Projektmanagement & KI im Bauwesen mit dem KIT Startup Valoon

Wie das KIT Startup Valoon Bauprozesse effizient macht: Digitalisierung im […]

Diego Cisterna Valoon

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Wie das KIT Startup Valoon Bauprozesse effizient macht: Digitalisierung im Bauwesen ist eine der grössten Herausforderungen für Innovationsexperten in Baden-Württemberg und darüber hinaus. In Episode 161 des Smart Innovation Podcast spricht Innovationscoach Dr. Klaus Reichert mit Diego Cisterna, Mitgründer und CEO von Valoon. Das Gespräch beleuchtet, wie ein KIT Startup aus Karlsruhe eine Software Lösung für das Bau Projektmanagement entwickelt hat, die auf einem überraschend einfachen Prinzip basiert: WhatsApp im Bauwesen.

Die zentralen Punkte des Austauschs umfassen die mangelnde Akzeptanz komplexer Software auf Baustellen, die Überwindung von Datensilos durch KI im Bauwesen und die Transformation informeller Kommunikation in strukturierte Prozesse. Ein wesentliches Ergebnis des zugrunde liegenden Forschungsprojekts SDAC von KIT und Fraunhofer war die Erkenntnis, dass selbst technisch hervorragende Lösungen scheitern, wenn die Motivation der Anwender vor Ort fehlt. Valoon setzt hier an und bietet eine App für Bauleiter, die ohne Schulungsaufwand vor Ort Prozesse und Berichte wie den Bautagesbericht digital einfach ermöglicht.

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Insights & Erkenntnisse

Die Digitalisierung am Bau scheitert oft an der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Während Architekten und Ingenieure bereitwillig mit Software arbeiten, lehnen operative Kräfte auf der Baustelle komplizierte Systeme oft ab. Die Bauwirtschaft leidet zudem unter Medienbrüchen zwischen den Lebenszyklusphasen eines Gebäudes. Daten gehen beim Wechsel von der Planung zur Ausführung und weiter zum Betrieb verloren.
Informelle Kommunikationskanäle wie WhatsApp dominieren jedoch den Alltag auf der Baustelle. Valoon nutzt diese bestehende Gewohnheit, um Daten professionell und datenschutzkonform zu erfassen.
Strukturierte Daten sind die Grundvoraussetzung für den Einsatz von KI.

Einfachheit in der Anwendung erfordert oft Komplexität im Hintergrund. Die Entwicklung eines intuitiven Interfaces wie eines WhatsApp-Chatbots ist technisch anspruchsvoller als herkömmliche Formularlösungen. Zudem nutzt Valoon zunehmend KI vor allem, um Schnittstellen zu bestehenden ERP- und Payroll-Systemen ohne hohen Programmieraufwand zu schaffen.

Der Weg vom Forschungsprojekt zum Markt

Diego Cisterna erklärt im Gespräch die Wurzeln von Valoon. Das Unternehmen entstand aus dem Umfeld des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und dem Innovations-Ökosystem in Karlsruhe. Konkret handelte es sich um das Forschungsprojekt Smart Design and Construction, kurz SDAC, bei dem das KIT als Projektführer eines Konsortiums aus Bau- und Technologieunternehmen fungierte. Das ursprüngliche Ziel war es, künstliche Intelligenz im Bauwesen zu implementieren.

Das Gründerteam vereint verschiedene Kompetenzen. Zwei Gründer stammen vom KIT in Karlsruhe und zwei vom Fraunhofer ISST in Dortmund. Diese Kombination aus Bauingenieurwesen, Technologiekenntnissen, Finanzen und Strategie bildet die Basis für das Startup. Dr. Klaus Reichert betont in diesem Zusammenhang, dass diese Fachkenntnisse entscheidend sind, um Abläufe am Bau überhaupt beschreiben und verstehen zu können.

Die grösste Herausforderung: Das Akzeptanzproblem auf der Baustelle

Im Rahmen des Forschungsprojekts SDAC machten die Beteiligten eine ernüchternde Entdeckung. Obwohl die entwickelten KI-Lösungen auf dem Papier sehr gut funktionierten und bei Ingenieuren sowie Architekten auf hohe Akzeptanz stiessen, scheiterten sie in der Praxis vor Ort. Diego Cisterna berichtet dazu: „Das Problem war, dass wenn wir Lösungen vor Ort mit den Mitarbeitern am Bau, getestet haben, hat keine richtig gut funktioniert.“ Die Mitarbeiter vor Ort hatten wenig Motivation, diese Lösungen zu nutzen oder zu implementieren, obwohl die Ideen sehr gut waren.

Diese Beobachtung war der entscheidende Wendepunkt, der zur Entwicklung von Valoon führte. Auf einer Baustelle treffen Menschen mit unterschiedlichsten Aufgaben und Werkzeugen zusammen. Während das Hauptwerkzeug einiger Beteiligten der Computer ist, nutzen andere Malerpinsel, Bohrmaschinen oder Krane. Hinzu kommt oft eine sprachliche Vielfalt, die die Kommunikation erschwert. Das einzige digitale Werkzeug, das jedoch fast jeder Mitarbeiter in der Hosentasche hat, ist das Smartphone mit WhatsApp.

Herausforderung Kommunikation und Datensilos

Ein Bauprojekt ist hochkomplex und erstreckt sich über einen langen Zeitraum mit vielen Beteiligten. In jeder Phase, von der Planung über den Bau bis zum Facility Management, entstehen Daten und wird kommuniziert. Das Problem liegt in der Zerstückelung dieser Informationen. Kommunikation findet über verschiedene Kanäle und in unterschiedlichen Datenformaten statt.

Diego Cisterna beschreibt diesen Zustand als Vielfalt von Information. Bei jedem Phasenwechsel gibt es einen Einbruch im Informationsfluss, da die beteiligten Teams wechseln. Das Ziel des Forschungsprojekts war es, diese Datensilos mithilfe von KI zu reduzieren und Daten zu strukturieren. Erst mit strukturierten Daten lassen sich im nächsten Schritt KI-Modelle effektiv trainieren.

Die Lösung: WhatsApp als professionelle Dateneingabe

Anstatt den Mitarbeitern vor Ort eine neue, fremde Software aufzudrängen, nutzt Valoon den Kanal, den sie bereits verwenden. 99 Prozent der Mitarbeiter kommunizieren ohnehin über WhatsApp mit ihren Bauleitern. Sie senden Fotos von Problemen, dokumentieren den Fortschritt oder fordern Material an.

Valoon nutzt die offizielle Business API von Meta, um diese informelle Kommunikation zu formalisieren. Dies geschieht datenschutzkonform und strukturiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Nutzer kennen die Benutzeroberfläche bereits und benötigen keine Schulung. Es ist eine Plug-and-Play-Lösung, bei der keine neue App heruntergeladen oder Passwörter verwaltet werden müssen. Ein QR-Code auf der Baustelle genügt, um den Prozess zu starten.

Funktionsweise der Valoon Plattform

Das System besteht aus zwei Welten. Auf der einen Seite steht die Web-App für den Bauleiter oder Projektleiter. Hier laufen alle strukturierten Informationen zusammen und werden in der Cloud gespeichert. Der Bauleiter kann Projekte anlegen und QR-Codes generieren, die die Mitarbeiter direkt zum Chatbot von Valoon weiterleiten.

Der Chatbot fungiert als digitaler Assistent. Er fragt grundlegende Informationen wie den Namen und das Unternehmen ab. Besonders wichtig ist die Sprachwahl: Der Chatbot interagiert in der Muttersprache des Mitarbeiters, was die Sprachbarrieren auf internationalen Baustellen abbaut. Über ein einfaches Menü in WhatsApp können verschiedene Workflows ausgelöst werden:

  • Fotodokumentation: Fotos werden direkt über WhatsApp aufgenommen.
    Berichterstellung: Mitarbeiter können Felder für einen Bautagesbericht ausfüllen und sogar digital unterschreiben.
    Zeit- und Leistungserfassung: Arbeitszeiten und erbrachte Leistungen werden unkompliziert erfasst.
  • Dokumentenscan: Das System transformiert Fotos automatisch in PDFs und speichert sie im richtigen Ordner ab.
  • Ticketsystem: Meldungen von der Baustelle erstellen Tickets beim Bauleiter. Jedes Ticket hat einen eigenen Chat, in dem Bauleiter, Mitarbeiter vor Ort und beispielsweise Lageristen zielgerichtet kommunizieren können.

Effizienz durch den Bericht-Konfigurator

Da jedes Bauunternehmen individuelle Anforderungen hat, bietet Valoon einen Bericht-Konfigurator in der Web-App an. Nutzer im Büro können per Drag-and-Drop eigene Berichte erstellen, Tabellen definieren oder Wetterdaten automatisch einfügen lassen. Diese komplexen Layouts werden für die Mitarbeiter vor Ort in eine einfache Abfolge von Fragen in WhatsApp übersetzt. So müssen sie nicht in PDF-Dokumenten zoomen, sondern füllen Informationen Schritt für Schritt aus.

Zukunftsvision: KI als Brücke zwischen Systemen

Die Rolle von KI im Bauwesen bei Valoon geht über die reine Datenstrukturierung hinaus. In einer neuen Finanzierungsrunde konzentriert sich das Startup auf die Vernetzung mit anderen spezialisierten Softwaresystemen. Viele Unternehmen nutzen bereits Systeme für die Lagerverwaltung, Payroll oder ERP wie SAP.

Bisher erforderten Schnittstellen zwischen diesen Systemen oft aufwendige Programmierung durch IT-Spezialisten. Valoon plant, KI einzusetzen, um diese Schnittstellen einfach über Prompts zu erstellen. Diego Cisterna erklärt, dass Daten von der Baustelle so ohne komplizierte Einstellungen direkt in das Payroll- oder ERP-System fliessen können.

Durch die strukturierte Erfassung vor Ort wird der Kreis geschlossen. Daten können für Statistiken genutzt werden, um Verbesserungspotenziale und Verschwendung zu identifizieren. Dies schafft eine höhere Transparenz für das Management und erlaubt präzisere Kalkulationen für zukünftige Projekte.

Übersicht der Lösungsansätze von Valoon

  • Integration bestehender Hardware: Nutzung der bereits vorhandenen Smartphones der Mitarbeiter.
  • Nutzung vertrauter Software: WhatsApp als primäres Eingabe-Interface minimiert die Hemmschwelle.
  • Automatisierung von Routineaufgaben: Automatische PDF-Generierung und Ordnerverwaltung sparen Zeit im Büro.
  • Strukturierte Kommunikation: Ticketsysteme statt chaotischer Gruppenchats verhindern Informationsverlust.
  • Flexibilität: Individuelle Berichtskonfiguration ohne Programmierkenntnisse.
  • Interoperabilität: KI-gestützte Schnittstellen zu Drittsystemen wie SAP oder ERP.

Drei Tipps für Innovationsteams: Vom Zuhören ins Machen kommen

  • Um Innovationen im eigenen Unternehmen erfolgreich umzusetzen, insbesondere in traditionellen Branchen wie dem Bauwesen, geben Dr. Klaus Reichert und Diego Cisterna folgende Tipps:
  • Analysieren Sie die bestehende Kommunikation. Bevor Sie neue Tools einführen, beobachten Sie genau, wie Ihr Team aktuell Informationen austauscht. Identifizieren Sie die Schmerzpunkte in diesem Ist-Zustand.
  • Definieren Sie klare Use-Cases. Bauen Sie Prozesse auf den identifizierten Kommunikationsregeln auf. Starten Sie mit einfachen, wiederkehrenden Aufgaben wie der Fotodokumentation, die sich leicht replizieren lassen.
  • Vermitteln Sie das Big Picture. Erläutern Sie den Mitarbeitern vor Ort den Gesamtzusammenhang. Wenn sie verstehen, warum Informationen digital erfasst werden müssen und welchen Mehrwert dies für den gesamten Prozess hat, steigt die Akzeptanz. Zeigen Sie auf, dass bessere Kommunikation Konflikte und Missverständnisse reduziert.

Zusammenfassung

Zusammenfassend zeigt das Beispiel Valoon, dass Innovation im Bauwesen nicht zwangslaeufig die Neuerfindung des Rades bedeutet. Oft liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, technologische Höchstleistung im Hintergrund mit maximaler Einfachheit in der Anwendung zu kombinieren. So wird die Digitalisierung am Bau für alle Beteiligten greifbar und wertschöpfend.

Transkript

Diego Cisterna: [00:00:00] Das Problem war, dass wenn wir Lösungen vor Ort mit den Mitarbeitern, die sind am Bau, getestet haben, keine hat richtig gut funktioniert. Obwohl die Lösungen waren auf dem Papier sehr gut, die Ideen waren sehr gut. In der Realität, die Mitarbeiter vor Ort hatten wenig Motivation, diese Lösungen zu nutzen, zu implementieren. Und das war das größte Ergebnis von diesem Forschungsprojekt und warum wir danach Valoon entwickelt haben.

Podcast-Intro

Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.

Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich [00:01:00] arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.

Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.

Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.

Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.

Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts. [00:02:00]

Vorstellung der Episode: Valoon

Klaus Reichert: In dieser Episode des Smart Innovation Podcasts haben wir wieder ein Startup im Fokus. Und ein Startup, das im Baubereich tätig ist, das im Projektmanagementbereich tätig ist, aber das vor allem an dieser Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, Mensch und Software, Mensch und Plattform eben sitzt und über einen sehr, sehr cleveren einfachen Zugang zu einem sehr komplexen Thema, das echte Mehrwerte schafft und mich auch beeindruckt hat, wie ich zum ersten Mal davon gehört habe.

Ich bin heute im Gespräch mit Diego Cisterna, er ist Mitgründer und CEO von Valoon und ich bin froh dass du heute mit dabei bist.

Hallo Diego!

Diego Cisterna: Hallo Klaus. Vielen Dank für die Einladung.

Klaus Reichert: Klasse, dass du mit dabei bist. Wir haben uns ja auf dem KIT Innovators Homecoming kennengelernt und auch über euer Startup sehr viel gesprochen. Was ich verstanden habe, ihr kommt da so aus diesem [00:03:00] KIT-Umfeld. Was ist eure Verbindung zum KIT in Karlsruhe?

Gründungsgeschichte: KIT & Team

Diego Cisterna: Wir sind entstanden aus dem Umfeld des Karlsruher Instituts of Technology. Gemeinsam mit dem Innovation-Ökosystem in Karlsruhe, insbesondere mit dem Cyberforum, dem KIT-Grunderschmiede. Und konkret, wir waren ein Forschungsprojekt vom KIT. Dieses Forschungsprojekt hieß SDAC, Smart Design and Construction. Und dort als KIT waren Projektführer von einem großen Konsortium. Enstanden von Bauunternehmen oder Unternehmen in der Bauwirtschaft und Technologieunternehmen. Und das Ziel von diesem Forschungsprojekt war, künstliche Intelligenz im Bauwesen zu implementieren. Und so haben wir unsere Mitgründer kennengelernt.

Klaus Reichert: [00:04:00] Das magische Wort KI oder AI ist jetzt gerade gefallen. Das ist natürlich auch toll, davon was zu hören. Wir gehen natürlich jetzt gleich in aller Ruhe auf Produkt, Unternehmen und so weiter ein, aber ich finde es erstmal toll zu wissen, dass ihr diese Grundlage in dem KIT habt, dass ihr da sozusagen aus einem größeren Projekt, aus einem größeren Kontext herausgekommen seid.

Ihr habt da ein großes Netzwerk außenrum, mit dem ihr da zusammenarbeitet und ihr könnt natürlich auch Erkenntnisse aufbauen, Forschungserkenntnisse aufbauen, die anderen jetzt nicht unbedingt so zugänglich sind und das finde ich jetzt einfach schon eine gute Grundlage für eure Tätigkeit.

Valoon, muss man sich darunter vorstellen, wenn ich jetzt sage, Unternehmen, ihr seid ja mehrere Gründer, bitte erzähl doch davon noch ein bisschen.

Diego Cisterna: Also wir sind vier Mitgründer, zwei von Karlsruhe, vom KIT und zwei von [00:05:00] Fraunhofer ISST Dortmund. Wie gesagt, wir waren innerhalb dieses Forschungsprojekts. Karlsruhe hatte viel Knowledge über Construction. Wir waren am Institut TMB, Technologie und Management im Baubetrieb. Und die Kollegen von Dortmund waren zum Teil Technologie.

Und tatsächlich dort steht unsere CTO, Janis und Marvin, mit Kenntnissen in Finanzen, in Strategie. Und hier in Karlsruhe sind Jan und ich Bauingenieure. Und genau, wir sind sehr nah an der Produktentwicklung, sehr nah an den Kunden und Nutzern. Und genau, so ist diese Konstellation von Valoon.

Klaus Reichert: Was ich da auch raushöre ist, ihr habt natürlich auf der einen Seite einen [00:06:00] Business-Hintergrund, eine Business-Basis. Ihr habt eine technologische Basis die euch hilft, dann solche Sachen zu realisieren dann auch. Der Teil ist ja wichtig. Aber ihr habt eben auch diese Baubasis, diese Fachkenntnisse die man braucht für das Bauprojektmanagement. Diese Fachkenntnisse die man braucht, um überhaupt Abläufe am Bau beschreiben zu können, verstehen zu können, zu wissen, wovon man da eigentlich auch spricht. Das hat eine gute Basis finde ich. Da kommen die richtigen Skills zusammen.

Diego Cisterna: Auf jeden Fall also, und das war auch immer… ein Advantage, ein Vorteil von unserer Gruppe im Vergleich mit anderen Start-ups. Zum Beispiel, dass alle Mitgründer schon Arbeitserfahrung hatten. Ja, wir haben zum Beispiel Jan und [00:07:00] ich in der Beratung gearbeitet, danach Jan war Bauleiter lange Jahre, ich war auch Produktmanager von einem Software für Baustellen, also ein Software basiert in Lean Management.

Ich musste immer diese Software implementieren vor Ort bei Kunden und dort habe ich auch viele Erfahrungen in der Digitalisierung von dieser Industrie, die sehr schwierig ist.

Klaus Reichert: Ich war selbst auch mal Architekt. Ich habe noch gute Erinnerungen an viele Themen, mit denen man sich dann tatsächlich auch beschäftigen musste. Das ist ein sehr vielfältiger Job. Der Baubereich ist einfach etwas, was von allen Beteiligten sehr viel abverlangt, muss ich sagen. Das ist sehr, sehr spannend, aber das ist gleichzeitig auch sehr schwierig, weil wir müssen ja miteinander arbeiten. So ein Gebäude zum Beispiel mit fünf [00:08:00] Stockwerken, das entsteht ja nicht einfach so, sondern da gibt es viele, viele Schritte, die auch gelebt werden, die bekannt sind und so weiter. Und das entsteht eben immer nur, weil viele, viele zusammenarbeiten, um mehr oder weniger von der ersten Idee, vom ersten Konzept für das Gebäude, dann bis zur Einweihung, dem Einzug und eigentlich auch darüber hinaus, in der Nutzung, in der Wartung, in dem Lifecycle, theoretisch und jetzt gehen wir natürlich weit über unser Thema hinaus, bis natürlich zur Weiternutzung, Umnutzung, Ausbau, Umbau, Erweiterung und so weiter bis zum Abbruch kommen. Wo es dann im Idealfall wieder ein neues Gebäude oder eine neue Nutzung bekommen kann, was man an Materialien wieder gewinnen kann aus diesem großen Gebäude.

Also da ist natürlich ein Bauprojektmanagement-Tool nicht Teil des großen Systems, ich sage mal Kreislaufwirtschaft am [00:09:00] Bau, aber es macht eben viel, viel möglich. Das bringt Menschen zusammen.

Was war denn da so eure Beobachtung die dann zu Valoon geführt hat?

Das Problem: Digitalisierung am Bau

Diego Cisterna: Tatsächlich, was du gerade erwähnt hast, sind die Grundlagen warum dieses Forschungsprojekt Smart Design and Construction entstanden ist. Die Bauwirtschaft ist sehr komplex, die Bauprojekte sind sehr komplex. Du hast es schon genannt, der Lifecycle eines Projekts ist sehr lang, es hat viele verschiedene Phasen und in jeder Phase gibt es viele Stakeholders.

Es sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Kunde, Architekten, Lieferanten etc. Und jede von diesen Stakeholders produzieren Daten und kommunizieren, sie müssen zusammenarbeiten. Und genau dort besteht das Hauptproblem. Diese Kommunikation befindet sich über [00:10:00] verschiedene Kanäle und produziert verschiedene Datenformate.

Und das produziert am Ende eine Spalette von Information.. Wenn ein Bauprojekt durchgeführt ist, in jeder Phase muss die Informationsinfrastruktur geändert werden. Also die Teams, die das Projekt planen, sind normalerweise nicht die gleichen Teams, die danach ausführen oder bauen. Und das Gleiche danach, wenn das Gebäude fertig ist, sind nicht die gleichen Personen, die das Produkt benutzen oder warten als Facility Management.

Deswegen, es gibt einen Einbruch in jede Phase, in jeden Wechsel, Phase zu Phase. Und es gibt viele Datensilos. Und das Ziel von diesem Forschungsprojekt war, [00:11:00] über KI … … diese Datensilos zu reduzieren. Und so über KI Daten strukturieren. Und mit strukturierten Daten können wir danach in einem zweiten Schritt KI-Modelle anhand von KI, auch strukturierten Daten, neue Modelle trainieren.

Das war das Ziel von diesem Forschungsprojekt. Was wir aber beobachtet haben ist, KI schafft das. Ja, wir konnten viele Daten strukturieren. Wir konnten auch danach Prototypen, also Lösungen entwickeln über KI. Wir anhand von diesem großen Konsortium von Bauunternehmen, wir hatten viele Kontakte, ein großes Netzwerk in dem wir danach die entwickelten Lösungen testen konnten, vor Ort.

Und was wir [00:12:00] überwacht haben, war, dass KI sehr gut funktioniert für Ingenieure und Architekten, die sind gewohnt mit Software zu arbeiten. Also dort war die Adoption sehr hoch und der Mehrwert, der generierte Mehrwert, auch sehr gut. Das Problem war, dass wenn wir Lösungen vor Ort mit den Mitarbeitern, die sind am Bau, getestet haben, keine hat richtig gut funktioniert. Obwohl die Lösungen waren auf dem Papier sehr gut, die Ideen waren sehr gut. In der Realität, die Mitarbeiter vor Ort hatten wenig Motivation, diese Lösungen zu nutzen, zu implementieren. Und das war das größte Ergebnis von diesem Forschungsprojekt und warum wir danach Valoon entwickelt [00:13:00] haben.

Klaus Reichert: Wenn wir jetzt von diesen Mitarbeitern vor Ort sprechen, das ist ja eine bunte Mischung. Da haben wir einerseits natürlich die von dir schon erwähnten Architekten, Ingenieurinnen, Leute aus den Planungsbereichen, allgemein auch von Bauunternehmen, von Lieferanten, die irgendwelche Bauteile schon fertig liefern.

Menschen, die, wie du schon gesagt hast, eben auch eher am Computer zum Beispiel sitzen, am Schreibtisch arbeiten und dann vor Ort mal sind, um irgendwas dann mit zu entscheiden, vielleicht auch kurzfristig zu planen vor Ort und, und und. Wir haben aber auch sehr viele Menschen, die dann tatsächlich sehr manuelle Arbeit leisten, deren Werkzeuge eben nicht der Computer ist. Da reden wir jetzt dann von zum Beispiel Malerpinseln, von Bohrmaschinen, von Kranen, von irgendwelchen was weiß ich, [00:14:00] Baggern. Da gibt es so viel, was dann benutzt wird, was das Hauptwerkzeug dieser Menschen dann ist, Die haben auch vielleicht noch ein Sprachthema.

Wir erleben das heute auf einer Baustelle, dass es eine babylonische Sprachvielfalt auch gibt. Aber die haben alle als weiteres Werkzeug dann eben noch das Smartphone mit dabei, wie jeder von uns. Jeder von uns hat das Smartphone in der Hosentasche und das ist halt zum Teil auch zu einem Werkzeug für jeden Menschen am Bau geworden.

Die Lösung: WhatsApp als Dateneingabe.

Fortsetzung in Bearbeitung.

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Digitalisierung im Bau, Innovation, App für Bauleiter, WhatsApp im Bauwesen, Forschungsprojekt, Projektmanagement Software Bau, KI im Bauwesen, Bautagesbericht digital, KIT Startup, Smart Design and Construction (SDAC)

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