Wasserstoffbildungslabor des Solarverein Marbach/Neckar

Smart Innovation Podcast Episode 149 mit Prof. Dr. Hans Martin […]

Wasserstoff Bildung Labor Marbach

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Smart Innovation Podcast Episode 149 mit Prof. Dr. Hans Martin Gündner, er ist Vorsitzender des Solarvereins Marbach. Eine Bildungsinitiative für junge Menschen: Der Solarverein Marbach e.V. hat die Notwendigkeit erkannt, junge Menschen über Energiespeicherung und -bereitstellung zu informieren und sie zu ermutigen, relevante Ausbildungen und Studiengänge zu wählen. Neben solarer Energie hat der Verein auch die Wasserstofftechnologie im Fokus. Im Rahmen des Bildungsprojekts wird die Rolle des grünen Wasserstoffs als zukünftige Energiequelle hervorgehoben, wobei der Schwerpunkt auf den zukünftigen Fachkräften liegt, die für den Erfolg dieser Technologien benötigt werden. Im Zentrum ist ein Labor mit Wasserstofferzeugungsanlage auf dem Schulcampus, das in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Schiller-Gymnasium und der Stadt Marbach realisiert wird und auch als Lernort für verschiedene weitere Bildungsangebote dient. Auch Auszubildende und Studierende können hier Projektarbeiten realisieren.

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Beobachtungen & Erkenntnisse

Wie Bildung, Technik und Bürgerengagement die Energiewende voranbringen

Die wichtigsten Erkenntnisse zuerst: Ein Wasserstoffbildungslabor auf einem Schulcampus in Baden-Württemberg zeigt, wie Energiewende, Bildung und Innovation konkret zusammenfinden. Der Solarverein Marbach am Neckar hat gemeinsam mit Schule und Stadt ein praxisnahes Innovationsprojekt der Energietechnik umgesetzt. Ziel ist es, Wasserstoff Technik verständlich zu machen, Kompetenzen aufzubauen und Klimaschutz lokal umzusetzen – jenseits von Hype und politischer Rhetorik.

Im Smart Innovation Podcast spricht Dr. Klaus Reichert, Innovationscoach und unabhängiger Berater, mit Prof. Dr. Hans Martin Gündner, Vorsitzender des Solarverein Marbach, über Motivation, Technik und gesellschaftliche Wirkung dieses Projekts.

Wer macht was – und warum?

Der Solarverein Marbach am Neckar ist eine Bürgerinitiative der Energiewende, die bereits Ende der 1990er-Jahre früh auf PV gesetzt hat. Bürgerinnen und Bürger finanzierten Solaranlagen auf Schuldächern – lange bevor Photovoltaik weit verbreitet war.
Nach rund 20 Jahren stand der Verein vor einer Grundsatzfrage: Auflösen oder neu ausrichten? Die Antwort fiel eindeutig aus. Angesichts von Klimawandel und wachsendem Handlungsdruck entschied sich der Verein für die Weiterentwicklung – hin zu einem neuen Schwerpunkt: Wasserstoff.

„Wir wollten nicht beim Bekannten stehen bleiben, sondern fragen: Was wird in der Energietechnik wirklich relevant?“, sagt Prof. Gündner.

Vom Solardach zum Wasserstoffbildungslabor

Das Ergebnis ist ein Wasserstoffbildungslabor auf dem Campus des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach am Neckar. Genau genommen handelt es sich nicht um ein klassisches Schullabor, sondern um ein Technikum – eine realitätsnahe Anlage mit industriellen Komponenten.
Kernbestandteile sind:

  • ein Elektrolyseur zur Wasserstofferzeugung
  • ein Wasserstoffspeicher
  • eine Brennstoffzelle zur Rückverstromung
  • umfangreiche Sensorik zur Datenerfassung
  • Die Anlage zeigt den gesamten Prozess: Strom aus erneuerbarer Energie – etwa aus PV – wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und später wieder in Energie zurückverwandelt.

„Technik muss man anfassen können“, betont Gündner. „Nur so entsteht echtes Verständnis.“

Warum Wasserstoff in die Schule gehört

Das Projekt richtet sich bewusst an mehrere Zielgruppen. Im Zentrum stehen Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 10. In diesem Alter werden Energiebegriffe in Physik und Chemie behandelt – ideal, um Theorie mit Praxis zu verbinden.

Statt reiner Knallgasversuche erleben die Jugendlichen:

  • reale Anlagen
  • Wärmeentwicklung
  • Energieverluste
  • Speichergrenzen
  • Sicherheitsanforderungen

So wird Bildung konkret, greifbar und anschlussfähig an reale Herausforderungen der Energiewende.

„Wir brauchen Menschen, die diese Technik verstehen – und andere, die zumindest einschätzen können, was realistisch ist und was nicht“, so Gündner.

Sichtbarkeit schafft Akzeptanz

Ein zentrales Element des Projekts ist Transparenz. Das Wasserstoffbildungslabor steht sichtbar auf dem Schulgelände, mit großem Fenster und öffentlichem Zugang.
Passanten können:

  • in die Anlage blicken
  • per Anzeige verfolgen, ob gerade Wasserstoff erzeugt oder Strom produziert wird
  • erleben, dass Energietechnik Teil des Alltags ist

So wird Nachhaltigkeit sichtbar – nicht abstrakt, sondern lokal.

Weiterbildung für Handwerk, Industrie und Unternehmen

Das Innovationsprojekt geht bewusst über den Schulkontext hinaus. Neben Unterricht ist das Labor auch für:

  • berufliche Weiterbildung & Berufsschulen
  • Handwerksbetriebe
  • Industrieunternehmen

gedacht.

Die Anlage verfügt über mehr als 100 Messpunkte. Für Auszubildende, Techniker oder Entwicklungsabteilungen lassen sich reale Betriebsdaten analysieren – von Druck über Temperatur bis Wirkungsgrad.

„Wer Produkte oder Prozesse für Wasserstoffanwendungen entwickeln will, muss verstehen, wie sich das System im Betrieb verhält“, erklärt Gündner.

Wasserstoff jenseits des Hypes

Im Gespräch wird deutlich: Wasserstoff ist kein Allheilmittel. Aber er ist in vielen Bereichen unverzichtbar.
Relevante Anwendungen sind unter anderem:

  • Stahlherstellung
  • Glas- und Metallverarbeitung
  • chemische Industrie
  • Hochtemperaturprozesse
  • Energiespeicherung bei Überschuss aus Wind und PV

Gerade für Innovationsteams ist entscheidend, diese Unterschiede zu verstehen. Nicht jede Anwendung ist sinnvoll. Nicht jede Vision wirtschaftlich.

Energiewende braucht kleine, funktionierende Systeme

Ein zentrales Argument von Prof. Gündner: Komplexität lässt sich nur beherrschen, wenn Systeme überschaubar bleiben.
Statt auf ein einziges großes Energiesystem zu setzen, braucht es:

  • lokale Inseln
  • klare Schnittstellen
  • modulare Lösungen

Das Wasserstoffbildungslabor ist ein Beispiel dafür, wie Klimaschutz lokal umzusetzen praktisch aussehen kann.

Drei Lehren für Innovationsprojekte

Aus den Erfahrungen lassen sich drei zentrale Erkenntnisse ableiten:

  • Innovation beginnt mit Bildung: Ohne Verständnis keine Akzeptanz, ohne Akzeptanz keine Umsetzung.
  • Bürgerinitiativen können starke Innovationstreiber sein: also positiv/produktiv statt nur zu verhindern.
  • Technik braucht reale Erfahrungsräume: Nur wer Prozesse erlebt, kann fundierte Entscheidungen treffen.

Fazit: Ein Modell mit Strahlkraft

Das Wasserstoffbildungslabor in Marbach zeigt, wie Innovation, Energie, Bildung und Nachhaltigkeit zusammenwirken können. Es ist kein Leuchtturmprojekt im politischen Sinn, sondern ein funktionierendes Beispiel für angewandte Energiewende. Für Innovationsmanager, Produktteams und Entscheider liefert es vor allem eines: Orientierung. Nicht durch Versprechen, sondern durch Praxis.

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