Josephine Dransfeld über Erfahrungen auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen

In dieser Episode des Smart Podcast ist Josephine Dransfeld mein Gesprächspartnerin. Wir unterhalten uns über ihre Erfahrungen auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen. Die Produkte: Kuscheltiere: vom bis zur Biene Maja.

Josephine Dransfeld
(c) Heunec

Plüschspielwaren, wie Bären, Sterne, Giraffen und Lamas sind beliebt bei Kindern. Für deren gute Zukunft ist die Beschäftigung mit der Klimaneutralität notwendig. Im Gespräch mit Josephine Dransfeld gehen wir auf die Schritte ein, die bereits unternommen wurden und die anstehenden Herausforderungen. So können Interessierte anhand des Beispiels den Weg besser nachvollziehen und für ihre eigene Vorgehensweise daraus lernen.

Josephine Dransfeld ist in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens Heunec Plüschspielwaren in Neustadt bei Coburg.

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Transkript

Das Transkript wurde manuell erstellt.

Klaus Reichert: Mein Gast heute ist Josephine Dransfeld, sie ist in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens Heunec Plüschspielwarenfabrik in Neustadt bei Coburg. Willkommen, Josephine, schön, dass du heute mit dabei bist.

Josephine Dransfeld: Hallo, Klaus, es freut mich total, dass ich heute da sein darf.

Klaus Reichert: Du, ich finde das jetzt auch heute ein ganz, ganz tolles Thema, dass wir haben beziehungsweise ein ganz tolles Thema, dass ihr habt. Ihr seid ja eine Spielwarenfirma, bei euch gibt es Teddybären, Plüschtiere, die Biene Maja, viele andere Figuren. Und du bist ja in diesem Familienunternehmen, bist du großgeworden. Wie fühlt es sich denn so an, mit so viel Spielzeug aufzuwachsen?

Josephine Dransfeld: Es ist eigentlich der Himmel auf Erden, es gibt nix Schöneres. Als Kind realisiert man das vielleicht gar nicht so unbedingt, dass man immer so viele Spielsachen um sich rum hat und eigentlich, ach ja, wenn man mal ein Neues bracht, dann geht man einfach mal in den Werkverkauf oder ins eigene Lager und guckt mal, was es so gibt, oder die Eltern bringen einen halt mal was mit von spannenden Geschäftsreisen oder Messen, es ist einfach total toll. Auf der anderen Seite, natürlich hatte ich vielleicht ein bisschen mehr Spielsachen als so das Durchschnittskind und wenn man dann mal ausrangieren musste, war das natürlich immer ein riesen großes Drama, aber an sich, es gibt natürlich nix Besseres, als in so einem Umfeld groß zu werden.

Klaus Reichert: Du hast das Ganze zu deinem Beruf gemacht. Wie ist es denn heute für dich, mit Spielzeug zu arbeiten? Was bedeutet es denn dann für dich, was ist denn Spielzeug?

Josephine Dransfeld: Spielzeug ist was ganz Tolles, es ist eine ganz wunderbare Industrie. Und warum ist das so? Ist halt ein emotionales Produkt und am Ende des Tages ist es so, alles, was wir tun, machen wir, um glücklich zu machen. Und das ist eigentlich so der schönste Ansporn, die größte Motivation. Es macht eigentlich immer gute Laune, weil selbst, wenn man mal schlechte Laune hat oder nicht so einen guten Tag hat, dann sitzt irgendwann doch ein Kuscheltier bei dir im Büro und man muss einfach schon wieder das Strahlen anfangen, weil es einfach so ein schönes Produkt ist. Das Umfeld könnte nicht besser sein, es ist eine total schöne kleine Branche, in der wahnsinnig unterschiedliche Menschen auch arbeiten und, ja, alle machen was für Kinder und das ist einfach wunderschön. Und das wird oft nicht gesehen, ne. Spielware ist ja oft so meistens in den Schlagzeilen, wenn die Stiftung Warentest um die Ecke kommt, so kurz vorm Weihnachtsgeschäft. Da wird man manchmal ein bisschen angegriffen, aber ansonsten ist die Spielware einfach eine Industrie, die wahnsinnig viel Spaß macht. Und, ja, wenn man was für Kinder machen kann, was Schöneres gibt es doch eigentlich gar nicht.

Klaus Reichert: Hat auch eine riesige Bandbreite, es gibt sehr viele, was weiß ich, elektronische Spielzeuge, es gibt Spiele jeglicher Art. Ihr habt hauptsächlich, wenn ich das richtig verstanden habe, eben Plüschfiguren im Angebot.

Josephine Dransfeld: Ja.

Klaus Reichert: Was habt ihr denn da so für Figuren, wie entstehen die denn zum Beispiel auch? Also ich habe gesehen, ihr macht ja auch eine Biene Maja, wie passiert das denn?

Josephine Dransfeld: Es ist eigentlich ganz unterschiedlich. Also der Klassiker ist natürlich so ein Teddybär und ein Teddybär ist auch heute eigentlich immer noch so die Nummer-1-Figur, ob das jetzt ein großer Teddybär ist oder ein Teddybär mit Herz, wo vorne draufsteht, hab dich lieb, das ist meistens so ein Bestseller. Das kann man immer gar nicht glauben, so ein profanes Produkt ist eigentlich immer eins, dass dann am besten funktioniert. Und ansonsten sind wir ein bisschen auch so von beeinflusst, die manchmal aus der Bekleidungsindustrie kommen. So vor fünf, sechs Jahren gab es ja mal einen wahnsinnigen Hype um Einhörner, das schlägt sich dann natürlich auch bei uns nieder. Dann gibt es vielleicht nicht nur ein Einhorn, sondern fünf oder zehn verschiedene, in verschiedenen Farben, in verschiedenen Größen, mit Glitzer, ohne Glitzer. Oder dann gab es mal, vor zehn Jahren war die Eule, aus welchen Gründen auch immer, mal total angesagt. Kurz vor Corona hatte das Faultier ein bisschen so einen Hype. Da ging es dann auch wieder so drum, mach mal langsam, fahr doch mal runter. Das ist alles viel zu stressig, die Welt dreht sich zu schnell, du musst jetzt mal langsamer machen. Da war das Faultier dann total angesagt. Und im Moment haben wir tatsächlich einen Run auf Lamas und Alpakas in allen Formen und Farben, ja und deswegen, es ist ganz verschieden.

Klaus Reichert: Toll! Also das heißt, ihr habt Klassiker, die immer irgendwie funktionieren in Abwandlung, die sich natürlich weiterentwickeln. Aber, das Geschäft ist eben doch auch jetzt nicht unbedingt durch Moden getrieben, aber durch Trends von außen, was ihr eben immer wieder dazu nehmen könnt, um euch auch zu erneuern, ja und das Angebot zu erneuern. Finde ich spannend. Okay, ihr habt jetzt auch zum Beispiel Lizenzprodukte, eben so wie die Biene Maja. Das ist ja wahrscheinlich nochmal wieder was ganz Eigenes. Fand ich toll, das kennt man vielleicht, ich weiß gar nicht, ob die Biene Maja noch so bekannt ist, aber so wir als Kinder, wir hatten das, für uns war das ganz normal, dass es die gibt, dass die quasi Teil unseres Lebens war.

Josephine Dransfeld: Doch, das ist schon so. Also bei manchen Themen gibt es so den berühmten 3-Generationeneffekt. Das ist bei der Biene Maja auch so, die gibt es ja schon über 45 Jahre. Die Meisten von uns oder jetzt auch meine Generation sind noch mit, ich sage immer, mit der alten Biene Maja aufgewachsen. Damals hat auch noch Karel Gott das Titellied gesungen, jetzt singt es Helene Fischer, ja. Also die Biene Maja hat quasi auch den Sprung in die moderne Zeit vollziehen müssen, aber es hat ihrer Beliebtheit keinen Abbruch getan, also die Biene Maja ist immer noch ein ganz spannendes Thema. Und andere Themen sind so das Sandmännchen, das sich natürlich schon seit über 60 Jahren in der deutschen Kultur manifestiert hat, das auch so schnell nicht verschwinden wird und, ja, das ist dann nach wie vor ein Thema. Es ist halt sehr deutsch auch natürlich, das funktioniert in anderen Ländern nicht, da kennt man das Sandmännchen eben nicht so. Aber es gibt auch andere Themen wie jetzt zum Beispiel Snoopy oder den Paddington Bär, ja, das ist jetzt nicht nur in Deutschland bekannt, den kennt man dann auch europaweit. Und sowas ist durchaus auch interessant für uns, dass dann als Plüschtier für den deutschsprachigen Markt umzusetzen.

Klaus Reichert: Deutschsprachiger Markt, hast du grad angesprochen, ihr verkauft an zum Beispiel den Handel, ihr verkauft aber auch über einen eigenen Online-Shop. Da habt ihr also schon recht früh, glaube ich, auch verschiedenste Wege eingeschlagen, die eben vielleicht ein bisschen anders sind wie bei anderen Unternehmen. Das hat mich sehr beeindruckt zu sehen, wie professionell das gemacht ist und, ja, so, wie man es eigentlich erwarten würde heutzutage.

Josephine Dransfeld: Wir waren oder sind bei allen Dingen, die neu sind, eigentlich immer sofort vorne mit dabei. Mein Papa erzählt mir ganz gerne, dass wir, wo das Internet noch neu war Anfang der 90er, einer der ersten Unternehmen waren, die überhaupt eine eigene Domain hatten, nämlich www.heunec.de. Die gibt es gefühlt, glaube ich, schon seit 1994 und das Internet ist ja noch nicht so viel älter, also solange gibt es eigentlich schon unsere Website. Wir waren relativ früh auch bei dem jetzt größten Internethändler am Start und dabei und es hat sich unglaublich gut entwickelt. Wir haben sehr früh das Online-Business als Chance wahrgenommen, wo viele noch geunkt haben, oh, Spielware, das muss man doch anfassen, das kann man Online nicht verkaufen. Ja, stimmt halt nicht, ne, also kommt auf die Person an. Ja, also es ist schon so, Online macht noch nicht die Mehrheit von unseren Umsätzen aus, aber es ist mittlerweile auch nicht mehr wegzudiskutieren. Spielware und grade Plüsch kann man sehr wohl sehr gut auch Online verkaufen.

Klaus Reichert: Ja, klar, man kann auch 150.000 Euro teure Porsches verkaufen Online, was da auch viele Leute gar nicht für möglich gehalten halten. Cool! Josephine, du hast grade gesagt, dass ihr bei neuen Sachen gerne vorne mit dabei seid und da kommen wir schon auch zu unserem Thema heute, ihr habt schon große Fortschritte gemacht in dem Bereich Klimaneutralität. Das ist natürlich ein dickes Brett, dass man da bohrt als Unternehmen, vor allem, wenn man Material bewegt in irgendeiner Form, selbst wenn es noch so nette Sachen sind wie Plüschtiere, aber das ist natürlich immer eine Herausforderung. Was heißt denn, erst mal ganz unabhängig vom Unternehmen, klimaneutral für dich? Warum machst du das, warum macht ihr das?

Josephine Dransfeld: Das ist eine spannende Frage, also warum machen wir das, das ist einfach so, ich glaube, erstens, weil es unvermeidbar ist, zweitens, weil es die einfachste Möglichkeit ist, aktiv was für den zu tun und Drittens, das natürlich unsere Handelspartner teilweise auch von uns verlangen. Es hat vor fünf oder zehn Jahren angefangen, dass man erstmalig so gefragt wurde, was macht ihr denn in Sachen Umweltschutz, wie könnt ihr euren Fußabdruck verringern, wie managt ihr euren Umwelteinfluss? Und da hat das so langsam angefangen. Und der ursprüngliche Anstoß kam eigentlich mal über eine Zertifizierung. Da gibt es ja die ISO 14001, die sich auf eben fokussiert. Und da muss man sich eben erst mal sein eigenes Unternehmen angucken. Da spielen nicht unbedingt die Produkte mit rein, da geht es erst mal so um sein eigenes Büro quasi, was habe ich an Strom-, an Wasserverbrauch? Habe ich irgendwie Prozesse, die die Umwelt negativ beeinflussen können? Ja, was für Gebäude habe ich, was muss ich da beachten? Und dann gab es eine große Revision ein paar Jahre später und da hieß es auch, man muss anfangen, seinen Umwelteinfluss zu messen. Und als ein kleines mittelständisches Unternehmen mit 35 Mitarbeitern ist man dann mit diversen, ja, Formblättern vom Umweltbundesamt oder vom Umweltministerium Freistaat Bayern konfrontiert, die zwar alles können, die aber halt sehr benutzerunfreundlich teilweise sind. Und für so ein kleines Unternehmen wie uns, das hätte einfach nicht funktioniert, weil man da recht spezialisierte Leute braucht, die verstehen, wie so eine Datenbank funktioniert. Und weil wir immer Sachen brauchen, die einfach zu bedienen sind und die auch schnell gehen, haben wir uns halt umgeguckt, was kann man denn eigentlich noch machen, um seine Umweltleistung zu messen? Weil nur, wenn ich meine Umweltleistung kenne, kann ich auch was optimieren. Ich kann jetzt natürlich in meinem Kopf, kann ich sagen, ja, ich habe jetzt zehn Nähmaschinen, ich nehme mal an, wenn ich jetzt auf Ökostrom umstelle, dann habe ich doch schon was Gutes gemacht, dann ist das doch schon ganz cool. Aber das ist halt nur meine eigene Theorie, die muss ja eigentlich irgendjemand mal validieren, verifizieren. Und das geht eigentlich nur, wenn man einen Partner an der Hand hat, der einen zwingt, mal sein ganzes Unternehmen anzuschauen. Nicht nur das, was offensichtlich ist, zum Beispiel die Umstellung auf erneuerbare Energien, sondern das Ganze. Da gehört ja eigentlich fast bei jedem Unternehmen ziemlich viel dazu, nicht nur der Energiebedarf, sondern auch die ganzen Mitarbeiter. Wie viele habe ich denn überhaupt? Wie kommen die zur Arbeit, wie weit ist der Arbeitsweg? Was habe ich an Papierverbrauch? Was habe ich für einen Lagerumschlag? Was habe ich an Kuscheltieren, was habe ich an Kartonagen? Wo geht das ganze Zeug überhaupt hin? Das sind ja alles Sachen, die meine Umweltleistung beeinflussen. Und wenn man das bilanziert schlussendlich, hat man da am Ende eigentlich eine total coole Übersicht, wo meine Emissionen entstehen und wo ich am schnellsten eigentlich Effekte erzielen kann. Und je nachdem wie groß der Blickwinkel ist, was ich anschaue, verschiebt sich die Perspektive, und das war für uns eine total spannende .

Klaus Reichert: Ich fand das jetzt grade echt interessant, wie wir von diesen wirklich netten, schönen, für Kinder gedachten, weichen, plüschigen Plüschtieren, dem Spielzeug, wo man Begeisterung fürs Produkt natürlich braucht, Begeisterung für die kleinen Kunden, hinzu zu einem Thema, das essenziell auch ist für diese kleinen Kunden, aber das dann natürlich sehr, sehr viel mit Zahlen, Fakten, messen und so weiter eben zu tun hat. Also spannend, wie das auch grade in deiner Darstellung zusammengegangen ist. Ja, es ist für dich nicht ein entweder oder, sondern es gehört zusammen.

Josephine Dransfeld: Ja und es ist halt auch ein Prozess. Ich habe immer so, auch jetzt bei den Zielen, die unsere Bundesregierung so ausgibt, von wegen 2045 sollen wir klimaneutral sein oder die EU mit ihrem Ziel, wie heißt es jetzt so schön, Fit for 55, also die Emissionen um 55 Prozent reduzieren bis 2035 oder keine Ahnung. Wenn man dann über Klimaneutralität spricht, dann ist das kein Ziel. Ich kann nicht sagen, ich bin jetzt zum Tag X klimaneutral. Weil, wenn man klimaneutral richtig versteht, dann ist das immer was, was man erst rückwirkend machen kann. Oft wird einem ja unterstellt, ich würde mir damit einfach nur mein Gewissen reinwaschen, ja oder mein schlechtes Gewissen quasi besänftigen, wenn ich meine Emissionen kompensiere, aber so ist es nicht. Wenn ich klimaneutral bin oder mich klimaneutral stelle, so müsste man das eigentlich richtig sagen, geht immer erst ein Kalenderjahr ins Land und dann danach schaue ich mir an, was habe ich denn tatsächlich in diesem Jahr an Emissionen verursacht. Und das wird bilanziert und das wird dann kompensiert. Ich kann mich also nicht für die Zukunft freikaufen, ich muss es immer rückwirkend betrachten und kann mich auch immer erst rückwirkend klimaneutral machen. Deswegen sagt man auch immer: “Ich stelle etwas klimaneutral.” Und man kann auch nicht sagen, und das ist auch wichtig, klimaneutral produzieren, das kann man nicht sagen, das ist nicht richtig, weil das überhaupt nicht geht. Ja, deswegen ist da auch noch bei Unternehmen oder auch bei der Bevölkerung, vermutlich auch bei unseren Politikern und bei der Bundesregierung, nochmal ein bisschen, muss man in die Tiefe gehen und nochmal sicherstellen, dass wir alle eine richtige Definition von der Klimaneutralität verwenden und das es dann eben nicht zu Missverständnissen kommt. Denn die Verbraucherzentralen, die hiesigen, greifen diverse Unternehmen halt auch schon und sagen, sie würden die Verbraucher eben täuschen. Das liegt aber da dran, dass viele Player im Markt eben nicht verstehen, wie Klimaneutralität eigentlich funktioniert.

Klaus Reichert: Ja, wobei, da haben wir ja auch schrittweise ein phasenweises Vorgehen, ja, sodass wir zum Beispiel mit Einsparungen mal anfangen. Da können wir ja auch nochmal kurz drauf eingehen, wie ihr das angefangen habt. Dann kommen Themen dazu, die organisatorisch zum Beispiel sind, dann wird man wahrscheinlich bestimmte Sachen umstellen und nach und nach eben weitere Schritte quasi angehen, ihr seht es ja dann in eurem Klimadatenmanagement. Und solange ich da noch nicht alles quasi hinbekommen habe, muss ich natürlich den Rest kompensieren.

Josephine Dransfeld: Genau.

Klaus Reichert: Aber dieser Kompensationsteil wird ja immer kleiner.

Josephine Dransfeld: Genau, das ist der Plan, genau. Man findet dann quasi raus, bei welchen Emissionen kann ich aktiv was tun, ja und welche Emissionen lassen sich einfach nicht vermeiden? Es wird ja zum Beispiel auch in Zukunft so sein, dass ich immer noch Geschäftsreisen unternehmen muss, ich muss vermutlich, oder wir auch, müssen, wenn es denn wieder geht, wieder etwas regelmäßiger nach Asien reisen. Das geht nur mit einem Flugzeug, ein Flugzeug emittiert halt einfach. Dann kann ich sagen, okay, vor Corona ist man halt vier- oder fünfmal im Jahr nach Asien geflogen, ja, das wird nicht mehr passieren. Und wenn ich meine Klimabilanz kenne und weiß, wie viel eigentlich ein Fernostflug, ja, ausmacht, da wird einem eigentlich übel, wenn man das sieht, dann kann ich halt sagen: “Okay, wenn mir das wichtig ist und ich meine Emissionen reduzieren will, dann ist halt nur noch ein Fernostflug im Jahr drin oder maximal zwei.” Ich muss das aber tun, weil das für mein Geschäft wichtig, weil ich die Leute, mit denen ich in Asien arbeite, ich muss die kennen, ich muss die besuchen. Es ist wichtig für mein Business, also muss ich das tun. Und wenn ich weiß, dass ich das tun muss, dann kann ich dann im Nachgang eben auch die Emissionen dafür kompensieren. Und für mich hat das nix damit zu tun, das ich mein Gewissen reinwasche. Das heißt einfach nur, dass ich meine wahrnehme, dass ich durch einen Flug, der zwölf Stunden dauert und ziemlich viele Emissionen verursacht, dass ich das eben kompensiere. Wenn ich natürlich eine Wahl hätte, jetzt zum Beispiel, wenn ich sage, ich fliege mit einer deutschen Airline, die von sich aus schon ihre Flüge kompensiert und die selber so ein Emissionsmanagement hat, sage ich: “Topp, dann nehme ich doch die, auch wenn die andere das vielleicht nicht tut und günstiger ist.” Also das würde ich jetzt tun.

Klaus Reichert: Du musst es später ja durch das Kompensieren ja wieder ausgleichen, da wird es unter Umständen vielleicht genauso teuer, ne?

Josephine Dransfeld: Ja, genau.

Klaus Reichert: Okay. Ihr habt ja schon einiges gemacht bei euch, ad hoc sind mir die Elektroautos eingefallen, ja, da gibt es sicher noch viel mehr, vielleicht erzählst du das mal noch, was so ein paar Einzelmaßnahmen waren. Aber war denn so die allererste Maßnahme Richtung Klimaneutralität?

Josephine Dransfeld: Ich glaube, das war damals tatsächlich also das Banalste, wir haben damals unseren Strom auf Ökostrom umgestellt. Unserer gesamter Strombedarf, also wir haben nicht so viel, weil, wir sind nicht wirklich ein produzierendes Unternehmen, das war eigentlich das allererste. Und dann kam, glaube ich, 2016 das allererste E-Auto, ja. Also wo, ja, die Skepsis schon noch groß war, da war Tesla ja auch noch relativ neu, aber wir haben gesagt: “Wir machen das, für uns gibt es eigentlich nur noch E-Autos” und dann kam 2016 das erste E-Auto und das war schon total cool. Mittlerweile haben wir zwei E-Autos und alle weiteren, die angeschafft werden, werden auch E-Autos sein tatsächlich. Im Moment ist es so, dass wir gar keinen Verbrenner mehr haben in der Firmenflotte, außer einem LKW, aber da gibt es ja noch keine richtigen Optionen, dass mal umzustellen.

Klaus Reichert: Ja, das ist auf dem Weg, dauert noch ein kleines bisschen.

Josephine Dransfeld: Ja.

Klaus Reichert: Okay. Dann kamt ihr relativ schnell in den Bereich rein, dass ihr gemerkt habt, ihr müsst was messen, ihr braucht irgendwie auch ein Managementsystem. Was habt ihr denn da so gemacht?

Josephine Dransfeld: Ja, wir haben uns tatsächlich, als wir uns das angeschaut haben, gemerkt, dass wir das alleine nicht hinbekommen. Und manchmal spielt einem der Zufall dann ja doch in die Hände und ein, ja, ein Kollege, der hat grade klassische Kaltakquise gemacht für sein Unternehmen, das sich mit CO²-Emissionen und Klimabilanzerstellung beschäftigt, der hat einfach bei mir angerufen und gesagt: “Hej, wie schaut es denn aus, wäre das nicht was für euch?” Und dann habe ich mir das ein bisschen angeguckt, was die so anbieten und gedacht, das klingt gar nicht verkehrt. Und dann haben wir einen Termin ausgemacht und haben uns das angeschaut und überlegt, ist gut, womit fangen wir denn an? Und dann haben wir beschlossen, dass wir erst mal quasi nur auf unser Unternehmen schauen, also auf den Geschäftsbetrieb am Standort in Neustadt bei Coburg. Und da gehörte dann eben das dazu, was ich eingangs schon erwähnt habe, da schaut man sich erst mal an, was habe ich denn so für Verbräuche an Energie, Wasser, Öl, Gas, die Mitarbeiter, Papier und so weiter. Und ich bin der Meinung, das kann jeder tun, das kann jedes Unternehmen tun, weil jeder diese Daten hat. Jeder, der eine Buchhaltung hat oder der, was weiß ich, bei der IHK gemeldet ist als Unternehmen, und das sind ja alle und man muss für diverse Statistikämter sowieso solche Meldungen abgeben, was habe ich für einen Energieverbrauch, die Daten sind ja da. Weil oft heißt es immer, der Aufwand ist zu hoch und ich habe die ganzen Daten nicht. Das stimmt ja nicht, die Daten sind da und die kriegt man auch relativ leicht zusammen. Und der Partner, mit dem wir zusammenarbeiten, die haben eine wahnsinnig gute Cloud-Lösung, also ist alles digital. Da muss man das dann alles eingeben, dahinter liegt eine riesen große Datenbank. Und wenn man das eingegeben hat, dann wird das nochmal gegengecheckt, ob das auch alles so Sinn macht oder, ja, manchmal fällt ja ein Wert aus der Reihe und da muss man nochmal gucken, ob der wirklich stimmt. Und am Ende kriegt man dann eine Mitteilung, wie viel man emittiert hat und dann kann man eben entscheiden, in welche Projekte ich investieren will, um meine verursachten Emissionen zu kompensieren. Wir haben das dann Schritt für Schritt über die Jahre ausgebaut, also wir haben mit unserem Geschäftsbetrieb angefangen und im Jahr drauf haben wir unsere mit einbezogen. Das heißt, da haben wir uns halt angeschaut, was wir eigentlich für eine Output haben, also wie viel Kuscheltiere verschicken wir denn im Jahr und vor allem wohin und womit? Und, ja, seit letztem Jahr haben wir dann noch entschieden, dass auch auf unsere Produkte auszuweiten, weil es bei unseren Kuscheltieren halt so ist, dass wir so, was alternative Materialien angeht, ist das ein bisschen schwierig. Also der Großteil unserer Produkte wird aus Polyester hergestellt, das kommt von Öl, ist natürlich umwelttechnisch nicht so wahnsinnig toll, aber es gibt auch einfach noch keine guten Alternativen. Und bis es da mal gute Alternativen gibt, da werden noch Jahre ins Land ziehen. Wenn ich aber weiß, dass ich jetzt schon was für den Klimaschutz tun möchte, dann ist mal rauszufinden, was verursacht denn so ein Kuscheltier überhaupt, unabhängig davon, aus welchem Material das ist, was verursacht es denn? Und ich weiß ja genau, wie viel ich bestelle und wo das herkommt, dann kann ich mir das angucken und dann kann ich auch das messen und kompensieren. Und das ist total spannend, sich das mal anzuschauen, man lernt so viel über sein Unternehmen, das ist eine Bereicherung. Ja, da wird auf einmal die ganze auch sichtbarer. 

Klaus Reichert: Lieferkette, riesen Thema, wahrscheinlich auch grade für euch?

Josephine Dransfeld: Ja.

Klaus Reichert: Ja, verstanden. Das heißt also, du bist eine Freundin von Transparenz, das ist dir schon auch wichtig zu sehen, was passiert, wo es passiert, wie viel es ist. Es gibt viele Menschen, die mögen das nicht, die ignorieren sogar Transparenz, weil sie es eigentlich nicht wissen wollen. Aber das ist bei euch anders?

Josephine Dransfeld: Das ist bei uns anders, ja, wir wollen das wissen. Weil, ich meine, wir sind alle Menschen und wir haben alle ein Gewissen und es würde mich zu sehr belasten, wenn ich es nicht wüsste. Ja, ich weiß lieber, woran ich bin. Und, klar, wenn man in Asien unterwegs ist und in Asien produziert, da ist man halt schon auch mit Themen konfrontiert, die nicht einfach sind. Also wir wissen alle, was in China für eine Regierung am Werk ist, damit muss man klarkommen und damit muss man leben, also im Moment zumindest, während man versucht, mit Alternative irgendwie sich anzufreunden, die vielleicht, wo ich auch nicht weiß, ist das im Endeffekt mal besser, ja. Genau, also ich bin auch froh, dass wir alle unsere Lieferanten persönlich kennen. Gut, den Luxus hat nicht jeder. Je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger ist es. Wir haben eine Handvoll, ungefähr zehn Partner und wir kennen die alle persönlich und wir kennen auch unsere Fabrikstätten, wo die arbeiten. Die kennen uns, wir haben uns schon häufig besucht, wir gehen gern gemeinsam essen, tauschen uns aus, das ist unglaublich wertvoll. Und es war auch jetzt zu Krisenzeiten unglaublich wertvoll, weil, bei uns ist halt da nix weggebrochen. Am Anfang war Asien komplett zu, da haben wir unsere Lieferanten unterstützt. Dann war in Deutschland der Winter echt hart und Corona hat zugeschlagen, da haben die uns unterstützt. Jetzt ist es wieder andersrum mit dem schlimmen Lockdown in Shanghai. Ja, es ist ein Geben und Nehmen und wenn man seine Leute kennt, ist es unglaublich viel wert. Das kann man dann wiederum nicht gut messen, das sind dann eher so die Soft-Facts vielleicht, aber das gehört auch dazu. Und wir haben auch kein Problem mit dem Lieferkettengesetz. Es ist wichtig und es ist zwingend notwendig, weil, zu viel läuft das einfach nicht in die richtigen Bahnen, von daher, ja, wir befürworten das Lieferkettengesetz. Wir sind außerdem Gründungsmitglied von der Fair Toys Organisation, wir setzen uns sowieso für die Einhaltung von mehr Menschenrechte ein. Wir finden das gut, diese Gesetzesvorhaben und die sind auch richtig.

Klaus Reichert: Es wird immer vielfältiger, ne, also wir haben am Anfang über diesen Teil der ökologischen Nachhaltigkeit gesprochen, jetzt kommen wir schon auch in diesen Bereich der sozialen Nachhaltigkeit rein. Da gibt es ja eben viele Initiativen, je nach Branche sehr unterschiedlich, du hast es grade auch angesprochen.

Josephine Dransfeld: Ja.

Klaus Reichert: Wenn du jetzt diese Themen so aufzählst, zum Beispiel auf Messen, wenn ihr selbst ausstellt oder wenn du mit zukünftigen Kooperationspartnern, Lieferanten, Kunden oder sowas sprichst, wie reagieren die auf solche Themen, wenn du das ansprichst?

Josephine Dransfeld: Mittlerweile wird man dafür gefeiert, ja, aber am Anfang haben viele Leute so gedacht, ja, ihr habt einen Knall, ne. Also ich kann nur nochmal eine kleine Anekdote beisteuern, wir hatten 2014 ein Spielzeug entwickelt, das nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entwickelt worden ist. Das kannte damals kein Mensch, ja, war jetzt auch kommerziell vielleicht nicht so der Erfolg. Aber wir haben damals schon, wo Nachhaltigkeit eigentlich noch niemanden interessiert hat, also wo das noch kein Mainstream war wie jetzt, haben die auch immer alle gedacht, ja, ist nice to have, aber was soll ich damit, ne? Sagen so: “Ja, okay, die machen das halt.” Und jetzt denkst du so, wow, cool, krass und ihr habt das erkannt und wart von Vorneherein da dabei. Und ich denke mir jetzt so, in Zukunft werden vermutlich mehr Auflagen kommen für Unternehmen, egal ob das jetzt die Transparenz der Lieferkette betrifft oder ob das Umweltgesetzgebung betrifft oder das man sich mal seine Ökobilanz angucken muss und dann können wir sagen: “I don´t care, wir haben das alles schon! Wir haben diesen ganzen Aufwand schon betrieben, ja.” Dann denke ich mir so, hm, hat sich halt ausgezahlt, bisher hat sich das wirklich ausgezahlt. Und deswegen, ja, wenn man die Trends erkennt, sage ich mal oder vorausschauend denkt, dann kann das einem viel, viel, viel, viel Ärger ersparen. Und wir haben das aus eigenem Antrieb gemacht und nicht, weil der Gesetzgeber gesagt hat: “Du musst jetzt aber!”

Klaus Reichert: Du hast jetzt gesagt, wenn man Trends erkennt, wie erkennt ihr die Trends?

Josephine Dransfeld: Ich glaube, das liegt sehr an der Person und man muss immer bereit sein zu lernen. Und es gibt ja den schönen Spruch, das Reisen bildet. Und wenn man viel unterwegs ist und vielen Eindrücken ausgesetzt ist, wie es in anderen Ländern läuft, was andere Ländern so tun, dann hilft einem das, sich oft auch selbst infrage zu stellen. Nicht zu zweifeln, aber zu sagen: “Hej, ist das, was wir tun, wirklich gut genug?” Es geht immer mehr, man kann immer mehr lernen, es ist eigentlich nie zu Ende. Und wenn man halt irgendwann nicht mehr mit der Zeit geht, dann geht man mit der Zeit. Und ich glaube, grade jetzt auch in solchen Krisenzeiten ist das halt enorm wichtig, dass man am Ball bleibt, dass man sich weiterentwickelt. Das man nicht aus Trotz einfach stehenbleibt oder weil man Angst hat vor Veränderung oder vor den ganzen Auflagen, die dann kommen oder auch nicht. Das ist sehr personenabhängig, glaube ich. Ich habe das große Glück, dass meine Mutter unglaublich viel Weitblick und Weitsicht immer schon gehabt hat und immer besser werden will oder sich immer weiter optimieren will, also nicht nur sich selbst, sondern auch das Unternehmen. Und ich glaube, sie hat das ganz gut hingekriegt, dass das bei mir auch so geworden ist. Von daher, schaut out to meiner Mum, an der Stelle.

Klaus Reichert: Sehr schön, da freut sie sich sicher.

Josephine Dransfeld: Glaube ich auch.

Klaus Reichert: Ihr habt schon einiges auf den Weg gebracht mit euren, ich sage mal, Einsichten und Anforderungen bewegt ihr natürlich auch noch Weiteres außen rum, da habt ihr viele Erfahrungen gemacht. Wenn du das jetzt mal so zusammenfassen würdest, was wären denn so zentrale Tipps für andere Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen, die mit dem Thema starten wollen?

Josephine Dransfeld: Ich habe gestern erst einen Vortrag anhören dürfen, wo es am Ende hieß, fang einfach mal an! Es bringt, glaube ich, nix, eine große Strategie sich auszudenken oder zu sagen, wie mache ich das denn jetzt und innerhalb eines Jahres muss jetzt meine ganze Unternehmung hier klimaneutral sein. Ich glaube, das ist nicht der Weg, das ist zu viel, to mutch. Einfach mal anfangen und einfach mal machen! Es gibt sicherlich einen Aspekt in jedem Unternehmen, wo das total leicht ist, wo das total leicht geht, bin ich fest von überzeugt. Wenn man einmal angefangen hat und merkt, bow, das ging ja jetzt ganz schnell oder ganz leicht, dann fallen einem die anderen Schritte nicht so schwer. Ich glaube, wir als Deutsche oder wir Unternehmer müssen aufhören zu zaudern und wir müssen einfach wieder mehr ins Machen kommen. Und es ist auch nicht schlimm, wenn dabei mal was schiefgeht. Aus Fehlern lernt man das Meiste, das ist ja, das wissen andere Länder besser als wir Deutschen. Einfach mal anfangen und der Anfang ist überhaupt nicht schwer. Und dann geht das andere ganz von alleine.

Klaus Reichert: Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit für unser Gespräch genommen hast.

Josephine Dransfeld: Es war mir eine Freude.

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