Clown Udo Berenbrinker über Perspektivwechsel

In dieser Episode des Smart Innovation Podcast ist Udo Berenbrinker mein Gesprächspartner. Wir unterhalten uns über Perspektivwechsel.

Udo Berenbrinker
Foto: Hubl Greiner

Über

Udo Berenbrinker ist Clown und Humortrainer und leitet zusammen mit seiner Frau Jenny Karpawitz die Tamala Clown Akademie in Konstanz am Bodensee. Er und sein Team bieten Seminare und die berufsbegleitende Ausbildung zum Clownn an. Als Humortrainer arbeitet er für Unternehmen mit Teams und Führungskräften und setzt dabei clowneske Strategien ein.

Warum muss ich akzeptieren, dass 1 und 1 gleich zwei ist? Ich sage 1 und 1 kann auch drei sein.

Udo Berenbrinker

Anhören

Den Smart Innovation Podcast abonnieren, anhören & eine Empfehlung geben auf Apple Podcasts, Spotify, Google Podcasts, Amazon Music, Stitcher & Youtube. Oder gleich hier reinhören:

in Verbindung bleiben

in dieser Episode erwähnt

vom Zuhören ins Machen kommen

Reinhören in die Episode ab Min. 39

  • Einen besonderen Gang üben, der Leichtigkeit auslöst
  • „Schenk Dir Dein eigenes Lächeln am frühen Morgen“
  • Übung: Die 10 schlechtesten Lösungen finden (in der Episode ab Min. 42

Weiterlesen >

weitere Episoden des Smart Innovation Podcast

Eine Übersicht der bisherigen Episoden und die anstehenden Termine der kommenden Live Aufnahmen >

Transkript

Das manuelle Transkript wurde erstellt durch Audiotyped.

Udo Berenbrinker: Warum muss ich akzeptieren, dass eins und eins gleich zwei ist? Ich sage, eins und eins kann auch drei sein. Oder warum muss man Stifte in der Hand haben? Warum kann denn nicht in meiner Fantasie in dem Augenblick es ein Mikrofon werden oder zu einem Fernglas? Das heißt, diese Technik des Nichtwissens ist dahinter. Ich bin bereit, andere Definitionen zu nehmen. Es ist ja nur definiert worden durch unsere Normen, durch unsere Erziehung, durch unsere Festlegungen. Ein Stift ist ein Stift. Ein Stift …

Klaus Reichert: … ist ein Stift, ist ein Stift. 

Udo Berenbrinker: Ja, aber ein Stift kann auch ein Handy sein. Du könntest in der S-Bahn sitzen, würdest den Stift rausholen, drauf tippen und sagen „Hallo Mama, wie geht’s dir?“. Verstehst du? Du musst den Mut haben so etwas zu machen. Aber damit veränderst du sofort die Sichtweise. 

Willkommen beim Smart Innovation Podcast! Mein Name ist Klaus Reichert. Ich bin Unternehmensberater und Businesscoach für Innovationen. Von Baden-Württemberg aus begleite ich zukunftsorientierte Unternehmer und Unternehmerinnen sowie ihre Teams remote. Im Smart Innovation Podcast spreche ich mit engagierten und kreativen Menschen über Innovationen, über Innovationsmanagement, Unternehmertum und Verantwortung, gerade im Kontext des Klimawandels. Es geht um innovative, agile Organisationen mit Vision, Dynamik und Energie, sowie den passenden Vorgehensweisen Neues auch enkeltauglich zu entwerfen. Ebenso geht es um wechselnde aktuelle Themen wie neue Geschäftsmodelle, nachhaltige Produkte und digitale Dienstleistungen. Bei den Live-Aufnahmen haben die Teilnehmenden Gelegenheit sich einzubringen, Fragen zu stellen und mitzureden. Neue Episoden erscheinen dann zum Wochenende. Die aktuellen Termine und alle bisherigen Folgen sind auf klausreichert.de/podcast. In jeder Folge gibt es ein kurzzeitig verfügbares Angebot. So wird Innovation für die Teilnehmenden lebendig und gleich umsetzbar. Der direkte Link zur Episode ist in den Shownotes. Dort gibt es auch weiterführende Informationen, Videos und ein Transkript. 

Klaus Reichert: Mein Gesprächspartner heute ist Udo Berenbrinker. Wir sprechen über Perspektivwechsel. Udo Berenbrinker ist Clown und Humortrainer und leitet zusammen mit seiner Frau Jenny Karpawitz die Tamala Clown Akademie in Konstanz am Bodensee. Er und sein Team bieten Seminare und die berufsbegleitende Ausbildung zum Clown an. Als Humortrainer arbeitet er für Unternehmen mit Teams und Führungskräften und setzt dabei clowneske Strategien ein. Willkommen Udo! Danke, dass du heute dabei bist. 

Udo Berenbrinker: Ja, danke für die Einladung. Ich bin sehr gespannt, was heute passiert. 

Klaus Reichert: Dann lass uns doch mal loslegen. Du bist Clown. Du machst noch viel weiteres und ich möchte dich auch nicht darauf reduzieren. Aber das ist das erste, finde ich, wo man so als ganz normaler Mensch erstmal denkt: Wow! Toll! 

Udo Berenbrinker: Ja. 

Klaus Reichert: Kennt man sonst nicht. So der Elektroingenieur oder der Architekt oder die Ärztin ist relativ normal. Ein Clown ist etwas Besonderes und im Normalfall hat es was damit zu tun, dass wir glauben, dass es was mit Humor zu tun hat, also dass ein Clown sehr humorvoll ist. Bist du humorvoll?

Udo Berenbrinker: Ich würde sagen, es gibt so eine Ader in mir, die sehr darauf hinausgerichtet ist, aber Clown-Sein mit Humor, sage ich immer, ist in den Köpfen so, ja, das machen wir, wir sind so. Ich sage, es ist in der Hauptsache Technik. Wir wissen genau, was wir tun. Es ist nicht einfach so spontan, wie das immer so alles aussieht. Also wer mit Clowns arbeitet, der weiß genau, (unv. #00:04:05.7#) Komik, es gibt ganz bestimmte Vorstellungen, wie ich mein Gesicht verziehe, wie ich mich bewege und so weiter. Und das wirkt immer wie ganz plötzlich, aber es ist sehr viel Arbeit dahinter und Handwerkszeug auch. Also ich habe wirklich ein Handwerkszeug gelernt richtig mit dem alles. Ich benutze das oft auch in meinen Trainings, (unv. #00:04:28.1#) plötzlich so in den Worten die (unv. #00:04:29.5#) Komik. Es gibt ganz klare Gesetze, 5 bis 10 Regeln. Und wenn man diese sich verinnerlicht, dann kann man eigentlich fast jeden Menschen zum Lachen bringen. Das kann man auch im Alltag einsetzen. 

Klaus Reichert: Haha! Also so einfach ist das eigentlich. Zehn Gesetze beachten und dann funktioniert’s? 

Udo Berenbrinker: Ja, es ist so, man muss sie beherrschen, man muss seinen (unv. #00:04:49.0# Mut?) dabei haben. Das sind nämlich Sachen, das werdet ihr merken, ich werde nachher ein paar Sachen davon erzählen, die nämlich dafür da sind, ungewöhnliche zu machen. Nur basiert auf dem Prinzip, ich mache Dinge, die nicht normal sind. Und darüber lachen wir. Weil dann sind eigentlich alle froh als Zuschauer oder auch im Alltag, wenn niemand anderes es für uns macht. Und dann lachen wir und grad über die Fehler auch. Und wir Clowns benutzen ganz bewusst die Tatsache der Fehlerkultur, das heißt, wir scheitern von vorne bis hinten. (unv. #00:05:20.0# Ende). Also mein Prinzip ist Scheitern. 

Klaus Reichert: Scheitern. Das heißt also, für die Fuckup Nacht wärst du ideal und könntest sehr viele Grundlagen erzählen, wie man aus dem Scheitern dann im Grunde auch wieder das Beste draus machen kann? 

Udo Berenbrinker: Ganz genauso ist das. Ja. Das ist auch wirklich das Grundprinzip der ganzen Clownerie, des ganzen Humors. Ich benutze das Scheitern als eine Chance, etwas Neues zu machen oder einfach mal die Leute damit zum Lachen zu bewegen oder auf sich selbst zu werfen. 

Klaus Reichert: Das heißt also, du führst im Grunde dadurch ja auch erst mal das eigene Verhalten vielleicht vor, das eventuell schon mal ganz unbewusst oder gar nicht bewusst ist, machst es deutlich und vor allem auch angenehm auf eine angenehme Art? 

Udo Berenbrinker: Ja. Im Grunde sind das Verhaltensstrukturen, die wir als Kind draufhatten, wir waren kindlich alle in dieser Leichtigkeit, in dieser inneren Freude. Man sagt ja inzwischen, 400-mal lachen die Kinder am Tag, während wir als Erwachsener 15-mal lachen. Und manchmal am Arbeitsplatz ist es ganz verschwunden. 

Klaus Reichert: Und dafür auch noch in den Keller gehen. 

Udo Berenbrinker: Ganz genau. Das ist das typische, das deutsche Phänomen noch, dass man sich das noch, also wir früher angefangen haben, haben die Leute die Handschuhe vorm Mund gehalten und gelacht. Das waren die ersten Erfahrungen, als ich auf der Bühne stand. Wo sie in der ersten Reihe dachten, was ist da los da vorne? Man war das nicht gewöhnt lauthals zu lachen. Das hat sich Gott sei Dank in den letzten Jahren etwas verändert. Also wir sind nicht mehr ganz so verpönt. Früher, wenn die Deutschen ins Ausland kamen, dann sind sie alle aufgestanden, weil ab dem Moment gab’s nichts mehr Lockeres. Also das hat ganz viel damit zu tun mit dem Wissen drumherum, mit dem Kindlichen, dem Mut zu haben ungewöhnliche Dinge zu tun, sage ich oft.

Klaus Reichert: Das heißt, bist du deswegen auch anders? Kannst du dir die Sachen anders vorstellen? Siehst du Dinge anders? 

Udo Berenbrinker: Ja, ganz bewusst. Das ist eigentlich unser Material. Wir gehen durch den Alltag, schauen uns die Normalität an, jetzt sage ich es mal ganz banal, und überlegen: Wie kann ich damit was anderes machen? Wie kann ich daraus mal einen Gag machen oder wie kann ich in dem Augenblick vielleicht auch manchmal überhaupt mal eine andere Sichtweise machen? Und viele von uns führen sowas wie ein Humortagebuch, wo du tagtäglich deine Erlebnisse reinschreibst. Weil das Leben draußen ist humorvoller als wir denken. Man muss nur den Blickwinkel dahin richten. Das empfehle ich auch unseren Leuten. Führt mal ein Humortagebuch, einfach einmal am Tag wahrzunehmen: Aha! Wenn ich das jetzt so sehen würde, dann könnte es sogar wieder leichter werden für mich. Also eine ganz bewusste Strategie. Eckart von Hirschhausen hat mal gesagt: Die ganzen Komiker müssen das tagtäglich trainieren, wie wenn du ins Fitnessstudio gehst. Also ich spreche deshalb jetzt ein bisschen von einem Humormuskel, den du trainieren musst. Und wenn ich das auch mal monatelang nicht tun würde, würde es auch erst mal wieder von vorne losgehen. Und daran merkst du auch schon, dass es Technik ist, ganz viel. 

Klaus Reichert: Das heißt, es gibt Gesetze, es gibt eine Technik, es gibt Dinge, die man trainieren kann, es gibt Dinge, die man verbessern kann in diesem Zusammenhang. Ich kann eine Statistik darüber führen, ein Tagebuch. Das heißt also, das ist jetzt eine ganz normale vielleicht Managementmethode oder sowas, Humor. 

Udo Berenbrinker: Ja, exakt! Ich sag da inzwischen, das ist eine Kompetenz, eine soziale Kompetenz, die wir üben und trainieren können, die wir einstudieren können. Weshalb es ja überhaupt lehrbar ist. Sonst könnte ich ja gar keinen Unterricht geben. Wenn das ein Zufall wäre, wäre es dann individuell. Früher war das noch nicht so, aber seit ungefähr jetzt fast 30, 40 Jahren ist klar, da gibt’s eine Struktur hinter, dann macht man das und das, dann kann man das lernen, dann muss man die Körperlichkeit da hinbekommen. Dann muss man den Mut haben, das Gesicht mal anders zu verziehen und, und, und. Und dadurch haben wir so eine Struktur da drin eigentlich. Sonst wäre es ja gar nicht lehrbar. Ich sage, Humor ist eine Geisteshaltung, die im Kopf abläuft, die ich umbauen kann und danach dann bewusst einsetze. 

Klaus Reichert: Jetzt sagst du, Humor ist lehrbar beziehungsweise Clown werden ist auch lehrbar. Ihr habt eine Clown Akademie. #00:09:38.0#

Udo Berenbrinker: Ja. #00:09:38.3#

Klaus Reichert: Da frage ich mich doch: Wer wird Clown? Was zeichnet diesen Menschen aus? 

Udo Berenbrinker: Das sind Leute, die eigentlich merken, dass sie das immer schon in ihrer Kindheit als Traum hatten. Es gibt jetzt (unv. #00:09:50.8#) Momente, manche machen es direkt nach dem Abitur, kommen zu uns, das heißt, für die ist es klar, sie wollen den Beruf des Komikers, des Trainers, des Clowns ihr Leben lang machen. Dann gibt’s Leute, ungefähr zwischen 30 und 40, ihre erste kleine berufliche und menschliche Krise, dann ploppt das auf. Weil die Psychologen, die sprechen davon, in jedem von uns steckt dieser Clown drin, er muss nur geweckt werden. Und jeder sollte einmal in seinem Leben Clown sein, um (unv. #00:10:20.6#) zu bleiben. Und das meldet sich aus dem Unbewussten hervor. Und da gibt’s Leute, die kurz vor der Pensionierung stehen und sagen, so, jetzt muss ich aber das, was ich schon immer machen wollte, auch endlich mal umsetzen. Da ist so eine ganz verschiedene Struktur da drin am Menschen. Auch alle Berufsschichten, vom ganz normalen Lehrer oder ganz normalem Krankenpfleger bis zu Top-Management aus der Top-Klasse von BMW. Die dann plötzlich sagen, ich will noch mal was anderes erleben als das, was ich bisher gemacht habe. Eine Riesenbandbreite, die bei uns auch an Berufen (unv. #00:10:59.5#) 

Klaus Reichert: Darf man auch ein muffliger Mensch sein, wenn man Clown werden möchte? 

Udo Berenbrinker: Ja, weil ich sage immer, das Mufflige ist eigentlich nur eine Einstellungssache. (unv. #00:11:09.8#) Wenn du dich immer programmierst morgens, ich stehe auf und schaue mich im Spiegel an und denke, oh Gott, ich muss ich schon wieder zur Arbeit, wie sehe ich denn jetzt schon wieder aus, hast du diese Programmierung im Gehirn, (unv. #00:11:22.7#) in die Richtung geht. Dass ich also mufflig oder depressiv auch schon werde. Und ich empfehle deshalb auch jedem, (unv. #00:11:29.1#) das morgen als erstes an, gebt euch eine positive Energie, eine positive Einstellung zu dem, was kommt, und dann verändert sich diese Phase. Also ich bin ein großer Fan von dieser neurolinguistischen Programmierung im Kopf, dass ich sage: Unser Gehirn ist steuerbar und ist mit Humor ganz stark einsetzbar. Also von daher kann ich auch jedem Muffligen, der dann bereit ist, diesen Weg zu gehen und zu sagen, ich gucke nicht immer nur auf die negative Seite des Lebens, sondern ich schaue mal auf die andere Seite. Dann kann ich das verändern. Aber es hat oft mit Erziehungsstrukturen und wer weiß was zu tun. 

Klaus Reichert: Ja, da sind wir schon an einem ganz spannenden Punkt. Es geht ja im Grunde dann auch darum, verschiedene Blickwinkel zu wechseln. Da sollten wir vielleicht später auch tatsächlich noch mal zurückkommen. Aber das heißt, ich fange an, Clown zu werden auf der einen Seite, weil ich etwas davon schon vielleicht immer in mir habe oder in mir spüre. 

Udo Berenbrinker: Ja. 

Klaus Reichert: Aber auf der anderen Seite durchaus auch irgendwelche Antriebe spüre, von außen in bestimmten Lebenssituationen, dir mir helfen, dann diesen Schritt zu gehen. Das heißt ja dann nicht, dass man da Vollzeit reingeht, sondern das ist vielleicht dann auch so ein Lebensding, das einen dann begleitet. Und ich muss fast schon so ein bisschen, wenn du sagst, auch von Ausbildung zu sprechen, von einem Weg gehen, an zum Beispiel Yoga denken. Also Clown-Ausbildung statt Yoga? 

Udo Berenbrinker: Ja. Ja. Das ist schon ein bisschen so, es ist einfach ein Beruf, sage ich inzwischen. Das ist ein Beruf, zu dem jemand ausgebildet wird. Das war früher nicht ganz so, aber das ist im Ausland schon seit Jahrzehnten absolut klar, dass das ein richtiger Beruf ist, dass es ein Handwerk ist. Und das war früher auch im Mittelalter bei uns so, ist erst irgendwann verschwunden. Das musst du lernen wie ein Schreiner, der von der Pike auf diesen Job lernt. Und deshalb ist es auch lang. Wir sind in Deutschland nicht so weit, wie in Russland. Da lernst du vier Jahre lang Vollzeit, von montags bis freitags machst du nichts anderes als, was dazugehört. Und das haben wir in (unv. #00:13:31.6# Deutschland?), wir können nicht so viel investieren, weil wir nicht diese staatlichen Unterstützungen haben. Aber in anderen Ländern ist das so, das ist ein richtiger Vollzeitberuf, der überall einsetzbar ist. 

Klaus Reichert: Du hast gerade gesagt, in Deutschland im Mittelalter vor hunderten von Jahren. Da reden wir ja zum Teil auch von – wie heißen die, die mit der Narrenmütze? – einem Hofnarren zum Beispiel, ist ein Clown und ein Hofnarr, gibt’s da Verbindungen, Parallelen? 

Udo Berenbrinker: Im Grunde sagt man, der Clown ist sozusagen das kindliche Element, dieses Emotionale. Stan Laurel hat mal gesagt, der Clown ist die emotionalste Figur im Theater. Und wenn du dann weitergehst auch in dieser Entwicklung, wenn du das verfolgst, dann kommst du irgendwann zum Narren. Dem bewusst ist, was er tut. Das, was ich vorhin meinte, du weißt genau, was du tust. Du weißt genau, aha, das mache ich. Während der Clown ist noch immer so ganz direkt. Und dann kommst du zum Hofnarren, was ein bisschen die Comedians sind oder die Komiker oder auch Menschen wie ich, die ja auch im Alltag das einsetzen und die Narrenenergie im Hintergrund hat. Und das war damals, da war der Narr der Berater des Königs. Es gab keinen König, der keinen Narren bei sich hatte. Er hat keine Entscheidung gefällt, ohne vorher den Narren zu fragen. Das wäre heute undenkbar in unserer ganzen Struktur. (unv. #00:14:55.2#) 

Klaus Reichert: Das heißt, da kam auch ein Blickwinkel, auch ein Feedback aus einer ganz anderen Richtung damit zurück?

Udo Berenbrinker: Ja. Das war ganz klar strukturiert, ein König, der irgendeine Entscheidung fällt, bevor er sie definitiv fällt, ging erstmal zum Narren und hat sich von dem beraten lassen, um eine andere Sichtweise zu haben. Sogar der Papst hat bis 1530 oder 1540 einen Narren an seiner Seite gehabt. Wo man immer sagte, er hat eine göttliche Eingebung. Aber die endgültige Entscheidung hat er mit dem Narren besprochen. 

Klaus Reichert: Sehr schön! 

Udo Berenbrinker: Das ist verrückt, ne? 

Klaus Reichert: Ja. 

Udo Berenbrinker: Und das ist etwas, was ich schon seit Jahren denke, da müssen wir hin wieder. Das ist wieder eine Sichtweise, dass es auch eine andere Stimme gibt zu dem, was wir so kennen. 

Klaus Reichert: Dazu wäre es natürlich auch hilfreich, man würde leichter diesen Narren, diesen Clown, diesen Menschen mit dem anderen Blickwinkel leichter erkennen. Du bist jetzt hier, das sieht man jetzt im Podcast natürlich nicht, einfach ganz normal, du hast keine rote Nase auf. 

Udo Berenbrinker: Nein. 

Klaus Reichert: Wir verbinden Clown immer mit der roten Nase, obwohl es ja eine Vielzahl auch von Clownstypen gibt. Wo ist jetzt deine rote Nase?

Udo Berenbrinker: Meine rot, ich sage jetzt, (unv. #00:16:18.4#) wenn ich auf der Bühne spiele, habe ich sie, als Bühnenclown. Sogar, wenn ich im Gesundheitsbereich auftrete, habe ich sie noch. Aber sobald ich in so einem Zusammenhang wie jetzt bin oder wenn ich einfach Trainings mache, spreche ich nur von der virtuellen Clownsnase. Die vorgestellte Clownsnase, das Gegenüber weiß gar nicht, dass ich mit dieser Energie verbunden bin. Es kommt durch meine Augen raus, durch diese Ausstrahlung meiner Augen, durch den kleinen Schalk, den ich mir immer bewahre, oder so eine innere Freude. Das ist dann, dass den Clown ich mir nur noch vorstelle. Aber ich kann ihn auch wieder ablegen, ich mache dann manchmal so Bewegungen, das ist ja auch die Nase (unv. #00:16:57.9#) und verwandle mich (unv. #00:16:59.7#) auch in was ganz Normales. Und die Clownsnase ist eigentlich nur real, Bühne und bestimmte Bereiche. In Amerika gibt’s das gar nicht. Kein Clown hat dort eine Clownsnase. Das kennt man dort nicht. 

Klaus Reichert: Ah, okay! Das heißt, du hast wie so eine Art internen Schalter, wo du dann die virtuelle Clownsnase anschaltest und ausschaltest? 

Udo Berenbrinker: Das ist so eine innere Freude, die ich aktivieren kann. Das kann man lernen, das ist eine Struktur, das ist eine Schauspielmethode, wo du das Gefühl auf Kommando abrufen kannst. Und so kann ich das sofort umschalten. Ich nenne es wirklich wie einen Schalter. Der ist genau auch lokalisierbar, fast körperlich, und wenn ich den umschalte, dann bin ich da drin. 

Klaus Reichert: Hast du einen Tipp, wie das jeder normale Mensch auch mal ausprobieren könnte, diesen Umschalter? #00:17:45.3#

Udo Berenbrinker: Ja. Das mache ich in meinen Trainings. Zum Beispiel, indem ich die Clownsnase natürlich am Anfang mal aufsetzen muss, um überhaupt zu spüren, was verändert sich da. (unv. #00:17:53.0#) nämlich sofort körperlich wie eine Maske ist, eine kleine Maske. In dem Moment traust du dich mehr, weil man sagt, jemand hat eine Nase auf, der darf, ist erlaubt, ist genehmigt. Und wenn ich das so ein bisschen in mir mal ausprobiert habe, dann ziehe ich die mal ab und versuche diese Ebene, die ich dabei empfunden habe, das ist wie so, aha, ich sage oft, es ist wie, wenn Kinder Streiche machen, kurz vorher gibt es so einen Blick. Wer Kinder zuhause hat, der merkt das ganz genau: Ah! Jetzt wollen sie … Und diesen Blick, das ist so ein Schalk. Und den kannst du dann halt, (unv. #00:18:29.0#) die Nase auf und dann hast du es eigentlich drin. Mit der Technik und auch der inneren Freude. Aber diese ganze Methodik, um die zu erarbeiten, das ist eine Schauspielmethodik, mit der wir wirklich bewusst arbeiten können. Wir können Freude, ich kann mich freuen, egal wie es mir geht, was passiert, auf Kommando, weil es mein Job ist, Freude zu schenken. Das ist also mein Job. Ich darf nicht meine Persönlichkeit mit reinnehmen. Und dann (unv. #00:18:54.3#). Das kann jeder so machen. Mit der Nase, das ist total einfach. 

Klaus Reichert: Passiert bei diesem Umschalten dann auch dieser Blickwechsel, dieser Perspektivwechsel, weil man jetzt plötzlich zur anderen Person wird?

Udo Berenbrinker: (unv. #00:19:06.6#), du wirst ganz leicht zu einer anderen Person, du hast einen anderen (unv. #00:19:11.9#) in dir drin und du guckst automatisch die Welt anders an. Du schaust die dann plötzlich über diese Clownsebene an. Und dann entdeckst du Dinge, die anders sind und dir sagen, aha, man könnte ja mal die Welt auch so sehen. Und das ist dann genau dieser sogenannte, den nennen wir in der Fachsprache Perspektivwechsel. Also wenn ich Gags schreibe, setze ich mich genau damit auseinander, wie läuft die Normalität und wie kann ich sie aber mal anders sehen. Und gebe dem dann Sprache oder körperliche (unv. #00:19:43.3#). 

Klaus Reichert: Kannst du kurz mal drauf eingehen, was man in deinem Umfeld dann unter Perspektive versteht?

Udo Berenbrinker: Perspektivwechsel heißt in dem Moment, Alltagshandlungen nehmen und die so mal anders betrachten oder anders wahrnehmen. Ein banales Ding. Es passiert oft, dass mal eine Tasse Kaffee umfällt. Das ist uns peinlich in der Normalität. Wir oder auch ich, wenn mir das passieren würde in der Öffentlichkeit, würde ich nämlich peinlich da rumrennen und würde laut rufen, wer möchte gerne hier noch seine Tasse Kaffee dazu kippen. Das heißt, ich gebe dem eine andere Bedeutung da rein und mache das einfach, ja, ich nehme es leichter, was dann passiert. Also das ist mal ein (unv. #00:20:32.3# Setting?). Oder sich mal die Welt mal ganz auf den Kopf zu stellen. Wir machen dann oft so eine Übung, die nennt sich „Die Welt wäre, wenn …“. Und dann darfst du dir ganz verrückte Dinge ausdenken. Wenn ich zum Beispiel morgens aufstehe und (unv. #00:20:45.5#) da die Welt, wenn ich morgens aufstehe, zack, zack, zack, einfach mal (unv. #00:20:49.6# nur rumspielen?). Und damit entstehen im Grunde Gags für uns Komiker, aus diesen Sprachelementen. Das ist für uns Perspektivwechsel. Perspektivwechsel heißt, nicht in der Eins-zu-eins-(unv. #00:21:02.4#) drinzubleiben, sondern warum muss ich akzeptieren, dass eins und eins gleich zwei ist? Ich sage, eins und eins kann auch drei sein. Oder warum muss man Stifte in der Hand haben? Warum kann denn nicht in meiner Fantasie in dem Augenblick es ein Mikrofon werden oder zu einem Fernglas? Das heißt, diese Technik des Nichtwissens ist dahinter. Ich bin bereit, andere Definitionen zu nehmen. Es ist ja nur definiert worden durch unsere Normen, durch unsere Erziehung, durch unsere Festlegungen. Ein Stift ist ein Stift. Ein Stift …

Klaus Reichert: … ist ein Stift, ist ein Stift. 

Udo Berenbrinker: Ja, aber ein Stift kann auch ein Handy sein. Du könntest in der S-Bahn sitzen, würdest den Stift rausholen, drauf tippen und sagen „Hallo Mama, wie geht’s dir?“. Verstehst du? Du musst den Mut haben so etwas zu machen. Aber damit veränderst du sofort die Sichtweise, mit ganz banalen kleinen Dingen. Also das nennen wir Perspektivwechsel. 

Klaus Reichert: Das heißt, da darf ich aber weder zum Beispiel Sorge oder Angst haben, dass ich mich gerade blamiere oder dass ich einen Fehler mache oder dass ich komisch rüberkomme. Ich muss das vielleicht sogar, wenn ich das mit anderen zusammen mache, vorher auch kurz ansprechen, dass wir jetzt zum Beispiel den Stift zum Handy machen oder zum was weiß ich. 

Udo Berenbrinker: Ja, das ist so überhaupt, dass (unv. #00:22:34.0# selbstbewusst reden?). Also in anderen Kulturen, in Japan, benutzt man das ganz bewusst im Management-Training, dass man die Leute in Tokio auf die Inseln stellt, auf die Verkehrsinsel. Du musst so bewusst verrückte Dinge machen, dass man auf der anderen Seite dich bemerkt. (unv. #00:22:53.5#) bist du so bereit, so ungewöhnlich mal zu arbeiten. Also das heißt, das ist wirklich Charisma-Training, das ist wirklich Persönlichkeitsarbeit an dir. Den Mut (unv. #00:23:05.9#), nicht mal aufzufallen, ist eine ganz große Tendenz der deutschen Kultur. Ich darf keine Fehler machen, man darf mich nicht bemerken. Wenn du die Sache mit Humor anfängst und mit Clownerie, (unv. #00:23:17.5#) dass du nicht auffällst. Du fällst automatisch auf. Das musst du natürlich wissen, auch im privaten Alltag. Du musst wissen, in dem Moment stichst du aus der Masse heraus. Und da macht’s sogar Spaß, wenn du den Schritt geschafft hast. Die kommen genau deshalb aber auch zu uns, um genau dieses Selbstbewusstseins-Training zu vollziehen. 

Klaus Reichert: Das heißt, ich habe mir dann überlegt, wenn ich einen Perspektivwechsel habe, ist das ja nicht einfach nur ein Wechsel der Blickrichtung. Denn dann würde ich ja im Grunde dasselbe vielleicht sehen, nur halt von der anderen Seite. Das heißt, mit dem Perspektivwechsel, da gehen wir ganz weit weg zum Beispiel von dem Thema Perspektive in der Malerei und schauen, dass wir nicht nur von der anderen Seite draufgucken, sondern mehr oder weniger eine komplett andere Realität akzeptieren oder zugrunde legen?

Udo Berenbrinker: Sogar noch weiter zu gehen. Wenn dir ein Fehler passiert, das nicht als Fehler zu sehen, sondern als Chance zu einer Veränderung. Da ist was passiert und deshalb, aha, das halte ich nicht fest und versuche, möglichst schnell das auszuradieren, sondern warum ist das passiert? Die Frage stelle ich mir jedes Mal dann, wenn ich so etwas bemerke. Wie kann ich das jetzt verändern in eine andere Richtung? Da ist es mal wieder gut, warum bei großen Unternehmen inzwischen Leute angestellt werden, die eine Clownsausbildung machen, um bei der Produktentwicklung neue Ideen reinzukriegen. 

Klaus Reichert: Ja. Da sind wir übrigens jetzt auch bei einem ganz spannenden Punkt. Du bist ja Pädagoge, du hast Schauspiel studiert. Bei deiner Frau weiß ich es nicht, da erzähl doch vielleicht davon auch noch kurz bitte. Aber ihr kommt aus einer Ecke als Clown, wo man erst mal sagt, Mensch, was haben ein Clown und ein Unternehmer gemeinsam? Also wahrscheinlich würden uns schon viele Sachen einfallen, aber ihr seid ja jetzt nicht nur in dem Sinne Clowns, also darstellende Künstler, sondern ihr habt daraus auch eine Schule, ein Geschäft aufgebaut, das seit Jahrzehnten funktioniert, in Konstanz am Bodensee ansässig ist. Ihr habt dann verschiedenste Angebote darauf aufgebaut. Ihr habt Angebote für Unternehmen. Ihr habt ein breites Leistungsangebot darauf aufgebaut, also richtige Service-, Dienstleistungs-, Ausbildungs-Produkte darauf entwickelt. Da musst du bitte noch mal ein bisschen erzählen, wie sich das für euch so entwickelt hat und wie es sich vielleicht auch angefühlt hat oder wo du auch denkst, dass du das vielleicht, dass ihr das anders gemacht habt. Und vielleicht auch als Einstieg, Clown und Unternehmer, gibt’s da dann immer wieder auch mal Kommentare? 

Udo Berenbrinker: Ja, also es gibt ganz stark (unv. #00:26:10.4#). Wir haben zu dem, was wir gemacht haben, also ich komme aus der, ich habe Pädagogik studiert, ich habe Schauspiel gemacht, und habe aber dann irgendwann zusammen mit meiner Partnerin auch eine vierjährige Coaching- und Trainer-Ausbildung gemacht. Und in dem Zusammenhang ist das Ganze in uns entstanden, wie wir das auch in andere Bereiche übertragen können. Weil die Prinzipien dahinter sind die gleichen und Humor ist eine ganz starke Kompetenzfähigkeit. Also das war eigentlich der Schlüssel zu dem Ganzen, bei dieser Ausbildung, wo wir dann auch ganz viel (unv. #00:26:43.9#). Meine Frau hat sich spezialisiert auf Persönlichkeitstraining. Die macht Einzelcoaching, die macht ganz viel, sie nennt das fast Humor- und Clownstherapie. Die arbeitet damit, um die Leute dahin zu kriegen, selbstbewusster zu werden, auf der Bühne zu stehen. Sie hat letztens einen Bischof gehabt, der hat mit mir die Reden einstudiert, um die humorvoller zu machen. Da hat sie zehn Einheiten gemacht. Und sie macht so in dem Bereich ganz viel. Also sie war heute auch wieder die ganze Zeit, es gibt einen Menschen, der jetzt in die Kirche geht mit der Clownerie, der dort was aufbauen will. Und dann haben sie (unv. #00:27:18.9#), wie gehen sie den Weg. Also wir sind aus so verschiedenen Bereichen reingekommen. Und das mit dem Unternehmen ist eigentlich sehr schnell passiert, nachdem wir das mal geöffnet haben. Weil Humor ist ein Kommunikationsmittel, ist ein Teamtraining-Mittel, um die Arbeitsatmosphäre zu erleichtern. Uns hat im Grunde natürlich die wissenschaftliche Forschung geholfen. Also wir hatten diese Ideen gehabt, aber dann kam das aus Amerika, Stanford hat eigene Lehrstühle inzwischen zum Thema Lachen und Humor. In Zürich haben sie jetzt auch einen eingerichtet in positiver Psychologie. Da wird erforscht, wie wirkt das auf Unternehmen, auf Teams, auf Persönlichkeit, wenn sie sich wirklich ganz bewusst mit Humor auseinandersetzen, was für andere Qualitäten entstehen da. Und aus dem Grund ist es dann auf uns zugekommen natürlich auch. Weil man dann wusste, dass wir so etwas machen. Am Anfang waren es nur die Medizinier, also die Kliniken und dieser ganze Bereich, und dann hat sich das immer mehr geöffnet. Heute sind meine Hauptkunden neben dem Gesundheitsbereich die IT-Industrien. 

Klaus Reichert: Und da gibt’s so wenig zu lachen. 

Udo Berenbrinker: Ja, aber bei denen geht’s ums Denken. Die sollen von mir ein anderes Denken beigebracht bekommen. Und natürlich, damit sie nicht immer nur so streng (unv. #00:28:37.0#). Also da geht’s ganz viel, andere Teamfähigkeit. Das ist alles, das Google aus Amerika beeinflusst. Die haben dort eine Abteilung, die nennen sich die (unv. #00:28:46.9#). Das sind alles Leute, die neue Produkte entwickeln, die müssen alle eine Clownsausbildung haben. Ob sie nun Ingenieure sind oder BWL-Leute sind, die müssen eine Clownsausbildung haben, um diesen Job zu kriegen. Und das ist eine Abteilung bei Google und durch diese ganzen Ideen ist das natürlich in diese Industrie reingekommen. Die kommen (unv. #00:29:08.9#) 

Klaus Reichert: Wow! Das wusste ich nicht. Finde ich aber eine spannende Sache. Vor allem, weil wir eingestiegen sind mit dem Thema Perspektivwechsel, tatsächlich jetzt nicht vielleicht auf Kommando, aber herstellen zu können, bewusst erreichen zu können, um damit dann auch nicht nur die andere Perspektive zu sich selbst zu bringen, sondern tatsächlich vielleicht einfach erst mal auch zur zumindest scheinbaren Realität zu den Dingen, die scheinbar tatsächlich die Dinge sind, die hemmen, die die Idee oder das Thema vielleicht einfach eingrenzen, und über den Perspektivwechsel helfen, die Grenzen im Grunde nieder zu brechen und zu erkennen, dass vielleicht ganz andere Sachen möglich sind, vielmehr auch möglich ist. 

Udo Berenbrinker: Ja. Das ist eben diese Art mit Fehlern vor allem umzugehen. Dass ich nicht nur Panik, ich sage, ich bin ja ein Mensch, der auch viel im Stressmanagement arbeitet, und ich weiß, das kommt daher, weil wir alle Angst haben, keine Fehler zu machen, wir wollen perfekt sein bis zum geht nicht mehr. Und das führt eben (unv. #00:30:16.2#). Und durch diese (unv. #00:30:17.5# Ruhe?) und diese andere Seite und die Akzeptanz, ich kann auch mal scheitern, und wenn du das als lustvolles Scheitern dann auch begreifst, kommst du nie in die Gefahr rein, in dieses Stressphänomen zu rutschen. Weil du sofort irgendwie versuchst, das irgendwie locker zu nehmen und das einfach anders zu sehen. Da gibt’s ganz verschiedene Ebenen, auf der der Perspektivwechsel aus der Sichtweise eines Clowns oder eines Humor-Arbeiters wirkt in der Persönlichkeitsebene, in der Struktur dahinter, morgens anders den Tag zu gestalten bis hin zu deinem Arbeitsumfeld. 

Klaus Reichert: Wie schaut’s aus mit der Akzeptanz? Mal angenommen, wir haben es mit jemandem zu tun, der einfach nur Dinge glaubt, die er nachrechnen kann, habe ich da vielleicht Akzeptanzprobleme, wenn ich dann auf ganz komische Sachen komme? Muss ich es vielleicht eindeutig in dem Moment auch zeigen, dass jetzt gerade der Clown in mir spricht und den Perspektivwechsel hergestellt hat?

Udo Berenbrinker: Ja, eindeutig! Du musst diese Entscheidung zu dem Schalter gefunden haben, dass du auch sagen kannst, jetzt gibt’s auch mal eine andere. Es gibt viele Menschen, die zu uns kommen, die eigentlich diesen Wunsch haben, weil sie so kopforientiert sind, dass der Körper und alles schon fast weg ist, dass die aber einen Wahnsinnsbedürfnis haben, es muss auch was anderes geben. Weil die spüren das in sich drin. Meistens sind es Leute, die aus der Krise dann auch kommen. Aber die haben wirklich Schwierigkeiten. Das dauert dann wirklich sehr lange, ich sag mal, es ist ein hartes Stück Arbeit für uns, sie in den Körper zurückzuholen, in diese innere Struktur. Weil bisher war alles nur hier, Zahlen, Funktionen und so weiter. Aber es gelingt, wenn du dranbleibst, also auch als Mensch selber. Aber es kommt oft aus dem Bedürfnis. Was natürlich nicht passieren kann, also (unv. #00:32:09.4# Anfang?), nehmen wir solche Sachen nicht mehr an, wenn wirklich zwangsweise die Leute in Humortrainings geschickt werden, die nicht dazu bereit sind. Dann hast du von vornherein mufflige Gesichter, ich will doch nicht. Oder wenn jemand zu dir sagt, gehe doch mal im Einzelcoaching zu meiner Frau, das (unv. #00:32:28.4#), dass du mal ein bisschen humorvoller wirst. Da ist von vornherein der Block da, weil ja schon der Stempel da ist, ich bin’s ja nicht. 

Klaus Reichert: Wahrscheinlich muss man nicht gleich die volle Clownsausbildung machen über vier Jahre, aber mal eine Stunde ist halt leider auch nicht sinnvoll. 

Udo Berenbrinker: Nein! Was ich oft mache, ist Tagesseminar, mit entweder, also da, wo ich immer auch dazukommen kann, oder Wochenendseminar oder zwei Tage, um überhaupt mal zu spüren, was ist das. Also wir haben ganz viel erst mal, ich würde da gerne mal wissen: Ist das was für mich? Ist da überhaupt irgendwas dahinter, was ich auch für meinen Alltag benutzen kann? Und das sind aber nicht nur immer Clownsseminare, das sind dann auch Seminare, die nenne ich dann Heyoka Training. Heyoka war bei den Indianern der Gegenteiler, die indianische Kultur, weshalb in Amerika das auch weiter verbreitet ist, war so strukturiert, dass der Clown, der Humor das Wichtigste im Leben war. Das heißt, du wurdest erst akzeptiert, wenn du so demütig warst, du bereit bist, dass man über dich lacht. Du bist nur Mediziner geworden und Häuptling, wenn du mindestens mal ein halbes, dreiviertel Jahr als Clown in diesem Stamm gelebt hast. Erst dann warst du reif für diese nächste Bestimmung. 

Klaus Reichert: Wie ist das dann, wenn dieses gesellschaftliche Verständnis oder dieses Wissen über dieses Beispiel nicht da ist? Wenn sozusagen ich als der Clown dazukomme, die Möglichkeit, die Fähigkeit habe, einen sehr radikalen Perspektivwechsel zu machen, zu ganz anderen Ergebnissen zu kommen, da werde ich ja durchaus auch mal als Fremdkörper in einem Team wahrgenommen, das das gar nicht kennt jetzt in dem Moment, vielleicht sich auch nicht vorstellen mag, nicht nachrechnen kann. Wie würde man damit umgehen? Muss man das vorher sagen, dass man jetzt der Clown ist? Setzt man sich in dem Moment dann die Nase auf oder wie funktioniert das dann deiner Meinung nach? 

Udo Berenbrinker: Die UBS Bank in der Schweiz hat uns für, ich weiß nicht, wie viele Monate engagiert. Wir sind immer wieder für ein Tagesseminar, und das hieß Kommunikationstraining, der Weg zur Kommunikation. So (unv. #00:34:36.2#) ausgeschrieben, alle wussten nicht, was auf sie zukommt. Und dann hat der Leiter der Abteilung immer dann davon gesprochen, ein Clown, ein Weg zur Kommunikation. In dem Moment kam natürlich erst mal dieser Widerspruch. Und dann musst du dich erklären. Dann musst du erklären, was dahintersteckt. Dann setzt du dir trotzdem eine rote Nase nicht auf, aber es verändert mich. Ich gehe in meinen Körper, ich gehe in eine Beweglichkeit rein, ich versuche dann ganz klar über die Regeln der Komik (unv. #00:35:06.2#) und so weiter. Und dann werden die Leute in Bewegung gesetzt und dann löst sich das eigentlich schnell auf. Aber der erste Moment ist ein Schocker. Und das war damals knallhart gesetzt, da stand (unv. #00:35:19.7#), da stand nie das Wort Clown dabei. Wir sind auch nie als Clown dahingekommen, sondern immer ganz normal so, wie jeder Management-Trainer (unv. #00:35:28.4#), man hat uns nicht erkannt. Und der hat am Anfang die (unv. #00:35:31.6#) weggeschmissen und so weiter und dann geht das dann in die Bewegung eigentlich. (unv. #00:35:37.7#) 

Klaus Reichert: Bewegung, gutes Stichwort, finde ich. Dein Leben, euer Leben hat mehrere Standorte. Ihr seid seit langer Zeit jetzt am Bodensee, mit festen Strukturen, mit der Schule zum Beispiel auch, eurem Studio, das ihr da habt, den Räumlichkeiten, die ihr habt. Gleichzeitig seid ihr auch unterwegs, du warst jetzt gerade in Italien, wenn ich mich recht erinnere? 

Udo Berenbrinker: Wir haben ein Straßentheaterstück gemacht, das ist letztes Wochenende in Konstanz an verschiedenen Stellen gleichzeitig gespielt worden. 

Klaus Reichert: Das heißt also, auch vorher wart ihr viel in Bewegung. Ihr habt das Umfeld häufig gewechselt, und wenn es auch mal nur für ein paar Tage oder zwei Wochen war. Beeinflusst das deine Fähigkeit, den Blick zu wechseln, die Perspektive zu wechseln?

Udo Berenbrinker: Das hat von Anfang an begonnen. Als ich schon auf der Schauspielschule war, war für mich ganz spannend, ich habe mich an den Bahnhof, ich habe in München eine Schauspielschule besucht, an den Bahnhof gesetzt und habe dann Leute beobachtet. Und allein da begann das erste Wahrnehmen der Art der Menschen, aber auch für die Unterschiedlichkeit. Und dann habe ich natürlich viel nicht in Deutschland lernen können, das gab’s alles nicht, es gab keine Clownsschule in Deutschland. Ich habe dann in Sizilien gelebt, ich habe dort eine sizilianische (unv. #00:37:03.0# Comedia de la arte?) hatte ich eine uralte Familie noch kennengelernt, (unv. #00:37:05.9#) Grundstrukturen. Ich habe da meinen Schauspielabschluss in Nancy in Frankreich gemacht, in dieser ganzen Methodik. Also ich war von vornherein natürlich schon in einer anderen Größe und Dimension reingerutscht und bin dann einfach, durch das Spielen bist du von vornherein gezwungen, also wenn du als freier Künstler unterwegs bist. Ich war (unv. #00:37:28.5#) in Kammerspielen engagiert, ich habe Filme gedreht und alles. Und irgendwann bist du schnell am Punkt, du reist rum. Und damit lernst du natürlich eine andere Sichtweise. Ich sag immer, das Reisen bildet dich total, weil du immer wieder in eine andere Stadt kommst, immer wieder in eine andere Kultur. (unv. #00:37:44.9#) gemacht haben, meine Frau und ich, wir haben am Anfang zu Beginn dann das Straßentheater gemacht. Wirklich auf der Straße von der Schweiz bis nach Portugal runter, wo wir dann zwei Monate durch Portugal getingelt sind. Und wirklich von einem Dort zu anderen, und die auf uns dann gewartet haben, wo wir gespielt haben. Und damit kriegst du eine wahnsinnig andere Sichtweise für Kulturen und für Menschen. Aber das musst du mögen, das musst du mögen. Da musst du wirklich auch ein Typ dafür sein. Das muss nicht unbedingt (unv. #00:38:12.8#). Aber als Trainer bin ich das heute noch. Ich bin ein Vagabund. Ohne, also Corona hat das jetzt alles ausgebremst, aber es war so. Heute Berlin, morgen München, dann wieder Konstanz für ein paar Wochen, dann wieder da, dann wieder dort. 

Klaus Reichert: Das ist ja jetzt auch wirklich spannend. Ihr habt das ja auch geschafft, dass ihr diese Dinge, die du gerade angesprochen hast, diese Erfahrung, diese Erlebnisse umzuwandeln in ein oder mehrere Produkte. 

Udo Berenbrinker: Ja genau! 

Klaus Reichert: Und das finde ich besonders faszinierend. Da tun sich ja viele Leute schwer damit, tatsächlich Dienstleistungsservice, Trainings, Produkte zu entwickeln mit dem Wissen, das sie haben, und das so zu machen, dass tatsächlich nicht nur sie selbst verstehen, wovon sie sprechen, sondern die anderen das eben auch mitbekommen. Da war ich bei euch wirklich beeindruckt. Das ist ja auch etwas, was ich jetzt als Unternehmensberater und als Coach mache, um da Menschen dabei zu helfen. Aber die Art und Weise, wie ihr das macht, gefällt mir wirklich sehr gut. 

Udo Berenbrinker: Ja, das ist die große Qualität meiner Frau. Die ist unsere Beraterin (unv. #00:39:21.0# im Unternehmen?). Die hat eine Wahnsinns-Fantasie, was Trainings anbetrifft. Die könnte dir, wenn sie Zeit hätte, würde die dir sofort auf der Stelle vier, fünf neue Trainingstools entwickeln können. 

Klaus Reichert: Ja, so geht’s mir dann auch immer wieder. Da muss man dann aufpassen, dass man nicht zu viel auf einmal macht, dass man dann auch ins Umsetzen kommt. Ja, da sind wir auch genau beim Punkt. Im Smart Innovation Podcast geht’s ja auch darum, vom Zuhören ins Mitmachen zu kommen. Und was mich interessieren würde, ist: Welche ein, zwei, drei Hilfen oder auch Übungen kannst du jetzt den Teilnehmenden, den Zuhörenden mitgeben, damit sie selbst anfangen können, für sich einen Perspektivwechsel leichter herstellen zu können? Vielleicht auch unter dem Aspekt, wie können wir im Alltag leichter neue Perspektiven entdecken? Gibt’s da so eine Übung, die du teilen kannst? Etwas Einfaches erstmal als Einstieg. 

Udo Berenbrinker: Als Einstieg würde ich trotzdem, bevor man das auf einer Papierebene macht, es ist immer wichtig, dass du in deiner Körperlichkeit leicht und locker bist. Das kann ich jetzt nicht vormachen, es gibt dann eine bestimmte Art zu gehen. Weil es auch gesundheitsmäßig besser ist. In dem Moment verändert sich dein Körper und damit hast du eine Flexibilität im Geist. Das musst du davor schalten, das kann ich leider nicht vormachen, weil wir ja kein Video haben, sonst hätte ich dir das jetzt gezeigt. 

Klaus Reichert: Schlackselt man da so vielleicht ein bisschen rum oder wie ist das so? Yeti-mäßig?

Udo Berenbrinker: Die Füße von vorne nach hinten abrollen, als wie üblich von hinten nach vorne abrollen. Das machen wir, wenn wir Jogginglauf machen, automatisch. Und es gibt auch diese Bewegung dieser Barfußschuhe, die, wie du vielleicht schon mitbekommen hast, darauf die Orthopäden aufbauen. Durch diese Beweglichkeit des Fußes, wenn du so auf und ab läufst sozusagen, bewegst du dich so und auch nur so und dann läufst du von hinten nach vorne. Also dann geht’s nach vorne und damit kommst du in eine Beweglichkeit, wo du automatisch leichter wirst. Ich sag immer, ein bisschen kindlicher wirst. Und das ist der erste Schritt, wenn du den machst, kommst du automatisch in so eine Verspieltheit. Und das ist eine ganz gesunde Bewegungsform, die Orthopäden empfehlen das inzwischen sogar, weil durch die andere Bewegung schlägt das immer am Ende (unv. #00:41:46.3#) und du verspannst dich. Und das löst die Verspannung im Körper also auf und automatisch (unv. #00:41:52.1#). Also ich finde das faszinierend, ich habe jetzt ganz vielen Unternehmen diesen Gang beigebracht, und den kannst du dann immer mehr reduzieren. Aber man merkt, dass sie ihn beibehalten. Und das ist der erste Schritt eigentlich. Der zweite ist, dass du eigentlich morgens, bevor du aufstehst, in den Spiegel schaust und mal nicht sagst, oh Gott, was passiert mir heute im Job. Oder (unv. #00:42:18.4#) zum Beispiel, dass die Frauen immer sagen, wie viele Falten habe ich, sondern dich anlächelst, ganz bewusst. Wenn du die Augen aufmachst in diesem inneren Lächeln, lächele dich mal persönlich an, schenke dir dein eigenes Lächeln am frühen Morgen. Dann passiert in deinem Gehirn eine ganz starke biochemische Wertigkeit, dass du auf diese positive Ebene kommst. Und wenn du dann meine Übung, (unv. #00:42:43.6#) anbiete, den Perspektivwechsel, dass du eben sagst: Du hast ein Problem, irgendein einfaches mal, und für das suchst du die zehn schlechtesten und unmöglichsten Lösungen, die dir einfallen, so dass es dir richtig Spaß macht. Du musst aber zehn finden. Oft bei sehr kopforientierten Leuten hört das bei zwei auf, bei einem Großteil von uns, die das zum ersten Mal machen, hört es bei fünf auf. Und jetzt musst du weitermachen. Entweder musst du dann aufstehen und dann findest du so zehn verrückte Lösungen, ganz Banales eben, zu Hause wird nie abgewaschen. Du schmeißt nur noch alles zum Fenster raus, was gewaschen wird. Oder du schaffst dir eben nur noch das Geschirr an oder, oder, oder. Also wirklich ganz, die müssen nicht normal sein. Das Gehirn sucht irgendwann innerhalb dieser Ebene eine Lösung, die machbar ist, aber die anders ist. Das ist eine Sortierung innerhalb des Gehirns. Am besten mal so zu zweit, denn dann fallen dir viele Sachen ein. Und dann setzt du es einfach (unv. #00:43:46.0#), indem du zehn unmögliche Dinge aufschreibst. Und dann schaue am Schluss auf dieser Liste, ob da irgendetwas ist, was du real umsetzen kannst. Wenn das nicht gleich passiert, gibt’s den nächsten Schritt, dass du nicht mehr sitzenbleibst. Sondern du fängst an zu laufen. Du hast ein Problem oder irgendeine Situation und versuchst rum zu spinnen im Gehen. (unv. #00:44:09.7#) plötzlich merkst du, oh, mir fallen noch mehr ein. Und das mache ich im Endeffekt, wenn ich Teamtraining mache, setze ich das Team zusammen, schicke die nach draußen für 20 Minuten, sie sollen spazieren gehen und eines der wichtigsten Probleme auf die Art und Weise lösen. Und das funktioniert super. Tamala ist aus solchen Strukturen entstanden. Mit solchen Methoden haben wir gearbeitet. Und auch unser Team arbeitet bis heute noch so. Wir gehen dann wirklich raus und rennen, joggen, sie machen was, sie sind in Bewegung und entwickeln solche Sachen dann. 

Klaus Reichert: Auf der einen Seite eine einfache Lösung in einen Perspektivwechsel-Modus zu kommen oder den zu trainieren, ist Bewegung, eine besondere Art von Bewegung? 

Udo Berenbrinker: Ja. 

Klaus Reichert: Das andere Hilfreiche ist, morgens, bevor es überhaupt losgeht, sich selbst anzulächeln und damit im Grunde ja auch selbst zu akzeptieren und mal noch auch zu sagen: Es ist gut, wie du bist. 

Udo Berenbrinker: Ja, genau! Das ist dahinter eigentlich. Ja. 

Klaus Reichert: Man kann das beliebig vertiefen, aber eine einfache Methode, die jeder sozusagen, jede dann auch heranziehen kann, ist zuerst mal die Fragestellung verdeutlichen und dann versuchen, die jeweils zehn schlechtesten Lösungen zu finden dafür, die gerne auch besonders abgefahren sein dürfen. 

Udo Berenbrinker: Ja. Und das hat was mit dem Gehirn, das Gehirn hat plötzlich Spaß mal anders zu denken. Das hat richtig Spaß. Und wenn du es mit Spaß machst und dann plötzlich merkst, zack, gibt’s da einen Sprung in tatsächlich etwas, was nicht ganz (unv. #00:45:58.2#) dass da sofort eine Lösung drin ist, die oft eher (unv. #00:46:02.4#) ist, umsetzbar ist. Das ist eine reine Gehirngeschichte, die da oben abläuft. 

Klaus Reichert: Da wird ja das Wort ganzheitliches Denken komplett neu definiert, findet ich. 

Udo Berenbrinker: Ganz genau! Ja. Wir begreifen uns als ganzheitliches Wesen, aber da gehört eben alles dazu, die Struktur im Gehirn zu verändern, die Struktur in deiner Körperlichkeit verändern und vor allen Dingen die Wahrnehmungsebene zu verändern. Und diese drei Elemente führen zu einem neuen umfassenderen (unv. #00:46:30.2#). Weil wenn du die Clownsnase (unv. #00:46:32.7#) aufsetzt, verlierst du den Tunnelblick. Du guckst nicht mehr geradeaus, sondern die Nase führt dazu, dass du peripher siehst. Weil du kannst gar nicht mehr so gucken. Du guckst so an der Seite. (unv. #00:46:48.4#) das mit dem Wort des peripheren Blicks. Wir Alltagsmenschen, das ist natürlich hier durch unsere Laptop-Arbeit noch viel schlimmer geworden, wir gucken nur in einen Tunnel und sehen nur, was direkt vor diesen, haben links und rechts alles vergessen. Und die (unv. #00:47:02.2#), weil die dazwischensteht, verhindert das, du siehst alles, was da passiert. Und (unv. #00:47:10.8#) wie ein Traum. Weil du guckst nicht nur so, sondern aha, was passiert hier denn überall.

Klaus Reichert: Wenn wir die Kamera vor uns haben, dann gucken wir genau in diesen kleinen Punkt rein, mehr nicht. 

Udo Berenbrinker: Das ist das (unv. #00:47:22.0#). Ja. Ja. 

Klaus Reichert: Udo, habe ich was vergessen zu fragen zum Thema Perspektivwechsel oder etwas, was hier außen rum noch passt?

Udo Berenbrinker: Was vielleicht noch mal klarer werden müsste, dass man das einsetzen kann, um wirklich in vielen Unternehmensbereichen neue Strukturen zu etablieren. Also bis hin, ich sag’s (unv. #00:47:53.5#), bei Apple haben die eingerichtet ein (unv. #00:47:56.7# Ruhezimmer?) für die Mitarbeiter in der Pause. Und in der Klinik in Konstanz in der Mittagspause gibt es Lach-Yoga. Das ist so eine Bewegung, da wird das Lachen (unv. #00:48:07.5#), um in eine andere Aktivität zu kommen. Und das sollten sich viele vielleicht noch mal auch als Perspektivwechsel sagen: Aha! Ich kann auch einfach mal mein ganzes Umfeld anders strukturieren. Warum müssen wir uns am Abend immer nur die schlechten Nachrichten einbauen? Müssen wir uns immer nur Krimis reinziehen und gucken nicht mal, dass wir mal einmal heftig lachen können? Solche Sachen. Weil die Wissenschaft hat nachgewiesen, wir sollten 200-mal am Tag lachen, damit wir kein Burnout kriegen, damit wir keinen Herzinfarkt kriegen. Menschen, die das tun, kriegen das einfach nicht. Das ist eine medizinische Wirkung. Und das finde ich, gehört auch zum Perspektivwechsel dazu, sich einfach zu erlauben, mal diese Freude sich zu gönnen, auch wenn es um uns herum drunter und drüber geht. Also dann erst recht. 

Klaus Reichert: Im Grunde dann auch nicht nur der Fels sein, sondern der lachende Fels?

Udo Berenbrinker: Ja. Ja. Dass wir Leuten damit helfen können, das ist ja (unv. #00:49:13.6#), du kannst damit auch noch mal Leute raussuchen, die alles so deprimiert sind, es gab die Corona-Zeit, das ist da ganz wichtig. Da haben wir jetzt Sachen gemacht hier, lasst uns mal hier (unv. #00:49:26.6#) lachen einfach nur (unv. #00:49:29.9#) 

Klaus Reichert: Toll! Danke! Wir haben noch eine Frage aus dem teilnehmenden Kreis. Wie holen Sie Teilnehmer ab, wenn sie aus Gruppenzwang teilnehmen? 

Udo Berenbrinker: Ja. Das ist genau das, was ich vorhin definiert habe. Dann muss ich es wirklich erklären und muss raushören, warum sie dort zwanghaft sind. Also ich sage, wer dort zwanghaft hingeschickt wird, wird in den Widerstand gehen. Das ist wie, wenn sie Kinder zum Nachhilfeunterricht schicken, dann wird erstmal, wenn sie nicht das einsehen, warum, und dann muss ich deshalb über das Bewusstsein kommen. Ich tue deshalb in solchen Gruppen, wenn das viel ist, ganz viel erklären, warum Humor wichtig ist, warum diese ganze Arbeit wichtig ist, was dahintersteckt, was das mit uns macht, sowohl aus der medizinischen als auch in der Kommunikationsstruktur. Um dann so langsam in (unv. #00:50:30.1#) hineinzukommen. Und dann bin ich natürlich, das gebe ich offen zu, ein bisschen provokant. Ich sage ja immer, wer zu mir kommt, der muss damit leben, ich sitze zum Beispiel von vornherein auf dem Schreibtisch und lass meine Beine baumeln und rede mit dem Körper ganz (unv. #00:50:46.4#). Okay, das ist das erste Unbekannte. Und dann fordere ich sie alle zum Aufstehen auf. Bei mir bleibt keiner sitzen. Und (unv. #00:50:52.4#) hole ich sie alle raus. Und es gibt ganz wenige, die dann wirklich sich weigern. Und das Verrückte ist, wenn ich ihnen alle die Nase irgendwas aufsetze, wird der letzte rumspinnen und irgendwas, endlich darf er, weil ich gebe Erlaubnis. Es geht um ganz, ganz viel Erlaubnis, damit auch sie mitkommen dann. 

Klaus Reichert: Das heißt, man kann mitmachen, man macht sich nicht lächerlich. Der erste, der vielleicht sich dazu durchringt, dann quasi jetzt einzusteigen, der hat es vielleicht am schwierigsten, aber der zweite, dritte, vierte ist dann derjenige, der dann eigentlich nur noch mitmacht, weil die anderen ja schon den Weg bereitet haben. 

Udo Berenbrinker: Und ich gebe es vor. Ganz stark Vorbildcharakter. Das geht. Ich sage, das geht tatsächlich. Ich bin ein Mann, der 65, 66 ist, ich bin körperlich fit, ich bin alles noch da, also sehe ich, es geht. Und dadurch, dass ich das agiere und sie mitnehme, geht das dann schon. Dann passiert genau dieses Phänomen. Also wenn die Leute, ich denen irgendwann die Nase aufsetze, dann ist es sogar manchmal, dass ich das Gefühl habe, so, jetzt muss ich mal langsam stoppen, das gerät mir hier aus dem Ruder. Grad in so Zielgruppen, die erst mal nichts wollen. 

Klaus Reichert: Ah, gut! 

Vielen Dank, Udo, dass du dir heute die Zeit genommen hast und etwas über Perspektivwechsel erzählt hast. Vielen Dank, dass du dabei warst.

Udo Berenbrinker: Danke schön! War wunderschön. Ganz andere Struktur. 

Das war der Smart Innovation Podcast. Er wurde mit einem interessierten Publikum live aufgenommen. Vielen Dank fürs Dabeisein und Zuhören! Diese Episode gibt es auch zum Lesen. Der direkte Link ist in den Shownotes. Noch kein Abonnent? Die Show ist überall zu finden, wo es Podcasts gibt. Weitere Informationen zum Podcast und meine Kontaktdaten sind bei klausreichert.de/podcast. Dort gibt es auch eine Übersicht der nächsten Liveaufnahme-Termine. Ich bin Klaus Reichert und das war der Smart Innovation Podcast. 

Tags

Klaus Reichert

Klaus Reichert

Mit dem Innovationscoaching begleite ich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ernsthaft eine nachhaltige Zukunft für ihr Unternehmen, seine Menschen & Leistungen zu entwerfen & umzusetzen – kreativ, gemeinsam, smart - Kontakt

Kommentieren

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .

Artikel teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp

Mehr lesen

Smart Innovation Podcast - aktuelle Folge

Dr. Klaus Reichert

Unabhängiger, kreativer & konstruktiver Vision zu Innovation Coach / ex-Architekt/Pilot/Tech-Gründer / Calder/Giacometti/Technik-Museum Fan

Über 25 Jahre Erfahrung in der kreativen Innovationsberatung, bei digitalen und realen Innovationsprojekten. 89+ Projekte als Coach, Unternehmensberater, Beirat und Interim Manager in den Bereichen Telco, Technologie, Digital, Software, Produktion, Pharma, Bau. Beratene Unternehmen zwischen 228.000 und 1 MA. Praxisnahe & geförderte Leistungen für mittelständische Unternehmen.

Als Innovation Coach bin ich unabhängiger externer Gesprächspartner mit Impulsen und dem oftmals so wichtigen erfahrenen Blick von außen.