In einer Session mit einem AI/KI Produkt Manager einer großen Internetplattform ist mir wieder aufgefallen, wie wichtig und zusammenhängend ein breiter persönlicher Horizont, institutionelle Neugier und daraus folgende gemeinsame Ideation sind. Wir sprachen darüber, welche AI/KI Features integriert werden sollten. Und bevor wir uns vertieften, wurden mir drei Punkte ganz deutlich:
- dieser (noch sehr junge) Mensch hatte keine Ahnung, was es bereits auf dem Markt gab und war auch erstmal nicht wirklich bereit, sich auf etwas anderes einzulassen
- ich konnte mit meinem eigenen Überblick geeignete Themen aus anderen Branchen vorschlagen
- auch wir beide hatten natürlich nicht den kompletten Blick auf die Welt und die Möglichkeiten
Im guten Produkt Management bringt ein breiter Horizont, institutionelle Neugier & gemeinsame Ideation mehr und reduziert individuelle Überheblichkeit.
Breiter Horizont
Ganz klar: Als Menschen müssen wir uns auf unsere eigenen Überzeugungen und persönliche Kreativität verlassen. Unsere Persönlichkeit ist die Basis für unsere Tätigkeit.
Genauso klar: es gehört dazu, zu wissen, was wir nicht wissen, bzw. zu akzeptieren, dass jeder Mensch einen eigenen begrenzten Blick hat. Ein erster Schritt zur Lösung: neugierig sein. Die Augen offen halten und schauen, was es im Markt und in anderen Branchen auf der Welt gibt. Als Anregung. Das steht nicht im Widerspruch zur Meinung, die ich auch vertrete, dass wir uns nicht durch unsere Wettbewerber definieren sondern selbst Einzigartiges hervorbringen müssen. Aber wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden, wenn es vor allem in anderen Branchen bereits Lösungen als gute Anregung gibt.
Institutionelle Neugier
Neugier öffnet uns neue Horizonte. Dies gilt sowohl persönlich als auch für Teams und Unternehmen bzw. Organisationen. Was meine ich mit „institutioneller Neugier“? Die Organisation kann Themen und gewünschtes Verhalten fördern oder unterdrücken. Neugier institutionell fördern bedeutet zB, dass entsprechende Vorlagen, Hilfsmittel, Tools und Austauschmöglichkeiten vorhanden sind und kommuniziert werden. Dass News & Trends aufgegriffen und zugänglich gemacht werden. Dass es einfache und inklusive Foresight Prozesse gibt. Dass die Gespräche dazu offen geführt werden.
„Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind super, aber nicht leicht. Für mich ist ein erster Schritt überhaupt in den Austausch zu kommen – mit anderen/ergänzenden Unternehmen. Mit Kunden und Kundinnen. Mit Experten und Expertinnen.“ – Klaus Reichert
Schlicht: das Unternehmen stellt Ressourcen bereit und fördert und fordert die Nutzung, die über einen Austausch schlußendlich zu neuen Ideen, Projekten, Produkten etc. führen. Dazu gehört auch die Einbeziehung von Experten und Expertinnen aus anderen Unternemen sowie Forschung, Lehre und Beratung. Ein ganz wichtiger Schritt: das Jahresthema.
Gemeinsame Ideation
Insbesondere große Gruppen können neue Blickwinkel und Fortschritte durch ihre Behäbigkeit und Aversion gegen Neues verhindern. Einzelne haben selten die Ressourcen und kommen nicht weit. Es zeigt sich immer wieder, dass es das „engagierte Innovationsteam“ ist, dass Fortschritt bringen kann. Dabei steht die eigene Kreativität nicht im Widerspruch mit der Ideation im Team – im Gegenteil, diese individuellen Stärken sind die Basis für den gemeinsamen Erfolg. Die vielfältige Mischung des Teams ist dafür entscheidend, aber gerade auch die Bereitschaft und Fähigkeiten, gemeinsame Kreativität zu leben und in Aktion umzusetzen. Der Mix aus Kenntnissen, Vertrauen, Freude, Respekt, Zielsetzungen und Ressourcen macht den Erfolg. Nicht das einzelne Genie, sondern die Gruppe Fähiger ist der Schlüssel, die gemeinsam vorankommen und sowohl Erfolge als auch Misserfolge teilen.
Grundlagen
Zur Unterstützung sind eine Reihe Dinge notwendig.
- Klar ist, ohne einen strukturierten Innovationsprozess bleiben einzelnen Ergebnisse eben Solitäre, Erfolge werden zu Zufällen.
- Relativ zentral auf der Liste der Tools: der eine Ort, an dem Beobachtungen, Trends, abgeleitete Ideen und Projekte sind. Nichts wird vergessen, Entscheidungen können geteilt gefällt werden, der Flow bringt Sichtbarkeit, fördert Motivation und Ergebnisse.
- Und natürlich: das Dazulernen, das Experimentieren sind essentielle Teile der institutionellen Neugier.
Takeaways
- Gutes Produktmanagement entdeckt neue Perspektiven und wird von einem einfachen Innovationsprozess unterstützt.
- Ein breiter persönlicher Horizont und institutionelle Neugier fördern gemeinsame Ideation im Produkt Management.
- Gemeinsame Ideation ermöglicht es Teams, kreative Stärken zu nutzen und Erfolge sowie Misserfolge zu teilen.
- Ein strukturierter Innovationsprozess ist notwendig, um Fortschritte strukturiert statt zufällig zu erreichen.
- Ressourcen wie Austauschmöglichkeiten und Foresight-Prozesse sind entscheidend für organisatorische Neugier.

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