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Große Ideen einfach machen
Stell dir vor, eine Stadt lädt sich selbst zur Zukunft ein. Genau das passiert gerade in Berlin. In Episode 152 des Smart Innovation Podcast spreche ich mit Daniel-Jan Girl, die Bewerbung für die Weltausstellung 2035, die nicht „top-down“ von der Politik, sondern „bottom-up“ aus der Mitte der Gesellschaft kommt.
Warum Berlin (und nicht Miami)?
Während andere Standorte vielleicht mit Palmen glänzen, geht es in Berlin um Zukunftsfähigkeit. Es ist der Versuch, Europa als handlungsfähigen Ort für globale Lösungen zu positionieren.
Ein Konzept, das den Rahmen sprengt
Vergiss Pavillons in der Wüste. Das Konzept für 2035 sieht vor:
- Integration statt Isolation: Die Expo nutzt Flächen, die ohnehin entwickelt werden müssen, wie den Flughafen Tegel oder das ICC.
- Nachnutzung ab Tag eins: Es werden keine temporären Kulissen gebaut, sondern Stadtstrukturen, die danach als Büros oder Wohnungen dienen.
- Die ganze Stadt als Bühne: Über 1.000 lokale Projekte – von der Balkon-Solarzelle bis zum Flussbad – zeigen, wie Transformation im Alltag funktioniert.
Was wir aus der Expo 2035 Berlin für unsere Projekte lernen können
Daniel teilt am Ende drei entscheidende Tipps für alle, die große Ideen realisieren wollen:
- Langen Atem haben: Man braucht eine hohe intrinsische Motivation und Leidenschaft für die Sache.
- Kommunikation ist alles: Man muss unermüdlich werben, erklären und Vertrauen schaffen – auch bei Kritikern.
- Einfach anfangen: Die Zukunft entsteht heute. Man muss Tatsachen schaffen, statt nur Probleme zu wälzen.
„Die gesamte Initiative stammt tatsächlich aus der Gesellschaft. Das ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Weltausstellung.“ — Daniel-Jan Girl
Ein Blick zurück: Die Expo als Taktgeber der Geschichte
Weltausstellungen funktionieren in einem Rhythmus von etwa fünf Jahren als Impulsgeber für ein ganzes Jahrhundert. Sie sind Orte, an denen die Menschheit zeigt, welche Lösungen für globale Herausforderungen bereits existieren.
- Innovationen zum Anfassen: 1893 in Chicago wurde der Kampf um die Elektrizität und der Wechselstrom präsentiert. 1958 gab das Atomium in Brüssel einen Ausblick auf ein neues Zeitalter.
- Symbole des Aufbruchs: Das bekannteste Beispiel ist der Eiffelturm in Paris (1889). Ursprünglich umstritten, dokumentierte er den Einsatz völlig neuer Werkstoffe. Daniel betont die emotionale Kraft solcher Projekte: „Hätte man das je gedacht, dass sozusagen ein Metallturm irgendwie so etwas Emotionales dann auslösen könnte?“
- Vom Machtbeweis zum Diskurs: Während Expos früher oft Machtdemonstrationen waren, dienen sie heute dazu, Zukunft ohne Grenzen zu verhandeln.
Berlin macht ernst: Aktionen der Initiative
Wie macht man eine Idee dieser Größenordnung greifbar? Die Initiative „Global Goals für Berlin“ setzt seit drei Jahren auf Sichtbarkeit und Emotionen. Beispiele:
- Die 17 Klaviere: An 17 Orten in Berlin wurden Klaviere aufgestellt, um die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN spielerisch erlebbar zu machen.
- Projekte-Mapping: Auf einer digitalen Plattform werden bereits über 1.000 lokale Projekte gezeigt – von der Balkon-Solarzelle bis zum sauberen Flussbad in der Spree.
- Transparenz schafft Vertrauen: „Wir haben alle Zahlen, Daten, Fakten offengelegt. Alle Businesspläne kann man sich bei uns auf der Internetseite anschauen“, erklärt Daniel.
Das Konzept: Zukunft im Bestand
Im Gegensatz zu Projekten in der Wüste (wie Riad 2030) nutzt Berlin den Bestand. Es werden Orte wie der Flughafen Tegel (TXL), das ICC oder die Hangars am Flughafen Tempelhof integriert. Daniel-Jan beschreibt den Anspruch so:
„Wir machen nicht nur Palmen und Strand, sondern wir meinen es ernst mit, uns selbst zukunftsfähig zu machen.“ – Daniel-Jan Girl
Fazit: Warum wir jetzt anfangen müssen
Am Ende geht es um mehr als eine Ausstellung. Es geht um das Selbstbewusstsein einer Gesellschaft. Daniels wichtigster Rat für alle Innovatoren: „Der Anfang von einem Projekt ist, dass wir anfangen umzusetzen. Das heißt, die Zukunft entsteht, indem ich sie heute beginne“. Wir dürfen nicht warten, bis alle Probleme von A bis Z gelöst sind, sondern müssen Mut haben und loslegen.
Der Weg zur Expo 2035 Berlin bis 2027
Da wir uns aktuell im Jahr 2026 befinden, wird es nun zeitkritisch. Das Fenster für die offizielle Bewerbung öffnet sich jetzt, etwa neun Jahre vor der geplanten Eröffnung.
| Zeitraum | Meilenstein |
| Mai/Juni 2026 | Einreichung der Willenserklärung durch den Berliner Senat an die Bundesregierung. |
| Sommer 2026 | Die Bundesregierung schickt die offizielle Bewerbung nach Paris zum Bureau Internationale Exposition (BIE). |
| Ende 2026 | Konkretisierung des Konzepts für das Hauptgelände und die Satellitenstandorte. |
| 2027 | Delegationen aus 184 Nationen besuchen Berlin, um das Konzept zu prüfen. |
| Ende 2027 | Finale Entscheidung des BIE in Paris über den Austragungsort 2035. |
Über
Daniel-Jan Girl ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Berliner Bewerbung für die EXPO 2035. Als Unternehmer und ehemaliger Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin bringt er umfassende wirtschaftliche Erfahrung, strategisches Gespür und ein starkes Netzwerk in die Arbeit des Gremiums ein. Als Vorstand des Vereins Global Goals für Berlin e.V. ist er Initiator der Idee einer EXPO 2035 in Berlin und setzt sich damit seit vielen Jahren federführend für die nachhaltige Transformation Berlins ein. Seit vielen Jahren engagiert er sich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Digitalisierung und Standortentwicklung – mit dem Ziel, Berlin als zukunftsfähige und international vernetzte Metropole zu stärken. Sein Fokus liegt auf unternehmerischer Innovationskraft, technologischer Souveränität und der aktiven Einbindung der Wirtschaft in gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse.
Links
- Expo 2035 Berlin Organisation
- Verein Global Goals Berlin e.V.
- 15-Minuten-Stadt, Carlos Moreno
- Bureau International des Expositions BIE Paris
- Bild (c) Hurek, EXPO 2035 Berlin
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Transkript
In Vorbereitung.
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