Disruption schlägt Beharrung: Warum Deutschland den Anschluss verliert

„Deutschland hat vergessen, was Innovation ist“ – in einem Meinungsartikel beim Spiegel nimmt Christian Stöcker Menschen, Gesellschaft, Industrie, Politik ins Visier und misst unser Verhalten nach Schumpeter’schen Kriterien. Finde ich gut, macht akademisch Sinn und ist wahrscheinlich der schnellere Weg zum Ergebnis. Also von dieser Seite Haken dran, diese Vorgehensweise ist richtig, gerade um Gehör zu bekommen und schnell zum Punkt zu kommen. Sehr nennenswert aus…

Innovationsfaehigkeit-Deutschland

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„Deutschland hat vergessen, was Innovation ist“ – in einem Meinungsartikel beim Spiegel nimmt Christian Stöcker Menschen, Gesellschaft, Industrie, Politik ins Visier und misst unser Verhalten nach Schumpeter’schen Kriterien. Finde ich gut, macht akademisch Sinn und ist wahrscheinlich der schnellere Weg zum Ergebnis. Also von dieser Seite Haken dran, diese Vorgehensweise ist richtig, gerade um Gehör zu bekommen und schnell zum Punkt zu kommen.

Sehr nennenswert aus dem Artikel: Das Muster disruptiver Technologien – billiger, einfacher, kleiner und anfangs oft „unterlegen“ – setze traditionelle Industrien unter Druck, und besonders China habe diese Dynamik industriepolitisch genutzt; Europas Problem sei daher weniger nur Bürokratie oder Kosten, sondern ein Verlust des Verständnisses dafür, was Innovation wirklich ist.

Und wir dürfen nicht vergessen: so hat es mit der deutschen Industrialisierung auch angefangen: die englischen Produkte waren überlegen, Deutsche Unternehmer haben vieles erstmal kopiert. Wurden rasch besser. „Made in Germany“ war anfangs als Warnmeldung gedacht, mit der sich die englischen Hersteller schützen wollten.

Auch ich ärgere mich immer, wenn nicht schnell genug Themen erkannt, aufgegriffen und gelöst werden – oder zumindest der ernsthafte Versuch unternommen wird. Und ich bin fassungslos, wenn selbst die absehbaren Herausforderungen und die ganz großen Probleme nicht aufgegriffen werden, um echte Lösungen zu finden. Beispiel für Erstes wäre das Renten- und Pflegethema – ganz klar seid Jahrzehnten berechenbar. Letzteres, Themen wie Klimawandel, politische Abhängigkeiten durch Energielieferungen, Abnahme von Ressourcen wie sauberes Wasser, Rohstoffe wie Kupfer, Erdöl durch Einbahnstrassen- statt kreisförmiger Nutzung. Diese Aufzählung reisst nur Themen an und zeigen nicht die Ursachen. Eines: kurzfristige Symbolpolitik, kurzfristige Entscheidungen nach Volkes Stimmung, Mangel an Gestaltungsbereitschaft und der klaren Kommunikation der Herausforderungen. Kein Wunder, dass das Auswirkungen hat in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Egal wo wir hinschauen: in jedem Feld unserer Gesellschaft, vor allem dort, wo jahrzehntelang nichts in kleinen Schritten weiterentwickelt wurde, tauchen dann Widerstände auf, wenn sich lokal etwas verändern soll. Auch weil der Kontext nicht deutlich gemacht wird. Zudem haben wir verkrustete Strukturen, veraltete Technik am Rand ihrer Betriebsbereitschaft, Besitzstände, die um jeden Preis gewahrt werden wollen. Und die Kirsche oben drauf: mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist im Rentenalter, möchte nichts mehr verändern, hat kein Interesse daran oder die Energie dazu. Und bis zu fast 40% der nächsten Bundestagswählenden glaubt, dass Rechtsradikale einfache Lösungen für diese komplexen Themen haben.

Was mich immer wieder wundert: Wir in Deutschland sind in der Welt bekannt als rationale Menschen. Die Herausforderungen identifizieren und entsprechende Lösungen entwickeln. Pragmatisch, wissenschaftlich.

Wie weit sind wir davon weg, wenn Worte wie „Technologieoffenheit“, „Freiheit für den Heizungskeller“ und physikalisch/chemisch Argumente nichts gelten beim Gespräch um Energieträger wie „E-Fuels“. Oder Investition in Netze als Ausgaben bezeichnet, die Kosten für Verbrauchsstoffe bzw. deren Umweltschäden, wie Öl, Gas, Kühlwasser und Uran aber einfach ignoriert werden. Garnicht zu reden von den Ewigkeitskosten vom Kohlebergbau und Atomkraftwerken. Und gänzlich vergessen wir, dass unsere Infrastruktur (Strasse, Schiene, Brücken, Häfen, Wasser/Abwasser, Telefon/Internet, Flüsse, Stromleitungen etc. seit mehreren Jahrzehnten (1990er?) nicht richtig gewartet und ausgebaut wurden.

Innovation ist Markt, nicht Mythos

Während sich aussen herum die Welt längst weiter gedreht hat und ganz andere Bedürfnisse sowie den Bedarf nach viel mehr hat verlieren wir uns in Liebhabereien und der Beschäftigung mit Details statt Lösungen aus dem Überblick zu finden. Hier treffen Beharrungsvermögen, Überheblichkeit, nicht sich selbst in Frage stellen wollen oder können, das Nicht wahrnehmen wollen von Veränderungen in der Welt auf eben diese anderen Realitäten. Einfach gesagt :)

Doch gleichzeitig haben wir Menschen, die Dinge in die Hand nehmen. Die Unpopuläres sagen und angehen. Die Lösungen, Projekte, Unternehmen starten, aufbauen und ausbauen. Die zusammen arbeiten und gemeinsam etwas erreichen. Erst wenn wir diese Menschen verlieren, haben wir das wirklich große Problem, finde ich.

Also je nachdem auf welcher Ebene wir auf die Themen schauen: teilweise ist die Aussicht desaströs und teilweise sehr hoffnungsvoll.

Doch ganz klar ist für mich: Disruption schlägt Beharrung.

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