Sven Schmidt-Rohr über sensoradaptive Robotik & eine Skizze für das vollständige digitale Unternehmen

In der 40. Episode des Smart Innovation Podcast ist Dr. Sven Schmidt-Rohr von Artiminds Robotik mein Gesprächspartner. Wir unterhalten uns über sensoradaptive Robotik und eine Skizze für das vollständige digitale Unternehmen.

Sven Schmidt-Rohr
(c) Artiminds

Dr. Sven Schmidt-Rohr hat 10 Jahre im Bereich intelligente Serviceroboter am Karlsruher Institut für Technologie KIT geforscht. Er ist seit 2013 Mitgründer und CEO von ArtiMinds Robotics in Karlsruhe.

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Transkript

Das Transkript wurde aktuell manuell erstellt.

Klaus Reichert: Mein Gesprächspartner heute ist Doktor Sven Schmidt-Rohr, er ist Mitgründer und CEO von ArtiMinds Robotics in Karlsruhe. Nach zehn Jahren Forschung im Bereich intelligente Serviceroboter am KIT, dem Karlsruher Institut für Technologie, hat er zusammen mit seinem Mitgründer 2013 ArtiMinds Robotics gegründet. Auf die Anfänge und auf die vielfältigen Entwicklungen im Bereich Robotic werden wir jetzt auch gleich eingehen. Ich bin schon sehr gespannt auf unser Gespräch, willkommen, Sven, heute hier im Smart Innovation Podcast.

Sven Schmidt-Rohr: Ja, vielen Dank, Klaus, für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier ein bisschen über die spannenden Zukunfts- und auch Gegenwartsthemen reden zu können.

Klaus Reichert: Ja, du, wir wollen ja auch so verschiedene Schritte jetzt machen in unserem Gespräch, also am Ende wollen wir schon auch drauf eingehen, wie denn sozusagen ein digitalisiertes Unternehmen denn auch ausschaut. Da hast du ja auch einige Ideen dazu, wie sowas dann im Zusammenhang dann natürlich auch in der Produktion mit Robotic eben ausschaut, aber ich würde gern einstiegen mit dem Thema Robotic, wie es für dich angefangen hat. Wie hat es bei dir angefangen, wie kamst du zu dem Thema?

Sven Schmidt-Rohr: Ich kam natürlich, wie es oft so ist, wenn man dann sowas macht, als Kind schon dazu. Also wirklich schon im Grundschulalter habe ich da Lego-Roboter gehabt, kleine und habe viele Roboter gezeichnet. Und war immer natürlich nicht das Einzige, als Kind geht das ja auch immer hin und her, aber dann auch als Jugendlicher kam das auch nochmal wieder groß zurück und dann war natürlich irgendwann das Thema Programmierung bei mir dann so in den Teenager-Jahren ein ganz heißes Thema. Und mich hat dann aber fasziniert eben Programmierung von Maschinen, die direkt mit der echten Welt interagieren. Also nicht einfach nur da irgendwie im Computer über Monitortastatur, sondern halt eigentlich Systeme über Sensoren und Aktoren, also Motoreninteragieren, das hat mich fasziniert. Und das war dann Ende Teenager und dann war der Berufswunsch dann klar in der Abizeit dann, war da dann final gesetzt, also war dann alles drauf ausgerichtet, das ich dann mal Robotic mache und das Studium auch entsprechend gewählt.

Klaus Reichert: Also ein Laser-scharfer Fokus auf Robotic?

Sven Schmidt-Rohr: Ab Teenager, ja, so ab, ich sage mal, 15, 16. Vorher waren natürlich tatsächlich schon noch ein paar andere Sachen auch immer mal wieder, aber ab dann war es eigentlich klar für mich.

Klaus Reichert: Der totale Nerd eigentlich, oder?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, kann man schon so sagen, ja. Aber eben wichtig, immer mit der echten Welt noch eben. Nicht nur einfach Netzwerke, nur am Computer, sondern das hat mich eben immer fasziniert, dass das Systeme sind, die berechnen Sachen im Computer, aber interagieren direkt mit der physischen Welt eben dann.

Klaus Reichert: Ja, das ist ja eigentlich auch das Spannende, was man auch so normalerweise als normaler Mensch eben nicht mitbekommt, ja. Jeder hat einen Computer, ein Smartphone, irgendwas, man benutzt Apps, man streamt irgendwas, man hat doch sehr viel Kontakt zu Software, ja. Aber dieses Thema Robotic ist etwas, was in einem Fabrikationsbetrieb zum Beispiel stattfindet, in einer Logistikanlage oder so. Und da haben eben viele Leute keinen Zugriff drauf, deswegen ist es für viele auch nicht so ganz vorstellbar, wenn man nicht direkt damit arbeitet. Aber du hast also schon sehr früh Kontakt dazu gehabt, dir war es wichtig quasi dieses reale Ding zu haben. Und es ging für dich ja dann auch weiter, dass du dann am KIT deine Doktorarbeit zum Thema Robotic gemacht hast, wenn ich das richtig verstanden habe.

Sven Schmidt-Rohr: Also ich habe dann gleich im Vordiplom mich dann auch, natürlich musste man da erst mal so die grundlegende Matheprüfung machen, das war immer so der Filter und danach im ersten Jahr, anderthalb Jahren, konnte man sich dann da richtig vertiefen. Und da habe ich mir dann gleichen einen Hiwi-Job gesucht an einem führenden Robotic-Institut, also noch im Vordiplom sogar noch, damals war es ja noch Diplom, um dann da mit anspruchsvollen Systemen, ich hatte vorher auch schon Lego-Roboter und so, da gab es ja damals schon die Ersten um die Jahrtausendwende, mit Computer auch drin, aber dann mit richtigen führenden sozusagen Roboterarmen, Händen, also einer, der dann schon Menschen ähnlich ist, zu arbeiten. Und das konnte ich dann ab 2002 tatsächlich dort tun. Der steht auch jetzt bei uns hier im Büro als Museumsstück. Vor 20 Jahren habe ich mit dem angefangen, also so ein menschengroßer mit einem Arm und so Augen und so. Und, ja, das war dann ganz toll. Und dann ging es natürlich, auch natürlich Forschung machen, also promovieren, Postdoc und den Weg, aber, ja, dann auch irgendwie das wieder in industrielle Anwendung zu bringen. Da habe ich auch schon immer die Augen offen gehabt, auch während der Promotion und dann hat es sich halt irgendwann, auch Dank der genialen Kollegen und ein paar Chancen, dann ergeben.

Klaus Reichert: Ich meine, du hast es ja dann auch richtig gemacht, ja, du hast was gegründet mit zwei Co-Gründern. Wie kamt ihr da zusammen, was war sozusagen euer gemeinsamer, ja, der Punkt, der euch zusammengeschweißt hat?

Sven Schmidt-Rohr: Wir hatten bis zu dem Punkt, hatten wir ja schon, ich glaube, fünf Jahre gemeinsam am Lehrstuhl zusammengearbeitet. Und wenn man natürlich da mit vielen Leuten zusammenarbeitet über so einen langen Zeitraum, dann kristallisiert sich da manchmal heraus, wo man denkt, okay, mit den Leuten kann ich auch nochmal zehn Jahre oder 20 oder 30 sozusagen dann zusammen machen. Ja, so hat es sich eigentlich ergeben. Ja und das waren meine beiden Mitgründer, damals schon und natürlich heute sowieso extrem schätze aufgrund ihrer Zuverlässigkeit, ihrer technischen Genialität, gute Kommunikation, alles, was dazugehört. Und wenn das nicht wäre, dann hätten wir es natürlich durch die ganzen Herausforderungen jetzt auch nicht als Team bis heute zusammen ausgehalten. Und das hatte sich halt damals schon herauskristallisiert. Und ich glaube, das ist bei sowas immer ganz, ganz wichtig.

Klaus Reichert: Du hast ja grade gesagt, es ist wirklich wichtig, dass man sich gut versteht, das man sich ergänzt, dass man sich vertraut. Und da habt ihr ja echt Glück gehabt A) das ihr euch so getroffen habt, dass ihr euch quasi im Lehrstuhl kennenlernen konntet, über so eine lange Zeit und dass sich das irgendwie auch ergeben hat. Grade in Karlsruhe gibt es ja dann doch ein gutes Ökosystem sozusagen, mit dem man gut mit solchen Themen gründen kann, eben auch hier anfangen zu können, ja?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, natürlich, also hier so vom technischen Hintergrund ist das wirklich topp. Es fehlt halt manchmal so ein bisschen die Industrienähe. Wir hatten das zum Glück, der Lehrstuhl hat da sehr große, der Professor hat da einige Gruppen auch in verschiedenen Institutionen und da hatte man dann auch die Kontakte zur Industrie durchaus auch, das war auch wichtig, ja, also und technisch natürlich ganz stark. Aber, man muss natürlich trotz allem sagen, und das gilt natürlich nicht nur für das KIT, das natürlich der Graben zwischen Industrie und den akademischen Einrichtungen immer noch relativ groß ist, auch wenn es grade und natürlich von Seiten der Politik und durchaus auch der akademischen Einrichtungen da viele Bestrebungen gibt, den zu verkürzen. Das KIT hat ja dann auch über die Jahre immer mehr das Thema Innovationstransfer, Innovationszentrum gebracht. Also ich denke mal, schon auf akademischer Seite sind die Bemühungen da. Auf industrieller Seite sind sie zum Teil noch mehr ausbaufähig, glaube ich. Aber, ja, auch da tut sich was.

Klaus Reichert: Ja, grade bei so einem speziellen Thema beziehungsweise einem so Thema, das so viel Vernetzung braucht. Und was einfach für sich alleine, wenn da so ein Roboter nur rumsteht, der kann eigentlich erst mal gar nix, dem muss man einfach auch sehr viel sagen und der muss auch dann, vor allem die neueren Sachen, eben mit anderen zusammenarbeiten. Das ist ja nicht einfach nur dann so eine mechanische Sache, die dahintersteckt. Jetzt hast du gesagt, du hast das seit 2002 sozusagen, ist das Thema Robotic für dich sehr, sehr wichtig, also eigentlich schon seit Kindheitstagen. Da kennt man dann die klassischen Roboter aus Krieg der Sterne und sowas, die natürlich nicht so dem entsprechen, was man heute in Fabriken auch hat, aber es hat sich in der Zeit ja viel getan. Kannst du uns so ganz kurz mal so ein paar Meilensteine nennen in dieser Robotic-Entwicklung? Was waren da so die großen Schritte, die es da gab, die du so erlebt hast?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, also so wirklich so wirklich Sprünge gibt es da eigentlich selten, Robotic unv. #00:10:00-0# darunter Komplexität, die du grade mit Recht angesprochen hast, zeichnet es sich ja auch aus, dass es halt doch eher kontinuierlich und über lange Zeiträume sich bewegt, weil halt so viel zusammenspielen muss dann. Aber man muss schon die zwei Themen jetzt, grad wenn man mal jetzt Industrie-Robotic sieht, oder drei Hauptthemen fallen mir direkt ein, das sind mal die Sensoren wirklich. Grad in Industrie-Robotic haben die vor 20 Jahren nur eine ganz untergeordnete Rolle gespielt. Und heutzutage, sind natürlich zuerst in die 2D-Kameras gekommen, aber jetzt auch eben Kraft-Moment-Sensoren, 3D-Tiefenbildkameras und Laserscanner, die 3D sehen und fühlen, dass die doch in immer mehr Einsatzfeldern jetzt wirklich eine Rolle spielen. Das ist eine ganz entscheidende Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten. Das zweite ist Mobilität durchaus auch, also diese mobilen Roboter und dann teilweise auch Arme auf mobilen Robotern und wirklich auch in industriellen Anwendungen, da wirklich kommerziell eingesetzt werden im, sagen wir mal, im haushaltnahen Bereich, Pflege und so, diese Serviceroboter. Das ist immer noch sehr wenig, weil es technisch einfach noch schwieriger ist, aber im industriellen Bereich. Und das dritte halt, dass die Software eine Relevanz. Da hat jetzt echt lange gedauert, aber jetzt in der letzten Zeit dann doch ihren Raum sich da erarbeitet. Software, also wirklich, das ist eine Rolle und das nicht mehr die Mechanik das Entscheidende ist, sondern, sagen wir mal, in Richtung, zumindest mal fifty-fifty, einfach vom Wertschöpfungsanteil, von der Relevanz. Und das wird sich natürlich noch weiter verstärken und da ist jetzt der Umbruch auch mittlerweile spürbar. Also das sind so die Sachen, aber da ist jetzt nichts innerhalb von fünf Jahren passiert, das ist natürlich, das man wirklich in zehn, 20 Jahren sagt, da sind so die Horizonte, in denen die Verschiebung passiert, ja.

Klaus Reichert: Ja, man muss ja eigentlich auch ziemlich viel Geld anfassen, wenn man Robotic sozusagen einsetzt. Also mir ist das immer wieder in Autofabriken aufgefallen, wie stark zum Beispiel das Thema Robotic genau dort ist, wo es sehr aufwendig und auch gefährlicher ist, wo schwere Sachen zu bewegen sind. Also ich sage es mal im Karosserierohbau, da ist mittlerweile alles automatisiert. Wenn man da zu Daimler zum Beispiel geht, dann funktioniert das mehr oder weniger so, dass ein Mensch nur noch dazu kommt, um Kleinteile vielleicht nachzufüllen, ja, der Rest geht schon automatisch. Aber da, wo es dann an andere Dinge geht, wo der Mensch eben sehr viel mehr, sehr viel anpassender machen muss, da haben wir bisher noch nicht so ganz die Lösung. Aber da habt ihr was, da werden wir sicher gleich noch drauf zu sprechen kommen. Was mir nur auffällt ist, das hat sich eigentlich erst so die letzten zehn Jahre natürlich so entwickelt, dass es so vollautomatisch funktionieren kann, dass man diese Vorstellung der vollautomatischen Fertigung dann auch hat.

Sven Schmidt-Rohr: Ja, ist natürlich auch einerseits so, dass du mit Recht angesprochen hast, früher vor 15, 20 Jahren halt auch einzelne Roboterzellen, ich meine, da ging das Meiste erst bei 300.000 Euro los. Und dann natürlich die großen Roboter im Automobilbau, Karosserie, also Rohbau grade oder Lackieren, mit noch den Endeffektoren dann auch noch deutlich teurer. Und jetzt natürlich mittlerweile mit Cobots, aber nicht nur, auch mit kleinen nicht kollaborativen Robotern, da kann man sich dann auch mal wirklich was für, sagen wir mal all in, 50.000 wirklich hinstellen, ja. Was natürlich dann schon so in Richtung Faktor zehn weniger ist, das sind ja teilweise immer noch relativ einfache Aufgaben. Und dann ist natürlich das zweite, was du gesagt hast, das jetzt natürlich das Thema kommt da, diese Flexibilität von Menschen immer mehr nachzubilden, ja. Das, was eben, egal ob es jetzt eine 50.000- oder eine 500.000-Euro-Zelle ist, natürlich lange und auch heute immer noch dominiert, ist halt diese Starrheit. Dass halt die Bewegungen jeden Tag gleich sind, das die, wenn da irgendeine Abweichung irgendwie geometrisch passiert an den Teilen, die reinkomme oder irgendwie sich was verstellt oder irgendwie vielleicht auch an der Kamera zu viel Dunst da ist, zu viel Staub oder die Sonne mal falsch rein strahlt, dass dann das System steht. Und das dann einfach, wenn das steht, dann steht die Linie und dann wird es ganz schnell ganz teuer, und auch nicht nur im Automobil. Und das ist also dieses so, diese Flexibilität, diese Anpassungsfähigkeit über Sensorik, über mehr Software-Intelligenz nachzubilden, dann eben dann auch viele weitere Anwendungen auch erschließt, egal ob jetzt im 50.000- oder im 500.000-Euro-Zellenbereich.

Klaus Reichert: Also du hast dann ja schon diese kleineren Systeme angesprochen, die es dann auch mittelständischen Unternehmen eben ermöglicht, tatsächlich Roboter einzusetzen oder überhaupt mal darüber nachzudenken. Da gehört ja natürlich auch noch der Software-Teil mit dazu. Wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr ja auch angefangen mit dem Thema Software. Und zwar, ihr habt ja im Grunde das Problem gelöst, dass man als Unternehmen vielleicht auch mehrere Roboterhersteller im Einsatz hat. Und mit eurer Software konnte man alle im Grunde programmieren, wenn ich das richtig verstanden habe?

Sven Schmidt-Rohr: Genau, das ist ein sozusagen Aspekt, aber der andere eben ganz entscheidend bei uns, auch noch dieses Thema Sensoren. Das wir eben die Einbindung von Fühlen, also Kraft-Moment-Sensoren und grade auch 3D-Sehen, aber durchaus auch 2D-Sehen, also räumliches oder nur flächiges Sehen, dass wir das ganz massiv vereinfachen. Und das ist dann eben für die wichtigsten Hersteller dann ganz unabhängig, dass man sich dann nicht mit den technischen Details der Programmierung, Bedienung von denen rumschlagen muss. Mittlerweile haben wir auch sehr viel mit dem Thema jetzt Daten und wenn Sensoren genutzt werden, dann kann man mit den Daten auch noch spannende Sachen machen wie selbstständige Anpassung. Dass ist das, wo wir grade massiv dran sind.

Klaus Reichert: Da müssen wir uns auch gleich drüber unterhalten, weil, das ist ja quasi der aktuelle Stand der Technik oder sozusagen vorne dran am Stand der Technik. Wenn ich jetzt eure Lösung im Einsatz habe, brauch ich da spezielle Programmierkenntnisse, um dann diese Roboter zu bedienen? Also muss ich irgendwie Software-Creek sein oder reichen auch vielleicht einfachere Trainings?

Sven Schmidt-Rohr: Genau, das ist der Ansatz bei uns, das nennt man ja oft auch in Bereichen, die nicht mit Robotic zu tun haben, dann no-Code- oder Low-Code-Programmierung. Also das man keinen expliziten textuellen Code schreiben muss oder wenn, da nur ganz leichte Erweiterung. Wir decken eigentlich beides ab, indem wir graphische Programmierung, die auch sehr simpel genutzt werden kann, erlauben, wo man dann das einfach nur mit so Bausteinen zusammenklickt und graphisch verbindet. Und dann hat man einen Assistent, da kann man dann noch mit einer Anleitung den Roboter an der Stelle sozusagen führen und damit diese Bausteine parametrieren. Und unten draus generieren wir aber wirklich sehr umfangreiche Textprogramme, wie das ein Experte schreiben würde, für die Programmiersprachen der Hersteller, mit denen dann auch die kompliziertesten Funktionen, die für viele dieser Sensoransteuerung und Sensorreflektion nötig sind, um die dann zu nutzen, ohne das es irgendeine Modifikation benötigt, also wirklich die Standradschnittstellen vom Hersteller. Und dadurch dann eben sowohl das Qualifikationsniveau stark verringert werden als auch bei diesem anspruchsvolleren sensorbasierten Reflexen selbst für hochgradige Experten die Programmierzeiten trotzdem massiv verkürzt werden. Diese Experten können dann aber immer noch auch diese Programmierung textueller Erweitern, wenn sie es wollen. Das ist bei uns ganz wichtig, dass wir da also so komplette Flexibilität erlauben. Wenn man sagt, man möchte nur ganz einfache Sequenten zusammenklicken und kann sonst nichts oder man ist ein totaler Experte und möchte unsere, ich sage mal, Spezialfunktionalitäten für diese sensorbasierten Flexe nutzen, also für das rein fummeln oder was auf eine Sicht sozusagen adjustiert, irgendwo entlang bewegen. Aber das möchten wir nicht händisch, weil, das ist dann auch für einen absoluten Experten zu aufwendig, aber der hat irgendwelche anderen Spezialsachen, die er sich schon mal vor Jahren irgendwie zusammengebastelt hat, die möchte er dazu tun und das kann man bei uns. Und das ist eben in der Form für diese Art von Anwendung auch einmalig, dass wir da eben das Einfache auch mit dem anspruchsvollen Expertensachen beliebig kombinierbar machen. Und das ist für viele unserer Kunden sehr wichtig, weil die tatsächlich dann die Mischung auch oft haben. Grade die größeren Unternehmen haben dann sehr einfache Nutzer, die nicht so viel Erfahrung haben, die damit dann aber auch was machen können sollen. Dann haben sie einzelne Experten und die wollen dann aber in der Lage sein, auch beliebig ihre, sagen wir mal, irgendwelche Sachen von vor fünf Jahren, wo sie viel Herzblut reingesteckt haben, da irgendwie mit kombinieren zu können.

Klaus Reichert: Ja, das eröffnet aber gleichzeitig eben auch diese Nutzung in eben Unternehmen, die noch nicht so viel Erfahrung mit dem Thema haben, die damit vielleicht sogar erst anfangen wollen. Das macht natürlich den Schritt in die Robotic leichter.

Sven Schmidt-Rohr: Absolut, also wir haben wirklich produzierende Endkunden. Also das sind keine irgendwie Maschinen- oder Maurer oder Spezialistenintegratoren von 50 oder sogar noch ein paar weniger Mitarbeiter bis 500.000. Ja, also es ist da für alles möglich und, ja, die Kleinen können damit starten. Aber man darf es nicht unterschätzen, wie auch in den größeren Unternehmen, selbst die, wo man die 20.000 Roboter hampeln sieht sozusagen, die dann an irgendwelchen Stellen da trotzdem keine Leute haben, der Experte hat halt auch nur diese 40 Stunden in der Woche, ja. Also da gibt es sind noch ganz viele Stellen, auch bei größeren Unternehmen ist da auch ein Bedarf. Das heißt, das ist für das ganze Spektrum, für Mittelstand, für die Kleinsten, bis hin zu den Großen ist das ein relevantes Thema, Qualifikationsanforderung verringern und Zeitaufwand verringern in der Nutzung.

Klaus Reichert: Absolut, das es normal wird, dass man diese Dinge einfach nutzt und dass man dann flexibel eben damit umgehen kann. Jetzt hast du das Thema sensoradaptive Robotic angesprochen. Gibt uns doch mal ein kurzes Verständnis, was das genau ist und was dann vielleicht auch der Unterschied ist zu dem, was sozusagen bei nichtsensoradaptiven Robotern quasi der Nachteil ist.

Sven Schmidt-Rohr: Ja, jetzt stellen wir uns einfach vor, wir haben irgendwo einen Metallstab, was weiß ich, der 20 Zentimeter lang ist und der muss in irgendwelche Laschen eingepresst werden, ja oder aufgenommen wird, oder gar nicht mal gepresst, vielleicht nur eingelegt. Wenn es klassisch ist, die Laschen, die sind ganz genau auf, was weiß ich, im Maschinenbau, 10 Mikrometer oder 15 Mikrometer definiert, kommen sie aus der CNC-Fräse. In der klassischen Robotic kann jetzt der Metallstab, wenn das dann vielleicht auch noch ein bisschen Spiel hat, kann dann von einem Roboter fest programmiert, immer da reingelegt werden, eine Million Mal am Stück für irgendwelche eine Million Komponenten, die produziert werden. Jetzt stellt man sich vor, das ist kein fester Metallstab, sondern das ist so ein typisches Daten- oder Stromkabel, das vielleicht einen ähnlichen Durchmesser hat, 20 Zentimeter lang ist und das jetzt dann irgendwo aus einer Kiste, einer Vorrichtung kommt. Und das labert dann rum, wenn wir das mal so umgänglich sprachlich sagen. Und das ist heutzutage, wenn ein Roboter fest programmiert, da wird der nicht weit kommen, da wird der nicht mit umgehen können. Und jetzt kann Mensch, was macht der? Der Mensch sieht, wie das Kabel liegt, dadurch kann er seine Finger und seine Hand da ungefähr hinführen und dann packt er das und dann spürt er es, wie er es in der Hand hat und wie es labert und kann das dann mit reindrücken. Und damit kann er sozusagen, mit seinem Fühlen und seinen Fingern und sein Sehen von seinen Augen, kann der praktisch diese Lageänderung, dieses liegeschlaffe Teil halt immer haben, kann auch ständig, macht er auch grad, wenn es dann bewegt wird, ausgleichen. Und der Ansatz mit der sensoradaptiven Robotic ist jetzt, das genauso machen wie der Mensch. Also der Roboter hat einen Kraft-Momenten-Sensor dann in seinem Handgelenk, mit dem er dann leichteste Berührungen und Drücke dann in seinen Greifer, seinen Fingern spürt. Und er hat dann einen zum Beispiel Laserscanner oder eine Tiefenbildkamera, die sozusagen ein bisschen rauschend dann so die Umrisse von diesem Kabel erkennen kann. Und dann kann er praktisch mit seinen Augen, mit dieser 3D-Tiefenbildkamera oder Laser, erkennt er dann die Lage des Kabels im Raum. Das macht er nicht kontinuierlich wie ein Mensch, weil, da ist die Technik immer noch ein bisschen problematisch, aber er kann das immer mal wieder machen. Dann sieht er, wie es liegt, dann kann er dahin, dann kann er mit seinem Arm spüren, dass er es gut hat und es dann gut in diese Lasche dann euch einpressen, in dem er spürt, wenn das Kabel irgendwo an die Wand kommt. Und damit dann eben in der Lage sein, dieses schlaffe Teil ist nur ein Beispiel, es gibt halt auch andere geometrische Abweichungen bei starren Teilen jetzt, die leicht immer unterschiedlich von der Fertigung sind oder irgendwelche Grate, die von Produktionsschritten, von Bearbeitungsschritten übrigbleiben, das sind diverse Themen auch in der Oberflächenkantenbearbeitung, die da ganz relevant sind. Und dann kann der Roboter eben dann da flexibel auf diese Unterschiede in der Geometrie in den Teilen dann eingehen. Und damit dann das auch dann in einer Form lösen, wie es halt bisher mit dieser starren festen Programmierung, wenn er nichts sieht, also blind und nichts fühlt, wie er das da dann nicht machen konnte bisher.

Klaus Reichert: Wie weit ist der jetzt dann, ich sage mal, an der menschlichen Reaktion dran, an den menschlichen Möglichkeiten, solche Einschätzungen zu machen?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, das ist natürlich immer noch sehr lokale Flexibilität. Das heißt, also der hat dann sozusagen, weiß dann, okay, hier, da kann er so ein bisschen eine Suchbewegung machen, um das Kabel zu finden oder um es rein zu fummeln. Wenn jetzt plötzlich da ein Kabel da liegt, dass irgendwie plötzlich zwei Zwischensegmente hat und dreimal so großen Durchmesser, dann funktioniert es vielleicht schon nicht mehr, ja, so nach dem Motto. Das heißt also, so diese Generalisierungsfähigkeit und dann nochmal wirklich die Aufgabe ganz anders anzugehen, das ist noch ein Thema, das tatsächlich noch nicht Stand der kommerziellen Technik ist. Wobei das Sachen, da viele dran forschen und wir in unserem Inno-Lap auch. Das heißt, das Thema, diese Generalisierungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit auf immer größere Unterschiede in der Aufgabe, ohne dass es vorher schon sozusagen eingelernt wurde. Das ist eine Sache, die im Moment läuft, bei uns und bei anderen. Und da sind auch viele Fortschritte zu machen, aber da geht es auch voran.

Klaus Reichert: Da spielen dann sicher auch diese Daten, die erfasst werden und genutzt werden können und verbunden werden miteinander, eine Rolle, um hier dazuzulernen.

Sven Schmidt-Rohr: Ja, genau, absolut, da kann man dann eben Daten sammeln. Also wenn man jetzt zum Beispiel sagt, okay, der Roboter presst dann das Kabel da in die Lasche und stößt ein bisschen an der Wand an, dann kann da gemessen werden, wo er dann geometrisch dann war und was für Kräfte gemessen wurden. Und das kann dann in hohen Abtastraten abgespeichert werden, also so typisch sind 250-mal in der Sekunde, ja. Also da hat man dann auch zeitlich eine gute Auflösung von diesen Daten. Und daraus kann dann eben, wenn man das über 100 oder über 1.000 oder noch mehr Zyklen dann eben sammelt, kann man dann entweder bei einfachen Sachen mit statistischen Verfahren dann eben sowas berechnen, wie optimalere Anrückbewegung oder optimalere Kraftpunkte, wo man aufhört zu drücken als Roboter. Und dann, wenn es kompliziertere Zusammenhänge sind, dann ist maschinelles Lernen mit künstlichen neuronalen Netzen nötig, dass dann diese komplizierteren Zusammenhänge abbilden kann. Und dann geht es so langsam in Richtung wirklich rudimentäre menschliche Intelligenz. Das Einfache haben wir mittlerweile auch kommerzialisiert. Also großräumigeres Lernen in einfachen Formen haben wir tatsächlich seit letztem Jahr jetzt. Und mit den neuronalen Netzen, da haben wir viel entwickelt in den letzten, ja, drei, vier Jahren. Da wird es wohl Ende dieses Jahres tatsächlich ins kommerzielle Produkt gehen, die ersten Sachen in die Richtung, das auch noch wirklich aber dann auch noch industrielle Tauglichkeit. Da Sachen, die dann Zusammenhänge von Kraft und Anrückbewegung und Beschleunigungsprofil, dass der Roboter einfach wie ein Mensch dann lernt, handwerklich das wirklich, auch kompliziertere Sachen, elegant besser zu machen über einen längeren Zeitraum, also über viele, ich sage mal, Produktionsschritte, genauso lernt das System das dann auch. Und da ist man dann auch in der Lage, dass der Roboter sich noch an kompliziertere und großräumigere Veränderungen wirklich selbstständig anpasst, ohne dass das manuell irgendwie nachgesteuert werden muss.

Klaus Reichert: Ja, jetzt ist dieser Roboter ja auch nicht für sich in so einer Produktion, unter Umständen hat der 100e, viele Roboter und sonstige automatisierten Kollegen und Kolleginnen. Da gibt es ja, ich sage mal, im Industrie-4.0-Umfeld sehr viele Schnittstellenstandards und so weiter. Wie passt ihr da dazu, wie passt diese auch Datenerfassung über diese sensoradaptive Robotic da dazu?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, da muss man tatsächlich sagen, so einen richtigen Standard, der sich da durchsetzt als Betriebssystem auf dem Shopfloor, den gibt es noch nicht, ja. Also es gibt natürlich so diese Industrie-4.0-Plattform, die dann irgendwo so halb in der Cloud schweben. Aber da muss man ganz ehrlich sagen, das diese IT-Welt bei dem Vorstoß in Richtung, was man immer OT, Operating Technology, also sozusagen eigentlich an der Linie, wo auch wirklich eigentlich mehr die Hardware schon noch im Zentrum steht, auch von den Menschen, die dieses Teil einrichten, überwachen und so. Das sind ja dann oft Maschinenbauer oder Maschinenbautechniker oder Mechatroniker, das tatsächlich da nicht so vorangekommen, wie man das vielleicht vor zehn Jahren, als das Industrie 4,0 ausgerufen wurde, ja, propagiert hat, also grade nicht bei solchen Sachen. Da gibt es jetzt aber von einigen der namhaften Player halt doch neue Ansätze, sagen wir mal, maschinennähere Software-Betriebssysteme, die dann wirklich auch in der Linie dieses, genau, was du gesagt hast, alles verbinden, wirklich voranzutreiben, zu standardisieren. Mit allem drum und dran, mit wirklich App-Store, wo man dann Sachen runterladen kann. Und einer sehr vielfältigen Möglichkeit auf welchen Rechner, Computersystemen das läuft, wie die vernetzt sind, das alles zu organisieren, so Managing-Software. Also eigentlich schon wirklich ein Betriebssystem für die Linie, dass dann auch explizit nicht Cloud ist, sondern mit der Cloud interagieren kann oder da ein paar Sachen, ich sage mal, ein Market Place von Apps ist natürlich dann Cloud. Da gibt es Sachen, mit denen arbeiten wir zusammen. Das sind tatsächlich teilweise Sachen, da darf ich nicht drüber reden, also mehr in des unterschrieben entsprechend. Aber da gibt es im Moment, ja, entsprechende Entwicklungen, die auch dringend nötig sind, die aber, glaube ich, noch einiges an Weg vor sich haben und wirklich harmonisieren. Und man natürlich auch schauen muss, welche Spieler dann da sich durchsetzen und wie dann gegebenenfalls vielleicht auch die Größten dann da kooperieren. Weil, wenn es da halt zu sehr Flickenteppich ist, auch von der Marktlandschaft, dann kommt es natürlich auch nicht voran.

Klaus Reichert: Ihr habt das auf dem Schirm, ihr schaut, dass ihr da quasi offen dafür seid und das ihr solche Sachen eben grundsätzlich auch unterstützt?

Sven Schmidt-Rohr: Absolut! Also im Moment sind wir sehr schlank eben, dass wir, sagen wir mal, vom Roboter, also die Standardschnittstellen unterstützen von den speicherprogrammierbaren Steuerungen, von so die einfachen, digitalen, auch noch sehr simplen Schnittstellen von einfach anderen da Komponenten, ein Förderband, irgendwelche Lichtschranken, irgendwelche Türen, die auf- und zugehen. Aber das ist natürlich schon, einfach die Landschaft heutzutage noch sehr, ja, ist noch ein bisschen, ich würde es archaisch nennen. Was jetzt nicht an irgendeinem einzelnen Anbieter liegt. Das ist also Informatik, also ich komme ja aus der Informatikseite von der Robotic. Als Informatiker wirkt diese Maschinenbauerwelt für mich noch immer sehr, sehr archaisch, aber, wie gesagt, es ist dringend nötig, dass da eine Betriebssystemschicht reinkommt, echt eine Software, also ein reines Software-Betriebssystemschicht, die das alles organisiert. Und da sind relevante Player jetzt dran und es wird ein ganz wichtiges Feld für Morgen. Und dann wird auch das Thema Verbindung mit der Cloud und den ganzen EAP-Systemen, dass es alles wirklich nahtlos integriert ist, wird gut möglich. Und wir können nackt auf diesem Archaischen  funktionieren, aber es wird natürlich für uns auch viel angenehmer als ein Software-System, dann da lieber da als App, als Sweet auf so einem Betriebssystem zu schwimmen, das ermöglicht viel mehr noch Möglichkeiten. Und da freuen wir uns natürlich drauf, wenn das dann in den nächsten Jahren sich dann auch langsam öffnet noch.

Klaus Reichert: Wenn wir das Ganze jetzt, also das Thema Robotic mit auch den Daten, die da anfallen und der Interaktion mit sowohl Menschen als auch mit anderen, ich sage mal, Robotern, Maschinen in der Produktion, in der Logistik, in, ich sage mal, inklusive dem Webshop und vielleicht adaptiver Fertigung und, und, und, wenn wir das mal so im Gesamten sehen und so überlegen, was denn eine Skizze eines wirklich digitalisierten Unternehmens bedeuten würde. Da hast du jetzt grad schon ein paar Punkte angesprochen, aber wie würde das denn so für dich ausschauen, wenn du da Wunschkonzert machen dürftest?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, natürlich idealerweise bildet jede Hardware, grade in diesem Shopfloor, aber natürlich auch durchaus drüber hinaus, ich meine, es geht ja dann auch ins Office, wenn es richtig verbunden ist halt. So wie man das, sagen wir mal, im fortgeschrittenen IT-Bereich macht, also eine Hardware komplett sich selbst, also eine reine Software-Schnittstelle hat an irgendeiner Stelle, also ist damit auch komplett virtualisierbar, ja, ganz einfach, also auch als virtuelle Komponente zu modellieren. Und dann gibt es eben eine durchgängige Software-Landschaft, die diese ganzen, das sind ja nur noch Software-Komponenten, in einer durchgängigen und doch flexiblen Weise verbindet. Mit gutem Datentransport, ja, mit alles, was es in der Informatik das eben auch macht, dass da die Schnittstellen auch von allen Komponenten gut an irgendeiner Stelle, in Verzeichnissen sozusagen, für die anderen einsehbar sind, das man die ganz schnell dann plug- and male-mäßig auch nur in der Software-Welt verbindet. Dass man das alles im digitalen Zwilling simulieren kann, weil es alles dann als Software-Komponenten auch visualisiert, genauso abbildbar ist, das also sozusagen die eigentliche Musik wirklich nur in der Software-Landschaft spielt und die mechatronischen Komponenten, würde sagen, die nur ihre Schnittstellen in diese Software-Landschaft abbilden. Und da hat man natürlich einige Herausforderungen. Man hat natürlich auch die Herausforderung, das natürlich grad von der IT-Philosophie heutzutage so die Bürowelt und die Shopfloor-Welt, die ist ja noch völlig auseinander, aus durchaus auch berechtigten inhaltlichen Gründen, teilweise aber auch kulturellen gründen. Und natürlich Cyber-Security, ein riesen Problem, wenn man das alles verschaltet. Viele unserer größeren Kunden haben ja wirklich, was man Air Gap nennt. Da gibt es ein Netzwerk, aber das ist halt 100 Prozent getrennt vom Büronetzwerk und von allem anderen, was im Internet ist. Büro ist im Internet, wenn da halt irgendwie Ransomware reinkommt, das ist nicht ganz so schlimm, aber wenn halt die Produktion da irgendwie. Ich glaube, letztes Jahr hatte ich mal gele- Fendt war irgendwie die letzte Woche oder so, Traktorbauer, hatte genau das Problem, Ransomware direkt auf dem Shopfloor, Produktion steht, komplett, jetzt einige Tage. Und das ist natürlich verständlich, dass natürlich eine gewisse auch, sagen wir mal, dann Vorsicht ist, sich, sagen wir mal, da in der Fabrik, also mal auch wirklich auf dem Shopfloor, da so von den ganzen Setups sich in eine Richtung zu bewegen, wie sie vielleicht im Büro heutzutage üblich ist. Aber damit das alles gut funktioniert, die EAP-System, alles gut da verbunden ist, muss das irgendwann komplett integriert werden. Und da sind deswegen noch einige Hausaufgaben zu machen, aber da muss es hingehen. Und irgendwann ist dann in den Komponenten auch immer mehr Intelligenz, also mit Maschinen lernen, mit wirklich symbolischem Wissen und allem, dass dann die Menschen, die das dann betreuen, unterstützt sind in der Entscheidungsfindung in der alltäglichen Arbeit. Also so dann irgendwann ist halt die Firma, ist dann halt ein großer Software-Computer, der dann so, wie man heute eine Tastatur und Mouse hat und ein paar Elemente, das kann dann eben der selbstständige Gabelstapler sein oder halt aber auch noch weiterhin das Screen im Office, ja, der dies ausprägt, aber eigentlich, dahinter ist eine durchgängige Software-Landschaft.

Klaus Reichert: Ist natürlich schon sehr viel vielfältiger wie jetzt eine reine Software-Betrachtung, die so aus der Nutzersicht einfach immer nur wahrnehmbar ist. Du hast grade auch noch gesagt, es gilt da noch einiges an Hausaufgaben zu machen. Hast du vielleicht ein paar Player, wo du sagst, Mensch, die wären jetzt eigentlich am ehesten gefragt oder diese Branche wäre am ehesten gefragt?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, ist tatsächlich zuerst tatsächlich die Cyber-Security, die muss als erstes auf ein anderes Level kommen, weil, sonst kann man gar nicht damit anfangen, das wirklich alles vernünftig zu vernetzen, ja, das ist so, das ist das Erste. Und als Nächstes dann das, was ich angesprochen hab, so diese, ich sage mal, Betriebssysteme, die dann auch dann durchgängig zusammenwachsen, ja. Also von der Fabrik dann im Büroturm oder vielleicht dann jetzt auch Mobil-Office. Ist dann egal, das ist dann das Äquivalent dazu. Das sind natürlich tatsächlich, Cyber-Security ist, glaube ich, so ein Thema, da können auch kleinere Firmen, Startups sehr gut mitspielen mit innovativen Ansätzen. Die Betriebssysteme, das kann nur eine große Firma machen, allein von Machtmacht, von der Bucht, die man braucht, um sowas einzuführen. Und natürlich diese intelligenten Funktionen dann wieder, das können auch wieder Startup. Das ist so, wo wir dann Zuhause sind. Wir sind so einer von denen, die immer mehr Intelligenz jetzt, die flexible Automatisierung im Shopfloor bringt, aber genauso kann man ja in ganz anderen Bereichen der Firma Intelligenz reinbringen. Das heißt, das sind eigentlich die drei großen Felder, Cyber-Security, die Plattformen, Betriebssystem und halt die intelligenten Module. Und Cyber-Security und intelligente Module, ist auch für Startups geeignet. Also Plattformen, das, meiner Meinung nach, das können wir vergessen. Das ist ein Teil der großen Namen, die im Nasdaq und Wallstreet und im DAX sitzen, das müssen die machen.

Klaus Reichert: Ja und die müssen sich da auch verständigen, zumindest mal die richtige Sprache sprechen.

Sven Schmidt-Rohr: Ja, ja, die Sprache könnten sie sprechen, das ist natürlich ein Thema, ob sie sich von den Interessen her verständigen können. Das ist natürlich da dann immer die große Frage, ja.

Klaus Reichert: Welche Rolle spielt da China mittlerweile?

Sven Schmidt-Rohr: Ja, das ist schwer zu sagen. Die machen natürlich jetzt technologisch jetzt wirklich große Sprünge nach vorne, wird sehr, sehr viel entwickelt. Aber, sagen wir mal jetzt, wie hier schon in Europa, in den USA, sieht man natürlich grade jetzt von so Betriebssystemen Sachen oder diese größeren Sachen immer noch relativ wenig. Natürlich, weil da auch immer noch Vorsicht ist bei vielen, die Sachen einzuführen. Das heißt, das ist dann auch eher in der Komponentenwelt. Ich denke, beim Thema Cyber-Security ist das Thema Vertrauen ja auch extrem groß, deswegen wahrscheinlich so intelligente Komponenten, wahrscheinlich der Aspekt, wo man dann am meisten in der nächsten Zeit zu erwarten hat, was dann die Leute auch am ehesten, sagen wir mal, zumindest in Europa und in den USA, bereit sind, aufzunehmen. Japan ist ja sowieso nochmal ganz speziell, und Korea. Insofern, das sind ja die fünf Hauptmärkte eigentlich auf der Welt für diese ganzen Sachen. Ja, also die machen bei sich im Land riesen Fortschritte und passiert extrem viel, aber immer noch bei so Sachen der Sprung darüber hinaus in die anderen vier Märkte aus verschiedenen Gründen halt immer noch begrenzt.

Klaus Reichert: Was mich noch interessieren würde, ist, in welchen Beispielen oder Branchen oder Fertigungsverfahren siehst du denn jetzt grade eine besonders gute Anwendung für eure Software, grade in diesem Bereich sensoradaptive Robotic? Du hast vorhin das Thema Kabel angesprochen, da reden wir vielleicht auch, ich sage mal, von Elektromobilität, Windkraftanlagen oder sowas. Gibt es da irgendetwas, wo du noch weitere Beispiele hast, wo man dann auch direkt einen Vorteil sieht, weil man zum Beispiel, ich sage mal, lange Lieferketten verkürzen kann oder vielleicht auch ein Recycling, ein Zerlegen von Geräten dann damit auch leichter machen kann? Bei Apple in der Werbung sieht man immer wieder Roboter, die irgendwas so in der Richtung machen. Hast du da noch ein paar Beispiele, damit man es sich ein bisschen besser vorstellen kann?

Sven Schmidt-Rohr: Elektromobilität, Haushaltsgeräte und regenerative Energie, produzierende oder, ja, transformierende, speichernde Einheiten, das sind sicher mit die größten und relevantesten Themen im Moment. Und das sind ja Themen, wo das Thema lange Lieferketten, ein großes Problem ist. Wir haben jetzt das Thema ja Kabelbäume gehabt aus der Ukraine, Tunesien ja auch, im Europ Spring. Jetzt immer nicht nur politische Probleme, sondern das man halt da lastwagenweise das da übers Mittelmeer, gut, mit einem Schiff, aber den Rest fährt, oder aus der Ukraine, um es dann hier in Deutschland einzubauen. Da kommt jetzt grade durch die jetzt Pandemie und jetzt die Ukraine-Krise ein großes Umdenken in die Branche, was dann natürlich auch dann wirklich das nachhaltiger macht. Man macht es ja nur dort wegen den günstigen Arbeitskräften, das ist der einzige Grund, ja. Und dann sagt, okay, wenn man das jetzt automatisieren kann oder vielleicht dann auch noch mehr dazu gedrängt wird, dann macht man es lieber hier, automatisiert und spart dadurch. Hat man nicht nur eine bessere Lieferkette, also mehr Sicherheit, die Sachen zu bekommen und diese Ausfallsicherheit ist geringer, sondern man spart auch diesen extrem umweltschädlichen Transport. Ähnlich ist, regenerative Energien, das Thema Windkraftrotoren, Thema Batterien. Ich glaube, letzte Woche war es, hat Nordex verkündet, dass sie in Rostock die letzte Windkraftrotorfabrik in Deutschland schließen wollen. Warum? Nur Arbeitskosten, in Indien ist es zehnmal billiger. Was passiert dann, wenn man in Europa dann doch noch diese Windkraft hier weiter ausbaut? Dann werden die irgendwie mit dem Schiff um die halbe Welt geschifft. Und ich meine, die Dinger sind groß. Ist nur ein Beispiel und auch da geht es nur, ich meine, Deutschland mittlerweile, man findet die Arbeitskräfte auch gar nicht mehr. Geht es jetzt auch gar nicht mehr nur noch um Kosten. Sondern, ja, grad irgendwie Letzteres gesehen von Arbeiterlosigkeit, nicht mehr Arbeitslosigkeit, ja, das jetzt zum großen Stichwort wird. Und deswegen dass dann um die halbe zu schiffen oder zu fahren im Lastwagen, das ist einfach extrem umweltschädlich. Und dann geht es natürlich noch, Batterien ist ein ähnliches Thema, auch da. Und das sind alles Themen, was ich grade sage, wo wir dran sind, ja, wo wir Kunden haben, wo wir Applikation haben. Aber auch natürlich jetzt das Thema tatsächlich Refabrikation, ist ein spannendes Thema, das dann noch einen Schritt weitergeht. Wo wir jetzt grade frisch reingehen, da haben wir ein paar Innovationsvorhaben, wo jetzt der Ansatz, ja, die grüne Kreislaufwirtschaft ist. Jetzt natürlich hier in Baden-Württemberg von Herrn Ministerpräsidenten ja sehr groß ausgerufen wurde, die letzte Zeit, auch für die letzte Wahl letztes Jahr. Und das man sagt, okay, der Transport ist eines und genereller Energieverbrauch, aber wir haben auch allgemein Ressourcenverbrauch, und man versucht einfach bei den Teilen jetzt die Schleife möglichst kurz zu machen. Recycling ist schon ganz nett, aber das ist schon ein bisschen größere Schleife. Wäre doch noch besser, wir könnten zum Beispiel ein verbrauchtes oder gebrauchtes Windkraftrotor, jetzt wieder mal für Repowering oder so abgebaut wird, wieder so herbringen, dass die schleifen und schmirgeln und alles, dass die Abnutzungsspuren davon, ja, dann wieder beseitigt wurden. Oder auch bei Getrieben, ein großes Thema, die ja auch immer noch in vielen regenerativen Techniken sind. Und da ist es natürlich anspruchsvoller in Produktion, weil auch da der Roboter wieder flexibler sein muss. Weil, das ist eben kein neues Zuliefererteil, das grad frisch gefertigt wurde und die Abweichungen sind definiert in einem bestimmten Bereich, sondern da können ja Abnutzungsspuren, die ziemlich, ja, ausschlagen, auch da sein. Und das heißt, auch da muss der Roboter viel flexibler sein. Und auch bei dieser Refabrikation ist klar, dass da, ja, das manuelle Arbeit in Deutschland, da sind überhaupt keine Kapazitäten und kostentechnisch ist es in keinster Weise bewältigbar. Also wenn man da nochmal einen Schritt weitermachen möchte, zu sagen, Refabrikation, irgendwelche Getriebesachen, jetzt nicht komplett wieder einschmelzen und dann wieder hochproduzieren, sondern möglichst mit möglichst wenig sozusagen Schleife irgendwie wiederverwenden zu können, dann kommt man in Richtung Nachhaltigkeit nochmal auf ein ganz anderes Level. Das ist aber tatsächlich noch ein bisschen mehr ein Zukunftsthema, das für viele Themen jetzt grad erst ein Beginn ist, wo wir aber auch sehr, sehr großes Potenzial sehen. Und das man dann da eben nicht nur Energie, sondern auch wirklich Rohstoffe spart, weil es ja an ganz vielen Ecken und Enden jetzt, auch das Material selber ein riesen Problem wird, bei Metallen, bei Halbleitern, seltene Erden, das sind ja auch Metalle, aber bei diesen ganze Themen. Und, ja, da kann eine Robotic auf jeden Fall groß auch liefern, Sachen auseinandernehmen und dann möglichst, ja, mit der kurzen Schleife in der Kreislaufwirtschaft wieder einsetzbar machen. Und, ja, generell halt regenerative Energien noch wettbewerbsfähiger machen. Weil Batterien, wenn man die günstiger kriegen kann, wenn man die Windkraft günstiger fertigen und aufstellen kann und so, das ist ja im Moment der Hauptkostentreiber bei diesen Sachen, ja. Das ist ja nicht da, dass die da irgendwie ständig dann Rohstoffe, also Verbrennungsrohstoffnachschub brauchen für die fossilen Träger. Und da werden wir viel machen müssen. Weil, ich glaube, das zeigt sich jetzt auch nochmal in den letzten Monaten noch umso, dass das da ja gefühlt fast unüberwindliche Herausforderungen vor uns stehen, die man am Ende nur zum Großteil auch mit technologischen Verbesserungen und in breiter Front, irgendwie in den nächsten zehn, 20 Jahren zur Lösung bekommt, und da haben wir viel zu tun. Und da muss ich ja sagen auf jeden Fall, dass die Politik da sehr bemüht ist mit vielen Förderprogrammen, die zum Teil auch sehr sinnvoll gestrickt sind oder überwiegend sehr sinnvoll gestrickt sind, da wirklich das anzuschieben, die akademischen Institutionen da viele tolle Sachen machen. Und da geht es jetzt halt drum, das die Industrie, ja, auch, sagen wir mal, auch die Weitsicht, sagen wir mal, entwickelt, da vielleicht auch noch ein bisschen mehr als heute, nach vorne zu schauen, ja, man muss Geld verdienen zum Überleben, aber dann auch nach vorne und da dann entsprechend mitzugehen und auch mal auszuprobieren. Und, ja, das ist jetzt, glaube ich, das Wichtige, das wir da vorankommen, weil, wie gesagt, die nächsten zehn, 20 Jahren, da stehen wir vor sehr großen Herausforderungen. Und wollen wir natürlich auch ein paar Verhaltensanpassungen machen, aber das geht nur so weit, ne, das geht bis zu einem gewissen Punkt und dann wird es einfach unrealistisch.

Klaus Reichert: Ihr seid im Grunde aus diesem Thema Innovation und Erneuerung und neuen Produkten, eben gestartet, ja, als Unternehmen, ihr seid da immer noch voll drin, für euch ist das wichtig. Und da seid ihr natürlich ein guter Partner, diese Themen weiterzuentwickeln.

Sven Schmidt-Rohr: Genau, also da haben wir divers auch mit akademischen Einrichtungen, mit anderen Firmen, da machen wir vieles, in alle Richtungen. Und das ist unser Herzblut und natürlich, der Kunde der kommerzielle Kunde muss auch zufrieden sein. Und das zu balancieren, haben wir, glaube ich, jetzt in den letzten Jahren gut hinbekommen.

Klaus Reichert: Klasse, Sven, vielen Dank, das du dir heute die Zeit genommen hast für unser Gespräch.

Sven Schmidt-Rohr: Danke.

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