7 Punkte für bessere Räume die gemeinsame Kreativität fördern – Beispiel Stanford d.school

Weihnachten steht vor der Tür. Eine Zeit, in der man sich etwas wünschen darf. Ein Riesenwunsch von mir sind bessere Räume für gemeinsame Kreativität und miteinander Arbeiten. Das ist mir als Innovationsberater und ehemaligem Architekt sehr wichtig. Die Stanford d.school ist ein Klasse Beispiel.

Ich sehe viele Besprechungsräume und die sehen meist so aus:  Ein viel großer Tisch steht in der Mitte. Mit eingebauten Steckdosen und Kabel in den Fussboden. Das Konferenztelefon in der Mitte funktioniert nicht richtig. Drumherum meist zu viele und zu sperrige schwere Stühle. Kaum Platz, um drum herum zu gehen. Irgendwo in der Ecke steht ein verwaistes Flipchart, meist fehlt das Papier, die Stifte sind ausgetrocknet. Alte Flips liegen noch irgendwo herum Ein Beamer ohne Lautsprecher. Das Kabel zu kurz, um es einfach zu nutzen. Mehr Equipment wie Kamera, Mikrofone? Fehlanzeige. Häufig ohne natürliches Licht, fast immer ohne Aussicht.

Und natürlich ist das Phänomen nicht auf Besprechungsräume beschränkt. Der „normale“ Arbeitsplatz sieht fast überall immer noch gleich aus: zu große, rechteckige Tische, immobil aufgestellt. Selbst Firmen die sich Agilität auf die Fahnen schreiben, kommen an diesen Punkten nicht weiter. Viele Möbelhersteller sind dabei auch keine Hilfe, traditionelle Konzepte sind weit verbreitet. Die Möbelauswahl kommt bei Neubauprojekte immer zuletzt und wird dann nur den Regeln des Einkaufs unterworfen.

Freude am gemeinsamen Arbeiten, am Austausch, an gemeinsamer Kreativität, kommt dann selten auf. Wie sieht also ein Raum aus, der Kreativität fördert, zu gemeinsamen Arbeiten einlädt? Was macht also gute Räume für kreatives Miteinander aus?

1. Basics

  • Sie bringen Menschen zusammen
  • halten beweglich
  • dienen der Sache

2. Flexibilität im Raum fördert Flexibilität im Kopf

  • Sie haben flexible Konfigurationen
  • Möbel lassen sich leicht verstellen
  • Wände, sofern vorhanden, sind ein Whiteboard
  • Es gibt ausreichend Material zum Ausprobieren und die Firma hat eine Innovationskultur, die deren Nutzung fördert
  • Möbel lassen Bewegung und Austausch zu, laden nicht zum Einschlafen ein
  • Stehtische statt Konferenzplätze

3. Zentrale Bestandteile

  • Das sind meines Erachtens die zentralen Bestandteile. Fast nichts davon hat erst einmal etwas mit besonderen Möbeln zu tun:
  • integriert, leicht erreichbar
  • einfach und kurzfristig verfügbar
  • leicht anpassbare Konfiguration der Einrichtung
  • sauber
  • geeignete Farben
  • angenehmer Klang, z.B. keine Reflektionen
  • gutes Licht
  • Aussicht
  • Material zum Ausprobieren von Ideen wie Lego, Bastelkram, Bauklötze
  • Regeln bzw. Vereinbarungen für die Nutzung

4. Technik ist wichtig, aber nur, wenn sie zusammenbringt

  • Technik unterstützt und funktioniert problemlos
  • Ein oder mehrere Bildschirme sind drahtlos von allen Geräten der Teilnehmenden nutzbar
  • Kamera, Mikrofon und Lautsprecher für den Raum verbinden den Raum mit anderen Räumen, auch am anderen Ende der Welt

5. Klasse Beispiel

Die Räume der Stanford d.school, hier in wenigen Bildern:

6. Unternehmenskultur der Innovation formt diese Räume

Zu Beginn steht die ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema. Jede Organisation hat eigene Bedingungen, jedes Gebäude seine eigenen Herausforderungen. Die gilt es zu berücksichtigen. Aber schon das Thema Regeln oder Vereinbarungen zeigt die Komplexität der Aufgabe. Sind sie doch Teil einer Unternehmenskultur, die auch geformt werden will. Ganz wichtig ist die Zielsetzung der Räume: Begriffe wie Atelier, Werkstatt, (Gründer-) Garage sind meines Erachtens wichtige Ausgangspunkte für Überlegungen.

7. Investition in Innovation

Und natürlich reden wir nicht einfach nur von einem Raum. Notwendig ist eine gute Auswahl an solchen Räumen und die Integration in den klassischen Arbeitsplatz. Kostet das Geld? Ja, für den Extraraum. Wenn uns Themen wie Innovation und gemeinsames Arbeiten im Team wichtig sind, wir müssen aufhören, uns mit dem subminimalen Standard zufrieden zu geben, der sich die letzten Jahrzehnte verbreitet hat. Räume, die zum gemeinsamen Schaffen einladen, die Freude bei der Nutzung machen, sind eine sinnvolle Investition, die sich rasch auszahlt.

PS: All diese Punkte gelten übrigens auch für alle Bereiche in, um und auf einem Gebäude, inkl. Räume, die „repräsentativ“ sein sollen…

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Klaus Reichert

Klaus Reichert

Mit dem Innovationscoaching begleite ich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ernsthaft eine nachhaltige Zukunft für ihr Unternehmen, seine Menschen & Leistungen zu entwerfen & umzusetzen – kreativ, gemeinsam, smart - Kontakt

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Dr. Klaus Reichert

Unabhängiger, kreativer & konstruktiver Vision zu Innovation Coach / ex-Architekt/Pilot/Tech-Gründer / Calder/Giacometti/Technik-Museum Fan

Über 25 Jahre Erfahrung in der kreativen Innovationsberatung, bei digitalen und realen Innovationsprojekten. 89+ Projekte als Coach, Unternehmensberater, Beirat und Interim Manager in den Bereichen Telco, Technologie, Digital, Software, Produktion, Pharma, Bau. Beratene Unternehmen zwischen 228.000 und 1 MA. Praxisnahe & geförderte Leistungen für mittelständische Unternehmen.

Als Innovation Coach bin ich unabhängiger externer Gesprächspartner mit Impulsen und dem oftmals so wichtigen erfahrenen Blick von außen.