Karsten Hiemesch und Markus Jüngert über gutes Essen und Nachhaltigkeit bei WMF

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast sind Karsten Hiemesch und Markus Jüngert meine Gesprächspartner. Wir unterhalten uns über gutes Essen und Nachhaltigkeit bei WMF.

Karsten Hiemesch Markus Jüngert
Portraits (c) WMF

Es geht in dieser Episode des Smart Innovation Podcast um gutes Essen und Nachhaltigkeit. Die beiden Gesprächspartner sind Experten in ihrem Feld und arbeiten intensiv zusammen um Nachhaltigkeitsthemen bei WMF voranzubringen. Mit den vielfältigen Aktionen rund um das Betriebsrestaurant gehen wir auf ein sehr greifbares Beispiel für Maßnahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie eines produzierenden Unternehmens ein.

Karsten Hiemesch ist Head of Corporate Social Responsibility WMF GmbH. Markus Jüngert ist Gastronomieleiter bei WMF in Geislingen bei Stuttgart. WMF ist ein Anbieter für hochwertige Haushaltswaren, professionelle Kaffeemaschinen und Hotel Equipment.

„Mein Alltag zeichnet sich durch ein sehr breites Tätigkeitsspektrum aus und als Head of CSR und Individualist im Unternehmen sollte ich Experte und Multitalent in einem sein. Deshalb ist eine ständige Weiterbildung zu allen relevanten Nachhaltigkeitsthemen ‚erste Pflicht‘. Eine große organisatorische Herausforderung ist es derzeit, die Werke, Vertriebsstandorte, Abteilungen und Funktionen noch stärker in die CSR-Verantwortung zu verankern. Stetig wachsende ökonomische, ökologische und soziale Herausforderungen weltweit aus Politik, Wirtschaft, Non-Profit Bereich sowie die sich ständig verändernden und erweiternden Ansprüche unserer Stakeholder erfordern eine 360 Grad Sicht auf Beantwortung von Assessments, Durchführung von sozialen Audits und Darstellung konkreter Themen zu Nachhaltigkeit und all den Facetten CSR.“

Karsten Hiemesch

„Als Gastronomischer Leiter der WMF stehe ich zusammen mit meinem Team tagtäglich mit dem Ziel in der Großküche, innovativ und nachhaltig zu arbeiten. Unsere Gäste schätzen unsere innovativen Verpflegungskonzepte ebenso wie unseren nachhaltigen und regionalen Ansatz bei der Beschaffung, Verarbeitung und Zubereitung unserer Lebensmittel. Mein Team und ich arbeiten getreu dem Motto: ‚Geht nicht, gibt’s nicht‘!“

Markus Jüngert

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Transkript

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Klaus Reichert: Unser Gesprächsthema heute gefällt mir sehr, es geht um gutes Essen und es geht um Nachhaltigkeit. Meine Gesprächspartner heute sind Carsten Hiemesch und Markus Jüngert. Wir unterhalten uns über gutes Essen, über Nachhaltigkeit bei WMF. WMF ist ein Anbieter für hochwertige Haushaltwaren, professionellen Kaffemaschinen und Hotel-Equipment mit Sitz in Geislingen bei Stuttgart. Carsten Hiemesch ist Leiter Coporate Social Responsibility, Markus Jüngert ist der Leiter der Gastronomie am WMF-Standort Geislingen. Die beiden sind Experten in ihrem Feld und arbeiten intensiv zusammen, um Nachhaltigkeitsthemen bei WMF voranzubringen. Mit den vielfältigen Aktionen rund um das Betriebsrestaurant gehen wir heute auf ein sehr greifbares Beispiel für Maßnahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie eines produzierenden Unternehmens ein. Willkommen, Herr Jüngert, willkommen, Herr Hiemesch, schön, dass Sie heute mit dabei sind.

Markus Jüngert: Einen wunderschönen guten Tag.

Carsten Hiemesch: Einen wunderschönen guten Abend, fast schon und vielen Dank für die Einladung.

Klaus Reichert: Ja, ist ja noch hell, ne?

Carsten Hiemesch: Ja.

Klaus Reichert: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für unser Gespräch. Ich bin wirklich froh, dass wir dieses Gespräch auch zu dritt führen zu einem Thema, bei dem sich Ihre gegenseitigen Aufgaben ja wirklich gut ergänzen. Wir wollen uns heute unterhalten über Ihre Aktionen rund um gutes Essen und Nachhaltig, Ihre Ansätze, Ihre Erfahrungen dabei, über diese Zusammenarbeit von zwei doch sehr sich ergänzenden Playern im Unternehmen. Und ich muss schon sagen, Sie haben ja beide super Jobs, finde ich, mit gutem Essen und mit SCR trägt man ja wirklich sehr zum Wohl vieler Menschen bei. Und Sie können ja mit konkreten Maßnahmen tatsächlich auch einiges zeigen und einiges sozusagen auch jetzt grade an CSR-Aktivitäten heute begreiflich machen. Bevor wir aber da loslegen, fände ich es toll, wenn Sie mal kurz noch bitte erklären, so in wenigen Sätzen, was Sie denn machen. Herr Hiemesch, vielleicht starten Sie.

Carsten Hiemesch: Sehr gerne. Also ich bin in der Funktion als Head of CSR, als Individualist tätig. Meine Funktion ist bei uns bei HR angesiedelt, also klassische bei Human Resorces. Und ich sehe mich als eine interdisziplinäre Funktion, das heißt, all die Themen Nachhaltigkeit, es sei es jetzt im operativen Bereich, sei es produktbezogen. Aber auch ganz wichtig, was entsprechend meine Hauptthemen beinhaltet, das sind die Themen CSR, social Standrads, Corporate Philanthropy, also wirklich die philanthropischen Themen, die sind dann auch klassisch bei HR zu sehen, aber alles andere kann und funktioniert nur in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen. Also ich bin quasi ein Multiplikator, der die Themen entsprechend im Unternehmen platziert, ausrollt, die Strategie auch entsprechend teilt, wir sind ja auch Teil eines noch größeren Konzerns und das muss alles mit einhergehen auch im Reporting schlussendlich. Aber mehr dazu vielleicht im späteren Verlauf dieses Gesprächs.

Klaus Reichert: Ja, danke. Herr Jüngert, wie ist das bei Ihnen?

Markus Jüngert: Ja, meine Hauptaufgabe ist die Grundversorgung oder die Verpflegung der Mitarbeiter am Standort in Geislingen. Und zusätzlich machen wir noch Kita- und Schulverpflegung hier in ganz Geislingen, also wir liefern jeden Tag circa 400 Essen außer Haus. Und wenn uns langweilig ist, machen wir noch Caterings im außer-Haus-Bereich und natürlich alles, was mit Konferenzen, Tagungen, Veranstaltungen intern zu tun hat, Gästecasino, Vorstandscasino, läuft alles über meinen Schreibtisch, alles was mit Essen und Trinken zu tun hat, geht über mich. Und ich bin froh, das Carsten Hiemesch auch da in der richtigen Position ist, weil wir dann auch schon die eine oder andere Aktion zusammen gemacht haben.

Klaus Reichert: Ja, da wollen wir auch gleich drauf eingehen. Sie haben grade gesagt, das geht über Ihren Schreibtisch, geben Sie uns doch mal bitte, damit wir besser verstehen, von was wir jetzt sprechen, eine Idee von der Größe Ihres Umfeldes Ihrer Tätigkeit. Wie viel Mitarbeiter sind bei Ihnen in der Gastronomie? Wie viel Mahlzeiten machen Sie am Tag? Wie viele Menschen sozusagen kommen zu Ihnen jedem Tag?

Markus Jüngert: Also wir sprechen jetzt einmal, sage ich mal, von vor Corona, wir haben vor Corona ungefähr 1.500 Essen pro Tag produziert. Wir sind 2019 in eine neue Gastronomie, in ein neues Gebäude eingezogen, das wir drei Jahre im Vorfeld geplant haben, haben das ein bisschen größer gebaut wie die alte Küche war. Wir haben auch hier drauf geachtet, dass wir schöne Wege haben, gute Arbeitsplätze haben, Tageslicht haben, das alles hell beleuchtet ist, dass die Abläufe vom Wareneingang bis zum Gast, bis der Gast das Restaurant wieder verlässt, alles sauber und ruhig läuft. Im Catering-Bereich, wie gesagt, 450 Kita- und Schulessen, jeden Tag und ungefähr zwischen 80 und 90 Caterings, was wir noch im Jahr stemmen. Da geht es los von einem Abendessen für den Vorstand mit sechs Personen bis hoch zu Abiball, Hochzeiten, Firmenevents bis 5-, 600 Personen nachher und dann natürlich Konferenzbereich, Tagungen. Es kann auch mal sein, wenn wir Kundendiensttechnikertagungen haben, sind jede Woche 100 Leute da, die werden voll versorgt, Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Abendveranstaltung.

Klaus Reichert: Unglaublich.

Markus Jüngert: Da kommt schon was beieinander zum Teil.

Klaus Reichert: 1.500 Essen am Tag, wie viel Personen machen das?

Markus Jüngert: Wir haben eine Küchenmannschaft aktuell von 27 Personen, inklusive Aushilfen, inklusive Reinigungskraft und der Spülfrau. Und eben Teilzeitbereich, Vollzeitbereich, Aushilfsbereich, also das ist so ein bisschen aufgeteilt.

Klaus Reichert: Alle im Catering und in Cafés und in Dings und so weiter, sind Sie allein für sich schon eigentlich ein mittelständisches Unternehmen?

Markus Jüngert: Ja, kann man so sagen. Also ich zähle von der Personenzahl, der Größe der Abteilungen, mit zu den, ich glaube, dritt- oder viertgrößten Abteilungen hier im WMF-Unternehmen. Es sind, klar, ganz große Teile sind die Fertigungsbereiche nachher und dann komme aber schon ich. Ich bin in zweiter Funktion, haben wir noch eine Außenstelle hier in unseren Fabrikverkäufen oben. Da haben wir noch ein kleines Bistro, da sind auch nochmal zehn Mitarbeiter dazu nachher und das leite ich nebenher als Geschäftsführer sozusagen.

Klaus Reichert: Wenn bei Ihnen irgendwas dumm läuft, dann sind ein Haufen Leute einen Tag lang unglücklich, oder?

Carsten Hiemesch: Ja.

Markus Jüngert: Ja, Carsten, ja, ja. Ja, man hat natürlich, man darf das nicht vergessen, man hat natürlich eine riesen Verantwortung mit so einem gastronomischen Betrieb und man kann natürlich auch mit schlechtem Essen eine schlechte Stimmung erzeugen und deswegen ist das immer extrem wichtig.

Klaus Reichert: So einfach nur, wenn mal, was weiß ich, die Auswahl nicht so ganz war, wie die Leute das wollen, dann ist vielleicht  auch-

Markus Jüngert: Ja, kriege ich es sofort aufs Brot, ja.

Klaus Reichert: Ja, genau, schön.

Markus Jüngert: Kriege ich sofort Mails oder die Leute sagen: “Oh, das war jetzt gestern aber nicht so toll und was hast du denn da wieder gekocht nachher.” Ja, die sind schon sehr- das ist natürlich, ich vergleiche das immer mit so, wenn Sie in ein Restaurant gehen, da gehen Sie rein und sagen, das war gut oder es war schlecht. Wenn es gut war, gehen Sie wieder rein, irgendwann haben Sie Ihr Stammrestaurant, wenn Sie irgendwo waren, sagen: “Ja, vielleicht können wir noch ein zweites Mal reingehen.” Vielleicht war das nicht so toll, wenn es beim zweiten Mal schlecht war, dann gehen Sie halt woanders hin. Wenn Sie aber jetzt hier in der WMF arbeiten, können Sie nicht jeden Tag sagen, ich gehe jetzt in ein anderes Restaurant, weil, es gibt nur das eine hier vor Ort. Also müssen Sie ja auch sehen, da haben wir ganz viele Kunden, die zum Teil über 30, 40 Jahrelang jeden Tag zum Essen kommen und das sind die anspruchsvollsten Kunden. Das ist also extrem schwer, die auch bei Laune zu halten, Abwechslung zu bieten. Gucken, dass die nach zehn Jahren nicht aus allen Nähten platzen nachher, weil sie ja, keine Ahnung, weil du dann auch zu fett kocht oder was nachher. Und, ja, das ist schon ein schwieriges Thema nachher und ein spannendes Thema auch vor allem.

Klaus Reichert: Und gleichzeitig, wenn Sie 1.500 Essen am Tag haben und entsprechende, ich sage mal, Besuche eben in Cafés, Bars oder was es eben da so alles gibt, dann sind Sie natürlich auch ein Ort der Kommunikation, des Austausches, wo man eben auch Dinge und Themen transportieren kann. Und jetzt kommen wir auch zu unserem Punkt, wo Sie beide ja dann auch sehr, sehr intensiv zusammengearbeitet haben mit verschiedenen Aktionen. Bevor wir da eingehen auf das, was da geschehen ist, wie hat denn diese Zusammenarbeit begonnen zwischen Ihnen beiden?

Markus Jüngert: Carsten, willst du was zu sagen?

Carsten Hiemesch: Ja, also ich würde sagen, das hat sich einfach ergeben und prima ergänzt, einerseits, ich sage mal, die Präsenz des Betriebsrestaurants. Wir haben ja einen Ausgabebereich, einen Eingangs-, Ausgangsbereich, das bietet sich ja prima an, um Mitarbeitende, sage ich mal, auf Themen hinzuweisen, sei es jetzt durch kleine Messestände, sei es durch kleine Wochen der nachhaltigen Entwicklung. Und der Markus und seine Philosophie ist ja per se nachhaltig. Also er hat eigentlich noch gar nicht erzählt, was er entsprechend für Zertifikate, für Themen zum Thema Nachhaltigkeit in der Kantine im Betriebsrestaurant schon hat, das ist nämlich absoluter Wahnsinn also, deshalb spiele ich gerne den Ball rüber wieder zu Markus.

Markus Jüngert: Ja, genau, das ist, gut, nochmal da zum Hintergrund, weil du es jetzt grade angesprochen hast. Also wir sind auch seit 2016 DGE-zertifiziert, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, einmal im Bereich, eine Linie im Betriebsrestaurant und einmal DGE-zertifiziert als Caterer für Kita und Schule, weil das dort immer mehr das Thema und der Fokus wird. Wir haben uns dann gleichzeitig Bio-zertifizieren lassen in dem Zuge. Wir machen hier eine Komponentenauslobung, bieten die Bio-Komponenten auch auf dem Kinderspeiseplan an. Wir sind mehrfach von der Fachzeitschrift Fokus and Food & Health ausgezeichnet worden als einer der Top fünf Kantinen in Deutschland, haben dort zweimal hintereinander den ersten Platz in der Kategorie Nachhaltigkeit gewonnen. Und sind jetzt aktuell grade dran, eine EU-Zertifizierung zu machen, weil wir mehr Essen außer Haus liefern wie wir eigentlich sollten oder dürften. Da gibt es eine gewisse Grenze, die ist gesetzlich vorgeschrieben und wenn du die überschreitest, musst du dich EU-zertifizieren lassen. Das machen wir jetzt, haben wir jetzt vor einem halben Jahr angestoßen und das ist demnächst, denke ich mal, in Q2 sollte es über die Bühne gehen. Und natürlich werden da ganz viele Menschen oder Firmen auf dich aufmerksam, wenn du natürlich viel in der Presse bist und kommen dann mit Nachhaltigkeitsberichten und nachhaltigen Sachen und neuen Produkten. Das war ja das Thema Demeter, mit denen arbeiten wir oder, wir beziehen ja ganz viele Produkte über unseren Biohändler von Demeter, da kam das Thema auf, sie machen diese Acker- und Bodengeschichte nachher, wo man dann ausstellen kann. Und da habe ich gesagt, Carsten, weiß ich, dass er ja das Thema Nachhaltigkeit und CSR bei uns macht und er natürlich immer so ein bisschen, sage ich mal, es ist eigentlich ein armer Hund, weil, er sitzt halt irgendwo im Büro, muss das Thema-

Carsten Hiemesch: Moment, ich war viel unterwegs.

Markus Jüngert: Ja, nein, aber er muss halt dieses Thema CSR präsentieren und machen und ihm fehlt halt immer so ein bisschen die Öffentlichkeit nachher, sage ich mal. Da laufen jetzt nicht 1.000 Leute bei dir am Tag vorbei. Wenn ich gut koche, dann kriege ich viel Lob, wenn ich schlecht koche, kriege ich halt Hiebe, sage ich mal in Anführungszeichen. Wenn halt der Carsten irgendein tolles Projekt macht, dann muss er da durchbeißen durch Intranet, durch Internet, durch Medien, muss bei mir Ausstellungen machen, das ist dann immer so ein bisschen schwer zu kommunizieren. Deswegen nehme ich dann solche Leute auch gern mit rein, weil du weißt, ist auch ein super Typ und das wir da einfach ein bisschen das Zusammenspiel haben, so können wir praktisch zwei Themen gleichzeitig auf einer Bühne präsentieren. Das erweckt natürlich bei den Mitarbeitern natürlich nochmal ein anderes Interesse, wie wenn jetzt der Carsten nur sagt: “Ja, wir haben letzte Woche jetzt, keine Ahnung, die Folie reduziert im Unternehmen oder so.” Klar ist das ein tolles Ding, aber-

Klaus Reichert: Was ich da aber jetzt auch raus höre, ist, das ist jetzt nicht nur so, dass Sie jetzt im selben Unternehmen arbeiten und dass es da eben Verbindungen grundsätzlicher Art gibt oder sinnvoll ist, Sie scheinen sich auch persönlich ganz gut zu verstehen.

Markus Jüngert: Definitiv!

Carsten Hiemesch: Ich meine, schauen Sie uns beide Mal an.

Markus Jüngert: Ja, Carsten ist jetzt schon lange im Unternehmen, ich bin jetzt 23 Jahre im Unternehmen, ich habe nächstes Jahr Jubiläum, 25, nee, 24 Jahre und leite jetzt die Gastronomie seit 2009. Wir haben, will ich jetzt mal sagen, in den letzten zwölf Jahren viel bewegt, wenn ich weiß, wo wir herkommen, wo wir vor zwölf Jahren standen. Wenn ich Diskussionen höre aktuell, ja, wir brauchen mehr nachhaltiges Fleisch und wir brachen Labels, wo das Fleisch herkommt, ja, da haben wir uns schon vor acht oder zehn Jahren Gedanken drüber gemacht. Wir haben schon seit zehn Jahren Schweine, die wir bei Bauern großziehen lassen im Freiland, wir haben Rinder, die von einer Rinderzucht hier aus der Umgebung kommen, wir haben Wild vom Bauernhof, wir haben Eier von der Farm direkt vor der Tür. Das sind Themen, da macht sich heute komischerweise jeder Gedanken drüber nachher. Das ist für uns schon passé, wir sind schon bei einer ganz anderen Richtung nachher. Wir gucken jetzt, wir schauen jetzt, wie kriegen wir die Mitarbeiter versorgt nachhaltig auch nachher. Nicht mit Plastikschalen und mit Plastikbechern, sondern mit nachhaltigen Geschirr und so weiter uns sofort nachher. Wie können wir die Mitarbeiter im Homeoffice versorgen? Die Leute, die du jetzt gelernt hast hier, wo du trainiert hast, die wissen, wie du tickst, was du willst, wo du hin willst, was auch deine Philosophie auch weitertragen. Das nützt ja nichts, wenn ich jetzt hier sitze und sage: “Wir machen jetzt einen auf nachhaltig” und die in der Küche kochen wie die Wilden nachher. Ich meine, das funktioniert ja nicht nachher, da musst du immer, da bist du immer da, ja.

Klaus Reichert: Grade in der Gastronomie ist Training ja so eine ganz, ganz wichtige Sache, das man tatsächlich auch nicht nur das Handwerkliche, das kommt ja meistens schon mit, sondern mehr so diese Philosophie eben auch übertragen kann.

Markus Jüngert: Das musst du denen ja einreden. Die kommen dann auch und sagen: “Ja, warum muss das jetzt Bio sein, das ist ja viel teurer?” Sage ich: “Nein, das ist jetzt nicht, weil es Bio ist und nicht, weil es teurer ist, sondern weil das einfach nachhaltig ist.” Ich bin auch kein Bio-Fanatiker nachher, sondern ich habe mein erster Fokus ist immer, ich möchte wissen, wo meine Sachen herkommen, was ich einkaufe und ich möchte den Lieferanten dahinter kennen. Und deswegen habe ich auch ganz viele direkte Produkte. Ich kaufe auch ganz viel direkt beim Produzenten nachher und die sagen dann auch immer: “Ja, der Salat ist vielleicht jetzt, ah, guck mal hier” und dann sage ich: “Ja, ist egal, aber ich weiß, wo der Salat herkommt.” Da ist nix dran, da ist kein Spritzmittel dran. Muss man halt vielleicht eine halbe Stunde putzen, aber ist egal.

Klaus Reichert: Okay. Ah, das ist jetzt eine ganz spannende Frage eigentlich auch, wenn man so auf die Beschaffung guckt, die Lieferkette anguckt, die haben Sie jetzt natürlich sehr, sehr kurz halten können wahrscheinlich in vielen Fällen. Aber wenn Sie jetzt da zum Beispiel circa diese zehn, zwölf Jahre zurückgehen, war das dann komplex, das umzustellen? War es schwierig, da jemanden zu finden, der Ihnen das dann liefern kann in der Qualität und Menge, die Sie auch gebraucht haben?

Markus Jüngert: Ich sage mal, wenn du natürlich jetzt anfängst mit so einem Thema, wo du sagst, ich möchte jetzt mehr nachhaltig, mehr Regionalität und du gehst jetzt irgendwo ins Nachbardorf und sagst: “Ich brauche von dir 500 Hähnchenbrüste, kalibriert”, also kalibriert heißt, alle nach Größe geschnitten, da schmeißt der dich da raus, das funktioniert ja nicht nachher. Du brauchst A) verlässliche Lieferanten, die das auch leisten können. Die nicht sagen, ja, das kann ich, das kann ich und dann können sie es nicht nachher oder die Qualität ist nicht gut. Das ist ja auch, das heißt ja nicht, ich kaufe jetzt nachhaltig ein, damit es irgendwo günstig ist, sondern ich kaufe nachhaltig ein, das A) der Lieferant was davon hat beziehungsweise der Produzent und meine Gäste was davon haben nachher. Grad so dieses Thema, ich habe eine Gärtnerei, die machen für mich im Winter Feldsalat und die pflanzt für mich ein, zwei Gewächshäuser voll mit Feldsalat. Und wir ziehen in der Woche ungefähr zwischen 30 und 40 Kilo Feldsalat, nur aus dieser Gärtnerei, ich kaufe keinen anderen Salat. Brauche ich auch nicht, ich brauche keinen Radicchio und keinen schieß mich tod, da gibt es halt im Winter nur Feldsalat. Es gibt im Winter bei uns auch zum Beispiel keine Gurken und Tomaten, auch wenn die jetzt Bio sind. Ich brauche keine Bio-Tomate im Winter, das gibt es halt einfach nicht nachher. Du musst halt einfach, gewisse Sachen musst du streichen. Wir hatten am Anfang vielleicht natürlich auch Probleme, weil wir gesagt: “Jetzt schreit jeder, es gibt keinen Gurkensalat im Winter oder sowas nachher”, aber es funktioniert. Du musst nicht nur deine Mitarbeiter mitnehmen, sondern du musst auch deine Gäste ja mitnehmen.

Klaus Reichert: Ja, genau.

Markus Jüngert: Das ist ja das Allerschlimmste, das ist ja das Allerschwierigste. Weil, das Team, das Team hast du ja jeden Tag da. Ich bin auch einer derjenigen, da sage ich, klar habe ich normalerweise einen Bürojob, aber ich koche unheimlich gern in der Küche und ich bin auch unheimlich nah an meinem Team dran und stehe morgens immer zwei Stunden mit in der Küche. Und wenn ich Ware einräume und kontrolliere und gucke, was machen wir und wie sieht es aus, machen wir es so, machen wir hier, machen wir da? Das sind halt immer Fragen da im Team. Wir machen keine große Besprechung, sondern ich bin eigentlich immer ansprechbar und dann ziehe ich mich ein bisschen zurück nachher.

Klaus Reichert: Das heißt also, Sie stellen schon auch sicher, dass es eben eine Präsenz von Ihnen gibt bei den Leuten und können darüber dann tatsächlich auch diesen, ja, diese Gedanken, die Ziele, die Informationen und so weiter eben auch übertragen, während man arbeitet, während man schnippelt.

Markus Jüngert: Ja, das ist, logisch, ja, du stehst ja da nebeneinander oder du stehst am Kessel oder rührst irgendwas oder brätst. Das ist ja nicht so jetzt in der Großküche, wie im Restaurant, wenn du da jetzt irgendwas kochst, da läufst du ja nicht alle 30 Sekunden weg, sondern du kochst halt da mal auch eine halbe Stunde am Stück, am Stand, ne. Das sind ja auch andere Dimensionen. Oder wenn Sie dran denken, wir haben für die Kinder die Woche 800 Schnitzel paniert, zwei Leute stehen halt zwei Stunden da.

Klaus Reichert: Ja, das kann man sich gar nicht vorstellen, ja, so viel.

Markus Jüngert: Ja, ich könnte natürlich auch das Zeug tiefgefroren kaufen auch, aber, nein, will ich nicht! Das ist einfach ein Qualitätsanspruch, den ich habe, den wir auch umsetzen können, was ich nicht machen will nachher. Und wenn du das Team mitgenommen hast, du musst natürlich das Team, das ja natürlich auch draußen, wenn sie an der Ausgabe. Ich kann ja nicht drei Ausgaben oder vier Ausgaben gleichzeitig betreuen, das geht ja nicht nachher. Ich habe natürlich Präsenz auch in der Ausgabe, in der Mittagsausgabe, wenn die Gäste kommen. Aber wenn jetzt der Gast an die Theke kommt und sagt: “Ja, was ist denn das für ein Fleisch, wo kommt denn das her”, dann sagt die Mitarbeiterin: “Keine Ahnung.” Ja, gut, dann kannst du hinten drin nachhaltig machen, so viel du willst.

Klaus Reichert: Jetzt haben Sie grade gesagt, Mensch, Sie müssen ja auch natürlich intern die Mitarbeitenden in der Gastronomie informieren und aufklären und so weiter, aber Sie machen das natürlich ja auch, und jetzt in Zusammenhang mit dem Herrn Hiemesch, die Aufklärung zu bestimmten Themen eben der Essenden, der Gäste, ja, so ist wahrscheinlich der beste Begriff. Was haben Sie denn da für Aktionen so in der letzten Zeit gestartet gehabt? Wir haben grade kurz drauf angesprochen, aber damit wir es besser verstehen, was sind denn da so Beispiele?

Markus Jüngert: Gut, wir haben natürlich einen riesen Vorteil, wir haben ein Intranet und kann jeder Mitarbeiter zugreifen, auch vom Homeoffice aus natürlich nachher. Und wir haben einen sehr guten Draht in die Presseabteilung oder in die Unternehmenskommunikation. Und Carsten und ich versuchen auch bei solchen Themen, die dann auch immer von vorneherein mit einzubinden, zu sagen: “Hier, pass auf, da passiert irgendwas nachher, können wir das präsentieren nachher?” Wir haben natürlich jetzt am Anfang, haben wir natürlich viel Material von der DGE bekommen, was wir aushängen. Wir hängen unsere ganzen Auszeichnungen und Zertifikate aus, die musst du auch aushängen. Dann haben wir jetzt, ich glaube, drei Aktionen mit dem Carsten Hiemesch schon gemacht oder mit dem Thema Nachhaltigkeit nachher. Dann haben wir ja hier am Standort in Geislingen eine Gesundheitskrankenkasse, mit der haben wir jetzt letztes Jahr eine zweiwöchige Gesundheitsaktion gemacht, in Anführungszeichen, wo wir Gerichte gekocht haben, die wir dann auf Video aufgezeichnet haben. Also schnelle Gerichte auch für Zuhause, wo du jetzt nicht drei Stunden kocht musst, sondern, keine Ahnung, in einer Viertelstunde erledigt sind. Die haben wir in so Schnellvideos dann zusammengeschnitten, haben die dann ausgestrahlt.

Klaus Reichert: Also für die Homeoffice-Leute, damit die quasi dann-

Markus Jüngert: Ja, also es war jetzt mal eher fokussiert für die Krankenkasse. Das Thema habe ich bei anderen Kollegen mitbekommen, dass die praktisch im Betrieb also Videos gedreht haben für die Mitarbeiter im Homeoffice, um da irgendwas zu kochen nachher. Habe ich auch schon welche, aber das war jetzt eher mal mehr für die Krankenkasse. Das war schnelle Küche, gesund, leicht, nicht schwer. Also Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie jetzt mittags zum Essen und essen eine Schweinshaxe mit Sauerkraut, dann können Sie im Büro zwei Stunden abliegen und sich nicht mehr regen nachher. Also das ist ja auch so, dass hat ja für mich auch was mit nachhaltig zu tun.

Klaus Reichert: Ja, auf einer ganz anderen Ebene.

Markus Jüngert: Nachhaltig, ja, viele sagen immer: “Nachhaltig, ja, du musst nachhaltig einkaufen oder du musst nachhaltig leben.” Das ist ein riesiges Feld für mich, das fängt ja beim Einkauf an, wo kommt es her, wie koche ich, was verwende ich, wie versorge ich meine Mitarbeiter? Wie entsorge ich nachher meinen Müll? Habe ich überhaupt Abfall nachher? Auch bei uns in der Gastronomie und in der Großverpflegung ein riesiges Thema nachher, diese Müllvermeidung.

Klaus Reichert: Klar, dann haben Sie so das Thema Energiekosten, denke ich, auch.

Markus Jüngert: Natürlich, klar, logisch, das heißt, auch neue Technik, Energiekosten. Muss ich die Pfanne morgens um sieben anschalten, wenn ich komme oder lang es, wenn ich die um neun anschalte? Na, Sie schalten auch nicht Ihren Herd um fünf an, wenn Sie Heim kommen und fangen erst um sieben an zu kochen nachher. Das ist, ja, da muss man halt einfach auch gucken nachher, was kann ich abschalten, brauche ich das? Ist die Kühlhaustür dauernd offen? Macht doch die Tür zu bitte, nachher, mach das Licht aus nachher. Du musst ja nicht das Licht brennen lassen den Tag, von morgens bis abends. Also da gibt es ganz, ganz viele Themen, das ist nicht nur, dass wir sagen: “Wir brauchen jetzt lauter nachhaltige Lebensmittel”, da geht es dann schon los mit, keine Ahnung, mit Kleinigkeiten auch nachher, wo dann auch anfangen kannst zu sagen, muss das sein, ne?

Carsten Hiemesch: Gut, ergänzend dazu, wir haben auch ein Energiemanagementsystem nach ISO 50.001, ein Umweltmanagementsystem ISO 14.001. der Markus ist natürlich auch in Kontakt in diesen internen Audits natürlich, wie kann man es verbessern? Da ist ja auch ein KVP, also ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess dahinter. Und das sind all die Dinge, die den Markus begleiten, natürlich ja auch lebt, sage ich mal.

Klaus Reichert: Ja, die Sie ja auch, wie soll ich sagen, die Ihnen tatsächlich dann auch zertifiziert besser zu werden, ja.

Carsten Hiemesch: Das messbar darzustellen. Richtig, ja.

Klaus Reichert: Ja, cool. Ja, dann hatten Sie so verschiedene Aktionswochen, ich erinnere mich an Demeter-Woche, was hatten wir noch? Also was waren das für Beispiele, die Sie da hatten?

Carsten Hiemesch: Also ich habe die Gelegenheit, wie vorhin erwähnt, immer einen schönen Infostand aufzubauen. Also seit 2017 organisiere ich jedes Jahr die sogenannten Wochen der nachhaltigen Entwicklung. Da bediene ich mich dann im Netzwerk Nachhaltigkeit Baden-Württemberg. Da erhalten wir vom Land Baden-Württemberg sehr viele, ich sage mal, Ratgeberlein, Blumensamen, nachhaltige Helfer für den Alltag, nachhaltige Papiertüten mit nachhaltigen Botschaften entsprechend. Und wir versuchen, so unseren Mitarbeitenden, sage ich mal, auch entsprechend auf die Reise zur Nachhaltigkeit mitzunehmen, in dem wir diese Informationen bereitstellen, die sind dann entsprechend am Ausgangsbereich für jeden zum Mitnehmen greifbar. Zu Beginn war ich auch immer dabei, um entsprechend Fragen beantworten zu können, aber das ist eigentlich nicht mehr erforderlich, weil, Nachhaltigkeit ist ja in allen entsprechenden, sage ich mal, Köpfen präsent mittlerweile. Ja, dann die Demeter-Aktionswochen, das war ja dann gemeinsam mit dem Markus und auch auf Initiative von dem Markus. Und darüber hinaus organisieren wir auch regelmäßig sogenannte Charity-Weeks. Also immer so kurz vor Weihnachten versuchen wir, natürlich jetzt auch vor, ja, dem schrecklichen, ja, Hochwasser im Ahrtal, was ja letztes Jahr war oder jetzt entsprechend der Ukraine-Krieg, haben wir trotz alledem auch immer ehrlich zu Spenden, zu entsprechenden Themen aufgerufen. Und da war es aber auch notwendig, dann vor Ort zu sein, auch mit den Menschen zu sprechen. Also das sind so, ja, ein Sammelsurium an verschiedenen Themengebieten, die man da wunderbar dann auch bespielt, aber natürlich alles in Interaktion mit dem Markus und Team gemeinsam.

Klaus Reichert: Und Sie haben eben diese Aufmerksamkeit der Menschen, die zum Essen kommen, die vielleicht noch ein bisschen Zeit haben, die sich informieren können, die eine Frage stellen, hier irgendwas mitnehmen und so weiter, ja.

Markus Jüngert: Du brauchst halt immer die richtige Position im Restaurant nachher.

Carsten Hiemesch: Exakt.

Markus Jüngert: Wenn der Mitarbeiter kommt, da hat er nur Essen im Kopf nachher. Dann ist er beschäftigt, auf dem Monitor zu gucken, was gibt es heute? Ich habe den Speiseplan grad gelesen, ich muss jetzt an die Theke. Und wenn der nachher sein Tablett abgegeben hat, das haben wir mit dem Carsten dann auch immer diskutiert, wo ist der beste Platz für so eine Aktion? Dann habe ich gesagt: “Hier, wenn der Mitarbeiter sein Tablett abgegeben hat und er ist jetzt fertig und er hat jetzt Feierabend vom Essen. Er hat vielleicht noch eine Viertelstunde Zeit, bevor er wieder ins Büro geht, dann”, habe ich gesagt, “da ist der richtige Platz. Da musst du dich hinstellen, das kriegst du die meisten Leute.” Weil, da bleibt dann ach mal jemand stehen. Wenn du irgendwo im Durchgang stehst oder am Eingang stehst, da rennen alle an dir vorbei nachher, das bringt nix.

Klaus Reichert: Das finde ich eine ganz tolle Erkenntnis jetzt grade, muss ich ehrlich sagen.

Markus Jüngert: Ja, ja, das ist, macht sich vielleicht gar keiner Gedanken drüber, aber du kannst ja den Stand nicht irgendwo hinstellen. Du kannst einen Stand in die Fußgängerzone stellen und da latscht jeder dran vorbei nachher, ne?

Klaus Reichert: Ja, ja, verstehe ich. Wir haben jetzt auch gleich eine Frage von der Barbara Schmucker zu diesem Thema, passt ganz gut dazu, finde ich. Wie findet man die Balance zwischen dem Informieren und dem Belehren, vielleicht sogar dann auch etwas auch nerven?

Carsten Hiemesch: Sehr guter Punkt. Ich hatte ja erwähnt, dass ich zu Beginn bei diesen Aktionswochen immer live vor Ort war und ich habe auch wirklich festgestellt, wenn ich proaktiv auf die, ja, auf die Mitarbeitenden zugegangen bin, dann sind sie mir meistens ausgewichen. Aber wenn man denen ein bisschen mehr Raum bietet, erst mal zu schauen, was ich da für Informationen und dann blättern die oder gucken sich einfach mal ein Poster an und dann kommt man dann eher, sage ich mal, ins Gespräch, sofern ich dann vor Ort bin. Aber ich habe die Erkenntnis und Erfahrung gemacht zu diesen Themen, das sind ja wirklich die Softskills, die wir da entsprechend auslegen, also eigentlich Nachhaltigkeit für Jedermann, jede Frau und für jedes Kind, da ist es einfach sinnvoll, es einfach mal entsprechend nur auszulegen. Bei Fragen, die wissen ganz genau, wer ist hier entsprechend in der Verantwortung, wen kann ich fragen zu welchen Themen auch immer und so fahre ich bisher eigentlich ganz gut, ja. Also belehren funktioniert definitiv nicht, das sollten wir nicht tun. Weil, ja, wir wissen ja, wie die Menschen ticken und wir wollen die einfach mitnehmen und einfach was bereitstellen, die Möglichkeit, einfach mal was darzustellen, das ist so, ja, der Ansatz.

Markus Jüngert: Genau, das Gleiche gilt für die Gastronomie genauso, das Thema belehren oder den Menschen leiten, was will er denn essen nachher. Es gab vor Jahren die Diskussion, einen Vegi-Day einzuführen. Und da habe ich gesagt: “Du kannst den Mitarbeitern nicht vorschreiben, was er zu essen hat, das geht nicht.” Der Mitarbeiter ist frei, der kommt zum Essen. Der will sich entspannen, der will eine gemütliche Pause genießen, da möchte er nicht vorgeschrieben haben, was er zu essen hat. Du kannst mittlerweile, kannst du vieles über die Speiseplangestaltung steuern, das ist richtig, das kannst du heute steuern. Viele Kollegen, oder auch ich, gehen mittlerweile her und nehmen aus der Hauptlinie das Fleisch raus und mache dort eine vegetarisches oder ein veganes Gericht rein. Bei dem veganen Gericht steht aber nicht riesen groß das Vegansymbol davor oder steht ganz fett oben drüber, vegane Spaghetti heute, das interessiert überhaupt gar keinen, sondern das muss optisch ansprechend sein. Weil, der Gast entscheidet, klar, über den Speiseplan, was will ich heute essen? Kommt ins Restaurant, sieht, was an der Theke steht und hat innerhalb von Millisekunden entschieden, was er essen will und entscheidet sich dann auch oft auch für Themen, wo kein Fleisch drin ist nachher. Und da hat sich extrem viel verschoben. Und wir haben nie gesagt, bei uns gibt es heute nur vegetarisch. Wir haben Tage, da gibt es ein veganes, ein vegetarisches und nur ein Fleischgericht, das ist überhaupt gar kein Problem. Weil der Gast oder der Kunde, der Fleisch essen will, der darf das ja machen, das ist ja nicht mein Problem. Bei mir weiß er ja, wo es herkommt, er weiß, dass es nicht irgendwie aus einer Massentierhaltung kommt oder das es nachhaltig ist. Na, das kann er ja gerne tun, das ist in Ordnung. Aber wir merken schon ganz stark momentan, dass der Bedarf, dass der Fleischkonsum zurückgeht, also das Gespür für vegetarisch, vegan, extrem am steigen ist. Also da hat sich noch mehr verschoben jetzt im letzten Jahr.

Klaus Reichert: Dann ist meine Frage jetzt gleich natürlich sehr, sehr eingrenzend, aber es interessiert mich trotzdem. So meine eigenen Kantinenerfahrungen, Currywurst oder Linsen mit Spätzle, was ist so das, was am meisten bei Ihnen geht?

Markus Jüngert: Ja, Currywurst war lange, lange Zeit ein Klassiker, ist, glaube ich, mittlerweile totgeleiert. Hat aber auch ganz viel mit den Medien zu tun, mit diesem Prozedere, das schlechte Schweinefleisch, ja, das, was jetzt alles aufkommt mit, wie die Schweine gehalten werden, wie die geschlachtet werden, die Berichte über Tönnies, die Berichte über Schlachthöfe nachher, das hat einen extrem negativen Beigeschmack nachher. Ich merke zum Beispiel auch, wir haben ja, ich sagen es Ihnen mal zum Vergleich, wir haben, ich glaube, 2011 oder 12 haben wir angefangen mit unseren ersten eigenen, nicht eigenen, aber mit unseren ersten regionalen nachhaltigen Schweinen. Wir haben in Spitzenzeiten, das war 15, 16, haben wir, glaube ich, 100 oder 110 Schweine komplett verarbeitet im ganzen Jahr und letztes Jahr habe ich es grade mal auf 30 geschafft. Also man sieht da schon auch und ich merke das ja jetzt auch am Speiseplan. Wenn ich den Speiseplan schreibe und ich schreibe dort zum Beispiel ein Schnitzel rein, dann läuft das noch, dann ist das in Ordnung. Schreibst du jetzt aber irgendwie, keine Ahnung, einen schönen Braten oder ein Geschnetzeltes auf, da sage ich immer, das will kein Mensch mehr essen. Hast du nebendran ein vegetarisches Gericht, dann stehen sie da Schlange. Dann sage ich mir, Alter, geht es noch oder was? Aber es ist einfach so, das ist und das wird auch die Zukunft werden nachher.

Klaus Reichert: Sie merken im Restaurant auch an der Veränderung die andere Nachfrage, die anderen Gewohnheiten bei den Mitarbeitenden?

Markus Jüngert: Ja, voll. Ja und da sage ich, dann brauche ich es doch gar nicht mehr aufschreiben. Früher hast du gehabt, ja, da hast du, keine Ahnung, Tag, da hast du drei Essen jeden Tag angeboten, davon waren zwei Fleisch und eins vegetarisch. Da hast du zehnmal in der Woche Fleisch gemacht und fünfmal vegetarisch. Heute machst du das genau umgekehrt, heute machst du fünfmal Fleisch und zehnmal was anderes, also vegetarisch, süß, vegan, Salatteller. Wir haben einen Salatteller jetzt die Woche drauf wieder, läuft wie Hölle. Klar, das schöne Wetter draußen ist auch gut, ne, ist logisch. Heute gab es zum Beispiel unsere hausgemachten Maultauschen. Ja, gut, das ist nicht mehr die Menge, was läuft. Und wir haben auch, Sie habe die Linsen angesprochen, das ist natürlich bei uns auch legendär, ein Klassiker, ne, schwäbische Linsen mit Seidenwurst und schön eine Scheibe Bauch, wer will, dazu, ne. Da hätte ich vor sechs Jahren, hätte ich noch meine Hand ins Feuer gelegt dafür und hätte gesagt: “700-mal Linsen und 50 vegetarische.” Da kannst du irgend, in Anführungszeichen, einen Scheiß aufschreiben, weil, das ist eh keiner. Das kannst du heute nicht mehr machen! Du hast heute keine 700-mal Linsen, du hast heute vielleicht noch 400-mal Linsen, davon essen dann aber vielleicht noch 50 Leute Linsen ohne Seidenwurst, weil sie keine Wurst essen wollen. Ja, dann hast du vielleicht noch zehn Leute, die essen nur Wurst mit Senf, weil sie keine Linsen wollen und hast nebendran noch 200 Vegetarier. Also das ist, dieses Ding, oh, Linsen, da gibt es Linsen, die kommen jetzt wie die Wilden, das ist nicht mehr so, das geht auch nicht mehr. Jetzt müssen Sie sich auch mal ausrechnen, ich meine, ich sehe das ja in meinem System, jetzt geben Sie mal so einen Salatteller ein und machen da ein bisschen Schinkenstreifen drauf oder machen Sie, keine Ahnung, mit Käsestreifen und machen irgendwas drauf, was Sie da für eine Kalorienangabe haben. Und dann nehmen Sie nebendran das Gericht Linsen mit Spätzle und Seidenwurst, ja, im Schwäbischen gesagt, da haut es Ihnen den Vogel raus, was da an Kalorien drin sind. Da sieht der Mitarbeiter ja nicht, wenn da drauf steht. Wenn es dann drauf steht, wird es ihm bewusst und die Leute sagen dann und die wissen, rein theoretisch wissen sie, wo unsere Wurst herkommt, sie wissen, dass die nicht gelitten haben, die Schweine und alles und hin und her. Aber das ist einfach, da wird auch viel über die Medien gesteuert. Menschen lassen sich gerne lenken in dem Bereich. Jetzt war das Rindfleisch schlecht, weil die Kühe zu viel pupsen auf der Wiese, das ist okay. Jetzt kommt die Milch dran, jetzt sagen sie: “Die Milch ist schlecht, weil, die kommt ja auch von der Kuh, die muss auch so viel fressen davon.” Das Nächste, was jetzt dran ist, ist der Käse. Der Käse ist auch schlecht, weil, der kommt ja auch von der Kuhmilch nachher, ne, und so geht das immer weiter nachher. Und jetzt ist momentan das Schwein dran, jetzt kommt die Regierung und sagt- ja, es ist ein schwieriges Thema. Früher habe ich mich immer gefreut, wenn so ein negativer Beitrag kam, weil ich gesagt habe: “Ja, guck mal hier, ich habe schöne Schweine von hier und Ochsen von da und schieß mich tod und habe alles safe”, aber mittlerweile wird es halt einfach zu viel und die Menschen lassen sich alle zu arg steuern momentan.

Klaus Reichert: Herr Hiemesch, wenn Sie das jetzt so hören, dass es diesen Schwenk gibt zum Beispiel von mehr Fleischgerichte zu mehr vegetarischen Gerichten, wenn Sie daran dann auch wirklich sehen, dass die Mitarbeitenden sich da auch gewandelt haben, das ist ja auch ein Zeichen des Wandels in der Gesellschaft, wie ist das dann für Sie, ich meine, das sind ja genau ihre Themen hier?

Carsten Hiemesch: Ganz klar. Also ich sage, einerseits sind die Mitarbeitenden schon sehr, sehr stark aufgeklärt zum Thema Nachhaltigkeit als solches, nicht nur zum Thema Ernährung. Der purpose, die Sinnhaftigkeit, in einem Unternehmen zu arbeiten, wird immer wichtiger. Es wird immer auch, ja, gefragt, wie kann ich in meinem Unternehmen positiv auf die Gesellschaft mit einwirken? Aber auch ganz wichtig Lieferkette. Also beispielsweise, was der Markus ja entsprechend mit seinen, ja, Produzenten dargestellt hat, das gilt ja für uns ja genauso. Wir müssen ja auch die Lieferkette entsprechend nicht nur aus legislativer Vorgabe sauber halten, sondern es wird auch gefragt, es wird natürlich von innen, aber auch von extern extremst nachgefragt. Wir müssen die Lieferkette auch im Rahmen von social Audits auch entsprechend auditieren lassen. Das ist auch ein Bereich, den ich auch entsprechend schon mehrmals getan habe. Also das ist auch eine Geschäftsgrundlage. Wenn man hier sich nicht entsprechend aufstellt und nicht aussagefähig ist, da werden wir als WMF auch gar nicht mehr gelistet als Lieferant. Also das ist Business-entscheidend mittlerweile. Und das ist in Unternehmen, die entsprechend alle Märkte im B2B-, B2C-Bereich bedienen, ist das Usus geworden. Also man muss in jeglicher Hinsicht aufgestellt sein, nicht nur zum Thema Nachhaltigkeit, aber genauso Complaince, CSR, aber immer mehr auch die Softfacts, in Anführungszeichen, zum Thema, ja, Purpose, Sinnhaftigkeit. Als größter Arbeitgeber in der Region haben wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Was tun wir da, mit wem agieren wir, wen binden wir mit ein? Beispielsweise mit der Lebenshilfe arbeiten wir sehr eng zusammen an verschiedenen Standorten. Und das Engagement geht ja auch viel weiter darüber hinaus, über unsere anderen Standorte, die wir haben, das beschränkt sich ja nicht nur auf Geislingen. Es ist ein Sammelsurium von A bis Z, Sie können sich da jedes Mal andere Themen rauspicken. Und entsprechend ist ja auch mein Arbeitstag gestaltet. Also man spielt Feuerwehr, wo brennt was? Was muss zuerst erledigt werden, welche Antworten werden benötigt? Und entsprechend ist auch die Wahrnehmung. Deshalb ist auch der Markus für mich ein ganz wichtiger Player, die Wahrnehmung von dem Thema Nachhaltigkeit, CSR ist eigentlich immer sehr gering, weil, im Hintergrund wird gewirkt. Aber wie kann man innerhalb der Belegschaft hier auch entsprechend Awareness schaffen, durch welche Aktionen? Und da habe ich mit dem Markus und mit dem Betriebsrestaurant eine prima Gelegenheit, im Rahmen dieser Aktionswochen oder wenn wirklich außerordentlich mal was darzustellen ist, wie mit den Demeter-Aktionswochen, können wir da gemeinsam super agieren, also das sind dann, ja, die Möglichkeiten.

Klaus Reichert: Ja, ich finde das auch spannend, grade dieses. Man hat so den Eindruck, wir sind in einem Bereich, wo wir einerseits natürlich, ich sage mal, gesellschaftliche Aspekte beachten müssen, es gibt teilweise rechtliche Vorgaben, es sind Erwartungen einfach da auf Unternehmensebene, weil Sie grade auch gesagt haben, auf gesellschaftlicher Ebene, also das ist eine teilweise wenig greifbare Sache, ne. Aber jetzt kommen wir sofort ins Handfeste rein und haben dann das da Essen. Da ist viel Essen, ja, das sind viele Menschen. Ich habe ja vorhin in meiner Zahl, habe ich die Kinder vergessen, das heißt, wir sind eigentlich bei 1.900 Essen am Tag, wenn ich das jetzt so richtig in-

Markus Jüngert: Nee, das war mit Kindern.

Klaus Reichert: Ah, okay, also 1.500 Essen. Das ist ja wirklich eine Menge, da bewegt man was, bewegt man Material, da bewegt man sozusagen auch Emotionen dann später bei den Menschen und diese Verbindung, die finde ich einfach hier ziemlich spannend jetzt auch. Also auch, dass Sie sich da so gut zusammenfinden. Und ich glaube, das sind Sie auch ein schönes Beispiel jetzt für jemand anderen, der sowas anfangen wollte, es muss ja nicht gleich so ein riesen Unternehmen sein wie WMF. Aber gibt es da etwas, wo Sie sagen, Mensch, das war für uns ein guter Start, das hat uns gut geholfen zum Beispiel? Haben Sie vielleicht so ein paar Tipps, wie man dieses Thema am besten jetzt angehen würde, Nachhaltigkeit dann über das Betriebsrestaurant dann zu kommunizieren?

Carsten Hiemesch: Also ein gutes Beispiel kann ich auch im Rahmen der SDGs geben. Wir stiften die Stiftungsprofessur nachhaltiges Produktmanagement an der hiesigen Hochschule in Geislingen und die Studierenden kommen auch zum Essen. Also vor Corona zumindest, Markus, gell?

Markus Jüngert: Ja, geht jetzt wieder los, seit gestern. Das neue Semester hat gestern begonnen, geht schon wieder los.

Carsten Hiemesch: Also Sie müssen sich vorstellen, die Hochschule ist fünf Minuten fußläufig entfernt von der WMF, die Studierenden, Professoren essen bei uns auch. Und im Rahmen dieses Studienganges, kooperieren wir auch im Rahmen von Projektarbeiten Und wir hatten einmal auch zum Thema SDGs eine Kooperation begonnen, da war der Studiengang nachhaltiges Produktmanagement. Und entsprechend mit meiner Funktion haben wir überlegt, wie können wir das Thema SDGs, also diese Sustainable Development Goals, so transportieren, dass die Belegschaft erst mal eine Verknüpfung zu WMF erhält, eine Verknüpfung aber auch zu, sage ich mal, auch wieder zum Pariser Klimaabkommen schaffen? Und da haben wir entsprechend, ja, kleine DIN-A5-Karten erstellt. Also, in diesem Sinne vielleicht nicht ganz nachhaltig, wir mussten wirklich Papier schwarz und bunt machen. Aber wir mussten die SDGs bebildern und auf der Rückseite haben wir entsprechend dann auch dargestellt, wie spielt die WMF mit ihren Produkten, Prozessen, aber auch zum Thema Ernährung, Nachhaltigkeit, auf jeweilige SDG-Felder ein. Und ich glaube, wenn man hier einfach verschiedene Player zusammenbringt und versucht, diese Themen auch strategisch dann darzustellen, dann hat man deutlich mehr Wirksamkeit. Und beim Essen sitzt man da, man hat vor sich eine Postkarte oder ein paar kleine Flyer auf dem Tisch sitzen, jeder liest mal nach, ja, was ist das denn überhaupt? Und so kann man auch sehr viel Interesse und auch Aufmerksamkeit wecken.

Klaus Reichert: Wenn ich das jetzt so höre, Herr Hiemesch, dann denke ich mir, Sie sind ja so ein richtiges Multitalent und Sie sind direkt an der richten Stelle grade, Sie haben die passende Aufgabe zu Ihrem eigenen persönlichen Talent.

Carsten Hiemesch: Danke schön, dass Sie das sagen.

Klaus Reichert: Also so viele Aufgaben, so viele Themen, die da zusammenkommen, die man zusammenbringen muss. Sie haben natürlich auch das Thema Reporting angesprochen, das ist ja eher, ich sage mal, ein etwas trockeneres Thema, dass man so im geschlossenen Kämmerchen vielleicht auch erst mal macht, gleichzeitig gehen Sie aber raus und sprechen mit den Leuten, ja. Also da muss man schon sehr flexibel und gut aufgestellt sein als Person.

Carsten Hiemesch: Und man muss sich auch einiges anhören können. Es gibt natürlich schwarz und weiß, aber es gibt ja auch viel dazwischen und es sind ja nicht immer alle, sage ich mal, entsprechend positiv gestimmt zu gewissen Themen. Aber Sie haben es richtig erkannt, das Thema ist ja auch intrinsisch motiviert und so bin ich auch in diese Position gerückt. Also ich habe mich innerhalb der WMF auch in diese Position selber, sage ich mal, hineinmanövriert. Und das Spannende ist ja wirklich, man hat jeden Tag komplett andere Themen. Aber es kann aber auch, sage ich mal, nicht immer so spannend sein, in dem, sage ich mal, man Feuerwehr spielen muss. Dann kommt Corona, dann kommt hier die Flüchtlingskrise, dann kommt das Hochwasser und man muss sich dann wirklich, ja, teilweise zehnteilen, sage ich mal, weil, man muss ja allen gerecht werden und das ist nicht einfach.

Klaus Reichert: Ja, Sie haben ja erzählt, das Hochwasser war für Sie persönlich auch ein sehr wichtiges Projekt, in Anführungszeichen.

Carsten Hiemesch: Wir haben mit der Belegschaft gemeinsam hier auch überlegt, wie können wir helfen? Wir haben leider auch natürlich vor Ort, wir haben ja Filialen, eigene Filialen, wir haben Servicetechniker in Deutschland, die auch persönlich betroffen waren natürlich. Und da haben wir entsprechend ein Netzwerk gebildet, das innerhalb von ein paar Tagen schon funktioniert hat und dann kamen die ersten Hilfeleistungen auf den Weg. Bis hin zum Aufruf, dass wir auch entsprechend für die Kinder im Ahrtal, das war die letzte Aktion, im Rahmen einer Charity-Week haben wir über 560 personenbezogene Kinderwünsche erfüllt. Und Werbung darüber haben wir auch unter anderen im Betriebsrestaurant gemacht, dass wir wirklich alle erreichen hier, sich zu beteiligen. Also, Sie sehen, Markus Jüngert und die Location, das ist ein Multiplikator, der ist unglaublich wertvoll.

Klaus Reichert: Jetzt ist es ja so, dass Corona so langsam uns wieder mehr Möglichkeiten lässt, obwohl es noch nicht vorbei ist, also die Illusion sollten wir uns nicht geben, was sind denn so Ihre nächsten gemeinsamen Pläne, steht da schon was an?

Carsten Hiemesch: Also ich denke da zumindest mal an jährlich stattfindenden Wochen der nachhaltigen Entwicklung. Die finden, je nachdem, also da gibt es immer eine Vorgabe vom Land Baden-Württemberg, wann die entsprechend auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Aber wir haben bisher unter Corona-Bedingungen natürlich das nur intern, innerhalb der WMF gestaltet, haben uns aber auch an die Wochen der nachhaltigen Entwicklung von unserem Mutterkonzern hier gerichtet. Also wir gehören zur Group SED und die veranstalten weltweit, auf allen Kontinenten, auch sogenannte Wochen der nachhaltigen Entwicklung. Also in Brasilien gibt es dann einen Fokus auf andere Themen, genauso wie in Vietnam. Und entsprechend bewegen wir uns in einem Zeitraum, sage ich mal, meistens im Juni. Innerhalb des Junis finden dann diese Wochen der nachhaltigen Entwicklung statt und da werden wir, wie schon vorgestellt, seit 2017 das wunderbar wieder gemeinsam, ja, aufbauen. Und ansonsten, vielleicht kommt der Markus mit einer tollen Idee, Demeter-Aktionswochen oder Sonstiges wieder auf mich zu, dann sind wir flexibel, dann machen es wir es einfach, gell.

Klaus Reichert: Herr Hiemesch, Her Jüngert, was ich jetzt mitbekommen habe, ist, dass Sie erst mal zusammen ein Spitzenteam abgeben, Sie ergänzen sich ziemlich gut, Sie bedienen unterschiedliche Bereiche, Themen mit vielen Schnittmengen dann auch, Sie leben beide das, was Sie auch machen, da stecken Sie voll drin. Es ist nicht immer alles Zuckerschlecken, ist es nie der Arbeit, ja, da gibt es auch ein paar Sachen, die man dann halt so machen muss, das ist ja auch klar. Aber Sie bringen da was auf den Weg und haben einen Wahnsinns Hebel über das Essen, was gut ist für Menschen, ja, wenn das gesund ist und all diese Dinge, die Sie angesprochen haben, mit dazukommen, dann hat Essen ja wirklich einen sehr, sehr positiven Beitrag zum Wohlbefinden von Menschen. Das finde ich jetzt wirklich, wirklich spannend. Ich finde es auch ein wirklich gutes Vorbild für andere und ich hoffe auch, dass da viele weitere noch Ihrem Beispiel eben folgen. Jetzt, wenn Corona so langsam mehr Freiheiten lässt, gibt es dann für Sie natürlich auch wieder mehr zu tun, das bin ich schon gespannt. In jedem Falle wünsche ich Ihnen aber sehr, sehr viel mehr Erfolg noch bei Ihren Vorhaben und vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben, mit dabei zu sein.

Carsten Hiemesch: Sehr gerne.

Markus Jüngert: Vielen Dank, dass wir dabei sein durften.

Carsten Hiemesch: Hat Spaß gemacht, danke schön.

Markus Jüngert: Ja.

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