Wie führt man ein Unternehmen, in dem die besten Ideen gewinnen? Fehleinschätzungen, die zu einem wirtschaftlichen und wahrscheinlich auch emotionalen Tiefpunkt im Leben geführt haben, haben den Investment Manager Ray Dalio dazu gebracht, vor über 25 Jahren seine Firma komplett umzukrempeln. Statt nur auf seine eigene Einschätzung zu setzen und die anderer zu ignorieren, setzt er auf radikale Transparenz und eine Entscheidung der besten Ideen. Seine Einstellung zur „Ideen Meritokratie“ und der darauf aufgebauten transparenten Unternehmenskultur werden durch Tools nutzbar gemacht und haben zu einer rasanten ökonomischen Entwicklung seines Unternehmens beigetragen.

„Rather than thinking, ‘I’m right.’ I started to ask myself, ‘How do I know I’m right?’”

Ray Dalio

Am Anfang stand die Frage nach einer Grundlage für geschäftliche Partnerschaften: „Wie gehen wir als Partner miteinander um?“ Darauf aufbauend entwickelte sich ein langjähriger organischer Evolutionsprozess, dessen Ergebnisse heute auch bei großen Silicon Valley Firmen gefragt ist, die Vorteile im Bereich Crowdsourcing für die Entscheidungsfindung sehen, wie Ray Dalio im Interview sagte. Er war nicht spezifisch, welche Firmen interessiert sind, ich persönlich tippe auf Google. 

Wie sieht die Nutzung im Firmenalltag aus?

Seine Firma Bridgewater hat mittlerweile Programme, die die Meinungen aller im Team deutlich machen und über die Zeit daraus lernt. So entscheiden in einer bestimmten Situation die aggregierten Einschätzungen der Personen, die objektiv eine Glaubwürdigkeit in dieser speziellen Sache haben. So werden sowohl autokratische Einzelentscheidungen als auch demokratische Mehrheitsentscheidungen ersetzt. Algorithmen helfen bei der Auswertung und geben Empfehlungen für diese Entscheidungen, aber auch für die Kombination von Menschen in Teams. So entstehen Gruppen von Menschen, die sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Jede/r muss sagen können, was er oder sie in einer Situation glaubt. Unabhängig vom Status und Alter. Und muss auch erkennen können, dass es sich um eine individuelle Einschätzung handelt, die im Kontext der Einschätzungen aller anderen in der Gruppe steht. Diese Mehrdimensionalität ergibt die Chance, sich zu hinterfragen und die eigene Perspektive zu verändern. Es bringt auch die Unterhaltung weg vom Streiten über individuelle Meinungen hin zum Finden von Kriterien für Entscheidungen.

„Different people always have different opinions. And who knows, who is right?“

Ray Dalio

Schlußendlich hilft dieses Vorgehen dadurch, diese arrogante und naive Haltung zu beseitigen, falsche Meinungen zu behalten und durchzuziehen und liefert ganz im Sinne von Lean Startup die Gelegenheit zur Verprobung der Meinung mit anderen. Die Betroffenen lernen Dinge durch die Augen aller zu sehen, gemeinsam mehrdimensionaler zu sehen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

Video

Wie Ray Dalio mit dieser Methode seit 25 Methoden sehr großen Erfolg hat, zeigt sein TED-Talk, hier die Transkription und das Video:

Dot Collector App

Das Vorgehen der sogenannten „Dot Collectors“ App kann im Video und hier zusammengefasst nachvollzogen werden.

Einfache erste Umsetzung

Ein interessanter erster Vorschlag zur Einführung des Transparenz Prinzips und der einfachen Nutzung via Slack ist hier zu finden.

Fazit

  • Transparenz und Offenheit bringt große Verantwortung aller mit sich
  • Konstruktive Kritik muss man geben können und auch aushalten
  • Die Gewöhnung daran braucht Zeit
  • Daten und Algorithmen unterstützen beim Sehen von Daten und Erstellen von Zusammenhängen. Sie können bei der Entscheidungsfindung unterstützen
  • Klar gestellte Fragen, bringen klare Antworten
  • „Wahrheiten“ sind nicht singular, sondern kommen durch die Einschätzung mehrerer erfahrener Beteiligter ans Licht
  • ganz praktisch: jede/r hat einen Laptop oder Tablet im Meeting mit dabei