In Episode 155 des Smart Innovation Podcast hatte ich Johannes Laible zu Gast. Er betreibt einen kleinen Fachverlag für Baumagazine am Bodensee und beweist eindrucksvoll, dass Größe nicht entscheidend ist, um am Markt etwas Besonderes zu schaffen. Hier sind die wichtigsten Insights und Erkenntnisse aus unserem Gespräch über Nischenstrategien, Agilität und den Mut zum „Herzensthema“.
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Insights & Erkenntnisse
Die Nische als Schutzschild: Fliegen unter dem Radar
Johannes Laible hat sich auf „kleine Trends in der Nische“ spezialisiert, die für große Verlage oft wirtschaftlich uninteressant wirken.
- Strategischer Vorteil: Durch die Konzentration auf Nischen kann er „unter dem Radar“ agieren, ohne direkte Konkurrenz durch Großverlage befürchten zu müssen.
- Beispiel Passivhaus: Bereits vor 20 Jahren besetzte er dieses Thema, als es noch eine reine „Graswurzelbewegung“ ohne staatliche Förderprogramme war.
- Beispiel Denkmalsanierung: Hier verbindet er Nutzwert (Steuervorteile) mit der Leidenschaft der „Liebhaber“ für Baugeschichte.
Agilität durch Netzwerk: Schlank, aber schlagkräftig
Obwohl Johannes im Prinzip ein Ein-Mann-Unternehmen führt, agiert er als voll funktionsfähiger Verlag.
- Organisation: Er arbeitet mit einem stabilen Netzwerk aus freien Fachleuten für Lektorat, Grafik und Anzeigenverkauf zusammen – teilweise seit über 20 Jahren.
- Flexibilität: Diese Struktur macht ihn „super wendig“, wodurch er extrem schnell auf neue Entwicklungen reagieren kann.
- Präsenz: Trotz der geringen Größe sind seine Magazine im Bahnhofsbuchhandel, bei Amazon und über jede Buchhandlung erhältlich.
Realitätscheck statt Hochglanz-Romantik
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg seiner Magazine wie „kleiner wohnen“ ist die fachliche Tiefe.
- Fakten statt Träumerei: Während Publikumsmedien Tiny Houses oft romantisiert an Seen zeigen, thematisiert sein Magazin die harte Realität: Baugenehmigungsverfahren, Bauphysik und sogar Schimmelrisiken.
- Glaubwürdigkeit: Dieser seriöse Ansatz erdet das Thema und macht das Magazin zur unverzichtbaren Anlaufstelle für die Community und Werbekunden.
Die Wirtschaftlichkeit der Leidenschaft
Nicht jedes wichtige Thema ist automatisch ein gutes Geschäftsmodell.
- Der „Business Case“-Filter: Johannes prüft bei jedem Trend in der Nische, ob der Anzeigenmarkt groß genug ist. Ein Magazin über „klimafreundliche Privatgärten“ scheiterte bisher beispielsweise am zu regionalen Fokus der Anbieter.
- Mut zum „One-Shot“: Beim Thema Schwammstadt (klimaresiliente Stadtplanung) entschied er sich trotz geringem Anzeigenmarkt für eine einmalige Spezialausgabe – aus purer Überzeugung für die Relevanz des Themas.
Erkenntnisse zur Digitalisierung
Der Wandel vom Print zum Digitalen ist auch für Spezialverlage zäh.
- Haptik gewinnt: Trotz E-Paper-Angeboten seit 10 Jahren machen digitale Verkäufe nur etwa 10 % der Printauflage aus. Besonders Magazine werden laut Laible lieber „durchgeblättert“ als am Bildschirm gelesen.
- KI als Chance: Eine spannende Zukunftsvision ist der Einsatz von KI, um jahrzehntealte Verlagsarchive für spezifische Leserfragen (z. B. zu Feuchtigkeitsproblemen im Denkmal) durchsuchbar zu machen.
Mein Fazit als Innovationscoach
Johannes Laible zeigt, dass Smart Innovation bedeutet, klassische Werte wie persönliche Kundennähe und tiefes Fachwissen mit einer modernen, agilen Organisationsform zu kombinieren. Er besetzt die Themen der Zukunft nicht, weil sie „hip“ sind, sondern weil er für sie brennt und ihren Nutzen für die Gesellschaft erkennt.
„Smart Innovation“-Checkliste für Nischen-Publisher und Solopreneure
Die Dos: So landen Sie in der Erfolgsnische
- Suchen Sie das „Radar-Loch“: Konzentrieren Sie sich auf Trends, die für große Verlage zu klein oder wirtschaftlich unbedeutend erscheinen, um direkten Konkurrenzdruck zu vermeiden.
- Bauen Sie ein stabiles Experten-Netzwerk: Koordinieren Sie ein festes Team aus freien Spezialisten (Grafik, Lektorat, Vertrieb), um die Professionalität eines Großverlags bei maximaler Flexibilität zu bieten.
- Netzwerken Sie mit Tiefgang: Engagieren Sie sich aktiv in Fachverbänden, um die „Ohr am Markt“ zu haben, Glaubwürdigkeit aufzubauen und erstklassige Autoren zu finden.
- Bieten Sie Fakten statt Fassade: Setzen Sie auf inhaltliche Tiefe und beantworten Sie die „unbequemen“ Fragen (z. B. Bauphysik oder Genehmigungsrecht), anstatt nur oberflächliche Lifestyle-Bilder zu liefern.
- Pflegen Sie den „analogen“ Kontakt: Nutzen Sie das Telefon und das persönliche Gespräch, um eine echte Bindung zu Werbekunden und Lesern aufzubauen – in einer digitalisierten Welt ist das ein echter Wettbewerbsvorteil.
- Prüfen Sie den Business Case hart: Stellen Sie vor jedem Projekt sicher, dass der Anzeigenmarkt groß genug ist, um das Thema wirtschaftlich tragen zu können.
Die Don’ts: Diese Stolperfallen sollten Sie meiden
- Keine Angst vor der „Schwere“: Glauben Sie nicht, dass man groß und schwerfällig sein muss, um komplexe Medienprojekte erfolgreich zu stemmen.
- Vorsicht vor dem „schnellen Geld“: Springen Sie nicht auf Trends auf, für die Sie keine Leidenschaft oder fachliche Basis haben – Glaubwürdigkeit lässt sich nicht kurzfristig kaufen.
- Unterschätzen Sie den „Digital-Fehler“ nicht: Seien Sie realistisch bei der Monetarisierung digitaler Inhalte und kalkulieren Sie die weit verbreitete Gratis-Mentalität im Netz ein.
- Verlieren Sie Ihr „Herzblut“ nicht: Auch wenn die Wirtschaftlichkeit zählt, braucht es manchmal den Mut zum „One-Shot“ für Themen, die gesellschaftlich relevant und Ihnen persönlich wichtig sind.
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Details
Innovation, leane Organisation, Spezialverlag, Trends in der Nische, Nischenstrategie, Content-Monetarisierung, Zukunft des Fachverlags, Schwammstadt, Bau, Städtebau, Bodensee

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