Kreativitätstechnik Biergarten

„Hilfe, mir fällt nichts ein!” – In diese Situation ist jeder schon einmal geraten. Sprudelnde Ideen kann man nicht herbeizwingen, aber es gibt zahlreiche Methoden, ihnen ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Kreativitätstechniken helfen uns, die Angst vor dem weißen Blatt oder vor dem leeren Whiteboard zu überwinden. Eine davon, die so genannte „Biergarten-Methode“ soll hier näher vorgestellt werden.

Die Biergartenmethode

Es gibt zahlreiche Gründe für das Gefühl, keine Ideen zu haben: Blockade durch Zeitdruck, mangelnde Eingrenzung des Themas, unstrukturierte Denkweise oder Verharren auf der Ist-Ebene. Oft sind wir auch eingeschüchtert allein durch das diffuse Gefühl, einfallslos zu sein.

Die Tür zur Freiheit neuer Gedanken öffnet ein einfacher Schlüssel: der bewusste Einsatz von Kreativitätstechniken. Zwar ist Kreativität oftmals eine Frage des Talents, doch der Einsatz von Techniken, die erlern- und trainierbar sind, kann helfen, die bestehenden Blockaden zu lösen. Es gibt eine Vielzahl von Spielarten, Ideen zu finden und damit ausgetretene Pfade zu verlassen, neue Gedanken zu entwickeln und – das ist vielleicht das wirklich Überraschende – damit das ursprünglich beabsichtigte Ziel zu erreichen. Eine dieser Techniken ist landläufig unter dem Namen „Biergartenmethode” bekannt und wird, unbewusst, seit Generationen mit Erfolg praktiziert.

Was braucht ein Biergartenbesuch an Vorbereitung?

Zum idealen Einsatz gehören zwei Dinge, die vorab schon erfolgt sein sollten: 1. die Reduktion der Fragestellung auf das Kernthema („Was ist das Problem? Wo will ich hin?”) durch Diskussionen mit Kollegen und bereits erfolgte Workshops zum Thema, sowie 2. der richtige Zeitpunkt.

Als Teil Ihrer täglichen Arbeit sollten Sie durch Überlegungen, Gespräche und den strukturierten Einsatz der bekannten Kreativitätstechniken vorgearbeitet haben. Unklare Vorstellungen bringen unklare Ideen. Die ideale Vorbereitung sieht anders aus: Sie haben Ihr Whiteboard vollgeschrieben, in Workshops Flipcharts vollgeschrieben, große Mindmaps im Computer als Denkunterstützung erstellt, sprich viel Material erarbeitet und kennen Ihr Thema, Ihre Fragen. Was fehlt ist aber immer noch der zündende Funke.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die wenigsten bahnbrechenden Ideen wirklich im Büro entstehen. Doch eine kleine Warnung an alle, die nun glauben, mit der Kombination aus fröhlicher Gesellschaft und allzu heftigem Zuspruch an „geist”-vollen Getränken käme man ganz automatisch zu kreativen Ergebnissen oder zumindest der Lösung seines Problems näher: Die Folge können auch buchstäblich „Schnapsideen” sein. Es kommt auf die Vor- und Nachbearbeitung an. Und das heißt, sich erinnern zu können. Nehmen Sie also einen Stift und Papier mit, zur Not tut’s auch der von der Bedienung und der berühmte Bierdeckel.

Hält der Name tatsächlich, was er verspricht?

Eine Kreativitätstechnik, der man gar nicht anmerkt, dass es eine ist, sprich: Gemütlich beieinander sitzen und dabei entstehen die tollsten Ideen? Im Prinzip ja, würde Radio Eriwan antworten. Aber natürlich ist es damit allein nicht getan. Denn nicht alles ist „Biergarten”, was auch so heißt – weder in der Gastronomie noch bei der gleichnamigen Kreativitätstechnik. Zur Entspannung, zum Divertimento, gehört auch die Beschäftigung mit der Materie, um die es geht. Das aber mit anderen Mitteln und aus anderen Perspektiven als zuvor, als man nicht weiterkam, blockiert war. Unser Gehirn funktioniert zuweilen überraschend und wohltuend anders als wir vermuten. Also: kein schlechtes Gewissen haben wegen einer Pause im Biergarten.

Wie der Name „Biergartenmethode“ schon sagt, ist der ideale Ort draußen: der Aufenthalt in der Natur, nicht eingeschlossen, mit einem weiten Himmel über sich setzt Ideen frei. An der frischen Luft lässt es sich einfach besser kreativ sein, die Gedanken werden freier. Hierfür ist natürlich ein Biergarten ideal, im dem man mit Menschen ins Gespräch kommen kann, mit Geräuschen, die Gedanken anregen können. Mit erfrischenden Getränken. Man sollte sich einen schattigen Platz unter einem großen Baum suchen, der Aufenthalt in der vollen Sonne macht eher müde. Wer es lieber ruhig hat, geht auf einen Berg, in den Park oder in den Wald. Hier steht dann eher die Bewegung im Vordergrund, die auch die Gedanken beflügeln kann. Für den einen kann es auch eine Joggingstrecke sein, für die andere ein belebter Platz mitten in der Stadt.

Wann sollte die Biergartenmethode zum Einsatz kommen?

Angenommen Sie beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit einer Fragestellung und beenden Ihre Arbeitswoche sogar noch mit einem Workshop mit Kollegen zum Thema. Sie haben das Problem umkreist, eine Reihe von Maßnahmen gefunden, sich zu Details ausführlich Gedanken gemacht. Die zündende Idee, sozusagen die Basis der weiteren Schritte, fehlt aber noch. Jetzt gehen Sie in Ihr Wochenende, lassen ab von der Arbeit, die Entspannung macht sich breit. Dies ist der ideale Zeitpunkt in den Biergarten zu gehen: der Beginn einer solchen Entspannungsphase. Und lassen Sie am besten eine Nacht verstreichen, bevor Sie sich wieder an Ihr Thema machen und den Biergarten besuchen.

Zum Schluss noch ein Tipp, der selbst in verfahrensten Situationen hilft: „Wenn Du eine Lösung suchst, meditiere eine Stunde. Wenn Du keine Zeit dafür hast, meditiere zwei Stunden.”