VW ID3 – die ersten vier Wochen – ein Erfahrungsbericht

Seit vier Wochen fahren wir einen VW ID3. Kurz vor Weihnachten durften wir ihn beim Händler abholen. Und er hat unser Leben verändert. Ein erster Erfahrungsbericht.

Motivation

Seit Jahren beschäftige ich mich beruflich wie privat mit Innovationen rund um Elektromobilität. Wir haben über die Jahre viele Modelle getestet und uns die Nasen an den Scheiben früher Elektroautos platt gedrückt. Dazu gehören der Hotzenblitz Anfang der 90er Jahre, der minimalistische Renault Twizzy. Dann der BMW i3, dessen unkonventionelle Entwicklungshistorie ich nahe verfolgt habe. Und natürlich Tesla, die viele Themen prägen. Auch durch Marketing Stunts, aber vor allem durch dieses Video mit der Geschichte der Dekarbonisierung des Individualverkehrs (dessen Link ich nicht mehr finde). Mein älteste Erinnerung an Elektromobilität ein Buch über Ferdinand Porsche, der mit dem Lohner Porsche 1910? bereits Elektroautos entworfen und gebaut hat.

Als überzeugter Fan der „Youtube University“ verfolge ich die Entwicklung auch über Kanäle wie Fully Charged, eines der heute einflussreichsten Alternative Energie Medien Formate, das von Robert Llewelyn quasi im Alleingang mit viel Einsatz, Überzeugung und Poltern aufgebaut wurde – siehe dazu sein erstes Video:

Ökobilanz

Es war mir und meiner Frau wichtig, das eigene Verhalten, unsere Ökobilanz und die eigene CO2-Reduktion weiter zu verbessern. Im Bereich des Wohnens (Heizen, Elektrizität), Konsum und Arbeiten haben wir schon wichtige Meilensteine erreicht. Ein wichtiger nächster Schritt war die Mobilität. Und hier kann ein Mix aus Fahrrad, Carsharing, ÖPNV sowie Bahn/Zug schon viel verändern. Allerdings nicht auf allen Strecken.

Meine Einstellung zu VW

Der ID3 ist unser dritter VW. Auf einen Golf V TDI folgte ein Golf VII TSI – klassenlose Klasseautos. Wir sind also vorgeprägt und eher positiv gegenüber Volkswagen eingestellt. Jetzt bin ich aber auch unabhängiger Berater. Und werde sicher nicht klingen, wie die Fanboys manch anderer Elektroauto Marken, die vollkommen kritiklos alles nachquatschen und das Mär vom „Autopiloten“ glauben. Ich bin eher der Typ, der versteht, dass schon der Weg zu einem Level 3 autonomen Fahrzeug lang ist. Und als ehemaliger Produktmanager sieht, wo etwas gut wurde, und wo es (noch) nicht so doll ist.

Zentrale Punkte sind für mich

  • Klimaschutz: Wir fahren mit dem VW ID3 weitgehend CO2 frei, die Herstellung ist CO2-neutral (durch Kompensation). Ich finde den Volkswagen Way to Zero glaubwürdig.
  • Fairness: Die ID/VW Arbeitsplätze gehören wahrscheinlich zu den sozial besten, die es in der Welt gibt.
  • Passend: Die Wahrnehmung der Marke VW passt gut in eine Gesellschaft, die auch bei uns in Deutschland zunehmend soziale Spreizungen erfährt.

Idealer Zeitpunkt für ein Elektroauto

Nach der Innovationsdiffusionskurve sind wir mit einem Elektroauto in 2020/21 keine „Innovatoren“ mehr – das wären eher die Hotzenblitz Macher mit Investor Alfred Ritter (Ritter Sport/Ritter Solar/Paradigma) Anfang der 1990er. Aber die ersten in unserer Gegend/der Abteilung/in der Verwandtschaft/unter Kollegen… die das Thema Elektromobilität vorantreiben. Unser Verhalten hat Signalwirkung. Wir sind nicht „besser“ wie andere. Aber wir machen uns Gedanken und versuchen Lösungen zu finden, die weiterführen. In gewisser Weise fühlt es sich immer noch nach „Pionier“ an und das ist gut so.

Mitten in der Unsicherheit der Pandemie ist garantiert auch nicht so ein geschickter Zeitpunkt für eine so große Entscheidung. Doch keiner weiß was kommt (auch wenn wir uns mit Foresight Szenarien damit beschäftigen). Also warum nicht an das Gute glauben? Und da waren wir nicht alleine: der ID3 ist schon in 2020 ein großer Erfolg für Volkswagen. Gibt es bessere Zeitpunkte? Ja klar. Aber wir haben dann einfach mal gemacht.

Erster Eindruck

Der ID3 ist kein Golf, eher ein Golf Plus. Die etwas größere Höhe braucht Gewöhnungszeit. Das Fahren ist „easy“. Mit einem Mix aus: „so kenne ich das“ und „sinnvollen Verbesserungen“. Es ist viel Platz innen. Manches ist praktischer gemacht wie bisher, manches nicht so sehr. Das Fahren bringt keinerlei Probleme, es wird ein hochwertiger Eindruck vermittelt, die Verarbeitung ist top. Nichts klappert, keine unnötigen Windgeräusche, innen alles entspannt ruhig. Innen ist der ID3 vergleichsweise riesig.

VW ID3 – Pro

Für mich definitiv das größte Pro ist die (mögliche) CO2-freie Mobilität ohne Benzin. Das Design des ID3 ist frisch und entspannt – ich sehe es gerne an. Alles ist dort, wo man es erwartet, als VW-Fahrer. Da der ID3 einfach so einen guten Job als „Auto“ macht, schreibe ich sicher später mal mehr darüber.

Con

  • Schlechte Website von VW und quasi nicht vorhandene oder überholte Online-Info Angebote
  • Uninteressierte und schlecht informierte Händler – unsere VW Hauswerkstatt war dagegen sehr interessiert, sah das Auto aber auch zum ersten Mal
  • UX/die Bedienung von Radio/Navi/Telefon/Carplay/Heizung etc. ist eine Katastrophe
  • Hochgradig frustrierend: die Software voller Fehler und Dingen, die nicht nachvollziehbar sind, nicht funktionieren – inklusive der App
  • Online Datenpakete sind für den ID3 (gerade) nicht verfügbar – für den ID4 allerdings schon – ein Auto, das es noch garnicht gibt
  • Onboarding existiert nicht, digitale Ressourcen, zB FAQ auf der VW Website gibt es nicht

Diese Liste könnte ich sehr viel länger schreiben, aber da komme ich sicher in einem späteren Artikel drauf zu sprechen. Eine gute Ergänzung zeigt dieses Video:

In der „neuen Welt“ haben wir Nachholbedarf.“ sagt Herbert Diess, der Chef der Volkswagen Group. Ein bisschen Verständnis habe ich, denn es soll ja besser werden mit einem großen Update 2021 – und dann hoffentlich mit Folgeupdates. So ein „Tanker“ braucht Zeit für den Richtungswechsel.

Empfehlung für den ID3

Für ein Elektroauto muss man bereit sein, einiges Neues zu lernen und um zu denken. Der Volkswagen ID3 ist ein Auto in der Tradition des VW Golf und des BMW i3. Er ist weit genug „da draussen“ und hat doch noch vieles, was vor allem VW-Fahrer gewohnt sind. Er geht mir eigentlich nicht weit genug. Aber es ist das aktuell verfügbare Elektroauto, welches meines Erachtens nach am besten die verschiedenen Strömungen (Nutzung/Qualität, Klimaschutz, soziale Verantwortung) zusammenbringt. „Software“ und Usability sowie digitale Support Angebote sind aktuell kein Ruhmesblatt, da wünsche ich mir inständig Besserung. Ich habe noch Vertrauen in VW und empfehle den ID3. Das ideale Szenario sind Familien mit ein bis zwei Kinder, meines Erachtens.

Ergänzt: 31.1.21

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Klaus Reichert

Klaus Reichert

Mit dem Innovationscoaching begleite ich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ersthaft eine nachhaltige Zukunft für ihr Unternehmen, seine Menschen & Leistungen zu entwerfen & umzusetzen – kreativ, gemeinsam, smart - Kontakt

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8 Kommentare zu „VW ID3 – die ersten vier Wochen – ein Erfahrungsbericht“

  1. Pingback: E-Commerce Best Practice - ich habe mal eben einen Bulldozer am iPhone bestellt | Dr. Klaus Reichert Smart Innovation Coach

  2. Eine Frage, funktioniert das Sprachsystem eigentlich nur wenn ich eine Online Verbindung habe, oder auch in einer Tiefgarage, wenn ich kein Netz habe. Danke!

    1. unser Auto hat eine permanente Online Verbindung – keine Ahnung, wie das in der Tiefgarage ist, oder ohne die Internetverbindung. Am besten bei VW fragen

  3. Wir sind ja schon länger E-Autofahrer und haben uns vor Kurzem nach einem elektrischen Zweitwagen umgeschaut. Der an sich vielversprechende ID3 ist aus zwei Gründen nicht in die engere Wahl gekommen:
    1. Die verbockte Software ist vollkommen inakzeptabel. Das Jahr ist 2021 und nicht 1995.
    2. Ein Unternehmen, das laut eigener Aussage den Anspruch hat „ethisch verantwortliches Handeln nachhaltig in der DNA des Unternehmens zu verankern“ und dabei so jämmerlich versagt, kommt für uns nicht in Frage. Seinen einst guten Ruf hat VW selber nachhaltig zerstört.

    Der Renault Zoe hat uns auch gut gefallen. Leider hatte er auf eine wichtige Frage keine Antwort: Wo kann ich bei längeren Fahrten Ladestopps machen, wie lange dauert das Laden und was kostet die kWh?

    Wir haben uns deshalb am Ende wieder für Tesla entschieden.

  4. Barbara Schmuker

    Als Fahrradfahrerin freue ich mich über jedes vollelektrische Auto, das mir auf den Straßen begegnet. Diese Autos sind leiser und sie „stinken“ nicht. Klingt banal, ist aber an vielbefahrenen Straßen und beim Warten an der Ampel wirklich spürbar.
    Und wenn sie dann auch noch mit Ökostrom „betankt“ werden, umso besser :)
    Danke an alle E-Auto-Fahrer!

  5. Wir haben seit Weihnachten den ID3 first Max. Mit der Software 0783 schon besser. leider musst du das Auto schon zweimal in die Werkstatt für längere Zeiten. Ich hoffe, dass die Kinderkrankheiten nun vorbei sind. Jedenfalls macht uns das fahren auch in der Winterzeit viel Spass und wir fühlen uns, mindestens in der Nachbarschaft, noch als Pioniere.

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Unabhängiger, kreativer & konstruktiver Vision zu Innovation Coach / ex-Architekt/Pilot/Tech-Gründer / Calder/Giacometti/Technik-Museum Fan

Über 20 Jahre Erfahrung in der kreativen Innovationsberatung, bei digitalen und realen Innovationsprojekten. 79+ Projekte als Coach, Unternehmensberater, Beirat und Interim Manager in den Bereichen Telco, Technologie, Digital, Software, Produktion, Pharma, Bau. Beratene Unternehmen zwischen 228.000 und 1 MA. Praxisnahe Leistungen für mittelständische Unternehmen.

Als Innovation Coach bin ich unabhängiger externer Gesprächspartner mit Impulsen und dem oftmals so wichtigen erfahrenen Blick von außen.

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