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Möglichkeiten, Nachhaltigkeit & Klimaschutz im Unternehmen zu verankern

Dr. Uta Simmler und Norbert Münch über ihre Rolle als Nachhaltigkeitspioniere und leckere Marmelade – in der 82. Episode des Smart Innovation .

Simmler Nachhaltigkeit

Die Firma Simmler macht im Schwarzwald leckere Marmelade. Sie sind gleichzeitig ein Pionier des klimafreundlichen Unternehmens und haben sich das Thema Nachhaltigkeit seit langer Zeit auf die Fahne geschrieben. Im Smart Innovation Podcast Ep 82 unterhält sich Dr. Klaus Reichert mit Dr. Uta Simmler und Norbert Münch, beide Geschäftsführende des Unternehmens über diese Entwicklung.

Bei der Live Aufnahme konnten Interessierte mitmachen und Fragen stellen.

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Podcast Transkript

Das Transkript wurde manuell erstellt.

Uta Simmler: Ja, aber wo wir auch die Nachfrage dazu schaffen. Also wenn wir als Kunde in dem Fall von der Spedition nicht sagen würden, uns ist es wichtig, geht bitte dieses an. Und wenn es ein anderer macht, dann werden wir perspektivisch wahrscheinlich mit dem anderen zusammenarbeiten, dann treibt das ja nicht. Also wir haben ja die Möglichkeit durch unsere Nachfrage, durch unser Platzieren der Themen, eben auch die Partner ein Stück weit mitzunehmen, zu motivieren, wie auch immer du es nennen möchtest, unter Druck zu setzen teilweise, aber da einfach wirklich Nachfrage zu schaffen nach diesem Thema. Und dass unseren Partnern auch klar wird, okay, mein Kunde achtet da drauf. Das muss ja das Ziel sein und dann werden ja die nächsten Schritte folgen. 

Klaus Reichert: Innovation weiterdenken und Zukunft einfach machen. Hallo! Klaus Reichert hier! Ich bin unabhängiger Unternehmensberater und Business Coach für Innovation und Business Design. Ich begleite engagierte UnternehmerInnen und Führungskräfte sowie ihre Teams mit Smart Innovation auf dem Weg von der Vision zu enkeltauglichen Leistungen. Meine Mission ist es, Unternehmen und seine Menschen kreativer und innovativer zu machen. Ich arbeite remote von aus. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovationen, über Innovationsmanagement, und , gerade im Kontext des Klimawandels. Zuhörer können bei den Liveaufnahmen mitmachen und Fragen stellen, so wird Innovation lebendig und leicht umsetzbar. Die Live-Aufnahmen sind mittwochs, Episoden erscheinen montags. Den Link zu Terminen, Newsletter und dem Transkript finden Sie in den Shownotes. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören oder auf klausreichert.de/linkedin. Und denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.

Meine Gesprächspartner heute sind Doktor Uta Simmler und Norbert Münch, zwei der drei Geschäftsführenden der Firma Simmler aus Lauchringen am Hochrhein im Südschwarzwald. Wir wollen uns heute über Möglichkeiten unterhalten, wie man Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Unternehmen verankern kann. Die mehr als 40 Mitarbeitenden der Firma Simmler machen sehr leckere Marmelade, wie ich finde. Auf das Glas schreiben sie dann, nachhaltig im Familienbetrieb klimafreundlich hergestellt. Das macht neugierig und deswegen bin ich froh, dass wir unser Gespräch heute führen. Herzlich willkommen, Uta, herzlich willkommen, Norbert!

Uta Simmler: Danke schön.

Norbert Münch: Hallo.

Klaus Reichert: Hallo, schön, dass ihr euch heute die Zeit nehmt für unser Gespräch. Sagt mal, warum ist eure Marmelade so lecker?

Uta Simmler: Ja, ich denke, das hat zunächst mal mit den Früchten zu tun, die wir verarbeiten. Du kannst natürlich nur aus einer wirklich tollen Frucht auch eine wirklich leckere Konfitüre oder Marmelade, wie man ja sagt, machen. Und natürlich hat es sicherlich auch mit der Liebe zu tun, die wir da noch rein, mit der Begeisterung und mit der Freude, mit der wir die Produkte herstellen, dieses gesamte Paket.

Klaus Reichert: Es ist ja auch immer ein kleines Herzchen noch mit auf dem Etikett drauf. Also ihr macht da schon immer auch etwas anders, habe ich manchmal den Eindruck, wie jetzt sonst das vielleicht in dem Rest der Branche stattfindet, wo dann so ein Etikett auch sehr schnell einfach mal nur bierernst und so ein bisschen lieblos daherkommt, das ist bei euch anders.

Uta Simmler: Ja, wir versuchen das schon rüberzubringen, dass wir anders sind, dass wir ein Familienbetrieb sind und dass wir das mit Leidenschaft und machen. Und natürlich können wir auch in manchen Dingen sicherlich ein bisschen wählerischer sein, weil wir gerade klein und fein sind. Also wir können uns bei der Auswahl der Früchte eben ein bisschen mehr Auswahl und Selektion leisten, dürfen ein bisschen wählerischer sein. Das kann vielleicht ein ganz großer Hersteller, bei dem es um Volumen und um Masse geht, nicht in der Form machen, wie wir das können.

Klaus Reichert: Euch gibt es schon länger, ihr seid ein Traditionsbetrieb, ein Familienunternehmen, ihr seid schon seit über 90 Jahren am Markt. Also das ist schon eine substanzielle Zeit, da weiß man auch, was man tut. Da hat sich ja viel getan in diesen über 90 Jahren. Irgendwann habt ihr auch angefangen mit dem Thema Nachhaltigkeit, da würde ich gerne auch mit euch darüber sprechen, wie ihr dazu gekommen seid, wie sich das entwickelt hat bei euch. Und im Idealfall so, dass vielleicht andere das auch besser verstehen und dann eurem Beispiel folgen können, denn ihr seid Unterzeichner der WIN-Charta. Das ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen zur Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg. Und ihr habt schon einige Preise für euer Engagement bekommen, das heißt also, ihr macht irgendwas richtig. Wenn man das grob zusammenfassen würde, was ist es denn, was ihr jetzt hier tut, was ihr so besonders macht in diesem Thema Nachhaltigkeit, neben dem, dass ihr diese leckere Marmelade macht?

Norbert Münch: Na, du hast es selber auch schon gesagt jetzt, allein die 90 Jahre sind ja schon sehr nachhaltig.

Klaus Reichert: Ja.

Norbert Münch: Das schafft man ja nicht, wenn man einfach nur am Sprint interessiert ist und nicht an dem Marathonlauf. Und das heißt also, es ist schon in der Firmenhistorie verankert, dass wir nachhaltig auftreten. Natürlich sehen wir heute ja Nachhaltigkeit aus noch ganz anderen Blickwinkeln und da haben wir uns 2010 einfach mal hingesetzt und gesagt, was könnte denn eine Strategie sein, um eine gute Nachhaltigkeit zu implementieren? Und da hatten wir uns das Ziel gesetzt, bis 2020 klimaneutral zu produzieren, als ersten Schritt. Und das natürlich zu verbinden mit anderen Nachhaltigkeitsaspekten, wie die eigenen Quittenplantagen anzubauen, dort auf alte Sorten zu setzen, also nicht auf Massenware. Und wir konnten so auch, wir sind quasi eine zweite Arche für Quitten in Deutschland. Es gibt noch einen Ursprung im Fränkischen, da ist der, wir sagen so ein bisschen flapsig, der Quitten-Papst Marius Wittur, mit dem haben wir viel zusammengearbeitet, um da auch Nachhaltigkeit reinzubringen. Und diese Entscheidung für das Energetische, klimaneutral zu werden, das haben wir dann Ende 2015 erreicht. Und sind seitdem durch Einsatz von Pellets zur Dampferzeugung, den Dampf brauchen wir zum Kochen unserer Konfitüren und aus hygienischen Gründen und Strom produzieren wir entweder selbst oder beziehen eben wirklich einen nachhaltigen Strom beispielsweise aus den Wasserkraftwerken am Rhein oder Ähnliches, also wirklich kein Zertifikate-gehandelter Strom, sondern wirklich einen echtem Naturstrom. Und dieses ganze Paket zusammen hat noch viele andere Aspekte, wie wir unser Firmengelände zum Beispiel gestaltet haben, bildet unsere Nachhaltigkeitsstrategie.

Klaus Reichert: Ihr habt euch hingesetzt vor 13 Jahren, über 13 Jahren, was ja relativ früh ist für das Thema. Manche könnten sagen, naja, da hätten wir uns schon längst Gedanken drüber machen müssen, aber viele fangen jetzt gerade erst an mit diesem Thema. Und ihr habt damals gesagt, wir brauchen eine Nachhaltigkeitsstrategie. Was war dafür der Auslöser?

Uta Simmler: Wir haben es ja mit ganz naturnahen Produkten zu tun. Also in unseren Konfitüren ist ja im Prinzip Frucht, Zucker, in der einen oder anderen vielleicht noch ein Gewürz oder Alkohol, ein Schwarzwälder Kirschwasser oder Ähnliches zum Verfeinern, aber das sind ja ganz naturnahe Produkte. Und da ist es ja eigentlich nicht so schwierig drauf zu kommen, dass wir nur, wenn die Natur intakt ist, entsprechend auch die Basis für ein gutes Produkt haben. Denn mir ist es so ein bisschen ein Dorn im Auge, dass Nachhaltigkeit jetzt so ganz weit nach oben gespült wird, weil jetzt halt auch sehr viele opportunistische Nachhaltigkeitskonzepte da reinkommen, die das Ganze halt inflationär machen. Und die eigentlich ein bisschen die Gefahr bergen, dass der Verbraucher dieses Thema dann relativ schnell auch wieder überhaupt nicht wahrnimmt und sich nicht in der Tiefe beschäftigt, sondern es einfach so abgestempelt wird als, ja, jetzt machen das jetzt eben alle. Ja und das ist vielleicht so ein bisschen die Gefahr in diesem Trend. Aber wir haben es tatsächlich gemacht, weil uns bewusst war, wir haben ein ganz naturnahes Produkt und wir brauchen die Natur. Und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die Natur möglichst gut zu erhalten oder sogar besser zu machen als die Generation zuvor und das war so der Initialgedanke eigentlich.

Norbert Münch: Ich kann es vielleicht mal noch ergänzen, um eine ganz konkrete Sache. Es gibt Untersuchungen, dass die Apfelblüte über zwei Wochen über dem früheren Schnitt stattfindet. Das heißt, durch die Erwärmung haben wir immer früher die Blüte, aber wir haben trotzdem späte Fröste. Und wenn es früher vielleicht schon so war, dass die späten tiefen Fröste schon durch waren, bis die Blüte zum Beispiel der Kirsche kam, ist das heute nicht mehr so. Das heißt, es gibt eine ganz hohe Gefahr, dass komplett Ernte ausfällt. Auch bei der Quitte zum Beispiel, die relativ spät blüht, die früher überhaupt keine Gefahr hatte, dass es eine Ernte ausfällt, die kann heute komplett ausfallen. Haben wir auch schon hier erlebt, dass auf der Hochrhein-Schiene komplett die Quittenblüte erfroren ist und je höher man in den Schwarzwald reinging, kamen da noch Ernten, weil die Blüte einfach später war. Und das sind Effekte, die natürlich schon das Geschäftsmodell gefährden können, wenn das Ganze noch extremer wird. Und da sprechen wir natürlich auch über die langen Trockenheiten. Wir hatten letztes Jahr auch mal, wie wir sicherlich alle wissen, zwei Monate ohne Regen, das hat natürlich alles dann Einfluss. Also sind wir eigentlich, und ich meine das jetzt nicht politisch, wir sind eigentlich sehr konservativ, wir sind eigentlich innovativ, aber konservativ, weil wir versuchen, das zu erhalten, was wir hatten.

Klaus Reichert: Das passt ja auch gut zur Tradition dazu. Man darf ja nicht vergessen, wenn man so einen langen Rückblick auf die Geschichte, die Unternehmensgeschichte hatte, erlebt man ja alles Mögliche, baut auch Beziehungen natürlich ins Umfeld auf, zu den Lieferanten, zu den Bauern und so weiter. Da denkt man wahrscheinlich einfach erst mal ganz anders über das Geschäft, wie wenn man eben, wie ihr es ja schon gesagt habt, eben sehr, sehr schnell eben nur was umsetzen will. Dieses Gucken auf die Natur ist für euch ein wichtiges Thema, weil dass das wichtige Produkt für euer Produkt sozusagen ist, der Vorstoff. Jetzt ist es aber doch so, dass ihr dadurch einiges auf euch nehmen musstet, ihr musstet mehr tun wie der Wettbewerb, ihr musstet investieren, ihr musstet bestimmte Sachen anders machen und vielleicht auch dem Markt erst mal noch erklären. Also das heißt, es war doch ein gewisser Mehraufwand, der damit verbunden war. Wie habt ihr das denn dann angegangen? Gab es da vielleicht eine besondere Herausforderung, die ihr in einer besonderen Form gemeistert habt?

Norbert Münch: Ja, die größte Herausforderung war das, was ich schon so ein bisschen angeschnitten habe, der Umbau der Dampferzeugung. Wir hatten früher eine Dampferzeugung auf Heizölbasis und die war wirklich in die Jahre gekommen und sollte ersetzt werden. Und der einfache Schritt wäre gewesen, eine neue Dampferzeugung zu installieren, die auf Gasbasis funktioniert. Das war so der der industrielle Standard zu der Zeit und damit hätten wir eine kostengünstige, einfache Lösung implementieren können. Aber da kamen ja unsere strategischen Gedanken, dass wir gesagt haben, nee, wir haben ja die Strategie ausgegeben, dass wir klimaneutral produzieren und da passt jetzt Gas nicht ganz so dazu. Selbst wenn ein Konkurrent vielleicht dann auch sagt, ich nehme jetzt Biogas. Aber dann entscheide ich mich doch, wenn das Biogas zu teuer ist oder nicht zur Verfügung steht, entscheide ich mich doch wieder für Erdgas, das wollten wir schon gar nicht haben. Und haben da eben dann viele Recherchen gemacht und haben ein Unternehmen gefunden, das mit uns einen neuen Ansatz projektiert hat. Und es ging natürlich schon auch einige Jahre, bis wir diese Lösung hatten, die wir heute haben, die eine sehr umfassende Lösung darstellt. Also wir erzeugen den Dampf mit Pellets und nutzen aber an jeglichen Prozessschritten noch Wärmerückgewinnung, um dann auch unser warmes Putzwasser oder für den Winter dann Heizwasser zu erzeugen. Und das ist ein schönes rundes Konzept, und es braucht natürlich Zeit, das ist richtig und die muss jemand investieren.

Uta Simmler: Und die besondere Herausforderung in dem Konzept ist natürlich, dass wir auf der einen Seite die Tiefkühlung haben bei minus 18 bis minus 20 Grad, wo unsere Früchte darauf warten, verarbeitet zu werden quasi und auf der anderen Seite eben dann den Dampf und das Kochen et cetera, also, genau, die entgegengesetzten 80 bis 100 Grad. Also das ist dann entsprechend die große Herausforderung, das eben energetisch zusammenzubringen und nachhaltig energetisch zusammenzubringen.

Klaus Reichert: Ich finde es spannend, wie so ein Thema sehr schnell in den Bereich Energie auch immer reinkommt, weil man da einfach einen riesen Hebel hat, gerade bei Produktionen oder wie ihr schon sagt, nämlich Kühlung und eben Erhitzung, da einfach einen riesen Hebel bedeutet, um etwas zu erreichen. Jetzt seid ihr ein Unternehmen mit etwas mehr als 40 Mitarbeitenden, da kann man schon sagen, dass natürlich das eine riesen Herausforderung ist, so was anzugehen. Gab es vielleicht noch eine spezielle Motivation, wo ihr sagtet, Mensch, wir machen das noch, weil wir etwas damit erreichen wollten? Gab es da noch was anderes, was euch da angetrieben hat?

Uta Simmler: Also im ersten Schritt schon mal die Überzeugung, das war schon der wichtigste Impuls und der wichtigste Antrieb. Aber natürlich zeigt es jetzt auch andere Effekte, die aber nicht von Anfang an im Fokus standen. Also zum Beispiel sowas wie Arbeitgeber-Image, das wir jetzt auf einmal auch für junge Menschen interessant sind, die auch im Bewerbungsgespräch ganz klar sagen, ich bewerbe mich bei euch, weil ich habe auch auf der Homepage gesehen oder auf dem Produkt gesehen, klimafreundlich hergestellt, das spricht mich an. Ich habe jetzt gerade junge Familie, ich möchte da auch einen Beitrag leisten und ich möchte bei einem Unternehmen arbeiten, das sich eben diesen Zielen auch verschrieben hat. Aber das sind so Side Effects, das war nicht die ursprüngliche Motivation, das kommt jetzt nach. Da hilft uns vielleicht auch diese öffentliche Diskussion und der öffentliche Fokus auf dieses Thema. Aber ich glaube, das alleine wäre auch nicht die, wenn man so sagen kann, die richtige Motivation gewesen, weil dann wär es schon wieder so weg von einer Überzeugung. Dann wär es schon wieder so, ich mache das, um jenes zu erreichen. Ich glaube, dass das bei so einem großen Thema nicht so der richtige Ansatz wäre, wenn man es wirklich so ganz aus einer letztlich dann nur auf ein Unternehmensziel schauenden Motivation tut. Ich glaube, da spielt schon einfach die Überzeugung und das Herzblut mit eine Rolle, damit man es dann entsprechend auch durchhält, die Dinge zu tun, damit man es in dieser Größe des Ansatzes machen kann.

Norbert Münch: Stimme ich 100 Prozent zu und ich möchte es auch noch ergänzen. Also nicht nur, dass ich auch gerade heute so ein Einstellungsgespräch hatte mit dieser Aussage, ich komme zu euch, weil ich möchte das nachhaltig, sondern dass es natürlich auch zu dem Zeitpunkt auch schon ein bisschen so war, dass man so ein bisschen verrückt rüberkam und man schon das auch durchhalten musste, auch in der Stärke. Also wenn dann ein Händler auch mal sagt, ach ja, Nachhaltigkeit könnt ihr machen, aber macht euer Produkt auf keinen Fall einen Cent teurer. Dann ist es heute natürlich ein anderer Blickwinkel, glücklicherweise, aber war zu Beginn dann schon, wir waren ganz stolz. Und durfte man aber nicht erwarten, dass die anderen schon genauso weit sind in der Denke, das ist heute glücklicherweise ein Schritt weiter.

Klaus Reichert: Das ist ein spannendes Thema, finde ich. Man ist ja gerade bei neuen Themen sehr gerne mal einfach allein auf der Welt oder muss lange suchen, bis man die Mitstreiter findet, die ähnliche Überzeugungen haben. Wie war das jetzt bei euch? Ihr seid ein Geschäftsführendenteam. Das hat sicher auch einen Impact, dass es nicht nur eine Person ist, sondern zwei oder seit einiger Zeit drei Personen, ihr habt aber auch die Mitarbeitenden zum Beispiel, ihr habt die Lieferanten, die Menschen, mit denen ihr zusammenarbeitet und natürlich auch die Kunden. Aber wie habt ihr denn zum Beispiel die Mitarbeitenden mitgenommen und überzeugt, dass das das richtige Vorgehen ist?

Uta Simmler: Eben dann natürlich Tag für Tag beschreitest, auch da bei Kleinigkeiten teilweise immer wieder sensibel hinzuschauen und Dinge anzusprechen. Nicht das Licht brennen lassen, ihr wisst doch, wir sind nachhaltig. Und so einfach auch aufmerksam machen, wo sind Möglichkeiten, wo sind noch Potenziale, wo hat auch jeder Einzelne die Einflussmöglichkeit quasi und kann ein kleines Bausteinchen zum großen Ganzen beitragen. Und ansonsten habe ich in dem Projekt natürlich schon so ein bisschen das Gefühl gehabt, dass Energie einzusparen, viel Managementenergie verbraucht. Also da musst du schon vorangehen und da musst du immer wieder dich auch selbst motivieren, weil das kommt nicht von außen. Also das muss wirklich von innen kommen und du kannst Leute da auf den Weg dann durch die Überzeugung mitnehmen. Aber ich glaube, es wäre falsch in unserer Situation zu erwarten, dass wir da ein Stück weit mitgetragen werden, sondern es braucht schon viel unserer Energie. Aber wenn ein Ziel da ist oder eine Überzeugung vorhanden ist, kannst du die auch rein geben.

Norbert Münch: Was wir zum Beispiel versucht haben relativ am Anfang, nachdem die neue Dampferzeugung da war und wir dann auch 100 Prozent regenerativ produziert haben, haben wir auch mal einen Tag der Nachhaltigkeit ausgerichtet hier bei uns im Unternehmen und haben Unternehmen aus der Region eingeladen, doch zu uns zu kommen. Und wir hatten dann auch einen Gastredner, der aus dem energetischen Bereich natürlich kam, der da viele Beispiele genannt hat, warum es sinnvoll ist, auch jetzt schon zu wechseln. Und tatsächlich mit der Energiekrise, die letztes Jahr dann startete in den extremen Ausprägungen, gab es dann schon mal den ein oder anderen Anruf bei mir, wo es dann hieß, ja, guck mal, jetzt freut ihr euch aber, dass ihr schon so regenerativ seid. Das konnte ich dann bestätigen. Und das gibt vielleicht dann wieder jemand noch eine kleine Hilfestellung, um selber aktiv zu sein. Aber es ist natürlich auch, wenn die positiven Informationen von außen nicht so kommen, es ist trotzdem ja auch wahnsinnig beglückend. Wenn man zum Beispiel unser Firmengelände sieht und auf einmal sieht, dass in den, ich glaube, es sind jetzt schon 12 Jahre, die das Firmengelände jetzt nachhaltig ist, dann merkt, dass es immer mehr verschiedene Tiere gibt, dass die Pflanzen sich verändern. Dass wir dann auf einem Krokus schon mal eine Wildbienen sitzen haben, eine seltene. Die waren ja vorher nicht da, das kam alles so eben durch unsere Maßnahmen. Und das ist schon sehr schön zu sehen, wie das dann funktioniert und wie da die Natur sich auch wieder was zurückholt oder was wieder gesundet. Das ist schon sehr schön zu sehen.

Uta Simmler: Im Kontext der Mitarbeitenden ist es natürlich auch so, dass neue und jüngere Kollegen dann natürlich diese Themen jetzt auch deutlich stärker mit reinbringen und natürlich auch die gesellschaftliche Diskussion der Nachhaltigkeit. Es wird natürlich auch am Familientisch heute anders darüber diskutiert. Und ich denke, das sind natürlich Sachen, die die dieses Thema auf eine neue Stufe der Wertigkeit heben und damit dann auch der einzelne Mitarbeiter einen gewissen Stolz verspürt, dass er da auch ein Teil  dieses Prozesses ist.

Klaus Reichert: Und euer Firmengelände ist jetzt auch etwas, wo man gerne hingeht, das ist jetzt nicht so die übliche Betonwüste, sondern wie schon gesagt, da wächst auch was, ja.

Uta Simmler: Ja, genau.

Klaus Reichert: Es gibt ja auch zunehmend Studien die zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit produzierende Unternehmen eben nicht benachteiligt, sondern vielleicht sogar Wettbewerbsvorteile verschafft, in jedem Falle auch eben diese genannten Kostenvorteile im Energiebereich wohl recht einfach eben zu heben sind und, ich finde auch, ein No Brainer sind. Ihr habt früh damit angefangen, ihr habt gerade auch erzählt, ihr habt selber darauf eingewirkt, dass andere Unternehmen das auch verstehen, was ihr tut. Da seid ihr in gewisser Weise ja auch etwas missionarisch vielleicht oder zumindest informationstechnisch vorgegangen, ihr habt weitere Auswirkungen natürlich auch noch im Umfeld erreicht. Was gab es denn da für Themen, wo ihr aktiv seid, um über diese Themen, Nachhaltigkeit auch in der Produktion bei euch, zu sprechen?

Uta Simmler: Ja, da ist Norbert ja unser Außenminister für diese Themen sozusagen. Norbert ist da sehr engagiert in verschiedensten Gremien und Organisationen, aber da sagst du bestimmt selber was dazu.

Norbert Münch: Also zum einen ist natürlich so eine Entscheidung, bei WIN mitzumachen, das war mit die Erste. Da hatten wir Besuch vom Umweltminister bei uns in Lauchringen und dann haben wir das zusammen unterschrieben, dass wir da mitmachen. Weil das natürlich schon auch unser Wunsch ist, uns ein bisschen vergleichbar zu machen, um einfach zu erkennen, wo haben wir vielleicht noch Potenziale zu heben, was können wir noch besser machen? Weil, es gibt ja immer noch Verbesserungsmöglichkeiten auch heute, auch wenn wir schon so nachhaltig sind, haben wir noch einige Ideen, was man anders machen könnte. Was vielleicht auch noch ein bisschen an manchen Gesetzgebungsdingen scheitert, weil einfach zu viel Risikovorsorge da ist und nicht genug Mut. Aber das sind Themen, die darf ich glücklicherweise mit der Politik besprechen. Aber sonst auch so eine Entscheidung, beim Klimabündnis mit dabei zu sein als Gründungsmitglied, was ja auch eine baden-württembergische Aktivität ist. Dann mit so Unternehmen, die ja wirklich sehr national oder schon Weltkonzerne sind wie Bosch, wie Ritter Sport auch, was die nationale Tragweite betrifft, EVD und so weiter, die dort mit dabei sind und dort Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen und gegenseitig sich zu unterstützen, dass man die Dinge noch besser machen kann und es gibt immer noch Möglichkeiten. Das ist wunderbar, diese Vernetzung zu haben, diese Gespräche führen zu können, das ist sehr hilfreich, um weiterzukommen.

Klaus Reichert: Wir werden all die genannten Themen in den Shownotes verlinken, sodass man es da dann auch nachschauen kann und sich das selber anschauen kann und auch übrigens dann prüfen kann, ob man als Unternehmen da eben mitmachen möchte zum Beispiel.

Norbert Münch: Aber es geht auch ganz schnell vom, in Anführungszeichen, ganz Kleinen, also was unser Unternehmen betrifft, dann hinüber zum Klimabeitrag in Lauchringen, der dann auch in der Zeit entstanden ist, dem ich dann über fünf Jahre vorsitzen durfte, kann man dann schon sein Know How wieder in andere Dinge mit einbringen. Und genauso jetzt die Gespräche mit der Politik, das heißt, jetzt national oder auf Landesebene, das ist wahnsinnig wichtig und gibt dann auch wieder Feedback und bringt die ganze Entwicklung wieder voran. Ich bin kein Freund davon, diese Untergangsszenarien zu zeichnen, was ja glücklicherweise jetzt auch ankommt, dass es nichts bringt, wenn wir nur sagen, ja, wahrscheinlich in zehn Jahren ist alles kaputt und man kann gar nichts mehr retten. Da glaube ich viel zu sehr dran, dass sich die Welt dann entweder uns Menschen entledigt und dann geht es wieder anders weiter oder im Idealfall mit uns Menschen geht es weiter, da glaube ich viel zu sehr dran, dass es, je extremer es wird, wird es auch bessere Lösungen geben. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass man den leichteren Weg gehen kann und eben etwas tut und wir haben das getan. Ich bin gar nicht der Meinung, dass wir das zu sehr früh getan haben, vielleicht aus der Sicht der großen Masse, aber es gab auch für uns, gab es schon Vorbilder, wo man sich orientieren konnte. Und wir haben es einfach nur jetzt konsequent durchgesetzt und wollen auch weiter dran bleiben. Wir haben vorhin drüber gesprochen mit den Mitarbeitern, was können die da beitragen? Wir sind immer offen für Verbesserungsvorschläge und das haben wir natürlich, kommunizieren wir immer, ob jetzt ein Mitarbeiter eine Idee hat im Klimapolitischen oder Nachhaltigen oder ob das eine Idee ist, die seine Prozesse verbessern oder Wünsche sind. Das hören wir uns alles immer wieder sehr gerne an und diskutieren das dann mit den Mitarbeitern, sind es Möglichkeiten, die wir umsetzen können oder hat es irgendwelche Rahmenbedingungen, die dann eben dem entgegenstehen?

Klaus Reichert: Da passt jetzt auch die Frage von der Barbara Schmuker dazu. Habt ihr denn da einen speziellen Prozess, in dem die Mitarbeitenden eigene Ideen zum Thema Nachhaltigkeit eingeben können? Gibt es etwas Spezielles, was ihr macht, um das vielleicht auch hervorzurufen oder auch in gewisser Weise dann zu belohnen? Ich kenne sehr viele Unternehmen, die da einfach gar nichts machen und die mehr oder weniger dieses Thema Kreativität der Mitarbeitenden ignorieren, das ist ja bei euch ganz anders. Aber habt ihr da irgendwas Spezielles, was sich bei euch bewährt hat?

Norbert Münch: Also wir haben einfach ein offenes Ohr und eine offene Tür und kommunizieren es auch immer wieder, dass wir gerne Vorschläge hören. Aber wir haben es nicht rein auf die Nachhaltigkeit bezogen, also das nicht, aber wir freuen uns immer, wenn wir Vorschläge hören über solche Gedanken. Es war zum Beispiel auch eine Initiative der Mitarbeiter zu sagen, wollen wir nicht das mit dem JobRad machen? Das ist natürlich vielleicht auch getrieben durch finanzielle Vorteile, was ja auch okay ist. Wir haben das JobRad implementiert. Jetzt ist die Frage, werden tatsächlich mehr Mitarbeiter zur Arbeit kommen mit diesem JobRad oder nutzen sie es mehr für die Freizeit? Egal wie es ist, es ist wunderbar, dass es nutzbar ist. Ist aber jetzt was, was jetzt nicht unseren Scope 1 direkt verbessert, weil manche Mitarbeiter ja dann doch vielleicht auch zu weit weg wohnen, um jeden Tag mit dem Fahrrad hierherzukommen. Aber wenn sie nur das ein oder andere Mal das Fahrrad nutzen, bringt es uns ja schon wieder insgesamt ein Stück weiter.

Klaus Reichert: Ihr könnte ja im Frühjahr dann so eine Fahrradfahrer-Challenge machen und nach einem Monat schauen, wer am meisten gefahren ist.

Norbert Münch: Genau.

Uta Simmler: Genau.

Klaus Reichert: Norbert, du hast jetzt gerade von Vorbildern gesprochen, die ihr hattet. Wer fällt denn dir dazu tatsächlich ein, was haben die denn gemacht?

Norbert Münch: Ja, das sind so regionale Geschäftspartner, die schon weiter waren, zum Beispiel gerade auch Landwirte, die bestimmte Anbautechniken schon hatten. Wie jetzt auch zum Beispiel den vorhin schon erwähnten Marius Wittur, der sich da im Fränkischen der Quitte gewidmet hat. Der für mich ein absolutes Vorbild ist, weil der so sich auf dieses Thema Quitte konzentriert hat und so drauf fokussiert hat, dass er alte Sorten gerettet hat und das wirklich mit vollem Einsatz und dort auch natürlich seine Herausforderung hatte, das war ein super Vorbild. Und genauso bei energiepolitischen Themen. Rittersport war da auch schon vorne dran, hat energetisch einiges schon auch vor uns verändert, was wir auch uns anschauen konnten. Und natürlich auch solche Geschäftspartner, die dann ins Spiel kamen zum Aufbau der Pellet-betriebenen Dampferzeugung, das waren schon Vorbilder und hilfreiche Partner.

Klaus Reichert: Sowas ist ja auch hilfreich einfach, dass man sich selber vorstellen kann, dass man Zahlen hat, dass man einfach weiß, auf was man sich einlässt, wenn man dann tatsächlich eine Entscheidung trifft, ja.

Norbert Münch: Ja.

Klaus Reichert: Mit dem, ihr wart relativ früh dran, meinte ich, es ist eben erst in den letzten wenigen Jahren recht bekannt oder dringlich geworden in der breiten Öffentlichkeit, was ihr schon vor einigen Jahren angegangen habt. Dass es da natürlich immer noch Menschen gab, die vorher angefangen haben, das gibt es ja fast immer, ja, das ist immer sehr schwierig, dann den allerersten Menschen zu finden oder den ersten Betrieb. Aber, ich finde, gerade am Anfang, wenn es wenige sind, sind es trotzdem alles Pioniere für mich. Also ich finde, das kann man dann schon so bezeichnen.

Norbert Münch: Nehme ich gerne so an. Aber es ist jetzt auch kein Fishing for Compliments, sondern es ist tatsächlich so für mich, dachte ich, naja, jetzt müssen wir aber auch mal was tun. Und aus heutigem Blickwinkel ist es natürlich schon eine ganze Weile, dass wir das getan haben, aber mir kam es damals nicht so vor, als ob ich oder als ob unser Unternehmen ein reiner Pionier wäre. Aus heutigem Blickwinkel, muss ich sagen, kann ich dem zustimmen, was du sagst.

Klaus Reichert: Schön! Ihr habt das Ganze dann aber eben sehr strategisch angegangen, ihr habt es von der Geschäftsführung aus auch getrieben. Ihr habt geschaut, dass die anderen, vor allem auch die Mitarbeitenden mitmachen, dass es eine Überzeugung eben gibt, dass nicht nur ihr die Überzeugungstäter seid und habt das eben in eure Nachhaltigkeitsstrategie münden lassen, die ihr, davon gehe ich jetzt mal aus, einfach regelmäßig auch aktualisiert, ihr habt schon viel erreicht. Jetzt haben wir kurz die Heizung angesprochen, die Umstellung Photovoltaik, Werksgelände, Maßnahmen wie das JobRad. Gibt es noch ein paar Themen, die wir da aufzählen können?

Uta Simmler: Zum Beispiel, wir haben eine neue Halle gebaut, 2010 war das, Norbert, genau und da haben wir zum Beispiel eine Deckenheizung. Das ist eine sehr effiziente Form, so eine Halle, Lagerhalle in dem Fall, für die Produkte zu beheizen, weil du da mit einer sehr niedrigen Vorlauftemperatur ein gutes Raumklima schaffst für die Mitarbeiter, die in dieser Halle arbeiten. Also alternativ gibt es ja auch so Konzepte wie Fußbodenheizung für so gewerbliche Hallen, hat aber dann unter Umständen den Nachteil, dass das für die Mitarbeiter gar nicht so gut ist, auf einem leicht erwärmten Boden sich jeden Tag aufzuhalten quasi. Und es ist einfach auch aus energetischer Sicht wirklich sinnvoll, so eine Deckenheizung. Ich konnte das erst fast nicht glauben, weil Heizung hängt ja oben und warme Luft geht ja nach oben, also intuitiv erst mal komisch, aber hat sich gezeigt beziehungsweise war dann ganz klar nachvollziehbar, dass das gut ist. Oder auch kleinere Komponenten, in den Hallen geht das Licht selbstständig aus, wenn bestimmte Tageslichtintensität erreicht ist, weil es dann eben nicht jemanden braucht, der extra auf den Schalter drückt. Also das sind alles so kleine Module, generell natürlich dort, wo Leuchtmittel ersetzt werden, jetzt auf LED. Also das ist ja ein nahezu unendliches Feld, weil sich auch immer wieder neue Entwicklungen ergeben, auf die man zurückgreifen kann. Also da gibt es natürlich ganz, ganz viele Dinge. Wir haben im Bürogebäude die Fenster renoviert oder ausgetauscht quasi, um da eine bessere Verglasung zu haben, um da Energie zu sparen. Das sind jetzt zwei so Dinge, die mir nach den großen Schritten noch einfallen, die nennenswert sind. Und heute geht es natürlich auch in den Bereich Vorlieferanten. Aktuell machen wir gerade eine Ausschreibung über unsere Etiketten und da schauen wir auch sehr genau hin, wo kommt das Papier her, wie setzt sich das Papier zusammen. Oder auch mit Fruchtlieferanten, bei denen wir Früchte importieren, stellen wir heute schon in den Gesprächen ganz andere Fragen danach, wie wird denn da mit Wasser umgegangen, wie wird da mit Solar umgegangen et cetera. Und ich denke, nur die Nachfrage von uns als Abnehmer in diesem Fall, verändert auch Dinge auf den Vorstufen. Und eben, da gibt es noch eine so breite Spielwiese in alle Richtungen, das ist noch für ganz viele Jahrzehnte, glaube ich, ein Thema, dass man immer wieder optimieren kann, einen Schritt weitergehen kann und noch an einem Schräubchen drehen kann.

Klaus Reichert: Da hilft natürlich diese strategische Vorgehensweise, weil man weiß, was auf einen zukommt, was so die Schritte sind. Man kann das besser planen, besser damit umgehen, besser dann auch natürlich Investitionen zum Beispiel steuern, Fördermittel zum Beispiel vielleicht auch einsetzen die dann entsprechend da sein könnten. Jetzt habt ihr gerade von Optimierungen gesprochen, wenn wir auf die Strategie gucken, was wäre denn so einer der nächsten wirklich großen Blöcke, die ihr angehen wollt, also vielleicht auch in der Zukunft? Gibt es da irgendetwas, was euch in ein paar Jahren umtreiben wird, wenn ihr schon so drauf schaut?

Uta Simmler: Ein großer Block ist sicherlich die Logistik als externer Partner, aber als wichtige Komponente natürlich, weil wir müssen ja die Produkte von uns in Lauchringen in die Läger unserer Handelspartner oder in die Supermärkte, zum Großhandel, in die Bäckereien, zum Backfachhändler et cetera bringen. Und die Logistik ist sicherlich eines der großen Zukunftsthemen, mit welchen Antrieben, mit welchen Energien werden zukünftig die LKWs, die Lieferfahrzeuge unterwegs sein?

Klaus Reichert: Ja, das ist dann schon auch ein dickeres Brett, wo ihr natürlich auch drauf achten müsst, was so am Markt passiert, dass es tatsächlich die Lkw auch gibt, die mit dem Ökostrom zum Beispiel fahren können.

Uta Simmler: Ja, aber wo wir auch die Nachfrage dazu schaffen. Also wenn wir als Kunde in dem Fall von der Spedition nicht sagen würden, uns ist es wichtig, geht bitte dieses an. Und wenn es ein anderer macht, dann werden wir perspektivisch wahrscheinlich mit dem anderen zusammenarbeiten, dann treibt das ja nicht. Also wir haben ja die Möglichkeit durch unsere Nachfrage, durch unser Platzieren der Themen, eben auch die Partner ein Stück weit mitzunehmen, zu motivieren, wie auch immer du es nennen möchtest, unter Druck zu setzen teilweise, aber da einfach wirklich Nachfrage zu schaffen nach diesem Thema. Und dass unseren Partnern auch klar wird, okay, mein Kunde achtet da drauf. Das muss ja das Ziel sein und dann werden ja die nächsten Schritte folgen. Dass kann ich technologisch nicht beurteilen, wie lange das noch dauert, bis wir da wirklich andere Energien, Wasserstoff oder Ähnliches einsetzen können, das vermag ich nicht zu sagen, wahrscheinlich weiß das noch niemand. Weil ich erwarte schon, dass jetzt sehr viel mehr in der Forschung passiert und damit auch Quantensprünge in Zukunft möglich sind. Und wir dürfen jetzt nicht denken, Entwicklungen, die in der Vergangenheit zehn Jahre gedauert haben, werden in der Zukunft auch zehn Jahre dauern. Das wird ja ein ganz anderer, nämlich viel kleinerer Zeithorizont sein. Also in Zukunft werden Dinge wahrscheinlich in zwei oder drei Jahren passieren, die eben früher zehn Jahre gedauert haben, weil wir ja da auch einfach immer weiter vorankommen.

Klaus Reichert: Also ihr seid aber schon auch dahinterher, dass ihr die Leute, mit denen ihr zusammenarbeitet, eben in diese Richtung orientieren wollt, dass ihr entsprechend Nachfragen einfordert und vielleicht auch auffordert, etwas zu verändern.

Uta Simmler: Ja, ja, absolut.

Norbert Münch: Also ich kann das auch unterstreichen, das Brett ist wirklich sehr dick und muss da auch aufpassen, dass da diese Greenwashing-Tendenzen nicht überhand nehmen. Also es gibt einen großen Spediteur, der da auch immer wieder seine Berichte vorlegt und wenn man da mal in die Berichte reinschaut und dann auch Nachfragen stellt an den Spediteur, dann wird es sehr schnell sehr, sehr dünn. Und das muss man jedes Mal bei jedem Gespräch immer wieder tun und sukzessive kommen immer mehr Inhalte dazu, die dann auch wirklich weggehen vom Greenwashing. Und wir sind hier gerade an der Schweizer Grenze, in der Schweiz fahren wasserstoffbetriebene LKWs im Testbetrieb. Dann frage ich mich, warum schaffen wir es nicht in Süddeutschland, die gleichen LKWs in Testbetrieb fahren zu lassen? Warum ist es nur die kleine Schweiz, die das schafft? Weil sie politisch einfach so entschieden hat. Und da muss einfach vielleicht auch ein großer Konzern mal sagen, ja, wir wollen das jetzt auch ausprobieren und wir wollen Erfahrungen sammeln damit und nicht einfach nur abwarten. Und das geht nur, wenn viele so kommunizieren, wie wir kommunizieren und wir klar sagen, macht uns einen Vorschlag und nicht nur einen Greenwashing-Vorschlag.

Klaus Reichert: Dieses Thema Überzeugung spielt da wahrscheinlich auch eine richtige oder eine wichtige Rolle. Wie stellt ihr sicher, dass ihr diese anderen Menschen, diese anderen Unternehmen findet, mit denen ihr zusammenarbeitet, wenn ihr es euch frei aussuchen könnt, das geht ja auch nicht immer, die eben dieselbe Überzeugung haben? Also wie findet ihr da diesen Fitt oder wie findet ihr heraus, was dieser andere für eine Überzeugung hat, also als echte Überzeugung hat?

Norbert Münch: Na, das ist jetzt wieder dieses Netzwerkthema. Einerseits wissen wir ja zum Beispiel, wer bei der WIN-Charta mitmacht, wir wissen auch, wer beim Klimabündnis in Baden-Württemberg mitmacht. Es gibt natürlich ja auch andere Gruppen, es gibt einen runden Tisch für Nachhaltigkeit oder für nachhaltiges Wirtschaften von den Landkreisen Lörrach und Waldshut, also es gibt ja immer wieder Möglichkeiten. Und wenn wir neue Lieferanten auswählen, so wie es Uta ja eben auch schon gesagt hat, dann stellen wir einfach Fragen. Und diese Fragen sind natürlich immer orientiert an der Sache, wie jetzt beim Etikettenhersteller das Beispiel mit dem, wo kommt denn euer Papier her? Das ist schon überraschend, was dann für Antworten kommt. Also das dann auch zu lernen oder vielleicht manchmal gar nicht zu ahnen, dass es so ist. Wir selbst sagen, definitiv keine Früchte aus China, das haben wir schon immer so gemacht. Und diese Überzeugung müssen wir bei den anderen abfragen, da hast du vollkommen Recht. Und das ist aber auch immer wieder sehr speziell, sachbezogen und dann eben aus dem Netzwerk heraus möglichst Unternehmen nehmen, von denen wir schon wissen, dass sie das Gleiche tun oder die gleichen Interessen haben.

Klaus Reichert: Ihr macht im Nachhaltigkeitsbereich viel, aber ihr macht auch viel in anderen Bereichen. Ein gutes Beispiel an der Stelle für mich ist euer Online Shop. Es gibt eure Produkte in guten Supermärkten und bei Bäckereien zu kaufen, aber man kann sie eben auch online bestellen. Jetzt seid ihr ein kleines Unternehmen, da würden viele sagen, na, das ist uns viel zu viel Arbeit oder was weiß ich noch so alles, aber ihr habt es eben gemacht, ihr habt das Thema E-Commerce auch eingeführt. Was war das für euch, was hat das für euch bedeutet oder was war da der Auslöser dafür?

Uta Simmler: Also das war eigentlich ganz lustig, als ich 2001 ins Unternehmen gekommen bin, hatten wir eine Dienstleisterin, die das nebenher quasi gemacht hat. Also wir haben schon immer oder schon ganz lange immer wieder Nachfragen und Anfragen von Kunden, Endkunden, nach unseren Produkten bekommen, wenn die in Baden-Württemberg, im Schwarzwald oder am Bodensee im Urlaub waren und die Produkte da kennengelernt haben und dann wollten die das Produkt zu Hause auch auf ihren Frühstückstisch bringen. Was ja per se schon mal das größte Kompliment überhaupt ist, weil es gibt ja deutschlandweit wirklich eine große Auswahl an Konfitüren. Ich glaube, es gibt keinen Supermarkt, der da jetzt wirklich einen Mangel hat. Aber wenn dann ein Kunde auf die Suche nach dem Produkt geht, das finde ich schon wirklich ganz außergewöhnlich. Und wir hatten da eine Geschäftspartnerin, die hat das nebenberuflich gemacht, hat bei uns immer in größerer Menge bestellt und hat es dann entsprechend verpackt und den Kunden geschickt. Und mir kam da relativ bald dann zu Ohren, dass da aber der Service nicht so gut ist und dass die Erreichbarkeit nicht so gut ist und manchmal Produkte nicht verfügbar sind. Also ich habe da relativ schnell gehört, dass da manche Kunden zwar froh waren, dass es das überhaupt gab, aber eben auch nicht rundum zufrieden. Und mir war eigentlich relativ schnell klar, das, wenn diese Anfragen von Kunden kommen, die auf die Suche nach einem Produkt wie einer Schwarzkirschkonfitüre oder einer Erdbeerkonfitüre gehen, dass man die natürlich bedienen muss und dass ich die auch bedienen wollte. Weil, das ist ja das ist ja wirklich Nachfrage auf der Straße liegenlassen, wenn du da drauf nicht reagierst und das ist ja für den Verbraucher sicherlich enttäuschend. Aber es ist auch einfach schade, weil unsere Produkte transportieren ja zu viel dann in andere Regionen, weil die Leute haben dann mal wieder Besuch am Frühstück, dann sehen sie andere Menschen und so weiter. Das sind ja so Multiplikatoreffekte, wäre einfach schade, da den Kunden zu sagen, nee, gibt es nicht, Punkt, fertig. Und dann haben wir relativ bald auf unser eigenes System umgestellt, zunächst offline Direktversand und dann aber auch relativ schnell mit einem Onlineshop gekoppelt. Auch mit einer entsprechenden Kartonage, die für unsere Mitarbeiterin das Verpacken einfach macht, das war ganz früher deutlich aufwendiger. Und so sind wir da Schritt für Schritt vorangekommen. In den letzten Jahren haben wir immer mehr auch im Bereich Aktivitäten gemacht, dass es mal als versandkostenfreie Aktionen gibt, was den Leuten dann auch einfach Spaß macht, dran zu bleiben, wieder zu bestellen. Dass wir natürlich über Social Media jetzt heute das Thema auch toll transportieren können und eigentlich auch in diesem Bereich nicht mehr nur Nachfrage bedienen, sondern sogar neue Endkunden aktiv für die Marke werben. Das ist der große Unterschied und die große Weiterentwicklung jetzt in den 20 Jahren, dass man da eben auch über Social Media sehr punktgenau Kunden ansprechen kann und in den eigenen Shop holen kann quasi.

Klaus Reichert: Wir werden einen Link zu dem Shop auch in den Shownotes veröffentlichen, samt einem Coupon-Code, den ihr dankenswerterweise zur Verfügung gestellt habt. Was es mir aber auch zeigt ist, du erwähnst jetzt gerade noch Social Media, ihr macht viel, er denkt viel über das Geschäft nach, ihr schaut, dass ihr das weiterentwickelt, dass es aktuell bleibt. Kommen wir fast wieder zurück zum Anfang, zu dem Traditionsunternehmen, dem nachhaltigen Unternehmen, das jetzt sozusagen tatsächlich einfach auch weiterbestehen soll. Für den Podcast ist ja wichtig, vom Zuhören ins Machen zu kommen und ihr habt da gerade einige Themen angesprochen, wir sprachen von der Bereitschaft, etwas zu verändern, von dem Feuer, von dem Herzblut für die Nachhaltigkeitsthemen, von der Wichtigkeit sozusagen einer sauberen Natur, weil sie euer Produkt hervorbringt, das natürlich dann auch entsprechend weiterbestehen soll. Es ging um die Nachhaltigkeit des Unternehmens natürlich auch, es ging um Fragestellungen, die euch bewegt haben, die ihr bei anderen gesehen habt. Habt ihr so zwei, drei Tipps für andere Unternehmen vielleicht in einer ähnlichen Größe wie ihr, die vor ähnlichen Fragestellungen stehen könnten, um selber auch das Thema Nachhaltigkeit in diesem Unternehmen voranzubringen, was sind denn da so eure wichtigsten Tipps bitte?

Uta Simmler: Ich glaube, für die Motivation ist es ganz wichtig, von groß nach klein. Also erst mal, ist vielleicht nicht intuitiv eingängig, vielleicht würde man erst mal versuchsweise auch mit einem kleinen Aspekt von Nachhaltigkeit anfangen. Ich glaube aber, man sollte eigentlich, aus unserer Erfahrung, dort starten, wo am Anfang eben das Meiste zu holen ist. Bei uns war das jetzt eben die Dampferzeugung als Hauptenergiethema im Unternehmen. Weil wenn du diesen großen Schritt am Anfang mal gehst, dann ist es einfach unheimlich motivierend zu sehen, was du damit bewegen kannst. Bei uns ist es ja so, dass wir rund 80 Baden-Württemberger CO2-neutralstellen mit dem, was wir einsparen an CO2-Emissionen durch die Dampferzeugung, und sowas greifbar zu machen und sich vor Augen zu führen, ist einfach unheimlich motivierend. Weil es braucht natürlich, Norbert hat es vorher schon gesagt, einen langen Atem für die Themen, es braucht eine gute Kommunikation. Und drüber hinaus wäre der Tipp einfach, ein offenes Auge und einen offenen Geist zu behalten, dazu gehört, im Erfahrungsaustausch zu bleiben. Und dazu gehört aber auch immer wieder, Dinge aufs Neue in Fragezustellen, wo es vielleicht vor ein oder zwei Jahren noch keine Antwort gab für ein Thema, ist es denn auch nachhaltiger möglich, sind wir heute vielleicht so weit, dass es eine Antwort gibt? Und da muss man einfach ständig dranbleiben und immer wieder hinschauen und machen.

Norbert Münch: Einfach anfangen, heute gibt es so viele Möglichkeiten, anzufangen und wenn man nur ein bisschen recherchiert, findet man sehr schnell diese Ansatzpunkte. Und es gibt jetzt schon einige Unternehmen, die aktiv sind in den Themen und Kontakt aufnehmen zu den Unternehmen, sich nicht scheuen, die Unternehmen zu fragen und dann mit konkreten Anforderungen einfach loszulegen. Es ist gar nicht so schwer, man muss es nur tun.

Klaus Reichert: Einfach mal machen. Uta, dein Lieblingsmarmeladengeschmack.

Uta Simmler: Oh, die eine Einzige gibt es da bei mir tatsächlich nicht, ich mag sehr viele. Die Schwarzkirsche steht natürlich bei mir schon ganz, ganz weit oben. Ich mag aber auch sehr, sehr gerne zum Beispiel aus unserer Linie Feine Frucht, die schwarze Johannisbeere. Das ist dann eine passierte schwarze Johannisbeere, finde ich auch ein wahnsinnig tolles Aroma. Ich liebe auch mal was Zuckerreduziertes zwischenrein, wo es zum Beispiel Leicht & Fruchtig, die Bühler Zwetschge gibt, die ich halt einfach auch wirklich fantastisch finde. Also ich würde mich da sehr, sehr ungern festlegen. Wenn ich es müsste, wäre ich bei der Schwarzkirsche. Wenn du mich jetzt auf eine Insel schickst und ich darf nur ein Glas mitnehmen, wäre es wahrscheinlich schon irgendwas rund um die Schwarzkirsche. Aber schwerfallen würde es mir. Also ich würde lieber was anderes Daheim lassen und zwei bis drei Gläser auf die Insel mitnehmen.

Klaus Reichert: Norbert, was ist denn dein Lieblingsmarmeladengeschmack?

Norbert Münch: Ich würde mich sofort festlegen auf Schwarzkirsche & Holunderblüte, das ist für mich absolut die Nummer eins. Weil natürlich es eine Sorte ist, also zum 75. Jubiläum haben wir die kreiert und es fällt in unserer Zeit der Verantwortlichkeit für dieses Unternehmen und ist einfach wirklich ein Knaller und wurde auch schon international stark ausgezeichnet.

Klaus Reichert: Für mich wär es das auch, also die Schwarzkirsche.

Uta Simmler: Sind wir uns doch einig, wunderbar. Ist doch ein harmonischer Abschluss.

Klaus Reichert: Ja, vielen Dank an euch beide, dass ihr die Zeit euch heute genommen habt, ich fand es wieder sehr lehrreich. Und danke, dass ihr das tut, was ihr tut, inklusive der Produktion der Schwarzkirschenmarmelade.

Uta Simmler: Ja, gerne. Dir herzlichen Dank und uns da die Gelegenheit gibst, in deinem Podcast mal dabei zu sein.

Norbert Münch: Von mir auch herzlichen Dank. Und tu du auch weiter, was du tust, das ist auch sehr wichtig. 

Klaus Reichert: Das war der Smart Innovation Podcast. Er wurde mit einem interessierten Publikum live aufgenommen. Vielen Dank fürs Dabeisein und Zuhören. Diese Episode gibt es auch zum Lesen, der direkte Link ist in den Shownotes. Noch kein Abonnent? Die Show ist überall zu finden, wo es Podcasts gibt. Weitere Informationen und meine Kontaktdaten sind bei klausreichert.de/podcast, dort gibt es auch eine Übersicht der nächsten Liveaufnahme-Termine. Ich bin Klaus Reichert und das war der Smart Innovation Podcast. 

Über

Dr. Klaus Reichert

Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater und kreativer Business Coach mit Herzblut für Innovation und begleite Unternehmen mit viel Erfahrung und Kreativität beim Innovationsmanagement und Innovationsstrategie auf dem Weg von der Vision zu enkeltauglichen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe und Bodensee.

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