Wie entstehen Weltklasse-Startup-Ökosysteme und was kann Deutschland vom Silicon Valley lernen? In Episode 159 des Smart Innovation Podcast spreche ich mit Prof. Dr. Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM und Vizepräsident für Entrepreneurship an der Technische Universität München (TUM).
Wir sprechen darüber, warum Unternehmertum ein zentrales Studienziel werden sollte, wie aus Hochschulen erfolgreiche Startups entstehen und welche Zutaten es braucht, damit innovative Cluster wachsen. Und wie wir es schaffen können, dass Deutschland durch Startup Factories, bessere Wachstumsfinanzierung und eine neue akademische ‚Third Mission‘ zum innovativsten Land der Welt werden kann.
Beispielhaft beschreibt Helmut Schönenberger die Startup „Maschine“ hinter Europas größtem Gründerzentrum TUM/UnternehmerTUM und formuliert einen klaren „Wake-up-Call“ für den Innovationsstandort Deutschland.
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Insights & Erkenntnisse
Das Ziel ist klar: Kräfte bündeln, um die nächste Generation von Marktführern in Deutschland zu bauen und die Startup-Szene auf ein globales Spitzenniveau zu heben
Definition eines Startups: Mehr als nur eine Gründung
Ein Startup unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Existenzgründung durch seine Zielsetzung und Struktur:
- Skalierbarkeit: Ein Startup ist ein neues Unternehmen mit der expliziten Ambition zu skalieren, also ein Produkt x-fach herzustellen, um Millionen von Kunden zu erreichen und massive Wertschöpfung zu generieren.
- Teamstruktur: Im Gegensatz zu Einzelunternehmern bestehen Startups meist aus Gründungsteams von zwei bis vier Personen, die schnell eine signifikante Anzahl an Mitarbeitenden einstellen.
- Risikobereitschaft: Der Prozess erfordert den Mut, ins Ungewisse zu gehen und bewusste Risiken einzugehen.
„Startup Maschine“: das Modell UnternehmerTUM
Die TU München hat sich zur gründungsintensivsten Universität Deutschlands entwickelt, indem sie Unternehmertum als systematisches „Paradies für Gründer“ organisiert.
- Effektivität: Durch optimierte Prozesse und Werkzeuge ist das Ökosystem in München etwa zehnmal effektiver als an einer durchschnittlichen deutschen Hochschule.
- Ressourcen: Mit rund 500 Mitarbeitenden bietet das Zentrum Zugang zu High-Tech-Werkstätten, Software-Tools und einem Netzwerk für die Suche nach passenden Mitgründern.
- Wirtschaftliche Kraft: Die dort entstehenden Startups generieren laut Schönenberger jährlich einen Unternehmenswert von drei bis fünf Milliarden Euro und schaffen rund 5.000 neue Arbeitsplätze.
Deutschland im internationalen Vergleich
Trotz lokaler Erfolge sieht Helmut Schönenberger einen erheblichen Nachholbedarf im Vergleich zum Silicon Valley oder den USA allgemein:
- Umsetzungslücke: Während Deutschland in der Forschung oft gleichauf liegt, ist die Umsetzung in skalierbare Firmen vier- bis achtmal schlechter als in den USA.
- Polarisierung: Erfolgreiche Cluster ziehen weltweit die besten Talente an, während innovationsfeindliche Institutionen diese verlieren. München gehört mittlerweile zu den zehn erfolgreichsten Deep Tech Clustern weltweit laut Schönenberger.
- Kulturelle Hürden: Deutschland ist oft durch „Bedenkenträger“ geprägt, die Prozesse blockieren, statt Chancen mutig zu ergreifen.
„Third Mission“ der Hochschulen
Ein zentraler Hebel für die Zukunft ist die Etablierung einer dritten Mission für Universitäten – neben Lehre und Forschung steht die Innovation.
- Studienziel Gründung: Unternehmertum sollte als ganz normales Karriereziel während des Studiums verankert werden.
- Lernkurve durch Abschlussarbeiten: Programme wie die TUM Entrepreneur Masterclass zeigen, wie aus Masterarbeiten jährlich etwa 25 neue Firmen entstehen können, ohne hohe Zusatzkosten zu verursachen.
- Innovationsfreiheitsgesetz: Politische Maßnahmen sollen künftig den Transfer von Patenten aus Hochschulen in Startups massiv erleichtern, da dieser Prozess aktuell in Deutschland oft noch zu langsam und kompliziert ist.
Drei Schritte zu einem Weltklasse-Ökosystem
Um Deutschland auf Weltklasse-Niveau zu heben, schlägt Schönenberger drei konkrete Maßnahmen vor:
- Curricula anpassen: Eine unternehmerische Grundausbildung muss fester Bestandteil jedes Studiums werden.
- Pilotkunden gewinnen: Sowohl die öffentliche Hand als auch etablierte Unternehmen müssen offener dafür werden, erste Produkte junger Startups zu kaufen.
- Wachstumskapital mobilisieren: Deutschland benötigt jährlich etwa 20 Milliarden Euro an Wachstumskapital (statt der aktuellen 8 Milliarden). Hierzu sollten deutsche Versicherungen und Pensionsfonds verstärkt in heimische Innovationskraft investieren.
Links
- UnternehmerTUM Website
- TUM Entrepreneurship Website
- Helmut Schönenberger Wikipedia – TUM
- Susanne Klatten Wikipedia
- Familie Strüngmann Wikipedia
- Wolfgang Hermann, ehem. TUM Präsident
- Hasso Plattner Institut HPI Potsdam
- Hasso Plattner Institute of Design Stanford Wikipedia
- Stanford d.school
- Dieter Schwarz Stiftung Heilbronn
- Heilbronn Campus Founders
- Bildungscampus Heilbronn
- exist Startup Factories Projekt
- NXTGN Startup Factory Baden-Württemberg
- KIT Karlsruhe Gründerschmiede
- KIT Vision – im Smart Innovation Podcast
Transkript
Helmut Schönenberger: [00:00:00] Das macht halt gute Innovationscluster aus. Wir haben vorhin vom Silicon Valley gesprochen oder jetzt auch in München. Du hast halt da Menschen, die nach vorne spielen wollen. Also die, die die Chancen sehen, die bereit sind, super ambitioniert und hart zu arbeiten. Die Ressourcen einbringen. Und dadurch entsteht halt extrem schnell Neues und auch Wertschöpfendes. Und da füttert sich im Grunde die Maschine und das Cluster halt von selber.
Und wenn du dann in einem anderen Umfeld bist, wo du nur einen Haufen Bedenkenträger hast, die alles blockieren. Da findet halt keine Wertschöpfung statt. Und alle vernünftig denkenden Innovatoren, die sagen dann halt auch, dann gehe ich halt in diese Cluster wo die Post abgeht. Genau. Und das ist wiederum, warum du halt diese Effekte hast, dass du [00:01:00] eine Polarisierung hast.
Also, dass Cluster, die halt erfolgreich sind, werden noch erfolgreicher. Und die Institutionen, die halt schlafen und innovationsfeindlich letztendlich sind, die verlieren halt auch die Leute, die innovativ sind. Weil die sagen halt, dann gehe ich halt nach München oder dann gehe ich halt nach Stanford.
Und deswegen ist das echt ein Wake-up-Call.
Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und [00:02:00] agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.
Wie wir die Start-up-Szene und vor allem ihre Ergebnisse in Deutschland auf ein Weltklasse-Niveau heben können. Wie wir es schaffen, Intrapreneurship und Ausgründung von [00:03:00] Mitarbeitenden aus Hochschulen zu steigern, Start-up-Gründungen als Studienziel von Studierenden zu machen, wie normale mittelständische Unternehmen ihre durch Start-ups vervielfachen können und sicher noch viele weitere Bereiche.
Darüber wollen wir heute sprechen. Das ist ein dickes Brett. Ich habe heute den Passenden Gesprächspartner dazu. Er ist Rocket Scientist. Ich unterhalte mich heute mit Professor Dr. Helmut Schönenberger. Er ist Vizepräsident für Entrepreneurship an der Technischen Universität, der TUM in München. Sowie Mitgründer und CEO der Unternehmer TUM GmbH, Europas größtem Zentrum für Gründung an der TUM seit circa 2000 tätig.
Man könnte sagen, Unternehmensgründungen und Startups sind sein Leben.
Hallo Helmut, schön, dass du heute mit dabei bist.
Helmut Schönenberger: Hi Klaus schön, bei dir im Podcast zu sein.
Klaus Reichert: Sich alleine beruflich selbstständig zu machen oder [00:04:00] mit anderen zusammen ein Unternehmen zu starten. Unternehmertum ist so eines der ältesten Gewerbe der Welt.
Das Silicon Valley gibt es seit ungefähr 100 Jahren. Spätestens seit der Ankunft des Transistors und dem Unternehmen Fairchild entstehen in der Gegend dort um die Stanford-Universität neue Unternehmen, fast wie am Fließband. Und wir lernen da sehr viel. Wir nehmen das auch immer so als Beispiel auch für, das Wort Silicon irgendwas fällt dann sehr, sehr häufig. Wir arbeiten darauf zu, sozusagen Silicon Valleys bei uns zu etablieren, zumindest vordergründig.
Was ist so besonders an dem Thema Startup skalierbar auf den Weg zu bringen? Was fällt dir da ad hoc so? Dazu ein, was macht diese skalierbare von Silicon Valley aus, dass wir es eigentlich alle imitieren wollen?
Helmut Schönenberger: Es geht darum, das nächste große [00:05:00] Ding zu bauen und das wirklich die Welt hoffentlich sehr positiv verändert. Das heißt, du musst skalieren, dein Produkt x-mal herstellen, damit es an Millionen von Kunden kommt und dann eine wahnsinnige Wertschöpfung entwickelt. Und das ist halt eine gewisse Kunst, ein gewisses Handwerk und das Silicon Valley Eco System hat das halt bis jetzt auf die Spitze getrieben.
Also da ist einfach ein System entwickelt worden mit vielen Spielern, die wie eine Mannschaft das extrem clever und schnell vorantreiben.
Klaus Reichert: Oh danke für diese kurze und sehr präzise Definition. Da müssen wir auch gleich drauf zu sprechen kommen, aber vielleicht zuerst, was ist ein Startup?
Helmut Schönenberger: Ein Startup ist ein neues Unternehmen, das die Ambition hat, zu skalieren.
Das sind dann Firmen wie beispielsweise eine Flixbus, die [00:06:00] mal ganz klein angefangen hat mit drei Gründern und dann hoffentlich im Scale-Up werden und richtig groß werden. Das ist die Definition von einem Startup und dann auch einem Scale-Up. Und was es ja auch gibt, sind die Existenzgründer. Das sind halt jetzt in unserem… Wortgebrauch die Personen, die halt als Einzelunternehmer unterwegs sind. Genau. Und das ist wiederum der Unterschied halt zu dem Startup. Das sind meistens Teams, Gründer, Gründerinnen, die zusammen gründen, zwei, drei, vier Personen und die dann auch sehr schnell viele Angestellte haben.
Klaus Reichert: Spannende Definition.
Die vielen Angestellten das ist etwas, was wir vielleicht im Zusammenhang mit AI dann auch vielleicht auch irgendwann mal neu definieren müssen. Aber im Moment ist es die Definition, es gehört dazu, dass man etwas startet, gemeinsam als Team und das so weit bringt, dass es eben skaliert, dass es [00:07:00] Größe bringt und damit dann natürlich auch entsprechende Produkte, Services und sowas anbieten kann, die man eben auch alleine nicht machen kann.
Helmut Schönenberger: Genau.
Klaus Reichert: Es hat sehr viel auch erstmal mit Mut zu tun, finde ich das Thema Startup. Mir ist im Gespräch mit dem Klaus Mühlhahn im Smart Innovation Podcast der letzten Episode, da geht es über Innovation in China Speed, hat er gesagt, Unternehmertum, da gibt es einen alten chinesischen Ausdruck und der hat sowas mit zu tun wie ins Meer gehen, aufs Meer gehen.
Er war sich nicht mehr so ganz sicher, ob das heute so gebraucht wird, aber das fand ich eine ganz spannende Sache. Wie siehst du das? Ist es wichtig, dass man quasi ins Meer geht, wenn man gründet. Dass man da sozusagen dieses Thema Mut und Weitblick und Horizont und sowas mit dabei hat?
Fortsetzung in Vorbereitung.
Extra
Wir sprachen kurz drüber im Podcast….
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Details
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