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„Natürlich“ müssen Räume für Menschen, die hochkreativ arbeiten entsprechend gestaltet sein und durch ihr Design und Grundriss Angebote für den spontanen Austausch aber auch den Rückzug ermöglichen. Neubauten sollten entsprechend geplant sein. Etwas anders sieht es bei Firmen aus, die nach und nach sich weiterentwickeln und eben nicht gleich alles umbauen (können). Hier sollten die Bereiche angegangen werden, die Gemeinschaft und Austausch fördern. Beispiele für besondere Räume bietet die Publikation „Niedrigschwellige Instandsetzung brachliegender Industrieareale für die Kreativwirtschaft“. Die Veröffentlichung zeigt, wie brachliegende Industrieareale so hergerichtet werden können, dass sie die Kreativwirtschaft nutzen und beleben kann. Mit 42 Fallbeispielen für die Umnutzung und Handlungsempfehlungen. Dabei sind die Inhalte sowohl auf bautechnische Aspekte als auch auf Fragen der Wirtschaftlichkeit und rechtlicher Rahmenbedingungen fokussiert. Die Veröffentlichung richtet sich vor allem an Architekten, Planer, Fachleute in Kommunalverwaltungen sowie Grundstückseigentümer. Die Beispielsammlung bietet einen Ideenfundus, wie die Kreativwirtschaft einstmals industrielle Großbauten neu nutzten kann, ohne dass das Erbe der Industriekultur verloren geht.

Die Planungshilfe kann kostenlos als Druckversion bestellt (zb@bbr.bund.de (Stichwort: BAUTEILKATALOG)) oder als PDF heruntergeladen werden.

Vor mehreren Jahren bin ich über das Konzept der „Non-Fokusgruppen“ bei einer Recherche gestolpert. Ich glaube, es hat seine Wurzeln in der San Francisco Hippie Bewegung. Ich war auf der Suche nach einfachen Methoden, die es gerade Produktmanagern und Marketingverantwortlichen ermöglichen, andere Blickwinkel einzunehmen, vor allem radikal andere, um bestehende Produktfamilien substantiell weiter zu entwickeln. Weiterlesen

Remote Design Thinking

Design Thinking ist ein großartiger Ansatz, bzw. Denkweise (manche würden es auch „Lebensstil“ nennen) nutzerzentriert Lösungen zu finden. Das Vorgehen ist noch relativ neu und kam zwar unabhängig davon, aber mit der großen Verbreitung des Internets erst in den letzten Jahren auf. Gutes Timing ist alles. Und so ist es gut, dass so eine geradezu pragmatische Methode zu einer Zeit bereit stand, die tiefgreifende Veränderungen mit sich bringt und den breiten Einsatz von Kreativität braucht. Design Thinking verbreitet sich vor allem in den Bereichen, in denen bisher das Thema „Kreativität“ eher mit „technologischer Entwicklung“ verbunden war und trägt vielfach dazu bei, dass diese Technologien erst für Nutzer verständlich und einfach anwendbar werden. Design Thinking hat es geschafft, das Thema Kreativität zu formalisieren und ihr einen Rahmen zu geben, der die Akzeptanz erhöht und den Zugang auch für eher rational denkende Menschen erleichtert. So kann Kreativität methodisch kanalisiert werden und es können spannende Ergebnisse entstehen, auch ohne die Beteiligung von sogenannten Genies oder der klassischen „Kreativen“, fast schon im Sinne von Joseph Beuys („jeder Mensch ist ein Künstler“ – Video). Die Kursteilnehmer an der Stanford d.school, an der die Methode ursprünglich (weiter)entwickelt wurde, werden nach eigener Aussage zu „Innovatoren“ ausgebildet, obwohl deren Hintergrund sehr unterschiedlich ist.

Mit dem Internet und seinen erweiterten Möglichkeiten der ortsunabhängigen Zusammenarbeit kam aber auch gleich ein Problem für Design Thinking auf: viele Teams sind nicht mehr am selben Standort, arbeiten aber trotzdem jeden Tag intensiv miteinander. Zwar kommt man meist immer wieder zusammen, doch in vielen Fällen sind die persönlichen Treffen die Ausnahme und werden ersetzt durch E-Mails, WhatsApp Nachrichten, Gespräche via Telefon, Skype oder Hangout. Und durch e-mailfreie Abstimmungen über Projekttools. Ein Ansatz, der idealerweise darauf aufbaut, dass alle Teilnehmenden regelmäßig im selben Raum miteinander arbeiten, hat es hier schwer. Das „Aus“ für Design Thinking? Natürlich nicht. Denn richtig geplant, können persönliche Treffen auch für verstreute Teams sehr kreativ und produktiv sein. Und es gibt eine Reihe von Tools, die helfen, Design Thinking auch remote anzuwenden.

Drei Beispiele sind die Cloud-Tools Mural, Realtimeboard und Conceptboard (aus Stuttgart), welche den Einsatz von Post-it auf großen „virtuellen“ Boards sehr leicht machen. Verteilte Teams können zur selben Zeit am gleichen Board ortsunabhängig arbeiten und sich abstimmen. Sind die Tools ein Ersatz für face-to-face Sessions? Nein natürlich nicht. Alle Tools sind zwar eher für digitale Prototypen und Produktentwicklung ausgelegt. Aber für die Situationen, in denen sich die Frage garnicht stellen kann, persönlich zusammen zu kommen, bieten sie eine interessante Alternative. Mural unterstützt meines Erachtens das Design Thinking Vorgehen etwas besser.

  • Tipps zur Nutzung von Remote Design Thinking Tools
  • Bedarf und Rahmenbedingungen vor Toolauswahl genau klären
  • Auswahl muss von allen Beteiligten mitgetragen werden
  • Cloud Tools brauchen keine IT-Abteilung zur Einführung sondern Training
  • die Nutzung muss in einen abgestimmten Prozess eingebettet sein
  • Anwendung der Abläufe und Tools zur Gewohnheit machen
  • Leiter/innen müssen mit gutem Beispiel vorangehen (wie immer)
  • vor allem am Anfang dranbleiben
  • viel kommunizieren, mit den passenden Tools

So oder so ähnlich könnte der “Design Thinking”-Ansatz abgewandelt werden, nachdem man ein Klassenzimmer in einer Grundschule erlebt hat. Die Aufnahme habe ich vor Kurzem beim bundesweiten Vorlesetag gemacht. Schon die zweite Klasse hat bereits alles, was notwendig ist, diese gute Mischung aus Lernen, Erarbeiten, Experimentieren, Dokumentieren, Austausch, Kommunikation. Das Multidisziplinäre fehlt noch etwas, außer bei kleinen Schulen mit gemischten Klassen.

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In einem innovativen Unternehmen nimmt der Verbrauch von Post-its mit der Digitalisierung nicht ab sondern zu. Grund ist die gute Eignung als Ideentool, vor allem in Brainstorming Sessions. Und diese Entwicklung wird stark durch die umgreifende Anwendung von Design Thinking der Standford d.school gefördert.

Das ursprüngliche Werkstatt/Garage/Hobbykeller/Wohnzimmer Konzept passt in seiner Weiterentwicklung eigentlich in jedes zeitgenössisches Büro: so lange es genug Platz für mehrere Menschen gibt und viel Platz an Wänden und Fenster für das Aufkleben von Post-its. Jeder Klebezettel bietet so Raum für eine Idee oder einen Aspekt eines Themas. Sie können frei gesammelt werden und jederzeit umgruppiert werden. Idealerweise kleben Sie auf Oberflächen, die man zusätzlich noch beschriften kann, um z.B. noch Zusammenhänge zu verdeutlichen.

Die Sammlungen sollten gleich am Ende einer Team-Session zur Dokumentation fotografiert werden, da auch die Original 3M Post-it nicht lange halten, besonders, wenn man mit ihnen im Laufe der Session gearbeitet hat. Dazu einfach ein gutes Smartphone nutzen oder die „Post-it Plus“ von 3M, mit der einfachst die Post-its nicht nur fotografiert werden, sondern auch bearbeitet werden können. Zudem können sie einfach geteilt und ergänzt werden. Ein interessantes Experiment, (noch?) etwas in der Leistungsfähigkeit begrenzt (auf 50 Post-it je Bild). Die App gibts hier.

Tipps

  • Nur Original 3M kaufen, die halten am besten
  • Ich verwende am Liebsten die quadratischen Haftnotizen mit ca. 7cm Kantenlänge mit einem dicken Stift, der leicht aus einer gewissen Entfernung noch lesbar ist
  • Verschiedenfarbige Zettel sind sinnvoll einsetzbar. Am Anfang ist es aber eher verwirrend und hemmt den Ideenfluss. Dann einfach nur einer Farbe eine bestimmte Bedeutung zuweisen und die anderen gemischt verwenden.

 

Bin gespannt auf die Rückmeldungen von Nutzern, die Post-its und die App nutzen für ihre Ideen Sessions.

Eine andere Anwendung von Post-its ist die Projektplanung bei der Jahresvorbereitung mit dem Planerkalender.

Jeder kennt die Ausstrahlung schöner Objekte. Funkelnde Diamanten verfehlen nicht ihre Wirkung, besonders wenn sie durch Schmuckstücke in Szene gesetzt werden. Der Glanz (oder aktuell „nicht-Glanz“) von neuen Karosserien zieht uns an mit einem Versprechen von Eleganz, Geschwindigkeit, Status, was auch immer. Gutes Design zieht uns an, besonders wenn es emotionale Komponenten hat. Schönheit wirkt hochwertig und zeigt sich auch in der Gestaltung und in der Perfektion seiner Umsetzung. Und wer der Meinung ist, dass dies nur für Consumer Produkte zutrifft, der hat noch nicht Maschinen von Trumpf oder Arburg erlebt. Selbst bei später nicht mehr sichtbaren Sensoren wie z.B. von ifm spielt Design eine Rolle.

Der Weg zum „perfekten“ fertigen Produkt ist lange und vor allem in der Anfangszeit nicht gerade. Ein schönes Beispiel eines solchen Prozesses ist der Film, der Picasso beim Malen eines Bildes auf einer Glasplatte (von der Rückseite) zeigt: das Bild entsteht nicht einfach, sondern ist Ergebnis vieler Versuche, des Ausprobierens, von Irrwegen und Zweifeln. Aber auch eines Zieles, einer, anfangs vielleicht meist wagen, Vorstellung vom Ergebnis. Essentiell ist diese „Leinwand“ im Film ein permanenter Prototyp – bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Künstler beschliesst, fertig zu sein. Oder erkennt, dass es kein Ende geben kann.

Glänzend, perfekt, schön, fertig – ein Prototyp ist all das nicht. Im Gegenteil: man sieht ihm das Unfertige an und das ist gut so. Prototypen sind das Mittel zum Zweck, um das Ziel des fertigen Produktes zu erreichen (oder auch zu verwerfen). Prototypen müssen müssen nicht glänzend sein, sie dienen der Erforschung des Möglichen, dem Finden des (End-)Ergebnisses, sie sind Etappen auf dem Weg der Produktentwicklung. Platt gesagt haben sie innere Werte, ihre Schönheit drängt sich nicht sofort auf.

Unsere Ausrichtung auf Schönheit und Design hindert uns häufig daran, den Wert des Prototypen zu sehen, vor allem wenn wir nicht am Entstehungsprozess selbst beteiligt waren. Wir sehen dann nur das unfertige Äußere, vermissen die Perfektion, sehen die Fehler, nicht die Chancen. Wenn wir es aber schaffen, die Schwelle der Äußerlichkeit überwinden und die Möglichkeiten zu sehen, entfaltet sich die Macht des Prototyps.

Die Kreativagentur IDEO hat in Kalifornien, zusammen mit der Stanford Universität, den Prototypen zum Helden erkoren. Prototypen sind ein zentraler Bestandteil dieses ursprünglichen Design Thinking Prozesses. Und der hat seinen Platz in einer Mischung aus Wohnzimmer, Werkstatt, Labor, Spielzimmer und Büro (streng genommen auch ausserhalb, bekanntermassen kommen die Erleuchtungen ja nicht am Arbeitsplatz). Kernelemente sind dabei die Möglichkeiten zum Austausch der Beteiligten, zum sofortigen Ausprobieren. Bei dieser Innovationsmethode sind die Prototypen die Helden. Allerdings Helden ohne Ego. Sie sind Teil der 98% Transpiration auf dem Weg zur Innovation. Sie liefern Erkenntnisse und landen dann in der Ecke, oder werden zerlegt für den nächsten Entwicklungsschritt.

Ein schönes Beispiel ist einer der Prototypen von Google Glass, der im Deutschen Museum in München zu besichtigen ist. Thad Starner, der Glass Entwickler, erwähnte beim Weg durch die Ausstellung besonders die Problematik früher Entwicklungsschritte: bestimmte Elektronik Teile waren zu Anfang nicht verfügbar. Also befestigten sie einfach ein normales Smartphone mit Klebeband. zusammen mit anderen Komponenten, an eine stabile Sportbrille. Kosten: niedrig; Gewicht: hoch; Umsetzungsgeschwindigkeit: enorm schnell. Fertig war ein Prototyp von Google Glass, der es ermöglichte, das Konzept real zu testen, die Funktion vorzuführen, Use Cases auszuprobieren und Software zu entwickeln. Und natürlich Geldgeber und Partner zu überzeugen. Die Miniaturisierung der Elektronik und der anderen Bauteile folgte dann. Ebenso die Gestaltung der eigentlichen Form, der Hülle.

Mehr zum Werkstatt Konzept mit Design Thinking Methoden

Wir feiern Geburtstag! Reichert Consulting GmbH wurde am 31. Mai 2002 gegründet.

Über 11 Jahre haben wir eine Menge bewegt, Ideen gehabt, vieles gesehen und gemacht. Manches wurde Realität, anderes liegt in der Schublade, anderes kommt noch. Wir haben dazu beigetragen, dass Unternehmen innovativer wurden, Menschen ihr Kreativitäts-Potential erkannt haben, Firmen neue Ziele entwickelt haben. Die Welt hat viel gesehen in diesen 11 Jahren. Hier eine kleine und vollkommen subjektive Auswahl. Auf weitere kreative Jahre.

Alle 11 Geburtstagsvideos:

Mehr erfahren: Klaus Reichert Profil und erster Eindruck