In Episode 158 des Smart Innovation Podcast spreche ich mit dem Sinologen Prof. Dr. Klaus Mühlhahn über Chinas Innovationskraft und den Begriff „China Speed“ im Kontext der Innovation. Ausgehend von Chinas Errungenschaften um 1000 (Landwirtschaft, Wasserbau, Verwaltung, Schießpulver, Proto-Industrien) wird der Abstieg im 19. Jahrhundert durch Imperialismus, technologischen Rückstand, interne Krisen und Umweltkatastrophen skizziert.
Nach 1978 führten Öffnung, Sonderwirtschaftszonen, Technologietransfer, Reformen ab Mitte der 1990er, regionaler Wettbewerb und Planungsinstrumente (5‑Jahres-Pläne sowie längerfristige Strategien wie Made in China 2025) zu rasanter Entwicklung, zunächst über einfache Produktion, später über Privatunternehmen, Binnenmarkt (WTO-Beitritt 2001) und iterative Qualitätsverbesserung.
„China Speed“ wird als Fähigkeit beschrieben, Ziele zu setzen und Menschen sowie Ressourcen schnell zu mobilisieren, begünstigt durch pragmatisches Experimentieren, kurze Entscheidungswege, Infrastruktur und Innovationsökosysteme. Abschließend wird als zentrale Lehre für Deutschland/Europa betont, wieder mehr Offenheit für Veränderung, Zukunftsbilder und Vertrauen in individuelle Kreativität zu stärken.
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Insights und Erkenntnisse
China hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. Die Geschwindigkeit, mit der das Land Innovationen herbeiführt und implementiert, wird mittlerweile als „China Speed“ bezeichnet. Doch was steckt hinter diesem Begriff, und was können wir in Deutschland bzw. Europa davon lernen?
China Speed: Was ist das?
China Speed beschreibt die beeindruckende Fähigkeit des chinesischen Systems, in kurzer Zeit Ressourcen und Menschen zu mobilisieren, um ambitionierte Ziele zu erreichen. Unternehmer und ausländische Beobachter haben diesen Begriff geprägt, und die Chinesen sind stolz darauf. Die Essenz liegt in der Mischung aus kurzen Entscheidungsprozessen, schnellem Kommunikationsfluss und einem ausgeprägten Mut zur Veränderung.
Historisch verankertes Streben
China hat bereits in der Geschichte eine beeindruckende Wirtschaftsposition gehabt. Bis ins Jahr 1820 erzielte das Land einen Außenhandelsüberschuss, was sich jedoch änderte, als interne Krisen und der europäische Imperialismus das Land schwächten. Heute hat China dieses historische Trauma überwunden und ist zu einem Knotenpunkt der globalen Innovation geworden.
Wettbewerb und Motivation
Ein zentraler Aspekt von China Speed ist der Wettbewerb sowohl innerhalb des Landes als auch global. Die Regierung setzt Maßnahmen, um Regionen und Unternehmen zu motivieren und unterstützt Innovationen durch Anreize. Gleichzeitig herrscht noch ein enormer persönlicher Antrieb in der Bevölkerung, die sich von vorangegangenen Entbehrungen loslösen und ihren Lebensstandard erheblich verbessern möchte.
Technologietransfer und Eigenentwicklung
Während China vielfach durch Technologietransfers wuchs, hat es sich in den letzten Jahren zu einer führenden Innovationskraft entwickelt, die qualitativ hochwertige eigene Produkte hervorbringt. Beispiele hierfür sind führende Unternehmen in der Technologiebranche wie Huawei und Alibaba, die weltweit anerkannt sind.
Individuelle Freiheit und systemischer Rahmen
Ein entscheidender Erfolgsfaktor Chinas ist die Balance zwischen individueller Freiheit und einem systemischen Rahmen, den die Regierung bietet. Unternehmerische Freiheiten werden gewährt, um Innovationen voranzutreiben, während übergeordnete Pläne und die Infrastrukturentwicklung durch die Regierung koordiniert werden.
Lernen von China Speed
Was können Deutschland und Europa von China Speed lernen? Den Mut zur Veränderung, mehr Offenheit für Neugestaltung und die Förderung individueller Kreativität. Unsere gesellschaftliche und kulturelle Prägung muss sich dahingehend verändern, dass wir wieder offener und experimentierfreudiger werden.
Fazit
China Speed ist mehr als nur ein Begriff. Es ist ein Modell, das zeigt, wie durch gezielte Mobilisierung von Ressourcen und Klärung von Zielen in kurzer Zeit große Fortschritte erzielt werden können. Dies ist eine Lektion, die wir in unseren Gesellschaften beherzigen sollten, um zukünftige Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Links
- Prof. Dr. Klaus Mühlhahn Wikipedia
- „China ungeschminkt“ Podcast von Klaus Mühlhahn, Anja Blanke, Julia Haes
- Geschichte Chinas Wikipedia
- Deng Xiaoping Wikipedia
- Wanxiang Gruppe Wikipedia
- Garage Cafe Peking
Transkript
Klaus Reichert: [00:00:00] Würdest du sagen, es gibt irgendwie einen anderen charakteristischen Umgang in China, der chinesischen Gesellschaft, mit zum Beispiel sowas wie Komplexität oder Unsicherheit oder was Neuem. Oder einfach mal was angehen ohne dass man vielleicht schon weiß, wie es geht?
Klaus Mühlhahn: Also mit Sicherheit gibt es das. Und wenn wir uns da nach China versetzen, dann 1978 ist das Land natürlich geschunden von der Kulturevolution. Von all den, ich sag mal, Massenbewegungen der Mao-Zeit. Und es gibt einfach einen unglaublich großen Wunsch nach wirtschaftlicher Weiterentwicklung, nach mehr materieller Sicherheit. Aber auch eine unglaublich große Sehnsucht nach eben Modernität, sagen wir es mal so.
Also und ich glaube, das muss man vielleicht verstehen, das ist was anderes, als wenn man [00:01:00] gewissermaßen über mehrere Generationen in moderne Verhältnisse hineingewachsen ist, ist China praktisch hineingesprungen. Nachdem es ja gewissermaßen in 50, 60, 70 Jahren isoliert war, auch weitgehend isoliert war.
Das heißt also, ich würde schon sagen, es gibt eine sehr starke Neugier, eine große Offenheit gegenüber dem Neuen, einen größeren Wunsch nach Veränderung, auch sich auf Veränderungen einzulassen. Weil wie gesagt 1978 und auch in den 80er, 90ern haben sich die Menschen vor allem eins gewünscht, Veränderung. Und als sie möglich war, haben sie es positiv empfunden und sind wirklich aufgesprungen.
Also es gibt eine ganz andere Mentalität als bei uns, würde ich sagen, in diesen letzten 40 Jahren.
Klaus Reichert: Man darf ja auch nicht vergessen, es gab… ich würde mal sagen, extrem großes menschliches Leid in dieser Zeit davor in China. Steckt es da noch irgendwie mit drin, dass man sagt, ich will da raus, ich will das besser haben?
Klaus Mühlhahn: Ja und [00:02:00] absolut. Und wir dürfen nicht vergessen, das ist durchaus eine Parallele zu Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, wo man auch gesagt hat, wir wollen jetzt wieder aufbauen. Wir wollen Frieden. Wir wollen Stabilität. Wir wollen das wieder aufbauen. Wir wollen wieder den Wohlstand erreichen. Also da gibt es ja auch so eine Art kollektiver, ich sag jetzt mal, Beschluss und den kollektiven Sehnen nach Verbesserung prägt China sehr stark.
Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden [00:03:00] hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.
Intro & Thema: China Speed
Klaus Reichert: Was steckt hinter China Speed? Wie entstehen Innovationen in China wirklich und was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort Europa, EU, Deutschland, insbesondere Baden-Württemberg wo wir hier sind? Was können wir davon lernen? Das sind eine [00:04:00] Menge Fragen, die wir anhand von verschiedenen Beispielen durchgehen wollen.
Da gehört sicher Photovoltaik dazu, Hightech-Industrien. Es geht um Chancen Herausforderungen und Mythen rund um… Chinas Innovationskraft. Mit dem Ziel, Realitäten und Missverständnisse zu klären, Dynamiken besser zu verstehen und konkrete Impulse für Unternehmen und idealerweise vielleicht auch Politik abzuleiten durch das bessere Verständnis.
Mein Gesprächspartner heute ist Prof. Dr. Klaus Mühlhahn. Er ist Sinologe und Professor am Institut für China Studien an der Freien Universität Berlin und war bis vor einiger Zeit auch Präsident der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee.
Hallo Klaus schön, dass du heute mit dabei bist.
Klaus Mühlhahn: Hallo Klaus danke, dass ich dabei sein darf.
Klaus Reichert: China ist ein großes Thema, ein Riesenthema, ist ein Riesenland natürlich. Hat eine unendlich lange Geschichte. Deswegen dachte ich mir könnten [00:05:00] wir anfangen mit, wie sah China vor ungefähr tausend Jahren aus? Welche Errungenschaften gab es da schon, sagen wir mal, ungefähr um tausend herum?
Wie muss man sich das Leben vielleicht in dieser Zeit vorstellen? Was hatten die schon alles?
China vor 1000 Jahren: Innovationen & Errungenschaften
Klaus Mühlhahn: Spannender Einstieg gute Frage. Wenn wir jetzt 1000 Jahre zurückgehen, also etwa dann sagen wir mal um 1000, 1050, dann finden wir ein China, was schon relativ entwickelt war. Und die Beispiele die man da nennen kann, die finden sich zum Beispiel selbstverständlich in der Landwirtschaft.
Das war ein landwirtschaftlich, das war ja die wichtigste wenn wir so wollen, Industrie. Die war sehr weit entwickelt, da hatte man große Kenntnisse, was zum Beispiel Düngemittel angeht. Man war zum Beispiel, was ja auch Bereiche des Ingenieurwesens betrifft, man war im Wasserbau sehr weit fortgeschritten, was die Felderbewässerung angeht.
[00:06:00] Jeder von uns hat vielleicht die Terrassenfelder vor Augen. Dahinter stehen ja sehr komplexe Bewässerungssysteme. Man war aber auch führend in anderen Bereichen, zum Beispiel natürlich, das ist das Beispiel sehr bekannt, Schießpulver in der Zeit in China bereits erfunden. Wenn auch noch nicht unbedingt regelmäßig eingesetzt.
Es gab in Bereichen zum Beispiel Porzellanherstellung schon wirkliche Proto-Industrien. Also China war schon damals eigentlich sehr entwickelt und sehr wettbewerbsfähig.
Klaus Reichert: Da gehören viele, viele Themen dazu. Produkte, Materialien, Herstellungsverfahren und so weiter. Aber was du gerade auch angesprochen hast, ist Landwirtschaft, Wasserversorgung, all diese Dinge. Ich hatte auch noch sowas gesehen mit Saatgutweiterentwicklung, ganz methodisch. Und was in jedem Fall dazugehört ist natürlich, um gerade auch so eine große Fläche, so viele Menschen quasi zu etwas zusammenzubringen, ist eine gute Verwaltung, eine gute Organisation des Staates.
Klaus Mühlhahn: [00:07:00] Ohne Zweifel der Staat und die Administration war ebenfalls für so ein großes Reich sehr weit entwickelt.
Es gab auch schon dieses Beamtenwesen und entsprechende Beamtenprüfungen. Es war alles natürlich sehr verschriftlich. Dokumente, die über die Postwesen übrigens auch ein interessantes Beispiel im ganzen Reich, in diesem riesigen Reich versandt werden konnten.
Klaus Reichert: Wow. China ungefähr vor tausend Jahren, die Größe ist die so circa wie heute oder gibt es große Abweichungen?
Es ist etwas kleiner. Die Regionen in der Manschurei, also die heute teilweise zu Russland gehören, sowie auch die Regionen in Innerasien wie zum Beispiel Xinjiang, wo die Uiguren ja leben, die gehörten zu der damaligen Zeit noch nicht zu China.
Klar, es hat sich verändert, aber es ist jetzt nicht so wie Deutschland, dass es vor tausend Jahren noch nicht gab, sondern es war mehr oder weniger schon damals ein großer zusammenhängender [00:08:00] Staat, in dem viel passiert ist, der aber irgendwie eine gewisse zentrale Verwaltung hatte.
Klaus Mühlhahn: Ganz genau. Und der zum Beispiel auch den großen Kanal gebaut hat aus dieser Zeit, den Kaiserkanal. Mit dem die Anfänge die finden sich ebenfalls in dieser Zeit. Also das war schon das Kern-China stand. Nur die Peripherie in Anführungszeichen ist später dazu gekommen.
Klaus Reichert: Was mir jetzt aufgefallen ist, ich habe gelesen bis 1820 circa erzielte China einen Außenhandelsüberschuss. Also sozusagen bis 1820 lief alles gut. Das ist noch gar nicht so lange her, sind 200 Jahre. Würdest du sagen, das passt so ungefähr und was ist passiert, dass das sich geändert hat?
Klaus Mühlhahn: Das passt auf jeden Fall. Und
Chinas Außenhandelsüberschuss bis 1820
Klaus Mühlhahn: was der Handelsüberschuss, woraus der bestand, wissen wir natürlich auch. Das war wie gesagt Porzellan. Sehr stark, was nach Europa geliefert wurde. Kann man heute übrigens auch in Baden-Württemberg sehen, weil eigentlich fast alle Herzöge und so finden [00:09:00] sich chinesisches Porzellan. Ist ja wirklich bemerkenswert und das trifft ja fast für ganz Europa zu. Aber andere Dinge, die auch exportiert wurden, natürlich Tee ganz wichtig und natürlich Seide auch und Gewürze. Also das waren so gerade Seide Tee und Porzellan waren Produkte für die europäische Oberschicht die also entsprechend auch hochrentabel waren.
Klaus Reichert: Also es gab eine rentable Wirtschaft in China, die viel produziert hat, was die Welt wollte, was die Welt gekauft hat. Es gab dadurch Export, es gab Welthandel, es gab einen Austausch mit dem in Anführungszeichen Westen.
Also könnte man sagen, dass China damals, gab es da so eine China-Zentrierung in der Welt oder war das damals schon so europa-zentriert?
Klaus Mühlhahn: Also ich würde sagen, bis 1820 wirklich war China ein Zentrum der Weltwirtschaft. Vielleicht nicht das [00:10:00] Zentrum, aber ein Zentrum. Man darf auch nicht vergessen, auch arabische Kaufleute sind nach China, haben dort Porzellan gekauft.
Ich selber war einmal in Doha in einem Museum und da finden sich zum Beispiel auch chinesisches Porzellan. Übrigens sozusagen lokalisiert, also angepasst an den Geschmack der Kunden in den unterschiedlichen Regionen. Also anderes Porzellan wurde für den Nahen Osten hergestellt als für Europa. Und also insofern und da war wirklich Schiffe, Schiffsverkehr, China war ein Zentrum.
Klaus Reichert: Das heißt, die haben schon ein Gespür gehabt für das, was sie irgendwo anders dann verkauft haben. Vielleicht sogar eine Art Marketing-Team gehabt oder so, das dann auf sowas geachtet hat.
Klaus Mühlhahn: Arabische Kaufleute haben sie zum Beispiel gebeten dass sie ihnen Muster bringen, was die Leute im Nahen Osten gerne kaufen wollen.
Klaus Reichert: Wusste ich auch nicht. Jetzt haben wir dann Anfang des 19. Jahrhunderts sozusagen kam da Sand ins Getriebe und zwar ganz massiv. Europa beziehungsweise England, so wie ich jetzt gelernt [00:11:00] habe, mit den Opiumkriegen, da kam dann ziemlich viel durcheinander. Es kann natürlich auch sein, dass es nicht nur, ich sage mal, die Europäer waren, die da gestört haben in der Gesellschaft, aber dass es auch interne Probleme gab.
Aber wie würdest du jetzt dann so die nächsten 100 Jahre ungefähr beschreiben, so das 19. Jahrhundert circa.
Der Abstieg im 19. Jahrhundert
Klaus Mühlhahn: Genau ich verstehe, wir sind ja nicht in einer historischen Vorlesung. Du hast ja die Punkte schon gebracht. Der externe Druck kommt dazu. Der externe Druck, der europäische Imperialismus, der in China an der Küste auftaucht in Form von Schiffen, in Form von Soldaten, von Händlern. Die Schiffe, die jetzt aber, und das ist vielleicht der große Unterschied, einen technologischen Vorsprung Europas aufzeigen. Denn es gibt dampfbetriebene Schiffe, die China überhaupt nicht in der Lage ist herzustellen. Das heißt, die industrielle Revolution hat Europa jetzt nach vorne gepusht und in dem Moment, in dem es zum Kontakt kommt, und das spielt ja für [00:12:00] unser Thema eine große Rolle, stellt China fest, dass es technologisch unterlegen ist, also dass es einen Rückstand hat.
So, das ist ein Teil der Krise des 19. Jahrhunderts, aber andere Krisen, die wir vielleicht nicht im Detail jetzt hier besprechen wollen, haben mit internen Strukturen was zu tun. Dinge, die vorher gut funktioniert haben, haben nicht mehr funktioniert. Der Beamtenapparat war korrupt, Investitionen sind nicht mehr erfolgt, Armut hat sich ausgebreitet, dazu kamen noch einige Klimakatastrophen. So das alles führt dann zu diesem großen Abstieg.
Klaus Reichert: Ein hochentwickeltes Land hat sich vielleicht sogar überentwickelt und dadurch gab es sicher auch Kämpfe um Verteilung von Gütern oder sowas zumindest unter denen, die da Zugang hatten. Und dann hast du jetzt aber gerade erwähnt, dass es auch noch zum Beispiel Naturkatastrophen gab, die wahrscheinlich dann auch Ernten und durcheinandergebracht haben und Überschwemmungen, Hungersnöte und sowas könnte ich mir vorstellen.
Klaus Mühlhahn: Ja, ganz genau so ist es. Also die Umweltkatastrophen spielen eine [00:13:00] Rolle, Dürre auch vor allem. Und das hat natürlich dann noch weiter dazu geführt dass China in diese Krise gerät.
Klaus Reichert: Dann haben wir sozusagen diese, man muss jetzt, das ist natürlich nicht unbedingt Hightech, wenn wir jetzt, also das Produkt selber ist nicht Hightech wenn wir jetzt von Porzellan sprechen, dass die Herstellung sehr aufwendig und sehr speziell ist, ist mir schon auch klar.
Der Teil würde ich als Hightech bezeichnen, aber die Produktion die da rauskam, irgendwann, sagen wir mal Anfang des 19. Jahrhunderts war dann hinter dem, was europäische Länder hervorgebracht haben, als Ergebnis der industriellen Revolution.
Klaus Mühlhahn: Ja, China lag dahinter oder hatte einen erheblichen Rückstand, beziehungsweise wir müssen sogar sagen, China war nicht in der Lage zum Beispiel wirklich eigene Elektrizität zu erzeugen.
Also die ersten Generatoren mussten für Jahrzehnte aus dem Westen bezogen werden. Dasselbe gilt auch für andere Maschinen, [00:14:00] dampfbetriebene Maschinen oder elektrische Maschinen, also zum Beispiel Spinnereien. Oder Maschinen, die man einsetzt im Bergbau zur Gewinnung von Kohle oder von Eisen. Ja, selbst sogar Schmelzöfen, die hohe Energie, die Notwendigkeit war, um zum Beispiel Eisen zu schmelzen.
Das waren alles Bereiche in denen China kaum oder nur wenig Kenntnisse hatte und eben deutlich, was Bezug auf Volumen und Qualität angeht hinter dem Westen zurück lag.
Klaus Reichert: Und dann kamen aber eben weitere größere Umwälzungen. Also ich habe zu wenig Wissen über die chinesische Revolution, die da stattgefunden haben. Aber wenn man so nach, naja, bis zum Zweiten Weltkrieg guckt, war es immer noch unterdrückt von Japan oder zum Teil beherrscht von Japan, wenn ich es richtig verstanden habe. Aber es gab dann eben auch die… kommunistische Revolution, die ja ziemlich viel [00:15:00] durcheinandergebracht hat in dieser Situation. Und natürlich auch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sozusagen die externe Besatzung abgelöst hat.
Revolutionen & Reformen im 20. Jahrhundert
Fortsetzung in Vorbereitung.
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Details
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