Im Smart Innovation Podcast Ep 168 zeigt Innovationscoach Klaus Reichert im Gespräch mit Detlef Klocke (Phoenix Contact) und Matthias Schüler (Rittal) wie Kooperation, ein Wissensnetzwerk und Community die Weiterbildung und Wissenstransfer im Schaltschrankbau ermöglichen. Dies herstellerunabhängig und praxisnah. Im Fokus stehen Qualität und Wissensaufbau und wie eine Branche mit Austausch Komplexität, Regularien und Effizienzdruck besser beherrscht. Wir sprechen auch darüber warum der Schaltschrank im Hintergrund die „Intelligenz“ industrieller Automatisierung bündelt – und warum das für Energie und Energiewende relevanter ist, als viele denken.
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Erkenntnisse
- Schaltschrank als „Gehirn“ einer automatisierten Anlage: Er bündelt Steuerung, Komponenten und Kommunikation.
- Schaltschrank Gestalter als herstellerunabhängiger Einstieg in Wissenstransfer: „neutraler Einstieg“ statt Wettbewerb und Produktvergleiche.
- Kooperation trotz Wettbewerb: vorwettbewerblicher Austausch als Hebel für Qualität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit.
- Weiterbildung in der Praxis: Fachvideos und Webinare werden genutzt, auch in Berufsschulen.
- Energie, Energiewende und All Electric Society: Strom wird als Schlüssel für Wohlstand und eine nachhaltige Welt beschrieben; Netze müssen Richtung Smart Grids weiterentwickelt werden.
Schaltschrankbau und industrielle Automatisierung: das Unsichtbare, das alles bewegt
Im Gespräch wird der Schaltschrank als zentraler Ort der Elektrotechnik beschrieben: „in der Kiste ist die Intelligenz, das Gehirn … einer automatisierten Anlage“ (Detlef Klocke). Ein Schaltschrank wird als Gehäuse und Schutzraum für Komponenten erklärt, in dem Elektronik, Steuerung und Kommunikation zusammenlaufen. Die Beispiele sind alltagsnah: vom Kühlschrank über Fabrikprozesse bis zu Transportbändern. Der Punkt dahinter ist klar: Ohne Schaltschrank bewegt sich in der industriellen Automatisierung kaum etwas.
Kooperation als Wissensnetzwerk: Qualität, Austausch und Wissenstransfer statt Silos
Die Schaltschrank Gestalter werden als Wissensnetzwerk und Community beschrieben, die herstellerunabhängigen Wissenstransfer bieten. Ziel ist ein „neutraler Einstieg“, damit Kunden nicht von Anbieter zu Anbieter gehen müssen, um Grundlagen zu verstehen. Gleichzeitig wird der Austausch als Kern gesehen: vom Geschäftsführer bis zur Werkstatt- und Konstruktionsleitung. Die Erfahrung: „Die Probleme sind alle sehr ähnlich … im Austausch kann man voneinander lernen und miteinander besser werden“ (Detlef Klocke). Für Innovationsteams ist das ein übertragbares Muster: gemeinsame Themen gemeinsam bearbeiten, bevor man in Wettbewerb und Einzellösungen abbiegt.
Weiterbildung, Effizienz und Energie: warum das Thema jetzt Druck bekommt
Die Episode verbindet Weiterbildung und Effizienz mit dem größeren Kontext Energie und Energiewende. Im Schaltschrankbau wird eine klare Kostenlogik genannt: etwa 30 Prozent Komponentenkosten, 70 Prozent Prozesskosten. Der Hebel liegt daher weniger im Produktpreis, sondern in besseren Prozessen, weniger Komplexität und mehr Durchblick bei Normen und Regularien. Parallel wird Energie als strategisches Thema aufgezogen: All Electric Society, Sektorenkopplung und Smart Grids. Der Anspruch: nicht nur über Verzicht sprechen, sondern „aufhören, Sachen zu verschwenden“ (Detlef Klocke) und Energie intelligent koppeln, speichern und nutzen.
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Transkript
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Detlef Klocke:[00:00:00] Und wir merken’s jetzt schon dadurch, dass wir auch Kommunikationsplattformen, Austauschrunden, auch mit Geschäftsführer unterschiedlicher Schaltschrankbauer, die auch im Wettbewerb zueinander stehen, auf Augenhöhe in den Austausch kommen entsteht dort wirklich Erfahrung dahingehend, dass es wertig ist, sich auszutauschen.
Und nicht nur auf Geschäftsführer Ebene, sondern auch auf Werkstattleiter Ebene, auf Konstruktionsleiter Ebene oder auch aus den Ebenen da drunter. Weil die Probleme sind alle sehr ähnlich. Das ist auch so ’ne Feststellung, ja wo man dachte, Mann, ich bin irgendwie total gut und der andere nicht. Nee, die haben alle die gleichen Herausforderungen und Probleme und sie merken, im Austausch kann man voneinander lernen und miteinander besser werden.
Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus [00:01:00] Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.
Die [00:02:00] Schaltschrankgestalter gemeinsam zu Qualität und Wissen. Wir haben heute ein spannendes Thema, das wahrscheinlich den wenigsten irgendetwas sagt. Schaltschränke sind aber überall und Schaltschränke bewegen alles. Ich bin schon sehr drauf gespannt, was Schaltschränke alles ausmacht und wo Schaltschränke im Einsatz sind.
Heute im Gespräch ist Detlef Kloke von Phoenix Contact und Matthias Schüler von Rittal. Die beiden sind zentrale Treiber des Gemeinschaftsprojektes Schaltschrankgestalter. Hallo, schön, dass ihr beide mit dabei seid im Podcast.
Matthias Schüler: Danke, dass wir dabei sein dürfen, ja. Grüß dich, Klaus.
Klaus Reichert: Ja, hallo. Schaltschrank, Schaltschrank, Schaltschrank, Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof.
Was ist ein Schaltschrank? Für all die Leute, die da überhaupt keine Ahnung davon haben.
Matthias Schüler: Also ein, ein Schaltschrank, wenn man so will, ist die Verpackung für die Komponenten, die in dem Schaltschrank drin sind, also die Elektronik, wo die ganze Intelligenz [00:03:00] der Maschine, der Anlage zusammenläuft. Und die Komponenten haben so ’n bisschen was Menschliches.
Wenn die anfangen zu arbeiten, wird denen warm und die sind ja im geschlossenen Raum und dann muss man die klimatisieren. Und so wird der Schaltschrank in, ja, klimatisiert, sodass die Komponenten eben auch dementsprechend arbeiten können.
Klaus Reichert: Also ein, ein Schaltschrank hat was mit ’ner Maschine zu tun oder mit mehreren Maschinen.
Da wird richtig drin gearbeitet sozusagen, da passiert was. Da hängen wahrscheinlich auf der anderen Seite auch irgendwelche Steuerungen und Computer und so was dran und das Ganze steht wahrscheinlich in einer Fabrik zum Beispiel.
Matthias Schüler: Das kann in einer Fabrikhalle stehen. Das ist die wahrscheinlich die häufigste Anwendung.
So, so ist es, ja.
Detlef Klocke: Einen Schaltschrank kann man ganz technisch beschreiben, ne. Das ist ein Gehäuse, wo was drin ist. Man kann’s aber auch emotional beschreiben, weil das ist das, was Schaltschrankbauer ausmacht. Und [00:04:00] zwar ist das in der Kiste ist die Intelligenz, das Gehirn eigentlich einer, einer automatisierten Anlage.
Und wenn man sich mal überlegt, wo man überall Schaltschränke antrifft, die man aber nie als Endkunde sieht, fängt das eigentlich heute Abend schon beim gekühlten Bier an. Ja weil dieses Bier kommt üblicherweise schon aus einem Kühlschrank. Wie wird denn dieser Kühlschrank hergestellt? Meist in einer Fabrik mit automatisierten Anlagen, die Blech biegen, die Komponenten zusammenschweißen, die Komponenten einbringen.
Diese Steuerung dafür, die wird in einem Schaltschrank aufgebaut. Das Bier wird wahrscheinlich über ’n LKW oder PKW zumindest zum Geschäft oder aus dem Geschäft raus nach dir nach Hause gebracht. Wie werden Autos hergestellt? Die werden auch in einer Fabrik hergestellt. Und wenn man sich dann mal anschaut, allein in so einer Lackieranlage sind zwanzig bis dreißig Schaltschränke da, die dafür sorgen, dass zum richtigen Zeitpunkt runterarbeiten, dass das Transportband weitergeht oder auch, dass einfach Strom da ist, Licht angeht oder sich irgendwas dreht.
Und das ist das, [00:05:00] was eigentlich die Faszination auch ausmacht. Es ist nicht dieses im Schaltschrank elektrische Kabel verdrahten und irgendwo anschließen und schrauben und beschriften, sondern die Passion, die dahinter liegt, ist, es dreht sich danach was. Im Freizeitpark dreht sich das Karussell, in der Fabrik wird die Abfüllanlage bedient.
In dem Transportwesen auf dem Flughafen werden die Kofferbänder angetrieben. Also überall, wo sich irgendwas bewegt, dreht, Licht ist, ist im Grunde ein Schaltschrank im Hintergrund hinter der Fassade dafür zuständig, dass wir ein tolles Leben haben.
Klaus Reichert: Das macht man sich so gar nicht bewusst, also A, was es ist, was dafür sorgt, dass das das dann kann und, und dass das im Grunde so ’ne, so ’ne, ich sag mal, einfache Kiste ist – und ich weiß, es ist nicht einfach, das ist mir schon klar – in der in der so viel stattfindet, was unser modernes Leben eigentlich ausmacht, was, was, irgendwas mit Strom eigentlich auch ausmacht, ne.
Natürlich haben wir [00:06:00] das jetzt nicht unbedingt zu Hause. Da haben wir irgendwelche Sicherungskästen. Das ist jetzt kein Schaltschrank, versteh ich schon auch, aber sobald man vielleicht irgendwie ein bissle was Größeres, ’ne Installation, ’ne Solaranlage oder so was zu Hause mit ein paar Batterien und Wallboxen und so wahrscheinlich in ’nem Mehrfamilienhaus, dann könnte man wahrscheinlich da auch schon ’nen Schaltschrank stehen haben.
Matthias Schüler: Also einen Schaltschrank brauchen wir in vielen, in den allermeisten, sage ich mal Branchen. Und die Branchen haben ja unterschiedliche Anforderungen, je nachdem, wenn es in den Bereich Nahrungsmittel geht, zum Beispiel viel Edelstahl mit dabei, so ein Schaltschrank aus, aus Edelstahl. Aber von der Funktion her schützt er die Einbauten.
Wenn man so will, ist das die Verpackung für, für die Komponenten.
Klaus Reichert: Ja, das, das sind natürlich auch jede Menge Kabelverbinder, irgendwelche Relais, elektronischen Komponenten, irgendwelche Steuerungen, die da eingebaut sind. Ich weiß nicht, was noch alles, ja. Ich, ich hab zwar schon als, als junger Mensch hab ich immer wieder auch [00:07:00] in einer Fabrik gejobbt, wo auch ich auch an Schaltschränken gearbeitet hab, aber ist schon sehr, sehr, sehr lange her.
Und ich glaub, die Elektronik war damals vor na ja, dreißig, vierzig Jahren noch nicht so ganz ausgereift wie heute das natürlich der Fall ist.
Detlef Klocke: Ja, wobei im Grunde ist es genau das Gleiche wie vor vierzig Jahren. Es war auch in irgendeiner Art ein Relais schon da, was an und aus irgendwas geschaltet hat.
Und das gibt’s heute auch, bloß in ’ner ganz anderen Geschwindigkeit, in einer ganz anderen Wiederholbarkeit, in einer anderen Komplexität weil man einfach Prozesse heute viel schneller, viel komplexer aufbauen kann. Aber diese Grundfunktion der Physik, die dahinter ist, die ist die gleiche wie sie vor zwanzig Jahren.
Also insofern erst mal Hut ab, dass du schon so paar Begrifflichkeiten aus dem Schaltschrank herauskriegst, denn das ist es ja, ne. Wenn man sich so einen Schaltschrank, wenn man mal die Gelegenheit hat, den mal mit einem Profi bitte mal zu öffnen und reinzuschauen. Da sind ganz viele Kästlein drin, Kabel drin, die von links nach rechts, oben und nach unten führen.
Und das macht nachher [00:08:00] auch, warum wir bei den Schaltschrankgestaltern so ein bisschen sind, das aus, weil dort einfach viele unterschiedliche Hersteller in ihrer Spezialdisziplin Sachen dort einbringen.
Also Matthias steht ja für Rittal. Rittal ist derjenige, der die Schränke als solches baut.
Ähnlich sagen wir Ikea der das aufsetzt und, –
Klaus Reichert: Ja, und alle haben immer Köttbullar in der Kantine und so was bei Rittal.
Detlef Klocke: Ja, und ich bei Phoenix Contact bin dann einer, der Komponenten und Lösungen liefert, die dann im Grunde das Innenleben ausmachen, die Dekoration machen. Und so geht es genauso unseren Partnern WAGO und, und Siemens, die dort sehr aktiv sind.
Und wenn man den fünften im Spiel noch sehen möchte, das Unternehmen EPLAN. Das sorgt halt dafür dass ich vorher so was wie eine IKEA-Fabrikplanung habe, dass es jemanden gibt, der sehr intelligent Pläne zeichnet und konstruiert, nach dem man dann halt wirklich die elektrischen Komponenten montiert und miteinander [00:09:00] verdrahtet.
Und das macht die Komplexität halt aus, wo es ganz viele Disziplinen im Schaltschrankbau gibt.
Klaus Reichert: Ich finde es toll, dass du es gerade angesprochen hast, wer bei diesen Schaltschrankgestaltern mit dabei ist. Da möchte ich auch gleich drauf zu sprechen kommen, weil das ist ja wirklich ’ne interessante Kombination.
Vorher ist mir noch eingefallen, weil du es angesprochen hast, ne, diese, diese Planung, diese Gestaltung von einem Schaltschrank ist ja erst mal auch sehr auf Standardisierung aufgebaut. Die hat sehr viel ja Logik auch irgendwie mit dabei, wenn man’s richtig macht. Aber die Grundlagen sind schon so, dass das so ist, dass man erst mal sehr übersichtliche Grundkomponenten hat, an die man dann all das, was man da eben dann dranschraubt und macht eben standardisiert ist und, und eben gut zusammenpasst sodass das sehr leicht und fehlerfrei und, und so weiter dann auch eben zusammengestellt und montiert werden kann und auch wieder, auch wieder verändert werden kann mit der Zeit.
Matthias Schüler: So ist es. Variabilität ist dort groß, das stimmt. Und die Kundenanforderung ist auch, auch immer anders in der [00:10:00] Branche und von daher reden wir von einem sogenannten Systembaukasten, wo wir dann im fünfundzwanzig Millimeter Raster auf die Kundenanforderungen eingehen können. Aber es muss ja auch im Vorfeld geplant werden und es geht ja Strom rein, es geht Strom raus, es sind Komponenten drin und dafür braucht man wie gesagt ’ne Software und da bietet sich eben die EPLAN Software an mit, als funktionales Engineering.
So, da geht’s ja eigentlich mit los und dann kann man die ganze Wertschöpfungskette dann betrachten, bis dass es nachher in Betrieb ist.
Klaus Reichert: Okay, dann lass uns doch kurz mal das durchgehen, wer was macht jetzt in diesem Konzept und dann gehen wir noch drauf ein, was es denn bringt, dass man da oder warum überhaupt so zusammenarbeitet.
Also wir hatten schon gehört der Kasten selber und die Grundkomponenten und die, ja, das Denken, das Vordenken des Kastens sozusagen das kommt von Rittal. Phoenix Contact macht viele Komponenten, die dann drin sind. Wir hatten’s vorhin angesprochen, Relais, Schalter, Dings und ergänz mich bitte gleich.
[00:11:00] Dann haben wir ’ne Software und ’ne Planung die ihr angesprochen habt. WAGO müsste noch kurz erklären, was die dann machen. Und Siemens kennt man ja, die machen unseren Kühlschrank hier zum Beispiel auch. Also ein Kühlschrank ist auch mit drin.
Detlef Klocke: Fast richtig. Siemens ist ja das Unternehmen, was in diesem Kontext halt auch Komponenten für den Schaltschrank selber herstellt.
Also so ähnlich wie ein Wago und ein Phoenix. Das heißt, auf der Ebene sind wir drei sehr hart am Markt im Wettbewerb unterwegs. Das heißt, Phoenix Contact stellt Reinklemmen her, wo zwei elektrische Drähte, Kupferdrähte miteinander verbunden werden. Das Gleiche gibt es auch von Wago und wir diskutieren natürlich am Markt immer drüber, welche Variante am Ende des Tages die bessere ist, weil die unterscheiden sich dann schon im Detail.
Und ich glaub, die Zeit wollen wir dafür nicht nutzen, aber über Anschlusstechnik und Reinklemme und Baugröße und Detail, ich glaub, da könnten wir zwei Stunden diskutieren. Ja. Aber am Ende des Tages für dich ist es sehr, sehr gleich, weil am Ende des Tages verbringen zwei elektrische [00:12:00] Leiter, die sicher miteinander verbunden werden müssen.
So neben diesen, diesen klassischen Anschlusstechniken hast du dann halt auch Automatisierungskomponenten. Du hast Sicherungselemente, du hast Stromversorgung, wo du die Energielevel anpasst. Du hast Überspannungsschutz, du hast Security- und Safety- Komponenten, also funktionale Sicherheit als auch Security-Komponenten, weil in einem Schaltschrank wird heute auch viel über Kommunikation gearbeitet.
Also jedes Element hat quasi eine eigene Webpage. Ja es werden Antriebsumrichter dabei gepackt um, um Antriebe in der richtigen Geschwindigkeit zu steuern, damit sie nicht zu schnell, zu langsam und im Gefahrenfall dann auch abgeschaltet werden. Also es gibt ganz, ganz viele Komponenten und ich würde mal sagen, wenn wir unsere Portfolios übereinanderlegen, werden wir wahrscheinlich über fünfhunderttausend verschiedene Produkte haben, die in den Schaltschrank reingehen können.
Auf der anderen Seite, dass es doch nicht wieder so modular und ich nehme einen Baukasten ist, sondern dass die Flexibilität halt je nach Applikation sehr [00:13:00] groß ist, weil das, was ein Schaltschrank machen kann und steuern kann, ist am Ende halt auch ganz viel wenn wir uns umgucken, was ganz viel unterschiedlich ist, ne.
Ob ich jetzt ein Karusell habe oder ob ich eine Abfüllanlage habe. Ob ich ein Kofferband habe oder ob ich jetzt in der Prozesstechnik neue chemische Substanz koche und mische über Wochen.
So gibt’s dann halt auch unterschiedliche Anforderungen aus den unterschiedlichen Branchen, mit denen so ein Schaltschrankbauer dann auch konfrontiert ist, also verschiedene Normen und Richtlinien, an denen er sich dann halten muss. Und, und insofern ist es schon recht komplex so, so ’n Thema. Aber ich geb dir völlig recht, die Aufgabe ist es zu trivialisieren, weil das muss ja händelbar bleiben.
Also in einer, in einer Nachhaltigkeit steckt ja auch das Thema Effizienz drin, ja. Also wenn ich nicht effizient bin, bin ich nicht nachhaltig. Nachhaltigkeit ist aber auch irgendwie wichtig, dass ich morgen noch überhaupt erfolgreich herstellen und verkaufen kann.
Und diese, diese [00:14:00] ganzen Facetten aufeinander einzulegen, das ist halt genau die Herausforderung, die die Funktion des Schaltschrankbauers wie auch viele anderen im Augenblick wirklich trifft und beschäftigt.
Klaus Reichert: Ja, ich wollt’s auch nicht trivialisieren, ich verstehe, dass es sehr, sehr wichtig ist. Aber für all die Leute da draußen, ja, da, da haben die meisten wahrscheinlich noch nie was davon gehört, ja. Und deswegen ist ganz gut, wenn man’s, wenn man’s so schön runterbrechen können.
Aber weil, weil du schon sagst, es- es ist, es ist wichtig, sich damit zu beschäftigen. Es ist wichtig, da ich sag mal, auch Qualität und Wissen zu haben oder Wissen zu haben, auch um Qualität erzeugen zu können. In dem Zusammenhang bedeutet es ja auch, dass ihr wahrscheinlich auch oder die einzelnen Unternehmen irgendwann mal gemerkt haben, Mensch da ist vielleicht jetzt irgendwie ’n bisschen, ich sag mal, Wildwuchs oder, oder die Qualität sinkt, weil was weiß ich, wie viele Verarbeiter das irgendwie unwissentlich vielleicht falsch machen, ne.
Was war denn dann so der, der Startpunkt dafür, dass jetzt fünf unterschiedliche Firmen zusammenkommen und die [00:15:00] Schaltschrankgestalter tatsächlich gegründet haben und gemeinsam dann auch betreiben in Anführungszeichen?
Matthias Schüler: Ja, der, ich glaub, der Antrieb ist, dass wir so ’n, ’n, ’n, wir sitzen alle im gleichen Boot, wir sind in der gleichen Branche.
Und dass wir so ’ne Netzwerkplattform, Plattform integrieren sozusagen oder, oder bilden, wo wir uns zwischen Schaltschrankbauer, Maschinenbauer, Anlagenbauer, den Herstellern eben unterhalten können. Und was wir auch sozusagen im Hintergrund haben, dass wir in Deutschland, wir wollen ja die Arbeitsplätze in Deutschland halten, dass wir mithelfen, den Wettbewerbsvorsprung haben, dass wir sozusagen die Nasenspitze Vorsprung haben gegenüber den, die weiter östlich liegenden Ländern durch, durch Wissen.
Und die meisten Schaltschrankbauer, die sind ja, sag ich mal, kleinere ja, Unternehmen. Und woher wissen die, dass sich irgendwas ändert? Oder, ja, wenn sich Brüssel irgendwas hat einfallen lassen. Und da wollten wir ’n [00:16:00] Austausch schaffen, sozusagen, dass, dass die sich informieren können und dass sie wieder den, den gleichen Wissenstand haben und keine Nachteile dadurch.
Detlef Klocke: Ja, ich glaube wir, wir sind in so einer veränderten Zeit unterwegs. In der Nachkriegszeit hat uns Wettbewerb wirklich weitergeholfen, uns gegenseitig wieder angeschoben, besser zu werden. Und so ging es auch den Schaltschrankbauern. Es ist genug da, man konnte wachsen.
Und wie sagt man so schön, die fetten Jahre sind vorbei. Man muss sich dem internationalen Wettbewerb mehr stellen denn je. Und so geht’s uns Wettbewerbern auf Herstellerseite auch. Ich sage mal so, wir haben halt immer wieder diskutiert gerne, weil wir ja ingenieurgetriebene Unternehmen sind, stolz auf unsere Innovation sind.
Haben wir gesagt: „Guck mal, meine Produkte sind noch schmaler, die sind noch schneller, die können noch mehr auf gleichem Platzbedarf.“ Und, und das hat uns mit Sicherheit auch eine Zeit lang angetrieben. Aus Anwendersicht ist das ganz nett, diese Innovation, und die brauchst du auch. Aber da geht’s doch viel mehr darum: Wie kann ich denn überhaupt mein Geschäft sichern?[00:17:00]
Wenn man sich dann wirklich mal in die Schuhe seines Kunden setzt und nicht nur dieses Buzzword Customer Centricity, das wird jedes Unternehmen bei sich auf seiner Homepage stehen haben, in welchen Sprachen auch immer. Wie, wie fasse ich es denn wirklich an? Und wenn man sich dann überlegt, womit haben denn Schaltschrankbauer, was halt ’ne Zielgruppe von uns allen, von Herstellern ist, am meisten zu tun, ist nämlich diese Komplexität in den Griff zu bekommen.
Die Regularien, die europaweit sich – du hattest es vorhin mal angedeutet – eigentlich täglich ändern, wo du hinterherkommen musst. Dann gibt’s so was wie Green Deal und dann gibt’s noch hier irgendwelche Verordnungen über Beschaffungswesen und, und, und. Und dabei zu helfen und den Durchblick zu haben und wirklich von dieser Komponentenperspektive – das muss man ja auch wissen – die Komponenten bei uns sind alle hochautomatisiert hergestellt.
Das heißt, vom Preispunkt her ist da nicht wirklich mehr ein Hebel zu erwarten. Und wenn man sich heute einen Schaltschrankbau als, als Funktion, als Unternehmen anschaut, ist ungefähr dreißig Prozent [00:18:00] Komponentenkosten und siebzig Prozent Prozesskosten, die die haben. Und dabei eher zu sagen, lass uns schauen, wie wir an diesen siebzig Prozent Prozesskosten Effizienzhebel dran bekommen das, das wäre ganz gut.
Und ehrlicherweise diesen Prozess beim Kunden von A bis Z, den versteht kein Unternehmen von uns alleine. Auch wenn die Brands zu den Top eins oder zwei in ihrem Segment gehören. Also das sind wirkliche gute Marken, die auch viel Know how haben. Aber ein ganzheitliches Verständnis für den Schaltschrankbau kriegt man nur gemeinsam hin, weil es einfach verschiedenste Prozessschritte sind.
Und dann ist es halt relativ einfach, wenn man dann irgendwann sagt, ich möchte mich wirklich um den Kunden kümmern und verstehen, wo seine Pain Points sind, wo seine Probleme und seine Herausforderungen sind. Dann merkt man relativ schnell, das ist dann gemeinsam wie immer im Leben dann doch stärker und besser, ne, als wenn jeder alleine drauf losgeht.
Gemeinsam kommt man weiter.
Fortsetzung in Vorbereitung.

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