Betonrecycling neu gedacht – Rement treibt die Kreislaufwirtschaft im Bau voran

Betonrecycling mit Rement setzt auf hochwertige Wiederverwertung von Abbruchbeton und trägt zur Reduktion von CO2-Emissionen bei.

Robert Scleinhege Rement

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Die Bauindustrie steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Sie verursacht weltweit rund acht Prozent der CO2-Emissionen – vor allem durch die Zementproduktion. Gleichzeitig entstehen jedes Jahr enorme Mengen an Abbruchmaterial. Ein großer Teil davon wird bislang nur minderwertig weiterverwendet. Genau hier setzt das Startup Rement an.

Im Smart Innovation Podcast Episode 160 spricht Innovationscoach Dr. Klaus Reichert mit Robert Schleinhege, CEO von Rement, über einen neuen Ansatz für Betonrecycling. Das Unternehmen will Abbruchbeton nicht länger downcyceln, sondern vollständig in hochwertige Rohstoffe zurückführen. Dabei entsteht nicht nur neues Material für die Baustoffindustrie. Das Verfahren ermöglicht zugleich die dauerhafte CO2-Speicherung im Beton. Damit verbindet Rement gleich mehrere Hebel: Ressourceneffizienz, Klimaschutz und neue Geschäftsmodelle für eine zirkuläre Bauwirtschaft.

Das Rement Gründerteam sind

  • Felix Baur, Co-Founder und Chief Operating Officer. Er hat Rements Kerntechnologie erfunden und die Gründung initiiert.
  • Dr. Achim Stammer, Co-Founder und CTO. Er bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Forschungs- und Entwicklungsleitung bei BASF mit.
  • Robert Schleinhege, Co-Founder, CEO und Chief Commercial Officer. Er bringt seine GTM-Expertise aus der Startup- und Konzernwelt ein.

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Insights & Erkenntnisse

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • Beton ist einer der meistgenutzten Werkstoffe der Welt – und einer der emissionsintensivsten.
  • Herkömmliches Betonrecycling führt meist zu Downcycling statt zu echter Kreislaufwirtschaft.
  • Rement entwickelt ein chemisches Verfahren, das Betonabfälle vollständig recyceln kann.
  • Dabei entstehen wertvolle Rohstoffe wie Calciumcarbonat und Sand in hoher Qualität.
  • Das Verfahren bindet CO2 dauerhaft und unterstützt die Dekarbonisierung der Bauindustrie.
  • Für die Skalierung braucht es Technologie, Kapital, Partnerschaften und regulatorische Unterstützung.

Warum Betonrecycling jetzt strategisch relevant ist

Beton ist das Rückgrat moderner Infrastruktur. Straßen, Brücken, Gebäude, Tunnel oder Industrieanlagen – kaum ein Baustoff wird häufiger eingesetzt. Doch dieser Erfolg hat eine Schattenseite. Die Herstellung von Zement, einem zentralen Bestandteil von Beton, ist extrem energieintensiv und verursacht erhebliche CO2-Emissionen.

Allein die Zementindustrie ist für einen signifikanten Anteil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Baustoffen weltweit weiter. Urbanisierung, Sanierung und Infrastrukturmodernisierung treiben die Nachfrage an.

Hinzu kommt ein zweites Problem: Abbruchbeton fällt in riesigen Mengen an. Zwar wird er bereits recycelt, meist jedoch nur als minderwertiger Füllstoff im Straßenbau oder im Tiefbau.

„Wir müssen weg vom Downcycling und hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft im Bau.“

Genau darin liegt eine der größten Chancen für Innovation in der Bauwirtschaft.

Das Problem des Downcyclings

Heute endet der Lebenszyklus von Beton oft in einer Sackgasse. Aus hochwertigem Baustoff wird ein Material mit geringerem Wert. Dieser Prozess ist zwar besser als Deponierung, löst aber weder das Ressourcenproblem noch die Klimafrage.

Die Nachteile des Downcyclings sind offensichtlich:

  • Primärrohstoffe müssen weiterhin abgebaut werden
  • Die Materialqualität geht verloren
  • Wertschöpfungspotenziale bleiben ungenutzt
  • CO2-Emissionen werden kaum reduziert
  • Eine echte zirkuläre Wertschöpfungskette entsteht nicht

Für eine nachhaltige Bauwirtschaft reicht das nicht aus.

Wie Rement Beton neu denkt

Rement verfolgt einen radikal anderen Ansatz. Das Startup betrachtet Betonabfälle nicht als Entsorgungsproblem, sondern als wertvolle Rohstoffquelle.

Das Ziel: Betonabfälle vollständig recyceln und daraus hochwertige Sekundärrohstoffe gewinnen.

Im Mittelpunkt steht ein chemischer Prozess, der die mineralischen Bestandteile des Betons gezielt trennt und aufbereitet. Dadurch entstehen Materialien, die wieder in industriellen Anwendungen eingesetzt werden können.

Zu den wichtigsten Produkten gehören:

  • Hochreines Calciumcarbonat
  • Qualitativ hochwertiger Sand
  • Weitere mineralische Rohstoffe für die Baustoffindustrie

Diese Stoffe können Primärrohstoffe ersetzen und so natürliche Ressourcen schonen.

CO2-Speicherung im Beton als zusätzlicher Hebel

Besonders spannend ist die Verbindung von Recycling und Klimaschutz. Im Prozess wird CO2 mineralisch gebunden. Es entsteht Calciumcarbonat, in dem Kohlenstoff dauerhaft gespeichert bleibt.

Das ist mehr als nur Emissionsvermeidung. Es handelt sich um aktive Kohlenstoffspeicherung in einem industriellen Stoffkreislauf.

„Wir verbinden Kreislaufwirtschaft mit Carbon Removal.“

Damit adressiert Rement zwei der drängendsten Herausforderungen zugleich:

  • Reduktion industrieller Emissionen
  • Dauerhafte Speicherung von CO2

Gerade für die schwer zu dekarbonisierende Bauindustrie ist dieser Ansatz hochrelevant.

Warum die Bauindustrie schwer zu dekarbonisieren ist

Die Dekarbonisierung der Bauindustrie ist komplex. Anders als in anderen Branchen entstehen CO2-Emissionen nicht nur durch Energieverbrauch, sondern auch prozessbedingt.

Bei der Zementherstellung wird Kalkstein chemisch umgewandelt. Dabei wird unvermeidbar CO2 freigesetzt. Selbst bei vollständig erneuerbarer Energie bliebe ein erheblicher Emissionsanteil bestehen.

Deshalb braucht es mehrere Hebel gleichzeitig:

  • Materialeffizienz
  • Alternative Bindemittel
  • Kreislaufwirtschaft
  • CO2-Abscheidung und Speicherung
  • Neue Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette

Rement adressiert gleich mehrere dieser Hebel in einem integrierten Ansatz.

Vom Labor in den Markt: Die Herausforderungen eines ClimateTech-Startups

Technologische Innovation allein reicht nicht. Der Weg von der Idee zur industriellen Skalierung ist anspruchsvoll.

Zu den zentralen Herausforderungen gehören:

Technologische Skalierung

Ein Verfahren muss nicht nur im Labor funktionieren. Es muss robust, effizient und wirtschaftlich im industriellen Maßstab arbeiten.

Kapitalbedarf

ClimateTech ist kapitalintensiv. Pilotanlagen, Demonstrationsprojekte und industrielle Infrastruktur erfordern erhebliche Investitionen.

Marktintegration

Neue Materialien müssen Qualitätsanforderungen erfüllen, zertifiziert werden und Akzeptanz bei Kunden gewinnen.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Normen, Zulassungen und politische Anreize entscheiden maßgeblich über die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung.

Warum Partnerschaften entscheidend sind

Kein Unternehmen kann eine Transformation dieser Größenordnung allein stemmen. Gerade in der Bauwirtschaft sind starke Partnerschaften unverzichtbar.

Wichtige Partner sind:

  • Bauunternehmen
  • Entsorgungsunternehmen
  • Zement- und Baustoffhersteller
  • Forschungseinrichtungen
  • Investoren
  • Öffentliche Hand

Innovation entsteht heute in Ökosystemen.

„Die Transformation gelingt nur gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Neue Geschäftsmodelle für Baustoffrecycling

Die Circular Economy eröffnet neue wirtschaftliche Chancen. Aus Abfall wird ein Wertstoff. Aus Entsorgung wird Rohstoffmanagement. Aus linearen Lieferketten entstehen zirkuläre Wertschöpfungsnetzwerke.

Mögliche Geschäftsmodelle umfassen:

  • Verkauf hochwertiger Sekundärrohstoffe
  • Lizenzierung von Recyclingtechnologien
  • Plattformmodelle für Materialströme
  • Kooperationen entlang der Baustoffwertschöpfung

Das macht deutlich: Nachhaltigkeit ist kein Kostenfaktor, sondern ein Innovationstreiber.

Was Innovationsteams daraus lernen können

Der Fall Rement ist ein Lehrstück für erfolgreiche Innovation.

1. Große Probleme bieten große Chancen

Die besten Innovationen entstehen dort, wo wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen zusammenkommen.

2. Systemisch denken

Erfolgreiche Innovation betrachtet nicht nur das Produkt, sondern das gesamte Ökosystem.

3. Wertschöpfung neu definieren

Abfall, Emissionen oder Nebenprodukte können zu wertvollen Ressourcen werden.

Die wichtigsten Fragen für Innovationsverantwortliche

  • Welche linearen Prozesse in unserem Geschäftsmodell lassen sich zirkulär gestalten?
  • Wo entstehen ungenutzte Reststoffe oder Nebenprodukte?
  • Wie können wir ökologische Wirkung mit wirtschaftlichem Nutzen verbinden?
  • Welche Partner brauchen wir für eine erfolgreiche Skalierung?
  • Welche regulatorischen Entwicklungen eröffnen neue Chancen?

Lösungen, die sich aus dem Gespräch ableiten lassen

  • Kreislaufwirtschaft früh in Innovationsstrategien integrieren
  • Materialströme systematisch analysieren
  • Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette aufbauen
  • Pilotprojekte für neue Technologien schnell umsetzen
  • Geschäftsmodelle um zirkuläre Erlösquellen erweitern
  • Nachhaltigkeitsziele mit klaren Innovationszielen verbinden

Ausblick: Die Zukunft des Bauens ist zirkulär

Die Bauwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Der Druck zur Dekarbonisierung wächst. Ressourcen werden knapper. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Erwartungen von Investoren, Kunden und Gesellschaft.

Unternehmen, die früh handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile. Sie reduzieren Risiken, erschließen neue Märkte und stärken ihre Innovationskraft.

Betonrecycling ist dabei weit mehr als eine technische Nische. Es ist ein Schlüssel für die Transformation einer ganzen Branche.

Rement zeigt, wie aus wissenschaftlicher Exzellenz, unternehmerischem Denken und systemischer Perspektive eine Lösung mit globalem Potenzial entstehen kann.

Drei konkrete Tipps für Innovationsteams

1. Identifizieren Sie Ihre versteckten Wertstoffe

Analysieren Sie, wo in Ihrem Unternehmen Reststoffe, Nebenprodukte oder ungenutzte Ressourcen entstehen. Oft liegen dort unentdeckte Innovationspotenziale.

2. Denken Sie in Kreisläufen statt in Lieferketten

Fragen Sie nicht nur, wie ein Produkt hergestellt wird. Fragen Sie auch, was nach seiner Nutzung geschieht und wie Materialien zurückgeführt werden können.

3. Verbinden Sie Nachhaltigkeit mit Geschäftswert

Die stärksten Innovationen lösen ökologische Probleme und schaffen gleichzeitig wirtschaftlichen Nutzen. Genau dort entstehen skalierbare Zukunftsmärkte.

Die zentrale Erkenntnis aus dem Gespräch mit Robert Schleinhege lautet: Wer Kreislaufwirtschaft konsequent denkt, entwickelt nicht nur nachhaltigere Lösungen. Er erschließt neue Wertschöpfung, stärkt Resilienz und gestaltet aktiv die Märkte von morgen.

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Transkript

Automatisch erzeugt und manuell bearbeitet.

Robert Schleinhege: [00:00:00] Und da wir eben einen Rohstoff erzeugen aus CO2 und Abbruchbeton, der viel hochwertiger ist als das Ausgangsmaterial der Zementproduktion, sprechen wir eben auch von echtem Upcycling. Also wir sind am Ende in den Qualitäten der Rohstoffe besser als die ursprünglichen Ausgangsmaterialien des Betons. Dieser Wertschöpfungsgrad ist eben auch notwendig, damit man am Ende in verfahrenstechnische Anlagen investieren kann, die dieses Betonproblem, was wir zu Anfang skizziert haben, dann auch vollumfänglich lösen können. Also wir können wirklich viel CO2 am Ende wieder in die Reaktion bringen, in die Speicherung bringen. Und wir können eben vor allem Abbruchbeton zu 100% in neue Produkte übersetzen, ohne dass etwas übrig bleibt. So wird dann eben aus grauem Abbruchbeton weiße Farbpigmente. Für diverse Industrien. Und das ist eben die konkrete Idee, die wir haben. Und wir haben einen technisch eleganten Ansatz, um diese Rohstoffe so zu erzeugen. ​

​Klaus Reichert: [00:01:00] Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.

Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des [00:02:00] Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.

Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.

Heute bin ich im Gespräch mit Robert Schleinhege. Er ist Mitgründer und CEO von Rement, einem Startup aus Karlsruhe, das im Baubereich Riesenpotenziale für Nachhaltigkeit hebt. Ich bin schon sehr gespannt auf unser Gespräch und vor allem auf die Details dessen was das Startup denn tatsächlich genau auch macht.

Hallo Robert, schön, dass du heute mit dabei bist im Podcast.

Robert Schleinhege: Hallo Klaus vielen Dank für die Einladung Ich freue mich aufs Gespräch.
Klaus Reichert: Robert, ihr arbeitet an einem Thema, das die Welt bewegt. Beziehungsweise aus dem Unbeweglichen dann wieder etwas macht, aus einem der größten [00:03:00] CO2-Entstehungs… Bereichen und Ressourcen Verschwendungen fast, wieder etwas macht, im Baubereich. Das ist einer der größten Bereiche in dem Energie gebunden ist, in dem CO2 entsteht und in dem Baustoffe verwendet werden, die irgendwann mehr oder weniger einfach so auf der Deponie landen.

Ihr macht da was ganz, ganz Spezielles. Kannst du uns kurz erklären bitte? Einfach mal als Einleitung, was das genau ist, womit sich Rement beschäftigt.

Robert Schleinhege: Wir beschäftigen uns mit Abbruchbetonrecycling. Beton ist einer der größten Abfallströme der Menschheit, verbraucht riesige Mengen fossiler Ressourcen. 30 Milliarden Tonnen im Jahr und verursacht auch 8% der globalen CO2-Emissionen, vor allem für die Produktion von Zement.

Beton ist gleichzeitig auch einer der größten Abfallströme. Deswegen konzentrieren wir uns darauf, [00:04:00] Abbruchbeton und CO2 in neue nachhaltige Produkte zu recyceln. Wir entwickeln eine Betonrecycling-Technologie.

Klaus Reichert: Hört sich ungeheuer spannend an, vor allem wenn man sich überlegt, du hast ja gerade Zahlen genannt, für wie viel Material, für wie viel CO2, für wie viel Rohstoffe auch, die ja dann im Recycling wieder gehoben werden können, das jetzt dann auch betrifft.

Du hast schon gesagt, es geht um den Baubereich. Da haben wir doch eigentlich gar kein Problem, oder? Ich war mal Architekt. Ich habe das so vor mir, diese wunderschönen Sichtbetonbauteile, diese Decken und Stützen und so weiter. Die werden gebaut. Das Gebäude steht für die Ewigkeit und ist dann stabil und brandsicher und was weiß ich noch so alles. Wo haben wir jetzt eigentlich ein Problem?

Robert Schleinhege: Wir sind nicht per se gegen Beton. Beton ist eben [00:05:00] funktionstüchtig. Ist günstig. Ist verfügbar. Und wir denken auch nicht, dass die Menschheit davon abkommen wird, Beton einzusetzen. Trotzdem können wir nicht leugnen, dass Beton große Umweltauswirkungen hat.
Und vor allem auch perspektivisch ein Ressourcenproblem. Die Welt baut immer mehr. Wüstensand, beispielsweise, lässt sich nicht für Beton einsetzen und wir müssen uns überlegen, wo wir eigentlich in 50 oder 100 Jahren die Ressourcen für Beton herbekommen. Und wie wir auch eben die Betonindustrie oder die Zementindustrie langfristig dekarbonisieren können.

Und wir denken, dass eben ein ganz, ganz großes Potenzial, um diese Fragen zu beantworten, am Ende… im Recycling liegt. Und unser Ziel ist es, eine neue Technologie zu entwickeln, die eben die Möglichkeiten der Recyclingbranche hier nochmal deutlich erweitert. Aktuell wird eben branchenüblich mechanisches Recycling eingesetzt von hunderten Baustoffrecyclingunternehmen in Deutschland und tausenden in der Welt.
Dieses mechanische Recycling ist eben ausreichend [00:06:00] um Abbruchbeton wieder einem Wert oder einer Anwendung zuzuführen. Aber es ist eben nicht ausreichend um diese großen Probleme, Defossilisierung und Dekarbonisierung endgültig zu lösen. Und das hat auch gar nichts damit zu tun, dass die Branche konservativ ist oder das nicht möchte oder was auch immer, sondern… das Potenzial vor allem in Deutschland, mit den technischen Möglichkeiten, die man eben hat, ist ausgeschöpft. Abbruchbeton wird zu ganz großen Anteilen wieder verwertet. Aber es gibt eben noch nicht die technischen Möglichkeiten, hier eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft zu erzielen, was das langfristige Ziel sein muss. Und wir möchten eben diese technische Perspektive öffnen, dass das in Zukunft möglich ist.

Klaus Reichert: Ich habe das ja vorhin auch im Grunde vollkommen falsch gesagt. Ein Gebäude steht erstmal nicht unendlich lange. Das ist ganz klar. Das wird dann abgebrochen. Wer das schon mal beobachtet hat, das ist furchtbar spannend. Es ist ja viel Stahl in dem Stahlbeton drin. Der wird dann in jedem Falle heute schon rausgenommen, sodass man ihn wiederverwerten kann. Aber was davon übrig ist, ist eben etwas, was dann [00:07:00] vielleicht zerkleinert im Straßenbau landet.

Robert Schleinhege: Genau, ja. Das ist aktuell der größte Verwertungsweg.

Klaus Reichert: Genau, das heißt es ist im Grunde, es ist ein Downcycling, es entspricht eigentlich nicht dem Wert des Produktes das man da hat. Und es ist ja auch keine Kreislaufwirtschaft, die damit entsteht. Wir nehmen quasi, wir nutzen den Wert nicht, der da eigentlich drin steckt.

Was ich jetzt verstehe ist, dass ihr sagt, Okay, wir haben das verstanden. Da gibt es ein Problem. Da können wir was tun. Und ihr macht jetzt das nicht einfach so, dass es klein zerbrochen wird und dann kleinere Bestandteile sind, sondern ihr zerlegt das Ganze irgendwie. Habe ich das so richtig verstanden?

Robert Schleinhege: Genau, also wir haben eine chemische Recycling-Technologie entwickelt, die eben im Vergleich zu mechanischen Ansätzen die Rohstoffe die im Beton enthalten sind, deutlich sortenreiner voneinander trennen kann. Es [00:08:00] muss klar sein, wenn man im Recycling tätig ist, ist die Messlatte oder der Wettbewerb sind weiterhin fossile Ressourcen. Und man muss eben Wege finden, Ressourcen aus Recyclingquellen zu gewinnen, die aber trotzdem die gleichen Qualitäten und die gleichen Preise haben wie die fossilen Alternativen.

Das heißt, man braucht eine relativ gute Idee, technisch und man braucht auch die richtigen Zielprodukte, die dann auch mal eine Wirtschaftlichkeit später ermöglichen. Und ich glaube, uns ist es gelungen hier… eine gute Kombination aus Zielprodukten und einem technisch eleganten Ansatz, um diese zu gewinnen, eben zusammenzustellen, dass das eben auch möglich ist. Also dass wir eben auch zirkuläre Ressourcen zu Marktpreisen und Qualitäten perspektivisch anbieten können.

Klaus Reichert: Wenn wir jetzt mal drauf gucken, wir haben im Beton haben wir solche Sachen wie Zement. Sand, wir haben verschiedene Kiesel in verschiedenen Größen, vielleicht noch ein paar Zuschlagstoffe die wir [00:09:00] brauchen, vielleicht für Frostsicherheit und was weiß ich noch so alles. Sand, denkt man ja so, ist ja eh genug da, das hast du vorhin schon angesprochen, ist natürlich nicht der Fall.

Zement ist etwas, was ungeheuer viel Energie braucht, um es überhaupt zu erzeugen. Und dann Kiesel, Kies in verschiedenen Größen ist etwas, was wir hier zwar in der Karlsruher Gegend natürlich sehr viel haben, ja aus den Kiesgruben heraus. Aber was grundsätzlich natürlich auch ein wichtiger Stoff ist, den man dann wieder verwenden möchte.

Jetzt hast du gesagt, ihr nutzt das Ganze, um etwas Neues zu generieren, was dann auch wieder nachgefragt wird im Baubereich. Was kommt denn aus dem Verfahren, von dem wir sprechen, am Ende raus, was man dann eben auch wiederverwenden kann bzw. auch wiederverkaufen kann, wo es Menschen gibt, Firmen gibt, die das dann auch kaufen?

Robert Schleinhege: Also um jetzt etwas spezifischer zu werden. Wir setzen auch weiterhin [00:10:00] darauf, dass das uns vorgelagert Abbruchbeton mechanisch verwertet wird. Das heißt eben nach dem Abriss wird das Material zu Baustoffrecyclinghöfen gebracht oder mobil auf der Baustelle verwertet und halt vor allem in Stücke gebrochen mit Brechanlagen.

Danach wird das Material auch häufig noch mit Siebanlagen in verschiedene Fraktionsgrößen unterteilt. Und hierbei entsteht eine grobe Fraktion und in der Regel eine feine Fraktion. Die grobe Fraktion kann man relativ gut beispielsweise im Straßenbau, aber auch zum Beispiel neuen Beton als Ersatz für Kies, also als Gesteinskörnung, Recyclinggesteinskörnung, einsetzen.

Wir fokussieren uns auf das feine Material. Also die feinen 30 bis 40 Prozent der Masse mit Korngrößen unter 4 Millimetern. So kann man sich das vorstellen. Also im Prinzip eine Sandfraktion, wenn man so will. Dieses Material hat relativ wenig Verwertungsmöglichkeiten, enthält aber besonders hohe Anteile an den Inhaltsstoffen, die für uns am Ende interessant sind.

Und [00:11:00] unser Fokus liegt jetzt eben darauf, dieses feine Abbruchmaterial sortenrein zu zersetzen. Und gleichzeitig CO2 zu speichern. Also wir nutzen auch ein Stück weit den Fakt, dass Zement basisch ist und eben CO2 in Wasser, also Kohlensäure sauer. Das bedeutet, wir nutzen Kohlensäure auch als Betriebsmittel, also CO2 auch als Betriebsmittel, um Zementverbindungen zu zersetzen. Und wir können dann eben im Anschluss den Sand, der in diesem Feinabbruchbeton enthalten ist, wieder überwiegend von diesen Zementanhaftungen befreien, sodass man diesen wieder… in neuen Anwendungen einsetzen kann. Zum Beispiel in Beton, aber Sand wird auch in ganzen Menge anderer Produkte genutzt wo auch ebenfalls dieser Sand wieder eingesetzt werden könnte. Und aus diesen Zementverbindungen, genau, da gibt es prinzipiell verschiedenste Möglichkeiten, auf die man abzielen könnte.

Es gibt auch technologische Ansätze, die versuchen, aus, wenn man so will, altem Zement wieder neuen Zement zu machen. Das ist nicht unser Ansatz. Es ist relativ regulatorisch [00:12:00] schwierig, Zement zu ersetzen. Deswegen fokussieren wir uns danach stattdessen auf andere Anwendungen. Und zwar die Verwendung von Calciumcarbonat als Füllstoff und Farbpigment.

Zement enthält ganz viel Calcium. Und Calcium-Oxid mit CO2, was wir in die Reaktion bringen möchten und binden möchten, ergibt Calcium-Carbonat. Und Calcium-Carbonat ist das meistgenutzte Farbpigment auf der Welt. Also das, was Kunststoffe, was Wandfarbe, was Papier weiß macht, ist ganz, ganz oft Calcium-Carbonat.

Fortsetzung in Bearbeitung.

Details

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