Unternehmerischer Klimaschutz ist heute ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmensführung. In Episode 162 des Smart Innovation Podcast spricht Innovationsexperte Dr. Klaus Reichert mit Julia Kovar über die Arbeit der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg. In diesem ausführlichen Artikel erfahren Sie, warum Klimaschutz als Innovation zu verstehen ist, wie Klimafinanzierung bei der Klimaschutzstiftung BW funktioniert und welche Rolle der offene Know-How Transfer aus der Stiftung für die Nachhaltigkeitsstrategie von Unternehmen spielt.
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Insights
Kernpunkte der Transformation im Klimaschutz
Das Gespräch verdeutlicht einen grundlegenden Wandel in der Wahrnehmung ökologischer Verantwortung. Die wichtigsten Erkenntnisse umfassen:
- Notwendigkeit, Klimaschutz in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren, um langfristig überlebensfähig zu bleiben.
- Der Trend weg von der reinen CO2-Kompensation hin zu einer strategischen Klimafinanzierung, die messbare Wirkungen erzielt.
- Die steigende Nachfrage nach regionalen Projekten in Baden-Württemberg, die Naturerfahrung mit Klimaschutz verbinden.
- Einführung transparenter Qualitätsstandards und Labels wie BW Zero, die durch unabhängige Prüfinstanzen zertifiziert werden.
Strategische Relevanz und Managementverständnis
Warum gehört eine Klimaschutzstrategie heute zwingend zum Managementverständnis eines Unternehmens? Julia Kovar betont, dass es nicht mehr nur darum geht, welche Emissionen ein Betrieb produziert und wie diese die Umwelt belasten. Vielmehr wirkt der Klimawandel direkt auf die Handlungsfähigkeit der Unternehmen zurück.
Besonders Unternehmen mit globalen Lieferketten, etwa in der Lebensmittelindustrie, sind unmittelbar betroffen. Wenn Klimaveränderungen die Ernährungssicherung gefährden, hat das direkte Auswirkungen auf die Geschäftsgrundlage. Ein Unternehmen, das diese Risiken nicht einpreist und keine passende Strategie entwickelt, wird es in Zukunft schwerer haben, am Markt zu bestehen.
Julia Kovar sagt dazu: Weil es letzten Endes zum heutigen Managementverständnis eines Unternehmens dazugehören muss, zu verstehen, was unternehmerische Nachhaltigkeits- oder Klimaschutzstrategie bedeutet und was das eigentlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hat.
Dieser Wandel zeigt sich auch in der personellen Aufstellung vieler Firmen. Während es vor zehn Jahren kaum Nachhaltigkeitsmanager gab, ist das Thema heute auf der Arbeitsebene angekommen und wird professionell vorangetrieben.
Die Entwicklung der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg
Die Stiftung startete ihre Arbeit im Jahr 2021 unter erschwerten Bedingungen mitten in der Corona-Pandemie. Aus einem Zweier-Team ist mittlerweile eine Organisation mit sechs Mitarbeitenden gewachsen, die agil und kreativ an Lösungen arbeitet.
In den ersten fünf Jahren konnte die Stiftung beeindruckende Zahlen vorlegen:
- Über 80 Unternehmen unterstützen die Stiftung als Spender.
- Rund 250 Einzelspenden wurden in Projekten umgesetzt.
- Etwa 60.000 Tonnen CO2 konnten durch diese Mittel eingespart werden.
- Fast 10 Millionen Euro wurden bereits in Klimaschutzprojekte in Baden-Württemberg investiert.
Dabei nutzt das Team moderne Methoden aus der Produktentwicklung, um Angebote für Unternehmen zu schaffen, die einen echten Mehrwert für deren Berichterstattung bieten.
Von der Kompensation zur Klimafinanzierung
Ein zentrales Thema im Podcast ist der Begriffswandel von der Kompensation zur Klimafinanzierung. Während es früher oft nur darum ging, eine Tonne CO2 zu bezahlen, um Emissionen auszugleichen, ist das Visier heute weiter gefasst. Unternehmen interessieren sich zunehmend dafür, sinnvolle Projekte außerhalb ihrer eigenen Wertschöpfungskette zu unterstützen.
Dieser Know-How Transfer ist entscheidend, da Unternehmen oft nicht die Ressourcen haben, eigene ökologische Projekte aufzubauen. Die Stiftung fungiert hier als unabhängige, gemeinnützige Landeseinrichtung, die Vertrauen genießt und fachliche Expertise zur Verfügung stellt.
Regionale Innovation: Der Klimafonds Baden-Württemberg
Seit Februar 2026 betreibt die Stiftung den Klimafonds Baden-Württemberg, ein neuartiges Finanzierungsinstrument für naturbasierte Projekte im Land. Mit einem Startkapital von 1,5 Millionen Euro werden Projekte gefördert, die CO2 dauerhaft binden, sogenannte CO2-Senken.
Das Besondere an diesem Fonds ist die thematische Breite:
- Wiedervernässung von Mooren.
- Waldumbau zu klimaresilienten Beständen.
- Etablierung von Agroforstsystemen in der Landwirtschaft.
Viele naturbasierte Projekte scheitern in der Praxis, weil die Pflege nach dem ersten Jahr vernachlässigt wird. Die Stiftung hat daher einen wissenschaftlichen Standard entwickelt, der eine Finanzierung und Kontrolle über mindestens 20 Jahre sicherstellt.
Julia Kovar erklärt das Vorgehen: Wir haben wirklich Jahre investiert mit wissenschaftlichen Partnern, gemeinsam einen Standard zu entwickeln, wie solche Projekte in Baden-Württemberg umzusetzen sind, um zu wirklich guten Ergebnissen zu kommen, CO2 dauerhaft zu speichern und lang auf den Flächen erhalten zu bleiben.
Ein wichtiger Aspekt für das Nachhaltigkeitsmanagement von Firmen ist der öffentliche Zugang zu diesem Wissen. Alle wissenschaftlichen Leitlinien und Dokumente stehen zum Download bereit, um Nachahmer zu ermutigen.
BW Zero: Qualitätssicherung und Kommunikation
Um Firmen auszuzeichnen, die eine umfassende Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, wurde 2025 das Label BW Zero eingeführt. Es unterscheidet sich von vielen anderen Siegeln durch seine Transparenz und die unabhängige Prüfung.
Kandidaten für das Label müssen nachweisen, welche Maßnahmen sie bereits zur Emissionsreduktion ergriffen haben und welche Ziele sie für die Zukunft verfolgen. Als Beispiel wird die Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg genannt, die ihren Strombedarf durch enorme Rechnerkapazitäten bereits um 36 Prozent senken konnte und bis 2030 eine Reduktion um insgesamt 62 Prozent anstrebt.
Lösungen für die Praxis: Die Naturprämie
Für Unternehmen ist es wichtig, ihre Spenden und ihr Engagement rechtssicher und attraktiv kommunizieren zu können. Die Stiftung bietet hierfür die sogenannte Naturprämie an. Diese Urkunde bescheinigt nicht nur die CO2-Bindung, sondern auch die positiven Effekte auf die Biodiversität.
Um den administrativen Aufwand für Firmen gering zu halten, stellt die Stiftung maßgeschneiderte Textbausteine für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Verfügung. Dies erleichtert es besonders berichtspflichtigen Unternehmen, ihre Fortschritte professionell darzustellen.
Zudem fördert die Stiftung das direkte Erleben von Klimaschutz. Durch Mitmachaktionen, wie zB dem Bau von Quartieren für Mauswiesel oder Ansitzstangen für Greifvögel auf Streuobstwiesen, wird ökologisches Wissen greifbar.
Herausforderungen für Innovationsteams
Trotz der positiven Entwicklungen gibt es Hürden. Julia Kovar beobachtet eine gewisse Delle in der öffentlichen Aufmerksamkeit für den Klimaschutz, bedingt durch politische Verschiebungen. Innovationsteams müssen dieser Entwicklung entgegenwirken, indem sie den Fokus auf die Zukunftsfähigkeit und den wirtschaftlichen Nutzen von Nachhaltigkeit legen.
Ein weiteres Problem ist der Wettbewerb mit privaten Anbietern, die oft mit mehr Personal und Ressourcen auftreten können. Die Stiftung begegnet dem durch hohe Qualität, Seriosität und eine Begegnung auf Augenhöhe mit den Unternehmen.
Fazit und Handlungsempfehlungen
Klimaschutz ist kein abstraktes Ziel mehr, sondern eine konkrete Gestaltungsaufgabe für jedes moderne Unternehmen. Der Übergang von einer reinen Kostenbetrachtung hin zu einer Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit ist der entscheidende Schritt für jede Innovation in diesem Bereich.
Drei Tipps für Innovationsteams, um vom Zuhören ins Machen zu kommen:
- Erstellen Sie eine präzise Treibhausgasbilanzierung. Dies ist die unverzichtbare Basis jeder Strategie, um Emissionsquellen zu identifizieren und messbare Reduktionsziele festzulegen.
- Integrieren Sie Klimaschutz in das Kern-Geschäftsmodell. Betrachten Sie Nachhaltigkeit nicht als Zusatzprojekt, sondern als Werkzeug zur Risikominimierung und zur Sicherung der zukünftigen Handlungsfähigkeit.
- Nutzen Sie regionale Synergien. Suchen Sie nach Möglichkeiten der Klimafinanzierung direkt vor Ihrer Haustür, um Mitarbeitende und Kunden durch greifbare, lokale Projekte mit dem Thema zu verbinden.
Mit dem Smart Innovation Podcast bietet Klaus Reichert eine gute Plattform, um über diese wichtigen Themen im Dialog zu bleiben und Innovationen enkeltauglich zu gestalten.
Links
- Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg
- Smart Innovation Podcast Episode 8 mit Julia Kovar
Transkript
Automatisch erzeugt, manuell bearbeitet
Julia Kovar: [00:00:00] Die werden es sicherlich in Zukunft schwieriger haben. Weil es letzten Endes zum heutigen Managementverständnis eines Unternehmens dazugehören muss, zu verstehen, was unternehmerische Nachhaltigkeits oder Klimaschutzstrategie bedeutet und was das eigentlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hat.
Es ist ja sehr, sehr wichtig, es zu begreifen, dass nicht nur ein Unternehmen als solches sozusagen mit seinen Emissionen dass es produziert, Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat. Sondern eben auch der Klimawandel in die andere Richtung wirkt. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das, was ein Unternehmen in Zukunft tun kann.
Also denken wir nur an die Unternehmen, die eben große Lieferketten haben. Die zum Beispiel, sagen wir jetzt mal, in der Lebensmittel… Industrie, in der Ernährungssicherung unterwegs [00:01:00] sind. Da ist uns sofort klar, der Klimawandel hat eine Auswirkung darauf. Und wenn man nicht damit umgeht und das sozusagen auch als Risiko einpreist und eine Strategie sich erschafft, wie man sozusagen in Zukunft überlebensfähig sein möchte. Und als Unternehmen funktionieren möchte, dann versteht man eben relativ schnell, dass das zu Schwierigkeiten führt.
Klaus Reichert: Innovation entwerfen und Zukunft einfach machen.
Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer Business Coach und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.
Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden [00:02:00] hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.
Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.
Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.
Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts.
Intro
Klaus Reichert: Wir unterhalten uns über die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, die seit 2021 am Start ist. Wir sprechen über Fortschritte, wir sprechen über Projekte, wir sprechen über [00:03:00] Themen, die aufgekommen sind in den letzten fünf Jahren.
Ich freue mich sehr darüber, dass Julia Kovar, sie ist die Leiterin dieser Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg heute im Gespräch mit mir ist. Sie verantwortet den Aufbau, die strategische Positionierung und die Ausrichtung der Stiftung.
Hallo Julia, schön, dass du mit dabei bist.
Julia Kovar: Ich freue mich sehr, da zu sein. Vielen Dank.
Klaus Reichert: Julia, wir müssen ja dazu sagen, und das werden wir auch verlinken natürlich in den Shownotes, du warst eine meiner ersten Gesprächspartnerinnen im Podcast in Episode 8. Nochmal vielen Dank dafür und vor allem vielen Dank für das Vertrauen das du damals auch in das Thema Podcast, in das Thema Smart Innovation, in mich dann auch hattest.
Julia Kovar: Ja, das kam ja auch gar nicht von ungefähr, weil ich ja selber mal einen Podcast gemacht habe, tatsächlich in meiner Funktion davor. Und als wir gesprochen haben, 2021, da hatte ich ja diesen [00:04:00] Job bei der Klimaschutzstiftung gerade noch relativ frisch angefangen. Und davor war ich Kommunikationschefin der BW-Stiftung, unserer Mutterstiftung und hatte da auch einen Podcast für die BW-Stiftung gemacht.
Und deshalb liebe ich das Format so sehr und war dann auch gleich dabei.
Klaus Reichert: Ja, Podcast ist auch so etwas, wo man natürlich erstmal sagen kann, ja klar, das ist Radio on Demand, man kann das dann hören, wenn man Zeit hat, wenn man Lust hat und muss nicht auf das Programm achten. Man kann sich die Themen aussuchen, es gibt eine Million Podcasts auf der ganzen Welt, also sehr, sehr vielfältig und schön, dass wir sozusagen dann auch unter Kollegen eben miteinander sprechen, dass du da ein gutes Verständnis für das Thema hast. Ja ich glaube, ich wollte früher auch mal zum Radio gehen. Ich bin nicht ganz sicher, man macht ja dann auch so im Laufe der Zeit von Kindheit, Jugendlichen so verschiedene Themen durch und verändert sich ja da mit der Zeit auch zum Glück.
Julia Kovar: Das stimmt, das stimmt.
Start in Corona
Klaus Reichert: Ja, du jetzt, [00:05:00] was heißt damals, vor fünf Jahren circa, hast du angefangen bei der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg.
Damals wie wir uns unterhalten haben, war das Ganze am Start. Das war mitten in Corona, das war sicher auch nicht so ganz ohne. Wie hast du das jetzt so in Erinnerung wie das damals losgegangen ist?
Julia Kovar: Ja, also ich muss mich da schon echt, muss ich auch sagen, ein bisschen anstrengen, mich zurückzuerinnern, wie sich das so angefühlt hat in der Anfangszeit.
Weil es war natürlich zum einen Pionierarbeit, es ging um den Aufbau einer ganz neu gegründeten Stiftung. Wir waren am Anfang zu zweit, eine Kollegin und ich. Jetzt sind wir mittlerweile zu sechst. Und es war schon, wenn man sich zurückerinnert, tatsächlich eine komische [00:06:00] Zeit. Weil du hattest eine Aufgabe, die völlig neu war, ein Thema, das für mich persönlich auch relativ neu war.
Wir wollten natürlich so schnell wie möglich ganz, ganz viel bewegen. Aber das war einfach auch ein Stück weit ausgebremst durch die Situation, wie sie eben war zu der Zeit. Wir waren alle vollständig zu Hause im Homeoffice. Also es gab natürlich auch überhaupt nicht… den persönlichen Kontakt, der natürlich auch sehr gut tut, wenn man so eine neue Sache aufbaut, sich mit Menschen zu treffen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Es ging natürlich alles nur über die virtuellen und digitalen Wege. Und zum Glück ist das heute anders und wir können ganz anders operieren und natürlich jetzt auch als Team ganz, ganz anders zusammenkommen heute.
Und ja, es ist schon verrückt weil es waren eigentlich [00:07:00] jetzt fünf Jahre, die auf der einen Seite super schnell vergangen sind. Aber wenn man sich dann überlegt, was man… Was man erreicht und geschaffen hat in der Zeit, dann war es jetzt doch echt auch eine Menge.
Klaus Reichert: Ja, das war natürlich für viele Menschen sehr, sehr schwierige Zeiten.
Gerade auch eben, wenn man neu zusammen anfängt zu arbeiten. Ihr habt es sehr gut hinbekommen. Das muss man ja auch sagen, darf man nicht vergessen. Das hat ja auch den Vorteil, dass man sich dann so ein bisschen vielleicht zusammenreißt oder extra Mühe gibt, um dann eben da bestimmte Dinge doch zu überwinden.
Und ja, sich zum Beispiel trotzdem besser kennenzulernen als Kolleginnen, obwohl man ja eben nicht zusammensetzt und nur sich per Zoom dann trifft.
Julia Kovar: Ja, das stimmt.
Agil trotz Distanz
Julia Kovar: Das hat vielleicht auch dazu geführt, dass man wirklich von Anfang an so einen relativ kreativen Teamspirit entwickelt hat, weil wir uns halt wirklich fragen mussten, okay, wie kommen wir jetzt eigentlich gut voran auch [00:08:00] unter diesen Rahmenbedingungen, mit denen wir jetzt halt arbeiten müssen.
Ja, wir können uns mit keinen Menschen treffen und die persönlich jetzt sozusagen auch von uns überzeugen oder irgendwie richtig reinholen in die Klimaschutzstiftung, wir müssen andere Wege finden. Und die haben wir uns auch relativ schnell eben erschlossen. Ich erinnere mich noch, wir hatten dann, es muss so Mitte 2021 gewesen sein, einen virtuellen Workshop veranstaltet, wo wir Bildungsexpertinnen und Experten zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, Bildung zum Klimaschutz aus dem ganzen Land eben in einem virtuellen Format zusammengebracht haben.
Und fast den ganzen Tag begleitet durch Fachleute dabei, dann eben auch digitales Format ausprobiert haben, wie man gut zu einem Ergebnis kommt und diese Ergebnisse eben auch festhält. Und ich glaube, das hat [00:09:00] uns schon dazu gebracht, da sehr agil zu sein. Da bin ich jetzt auch die Person dafür. Ich bin auch gerne agil und kreativ.
Und so habe ich mir im Übrigen auch, würde ich sagen, das Team zusammengesucht. Dass wir uns mit unseren einzelnen Stärken, die wir so haben, aber eben auch super ergänzen, dass sich jeder einbringen kann und jeder irgendwie und jede, die bei uns im Team ist, eigentlich sprüht vor Energie und eben dem Willen etwas zu bewegen.
Und das ist ja letzten Endes das, worum es auch geht im Klimaschutz, dass wir alle da unseren Teil dazu beitragen müssen.
Klaus Reichert: Ja, das hört sich richtig gut an. Sowas aufzubauen ist ja gar nicht einfach. Auf der anderen Seite ihr hattet jetzt ein bisschen Zeit sozusagen auch was zu machen und zusammen quasi etwas zu [00:10:00] wuppen. Ich würde gerne auf die Projekte und Ergebnisse und so weiter gleich zurückkommen.
Klimaschutz im Diskurs
Klaus Reichert: Aber mir ist vorher noch eine andere Frage eingefallen. Du hast es gerade angesprochen. Klimaschutz braucht dieses Engagement. Klimaschutz braucht eben auch kreative Ideen, braucht Menschen, die sich das quasi vorantreiben.
Jetzt hört man so in der letzten Zeit immer wieder, dass Nachhaltigkeit, Klimaschutz im Moment keine Rolle spielt oder keine Rolle mehr spielt. Andere Themen sind zumindest in der Öffentlichkeit nach vorne gekommen. Ich bin ja nicht der Meinung, dass es so ist. Ich denke halt einfach, da hat sich ein Thema jetzt langsam etabliert, das wurde normaler. Es geht immer weiter. Es ist ein Thema, das uns alle irgendwie bewegt. Und es ist halt nicht mehr ganz so neu und sexy. Aber es ist etwas, was quasi schon eine Bewegung ins Rollen gebracht hat. Wie siehst du das denn?
Julia Kovar: [00:11:00] Ich würde auch nicht davon sprechen, dass Klimaschutz oder Nachhaltigkeit keine Rolle mehr spielen oder irgendwie untergegangen sind.
Also es ist aber ein Shift, glaube ich in der Bedeutung, die wir dem Thema beimessen. Also ich glaube, das kann man nicht von der Hand weisen, dass natürlich politische Verschiebungen von Prioritäten letzten Endes auch dazu führen, wie Themen in der Öffentlichkeit wahrgenommen, diskutiert, werden und dann letzten Endes ja auch in den Sektoren, in denen wir Veränderung voranbringen müssen, um Klimaschutz zu erzielen, vielleicht nicht mehr so vorrangig behandelt werden, wie das sonst In den Jahren davor der Fall war. Also das ist schon so.
Wir sprechen ja ganz, ganz viel [00:12:00] mit Unternehmen in der Klimaschutzstiftung weil Unternehmen eine wichtige Zielgruppe sind von uns. Und natürlich bestätigen uns da auch viele Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Manager genau dieses Bild. Dass natürlich für sie persönlich, das Thema nicht an Bedeutung verliert und im Prinzip auch sozusagen bis in die Vorstandsebene klar ist, dass Veränderung nötig ist. Teilweise der Geschäftsmodelle, also bis rein in die Geschäftsmodelle, wie wir arbeiten und wofür wir arbeiten. Damit gewisse Industriezweige einfach auch noch in ein paar Jahren Bestand haben. Aber es lässt sich halt nicht von der Hand weisen, dass sowas ja den gewissen Drall verliert, wenn es eben als Thema nicht mehr so diskutiert wird in der [00:13:00] Öffentlichkeit wie das vorher der Fall war.
Und ich glaube, das ist jetzt einfach eine gewisse Delle vielleicht, mit der wir gerade umgehen müssen. Bin aber auch überzeugt dass sich das wieder ändern wird. Und es ist halt so, im Großen und Ganzen ist es ja glaube ich so, auch wenn man jetzt… sich anguckt, was sozusagen auf Seiten der EU-Regulierung oder der EU-Zielsetzung passiert.
Gott sei Dank die großen Ziele, auf die wir ja hinarbeiten, Klimaneutralitätsziele, jetzt egal, ob das in Deutschland oder der EU ist, ja zum Glück bislang auch nicht verschoben worden sind. Darauf gilt es sich halt weiter gemeinsam einzuschwören und jeder muss seinen Beitrag dafür leisten.
Klaus Reichert: Was ich jetzt gerade aber auch raushöre ist, du hast gesagt, eben du sprichst mit Nachhaltigkeitsmanager und [00:14:00] Managerinnen.
Und ich behaupte jetzt einfach mal, vor zehn Jahren gab es noch keinen Nachhaltigkeitsmanager. Das heißt also, das meine ich eben mit dem großen Fortschritt, der Bewegung, die entstanden ist. Und das mag zwar sein, dass es eben so aus der Aufmerksamkeit so ein bisschen raus ist, aber es ist jetzt quasi auch auf der Arbeitsebene angekommen und es passiert was.
Es kann was passieren, es passiert ernsthaft was. Und da muss ich sagen, bin ich auch sehr froh darüber.
Julia Kovar: Ja, das ist natürlich richtig.
Unternehmen als Hebel
Julia Kovar: Man muss aber schon auch sagen, diejenigen Unternehmen, die jetzt … Da natürlich niemanden haben, der sich dezidiert darum kümmert. Und da sind wir jetzt mal ehrlich, da gibt es immer noch sehr viele.
Die werden es sicherlich in Zukunft schwieriger haben. Weil es letzten Endes zum heutigen Managementverständnis eines Unternehmens dazugehören muss, zu [00:15:00] verstehen, was unternehmerische Nachhaltigkeits oder Klimaschutzstrategie bedeutet und was das eigentlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hat.
Fortsetzung in Vorbereitung.
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Unternehmerischer Klimaschutz, BW Zero, Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, Nachhaltigkeitsstrategie Unternehmen, Innovation, Klimaschutz, Know-How Transfer

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