersten Mal. Heute ist der Zeppelinflug sowohl ein besonderes Erlebnis für die Passagiere als auch eine Möglichkeit für wissenschaftliche Messungen der Umwelt.

Eckhard Breuer ist Geschäftsführer der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen am Bodensee.

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Video Tour durch den Luftschiff Hangar

Eckhard Breuer führt uns durch den Luftschiff Hangar von Goodyear in Akron, Ohio und zeigt den Wingfoot 3, einem Zeppelin NT.

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Wir gehen ab ca. Min. 23 im Podcast auf Tipps für Startups ein, die ebenfalls “Wahnsinnsprojekte” vorhaben.

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Transkript

Das Transkript wurde manuell erstellt.

Klaus Reichert: Mein Gesprächspartner ist Eckhard Breuer, es ist Geschäftsführer der Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen am Bodensee. Das ist das Unternehmen, das die Zeppeline neuer Technologie entworfen hat und baut. Zusammen mit dem Schwesterunternehmen wird so ein sehr reger Flugbetrieb ermöglicht. Das Unternehmen ist im Kleinen sozusagen Lufthansa und Airbus in einem. Willkommen, Eckhard, schön, dass du dir die Zeit für unser Gespräch heute genommen hast.

Eckhard Breuer: Klaus, hallo, guten Tag und vielen Dank, dass ich die Gelegenheit habe, heute hier mit dir dieses Gespräch zu führen.

Klaus Reichert: Ich freue mich schon sehr, ich bin ein riesen Fan und ich freue mich auch über die vielen Neuigkeiten, die ihr habt. Laut Berichten vom 01. April diesen Jahres plant ihr sogar jetzt eine Verbindung mit Stopp in den Schweizer Alpen auf dem Säntis, habe ich gelesen.

Eckhard Breuer: Ja, das war etwas, was wir uns am 01. April überlegt haben und jetzt müssen wir mal schauen, wie wir das umsetzen können ab Juni. Nein, also ich glaube, das war erkennbar ein Aprilscherz, aber die Schweiz gehört selbstverständlich auch zu den regelmäßigen Flugrouten, die wir von Friedrichshafen im Rundflugbetrieb ansteuern.

Klaus Reichert: Ihr habt ja wirklich einen sehr, sehr regen Flugbetrieb mit euren Luftschiffen und da müssen wir auch noch drauf zurückkommen, wo ihr denn überhaupt fliegt, wo ihr unterwegs seid. Das ist ja ziemlich vielfältig, auch über das Jahr hinweg immer wieder mal anders. Ihr steht jetzt grade so vor dem Saisonstart, es geht bald los. Wie ist denn grade die Situation, seid ihr schon geflogen dieses Jahr?

Eckhard Breuer: Also tatsächlich war eines unserer beiden Luftschiffe, das im Design unsere Werbepartners Goodyear heute am Himmel über dem Bodensee zu sehen. Das war der letzte technische Abnahmeflug. Wir nennen das auch Werkstattflug, bevor es jetzt mit Passagieren weitergehen soll. Eigentlich wollten wir seid letzem Freitag, seit dem 01. April bereits mit Passagieren unterwegs sein, aber wegen des Wintereinbruchs, den wir jetzt hatten mit Neuschnee, mit starkem Wind und auch jetzt in den nächsten Tagen erwarten wir nochmal heftigen Wind am Bodensee, werden wir wohl noch ein bisschen warten müssen. Wir hoffen wir dann, dass es am Wochenende jetzt losgehen kann mit Passagieren. Die Vorausbuchungszahlen sind sehr gut, tatsächlich besser als vor der Corona-Pandemie, also besser als in 2019, 2018 und das freut uns sehr. Und wir hoffen, am Wochenende geht es jetzt endlich mit Passagieren los und dann auch mit voller Kraft in die Osterferien rein.

Klaus Reichert: Alle die, die das am Bodensee schon erlebt haben, nicht nur am Bodensee, muss ich dazu sagen, aber da kommen wir sicher auch noch drauf, aber alle, die das so erleben, wie der Zeppelin, oder manchmal sogar kann man zwei Zeppeline gleichzeitig am Himmel beobachten, über den See fliegt, die Alpen im Hintergrund. Schon von unten ist das immer wieder ein besonderes Schaustück, finde ich. Von oben natürlich, wenn man selbst drin ist, ist es nochmal wieder ganz, ganz was anderes. Da erzählst du uns vielleicht auch noch ein bisschen, wie sich das anfühlt. Ich fand es zumindest für mich ein sehr, sehr intensives Erlebnis, ein sehr spannendes Erlebnis auch, damit zu fliegen.

Eckhard Breuer: Das Besonderes ist die Kombination aus unserer niedrigen Flughöhe, wir fliegen üblicherweise in 300 Metern über Grund. Dabei fliegen wir sehr langsam, 60 Kilometer pro Stunde ist so eine typische Reisegeschwindigkeit, wir können auch schneller. 115, ist der Rekord, der offizielle Geschwindigkeitsrekord für Luftschiffe, die auch von einem Zeppelin gehalten wird, erflogen von Steve Fawcett, aber das ist eine ganz andere Geschichte jetzt. Also wir fliegen typischerweise in 300 Meter Höhe über Grund, mit 60 Kilometern pro Stunde. Und wir haben rundum große Panoramafenster und die Passagiergondel hängt frei unterm dem Luftschiffauftriebskörper. Das heißt, wenn man raus schaut, da ist keine Tragfläche, die irgendwie den Blick versperrt, sondern man hat wirklich rundum einen fantastischen Blick nach draußen. Und aus dieser niedrigen Flughöhe, man hat viel Zeit zum gucken, weil man so langsam fliegt. Und die Passagiere können sich während des Fluges auch frei bewegen in der Kabine, die Kabine ist so hoch, das man bequem drin stehen kann. Zwei Fenster in der Kabine lassen sich öffnen. Das finden die Fotografen ganz toll, wenn sie das Objektiv raushalten können. Und es ist wirklich für jede Art von Beachtung aus der Luft eine ganz, ganz hervorragende Plattform.

Klaus Reichert: Ich kann mich auch erinnern, der Platz hinten oder die Scheibe hinten ist ja auch noch schräg, sodass man direkt nach unten gucken kann. Das erlebt man sonst ja so gut wie gar nicht.

Eckhard Breuer: Ja, kann man von allen Plätzen, weil, wir sind eben keine Röhre, wir haben keine Druckkabine. Deshalb mussten wir den Querschnitt nicht als Röhre auslegen, sondern es ist ein nach oben sich öffnendes Trapez. Jeder Passagier an Bord hat einen Fensterplatz und man kann wunderbar senkrecht nach unten schauen. Ist wirklich die beste Aussichtsplattform am Himmel.

Klaus Reichert: Wir haben ja eine kleine Überraschung heute, wir machen nämlich ein kleines Experiment mit dem Podcast. Natürlich ist der Podcast Audio, aber, du wirst uns nachher noch etwas zeigen, etwas uns mitnehmen sozusagen. Und so als kleinen Teaser, verrat uns doch vielleicht einfach, wo du im Moment bist. Du hast im Hintergrund eine weiße Wand, du hast Bilder, wo bist du denn gerade?

Eckhard Breuer: Also ich bin tatsächlich in den USA heute in der Stadt Akron in Ohio. Und Akron-Ohio ist der Firmensitz unseres langjährigen Partners Goodyear, das ist der Reifenhersteller aus den USA. Und Goodyear betreibt drei Luftschiffe dieses Typs Zeppelin NT in den USA. Und eines dieser Luftschiffe ist auch heute hier an der Heimatbasis im Hangar, 20 Meter von meinem Schreibtisch hier entfernt. Und wir können dann im Anschluss an das Gespräch jetzt gerne einmal rübergehen in den Hangar und meine Gastgeber haben mir gestattet, auch dort Videoaufnahmen zu machen. Und dann können wir mal einen kleinen Videorundgang durch den Luftschiffhangar hier in Akron machen und auch mal in das Luftschiff, in eines der drei Goodyear-Luftschiffe uns hineinsetzen mit der Kamera.

Klaus Reichert: Wahnsinn, freue ich mich schon sehr drauf. Wir werden das Video dann auch veröffentlichen, sodass man das miterleben kann. Das wird parallel zum Podcast geschehen und der Link dazu wird in den Shownotes dann sein. Jetzt hast du im Hintergrund hier verschiedene Bilder, das eine ist, glaube ich, ein großes Luftschiff. Was zeigt es denn genau?

Eckhard Breuer: Goodyear und Zeppelin haben schon seit, ja, im übernächsten Jahr, 2024 jährt sich die Gründung einer Gemeinschaftsfirma, der Goodyear Zeppelin Coporation zum 100 Mal. Und diese Firma, damals initiiert auf Zeppelin-Seite vom großen Hugo Eckener, dem großen Luftschiffpionier, der Zeppelin nach dem ersten Weltkrieg dann geführt hat. Dieses Gemeinschaftsunternehmen hat unter anderen zwei Großluftschiffe hier in den USA gebaut, in Akron, und die beiden Schiffe hießen USS Arcrin und USS Macan. Die waren beide über 230 Meter lang, also fast Hindenburg-Größe, die Hindenburg war 245 Meter. Und das hinter mir ist eine Zeichnung der USS Akron, die von der US Navi dann eingesetzt wurde zur Küstenpatrouille. Sie hatte auch Flugzeuge mit an Bord, also es war ein fliegender Flugzeugträger, da hat man damals sehr interessante Experimente gemacht. Das heißt, in dem großen Luftschiffkörper konnte man kleinere Patrouillenflugzeuge aufnehmen, die dann abgesetzt wurden im Flug und auch wieder aufgenommen, mit einem Haken wieder eingefangen werden konnten. Ein ganz, ganz tolles Projekt, auch ganz tolle Technologie, die man hier in Ohio entdecken kann.

Klaus Reichert: Ihr, Zeppelin, Goodyear, ihr kennt auch schon lange, ihr habt jetzt grad die letzten Jahre auch wieder sehr, sehr intensiv zusammengearbeitet. Und jetzt gibt es eben nicht nur in Deutschland die Zeppeline, sondern auch in den USA.

Eckhard Breuer: Richtig. Die Flotte an Zeppelin NT-Luftschiffen Zurzeit umfasst fünf Schiffe. Drei davon fliegen hier bei Goodyear in den USA an drei Standorten, in Akron Ohio am Hauptquartier von Goodyear, dann, eines steht in Florida, eins steht in Kalifornien. Und diese Schiffe gehören Goodyear und werden von Goodyear betrieben. Zwei weitere Schiffe stehen bei uns in Friedrichshafen bei unserer Flugbetriebstochter, der deutschen Zeppelin Reederei. Zeppelin Luftschifftechnik und die Reederei, deutsche Zeppelin Reederei, wir sitzen in einem Firmengebäude, sind aber, rechtlich betrachtet, zwei Unternehmen. Und wir betreiben diese beiden eigenen Zeppelin-NT-Luftschiffe im eigenen Flugbetrieb im Passagier betrieb.

Klaus Reichert: Sehr gut organisiert. Ich kann mich auch noch erinnern, wie verblüfft ich war, wie ich zum ersten Mal den Zeppelin in San Franzisco gesehen habe. Ja, ich war es so gewohnt, dass am Bodensee zu erleben und dann plötzlich über der Stadt zu sehen, das war schon sehr, sehr beeindruckend, was ganz Besonderes auch.

Eckhard Breuer: Ja, es ist wirklich ein beeindruckender Anblick. Und wir sind ja nun in Friedrichshafen in Deutschland beheimatet, aber verstärkt in den letzten Jahren machen wir jetzt auch Touren in andere Städte Deutschlands, wo wir auch Passagiere und Flüge anbieten. Und ich finde es auch immer wieder ganz besonders, wenn man über einer deutschen Großstadt unterwegs ist, wie München beispielsweise, Frankfurt oder Köln und man fliegt über einer solch großen Stadt, die man aus der Fußgängerperspektive ziemlich gut kennt und dann sieht man es plötzlich von oben. Und wir sehen das dann auch immer an den Zugriffszahlen auf unserer Website, wenn wir über einer solchen Metropole unterwegs sind, wie viele 1.000 Menschen uns dann auch sehen, uns wahrnehmen und dann im Netz sich auch informieren, was ist denn das da eigentlich.

Klaus Reichert: Man kann ja diese Flüge bei euch buchen, ihr habt einen Buchungswebsite. Das ist ähnlich, wie wenn ich zur Lufthansa oder zur Bahn gehe, kann ich einen Platz buchen.

Eckhard Breuer: Genau.

Klaus Reichert: Dann bin ich sozusagen in einem Rundflug unterwegs, ich kann die Welt von oben erleben, lautlos, fast lautlos, wie du es schon angesprochen hast. Und das ist sicher auch das, was sehr viel von eurem Betrieb ausmacht, aber ihr macht ja auch noch andere Dinge mit dem Zeppelin. Was gibt es denn da so für Beispiele?

Eckhard Breuer: Wir haben drei Säulen oder drei Wege, auf denen wir unser Luftschiff betreiben, das eine sind die Passagierrundflüge. Das ist für uns wirklich das Hauptgeschäft, das Brot- und Buttergeschäft. In diesem Jahr wollen wir die Marke von 24.000 Passagieren wieder schaffen, die wir vor Corona auch geschafft haben im Jahr. Das zweite ist, so ein Luftschiff ist die größte fliegende Werbefläche der Welt. Wir haben 2.000 Quadratmeter Werbefläche auf der Luftschiffhülle und beide unserer Friedrichshafener Schiffe sind jetzt mit dem Logo eines Werbepartners verbunden. Das eine ist mit Goodyear, auch mit dem Goodyear-Brandig, wie wir dazu sagen, versehen. Und das andere Schiff fliegt den großen Friedrichshafener Automobilzulieferer ZF. Und für diese Werbepartner unternehmen wir dann auch Touren, Einsätze zu bestimmten Events. Das können zum Beispiel Messeauftritte sein wie die IAA letztes Jahr im September für ZF. Das können Rennsportereignisse, bei denen Goodyear als Reifensponsor auftritt, wie zum Beispiel das 24-Stunden-Rennen in Lemans oder das sechs Stunden Langstreckenrennen in Monza oder in Spa-Francorchamps. Also wirklich interessante Orte, an die man dann auch kommt mit dem Luftschiff. Und Goodyear setzt diese Schiffe in Europa und in Amerika auch als Kameraplattform fürs Fernsehen ein. Das heißt also, das Luftschiff kann dann ausgestattet werden mit einer hochauflösenden Fernsehkamera, mit einer entsprechend langen Objektivbrennweite und liefert dann live aus der Luft Fernsehbilder, die im Fernsehen dann eingespeist werden, mit freundlicher Unterstützung von Goodyear, das ist das Modell dahinter. Und so kommen also die Luftbilder vom 24-Stunden-Rennen in Lemans der letzten beiden Jahre und jetzt auch in diesem Jahr ist das wieder geplant, aus dem Goodyear-Luftschiff, was dann über der Rennstrecke kreisen wird. Und die dritte Säule für uns, also Passagierflüge, dann diese Werbeflüge für unsere Werbepartner und die dritte Säule sind Flüge für die Wissenschaft. So ein Luftschiff ist eine gute Beobachtungsplattform. Wir können in geringer Höhe mit geringen Lärmemissionen sehr ausdauernd fliegen. Bis zu zehn Stunden Verweilzeit in der Luft ist kein Problem für uns. Und damit sind wir eine gute Beobachtungsplattform nicht nur für Rundflugpassagiere oder für Fernsehkameras, sondern auch für wissenschaftliche Experimente, wo etwas beobachtet werden soll. So waren wir zum Beispiel in 2020 und 21 für das Forschungszentrum Jülich unterwegs und haben Luftqualitätsmessungen durchgeführt. Und die Jülicher Forscher, die hat interessiert, grade im ersten Corona-Lockdown 2020, wie hat sich denn jetzt die Luftqualität hier verändert, nachdem die Menschen kaum noch Auto fahren, die Industrieproduktionen runtergefahren wurde, die Kraftwerke weniger produzieren? Und so haben wir dort eben Messwerte gesammelt auf langen Forschungsflügen, im Rheinland war das dann zu Ostern 2020.

Klaus Reichert: Und weißt du schon, was das Ergebnis war?

Eckhard Breuer: Wir haben tatsächlich die Abschlussstudie noch nicht gesehen. Also wir haben jetzt mehrfach nochmal nachgefragt und sind sehr gespannt darauf, zu welchen Schlüssen die Wissenschaftler dann gekommen sind. 

Klaus Reichert: Ja, man kann sich so ein bisschen vorstellen, in welche Richtung das geht, ne?

Eckhard Breuer: Ja, warten wir mal ab. Auf jeden Fall, Luftschiff ist die ideale Plattform für jede Art von Beobachtung für touristische Passagiere, für Fernsehkameras und für Wissenschaftler.

Klaus Reichert: Ihr seid da immer wieder an unterschiedlichen Orten unterwegs in Deutschland, du hast es ja grade schon gesagt, München.

Eckhard Breuer: Frankfurt, Köln, Bonn, Düsseldorf, ja, Ruhrgebiet planen wir dann auch demnächst, ja.

Klaus Reichert: Also da bringt man dieses Erlebnis, und ich würde es jetzt einfach mal so bezeichnen, dieses Erlebnis Zeppelin natürlich in die Welt hinaus. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie das wohl war und vielleicht hast du dir ja auch schon Gedanken dazu gemacht, wie das war, wie wohl der erste Zeppelin, dieses LZ1. Und ich habe mal nachgeguckt, das war im Sommer 1900, gestartet ist über dem Bodensee. Da waren scheinbar auch viele Zuschauer schon mit dabei, also das muss damals schon ein großes Ereignis gewesen sein. Und man muss dazu sagen, es war nicht das erste Luftschiff, das in der Luft war, aber es war der erste Zeppelin, der in der Luft war. Was meinst du, wie das denen damals ging?

Eckhard Breuer: Also es muss eine Sensation gewesen sein, wir überlegen uns mal, das war im Juli 1900. Der erste Motorflug mit einem Flugzeug war drei Jahre später, die Gebrüder Right, 1903. Und so richtig ging es mit den ersten Kleinflugzeugen dann ja so Richtung Erster Weltkrieg erst mal los, da waren die ersten leichten Doppeldecker unterwegs. Und der Anblick von Luftfahrzeugen war ja völlig unbekannt, das war völlig unbekannt und dann kommen da diese großen Zeppelin-Stahlluftschiffe daher, deutlich größer als das, was wir heute mit dem modernen Zeppelin NT fliegen. Und, ja, das war eine Weltsensation. Ich würde gerne eine zeitreise mal zurück machen können und mir da das mal selbst anschauen, wie das Erlebnis damals gewesen muss, aber es muss wirklich eine große, große Euphorie gewesen sein damals in Deutschland. Man sieht es auch heute daran, in fast jeder deutschen Stadt gibt es eine Zeppelin-Straße oder einen Zeppelin-Platz, also in fast jeder größeren deutschen Stadt. Und das rührt eben aus dieser Zeit, der Zeppelin war damals ein Popstar.

Klaus Reichert: Man darf ja auch nicht vergessen, diese Zeit so, ich sage mal, circa 1870 bis 1910 wird ja immer noch als Gründerzeit betrachtet oder bezeichnet. Und wir sind mehr oder weniger 100 Jahre später etwas mehr auch wieder in so einer Art Gründerzeit drin. Also vielleicht können wir das deswegen auch ein bisschen besser noch nachvollziehen. Jetzt hast du gesagt, diese vielen Straßen, Zeppelin ist bekannt in Deutschland, in der Welt. Jetzt gab es ja dann auch noch diesen großen Zwischenfall in Echterdingen, ein, ich sage mal, technisches Problem bei der Landung, glaube ich.

Eckhard Breuer: Ja, 1908 war das.

Klaus Reichert: Und danach, also es war einfach auch ein riesiges finanzielles Problem für die Firma. Und da hat, meines Erachtens nach, wahrscheinlich das erste Crowdfunding tatsächlich geholfen, die Firma dann weiter bestehen zu lassen. Also da hat wirklich halb Deutschland mitgeholfen.

Eckhard Breuer: Ferdinand Graf Zeppelin hat sich mit seinem kompletten Privatvermögen engagiert beim Bau seiner ersten Luftschiffe. Und das Vierte seiner Luftschiff LZ4, Luftschiff Zeppelin 4, war im Sommer 1908 auf einer Probefahrt, einer mehrtägigen oder längeren Probefahrt in Süddeutschland unterwegs und musste südlich von Stuttgart in Echterdingen notlanden wegen eines Triebwerkschadens. Und es kam dort ein Gewitter auf und das Schiff hat sich losgerissen von den Ankerseilen, wurde in eine Baumgruppe gedrückt, zerbrach. Und das Wasserstoffgas, was man damals einsetzte als Traggas, hat sich entzündet. Und mittlerweile waren da 10.000e Schaulustige wohl zusammengekommen. Weil, das war eine Sensation, 1908 landet ein solch großes Luftschiff hier auf einer Wiese bei Echterdingen, unangekündigt. Und dann ging vor den Augen dieser Schaulustigen, die da standen, praktisch das gesamte Vermögen Graf Zeppelins in Flammen auf. Und dort soll die Idee geboren sein und was mal überliefert ist, dass es wohl auch spontan dort geschah, dass die Menschen begannen, spontan Geld zu sammeln, um Zeppelin zu helfen, ein neues Schiff zu bauen. Und das brachte ihn dann auf die Idee zu einem Spendenaufruf, er hatte aufgerufen zur Zeppelin-Spende des deutschen Volkes und hat sechs Millionen Mark eingesammelt. Ich kann jetzt nicht sagen, wie viel das in heutigem Wert wäre, aber eine Menge. Und das war das Startkapital, mit dem er damals die Zeppelin Stiftung gegründet hat, die gibt es bis heute. Und die Stiftung wurde dann Gesellschafterin der ersten Zeppelin-Firma, der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Und auch die gibt es bis heute und wenn jetzt heute nicht mehr Luftschiffe das Kerngeschäft der Zeppelin-Gruppe sind, aber hat sich doch wirklich prächtig entwickelt. Und so, dass man also sagen kann, die Zeppelin-Idee damals war sozusagen, der hat den Grundstock gelegt für den heutigen industriellen Wohlstand des ganzen deutschen Bodenseeufers.

Klaus Reichert: Wenn man genau hinguckt, wie viele Firmen daraus entstanden sind, wie viele große Firmen, die es heute ja auch noch gibt, entstanden sind, das ist unglaublich, dass das auf so einer, ja, also wenn man so drüber nachdenkt, auf so eine Art Wahnsinnsprojekt fast aufbaut, ja. Etwas, was so neu, so anders war, so speziell und eigentlich auch so eine riesige Herausforderung war, da wundere ich mich immer wieder, dass das tatsächlich durchgekommen ist. Und da müssen die Menschen, die damals beteiligt gewesen sind, eben sehr, sehr, sehr speziell auch gewesen sein und sehr überzeugend. Und du hast ja auch schon gesagt, es kam bei den Teilnehmenden, bei den Beobachtern eben sehr, sehr gut an, die fanden das faszinierend. Es ist vielleicht so ähnlich, wie wenn wir heute so einen Raketenstart haben, oder das ist ja fast eigentlich auch schon normal. Jetzt ist es ja ein sehr einzigartiges Produkt, das ihr da betreut. Du hast grade gesagt, es gibt fünf Zeppelin-Luftschiffe, das erste ist so vor ungefähr 122 Jahren geflogen. Dann kam später eben der Zeppelin NT vor circa 25, nein, nicht.

Eckhard Breuer: Genau 25 Jahren.

Klaus Reichert: Der Zeppelin NT kam vor 25 Jahren, genau. Etwas anderes konzepttechnisch, da wollen wir jetzt wahrscheinlich nicht alle damit langweilen. Wobei, wir könnten uns aus ausgicken, da hätte ich jetzt überhaupt kein Problem damit. Aber wie fühlt sich das denn an, ihr habt dann später natürlich noch Sachen weiter bearbeitet, die Arionic zum Beispiel ist was ganz, ganz Spezielles, was auch eine riesen Herausforderung war für so ein, in dem Sinne, ja auch kleines Unternehmen wie ihr. Wie fühlt sich das denn an, in so einer Tradition tätig zu sein, so ein Produkt zu betreuen, dass so viel, ja, Emotionalität in gewisser Weise auch hat? So große Vorgänger, du hast Hugo Eckener genannt, Graf Zeppelin, Alfred Colsman.

Eckhard Breuer: Es ist ja so, Luftschiffe hatten ihre goldene Zeit und die Zeit, in der sie wirklich dann auch berühmt wurden in den späten 1920er- frühen 30er-Jahren. Das war die Zeit, in der Luftschiffe den Atlantik etwas doppelt so schnell überqueren konnten also die Ozeanliners, die Schiffe, die damals im Einsatz waren. Und das war damals zu dieser Zeit die schnellste Art und Weise, um von Europa in die USA zu kommen. Und es waren zwei Luftschiffe grade insbesondere, die damals den Ruf der Marke Zeppelin geprägt haben und die bis heute bekannt sind. Das war die Hindenburg, die 1937 dann in Lakehurst diesen spektakulären Unfall hatte und in Flammen aufging und das andere war die Graf Zeppelin, die etwas ältere und kleinere Graf Zeppelin, mit der Hugo Eckener 1927 auch in vier Etappen um die Welt geflogen ist. Eine Pionierleistung damals. Und diese beiden Schiffe insbesondere, die haben diesen Ruf des luxuriösen Reisens geprägt, der Möglichkeit, Kontinente zu überbrücken, damals schneller als die sonstigen Reisemittel und das waren damals Schiffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben dann die Flugzeuge den Himmel als Transportmittel erobert und Zeppeline waren nicht mehr konkurrenzfähig oder Luftschiffe waren nicht mehr konkurrenzfähig als Transportmittel, weil sie zu langsam sind. Die Hindenburg hat damals den Atlantik in zwei bis drei Tagen, den Nordatlantik, von Frankfurt nach New York in zwei bis drei Tagen überquert. Das war doppelt so schnell wie ein Schiff, von Bremerhaven nach New York hat vier bis sechs Tage gedauert. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, grade als dann die Düsenjets kamen, heute machen wir das in acht bis zehn Stunden, also deutlich schneller. Die Zeppeline neuer Technologie heute machen etwas anderes. Wir sind heute eine Aussichtsplattform, das sagte ich schon, eine Beobachtungsplattform und es gibt halt nur ganz, ganz wenige. Aber dieser Mythos von damals, der schwingt heute immer noch mit. Und ich merke das also bei den Gästen, die mit uns fliegen, die dieses einmalige Fluggefühl in dieser geringen Höhe, mit der geringen Geschwindigkeit, in einem Gerät, dass auch noch so heißt wie damals, aber mit moderner Technologie ausgestattet ist, das macht den Reiz sicherlich aus. Und es ist toll für ein so namhaftes Unternehmen zu arbeiten, auch wenn die Flotte dieser Luftschiffe weltweit natürlich klein ist.

Klaus Reichert: Macht es umso besonderer dann eigentlich auch.

Eckhard Breuer: Ja.

Klaus Reichert: Ich möchte nicht despektierlich erscheinen, aber in gewisser Weise ist so ein Zeppelin halt so ein, ja, sowas ganz Spezielles. Und was ich mich da immer wieder auch frage, ist, welche Tipps könntest du denn da ableiten, wenn es darum geht, dass andere Unternehmen zum Beispiel, Unternehmer und Unternehmerinnen, solche ganz, ganz speziellen Sachen entweder mit großer Tradition oder mit großem Wahnsinn, in Anführungszeichen, dann eben auch umsetzen wollen? Gibt es da etwas, was dir einfällt, was andern helfen könnte, auch sowas ganz, ganz Außergewöhnliches anzugehen?

Eckhard Breuer: Man braucht sicherlich Mut. Man braucht wirklich Mut und Ausdauer, um so etwas umzusetzen. Und idealerweise auch noch ein gutes Venture-Kapital, was dort eben eingesetzt werden kann. Weil, also grade in der Luftfahrt die Entwicklungskosten nach heutigen Standards, die sind einfach erheblich, wenn man ein Luftfahrzeug entwickeln möchte, was dann eben auch nach kommerziellen Standards betrieben werden kann. Und es war sicherlich damals, Zeppelin hat sich fast ruiniert mit dieser Idee und bis dann eben dieser Hype einsetzte und er diese öffentlichen Fördermittel, diese Spendengelder dann auch einsammeln konnte. Und sicherlich, man braucht immer Visionen, man braucht den Mut und man braucht vor allen Dingen die Ausdauer, um dann auch zum Ziel zu kommen. Ob man am Ende da ankommen wird, ist die große Frage. Im Falle des Zeppelin NT muss man ganz klar sagen, diese Idee wurde ja geboren in der Muttergesellschaft Luftschiffbau Zeppelin, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Tochterfirmen eine tolle Entwicklung im Bereich Sonderfahrzeugbau, Anlagenbau und Baumaschinenhandel genommen hat. Die Zeppelin GmbH ist heute der weltgrößte Vertriebspartner der amerikanischen Baumaschinenmarke Caterpillar und ist dort hoch erfolgreich mit 10.000 Mitarbeitern in Europa und weltweit. Und die andere Gesellschafterfirma bei uns ist die Firma ZF Friedrichshafen AG. Zweitgrößter Automobilzulieferer der Welt mittlerweile mit 150.000 Mitarbeitern weltweit. Das sind riesen Industrieunternehmen, die sich damals in den 90er-Jahren entschlossen haben, Mensch, bauen wir ein Luftschiff neuer Technologie. Und ohne diese starken Gesellschafter mit der entsprechenden finanziellen Stärke auch, würde es sicherlich keinen kommerziell zugelassenen Zeppelin NT heute geben. Die Flotte ist klein geblieben, es ist nicht das eingetreten, was damals Marktanalysen auch vorher gesagt haben, um die 50, 60 Luftschiffe dieses Typs weltweit. Es sind am Ende fünf geblieben, die heute im Einsatz sind, aber sie sind einmalig. Und ich kann nur sagen, für uns in Friedrichshafen das Geschäftsmodell, was wir jetzt haben, es trägt sich und es ist was ganz, ganz Besonderes, was man bei uns erleben kann. Und man kann es nur bei Zeppelin in Friedrichshafen erleben, nämlich kommerzielle Rundflüge mit einem Luftschiff, gibt es sonst nirgendwo auf der Welt mehr.

Klaus Reichert: Ein einmaliges Erlebnis, das muss man direkt so bezeichnen.

Eckhard Breuer: Ja, wirklich, ja.

Klaus Reichert: Wo ich mich auch noch ganz toll dran erinnern kann, und ihr bietet ja auch zum Beispiel Werftführungen an, das war, ich sage mal, eher ein Winterabend in der riesigen Halle und vielleicht waren zwei Zeppeline drin, ich weiß nicht mehr genau, aber ich weiß, der eine-

Eckhard Breuer: Jetzt im Winter waren zwei drin, ja.

Klaus Reichert: Und die waren nicht auf dem Boden, die schwebten in der Halle und wirkten dabei so ungeheuer friedlich. Also nicht schwer auf dem Boden sitzend, sondern einfach sehr, sehr friedlich, genügsam, ich interpretiere da grad was rein, was natürlich kompletter Unsinn ist, aber das hat mich damals natürlich noch sehr beeindruckt alles, so diese Winternacht, relativ kalt und so weiter. Und du wirst uns ja jetzt auch gleich noch ein Bild von einem der Goodyear-Zeppeline zeigen. Denn wir würden ja jetzt dann auch uns aufmachen, raus in die große Halle von Goodyear.

Eckhard Breuer: Sehr gerne, ja. Ja, sehr gerne. Also ich würde mich einfach jetzt mal auf den Weg machen und bewegen hier und einfach mal loslaufen, einverstanden?

Klaus Reichert: Den zweiten Teil unseres Gesprächs haben wir als Video veröffentlicht. Eckhard Breuer führt uns durch den Zeppelin-Hangar von Goodyear in Akron Ohio und zeigt uns das Luftschiff Wingfoot 3. Der Link dazu ist in den Shownotes. Eckhard, du hast uns heute einen sehr faszinierenden Einblick gegeben in dieses Thema Zeppelin. Wir haben etwas von der Geschichte erfahren, wir haben etwas gehört, wie es ist, so ein traditionsreiches, so ein spezielles Produkt eben zu betreuen, mit so starken Vorgängern auch, mit so viel Geschichte auch, so viel Bedeutung, obwohl es, in Anführungszeichen, nur fünf auf der Welt davon gibt. Das ist durchaus ja neben all den Aufgaben, neben den praktischen Dingen, auch eine emotionale Aufgabe. Du hast uns durch die Halle geführt, du hast uns das Luftschiff gezeigt, die Kabine. Ich fand das jetzt hoch beeindruckend, ich bin ein riesen Fan und ich habe mich sehr gefreut, dass du dir heute die Zeit genommen hast, uns mitzunehmen durch einen Teil deiner Arbeit hier, das Ergebnis eben auch so zu zeigen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Und vielen Dank, dass wir jetzt eine Live-Schaltung aus Akron Ohio auch haben durften.

Eckhard Breuer: Vielen Dank, habe das sehr gerne gemacht. Und wir freuen uns immer über Besuch am Zeppelin-Hangar in Friedrichshafen. Man findet uns auch im Netz unter www.zeppelinflug.de und wir freuen uns immer über Besuch.

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