generationenübergreifendes Wohnen
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Neue Ideen für klimafreundliches, generationenübergreifendes Wohnen

Eine Vielzahl sozialer Innovationen: In der 77. des Smart Innovation Podcast unterhalte ich mich mit Dr. Bettina Brohmann über klimafreundliches, generationenübergreifendes – ein Projekt mit 63 Wohnungen, das eine Gruppe Interessierter im Rahmen einer Baugenossenschaft in Darmstadt aufgebaut hat.

Spannend ist dabei auch der Entstehungsweg, ein sozialer Prozess, beim dem der Grundstein für das Miteinander gelegt wurde. Die Hausgemeinschaft teilt sich Räume, eine ausgestattete Werkstatt und hilft sich generationenübergreifend, auch mit einem gemeinsamen Chat Kanal und einer Art Verfassung, die das Miteinander regelt. Das Gebäude ist ein Passivhaus, der Strom wird über eine Solaranlage mit Mieterstrom Modell erzeugt. Und mit der Integration von Sozialwohnungen wurden zudem bezahlbare Wohnungen geschaffen.

Bettina Brohmann
(c) B.Schenk_Foto_Studio_Hirch

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Dr. Bettina Brohmann ist Senior Researcher am Öko-Institut in Darmstadt. Sie hat, zusammen mit einer Gruppe interessierter Menschen ein gemeinschaftliches Wohnprojekt innerhalb einer Wohnungsbaugenossenschaft auf den Weg gebracht, welches inklusiv, generationenübergreifend und klimafreundlich ist. Die Gemeinschaft in 63 Wohnungen im Passivhaus realisiert auch ein gemeinsames Carsharing, Mieterstrom aus Photovoltaik, eine gemeinsame Werkstatt und Brotbackofen. Ganz wichtig für das miteinander wohnen im Quartier: ein gemeinsamer Kommunikationskanal, Leitbild und Gremien, die Feste planen aber auch Konflikte schlichten. In der Vorbereitungszeit auf den Bau hat sich eine Gruppe Menschen mit gemeinsamen Zielen gefunden, die das Thema vorangetrieben hat und in einer Baugenossenschaft in Darmstadt organisatorisch angesiedelt ist. So konnten auch eine Reihe Sozialwohnungen realisiert werden, sowie ein Grundstück der Stadt Darmstadt, eine Konversionsfläche, genutzt werden. Wir unterhalten uns über das Projekt, seinen Kontext und die Entstehungsgeschichte. Die Erfahrungen und Informationen sollen helfen, vergleichbare Projekte an anderer Stelle zu starten.

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Bettina Brohmann: Man braucht auf jeden Fall so ein institutionelles Dach, sage ich jetzt mal, also gerade für die Vorbereitungen, also auch diesen Antrag an die Stadt, um sich da auf so ein Gelände bewerben zu können. Das hätte man auch als kleinere Gruppe ohne machen können, aber mit der Genossenschaft hilft es eben sehr. Und ganz unerlässlich ist es, wenn man dann Förderung bekommen möchte. Ich habe es erwähnt, wir haben ja Sozialwohnungen mit errichtet und diese Sozialwohnungen werden gefördert. Und dann brauchst du eine entsprechende Organisation, die das auch rechtlich entsprechend trägt und beantragt und händelt und entsprechenden Verhandlungen mit den Banken, mit dem Land, mit der Stadt führt. Das ist einfacher, wenn man das eben in einer Organisation wie einer Genossenschaft tun kann. Und wir hatten auch hier durchaus Unterstützung. Also wenn man eine Genossenschaft gründen will beispielsweise, kann man sich auch an den Genossenschaftsverband wenden, die kommen dann vorbei und helfen einem da auch auf die Sprünge. Das heißt also, es ist durchaus möglich, auch von Beginn an hier zu starten. Und wir hatten aber den Vorteil, eben in eine bestehende Genossenschaft eintreten zu können.

Klaus Reichert: Höre ich da bei dir so eine gewisse Begeisterung für die Form, die Unternehmensform der Genossenschaft heraus?

Bettina Brohmann: Ich würde sagen, unbedingt, weil sie einfach auch versucht, das Wohnen für alle möglich zu machen. Also es ist ja einfach auch eine große Herausforderung heutzutage, noch bezahlbaren Wohnraum zu errichten.

 Klaus Reichert: Innovation weiterdenken und Zukunft einfach machen. Hallo! Klaus Reichert hier! Ich bin unabhängiger Unternehmensberater und Business Coach für Innovation und Business Design. Ich begleite engagierte Unternehmer: innen und Führungskräfte sowie ihre Teams mit Smart Innovation auf dem Weg von der Vision zu enkeltauglichen Leistungen. Meine Mission ist es, Unternehmen und seine Menschen kreativer und innovativer zu machen. Ich arbeite remote von Baden-Württemberg aus. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovationen, über Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels. Zuhörer können bei den Liveaufnahmen mitmachen und Fragen stellen, so wird Innovation lebendig und leicht umsetzbar. Die Live-Aufnahmen sind mittwochs, Episoden erscheinen montags. Den Link zu Terminen, Newsletter und dem Transkript finden Sie in den Shownotes. Bleiben Sie auf dem Laufenden und folgen Sie der Show, wo immer Sie Ihre Podcasts hören oder auf klausreichert.de/linkedin. Und denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.

Meine Gesprächspartnerin heute Doktor Bettina Brohmann, sie ist Senior Researcher am Öko-Institut in Darmstadt. Und sie hat zusammen mit einer Gruppe interessierter Menschen ein gemeinschaftliches Wohnprojekt innerhalb einer Wohnungsbaugenossenschaft auf den Weg gebracht, welches inklusiv, generationübergreifend und klimafreundlich ist. Wir unterhalten uns über dieses Projekt, seinen Kontext und die Entstehungsgeschichte oder Geschichten, da bin ich auch schon sehr gespannt. Es geht dabei um die Erfahrungen und Informationen, die helfen sollen, vergleichbare Projekte an anderer Stelle zu initiieren. Hallo, Bettina, schön, dass du mit dabei bist!

Bettina Brohmann: Hallo, Klaus. Herzlichen Dank für die freundliche Einladung und dass wir über dieses wichtige Thema heute miteinander sprechen können.

Klaus Reichert: Wohnen ist ein so grundsätzliches Thema, dass es mich immer wieder wundert, wie langsam Innovationen sich durchsetzen in dem Bereich. Und ich meine dabei auch nicht technologische Entwicklungen. Da haben wir jetzt natürlich gerade einiges zu tun in der Umstellung bei der Heizung, Klimatisierungstechnik, sondern mir geht es eigentlich jetzt hier eher so um die soziale Innovationen, die dann eben mit gesellschaftlichen und globalen Entwicklungen einhergehen. Also wir haben das Eingangs ja erwähnt, klimafreundlich ist ein richtiges großes Ding. Generationübergreifend Wohnen, das ist schon, jedes Ding für sich, ein dickes Brett. Aber bevor wir da uns vertiefen, bitte gib uns doch einen kurzen Einblick in euer Projekt beziehungsweise dann auch in eure Projekte. Es gab ja sozusagen kleine Vorgänge und dann schon ein Weiteres, an den ihr jetzt gerade auch in Arbeit seid.

Bettina Brohmann: Also ich sollte zumindest erwähnen, dass wir in der Arbeit am Öko-Institut uns da auch schon seit geraumer Zeit mit beschäftigen, also seit ungefähr 20 Jahren eben mit der Frage, wie man in Quartieren, in Stadtquartieren entsprechend klimafreundlich, generationenübergreifend, sozialverträglich auch miteinander leben kann und wie man so einen Stadtteil auch entsprechend aufbauen kann. Und das ist es, denke ich, sehr wichtig, dass man sich über die Ziele gemeinsam verabredet und vereinbart. Und auch das, denke ich, kann man übertragen auf unser privates Vorhaben, was du jetzt angesprochen hast. Das heißt also, man braucht so etwas wie gemeinsame Zielvereinbarungen, Indikatoren, wonach man auch ein Stück weit anschauen kann, ob man das erreicht hat, was man eigentlich sich vorstellt.

Klaus Reichert: Lass uns mal kurz das Projekt beschreiben, worüber sprechen wir grade?

Bettina Brohmann: Wir sprechen über ein Wohnprojekt, das im Rahmen einer Wohnungsgenossenschaft sich entwickelt hat und das heißt, ein Neubau, ein neues Haus in einer Passivhausbauweise mit einer großen Fotovoltaikanlage. Wir haben insgesamt 43 Wohneinheiten, davon sind einige Sozialwohnungen auch. Und hier leben auf dieser Fläche, in diesem Haus, rund 100 Personen. Also wir haben 63 Erwachsene, 37 Kinder und das ist sehr muntere Mischung.

Klaus Reichert: Das kann ich mir vorstellen, ja. Das heißt also, ihr habt ein Gebäude gemeinsam gebaut, ihr habt das gemeinsam auf den Weg gebracht, du hast das Thema klimafreundlich durch Passivhausstandard schon angesprochen. Wir werden so Details dann verlinken in den Shownotes. Generationübergreifend, da bin ich jetzt schon sehr drauf gespannt, was da noch alles sozusagen passiert in dem Zusammenhang. Aber ihr habt ein Gebäude gebaut, gemeinsam, also nicht einfach, ist seit einzeln zur Bank gegangen und habt irgendwie der eine Eigentumswohnung gekauft, sondern ihr habt das gemeinsam gemacht. Wie lief das denn ab?

Bettina Brohmann: Also zunächst mal haben sich interessierte Menschen vor einigen Jahren getroffen und festgestellt, dass sie so ein gemeinsames Wohnen, also insbesondere dann für das Wohnen im Alter, aber auch mit Kindern und Familien, realisieren möchten. Und dann geht man einerseits auf die Suche nach den Zielen, was ich ja schon ansprach, also was will man eigentlich hier zusammenmachen bei so einem Wohnvorhaben? Und dann braucht man sicherlich auch ein Grundstück. Also das heißt, wenn man bauen will, muss das irgendwo errichtet werden und das ist durchaus sehr herausfordert. Und da hatten wir jetzt hier in diesem konkreten Projekt auf, ich würde sagen, dreierlei Weise Glück. Einerseits gibt es eben in Darmstadt, wo das Projekt realisiert wurde, eine Wohnungsgenossenschaft, die schon lange aktiv ist und wir sind jetzt das dritte Projekt, was sich innerhalb dieser Wohnungsgenossenschaft etabliert hat. Außerdem gibt es in Darmstadt eben verschiedene sogenannte Konversionsflächen. Das heißt, ehemalige Militärgelände wird zurückübernommen und in Wohnen entsprechend umgewidmet. Und die Stadt hat eben auch hier Interesse gehabt, das Wohngruppen auf so einem Gelände ein Grundstück bekommen, das ist sozusagen der zweite Glückszufall. Und das dritte Glück war, dass ich eben diese Gruppe von BewohnerInnen, zukünftigen BewohnerInnen, InteressentInnen gefunden hat und dass man hier recht viel auch an Know How versammelte und dass wir in dieser Gruppe Kontakte auch schon zur Stadt hatten. Das ist eine nicht unwichtige Grundvoraussetzungen. Und um das etwas abzukürzen, die Lektion heißt, man braucht schon etwas Geduld und langen Atem, bis so ein Projekt zustande kommt und dann auch entsprechend umgesetzt werden kann.

Klaus Reichert: Da gehört jetzt natürlich auch dazu, dass ihr zur richtigen Zeit am richtigen Ort wart, ja. Es gab einige Bedingungen, die das Ganze sehr positiv beeinflusst haben oder ermöglicht haben. Jetzt hast du aber auch gesagt, es hat sich eine Gruppe getroffen, die am Anfang dann auch über die gemeinsamen Ziele sich verständigt hat. Wie groß waren denn diese Ursprungsgruppen? Und gab es da vielleicht ein besonderes Vorgehen, das ihr gewählt habt, um dieses Gemeinsame zu finden? Wie lange hat es ungefähr gedauert?

Bettina Brohmann: Es gab mehrere Abschnitte, wo sich die Gruppe mal vergrößert, mal verkleinert hat, aber so im Kern ist es eine Gruppe gewesen von 12 Aktiven. Und wir haben also sozusagen mit der ersten Urgruppe schon relativ lang, also das waren schon fünf, sechs Jahre, gerungen darum, was können wir tatsächlich realisieren, wie bringen wir das auch sozusagen mit unseren Ansprüchen zusammen? Denn Du hast auf der einen Seite sicherlich, ja, jeder hat so seinen Traum, den er da auch verwirklichen möchte einerseits, andererseits braucht man dann auch viel Geld für solche Träume. Und das geht nicht immer so zusammen. Und auch die Frage, wie sind die Ansprüche an zum Beispiel Gemeinsamkeiten, gemeinschaftliches Leben? Also sind die sehr divergierend oder passen die gut zusammen? Also wir haben beispielsweise auch ein bis zwei Gruppen hinter uns gelassen, weil wir mit den Zielen zunächst mal nicht so einhergehen konnten. Und letztendlich brauchst du aber eben eine Gruppe, die da auch ein Stück weit flexibel ist und das ist dann nachher so eine Gruppe, zentrale Gruppen von 12 Leuten tatsächlich gewesen. Und man muss dann immer gucken, auch hier, wir wollten eine gute Mischung haben. Also nicht sozusagen eine homogene Truppe von nur Alten oder nur Familien, sondern tatsächlich eine gute Mischung und das hat sich dann über die Zeit auch entwickelt. Und man braucht zusammen auch ein bisschen Geduld und sicherlich auch Kriterien für so einen Prozess der Auswahl. Also wer passt zu einem, wie kann man das tatsächlich auch gestalten? Wie ist das Engagement, wie ist die Mitarbeit? Da ist sicherlich im Vorfeld auch vieles, was ich klären muss.

Klaus Reichert: Vor dem Bauprozess kommt ein aufwändiger sozialer Prozess, der nicht ganz unerheblich ist oder auch ganz schön Zeit braucht. Du hast gesagt, es hat bei euch mehrere Jahre gebraucht, das Ganze dann klarzuziehen für euch alle. Das ist ja auch, ja, nachvollziehbar. Man versteht grade bei so wichtigen Sachen wie Wohnen, versteht man vielleicht ja ursprünglich auch gar nicht so sehr, was man eigentlich möchte, weil viele Leute gar nicht drüber nachdenken, was Wohnen für sie eigentlich bedeutet. Also den Teil muss man dann auch schon mal finden.

Bettina Brohmann: Richtig, ja.

Klaus Reichert: Jetzt kam noch dazu, hast du angesprochen diese Konversionsflächen, die sozusagen von der Stadt Darmstadt in irgendeiner Form vergeben wurden oder angeboten wurden, da musste man sich ja vielleicht auch drauf bewerben, das war so ein Ding. Aber du hast auch angesprochen, dass ihr das im Rahmen einer Wohnungsbaugenossenschaft gemacht habt. Das ist ja natürlich eine praktische Sache, dass die ganzen rechtlichen Dinge, wahrscheinlich auch viele finanzielle Dinge damit eben sehr viel leichter wurden.

Bettina Brohmann: Das ist richtig, ja. Also man braucht auf jeden Fall so ein institutionelles Dach, sage ich jetzt mal, also gerade für die Vorbereitungen, also auch diesen Antrag an die Stadt, um sich da auf so ein Gelände bewerben zu können. Das hätte man auch als kleinere Gruppe ohne Genossenschaft machen können, aber mit der Genossenschaft hilft es eben sehr. Und ganz unerlässlich ist es, wenn man dann Förderung bekommen möchte. Ich habe es erwähnt, wir haben ja Sozialwohnungen mit errichtet und diese Sozialwohnungen werden gefördert. Und dann brauchst du eine entsprechende Organisation, die das auch rechtlich entsprechend trägt und beantragt und händelt und entsprechenden Verhandlungen mit den Banken, mit dem Land, mit der Stadt führt. Das ist einfacher, wenn man das eben in einer Organisation wie einer Genossenschaft tun kann. Und wir hatten auch hier durchaus Unterstützung. Also wenn man eine Genossenschaft gründen will beispielsweise, kann man sich auch an den Genossenschaftsverband wenden, die kommen dann vorbei und helfen einem da auch auf die Sprünge. Das heißt also, es ist durchaus möglich, auch von Beginn an hier zu starten. Und wir hatten aber den Vorteil, eben in eine bestehende Genossenschaft eintreten zu können.

Klaus Reichert: Höre ich da bei dir so eine gewisse Begeisterung für die Form, die Unternehmensform der Genossenschaft heraus?

Bettina Brohmann: Ich würde sagen, unbedingt, weil sie einfach auch versucht, das Wohnen für alle möglich zu machen. Also es ist ja einfach auch eine große Herausforderung heutzutage, noch bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Also ein Ziel heißt, aus dem Markt auch den Wohnraum eben nicht Spekulationen oder so anheimfallen zu lassen. Das heißt, das ist etwas, wo die Genossenschaften auch den Raum schützen, also einerseits errichten, sozial entsprechend agieren und auch natürlich eine ganz andere Miete beispielsweise gewährleisten können. Das heißt, wir leben auf Basis einer Kostenmiete hier in unserem Haus und nicht, weil jemand daran verdienen will, also das ist ganz entscheidend. 

Klaus Reichert: Das macht dann auch solche Mix im Gebäude wiederum möglich, die du angesprochen hast.

Bettina Brohmann: Richtig, richtig. 

Klaus Reichert: Das ist ja, ich habe jetzt keine Zahlen, aber dieses Thema Sozialwohnungen ist eigentlich ein sehr, sehr brennendes Thema, aber ich hab so das Gefühl, dass es zurückgeht oder gegangen ist.

Bettina Brohmann: Es ist dramatisch zurückgegangen. Also viele Tausende Wohnungen sind in Deutschland aus der Bindung herausgefallen in den letzten Jahren und man kommt eben überhaupt nicht mehr hinterher, Sozialwohnungen zu errichten. Du hast auch eben konventionelle Investoren, die das nicht mehr anpacken, weil es ihnen einfach zu wenig bringt. Und insofern haben die Genossenschaften hier eine ganz große gesellschaftliche Aufgabe, die sie auch wahrnehmen. Und eben auch ein Stück durch dieses ehrenamtliche Engagement, was viele BürgerInnen hier aufbringen, etwas, wo wir eine Lücke schließen, die sich gesellschaftlich hier aufgetan hat in den letzten Jahren.

Klaus Reichert: Ihr habt jetzt das Ganze nicht nur auf den Weg gebracht, ihr wohnt selbst auch dort. Wie ist es dort, in eurem eigenen Projekt zu wohnen? Und was ist jetzt zum Beispiel anders zu einem, in Anführungszeichen, normalen Wohngebäude?

Bettina Brohmann: Zunächst mal ist es toll! Also ist ein sehr schöner Zusammenhalt, es hat sich sehr gut entwickelt. Das heißt also, dieses Miteinander ist ein unglaublich wichtiges Moment, in dem zusammen wohnen. Wir haben eine große Unterstützung untereinander. Also das, würde ich sagen, ist eines der wesentlichen Merkmale, die älteren BewohnerInnen geben Nachhilfe, geben Sprachkurse beispielsweise für migrantische Kinder. Wir haben ein Footsharing, wir haben aber auch ein Carsharing. Also dieser Austausch, den man sonst vielleicht sehr aufwändig organisieren müsste als Einzelner in einer Eigentumswohnung, der passiert eben hier im Miteinander, sozusagen in der Weiterentwicklung. Also zum Beispiel Feste oder Spielabende in Gemeinschaftsräumen oder gemeinsame Frühstücke. Also dieses Auffangen auch von beispielsweise Menschen, die vielleicht allein leben oder die Entlastung von Familien mit Kindern, wo man eben dann auch schaut, wie kann man die unterstützen? Oder jemand, der krank wird oder eine Hilfe braucht, das ist sozusagen von Tür zu Tür. Also wir haben auch einen kleinen Kommunikationskanal, einen eigenen, einen Chat und mir fehlt ein Liter Milch und ich schreibe in den Chat eine kleine Nachricht und ich habe zwei Minuten später, klingelt es an der Tür und jemand steht mit einem Liter Milch vor meiner Tür. Und so geht das im Grunde mit allem, wir teilen unsere Gartengeräte, wir teilen unsere, wie auch immer, Sportgeräte. Wir haben eine gemeinschaftliche Werkstatt beispielsweise. Das heißt also, hier muss nicht jeder seinen eigenen Hammer haben, sondern wir haben einen gemeinsamen Hammer und der wird genutzt. Oder es wird jemand krank und braucht eben einen Einkauf, das wird alles sozusagen im Alltag organisiert.

Klaus Reichert: Das hört sich toll an. Gibt es da jemand, der das vielleicht, ja, mir fällt kein anderes Wort ein, mehr so Animateur-mäßig vielleicht auch noch vorantreibt oder ist es etwas, was sich einfach dann von selber entwickelt und weiterentwickelt?

Bettina Brohmann: Ja, na, ganz von selber geht natürlich das nicht. Aber wir haben beispielsweise im Haus, um das Haus eben in dieser Dynamik zu halten, ungefähr 20 Teams und Arbeitsgruppen. Das heißt, jeder ist auch aufgerufen, sich in einem Team zu organisieren. Und da gibt es, ich sage mal ein Beispiel, das Team Kulinarik, was eben diese Fragen des Footsharing und der gemeinsamen Frühstücke und der Unterstützung bei bestimmten Ernährungsfragen, was die verantwortlich vorantreiben. Und es gibt ein Gartenteam und es gibt ein Energieteam und ein Hausmeisterteam und so fort. Das heißt, es sind immer kleine, dezentrale Einheiten, die das dann sozusagen auch nochmal voranbringen und die sich da engagieren, stellen ihre Arbeit auf regelmäßigen sogenannten Plenumsabenden vor. Das heißt also, man kann dann auch hören, was machen diese Teams und das ist für jeden offen. Das heißt, du kannst dich in jedem Team engagieren, wie du möchtest. Es gibt einen BewohnerInnenrat, der führt nochmal bestimmte organisatorische Dinge auch zusammen, aber der Austausch findet im so genannten Plenum statt.

Klaus Reichert: Ihr organisiert euch also sehr intensiv, auch themenbezogen, ihr tauscht euch aus, ihr habt entsprechende Möglichkeiten geschaffen für den Austausch, sehe das Chat-Tool. Aber auch diesen Rat, wo ihr aktuelle Themen aufgreift, wo ihr vielleicht gemeinsam ein Fest plant, aber auch mal einen Konflikt zum Beispiel angeht, den es ja auch geben kann oder vielleicht die Anschaffung eines neuen Autos für das Carsharing eben besprechen könnt und planen könnt. Jetzt hast du ja im Laufe deines Lebens einiges an Wohnsituationen mitbekommen, verschiedenster Art. Wie würdest du das beschreiben, was ist ganz, ganz konkret für dich so viel vorteilhaft anders in der jetzigen Situation, wie vielleicht eine normale Miet- oder Eigentümersituation in einem Gebäude? Wie viel von dem, was ihr jetzt quasi an Gemeinschaft habt, wäre möglich oder würde überhaupt entstehen, wenn ihr vieles von dem einfach gar nicht macht, was ihr jetzt tut, mit ja auch hohem Aufwand und Energie?

Bettina Brohmann: Also was ist sozusagen der Kern oder was funktioniert nicht, wo läuft deine Frage hin?

Klaus Reichert: Ja, die Frage, ja, war ein bisschen viel auf einmal. Du hast ja Vergleich auch zu anderen Wohnsituationen und was ich da regelmäßig schon erlebt habe ist, dass man eigentlich gar nicht weiß, mit wem man zusammenwohnt, weil es keinerlei Mechanismen gibt, kein, ich sage mal, Onboarding oder einen Austausch, ein Miteinander, das dafür sorgt, dass man tatsächlich sich kennenlernt, dass man gemeinsam Entscheidungen trifft, dass man überlegt, wie man eben etwas gemeinsam gestaltet. Jetzt weiß ich auch, dass es natürlich organisiert werden muss, also das muss im Grunde von Anfang an irgendwie angelegt sein, ja, damit es auch passieren kann im Alltag. Ist dieser Mehraufwand für dich jetzt ein sinnvoller Mehraufwand, also merkst du da den Effekt oder den Erfolg?

Bettina Brohmann: Ja, der Mehraufwand wird eher sozusagen auch positiv gesehen. Also ich würde das auch positiv sehen in dem Schatz, den man da hat, dadurch, dass du eigentlich auch sozial stündlich dazulernst. Also es ist eine unglaubliche Bereicherung für die Einzelnen, für den Einzelnen, aber auch für die Gruppe, also in dem Zusammenhang, wie wir uns da austauschen, was wir auch klären können oder was wir auch uns vornehmen, ist das wirklich alle Zeit wert, die man da auch reinsteckt. Klar hat man manchmal auch, wenn dann das vierte Gespräch oder die vierte Sitzung in der Woche zu Krise XY, dann ist das schon mal etwas, wo man halt sagt, oh nee, nicht schon wieder. Aber im Grunde, wenn du dann darüber nachdenkst, was es bringt, ist es auf jeden Fall keine Bürde, sondern es ist eine gute Sache, es ist ein Gewinn. 

Klaus Reichert: Man löst ja auch dann sofort eben kurzfristig auftretende Probleme und kann damit natürlich diese Wohnsituation, das Miteinander auf dem richtigen Weg halten. Das Besondere an so einem Projekt, das ist nicht nur die gemeinschaftliche Planung mit gemeinschaftlichen Zielen, ausgerichtet auf eine zum Beispiel Klimafreundlichkeit, Energieautarkie in irgendeiner Form vielleicht oder Nutzung von erneuerbaren Energien, sondern hört also mit dem Einzug nicht auf, sondern da geht es eigentlich, das Miteinander, erst so richtig los.

Bettina Brohmann: Da geht es richtig los, genau, da geht es richtig los. Also ein Beispiel, wir haben einen großen Holzbackofen uns angeschafft, also auch wieder gefördert von der Stadt, in der Form eines kleinen Vereins dann, aber aus diesem Wohnprojekt herauskommend. Und dieser Backofen, der schafft auch ganz neue Situationen ins Quartier hinein. Das heißt also, wir gehen mit dem Backofen hier auf den Quartiersplatz und dann bieten wir an, dass Menschen ihren Teig mitbringen beziehungsweise wir bieten auch entsprechenden Teig an und dann haben wir jetzt regelmäßig zum Beispiel Backen mit Kindern, solche Dinge, die eben auch eine große Resonanz bieten und uns auch selber, ja, durchaus mit neuen Erfahrungen ausstatten. Also das ist schon sehr, sehr toll.

Klaus Reichert: Mir ist bewusst, dass das Ganze auch Energie braucht, aber wenn ich das so höre, macht mich das richtig glücklich, was da so alles entstehen kann. Dieses Miteinander kann aktiv gefördert werden und ist nicht einfach ein passives, anonymes Leben nebeneinander her.

Bettina Brohmann: Absolut, ja, absolut. Und, ich meine, wir haben immer wieder natürlich Herausforderungen, wo man eben auch in Verhandlungen treten muss, aber es ist auch die Praxis im Alltag, ist wirklich etwas, was mehr bringt, als wenn man das sozusagen alleine organisieren würde.

Klaus Reichert: Aber ihr habt ja auch die Mechanismen geschaffen, damit man das lösen kann, ja. Das ist ja nicht einfach so, dass man dann mehr oder weniger beim Nachbarn steht und sich beschwert oder so, sondern man hat dann quasi die Möglichkeit geschaffen, dass tatsächlich gemeinsam zu lösen oder auszutragen, den Streit zu schlichten oder was halt immer, einen Plan eben zu starten. Das finde ich einen sehr, sehr beeindruckenden Teil davon! Und da muss man jetzt vielleicht auch mal nochmal auf den Kontext eingehen, in dem ihr euch da ja auch bewegt. Ihr habt da Vorprojekte aus dem Öko-Institut, ihr habt da schon sehr früh an solchen Themen gearbeitet, das Öko-Institut hat da so um 2000 herum auch schon dran gearbeitet, mir fällt Freiburg Vauban ein. Was sind denn da so vielleicht Inputs gewesen, die ihr mitgenommen hat? Was waren denn diese Projekte, über die wir grade sprechen?

Bettina Brohmann: Das sind auch eben Vorläufer, aus meiner Sicht, die mir Erfahrung gegeben haben im Hinblick auf diese gemeinsame Zielsetzung, dass das sehr, sehr wichtig ist. Und im Vauban hat uns sehr beeindruckt, wie erfolgreich eben Baugruppen, das heißt also private Gruppen, die sich zusammengetan haben und eben einen entsprechenden Standard in dem nachhaltigen Bauen auch erreicht haben. Das war sehr, sehr interessant zu sehen, damals schon. Oder auch etwas, woraus wir oder worauf wir auch aufbauen konnten, das wir damals unterstützt haben, das es wichtig ist, dass man soziale Einrichtungen vor Ort dann hat, die auch selbstorganisiert sind. Das heißt also, wo sich dann entsprechende Arbeitsgruppen treffen können, wo sich Leute dann austauschen können, was ist denn eigentlich klimafreundliches Wohnen oder was ist denn  klimafreundliche Mobilität oder wie wollen wir uns in Zukunft ernähren beispielsweise? Das waren Themen, die auch im Vauban eine Rolle gespielt haben und wo wir jetzt im Grunde auch drauf aufsetzen und gelernt haben, dass das wichtige Aspekte sind. Und eben, wenn du jetzt auch auf das Thema oder wenn wir auf die Technik kommen, wenn wir sagen, also was heißt denn klimafreundlich? Auch dieses, ein Passivhaus zu errichten, das ist ja etwas durchaus Herausforderndes und manche Leute haben da durchaus auch Sorgen davor. Und dass wir das beispielsweise auch ausräumen konnten, dass wir sagen konnten, nein, ihr dürft auch lüften, es wird nicht zu heiß. Man hat eben entsprechende technische Möglichkeiten in so einem Haus. Oder mit der PV-Anlage, wo wir so etwas wie Mieter-Strom haben. Auch das ist ein Thema, was wir am Öko-Institut vor 20 Jahren angefangen haben und jetzt haben wir hier tatsächlich so etwas, eine kleine, sozusagen mit unserer eigenen PV-Anlage, eine Mieter-Strom-Organisation. Und das ist natürlich klasse, wenn man da schon eine gewisse Erfahrung und auch eine gewisse Sicherheit dann hat, das wird schon funktionieren. Und das ist auch etwas, was wir mitnehmen im Alltag, das man dann eben uns dann auch zutraut, wenn dann jemand sagt, nee, habt da ruhig auch in die Technik Zutrauen, dass das dann auch klappt. Das ist etwas, was wichtig ist.

Klaus Reichert: Und ist jetzt irgendeine Handreichungen unterwegs des Öko-Instituts, dass das dann nochmal zusammenfasst, sodass Baugruppen sich da schneller und einfacher bilden können?

Bettina Brohmann: Wir auch in letzter Zeit dazu nochmal was publiziert, also da gibt es tatsächlich auch hier am Beispiel Darmstadt Broschüren und Zugänge verschiedener Art. Das, das denke ich, kannst du dann auch als Material vielleicht mit weitergeben.

Klaus Reichert: Das können wir dann auch verlinken, ja.

Bettina Brohmann: Genau, ja.

Klaus Reichert: Ja, klasse. Was ich jetzt verstanden habe ist, es gab Einiges, was euch den Start erleichtert hat. Also, es gab grundsätzlich die Bereitschaft der Stadt Darmstadt, etwas für Baugruppen, Gemeinschaften, Baugemeinschaften zu tun, die waren sehr positiv gegenüber Baugenossenschaften eingestellt. Es gab eine Baugenossenschaft, mit der ihr eine gemeinsame Vereinbarung gefunden habt und es gab auch Flächen in dieser Kommune, die erst mal leer standen, die in dem Sinne vergeben wurden auch für solche Projekte. Das ist ja schon mal gut. Das heißt, der nächste Punkt als Voraussetzung, würde ich sagen, ist, ihr habt eine gewisse wissenschaftliche Basis gehabt, viele Erfahrungen aus anderen Projekten, die ihr zusammenfassen konntet, von denen ihr gelernt habt. Und ihr habt als Kerngruppe euch gefunden und habt die gemeinsamen Ziele dann abgesteckt über einen längeren Zeitraum, ihr habt euch auf den sozialen Prozess auch eingelassen. Was hat euch noch den Start erleichtert, habe ich jetzt grad noch was vergessen?

Bettina Brohmann: Also vielleicht kann man für diejenigen, die Ähnliches vorhaben, noch als notwendig mit auf den Weg geben, dass man auch den passenden oder die passenden Architekten und Planer braucht für so ein Vorhaben. Also du brauchst tatsächlich auch Architekten, die sich einerseits mit Wohngruppen und den Anforderungen so einer gemeinschaftlichen Planung auskennen, also auch, was das Soziale anbelangt, aber eben auch, was die Anforderungen an Räumlichkeiten, an Funktionalitäten von  Räumen und so weiter ausmacht. Das heißt, das ist sicher wichtig und es ist kompliziert, da eine genossenschaftliche Gruppe als Bauherren, Baufrau zu betreuen als sozusagen das klassische Modell, ja. Also da braucht es unbedingt auch offene Ohren und auch Akzeptanz auf deren Seite. Und wichtig ist, dass man eben alle Wünsche, die so eine Gruppe hat, schon frühzeitig auf den Tisch legt. Das heißt, dass man eben weiß, wie sollen die Räume aussehen, was brauchen wir an Gemeinschaftsflächen, wie sollen die Wohnungen sein. Wenn man das im Nachhinein planen will oder dann eben verändern will, kostet das unglaublich viel Geld und oft ist es eben nicht realisierbar, also das ist wichtig.

Klaus Reichert: Als ehemaliger Architekt bin ich mir dieser Fakten, die du angesprochen hast, sehr bewusst. Ich glaube auch nicht, dass dieser, in Anführungszeichen, Mehraufwand abgedeckt wird von der Gebührenordnung. Aber, was mir auch noch eingefallen ist, es ist bei uns in Deutschland zumindest gar nicht so üblich, dass man Wohngebäude für das Miteinander entwirft und plant, also es ist eher eine Verbindung eben oder eine Kombination von Wohneinheiten, wo aber zum Beispiel der gemeinsame Raum nicht für das Gemeinsame geplant ist, also die Gemeinsamkeit auch nicht zwangsläufig angelegt ist. Was ihr ja gleich gemacht habt, ihr habt es nicht nur im Entwurf angelegt, sondern eben auch schon in all dem, wie ihr euch verhaltet, auch zusammenleben wollt, so quasi eine Satzung oder eine wie auch immer geartete Grundlage gegeben.

Bettina Brohmann: Also wir haben ein Leitbild, was eben auch bestimmte Punkte in diesem Zusammenleben tatsächlich beschreibt und wo sich auch Leute entsprechend orientieren und dann gibt es natürlich das Übliche, eine Hausordnung und so weiter. Das muss sich dann auch auf die Gemeinschaftsflächen beziehen. Also du hast eher eine Öffnung als eine Abschottung, würde ich sagen, das man das eben so in dem konventionellen Wohnungsbau doch eher sozusagen auf den individuellen Raum bezieht und auch da das Geld rein fließt. Und bei uns fließt das Geld oder floss das Geld eben auch in diese Gemeinschaftsflächen. Und wir haben zum Beispiel Gästewohnungen, die wir gemeinsam finanziert haben, wir haben Dachterrassen, die wir auch gemeinsam bespielen. Also das heißt, hier ist mehr Aufwand betrieben für die gemeinschaftlichen Flächen, als das in einem konventionellen Haus ist mit Eigentumswohnungen. Wobei ich nicht sagen würde, dass das, was wir tun, nicht auch in einem Gebäude mit Eigentumswohnungen funktionieren kann, es braucht dann aber natürlich noch mal einen zusätzlichen Aufwand, der aber sicherlich anders aussieht.

Klaus Reichert: Um jetzt vielleicht Menschen, die kein so ein Konzept gemeinsam auf den Weg bringen können, weil sie eben schon in einem Haus mit anderen Wohnungen zusammenleben, gibt es da etwas, vielleicht so ein, zwei, drei praktische Dinge, die denen helfen könnten, so eine Art Gemeinschaft, wie ihr sie über Jahre hinweg aufgebaut habt, eben auch zu starten? Also, da geht es ja im Grunde auch dann darum, dass man etwas schafft, was Gemeinsamkeit fördert, also vielleicht eben ein gemeinsames Carsharing oder der Versuch des Mieter-Stroms oder so Hausaufgabenbetreuung oder vielleicht einfach den gemeinsamen Chat-Kanal, den man hat. Gibt es da vielleicht etwas, was du sagen würdest, was den Menschen, die quasi in dem Bestand sind, Gebäude, 20 Wohnungen, helfen könnte, sowas zu starten, mal anzugehen?

Bettina Brohmann: Ja, also ich würde denken so, das Erste ist tatsächlich dieser Austausch. Also so, wir haben auch so etwas hier im Quartier beispielsweise, das es eben Nachbarschaftshilfe gibt. Das gibt es auch in anderen Quartieren, kommt ja langsam auch so ein Stück weit in die Gänge in anderen Kommunen. Das heißt also, so ein Austausch, darüber Hilfen anzubieten und Hilfen anzunehmen. Sowas ist, denke ich, fundamental und kann in jedem Stadtteil, in einer normalen Wohnbebauung realisiert werden. Das Zweite, würde ich sagen, dass man eben Plätze findet oder Plätze definiert, die eben auch für alle zugänglich sind und wo verschiedene soziale Gruppen, Familien, einzelne Kinder auch sozusagen einen Anlaufpunkt finden. Also ein Beispiel, was wir hier in unserer Nachbarschaft haben, was ein ganz konventionelles Quartier ist im Grunde, ist ein Kiosk, der eröffnet wurde und wo man sich eben treffen kann, und dieses Treffen in der Nachbarschaft, im Quartieren, das ist so wichtig. Und das ist oft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Neubauvierteln vergessen worden, dass man so einen niederschwellig zugänglichen Ort hat. Also auch wieder Lessons Learned aus dem Vauban-Beispiel, ein Quartiersladen ist eine unglaublich wichtige Anlaufstelle. Ob man da nun ein Cafe draus macht oder ob das eben über die Poststelle läuft, wie auch immer, aber das ist, glaube ich, etwas, wo eben so ein Austausch dann möglich ist und neben diesem technischen Aspekt eine Plattform zu haben in der Nachbarschaft, eine weitere Möglichkeit, die aus meiner Sicht auch zentral ist.

Klaus Reichert: Vielen Dank, Bettina. Ich glaube, wir haben heute vieles mitnehmen können aus dem Bereich soziale Innovation. Auch das viel möglich ist, vielmehr möglich ist, wie man vielleicht ursprünglich so denkt, dass es gute Beispiele gibt, wo man sieht, wie es eben gemacht werden kann, auch als Inspiration eben mitnehmen kann. Und vielen Dank, dass ihr das auf den Weg gebracht habt und mitgemacht habt, mittragt, miterlebt, mit lebt und dass du heute mit dabei warst.

Bettina Brohmann: Ganz herzlichen Dank. Und ich hoffe, wir konnten den einen, die andere auch ermutigen, einen ähnlichen Weg zu gehen oder die Quartiere entsprechend lebensfreundlicher zu machen.

Klaus Reichert: Das war der Smart Innovation Podcast. Er wurde mit einem interessierten Publikum live aufgenommen. Vielen Dank fürs Dabeisein und Zuhören. Diese Episode gibt es auch zum Lesen, der direkte Link ist in den Shownotes. Noch kein Abonnent? Die Show ist überall zu finden, wo es Podcasts gibt. Weitere Informationen und meine Kontaktdaten sind bei klausreichert.de/podcast, dort gibt es auch eine Übersicht der nächsten Liveaufnahme-Termine. Ich bin Klaus Reichert und das war der Smart Innovation Podcast. 

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Dr. Klaus Reichert

Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater und kreativer Business Coach mit Herzblut für Innovation und begleite Unternehmen mit viel Erfahrung und Kreativität beim Innovationsmanagement und Innovationsstrategie auf dem Weg von der Vision zu enkeltauglichen Leistungen. Mein Standort ist Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe und Bodensee.

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