Wasser-Recycling – Kläranlagen als Ressourcenlieferanten

Wasser wird auch in Deutschland zur strategischen Ressource und ruft nach einem zirkulären Wirtschaften. In Episode 170 des Smart Innovation Podcast geht es darum, wie Städte gereinigtes Abwasser wieder nutzbar machen, Kläranlagen zu Ressourcenrückgewinnungszentren weiterentwickeln und Wasserinfrastruktur rechtzeitig für Klimaextreme umbauen. Dr. Klaus Reichert im Gespräch mit Dr. Nadine Scheyer (Stadt Schweinfurt) und Prof. Dr. Jörg Drewes (TUM).

Podcast-Cover: „Wasser-Recycling – Kläranlagen als Ressourcenlieferanten“ mit Dr. Nadine Scheyer, Prof. Dr. Jörg Drewes und Dr. Klaus Reichert

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Wasser wird auch in Deutschland zur strategischen Ressource und ruft nach einem zirkulären Wirtschaften. In Episode 170 des Smart Innovation Podcast geht es darum, wie Städte gereinigtes Abwasser wieder nutzbar machen, Kläranlagen zu Ressourcenrückgewinnungszentren weiterentwickeln und Wasserinfrastruktur rechtzeitig für Klimaextreme umbauen. Dr. Klaus Reichert im Gespräch mit Dr. Nadine Scheyer (Stadt Schweinfurt) und Prof. Dr. Jörg Drewes (TUM).

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Erkenntnisse

1. Wasserrecycling ist keine Zukunftsmusik – es ist kommunale Daseinsvorsorge

Deutschland ist kein selbstverständlich wasserreiches Land mehr. Lange Trockenphasen, sinkende Grundwasserstände und Nutzungskonflikte zeigen: Wasser nur einmal zu verwenden und anschließend aus dem lokalen Kreislauf zu entlassen, ist ein Luxusmodell aus einer anderen Zeit. Wasserrecycling macht aus gereinigtem Abwasser eine verlässliche zusätzliche Ressource – etwa für Stadtgrün, Landwirtschaft oder industrielle Prozesse. Nicht als Ersatz für Trinkwasser um jeden Preis, sondern als kluge Entlastung dort, wo Trinkwasser schlicht zu wertvoll ist.

2. Aus der Kläranlage kann ein Ressourcenrückgewinnungszentrum werden

Kläranlagen reinigen nicht nur Wasser. Sie können Energie erzeugen, Nährstoffe zurückgewinnen, Spurenstoffe entfernen und sogar wichtige Informationen über die Gesundheit einer Stadt liefern. Der Perspektivwechsel ist entscheidend: weg vom Bild der „Entsorgung“, hin zu einer Infrastruktur, die Wasser, Energie, Wissen und Resilienz bereitstellt. Zirkulär wirtschaften. Das klingt vielleicht sperrig – ist aber ausgesprochen handfest.

3. Die neue vierte Reinigungsstufe einer Kläranlage ist mehr als eine Pflichtübung

Die zusätzliche Reinigungsstufe entfernt unter anderem Medikamentenreste, Kosmetika und Industriechemikalien, die in konventionellen Anlagen nicht vollständig zurückgehalten werden. Sie schützt Gewässer und schafft zugleich eine Wasserqualität, mit der Wiederverwendung realistisch wird. Wer sie früh plant, gewinnt nicht nur Zeit: Kommunen sammeln Betriebserfahrung, bauen Akzeptanz auf und können die nächste Ausbaustufe bewusst gestalten, statt später unter Druck zu improvisieren.

4. Stadtverwaltungen müssen Wasser als Gesamtaufgabe behandeln

Wasserrecycling gelingt nicht als Soloprojekt des Klärwerks. Stadtentwässerung, Trinkwasserversorgung, Grünflächenamt, Stadtplanung, Landwirtschaft, Industrie, Politik und Bürgerschaft müssen früher miteinander sprechen. Besonders bei neuen Quartieren, Straßenumbauten oder Entsiegelungsprojekten gehört die Frage nach Nutzwasserleitungen, Speichern und Versickerung von Anfang an auf den Tisch. Später nachzurüsten ist möglich – aber teuer, langsam und unerquicklich.

5. Die Schwammstadt und Wasserrecycling gehören zusammen

Starkregen und Dürre wirken wie Gegensätze, sind aber zwei Seiten derselben kommunalen Aufgabe: Wasser dort halten, wo es fällt, statt es möglichst schnell loszuwerden. Entsiegelung, Grünflächen, Versickerung und Speicherung entlasten Kanalisation und Gewässer bei Starkregen – und stärken langfristig Grundwasser und Stadtklima. Wasserrecycling ergänzt dieses Prinzip dort, wo lokale Speicherung allein nicht reicht.

6. Technik ist selten der Engpass. Entscheiden ist es.

Die Verfahren sind vorhanden. Was häufig fehlt, sind belastbare Entscheidungsgrundlagen, klare Zuständigkeiten und der Mut, vor dem akuten Krisenmoment zu investieren. Wasserinfrastruktur hat lange Vorläufe: Was heute beschlossen wird, wirkt oft erst in zehn Jahren oder später. Wer erst handelt, wenn Brunnen versiegen oder Bewässerung verboten wird, hat die bequemste Phase bereits verspielt.

7. Pioniere machen den Weg für andere begehbar

Das Beispiel Schweinfurt zeigt, wie wertvoll kommunale Reallabore sind. Andere Städte müssen nicht jede technische, finanzielle oder organisatorische Frage noch einmal im Blindflug beantworten. Sie können fragen: Was hat funktioniert? Wie wurden Mitarbeitende und Stadtrat mitgenommen? Was kostet es? Wie wird abgerechnet? Genau dieser Wissenstransfer macht aus einem einzelnen Projekt einen Multiplikator.

Was Stadtverwaltungen jetzt konkret tun können

  1. Lokale Wasserbilanz erstellen: Wo entstehen künftig Engpässe, wer braucht wann Wasser – und welche Mengen gereinigten Wassers stehen potenziell zur Verfügung?
  2. Vierte Reinigungsstufe als Chance planen: Nicht nur gesetzliche Anforderungen abhaken, sondern Wiederverwendung, Energie und mögliche Abnehmer von Anfang an mitdenken.
  3. Akteure an einen Tisch holen: Wasserwirtschaft, Planung, Grünflächen, Landwirtschaft, Gewerbe, Politik und Betreiber brauchen ein gemeinsames Zielbild.
  4. Bei jeder Planung Wasser mitbauen: Neue Quartiere und größere Umbauten sind die Gelegenheit für Speicher, Entsiegelung und getrennte Nutzwasserinfrastruktur.
  5. Pilotprojekte sichtbar machen: Menschen überzeugen selten abstrakte Strategiepapiere. Sie überzeugen Anlagen, die laufen, Teams, die offen berichten, und Lösungen, die man besichtigen kann.

Die unbequeme Wahrheit: Wasser wird nicht erst dann knapp, wenn kein Tropfen mehr aus dem Hahn kommt. Knapp wird es, wenn wir zu lange so tun, als sei ein einmal genutztes Wasser einfach verschwunden. Die gute Nachricht: Kommunen können handeln – und sie müssen das Rad nicht neu erfinden.

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Wasser-Recycling: Abwasser? Nutzwasser? Brauwasser! | quer vom BR

Transkript

Automatisch erstellt und manuell bearbeitet.

Jörg Drewes: [00:00:00] Ja, ich glaube auch, dass das Zögern, was wir feststellen, durchaus menschlich ist. Es braucht halt immer jemand , der voranschreitet, also ein Pionier der einen neuen Weg einschlägt und dann können andere folgen.

Und ich glaube, dass dafür auch solche Projekte wie in Schweinfurt Leuchtturmcharakter haben, ein Vorbild sein können. Sie sind skalierbar. Sie, sie finden statt in einem Umfeld, in einem Maßstab, wo auch andere Kommunen, andere Betreiber sich das anschauen können.

Wie habt ihr das gemacht?

Wie habt ihr eure Betriebspersonal oder eure Stadträte mitgenommen?

Was hat das gekostet, ja?

Welche Technologie hat sich bewährt?

Wie setzt ihr das betriebswirtschaftlich auf?

Wie wird das abgerechnet?

Alle, alle diese kleinen Fragen, die Verantwortliche zögern lässt, das überhaupt anzugehen kann man sich dort anschauen und man kann Fragen stellen.

Klaus Reichert: Innovation entwerfen und einfach machen.

[00:01:00] Hallo, Klaus Reichert hier. Ich bin unabhängiger Berater, kreativer und erfahrener Experte für Smart Innovation und Business Design. Ich arbeite remote aus Baden-Württemberg heraus.

Gemeinsam mit engagierten Innovationsverantwortlichen und ihren Teams mache ich Unternehmen innovativer. Von Visionen, über frische Ideen und agilen Innovationsmethoden hin zur Innovationsstrategie, neuen Geschäftsmodellen, nachhaltigen Produkten und digitalen Services. So entstehen innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie. Sowie den passenden Vorgehensweisen, Neues auch enkeltauglich zu entwerfen und Zukunft einfach zu machen.

Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovation, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels.

Bei unseren Live-Aufnahmen zum Innovationspodcast können Interessierte Fragen stellen. [00:02:00] So wird Innovation lebendig und einfach umsetzbar.

Denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts. 

Wasserrecycling, Kläranlagen als Ressourcenlieferanten. Heute im Podcast sind meine Gesprächspartner Dr. Nadine Scheyer, sie ist Betriebsleiterin der Stadtentwässerung der Stadt Schweinfurt und Professor Dr. Jörg Drewes. Er ist Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der TU München.

Herzlich willkommen.

Schön, dass Sie beide heute mit dabei sind. 

Jörg Drewes: Ja, grüß Gott, Herr Reichert. 

Nadine Scheyer: Hallo Herr Reichert, danke für die Einladung. 

Klaus Reichert: Hallo. Frau Scheyer, ich fang mal mit Ihnen an. Von Ihnen hört man so Sachen wie Neues starten, recherchieren, sich einarbeiten in Themen. Das ist etwas, was Sie richtig gut finden. Beispiele, die ich jetzt kenne, die dann daraus entstanden sind, sind auf äh, ja Kläranlage in Schweinfurt ein Solarfaltdach, das quasi Strom produziert, aber auch weggefahren [00:03:00] werden kann, wenn man’s braucht, zum Beispiel um irgendwas arbeiten zu können.

Dann erinnere ich mich jetzt gerade an unser Thema, ne, dieses Wasserrecycling, das Herausholen von Material aus dem Abwasser. Was ist denn Ihre , so was zu machen? Also so was mehr zu machen, wie es weit über das Übliche hinausgeht. 

Nadine Scheyer: Also grundsätzlich treibt mich schon immer alles Neue um.

Für mich ist eigentlich Stillstand Rückschritt und insofern bin ich fachlich schon immer am Weiterdenken. Sicherlich auch dadurch losgelöst initiiert, was man in seinem Studium gelernt hat, während der Promotion. Aber wenn man dann die Aufgabe bekommt, Kanalnetz und Klärwerk wirklich zukunftsfit zu machen, dann muss man einfach über den Tellerrand hinausschauen.

Und eigentlich kommt mir dann immer so gerade recht, wenn ich mal ein bisschen Zeit habe, ein bisschen zur Ruhe komme und wirklich mal die Projekte reflektieren kann. Und da war tatsächlich Strom oder die Ressource Strom in der Corona-Pandemie ein, ein Thema, weil man da einfach sich Gedanken gemacht hat: Mensch, [00:04:00] welche Abhängigkeiten resultieren?

Wo kommen eigentlich unsere Ressourcen her? Und da sind wir zufälligerweise auf das Solarfaltdach bei der Recherche gestoßen. Und da hat mir das auch keine Ruhe mehr gelassen, weil ich es einfach hochspannend fand, keinen Flächenfraß dort mehr andienen zu müssen auf einer vorhandenen Fläche. Und dann bin ich einfach ins Detail eingestiegen.

Und dann fragt man sich halt natürlich: Was macht die Ressource Strom fürs Klärwerk so interessant? Und da kommen wir dann auch schon wieder zu den nächsten Themen, die ja nicht nur nachhaltig und wertig sind, sondern natürlich auch Energie brauchen, um zu funktionieren.

Ja.

So schließt sich dann für mich der Kreis immer wieder.

Klaus Reichert: So eine Kläranlage ist ja etwas, wo viel Wasser mit dabei ist, aber auch viele Feststoffe. Am Ende muss alles irgendwie fließen. Das klappt aber auch nicht immer. Das heißt, man muss viel rühren, man muss viel pumpen, man muss, was weiß ich, ventilieren und so was. Das braucht einen Haufen Strom, damit das, was quasi da drin ist, dann auch wieder rausgenommen werden oder getrennt werden kann in irgendeiner Form, damit am Ende was [00:05:00] Sauberes bei rauskommt und möglichst wenig dann wieder in die Umwelt weitergeht.

Wenn ich das richtig verstanden hab. 

Nadine Scheyer: Korrekt. Also wir sind wirklich im städtischen Bereich ein wirklich großer Stromverbraucher und gerade die Belebungsanlage, die Biologie, die Verdichterenergie, die wir da einbringen müssen, eben den Sauerstoff, damit unsere Mikroorganismen das tun, was Sie gerade sagen, die Stoffe umsetzen, die brauchen einfach Energie.

Aber mittlerweile können wir Gott sei Dank auch so ein bisschen das Blatt wenden und zum generellen Energieerzeuger werden, nicht nur über unser nachhaltiges Klärgas Strom und Wärme erzeugen, sondern eben auch über PV-Anlagen, Dachanlagen oder Gott sei Dank die innovative Falltechnik für Doppelnutzung der Flächen.

Klaus Reichert: Das hat mich sehr beeindruckt. Also da können wir gerne nachher noch ein bisschen was davon erzählen. Aber da, dass Sie sich einfach etwas einfallen haben lassen, was weit über das hinausgeht, was man sonst so sieht. Apropos sehen: Ich kann mich sehr gut erinnern, in der Grundschule waren wir in der Kläranlage, auf der Müllkippe, was wir heute [00:06:00] ja eher nicht mehr haben mit der Müllverbrennung.

Ist das heute noch üblich, dass Schulklassen zu Ihnen zu Besuch kommen?

Nadine Scheyer: Das ist regelmäßig. Das steht bei den dritten und vierten Klassen auf jeden Fall im Lehrplan und insofern haben wir da mindestens zwei Führungen die Wochen, um auch den, den kleinen Bürgern schon zu zeigen, wo eigentlich morgens ihr Duschwasser oder ihr Handwaschwasser, die Toilettenabwässer hinlaufen und tatsächlich so aufgereinigt werden, dass sie wieder ins Gewässer eingeleitet werden können.

Klaus Reichert: Also ein, ein spannendes Thema, ne. Das ist dann nicht nur, dass halt einfach die, was weiß ich, was der Strom kommt aus der Steckdose und das Wasser aus dem Hahn und die Kuh ist lila und so was, ne, sondern man kriegt dann tatsächlich ’n greifbaren, riechbaren Bezug natürlich auch zu, zu dem Thema Wasser und Abwasser. Find ich toll.

Ja, dann kann man da natürlich sehr viel mehr draus machen und jetzt kommen wir sozusagen auch in, in die Wissenschaft hinein. Herr Drewes könnten Sie sich grade noch vorstellen, bitte, was ist so, so Ihre, Ihre Spezialisierung? Was ist so hier Ihr Hintergrund? Ich glaub, [00:07:00] die meisten Leute können sich unter Siedlungswasserwirtschaft nicht so wahnsinnig viel vorstellen.

Jörg Drewes: Ja, das vermute ich, da haben Sie recht. Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt sich mit allen Wasserfragen in der Stadt. Also wo kommt das Trinkwasser her? Wie können wir das bereitstellen und sicherstellen, dass es bei jedem Hahn in einer Stadt auch ausläuft? Was machen wir dann mit dem genutzten Wasser, was die Menschen genutzt haben?

Wie kann man das sicher abführen, sammeln und dann auch behandeln? Da sind wir bei den Kläranlagen. Hat aber auch zu tun mit Regenwasser. Wir wollen ja nicht, dass die Städte hier Hochwasser erleben durch zu viel unkontrollierte Regenfälle, die dann sich aufstauen. Also auch zu überlegen, wie man Regenwasser sicher ableiten kann, wie man es auch zurückhalten kann, um es zu versickern.

Und wir wollen die Gewässer sauber halten. Also wie können wir die Gewässergüte gewährleisten? Also sind auch Fragen der Wasserqualität, aber auch der Technologie, wie wir schmutziges Wasser wieder so aufbereiten können, dass wir es sicher in die [00:08:00] Umwelt geben können oder auch vielleicht für andere Dinge wieder einsetzen.

Klaus Reichert: Das ist ja eigentlich schon relativ weit verbreitet, dass man Abwasser wieder aufbereitet, dann auch in Trinkwasser. Das ist ja normal an manchen Stellen. Es ist in jedem Falle normal, am Ende einer Kläranlage ein sauberes Wasser zu haben, was man dann zum Beispiel in einen Fluss einleitet. Jetzt gibt es aber noch viele, viele andere Stoffe, die im Abwasser drin sind.

Auf das werden wir sicher gleich zu sprechen kommen. Aber warum, warum soll man sich so sehr damit beschäftigen mit diesem Thema? Also ich meine, bisher ist ja auch so, es regnet irgendwie runter, es– Alpen haben Gletscherwasser, Schnee, die das abschmilzt. Wir haben Wasser, das können wir benutzen. Wir haben Grundwasser, das wir hochpumpen können.

Warum müssen wir uns jetzt eigentlich und, und auch Bergwerke, wo wir Rohstoffe rausbekommen können, warum müssen wir jetzt uns eigentlich dieses Thema Abwasser und Ressourcen im Abwasser denn kümmern?

Jörg Drewes: Ich glaube, dass dieses Jahr wirklich jeder gemerkt [00:09:00] hat was es bedeutet, wenn wir in sehr trockenen, extremen klimatischen Verhältnissen auch sicherstellen wollen, dass wir genug Wasser haben.

Wir sehen, dass wir immer noch Niedrigwasserphasen haben in unseren Fließgewässern, wenn wir an den Rhein denken, an die Donau. Wir sehen, dass die Grundwasserstände massiv abgesackt sind. Wir sehen, dass über lange Strecken kein Regen gefallen ist. Also selbst in einem Vermeintlich wasserreichen Land wie Deutschland haben wir regional mittlerweile so drastische Engpässe, dass auch Wasserverwendung eingeschränkt wurden.

Wenn wir uns an den Sommer erinnern wo selbst die Landeshauptstadt München erstmalig in der Geschichte ein Anwendungsverbot ausgesprochen haben oder hat wo bestimmte Wassernutzung nicht mehr möglich waren oder Springbrunnen abgestellt wurden, ja. Andere Kommunen haben das gleich genauso gemacht, wo keine Gartenbewässerung mehr zulässig war oder private Pools nicht befüllt werden konnten.

Das haben wir so noch nicht [00:10:00] gekannt in Deutschland. Das ist wohl sicherlich auch durchaus eine Situation aus anderen Ländern, aber der Klimawandel bringt Herausforderungen, die wirklich dann zu diesen extremen Szenarien führen, die wir in Zukunft sicherlich verstärkt sehen werden, auch in Deutschland.

Und da brauchen wir auch neue Lösungen. Die traditionellen Lösungsansätze alleine ja, wenn wir nicht genug Wasser haben, dann müssen wir einfach mehr Wasser heranschaffen. Funktioniert nur dann, wenn die Ressource zur Verfügung steht. Und das ist nicht mehr lokal oder regional überall der Fall.

Und deswegen kann man natürlich auch die Frage stellen, warum wir Wasser nur einmal nutzen. Ja, es verschwindet in der Toilette, es verschwindet im Duschbecken und dann ist es weg. Dann läuft es zu der Kläranlage von Frau Scheyer, wird behandelt und dann wieder eingeleitet in ein Fließgewässer.

Aber für die Kommune, für diese Stadt, für diese Gemeinde ist es erst mal verloren. Das ist dann weg. Und warum nicht dieses Wasser mehrmals nutzen? Das ist so ein bisschen die [00:11:00] Idee die uns auch in diesem Projekt umtreibt Wasserkreisläufe lokal zu schließen, um so eine Mehrfachnutzung zu ermöglichen.

Klaus Reichert: Und das noch mal kurz einen Schritt zurückzugehen: Siedlungswasserwirtschaft ist also ein sehr umfassendes Thema. Es hat einen sehr starken kommunalen, regionalen Bezug natürlich. Es geht jetzt nicht nur um Wasser oder Abwasser, sondern halt auch um solche Themen, würde ich mal behaupten, wie, sagen wir mal, Schwammstädte, dieses Auffangen von Wasser, das Recycling, das, das regionale zirkuläre quasi Nutzen von Wasser.

Jörg Drewes: Gerade im Zusammenhang mit diesen Extremereignissen, wenn wir an starke Regenereignisse denken, wollen wir nicht, dass es zu einem Hochwasser kommt oder Sturzfluten, die sich aufbauen. Wie können wir das verhindern? Wir werden das nicht verhindern durch entsprechend großen Kanäle oder Speicherbecken, sondern idealerweise, indem wir diese Starkregenereignisse in der Landschaft, in den städ-städtischen Räumen zurückhalten, ja.

Also zur Versickerung [00:12:00] zu, zu bringen. Das ist idealerweise der Fall. Dann haben wir häufig gar nicht diese großen Probleme. Und der Vorteil ist, wenn man Wasser speichert, das ist wie eine Schwammfunktion. Wenn wir uns einen trockenen Schwamm vorstellen, da wird, da wird das Wasser abperlen. Das Wasser wird gar nicht aufgesaugt werden.

Aber wenn er feucht ist, dann kann er auch sehr viel Wasser speichern. Und das ist das Gleiche, was wir in der Landschaft sowohl im ländlichen Raum wie auch in der Stadt versuchen umzusetzen mit diesem blaugrünen Schwammstadtkonzept, das Wasser lokal zu speichern und idealerweise auch zur Versickerung zu bringen, denn dann ist es im Grundwasser, wir können es wieder nutzen für zukünftige Verwendung.

Klaus Reichert: Das ist jetzt neu. Also ich frage mich, warum haben wir das schon vor fünfzig Jahren zum Beispiel nicht gemacht? Wir sind es gewohnt, dass wir alles irgendwie zupflastern viel zubauen und so weiter. Gab’s das Problem zum Beispiel vor dreißig Jahren, fünfzig Jahren noch nicht? 

Jörg Drewes: Die Notwendigkeit gab es vielleicht noch nicht so, aber Sie haben schon das Stichwort ausgesprochen, nämlich zupflastern.

[00:13:00] Das Zupflastern führt dazu, dass die Flächen versiegelt sind und wenn das Wasser dann sich nicht mehr keinen, keinen Platz findet zu infiltrieren, läuft es noch schneller ab baut sich schnell auf. Und was wir eben feststellen im Rahmen des Klimawandels ist, dass die Starkregenereignisse noch mal stark zugenommen haben in der Intensität.

Das heißt, wenn so ein Starkregen fällt auf eine Stadt und alles ist versiegelt, dann wird sich sehr schnell eine entsprechende Hochwasserlage aufbauen. Ja. Und dafür ist die Infrastruktur, wie wir sie heute haben, nicht mehr ausgelegt. Das bedeutet, dass die Kanäle überlaufen, dass Wasser in die Flüsse unkontrolliert abgeschlagen werden muss, dass unter Umständen Keller volllaufen und Parkhäuser.

Und das wollen wir natürlich nicht, ne. Wir können aber die Kanäle nicht einfach von heute auf morgen erweitern. Also brauchen wir Lösungen, dass es erst gar nicht zu so einem Aufbauen von starken Regenereignissen kommt. Und das kann gelingen, indem wir entsiegeln, indem wir Flächen schaffen, in [00:14:00] denen Wasser auch zurückgehalten werden kann, auch durch Bewuchs, durch Parkanlagen aufgenommen werden kann durch die Vegetation oder eben zur Infiltration gebracht.

Klaus Reichert: Ja, verstanden. Ich muss da immer wieder auch an die Situation bei uns denken. Wir haben so ’n, so ’n Wasserwerk, so ’ne Pumpstation nicht allzu weit weg von, von uns hier. Und da wird mehr oder weniger das Wasser, das bei uns dann runterregnet in den Grundwasserbereich, der nicht besonders tief ist dann auch wieder aufgenommen in dieses, in dieses Wasserwerk.

Also das, das finde ich eigentlich immer ganz schön. Ich sehe fast förmlich manchmal diesen Kreislauf. Das ist natürlich nicht immer möglich Sie haben’s gerade angesprochen, mit dieser Versiegelung natürlich nicht. Jetzt bedeutet es ja, dass wir da einiges ändern müssen, damit es funktioniert. Da sind Sie jetzt als, als Wissenschaftler gefragt natürlich. Sie und Kollegen und Kolleginnen, aber natürlich auch jetzt zum Beispiel so jemand wie die Frau Scheyer und eine Stadt, eine Kommune.

Und Frau Scheyer, ich habe schon angefangen zu fragen, ja: Wie, auf, auf welchem [00:15:00] Boden wächst das, was Sie, was Sie da so machen? Wa-was motiviert Sie da so? Sie sind ja dann auch am Ende nicht alleine. Jetzt kommen Sie mit was Neuem in eine Stadt, in eine Stadtverwaltung, haben einen Stadtrat oder so was, ne, einen Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin.

Könnten Sie– Jetzt wollen Sie zum Beispiel da ein Projekt mit, mit dem Herrn Drewes starten. Wie, wie ist das abgelaufen? 

Nadine Scheyer: Ich sag mal, man kann natürlich damit überzeugen, wenn man gute Argumente hat, aber die hat man meistens nicht, weil man vielleicht das Ergebnis noch nicht kennt. Jetzt hab ich ein wenig einen Vorteil, dass ich mir viele Dinge schon gut vorstellen kann, ob jetzt imaginäres Auge oder was man einfach auch weltweit schon für positive Effekte durch solche Pilotprojekte, Pionierarbeit erschaffen konnte.

Und insofern ist dann eigentlich das kein richtiges Überzeugen, sondern wirklich ein Teilhabenlassen an meinen Ideen, an den Ideen des Projektkonsortiums. Und dann sind eigentlich schnell [00:16:00] alle überzeugt, dass wir für die Region wirklich weiterkommen, wenn wir jetzt da dran festhalten und diese, diese Wege gemeinsam auch gehen, in die Umsetzung überführen und schlussendlich alle daran partizipieren, was Neues geschaffen zu haben.

Und dafür ist Schweinfurt auch ein bisschen bekannt, also Innovation. Wälzlager, Kugellager ist alles ja letztendlich auch hier, ist die Geburtsstadt des Ganzen und insofern sind hier schon die Denker am Werk, die dann auch neue Wege und neue Pfade mit beschreiten. Klar, wenn’s an Geldbeutel geht oder wenn’s natürlich dann schlussendlich auch den Bürger Geld kostet, da ist vielleicht ein wenig mehr Sensibilität gefragt.

Aber auch da: Wir haben schlussendlich nur eine Welt, eine Umwelt, eine Natur. Und vielleicht gehe ich aber auch noch mal kurz zwei Schritte zurück, weil ich immer wieder bei Führungen höre: Warum heißt ihr eigentlich Stadtentwässerung? Und da haben wir schon ein paar Mal auch so Kritik bekommen. Wir sollen ja die Stadt nicht entwässern, sondern wir sollen das Wasser ja in der Stadt halten.

Und deswegen musste ich gerade auch ein bisschen [00:17:00] schmunzeln. Das sind halt unsere ursächlichen Aufgaben ge-gewesen in der Stadt und Siedlungsentwässerung, weil wir natürlich das belastete Wasser, also das Abwasser aus den Städten ableiten, schadlos ableiten, sammeln und dann wieder so aufreinigen wollten, dass wir die Gewässer damit unbelastet wieder beschicken können.

Und somit ist der Ansatz tatsächlich über die letzten Jahrzehnte oder, oder über 100 Jahre, wenn man schon 1900 oder noch 1890 anschaut, wo unsere ersten Kanäle gebaut wurden im Stadtgebiet Schweinfurt, eine andere Denke dahinter gewesen. Die wurden so groß ausgelegt, dass man dem Schmutzwasser und dem Regenwasser Herr wird.

Mittlerweile sind wir Gott sei Dank auch so weit, das zu trennen, Regenwasser schadlos abzuleiten und direkt den Gewässern zuzuführen, ohne es behandeln zu müssen und das Schmutzwasser, was wirklich behandlungsbedürftig ist, in kleineren Rohrleitungen abzuführen oder dann eben im Wasserkreislauf wieder zuzuführen.

Also die Fragestellung hat sich dahingehend tatsächlich verändert, weil wir endlich wissen und uns festgestellt haben, dass die Ressourcen [00:18:00] endlich sind. Leider vielleicht ein bisschen spät für manche Dinge, weil wir auch für alles sehr lange Planungsvorlaufzeit und dann bauliche Umsetzung einplanen müssen.

Klaus Reichert: Spannend, spannend, ja. Ich verstehe jetzt, dass man sagt: Na ja, wir haben da auch das Umfeld, das Innovation und Erneuerung und, und so weiter natürlich ja, unterstützt. Aber wie kam’s dann zu dem Projekt oder zu diesen, dies, dieser Zusammenarbeit dann in Ihrem Fall? 

Nadine Scheyer: Unterfranken, also die fränkische Trockenplatte, das schöne Maindreieck zwischen Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt prädestiniert für eine Machbarkeitsstudie.

Schon losgelöst auch von der Regierung in Unterfranken, von der Wasserwirtschaftsverwaltung, die mal sich gedacht hat: „Mensch, da müssen wir mal genauer hingucken, was da eigentlich in der Region los ist. Sinkende Grundwasserspiegel. Wie kann man da vielleicht ältere alternative Ressourcen oder überhaupt eine Alternative zum Trinkwasser, zum Grundwasser oder auch zum Flusswasser generieren?“

Und so kam eigentlich [00:19:00] auch letztendlich der Stein ins Rollen, dass wir mit der TU München oder eben Professor Drewes auch zusammengekommen sind, weil die Machbarkeitsstudie hier federführend verarbeitet und betreut wurde. 

Klaus Reichert: Das heißt, Sie bewegen sich tatsächlich in einem größeren Kontext. Sie müssen nicht laufend nur gegen Wände rennen oder so was, sondern Türen sind häufiger schon einen gewissen Spalt offen, damit Sie, damit Sie eben etwas bewegen können, weil es eine gewisse Einsicht gibt, dass es die, den Bedarf dafür gibt.

Nadine Scheyer: Handlungsbedarfe und ein nötiger Druck, der sicherlich kontinuierlich wächst. Wir haben es gerade jetzt vom Sommer 26 gehabt. Da rufen dann schon eher die Behörden bei uns an: „Mensch, seid ihr schon so weit? Können wir den nächsten Schritt gehen? Wir haben Not. Wo können wir vielleicht die alternative Ressource, das Wasser jetzt verfügbar machen?“

Weil eben die Niedrigabflüsse im Gewässer auf einmal auch keine Wasserentnahmen mehr zugelassen haben oder auch keine Einleitungen von Kühlwässern und dergleichen. Und dann waren wir auf einmal als Abwasserentsorgungsbetrieb in der Region schon sehr gefragt und sehr [00:20:00] wichtig. 

Klaus Reichert: Ja. Überlegen Sie denn jetzt vielleicht, die, diesen Begriff zu verändern statt Entwässerung, wenn Sie sagen Abwasserentsorgung, Recycling, zirkulär.

Wir haben noch andere Stoffe drin, die wir vielleicht rausnehmen und verkaufen können und, und, und. 

Nadine Scheyer: Da rennen Sie gerade bei mir offene Türen ein. Ja, bin ich, bin ich natürlich schon, werde ich aber noch nicht verraten. Ist noch am, am Werkeln wie wir uns da positionieren. Aber ich denke mal, es muss was sein.

Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß, glaube ich. Und wir merken es ja aufgrund der Fragen von Besuchern die eher den Begriff ein bisschen verteufeln und sagen: „Da muss doch irgendwie Schwamm- und Wasserhaltung auch noch mit rein und Recycling.“ Also von daher, ja, bin ich gerade noch kreativ im eigenen Kopf und ich lasse es Sie rechtzeitig wissen, wenn ich die Neuomoformierung ja, formuliert habe.

Klaus Reichert: Das ist ja auch was Neues, ja. Und das finde ich, das freut mich jetzt richtig, dass Sie mir so, dass Sie gerade so was uns erzählen. Jetzt habe ich verstanden, dass das bei Ihnen in der Region ein, ein wichtiges Thema ist, also Sie sozusagen keine Einzelkämpferin sind und die Stadt [00:21:00] Schweinfurt da auch nicht alleine dasteht.

Das, finde ich, ist jetzt ein ganz gutes, gute Möglichkeit, mal noch zu fragen, was man so vielleicht in anderen Regionen oder in anderen Ländern macht. Herr Drewes, gibt es da irgendetwas, wo Sie sagen können, aus Ihrer Arbeit heraus haben Sie, haben Sie einen gewissen Überblick zum Beispiel und, und finden Best-Practice-Beispiele dann vielleicht woanders, die Sie- die dann auch übernehmen können zum Beispiel? 

Jörg Drewes: Ja, also ich würd vielleicht noch ein Wort ergänzen zu Frau Schreyer.

Ich nenne Kläranlagen jetzt nur noch Ressourcenrückgewinnungszentren.

Klaus Reichert: Sehr schön.

Jörg Drewes: Und das erscheint mir viel zielführender, was sie auch leisten können und das auch ein bisschen positiver zu sehen. Und diese Philosophie ist tatsächlich schon in anderen Ländern viel weiter getrieben. Ich hab selber lange in den USA gearbeitet oder in Australien.

Da versteht man sich schon so, ja. Also nicht nur als Abwasserentsorger ein Abwasser sicher aufzubereiten und dann in ein Flussgewässer wieder einzuleiten, sondern tatsächlich auch die Ressource zu nutzen durch die [00:22:00]Rückgewinnung von Energie, durch die Rückgewinnung von Nährstoffen, aber auch durch die Rückgewinnung von Wasser, also H₂O.

Wir wollen ja kein Abwasserrecycling, sondern ein Wasserrecycling etablieren. Und da hatte ich in meiner, meinem Berufsleben die Möglichkeit, eben in Ländern zu arbeiten, die schon wesentlich mehr zu tun hatten mit Wasserkrisen. Wenn man an den Südwesten der USA denkt, an Australien, auch im Mittleren Osten war ich unterwegs wo eben gar nicht genug Wasser konventionell zur Verfügung steht und man dann über Alternativen nachdenken musste.

Zum Beispiel Wasserrecycling oder Meerwasserentsalzung oder Brackwasseraufbereitung zu machen. Und das eben technologisch auch so aufzuziehen, dass es eine sichere Praxis ist. Dass man dieses Wasser auch für höherwertige Zwecke einsetzen kann, also nicht nur für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Produktionsflächen oder städtischem Grün, sondern tatsächlich bis hin zu Trinkwasser.

Und wenn wir in die USA schauen, wenn wir in andere Länder [00:23:00] schauen aus Australien wird es tatsächlich dort schon jetzt praktiziert. Also aus Abwasser wird über hochtechnische Aufbereitungen, die auch sicher überwacht werden, über eine entsprechende Sensorik da tatsächlich wieder Trinkwasser produziert, was direkt in die Trinkwasserversorgung eingespeist werden.

Und man macht das, weil man keine Alternativen hat und letztendlich auch den Wert dieser Ressource wertschätzt. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir ja einen hohen Aufwand treiben, jeden Tag Wasser bis zu jedem Endkunden bereitzustellen, das Wasser auch wieder sicher einzusammeln, zu behandeln und wieder abzuschlagen.

Also dieses Investment, dieser Aufwand, den wir treiben, das nur für einmal, eine, eine einmalige Nutzung aufzuwenden, ist eigentlich total Geldverschwendung, ja. Also das ist in den anderen Ländern da schon deutlich weiter und als ich 2013 wieder zurück nach Deutschland kam hatten wir ’ne Situation, wo [00:24:00] eigentlich keine Wasserknappheit herrschte und in den letzten acht bis zehn Jahren hat sich dieses Bild wirklich drastisch gewandelt.

Und ich konnte auch feststellen, dass, man drüber nachdenkt Dinge zu tun, die ich aus anderen Ländern schon kannte. Also diese, diese Erfahrung ein Stück weit weiterzugeben und zu teilen das Rad hier auch nicht neu erfinden zu müssen, sondern zu sagen: „Ja, das ist bekannt. In anderen Ländern hat man das und das gemacht.“ War dann auch ’ne Möglichkeit mit solchen innovativen Partnern wie in Schweinfurt dann auch zusammenzuarbeiten und ein neues Kapitel aufzuschlagen. 

Klaus Reichert: Weil Sie sagen, man, man hatte keine Wasserknappheit, man hat’s vielleicht einfach nicht gemerkt, ne dass da sich was verändert. Ich, wieder ’ne Geschichte aus der Schule, ne.

Ich, ich sag mal, in der zehnten Klasse hatten wir ein, ein Erdkundebuch und ich erinner mich, da wurde dann gesagt über Afrika berichtet und es wurde gesagt, dass die Brunnen immer tiefer gebohrt wurden, weil sie natürlich leerer wurden durch die große Wassernutzung zum Beispiel auch auf Feldern und irgendwann natürlich auch versiegt sind.

Und da dachte ich mir: „Wie kann man [00:25:00] nur so bescheuert sein so mit so einer Ressource umzugehen?“ Aber wenn ich, wenn wir hingucken, ich glaub, in dieser Situation sind wir noch nicht direkt in Deutschland, aber wir kommen relativ nah natürlich oder immer näher dran. Dass es immer weniger wird, was wir aus dem Boden zum Beispiel rausnehmen können.

Jörg Drewes: Das stimmt. Das ist nicht immer so. Wir haben halt bestimmte Zeiträume, wo das dann knapp wird und wir sehen ja auch, dass sich daraus dann auch neue Nutzungskonflikte ergeben. Also wenn das Wasser knapp wird, wer darf dann noch wie viel Wasser nutzen? Also sicherlich die öffentliche Trinkwasserversorgung.

Wie sieht’s aus mit der Landwirtschaft? Darf das Gewerbe dann gleichzeitig noch Kühl- und Prozesswasser entnehmen? Wer darf das zuerst entnehmen, ja? Und diese Nutzungskonflikte muss man natürlich auch irgendwo sich klarmachen und idealerweise dann auch regeln aber vielleicht auch die Frage stellen und das haben wir im Prinzip in der Vergangenheit nicht gemacht: Wir haben uns immer darum in der Wasserwirtschaft gekümmert, dass wir genug Wasser bereitstellen.

Aber wir haben nicht die Frage gestellt: Wofür wird das eigentlich eingesetzt [00:26:00] und wer nutzt wann wie viel Wasser? Ja, also wir nennen das Bedarfsmanagement. Mal zu hinterfragen, wofür nimmst du das Wasser eigentlich? Musst du’s zu dem Zeitpunkt nehmen? Also wir haben ja viele Probleme im letzten Sommer auch erlebt, dass in diesen trockenen Phasen und mit Temperaturen über fünfunddreißig Grad alle zur gleichen Zeit den Hahn aufgedreht haben, sage ich mal ein bisschen platt.

Und das funktioniert nicht. Dann wird der Spitzenwasserbedarf in dem, in dem Moment so hoch, dass die Versorger nicht mehr genug Wasser bereitstellen können. Man könnte auch fragen: Okay, vielleicht geht das auch in den Nachtstunden. Vielleicht muss man nicht bewässern während des Tages. Vielleicht muss man auch nicht Prozesswasser abrufen und macht das in den Nachtstunden, ne.

Also das nennen wir, das ist ein Element des Bedarfsmanagements und damit kann man natürlich auch die Situation ein Stück weit e-entschärfen. Aber es wird in Zukunft nicht reichen. Wir werden auf jeden Fall auch alternative Ressourcen nutzen müssen wie Regenwassernutzung, Regenwasserspeicherung, aber auch Grauwassernutzung oder [00:27:00]Wasserrecycling im großen Maßstab, so wie es jetzt auch in Schweinfurt angedacht ist.

Klaus Reichert: Danke, dass Sie da zurückgekommen sind zu dem Projekt in Schweinfurt. Frau Scheyer, jetzt haben Sie da ja, sind Sie im Projekt, in Projekten, sagen wir’s mal so da ist natürlich viel zu tun. Das ist so ein bissle wahrscheinlich auch on top zu normalen Aufgaben, die Sie haben oder die Sie, die quasi das Team dann auch hat.

Wie funktioniert das dann so also ist es irgendwann so, dass Sie sagen können: „Mensch, das hat sich jetzt für uns gelohnt oder wir nehmen da extra was ein oder wir sparen XY oder so?“ Oder ist es jedes Mal einfach erst mal der große Auswahlaufwand, weil man einen Prototyp zum Beispiel baut und erst natürlich dann, wenn’s die Kommune A, B, C, D, E und die anderen eben sozusagen dann auch aufgreifen, sich dann lohnt?

Nadine Scheyer: Ja, bei uns jetzt ganz konkret steht ja Gott sei Dank schon auch die weitere Stufe, also die sogenannte vierte Reinigungsstufe für Spurenstoffelimination in den Startlöchern und insofern haben wir eigentlich die letzten fünf, sechs Jahre mit diesen Pilotanlagen und [00:28:00] den Forschungsprojekten eher als wertvolle geschenkte Betriebserfahrung verstanden.

Also so haben’s auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesehen, dass sie sich da erst mal austesten dürfen: Mensch, was heißt das jetzt eigentlich? Weil klassische Abwasserreinigung können wir, das ist geübte Praxis. Da weiß wohl der Abwassermeister als auch sein Team oder auch der Elektriker und der Industriemechaniker, was ist da zu tun, was sind da für Störfälle.

Aber jetzt so eine vierte Reinigungsstufe, die Technik ist zwar bekannt, die kennt der Trinkwasserversorger, der hat schon Wasser ozoniert oder filtriert oder auch mit der Aktivkohle gearbeitet, aber der Kläranlagenbetreiber halt hatte doch schon noch so’n bisschen Berührungsängste oder möchte halt einfach wissen, auf was er sich dann groß technisch einlässt.

Also insofern würde ich sagen: Win-win-Situation für alle Beteiligten und für die Region halt der absolute Mehrwert, weil wir so’n bisschen Vorreiter natürlich sein dürfen, die Transformation für eine klimaresiliente Stadt sogar etwas früher erreichen können und einfach gut vorbereitet sind. Also insofern, solange das Team [00:29:00] da auch in eine Richtung mitzieht, ist das alles stemmbar und deswegen mussten wir jetzt nicht unmöglich Personal mehren oder noch zusätzliche Kostenstellen dort anzapfen, sondern wir haben das tatsächlich im Tagesgeschäft mit untergebracht, um immer wieder die Zukunft auch im Blick zu halten.

Wo endet’s dann mal für uns oder wo geht die Reise hin? 

Klaus Reichert: Also Sie mussten für Stichwort vierte Klärstufe – vielleicht müssen Sie ja mal noch kurz drauf eingehen. Sie mussten sich sowieso mit dem Thema beschäftigen. Dadurch war’s klar, dass Sie natürlich Ressourcen haben oder brauchen das weiterzuentwickeln.

Hab ich das richtig verstanden? Das ist vielleicht auch getrieben durch irgendwelche EU-Vorgaben, was Wasserreinheit und Ressourcen und so was eben angeht? 

Nadine Scheyer: Korrekt, das sind Vorgaben, ob jetzt europäische Kommunalabwasserrichtlinien, jetzt mal unabhängig, ob nationales Recht schon besteht. Aber wir sind einfach an einem Fließgewässer an dem Main, der durchaus schon Tendenzen zeigt, dass einfach die Stoffe, die hier in Nordbayern am Industriestandort noch mit dem Abwasserpfad [00:30:00] eingetragen werden oder auch durch ganz viele andere Pfade einfach die Gewässerökologie nachhaltig beaufschlagen, belasten.

Und da können einfach Klärwerke ihren Beitrag zu leisten, wenn sie die entfernen. Und da fangen wir natürlich an mit Industriechemikalien, Kosmetika, Medikamentenrückständen und insofern sind wir hier nicht erst 2045, wie es vielleicht die gesetzliche Pflicht für unsere Ausbaustufe wäre unterwegs, sondern halt auch schon gute zwanzig Jahre früher.

Und das finde ich auch wichtig, weil man ja, wie wir schon mehrfach jetzt gehört haben, auch wahnsinnig viel Zeit für Planungsprozesse und dann die bauliche Umsetzung und auch Betriebserfahrung und vielleicht auch Akzeptanzen in der Bevölkerung, in der Politik erst aufbauen muss. Und insofern ist es wirklich wertvolle geschenkte Zeit und eigentlich unbezahlbar, wenn man in solchen Projekten mitmachen darf.

Klaus Reichert: Ja, verstehe ich. Wie, wie Sie Herr Drewes, glaube ich, vorhin gesagt haben, ist es wird natürlich viel Wasser auch gebraucht und die Frage ist, wer wann, wie, wo vielleicht Zugriff drauf hat oder auch zu welchen Kosten, ja. Da hört man aber eben auch immer wieder, dass [00:31:00] wir zum Beispiel in Deutschland ein großes Problem mit eben zu viel Phosphat – ist es Phosphat?

im, im Trinkwasser haben, in, in den Quellen, was häufig auf Überdüngung hin, hinausgeführt wird. Jetzt ist das natürlich auch ein Problem. Da ist was im Wasser drin. Ist das etwas, was Sie dann zum Beispiel auch wieder rausnehmen können? Oder ist es da eigentlich schon wieder zu spät und man müsste es vorher, bevor es überhaupt Trinkwasser wird, dann eben rausnehmen?

Jörg Drewes: Also ich glaube, auf die Situation, auf die Sie verweisen, da geht es tatsächlich um Nitrat. 

Klaus Reichert: Nitrat, Entschuldigung. 

Jörg Drewes: Kommt aber aus der gleichen Aktivität, nämlich Einsatz von Düngern in der Landwirtschaft. Und wenn das im Rahmen von Einzugsgebieten für die Trinkwassergewinnung praktiziert wird, dann kann es zu hohen Einträgen von Stickstoff in der Form von Nitrat ins Grundwasser kommen.

Und Grundwasser ist ein Rückgrat der Trinkwasserversorgung in Deutschland und es gibt dann Möglichkeiten oder es gibt Situationen, wo dann die Nitratwerte [00:32:00] ansteigen. Da ist es tatsächlich am besten, man geht an die Quelle und man versucht, das von vornherein zu unterbinden. Und es gibt auch viele Partnerschaftsprogramme zwischen Wasserversorgern und der Landwirtschaft, da vielleicht auch Ausgleichsmaßnahmen für geringere Erträge auszugleichen von Seiten der Versorger und dafür setzen die Landwirte weniger Dünger ein.

Das hat sich bewährt und es ist auch nachweislich so, dass dort die Nitratbelastungen zurückgehen. Nitrat technisch aus dem Wasser zu holen, das funktioniert, aber es ist sehr aufwendig und teuer. Und davon kann man eigentlich nur abraten. Das ist nicht das, was wir machen wollen auf der Trinkwasserseite.

Wir wünschen uns in Deutschland ein naturnahes Trinkwasser was durch Bodenschichten filtriert wird. Und damit das auch gut passieren kann, brauchen wir geschützte Einzugsgebiete, wo eben die Nutzungen ein Stück weit eingeschränkt sind. Wir wollen dort keine Industriekomplexe, wir wollen dort keine industrielle Landwirtschaft, damit sich dort neu [00:33:00] Grundwasser neu bilden kann.

Und wir auf eine aufwendige Aufbereitung, wie wir sie aus anderen Ländern kennen, verzichten können, ja. Das ist so ein bisschen die deutsche Philosophie. Wenn wir jetzt auf die andere Seite schauen, auf die Abwasserseite dann, wenn das Wasser genutzt wurde, dann sind natürlich eine Vielzahl von Stoffen drin, die noch dazukommen.

Also nicht nur Nährstoffe, die kommen wesentlich durch unser Nahrung und aus dem Urin. Hinzu kommen natürlich auch viele Chemikalien, die wir in unserem Alltag nutzen. Das sind Pharmazeutika, die wir uns einwerfen, damit wir gesund bleiben. Das sind aber auch Kosmetika, die auch abgespült werden, wenn wir unter der Dusche stehen.

Es sind aber auch Haushaltschemikalien, die durchaus eine wichtige Rolle spielen in unserem Haushalt, in unserem Alltag aber dann eben auch nicht komplett entfernt werden wie Industriechemikalien in der konventionellen Abwasserbehandlung. Und die können dann durchaus auch schädlich wirken im Fließgewässer auf zum Beispiel Fische aber auch wieder auf die [00:34:00] Trinkwassergewinnung, wenn die unterhalb einer Einleitung stattfindet.

Und diese Situation haben wir natürlich auch in Deutschland. Wir haben Unterlieger, die aus einem Fluss, zum Beispiel über Uferfiltratgewinnung, wieder Trinkwasser gewinnen. Und wenn wir nur auf diese Filtration oder naturnahe Filtration uns verlassen mag das nicht mehr hinreichend sein, um alle diese Stoffe, die sich dann auch im Flusswasser befinden, zurückzuhalten, ja.

Und deswegen die Überlegung auch der EU-Kommission die Gesetze so anzupassen, dass in Zukunft alle großen Kläranlagen in Europa über eine sogenannte vierte Reinigungsstufe verfügen, wo diese Spurenstoffe, die eine konventionelle Kläranlage nicht entfernen kann, so weitgehend entfernt werden, dass man diese negativen Auswirkungen im Fließgewässer oder auch für eine Trinkwasserversorgung unterhalb nicht mehr hat.

Ist eigentlich ein guter Ansatz. Wir wollen ja möglichst wenig Aufwand treiben, damit wir die Wasserkreisläufe auch schließen können. Und hier [00:35:00] ziehen wir sozusagen eine Senke ein, ja, eine Stoffsenke bei den Kläranlagen, sodass diese Stoffe dort effektiv zurückgehalten werden können. Und das wird in Schweinfurt jetzt passieren als eine der ersten Anlagen auch in Bayern.

Klaus Reichert: Jetzt haben Sie Stoffe angesprochen, die man rausnimmt noch aus dem Abwasser. Das ist ja sicher nicht alles nur in Anführungszeichen Abfall. Da sind sicher ja auch wertvolle Materialien dabei. Kann man das sozusagen als, ja als Mine, sozusagen als Bergwerk nutzen? 

Jörg Drewes: Es gibt tatsächlich Kläranlagenbetreiber die wertvolle Stoffe auch wieder zurückholen.

Ich kenne eine Anlage in Japan, die Gold zurückgewinnt und Gold natürlich Spurenelemente, die auch in einem Abwasser nachweisbar sind. Aber wenn man großen Aufwand treibt, dann kann man tatsächlich auch diese Stoffe wieder zurückgewinnen. In der Regel ist es nicht wirtschaftlich, ja. Die [00:36:00] Konzentration, die Mengen sind so gering, dass man einen Riesenaufwand treiben muss.

Aber um Ihnen ein anderes Beispiel zu geben: Was wir tatsächlich heute machen, ist Informationen über die öffentliche Gesundheit zurückzugewinnen aus dem Abwasser. Wir können mit der Biotechnologie, mit den genomischen Untersuchungen, die wir heute zur Verfügung haben, tatsächlich auch detektieren, wie sind Krankheitserreger, wie ist das Krankheitsbild in einer in einer Kommune a-aufgestellt.

Wir können auch über den Pharmakaverbrauch, indem wir die Pharmaka messen, gut sagen, wie gesund ist diese Stadt. Oder gibt es gerade eine Grippewelle, weil sie dann natürlich gewisse Grippemedikamente in dem Abwasser finden. Und das nennt man Abwasserepidemiologie. Also wir können zur öffentlichen Gesundheit über die, das Vorkommen von Viren oder Krankheitserregern oder auch von bestimmten Inhaltsstoffen tatsächlich ein Bild schaffen.

Und das ist eine wichtige Information. Ist auch eine Ressource. Ist eine [00:37:00] Information, aber durchaus wichtig und das war besonders wichtig während der Pandemie. Wir erinnern uns dort war es ja wichtig zu gucken auch, wie effektiv beispielsweise Maßnahmen waren, als wir alle im Lockdown waren und nicht auf die Straße durften und die Regierung oder die Städte dann entscheiden mussten, ob man diese Maßnahmen lockern kann.

Und mit so einer Diagnostik kann man tatsächlich auch sagen, ob der Gesundheitszustand sich verbessert oder eher verschlechtert. Und wenn er sich verbessert, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Maßnahmen positiv greifen. Und das haben wir tatsächlich auch zeigen können, auch mit der Stadt Schweinfurt während der Corona-Epidem– Pandemie dass diese Maßnahmen sehr hilfreich sind oder diese Untersuchung für Krisenstäbe.

Klaus Reichert: Ja. Ist das schon etwas, was weit verbreitet ist, sodass man das quasi für jede Stadt auch ablesen kann? 

Jörg Drewes: Es ist tatsächlich im Nachlauf der Pandemie auch eingeflossen in die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie, dass Kläranlagenbetreiber darauf [00:38:00] vorbereitet sein sollten, diese Untersuchung durchzuführen.

Und in einigen Bundesländern ist es tatsächlich auch verstetigt worden, wie im Freistaat Bayern, sodass sie auch hier online sich den Gesundheitszustand über Kläranlagendaten der Bevölkerung anschauen können. An ausgewählten Standorten, ungefähr zwanzig Standorten in ganz Bayern, wird regelmäßig das Abwasser beprobt für unterschiedliche Krankheitserreger.

Man kann dort zum Beispiel sehen, wo geht gerade die Grippewelle durch wo sind die Coronaviren wieder aufgetreten. Und ich glaube, das ist eine wertvolle Diagnostik, die sich aus diesen, aus dieser Notsituation damals ergeben hat, darüber nachzudenken: Kann man das messen und nutzbar machen?

Und es lässt sich tatsächlich auch erweitern. Also wir arbeiten an unserem Lehrstuhl auch an anderen Markern. Man kann auch diese ganze Diagnostik erweitern, zum Beispiel sich Krebsmarker anzuschauen. Also wie sind bestimmte Krebserkrankungen verbreitet in der Bevölkerung? Also die Sensitivität [00:39:00] der Analytik ist enorm was sie dort differenzieren können, ja.

Also um ein Beispiel zu geben: Eine Abwasserprobe damals in der Corona-Epidemie war so sensitiv, dass wir zehn Fälle unter hunderttausend Einwohnern detektieren können. Und damit haben wir eine extrem hohe Sensitivität in der Analytik, ja. 

Klaus Reichert: Beeindruckend. Frau Scheyer, wie Sie angefangen haben mit diesem Thema Stadtentwässerung, hätten Sie sich das gedacht, dass so was möglich ist?

Nadine Scheyer: Vielleicht gewünscht, gehofft. Also ich sag , nein, dass das Abwasser ein spannendes Medium ist und auch so ein bisschen Spiegel einer Stadt sein kann. Wir reden ja über die Abwassermatrix, die Zusammensetzung. Was finden wir alles? Herr Professor Drewes hat jetzt gerade schon angesprochen, eben Viren, Bakterien, Keime oder den Gesundheitszustand.

Natürlich wissen wir auch im indirekten Leitermonitoring, was uns eben die Industriebetriebe für Stoffe noch einleiten, von denen die manchmal selber gar nicht wissen, dass sie in ihren Prozessen noch übrig sind. Also Abwasser ist hochkomplex, aber auch wahnsinnig spannend. Also [00:40:00] doch, das war schon so meine Vorstellung.

Das hat man im Studium mitbekommen und ist schön, dass man es in der Realität auch wiederfindet und auch weiterentwickeln darf. 

Klaus Reichert: Ich finde es auch jetzt gerade richtig faszinierend. Also ich hab zwar schon mal davon gehört, aber dass es eben so so so präzise sein kann, das war mir so nicht bewusst.

Gut verstanden. Sie haben beide individuell schon viel gemacht im Thema. Sie arbeiten zusammen im Projekt. Wenn wir jetzt das Projekt mal weiterverfolgen mal angenommen, es ist dann vollständig abgeschlossen. Sie haben Ihre vierte Stufe. Was ist dann für Sie das größte Ergebnis, das, das Sie aus so was dann ziehen würden?

Oder wie, w-worüber freuen Sie sich da am meisten? Oder i– das ist jetzt ein bisschen eine blöde Frage, aber w-was ist dann das, das echte Ergebnis für das Projekt jetzt? Dass es natürlich diese Klärstufe gibt, verstehe ich. Aber gibt’s noch irgendwas Weiteres, wo Sie sagen: „Mensch Da sind wir wirklich vorangekommen.

Nadine Scheyer: Ich glaub, zu Ende gedacht ist das sowieso noch überhaupt nicht. Also die vierte Klärstufe ist jetzt [00:41:00] einfach, wie die, die Nummer es schon sagt, die Nummer vier bei uns auf dem Klärwerk. Wir reden ja auch oft gerne dadrüber, dass wir sogar noch weitergehend aufreinigen. Wie gesagt, wir möchten gar kein Trinkwasser machen, aber wir möchten einfach so eine hohe Wasserqualität erzeugen, dass sie dann auch wieder an den Nutzer geht.

Und dementsprechend geht’s für uns jetzt eigentlich erst richtig los und weiter, weil eben noch Verteilungsinfrastruktur, Transport- und Speicherinfrastruktur über das Stadtgebiet ausgerollt werden muss oder auch ins Umland, um eben das urbane Grün und die Landwirte mitnehmen zu können und an der Ressource partizipieren zu lassen.

Also insofern ist das jetzt eigentlich erst der, der Startschuss für alles Weitere, was noch kommen soll und hoffentlich auch kann. 

Klaus Reichert: Da muss ich kurz einhaken. Sie haben gesagt, eine Verteilinfrastruktur aufbauen. Das heißt, Sie würden zu Großverbrauchern oder zu Verteilzentren auf der Land, von zum Beispiel in der Landwirtschaft, würden Sie zum Beispiel Wasserleitungen legen von der Kläranlage aus, wo Sie dann dieses Wasser dann konkret weitergeben würden, damit es unabhängig von dem in Anführungszeichen Frischwasser, vom Brunnenwasser [00:42:00] und so was, dem Stadtwasser, dem Trinkwasser genutzt werden kann.

Nadine Scheyer: Korrekt, damit’s wirklich als vollständige alternative Ressource auch wirklich nutzbar ist, weil dann ist es sichtbar und kann in die Anwendung. Natürlich wissen wir alle, Transportleitungen, die müssen wir irgendwie in der Erde verlegen. Es ist eine Tiefbaumaßnahme. Das kostet durchaus auch Geld. Aber ich glaub, das ist einfach ganz wichtig, um die Zukunft von morgen zu denken, wenn wir eben keine Alternative mehr haben, weil eben die Brunnen versiegen, weil wir kein Grundwasser mehr fördern können, weil einfach die Ressource Trinkwasser oder auch das Uferfiltrat für Trinkwasser eben für wertigere Anwendungen zur Verfügung stehen müssen.

Und insofern schauen wir schon um das Klärwerk rum in einem Zirkel, der noch in irgend’ner Form zwischen jetzt mal wirklich angefangen vom Nahbereich vielleicht landwirtschaftliche Flächen erschließt, aber auch bis zu zehn, zwanzig Kilometer. Wir bauen Fernwasserleitungen für das Trinkwasser. Warum bauen wir nicht auch Leitungen in Richtung Fernwasserversorgung Nutzwasser?

Also das sind schon auch [00:43:00] solche Visionen, die auch wir als K-Kläranlage oder Stadtentwässerungsbetrieb, wie wir aktuell doch heißen, haben. Wir wollen jetzt nicht der Trinkwasserversorger werden, aber auch ein Versorger für eine Ressource, für eben, wie Professor Drewes so schön sagt, diese Ressourcenrückgewinnung, die Wasserwiederverwendung wirklich in die Praxis überführen zu können.

Klaus Reichert: Aber wenn es alles so schlimm ist, ne, wie Sie grade sagen und ich möcht jetzt das auch nicht in Zweifel ziehen dann sind Sie bald oder in absehbarer Zeit auch Trinkwasserversorger. Dann sind Sie ja sozusagen, wird der Kreislauf ja wirklich geschlossen und dann sind quasi Sie und Ihre Kollegen oder Kolleginnen dann quasi in, in, in derselben Abteilung.

Nadine Scheyer: Ja, natürlich, weil wir dann eben nicht nur vom Entsorger, sondern auch zum Versorger mutiert sind, aber mit einem geschlossenen Kreislauf. 

Klaus Reichert: Ja, 

Nadine Scheyer: ja. Das Wasser ist dann bei uns schmutzig angekommen und verlässt eben sauber oder nutzbar wieder das Gelände. 

Klaus Reichert: Weil Sie’s grad angesprochen haben mit diesen langen Wasserleitungen.

Ich kenn das vom Bodensee. Da wird über Hunderte von Kilometer das Wasser [00:44:00] vom Bodensee bis Stuttgart und weit über darüber hinaus auch transportiert. Das ist sehr beeindruckend wenn man dieses Werk dann da unten auch besichtigt. Und ich hab jetzt grade vor Kurzem gehört, glaub ich, dass es in Bayern über den bayerischen Teil des Bodensees etwas Ähnliches vielleicht geplant ist Wasser zu entnehmen und eben weiter zu transportieren.

Hatten Sie, haben Sie da schon irgendwas mitbekommen davon? 

Jörg Drewes: Ja, das war tatsächlich ein Vorschlag der bayerischen Staatsregierung auch geschuldet der Tatsache, dass wir grade in Nordbayern eben nicht genug Wasser haben und die Idee war, dass man die Fernwasserversorgung, ähnlich wie Sie die Bodenwasserversorgung oder die Landeswasserversorgung in Baden-Württemberg angesprochen haben, die haben wir in Bayern auch wo Wasser aus der Donau, aus dem Donau-Mündungsbereich des Lechs bis nach Unterfranken und Oberfranken gepumpt wird.

Und um das weiter zu stützen, war die Überlegung tatsächlich den Bodensee [00:45:00] anzuzapfen und über eine dreihundert Kilometer lange Pipeline dann eben an die Fernwasserversorgung im Bereich von anzuschließen. Das Projekt ist vom Tisch. Man hat das nicht weiterverfolgt und ich glaube, das ist auch nicht überraschend, weil so ein Projekt wäre veranschlagt mit mindestens vier Komma drei Milliarden Euro.

Und ich hab mir tatsächlich mal die Mühe gemacht, mit einer Masterantin und einer Kooperation mit einem Planungsbüro durchzurechnen, wie lange das dauern würde, so eine Pipeline zu bauen wenn man alle Abkürzungen, die erlaubt sind, nehmen könnte und das Bauvorhaben an mehreren Stellen gleichzeitig starten würde, auch auf Erfahrungen von ähnlichen Projekten an der Elbe in der jüngsten Vergangenheit und wir waren bei mindestens fünfundzwanzig Jahren.

Klaus Reichert: Wobei wahrscheinlich die Bauzeit gar nicht so lange wär, sondern mehr die Genehmigungsverfahren da im Vordergrund standen.

Jörg Drewes: Das gehört alles dazu ja. Aber die, die, diese Wirksamkeit einer solchen Maßnahme, die setzt tatsächlich erst in fünfundzwanzig Jahren ein. Und wenn wir uns vorstellen, dann sind wir im Jahr [00:46:00] 2050, wie die Welt um uns heraus herum aussieht oder auch der Wasserspiegel im Bodensee.

Ja. Also wir haben hier Phasen gehabt in diesem Sommer, wo ja der Bodenseespiegel über wenige Tage um Zentimeter gefallen ist. Also diese gigantische Wassermenge ist auch nicht unendlich ausschöpfbar und hängt natürlich auch sehr von ab von dem Wasser, was aus den Alpen kommt, von den Gletschern, von den Permafrostböden, die wir verlieren werden in naher Zukunft.

Also diese Ressource ist alles andere als sicher. Der wird nicht austrocknen, der Bodensee, aber er wird deutlich dezimierter sein. Und wenn dann diese extremen Wetterlagen sich darstellen, dann ist das auch keine sichere Versorgung mehr. Abgesehen davon, dass natürlich die Schweiz oder Österreich oder Baden-Württemberg sicher nicht so begeistert waren von der Idee.

Also man ist davon abgerückt. Man macht jetzt andere Dinge guckt aber auch, geht, beschreitet neue Wege, [00:47:00]um, um einfach auch sich resilienter aufzustellen für die Wasserzukunft. 

Klaus Reichert: Im Bodensee müsste jetzt eigentlich so eine Art Hochwasserstand sein, ja. Es ist aber eben eben der Niedrigwasserstand noch vor dem Winter, wo eben noch mehr, noch weniger kommt.

Das ist etwas, was mir schon lange aufgefallen ist, wo ich auch ungern immer drüber rede aber es ist noch nicht wirklich angekommen, hab ich manchmal den Eindruck. Frau Scheyer, Herr Drewes, wir haben jetzt grade auch über sehr viele Sachen gesprochen, die sich zum Teil apokalyptisch anhören, ja, die es notwendig machen, solche Sachen zu tun, wie Sie’s ja grade auch machen im, in den Projekten.

Aber ist das etwas, was Ihnen Emotionen auslöst, vielleicht auch mal schlecht schlafen lässt 

Jörg Drewes: Die Zukunft, die sich darstellt kommt mit hohen Herausforderungen und ich denke, einige der Trends sind da sicherlich nicht besonders vielversprechend wenn man an die Extremwetterlagen denkt, wenn man auch an diese Trockenheit und die Hitzewellen denkt.

Aber ich [00:48:00] meine, es gibt für alle diese Dinge Lösungen und natürlich müssen wir den Klimawandel einschränken. Das ist die erste Priorität und da sollten wir nicht von ab gehen, das entsprechend auch rigoros voranzubringen. Aber wir müssen uns anpassen und die Möglichkeiten und die Maßnahmen, die dafür nötig sind, sind eigentlich bekannt.

Wir müssen sie nur auf die Straße bringen. Und die große Herausforderung, die wir haben in der Wasserwirtschaft, ist, dass die Maßnahmen, die wir heute uns überlegen, nicht sofort wirksam werden. Sie müssen erst mal geplant und umgesetzt werden, bevor sie greifen. Und ich sage immer: Maßnahmen, die wir heute beschließen, die, die wirken frühestens in zehn Jahren.

Ja, also man muss auch Geduld mitbringen. Man kann nicht erwarten, dass man mit einer beschlossenen Maßnahme sofort Effekte sieht in zwei oder drei Jahren. Das wird nicht passieren. Und natürlich ist das auch eine Botschaft an die Entscheidungsträger, an die Politiker, durchaus auch standhaft zu bleiben und wirklich hier [00:49:00] die Linie zu halten, diese Maßnahmen dann auch zu beschließen und auch dran zu bleiben und sich eher auf die Sicherung der nächsten Generation zu fokussieren, weil die Zeiträume einfach auch notwendig sind, diese Transformation, diesen Umbau zu gewährleisten.

Aber die Lösungen sind eigentlich da. Wir wissen, was wir eigentlich machen müssen wir müssen’s nur tun und wir müssen’s möglichst schnell tun. Und das ist die Herausforderung, die ich eigentlich sehe, die am, am größten ist, dass diese Änderungen so viel schneller passieren, als viele Modelle auch prognostiziert haben dass wir mit dem konventionellen Weg, wie wir Entscheidungen treffen und wie wir Lösungen etablieren, viel zu langsam sind.

Wir müssen viel schneller werden in den Entscheidungsfindungen und in der Implementierung. Und da brauchen wir auch die eine oder andere Abkürzung. Ja 

Klaus Reichert: Und solche motivierten Menschen wie die Frau Scheyer und die ganzen Kolleginnen, Kollegen die Menschen in ihrem [00:50:00] Umfeld die so was dann tatsächlich auch mitmachen und umsetzen.

Nadine Scheyer: Deswegen macht’s mir jetzt persönlich auch keine Angst, sondern ich weiß, dass es die Technik gibt und dass wir einfach jetzt uns nur beeilen müssen. Klar bin ich oftmals auch ein wenig ungeduldig vielleicht für das eine oder andere, weil ich mittlerweile weiß, dass Entscheidungen Zeit brauchen.

Aber wenn wir klar das Ziel im Fokus haben, dann müssen wir jetzt einfach anfangen, loslegen, loslaufen und uns nicht mehr aufhalten lassen. 

Klaus Reichert: Sie haben jetzt beide gerade gesagt: „Mensch, wir haben eigentlich schon alles. Wir, wir haben die Technologien, wir haben also die Erkenntnisse. Die Einsicht ist vielleicht noch nicht bei allen so da.

Gleichzeitig bringen Sie ja jetzt positive Beispiele. Sie haben, sammeln einen Haufen Wissen an, Sie wissen, wo, wo’s dann quasi drückt, also auch nicht nur, also nicht technisch, sondern zum Beispiel in den Planungsphasen, in der Vorgehensweise, in, in der Art und Weise, mit den entsprechenden Gremien, Kreistag, Stadtrat und so weiter eben auch umzugehen.

Die ganzen Stakeholdern, die’s da, die’s da unter Umständen auch noch mal extra gibt wo’s dann unter Umständen [00:51:00] auch Widerstände ja geben kann, unter anderem, weil man eigentlich nix verändern möchte, ja. Und 2045, wo man dann die vierte Klärstufe haben muss, ist ja noch so weit weg, ne. Also das heißt, da wird’s genügend Kollegen und Kolleginnen geben, die da gerne, also fünf Jahre vorher, später frühestens anfangen damit.

Wie kriegen wir das jetzt hin? Oder was ist Ihr Plan diese Erfahrungen, diese Erkenntnisse, diese, dieses, quasi diese Vorgehensweisen, die Sie entwickelt haben, die Sie ausprobiert haben und für gut befunden haben, tatsächlich auch, auch dann auszurollen, dass das in den vielen anderen Kommunen mit ihren vielen, vielen Kläranlagen, die es da gibt, dann eben auch passiert.

Und da würd ich ergänzen die Frage von der Barbara Schmucker: Gibt’s denn einen Wissenstransferplan, den Sie für so ’n Thema dann auch aufgebaut haben? Oder eine Vorgehensweise, die Sie zum Beispiel über politische Beratung oder so was dann weitergeben?

Nadine Scheyer: Also, also wir auf jeden Fall auf der praktischen Seite. Wir sind in, in Kläranlagennetzwerken organisiert, die auch immer wieder [00:52:00] herzlich eingeladen sind zum, zum Anschauen, zum Diskutieren und eben an unseren Erfahrungen zu partizipieren, um dann diese Entscheidungen nicht noch mal, also sich mehr oder weniger dort auch wundzulaufen, sondern vielleicht zielgerichtet ihre Argumente vorzubringen, weil sie einfach schon bei uns sehen, wie’s funktioniert hat oder funktionieren kann.

Also das bieten wir immer an und das läuft eigentlich auch ganzjährig. Natürlich auch mit der Unterstützung der TU München, die aber natürlich auch hier noch mal ganz andere Pfade bestreiten kann. 

Jörg Drewes: Ja, ich glaube auch, dass das Zögern, was wir feststellen, durchaus menschlich ist. Es braucht halt immer jemand , der voranschreitet, also ein Pionier der einen neuen Weg einschlägt und dann können andere folgen.

Und ich glaube, dass dafür auch solche Projekte wie in Schweinfurt Leuchtturmcharakter haben, ein Vorbild sein können. Sie sind skalierbar. Sie, sie finden statt in einem Umfeld, in einem Maßstab, wo auch andere Kommunen, andere Betreiber sich das anschauen können.

Wie habt ihr das [00:53:00] gemacht?

Wie habt ihr eure Betriebspersonal oder eure Stadträte mitgenommen?

Was hat das gekostet, ja?

Welche Technologie hat sich bewährt?

Wie setzt ihr das betriebswirtschaftlich auf?

Wie wird das abgerechnet?

Alle, alle diese kleinen Fragen, die Verantwortliche zögern lässt, das überhaupt anzugehen kann man sich dort anschauen und man kann Fragen stellen.

Und ich glaub, das ist der größte Multiplikatoreffekt, den man hier wirklich sich wünschen kann. Und da bin ich fest davon überzeugt, dass das sehr stark auch wirken wird in Schweinfurt, weil die Stadt Schweinfurt hier wirklich Pionierarbeit leistet und voranschreitet und viele Kommunen ja auch um dieses Projekt wissen und auch schon den Kontakt gesucht haben, davon zu lernen und diese Fragen zu stellen und sie werden folgen.

Also ich nehme wahr, dass viele Kommunen sich auf dieses Projekt beziehen. „Das wollen wir auch haben. Wie habt ihr das gemacht?“ Ja. Also ich glaub, das ist wichtig, dass man [00:54:00] einfach mal zeigt, dass es neue Wege gibt und dass die auch begehbar sind dass es natürlich Hürden gibt in der Umsetzung, aber dass diese Hürden auch zu nehmen sind.

Klaus Reichert: Sie wissen ja, für den Podcast ist es wichtig, vom, vom Zuhören auch ins Machen zu kommen. Und nach all dem, was ich jetzt so mitgenommen hab haben wir natürlich verschiedene Menschen, die idealerweise hier zugehört haben. Ohne jetzt auf die einzelnen Dezernate oder so was von einer Stadtverwaltung eingehen zu können, würde ich mal sagen, haben wir natürlich was mit Stadtentwässerungsmenschen zu tun, aber auch mit Stadtbewässerungs- oder Wasserversorgungsmenschen zu tun, weil am Ende wachsen diese Positionen, diese Funktionen eigentlich auch zusammen idealerweise, dass wir da in den Kreislauf reinkommen.

Wir haben’s natürlich mit Politik zu tun, mit Stadträten, Stadträtinnen, Oberbürgermeisterinnen zum Beispiel auch und, und, und. Sicher auch mit Technologen, die irgendwelche Verfahren, Maschinen und so weiter dann für die jeweiligen Kläranlagen zur [00:55:00] Verfügung stellen. Natürlich Bauunternehmen, die schlussendlich dann mit entsprechendem Know-how da dann dann auch sinnvollerweise ankommen.

Und wir wissen, dass sozusagen bis 2045 plus minus dann etwas umgesetzt sein muss, was im Grunde alle großen Kläranlagen oder alle Kläranlagen in der EU betrifft. Da gibt’s vielleicht auch starke Unterschiede in der Ausstattung der Kläranlagen zwischen vielleicht Deutschland und Italien. Da bin ich nicht so sicher, ob das alles stimmt, was ich da schon gehört hab, aber das da sind wir halt schon, glaube ich, ganz gut unterwegs und vielleicht auch, wir kümmern uns auch drum.

Jetzt, jetzt ist trotzdem wichtig, dass wir da, dass diese einzelnen Personengruppen auch, die ich gerade angesprochen hab, dass die anfangen können, von Ihnen was lernen können. Was ist denn so Ihrer Ansicht nach, Ihrer Erfahrung nach auch: was wären denn so die drei wichtigsten Schritte, um so ein Projekt jetzt zu starten?

Jörg Drewes: Also ich würde auf jeden Fall schauen, wie man Synergieeffekte nutzen kann. Wir haben jetzt über die sogenannte vierte Reinigungsstufe gesprochen, die gesetzlich vorgeschrieben [00:56:00] ist und die Ausbauziele sind bekannt. Wir können nicht bis zwanzig vierzig oder vierundvierzig warten, weil diese Anlagen einfach geplant und auch gebaut werden müssen und da gehen auch mal schnell ja, fünf bis zehn Jahre ins Land.

Aber wir sehen, dass wir hier ja ganz neue Möglichkeiten bekommen, eine Wasserqualität zu generieren, die so gut ist, dass sie vielleicht sogar fast zu schade ist, in ein Fließgewässer wieder einzuleiten. Warum nicht zu gucken, auch welche Potenziale bestehen lokal und sich auch ein Stück weit als Dienstleister zu verstehen.

Also es ist auch ’ne neue neues Selbstverständnis damit verbunden. Man ist nicht nur ein Abwasserentsorger, man wird als Dienstleister vielleicht gebraucht für eine alternative Wasserressource, die dann auch noch energieneutral hergestellt wird. Wunderbar, ja. Also wie kriege ich das alles zusammen?

Wie kann ich diese Synergien schaffen und heben im Kontext mit anderen Stakeholdern? Und da sind, glaube ich, auch Dinge und Personen anzusprechen, die [00:57:00] der klassische Kläranlagenbetreiber erst gar nicht mehr auf dem Zettel hat. Er verhandelt in der Regel mit den Behörden und er kennt seine Indirekteinleiter, aber er kümmert sich nicht so sehr, wo das Wasser eigentlich hingeht, ja.

Das ist auch nicht seine Aufgabe bisher gewesen. Das wird es aber in Zukunft. Also das ist auch ’ne Chance die man da ergreifen kann und damit sind vielleicht auch Dinge verbunden, die sogar ökonomisch sich rechnen. Also man hat ein Produkt, was man dann auch in Rechnung stellen kann, sodass sich die Kosten auch minimieren oder die Bereitstellungskosten dann auch gedeckt werden können, ja.

So, also ich glaub, da ist viel Luft nach oben und da ist jeder Standort ein bisschen anders. In der einen Stadt wird vielleicht gar nicht so viel Wässerungswasser gebraucht, weil es da eine andere Ressource für gibt. Aber vielleicht gibt es dort hohe Bedarfe für Prozesswasser in der Industrie.

Und andere Kommunen haben vielleicht große landwirtschaftliche Bereiche, wo Sonderkulturbau stattfindet, wo viel bewässert werden muss. Also auch das sind ganz andere Erschließungen, die [00:58:00] da vielleicht möglich sind und da sollte man differenziert schauen. Also nicht nur eine Lösung für alle, sondern wirklich zu gucken, was würde bei uns passen und was geht und welche Synergien kann man da mitnehmen.

Nadine Scheyer: Ja, so sehen wir das als Kleinlagenbetreiber auch, weil wir mittlerweile dann in Felder Einblick bekommen. Was macht tatsächlich das urbane Grün, unser städtischer Servicebetrieb mit seinen Grünflächen und entsiegelten Flächen oder eben auch benachbarte Landwirte oder eben auch noch mal den anderen Blick auf die Dinge bei den Industriebetrieben.

Für was brauchen die eigentlich Wasser? Also ich glaube, diese Schnittstelle ist sehr wichtig und bringt uns auch tagtäglich neue Erkenntnisse. Wo wir aber noch anknüpfen möchten, dass wir natürlich auch mit der Stadtplanung da coagieren. Also wo sind noch neue Entwicklungen geplant? Vielleicht Quartiere oder eben auch Entsiegelungen.

Wo kann man vielleicht auch direkt schon eine zweite Leitungsführung, eine Nutzwasserressource mit zur eigentlichen Trinkwasser- und Abwasserentsorgung einplanen, um einfach möglichst da minimalinvasiven Eingriff dann für [00:59:00]die Zukunft zu haben. Weil was jetzt neu gebaut oder neu geplant wird, sollte man einfach vollumfänglich schon auf diese alternative Wasserressource mitdenken.

Das ist eigentlich so unser Credo bei den städtischen Ämtern und Kollegen. Und da sind wir auch für bekannt, dass wir da rege in den Austausch eintreten, weil die Stadt ist zwar von der Fläche klein, aber trotzdem auch großen Umbruch und das möchten wir einfach nutzbar machen und halten. 

Klaus Reichert: Wir werden Ihre Kontaktdaten dann auch verlinken in den Show Notes, sodass Sie als Supporttelefon erreichbar sind für die vielen Kollegen und Kolleginnen.

Ich ich bin sehr froh, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben für unser Gespräch. Dieses Thema Wasser, auch wenn wir das in Deutschland immer noch so ein bisschen auf die leichte Schulter nehmen oder viele auf die leichte Schulter nehmen, ist so immens wichtig und so im, also einfach die Grundlage auch für alles Leben.

Und das machen wir uns so gar nicht bewusst, wenn wir die Klospültaste und so was drücken. Da bin ich froh, dass es dann solche positiven Beispiele gibt wie das, was Sie machen. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass es gut weitergeht und dass Sie vor allem große [01:00:00] Wellen schlagen bei den Kollegen und Kolleginnen und vielen Dank für Ihre Arbeit.

Danke, dass Sie heute mit dabei waren. 

Nadine Scheyer: Herzlichen Dank, Herr Reichert. Danke.

Klaus Reichert: Das war der Smart Innovation Podcast.

Wir führen diese Gespräche um engagierten Menschen, die etwas bewegen wollen, eine pragmatische Hilfe zu den Themen zu geben. Wenn Sie etwas aus dem Gespräch mitnehmen, dann abonnieren und bewerten Sie bitte die Show bei Ihrer Podcast-.

Für alle, die weiter im Thema bleiben wollen, Extras zur Episode, ein Transkript und die Möglichkeit für Kommentare sind in den Shownotes verlinkt.

 Der Smart Innovation Podcast wird unabhängig produziert von mir, Klaus Reichert, im Südwesten Deutschlands.

Vielen Dank fürs Zuhören und denken Sie daran, es gibt kein Ende von Innovation, nur Starts. 

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