Die Energiewende verlangt nach neuen, flexiblen Lösungen für die Erzeugung von sauberem Wasserstoff. In Episode 163 des Smart Innovation Podcast greift Klaus Reichert kreativer Innovationscoach ein Thema mit hoher Relevanz für den Klimaschutz und die kommunale Wirtschaft auf. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die dezentrale Wasserstoffproduktion aus biogenen Reststoffen. Gesprächspartner ist Rolf Schmitt byho, der Gründer und Geschäftsführer des alten Startup byho. Das Unternehmen aus dem Raum Ludwigshafen-Mannheim hat eine Technologie entwickelt, die organische Abfälle in wertvolle Energie verwandelt. Als erfahrener Innovationsexperte beleuchtet Klaus Reichert in dieser Episode, wie aus vermeintlichen Problemstoffen wie Klärschlamm biogener Wasserstoff gewonnen werden kann. Diese Form der Energiegewinnung etabliert eine krisensichere regionale Wertschöpfungskette für Energie und soll kommunale Haushalte entlasten. Das Gespräch zeigt auf, wie aus einer jahrzehntelangen Forschungsarbeit ein marktreifes Konzept mit funktionierender Anlage für dezentrale Wasserstoffanlagen entstanden ist, das ökologische Notwendigkeiten mit ökonomischen Vorteilen verbindet.
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Erkenntnisse aus der Episode
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick
Das Gespräch liefert fundierte strategische und technische Einsichten für Unternehmer/innen und kommunale Entscheider. Die Kernpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Biogener Wasserstoff aus organischen Abfällen wird in der aktuellen Farblehre der Energiewirtschaft offiziell als oranger Wasserstoff klassifiziert.
- Der technologische Prozess erlaubt die Erzeugung von CO2-negativer Wasserstoff, indem das anfallende Kohlendioxid isoliert und langfristig in der chemischen Industrie gebunden wird.
- Kommunen stehen vor massiven Entsorgungsproblemen bei Abfällen, weshalb die Klärschlamm Verwertung durch Wasserstoff eine wirtschaftliche Entlastung und gleichzeitig eine verlässliche Quelle für Grundlastenergie darstellt.
- Neben der reinen Energieerzeugung bietet das Verfahren einen direkten Mehrwert für die Kreislaufwirtschaft durch die integrierte Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammasche.
- Das byho Geschäftsmodell basiert auf dem reinen Verkauf schlüsselfertiger Anlagen an Kunden.
- Der bisherige Erfolg des Projekts basiert auf einer ausgeprägten Ausdauer der Akteure sowie auf einer geschickten Kombination aus privaten Investitionen und staatlichen Fördermitteln.
Die Farblehre der Energie: Was zeichnet orangen Wasserstoff aus?
In der öffentlichen Debatte um die Dekarbonisierung wird Wasserstoff meistens mit der Farbe Grün assoziiert, was primär die Elektrolyse mittels Solar- oder Windstrom beschreibt. Rolf Schmitt von byho stellt im Gespräch jedoch klar, dass diese Definition zu kurz greift. Die Wasserstoffproduktion aus biogenen Reststoffen nimmt eine Sonderstellung ein und wird fachlich als oranger Wasserstoff bezeichnet. byho nutzt diese Definition gestalterisch für die eigene Positionierung.
Rolf Schmitt berichtet: „Wir haben mal eine Präsentation gehabt, da stand dann orange is the new green und haben dann tatsächlich auf dem Messestand Orangen verschenkt, weil es einfach so ist.“
Der chemische Prozess hinter dieser Technologie basiert darauf, dass aus der eingesetzten Biomasse ein Synthesegas erzeugt wird. Dieses Gas besteht in seinen Hauptbestandteilen aus Wasserstoff und Kohlendioxid. Per Definition ist dieser Vorgang CO2-neutral. Der in den Reststoffen enthaltene Kohlenstoff wurde zuvor von den Pflanzen im Rahmen der Photosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen und gebunden. Wenn dieses CO2 im Reaktor wieder freigesetzt wird, schließt sich lediglich ein natürlicher Kreislauf.
Das Verfahren birgt jedoch ein noch größeres Potenzial für den Klimaschutz. Wenn das Kohlendioxid im Prozess gezielt vom Wasserstoff getrennt und aufgefangen wird, kann es der Atmosphäre dauerhaft entzogen werden. Rolf Schmitt schildert den Nutzen so: Wir können das aus dem Prozess entfernen und haben es damit indirekt aus der Atmosphäre entfernt. Das heißt, wir erzeugen eine CO2-Senke.
Durch die Weiterleitung des isolierten CO2 in industrielle Produktionsprozesse oder chemische Verfahren bleibt der Kohlenstoff langfristig gebunden. Auf diese Weise entsteht CO2-negativer Wasserstoff, der aktiv zur Reduktion von Treibhausgasen beiträgt.
Kommunale Entsorgungskrisen als Rohstoffquelle für die Energiewende
Eine der größten Herausforderungen für moderne Städte und Gemeinden sind die kontinuierlich steigenden Kosten für die Abfallbeseitigung. Hier setzt die Innovationsberatung und das technische Konzept von byho an, indem sie Entsorgungsprobleme in energetische Chancen verwandeln. Kommunale Reststoffe wie Bioabfälle oder Klärschlamm werden direkt vor Ort verarbeitet. Besonders das Thema Klärschlamm stellt für viele Kommunen eine erhebliche logistische und finanzielle Belastung dar, da der sensible Stoff strengen Auflagen unterliegt.
Mit dem System von byho wird der Klärschlamm in den Reaktor geleitet, wo er thermochemisch umgesetzt wird. Dabei entsteht das reine Prozessgas, als fester Rückstand bleibt Asche übrig. Ein wesentlicher ökologischer Vorteil dieses geschlossenen Systems ist die Schadstoffkontrolle. Schwermetalle, die im Klärschlamm häufig in hoher Konzentration vorliegen, werden nicht in die Umwelt abgegeben, sondern verbleiben vollständig isoliert in der Asche. Diese kann anschließend kontrolliert gehandelt oder deponiert werden.
Zusätzlich bietet die Klärschlamm Verwertung eine Lösung für ein weiteres Rohstoffproblem. Im Klärschlamm befindet sich ein hoher Anteil an Phosphor. Dieser endliche und wertvolle Rohstoff ist für die Landwirtschaft als Düngemittel essenziell. Durch Rückgewinnung aus der Klärschlammasche lässt sich Phosphor abtrennen und als separater Wertstoff wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückführen.
Das System ist zudem hochgradig kompatibel mit bestehenden Infrastrukturen. So lässt sich beispielsweise die Effizienz von Biogasanlagen steigern. Betreiber können die anfallenden Gärreste nutzen und Biogasanlage-Systeme erweitern, indem sie diese Reststoffe ebenfalls in die byho-Anlage einspeisen. Dadurch wird das Abfallvolumen nochmals drastisch reduziert, und die Kommunen müssen weniger Gärreste auf den landwirtschaftlichen Flächen ausbringen, was auch dem Schutz des Grundwassers vor Überdüngung zugutekommt. Das in der Biogasanlage erzeugte Methangas kann zudem direkt genutzt werden, um Prozesswärme zu gewinnen.
Dezentralität und Systemdenken: Das Geschäftsmodell
Als erfahrener Experte weiß Klaus Reichert, dass eine exzellente Technologie nur dann erfolgreich ist, wenn auch das Geschäftsmodell tragfähig ist. byho verfolgt hierbei eine klare, fokussierte Strategie. Das Unternehmen versteht sich primär als Technologie- und Vertriebsentwickler und arbeitet für die Fertigung mit professionellen Anlagenbauern zusammen.
Rolf Schmitt betont im Smart Innovation Podcast unmissverständlich: „Wir haben nicht vor, hier als Betreiber aufzutreten. Unser Modell ist, Anlagen zu verkaufen. Das Unternehmen unterstützt die Käufer jedoch umfassend durch Schulungen und stellt bei Bedarf Betriebspersonal vorübergehend zur Verfügung.“
Die Zielgruppe für diesen Anlagenverkauf umfasst Kommunen, Industriebetriebe und spezialisierte Projektgesellschaften. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Strategie ist die bewusste Begrenzung der Anlagengröße. Während viele Akteure auf dem Energiemarkt auf riesige, zentralisierte Komplexe setzen, baut byho dezentrale Wasserstoffanlagen. Die standardisierte Zielgröße ist auf eine Produktion von circa 100 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde ausgelegt.
Diese Dimensionierung ist kein Zufall, sondern exakt kalkuliert. Sie entspricht exakt dem Aufkommen an biogenen Reststoffen, das in einer Kommune oder einem Kommunalverbund mit rund 100.000 Einwohnern anfällt. Auf diese Weise wird eine regionale Wertschöpfungskette für Energie aufgebaut. Der immense Vorteil liegt darin, dass der ökologisch schädliche und teure Transport von Klärschlämmen über weite Strecken quer durch das Land entfällt. Rolf Schmitt nennt dies die Vermeidung von Tourismus für Abfälle. Die Energie wird genau dort erzeugt, wo die Rohstoffe anfallen und wo der Wasserstoff oder die Restabwärme im kommunalen Fernwärmenetz gebraucht werden.
Herausforderungen bei der Umsetzung und regulatorische Hürden
Obwohl der Nutzen für Umwelt und Kommunen auf der Hand liegt, ist der Weg zur Marktreife im Bereich der Umwelttechnologie mit erheblichen Barrieren verbunden. Diese betreffen weniger die technische Funktionalität als vielmehr administrative und kommunikative Herausforderungen.
Die erste Hürde liegt in der Reduktion der kommunikativen Komplexität. Da das System von byho hochinnovativ ist, wird es vom Markt oft fälschlicherweise mit klassischen Biogasanlagen oder energieintensiven Elektrolyseuren verwechselt. Das Herausarbeiten des Alleinstellungsmerkmals verlangt viel Fingerspitzengefühl in der Argumentation. In Präsentationen vor Kommunalvertretern verzichtet Rolf Schmitt daher weitgehend auf tiefgründige chemische Details. Stattdessen fokussiert er sich konsequent auf die konkreten wirtschaftlichen und logistischen Vorteile für die Regionen.
Die zweite, weitaus größere Herausforderung betrifft die dichte Regulatorik in Deutschland. Wer dezentrale Wasserstoffanlagen realisieren will, bewegt sich in einem hochkomplexen Geflecht aus unterschiedlichen Rechtsgebieten. Hierzu gehören:
- Das nationale und europäische Vergaberecht bei der Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden.
- Das Abfallrecht und das Abwasserrecht für den Umgang mit den sensiblen Ausgangsstoffen.
- Die deutsche Klärschlammverordnung sowie die Düngemittelverordnung für die Verwertung der Restasche und des Phosphors.
Rolf Schmitt stellt jedoch klar, dass die Behörden die Test- und Pilotanlagen bislang sehr unbürokratisch und unterstützend begleitet haben. Dennoch fordert er von der Politik mehr Mut zu modernen Freiräumen, um experimentelle Proto-Pilotanlagen schneller und flexibler in den kommerziellen Betrieb zu überführen.
Die Innovationsgeschichte: Von der BASF zum eigenständigen Startup
Die Entstehung des byho ist ein klassisches Lehrstück für die Dynamik von Innovationsprozessen in der Industrie. Die technologische Basis hat eine über 25-jährige Entwicklungsgeschichte hinter sich. Rolf Schmitt begann bereits vor einem Vierteljahrhundert als junger Verfahrensingenieur bei der BASF in Ludwigshafen mit der Erforschung dieses Konzepts. Zusammen mit Partnern entwickelte er die Kerntechnologie mit Patenten über viele Jahre hinweg.
Im Jahr 2013 folgte jedoch ein massiver Rückschlag: Zwei große Industriepartner stiegen unerwartet aus dem Projekt aus. Der Grund war kein technisches Versagen, sondern eine strategische Verlagerung der Geschäftsinteressen der Konzerne. Für Rolf Schmitt bedeutete dies zunächst das vorläufige Ende der Arbeiten. Erst ein erneutes Treffen mit einem alten Partner im Jahr 2017 führte zu dem Entschluss, die Technologie zurückzukaufen und das Projekt im Rahmen einer Neugründung im Jahr 2018 unter dem Namen byho unabhängig weiterzuführen.
Der entscheidende Durchbruch gelang schließlich durch die Gewinnung starker regionaler Partner und staatlicher Fördermittel. Gemeinsam mit den Stadtwerken Speyer wurde ein solides Fundament gegossen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert den Neuaufbau einer Testanlage auf Basis eines Patents von Rolf Schmitt. Ergänzt wurde diese Finanzierung durch private Investoren, die die Restsumme absicherten.
Im Jahr 2023 flossen die Fördermittel, sodass im Jahr 2025 die Testanlage erfolgreich in Betrieb genommen und der erste biogene Wasserstoff produziert werden konnte. Parallel sicherte sich das Startup eine Förderung über das rheinland-pfälzische Landesprogramm KIPKI (Kommunale Investitionsförderung). Diese Mittel ermöglichen aktuell den Bau der ersten kommerziellen Pilotanlage nahe Frankenthal, die mit einer geplanten Produktion von 50 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde um den Faktor 50 größer ist als die bisherige Testeinheit. Ohne diese Kombination aus Ausdauer, Investoren und politischer Unterstützung wäre die Realisierung laut Rolf Schmitt unmöglich gewesen.
Erfolgsfaktor Team: Wie ein Startup Top-Talente anzieht
Ein bemerkenswerter Aspekt der Entwicklung von byho ist das rasante personelle Wachstum in einem von Fachkräftemangel geprägten Umfeld. Innerhalb von nur zwei Jahren baute das Startup sein Team von zwei Personen auf eine Belegschaft von knapp 20 Mitarbeitern aus. Personalprobleme kennt das Unternehmen laut Aussage des Geschäftsführers nicht.
Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt in der Sinnhaftigkeit der Aufgabe und der flachen Organisationsstruktur. Das Team besteht primär aus hochqualifizierten jungen Ingenieuren und Absolventen renommierter Institutionen wie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Universität Mannheim und der Hochschule Mannheim.
Während Berufseinsteiger in Großkonzernen oft nur für ein winziges Rädchen im System zuständig sind, bietet das Startup ein ganzheitliches Betätigungsfeld. Die jungen Forscher sind von der ersten theoretischen Anlagenentwicklung über den physischen Bau aus Stahl bis hin zum realen Betrieb der dezentralen Wasserstoffanlagen voll involviert. Diese umfassende Praxisnähe und das Bewusstsein, echte Umweltprobleme aktiv zu lösen, erzeugen eine hohe intrinsische Motivation und Begeisterung im gesamten Team.
Praktische Tipps für Innovationsteams: Vom Zuhören ins Machen kommen
Die weitreichenden Erfahrungen von Rolf Schmitt und die Erkenntnisse aus der Innovationsberatung von Klaus Reichert lassen sich in konkrete, umsetzungsorientierte Ratschläge für zukunftsorientierte Innovationsteams und Unternehmensgründer übersetzen:
Erstens: Konsequentes Durchhalten und Resilienz beweisen. Radikale technologische Innovationen im Bereich der Hardware und des Anlagenbaus benötigen Zeit und Reife. Rückschläge oder strategische Richtungswechsel von Partnern dürfen nicht das Ende einer soliden Idee bedeuten. Der Glaube an den langfristigen Nutzen ist der wichtigste Treibstoff für den Erfolg.
Zweitens: Auf Evolution statt auf Revolution setzen. Nachhaltige Veränderungen entwickeln sich Schritt für Schritt. Es ist ratsam, bestehende Infrastrukturen wie Klärwerke oder Biogasanlagen als Basis zu nutzen und technologische Innovationen als modulare Erweiterungen anzudocken, anstatt das gesamte System sofort komplett umstürzen zu wollen.
Drittens: Echte Begeisterung vermitteln und Menschen mitnehmen. Ein Innovationsführer muss in der Lage sein, die eigene Leidenschaft auf das Team, die Investoren und die Kunden zu übertragen. Nur wer die komplexen technischen Vorteile in einfache, greifbare Nutzenargumente übersetzt, kann die notwendigen Netzwerke aus Politik, Wirtschaft und Forschung erfolgreich knüpfen.
Viertens: Den Fokus scharf justieren. Innovationsteams neigen oft dazu, sich in der Vielfalt der theoretischen technologischen Möglichkeiten zu verlieren. Der Erfolg stellt sich meist erst dann ein, wenn man sich radikal auf einen konkreten, brennenden Anwendungsfall und eine klar definierte Zielgruppe fokussiert, so wie byho den klaren Fokus auf die kommunale Entsorgungswirtschaft gewählt hat.
Fünftens: Frühzeitig finanzielle Fördertöpfe und strategische Partnerschaften kombinieren. Großprojekte im Clean-Tech-Bereich übersteigen fast immer die privaten Kapazitäten. Die geschickte und parallele Nutzung von Bundes- und Landesförderungen in Kombination mit dem Einstieg risikobereiter privater Investoren ist das tragende Fundament für die industrielle Skalierung.
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Rolf Schmitt: [00:00:00] Man kann mit dem Wasserstoff, mit dem CO2, auch Methanol machen. Ich kann den Stoff methanisieren, ich kann die Einsatzstoffe in die chemische Industrie geben. Ich kann natürlich auch Wasserstoffe für Mobilität liefern oder für H2-Ready-Kraftwerke. Das ist auch schon so ein bisschen die Idee, wir uns nicht ausschließlich auf den Wasserstoff fokussieren, sondern auch auf den Einsatzfall für die einzelnen Produkte. Auch die Asche die im Prozess entsteht, haben wir die Idee, die Asche zu nutzen, sodass wir einen nachhaltigen Prozess gestalten. Das ist eine der Kernideen unserer Technologie.
Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten [00:01:00] Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.
Klaus Reichert: In dieser Episode des Smart Innovation Podcast geht es um die Wasserstoffproduktion [00:02:00] aus biogenen Reststoffen. Im Gespräch bin ich mit Rolf Schmidt. Er ist Gründer und Geschäftsführer von byho, einem alten, jungen Unternehmen, das sich viel vorgenommen hat.
Hallo, hallo Rolf, schön, dass du heute mit dabei bist.
Rolf Schmitt: Hallo Klaus. Danke, dass ich hier sein kann.
Klaus Reichert: Wir wollen uns heute über byho unterhalten. Ein ganz toller Name, finde ich. Also das ist auch ein B-Y-H-O. Da ist der Name so ein bisschen auch Programm, muss man sagen. byho, Bio. Wir haben es gerade schon gehört, es geht um biogene Reststoffe, es geht um Wasserstoff.
Das steckt für mich alles in dem Namen drin. Ich finde das ist schon mal ein guter Branding-Move, den ihr da gemacht habt.
Rolf Schmitt: Ja, das war tatsächlich etwas aus der Not rausgeboren. Wir hatten ursprünglich einen anderen Namen angedacht und ich habe mir dann irgendwann mal über das Wochenende diese Buchstabenkombination ausgedacht, die zum einen tatsächlich diesen Bio-Ansatz hat zum anderen einfach die Grundelemente beinhaltet, mit denen wir [00:03:00] arbeiten.
B wie Biomass, HY wie Hydrogen, O wie Oxygen, den wir im Prozess brauchen. Daher kommt der Name.
Klaus Reichert: Erschließt sich einem nicht sofort, aber sobald man da ein bisschen mehr davon hört, versteht man es dann tatsächlich und es ist ziemlich unverwechselbar. Was ich auch immer wieder spannend finde, es gibt ja immer wieder neue Namen.
Also wenn wir von uns über Produktnamen unterhalten, Markennamen, dann ist das eigentlich ganz unerschöpflich. Und das Spannende ist auch, wie stark das dann auch kulturell und vom Zeitgeist geprägt ist. Ich erinnere mich so in den 90er/00er-Jahren, da hat man sehr viel auch so teilweise italienische, lateinische Namen genommen und die irgendwie aufgehübscht.
Und da dachte ich mir, naja, jetzt ist irgendwann vorbei. Und das war es ja dann tatsächlich auch, aber es kam einfach abgefahrenere Namen dazu, so ähnlich wie byho. Also vielen Dank, dass ihr da was Tolles gemacht habt. Kann man ja auch schön schützen weltweit.
Rolf Schmitt: Ist tatsächlich auch geschützt. Die Idee war von Anfang an auch hier [00:04:00] was Prägnantes, auch mit dem Namen auszudrücken. Also wir kriegen gute Resonanz, aber tatsächlich tut sich jeder erstmal etwas schwer.
Klaus Reichert: Ja klar, byho, byho, wie heißt es, Büho oder so, das muss man schon auch lernen. Aber ich denke heute vor allem auch mit einem Unternehmen, das grundsätzlich international orientiert ist, wo das Produkt internationale Bedeutung hat und so spielt es am Ende auch keine Rolle mehr, weil man wird es immer in irgendeiner Sprache falsch aussprechen oder sich fragen, was es denn bedeutet. Deswegen finde ich das nicht so schlimm.
Warum ich jetzt gerade auch so ein bisschen drauf rumreite, ist, die Marke stärken, die Marke anfeuern, ist ein ganz, ganz wichtiger Teil von Innovation. Man kann noch so gute Sachen haben, wenn man es nicht verkauft bekommt, wenn man es nicht benannt bekommt, kann man es auch nicht verkaufen, kann man es nicht vermarkten, dann ist man einfach schon im Nachteil.
Das heißt also, wenn man hier gut aufgestellt ist, hat man schon einen Haken gemacht, um einen guten Schritt weiterzukommen. Deswegen danke.
[00:05:00] Wir wollen uns heute unterhalten über das Unternehmen, in dem ihr tätig seid. Klar, da müssen wir darauf eingehen. Mir geht es aber auch um die Vision. Da müssen wir darauf eingehen, auf die Technik. Natürlich nicht so detailliert, da sind nicht alle Chemiker da draußen. Und natürlich den Status auch eures Vorhabens.
Klaus Reichert: Wenn ich das jetzt ganz, ganz kurz zusammenfassen würde, geht es natürlich in irgendeiner Form um grünen Wasserstoff, worüber wir heute sprechen.
Rolf Schmitt: Der Begriff grüne Wasserstoff ist leider etwas mit Wasserstoff aus Elektrolyseverfahren besetzt. Biogener Wasserstoff wird aktuell in der Farbenlehre als orangener Wasserstoff bezeichnet. Also ich finde das auch nicht so wirklich gut, aber das ist tatsächlich so. Wir haben uns, auch wenn wir schon bei Marke und Marketing sind, wir haben uns da mal einen Witz draus gemacht. Wir haben mal eine Werbekampagne kann ich nicht nennen, aber wir haben [00:06:00] mal so eine Präsentation gehabt, da stand dann orange is the new green und haben dann tatsächlich auf dem Messestand Orangen verschenkt weil es ist einfach so. Aber prinzipiell ist es grüner das heißt CO2 freier oder sogar CO2 negativer Wasserstoff.
Klaus Reichert: Was heißt CO2 negativ?
Rolf Schmitt: Wir produzieren aus der Biomasse ein Synthesegas. Dabei entsteht neben dem Wasserstoff auch CO2. Das CO2 entsteht aus der Biomasse/biogenen Reststoffen, ist sozusagen gebundenes CO2. Wir setzen das frei.
Wir können das aus dem Prozess entfernen und haben es damit indirekt aus der Atmosphäre entfernt. Das heißt, wir erzeugen eine CO2-Senke.
Das ist übrigens keine Erfindung von uns. Das kann theoretisch auch jede Biogasanlage.
Klaus Reichert: Du hast jetzt gesagt, es entsteht CO2. Das ist dann doch nicht [00:07:00] negativ.
Oder habe ich gerade einen Knoten im Hirn?
Rolf Schmitt: Die Wasserstoffproduktion ist per Definition CO2-neutral, weil das CO2 das bei uns im Prozess entsteht, über die Biomasse kommt. Also das ist der Kohlenstoff der in der Biomasse gebunden ist. Und der Kohlenstoff in der Biomasse entsteht durch Photosynthese und durch Umsetzung des CO2 aus der Atmosphäre.
Und daher ist der Prozess per Definition CO2-neutral.
Klaus Reichert: Ah, okay, es geht quasi gerade so wieder zurück.
Rolf Schmitt: Genau, wenn wir das wieder freisetzen, dann ist es ein geschlossener Kreislauf. Wenn wir das aus dem Kreislauf entfernen, ist der Prozess CO2-negativ.
Klaus Reichert: Das wäre dann zum Beispiel, würde CO2 auch abfüllen und weiterverwerten in irgendeiner anderen Form?
Rolf Schmitt: Zum Beispiel in Produktionsprozesse oder zum Beispiel in chemische Prozesse. Damit ist es langfristig gebunden aus der Atmosphäre entfernt.
Klaus Reichert: Also wir müssen auch aufpassen, dass wir jetzt nicht so sehr in die Tiefe kommen.
Klaus Reichert: [00:08:00] Aber was ich verstehe ist, gerade so im Chemiebereich, wenn man so auch große Chemiewerke anguckt, ihr seid ja jetzt da in der Gegend eben von Mannheim-Ludwigshafen, da hängt eine Anlage immer mit der anderen irgendwie zusammen, hat man den Eindruck.
Also was bei dem einen quasi, ich sage mal, als Abfall oder als Reststoff oder sonst was mit rauskommt, neben der klassischen Produktion für irgendwas anderes, das wird in der nächsten Anlage gleich weiterverwertet im Idealfall.
Rolf Schmitt: Also das ist tatsächlich auch so ein bisschen unsere Idee. Ja, also wir entwickeln das Kernstück der Anlage. Also der Reaktor der im Prinzip aus diesen biogenen Reststoffen dieses Synthesegas produziert, das im Prinzip in seinen Bestandteilen zerlegt werden kann oder wird. Und wir damit auch Ausgangsstoffe für weitere Prozesse generieren.
Wie zum Beispiel, man Man kann mit dem Wasserstoff mit dem CO2 auch Methanol machen. Ich kann den Stoff [00:09:00] methanisieren, ich kann die Einsatzstoffe in die chemische Industrie geben. Ich kann natürlich auch Wasserstoffe für Mobilität liefern oder für H2-Ready-Kraftwerke. Das ist auch schon so ein bisschen die Idee, wir uns nicht ausschließlich auf den Wasserstoff fokussieren, sondern auch auf den Einsatzfall für die einzelnen Produkte. Auch die Asche die im Prozess entsteht, haben wir die Idee, die Asche zu nutzen, sodass wir einen nachhaltigen Prozess gestalten. Das ist eine der Kernideen unserer Technologie.
Klaus Reichert: Wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist das etwas, das ihr zwar sehr, sehr wissenschaftlich denkt, ihr müsst natürlich auch forschen, ihr musstet viel forschen, ihr musstet vieles zusammenbringen, aber ihr denkt halt auch im Sinne von Anwendungen. Also nicht einfach nur, hey, da ist was, macht was draus. Sondern wir zeigen euch gleich, wie man das richtig für etwas nutzen kann
Rolf Schmitt: Genau, genau. Also wir sehen das schon im Gesamtzusammenhang. Ein gutes Beispiel ist [00:10:00] auch die eventuelle Zusammenarbeit mit Biogasanlagen. In Biogasanlagen entsteht Methangas. Aber auch Gärreste. Das heißt, wir können diese Gärreste auch bei uns in der Anlage einsetzen und Wasserstoff produzieren. Wir können auch das Methan nutzen, um die Anlage zu beheizen. Also vom Einsatz bis zur Verwendung denken wir in Systemen, das ist die Idee.
Klaus Reichert: Hm, schön, ja. System, methodisch vorgehen und sowas eins am anderen. Das macht es ja von vornherein erstmal überschaubar. Man kann es verbessern mit der Zeit und findet halt mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten, weil man nur noch irgendwo was andocken muss. Ich übertreibe es bewusst in der Vereinfachung jetzt gerade natürlich.
Ja okay. Wow, also das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal würde ich mal sagen. Dieses Systemdenken, vor allem auch Industriedenken dazu.
Fortsetzung in Vorbereitung.
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